Battlestar Galactica: Ein Tribut zum 15. Geburtstag

Sie gehört zu den Paradebeispielen gelungener Reboots: Die Neuauflage von Battlestar Galactica wird heute 15 Jahre alt. Am 8. Dezember 2003 feierte die als Pilot fungierende Mini-Serie bei Syfy in den USA Premiere.

Die Originalserie Kampfstern Galactica lief von 1978-1979 und umfasste 24 Episoden. Sie wurde nach einer Staffel wegen zu hoher Produktionskosten eingestellt. Der günstigere Ableger Galactica 1980 kam immerhin auf 10 Episoden. Aus den insgesamt 34 Folgen wurden drei Kinofilme zusammengeschnitten. 2003 brachte Ronald D. Moore dann Battlestar Galactica zurück auf die Bildschirme. Auf die Mini-Serie folgten von 2004-2009 vier reguläre Staffeln mit insgesamt 75 Episoden.

Obwohl seit dem Ende nun auch schon wieder beinahe zehn Jahre vergangen sind, hallt die Serie nach. Auf Genre-Treffen ist das BSG-Fandom stets sehr präsent vertreten, das ausgezeichnetes BSG-Live-Rollenspiel "Twelve Colonies" erfreut sich großer Beliebtheit und meist sind Zitate oder Hinweise auf die Serie als Reaktion auf neue Fortschritte in der Roboter-Technologie ganz vorne dabei. Auch die Darsteller sind nach wie vor eng befreundet. Für alle waren die Arbeiten an Battlestar Galactica etwas ganz besonderes und sie bezeichnen sich als Familie. Wer den Cast schon einmal getroffen hat, kann dieses Gefühl sicherlich bestätigen - es ist stets eine Freude den Darstellern zu lauschen und auch gemeinsam in ein kräftiges "So say we all!" auszubrechen.

Dabei kommt stets zur Sprache, dass es "nicht nur eine TV-Serie" sei, sondern darüber hinaus Diskussionen gesellschaftlich relevanter Themen angestoßen hat. Höhepunkt hierbei war sicherlich das Sonder-Panel vor den Vereinten Nationen in New York, bei dem sowohl politische Fachreferenten als auch Cast und Crew der Serie etwa über Menschenrechte, bewaffnete Konflikte, Religion und Terror sprachen. Dies untermauerte zusätzlich den Status von Battlestar Galactica als bedeutende "post 9/11-Serie".

Da eine allgemeingültige Auswahl der wichtigsten Szenen unmöglich scheint, gibt es an dieser Stelle nun eine etwas persönlichere Sicht.

1. Der Anfang

Schon der Einstieg der Mini-Serie mit Six in ihrem ikonischen roten Kleid als Kontrast zum grauen, militärischen Schlachtschiff ist beeindruckend. Auch die folgende Szene, die einem ein Gefühl für das Setting, die Galactica und wichtige Crew-Mitglieder geben soll, ist sehr gelungen. Man folgt Starbuck bei ihrer Jogging-Runde übers Schiff und bekommt so schon einen kleinen Überblick und auch den ersten "Nothing but the rain, Sir"-Austausch zwischen Starbuck und Adama präsentiert. Spätestens ab da hatte die Serie meine volle Aufmerksamkeit.

Doch nichts hat mich nachhaltig so fest gepackt, wie das Intro ab der 2. Staffel. Überhaupt verdient die Musik von Bear McCreary eigentlich nochmal eine ganz eigene Lobeshymne. Die Kombination aus dem sphärischen Gesang des hinduistischen Gayatri-Mantras hin zu den treibenden Klängen der japanischen Taiko-Trommeln passt perfekt zur Vielschichtigkeit von Battlestar Galactica.

