Kritik zu The Prodigy - Unheimliches Wunderkind

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The Prodigy

Die Mittdreißiger Sarah (Taylor Schilling, Orange is the New Black) und John (Peter Mooney, Camelot, Wynonna Earp) wünschen sich schon länger ein Kind. Als Sarah endlich mit einem Jungen schwanger wird, scheint das kleine Glück vollkommen. Und mehr noch: Der kleine Miles (Jackson Robert Scott, Es) entpuppt sich schon mit jungen Jahren als hochbegabt und setzt damit die Eltern unter großen Druck. Besonders Sarah macht sich Sorgen, den Bedürfnissen des Jungen nicht gerecht werden zu können.

Auch zeigt Miles im Alter von acht Jahren zunehmend gewalttätige Tendenzen, kann aufgrunddessen keine Freundschaften schließen und interessiert sich für den Tod und das Sterben vielleicht etwas mehr, als es Kinder normalerweise tun. Aber was ist schon normal bei einem Hochbegabten? Als der Junge nachts jedoch beginnt, in einer unbekannten Sprache zu sprechen, wird er den Eltern aber langsam doch unheimlich. Schließlich ziehen sie Psychologen und Sprachwissenschaftler hinzu. Einer von ihnen (Colm Feore, Riddick, Thor) entwickelt einen düsteren Verdacht: Könnte Miles tatsächlich von einer alten Seele besessen sein?

Der Fluch der gruseligen Kinder

Kinder in Horrorfilmen - das Genre mit einer langjährigen Tradition ist altbekannt und reizt die Filmemacher dennoch immer wieder. Und trotzdem dürfte schon so ziemlich jeder Drehbuch-Kniff und jede Erzählstrang einmal aufgetaucht worden sein. Von Der Exorzist über Das Omen bis hin zu Das Dorf der Verdammten, The Orphan oder Sinister sind die Kinder mit dem engelsgleichen Aussehen oft genug das personifizierte Böse, das es zu bezwingen gilt. So ist es auch für The Prodigy nicht einfach, noch mit neuen und überraschenden Wendungen aufzuwarten.


Denn auch wenn sich Regisseur Nicholas McCarthy (The Pact, At Devils Door) rühmt, sein Publikum bei einem der ersten Testscreenings mit zu heftigen Gruselszenen verstört zu haben - beim Endprodukt agiert er etwas zu zahm. Wobei hier keineswegs mehr blutige oder gewalttätige Szenen vermisst werden. Vielmehr ist es der nicht ganz so clevere psychologische Horror, der dem Zuschauer hier serviert wird.

Wer die obigen Filme - oder auch nur einen oder zwei aus der Kategorie Kinder-Horror gesehen hat, kennt die gängigen Klischees und falschen Fährten, die das Genre bereithält. Diese in einem neuen Aufguss der Besessene-Kinder-Geschichte noch einmal zu verarbeiten, ist sicherlich schon für sich allein eine Herausforderung. Dass sich im Drehbuch an einer relativ frühen Stelle dafür entschieden wird, das Geheimnis um den Jungen aufzuklären, tut der Spannungskurve von The Prodigy ebenfalls keinen besonders großen Gefallen. Zwar kann ab diesem Moment der ohnehin nicht sehr komplexe Handlungsbogen fallengelassen und das Kind als reine Bedrohung inszeniert werden, doch für den Zuschauer bleibt nun nicht mehr viel anderes übrig, als der Dinge zu harren, die da kommen.

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Orange is the New Satansbraten

Ein Lob muss - trotz des enttäuschenden Handlungsbogens und der abgelatschten Motive - an die Darsteller gehen. Taylor Schilling macht auch auf der großen Leinwand einen recht guten Job als Löwenmama. Mit der besorgten Mutter, die sich zugleich vor ihrem enorm anhänglichen Spross ängstigt, hat sie eine neue Facette jenseits der etwas anstrengenden Piper aus Orange is the New Black gefunden.

Und natürlich gebührt Jackson Robert Scott als Sohn Miles ein Großteil der Aufmerksamkeit. Als niedliches Pennywise-Opfer Georgie aus Stephen Kings Es war er nur kurz zu sehen, doch hier dominiert er zusammen mit Schilling jede Szene. Peter Mooney als Vater, der sich vielleicht noch ein wenig mehr als die Mutter vor seinem eigenen Sohn gruselt, fällt hier schauspielerisch im Vergleich ein wenig ab. Doch auch er versucht das lahme Drehbuch mit seiner Verkörperung des ausnahmsweise mal etwas realistischer als gewohnt agierenden Vaters vor dem Zusammenfallen zu retten.

Leider klappt das nicht so ganz, denn die Auflösung ist schlichtweg platt und wenig inspiriert. Und so überzeichnet, dass der Film als Trashperle gelten könne, sind die Figuren dann auch wieder nicht. Aber der Versuch der Darsteller, dem Film eine gewisse Gravitas zu verleihen - schließlich geht es hier um das eigene, lang ersehnte Kind - muss zumindest Genre