2. Große Reden

"Moments ago, this ship received word of a Cylon attack against our homeworlds is under way." - ich weiß noch nicht mal genau warum, aber nach wie vor kann ich diese Ansprache von Captain Adama auswendig mitsprechen. Ohne Zweifel hat Edward James Olmos eine einnehmende Präsenz und fungiert auch innerhalb des Casts als richtungsgebende Respektsperson. Seine besondere Fähigkeit zeigte sich beim Dreh einer weiteren Rede. Die Trauerfeier für Opfer des ersten Cylonen-Angriffs war die erste Szene, bei der nahezu der komplette Cast zusammenkam. Zwar gab es natürlich ein Drehbuch, doch die Art der Ausführung und wie er was genau sagt, hat Olmos improvisiert. Das führte zum einen zu einer interessanteren Kameraführung als ursprünglich vorgesehen, als auch ehrlich erstaunte Gesichter und Begeisterung bei allen Anwesenden. Alle haben gemeinsam eine Mission, es gibt Hoffnung. So say we all!

3. Knallharte Wendungen

Zimperlich war man bei Battlestar Galactica ganz bestimmt nicht. Doch auch wenn man etwa bereits vermutete bzw. wußte, dass Boomer eine Schläfer-Cylonin ist, kam ihr Angriff auf Adama zum Ende der ersten Staffel überraschend. Was für ein Cliffhanger! Ähnlich zum Zwischen-Finale der vierten Staffel. "Revelations" ist ohnehin vollgepackt mit Emotionen, da findet man zum Ende doch tatsächlich endlich zur Erde. Große Freude, Erleichterung, Zuschauer und Crew in Feierlaune - nur um kurz darauf mit der grauen, harten Realität konfrontiert zu werden: Nicht das gelobte Land, alles zerstört, die Cylonen waren schon da. Pause.

Eine herbe Enttäuschung, die in der ersten Episode nach der Pause glaubwürdig, und schmerzhaft, transportiert wurde. Zwar ist die verzweifelte Hoffnungslosigkeit zu spüren, doch die gewählte Form der Darstellung von Duallas Selbstmord hat dann doch überrascht und tief bewegt.

4. Computerliebe

Nein, Cylonen sind nicht einfach nur bessere Toaster. Sowohl die Kampfroboter als auch die sogenannten "Skin-Jobs" sind nicht nur technisch ausgereift, sondern auch bei den Gefühlen ganz vorne mit dabei. Es stellt sich also immer wieder die Frage: Was macht einen Menschen eigentlich aus?

Den Akt der Liebe, den Tigh seiner Frau Ellen den Giftbecher geben lässt  hin zu Ellens Erwachen in der Auferstehungs-Badewanne und den handreichenden Cylonen, habe ich beim ersten Ansehen ziemlich gefeiert. Im Folgenden kam es zu einem weiteren Austausch, den ich ebenfalls nach wie vor gerne an allerlei passender oder unpassender Stelle einwerfe: "I don't want to be human. I want to see gamma rays, I want to hear X-rays, and I want to smell dark matter. Do you see the absurdity of what I am?"

5. Tiefe Gefühle

Roslin und Adama, Starbuck und Lee, Baltar und Six, Adama und Lee, Tigh und Adama, Helo und Boomer und viele mehr - jede Menge (nicht nur romantische) Liebe. Doch nichts davon hat alleinstehend so getroffen, wie Adamas Zusammenbruch in Episode 4.10. Roslin wird von Cylonen gefangen gehalten, alles ist hochdramatisch und dann offenbart sein engster Vertrauter, langjähriger Freund, erster Offizier, dass auch er ein Cylone ist. Die tiefe Verzweiflung, Enttäuschung, Wut - eine komplette Gefühlspalette, die Edward James Olmos meisterhaft darbietet, gehört ganz klar zu den ganz großen Momenten der Serie.

Und damit wurden die großen moralischen Fragen, die Battlestar Galactica aufwirft, noch nicht einmal berührt. Heißt also, am besten gleich mal einen Rewatch starten. Wem dazu die Zeit fehlt, sei zumindest dieses Fanvideo ans Herz gelegt:

Battlestar Galactica Tribute - Mensch

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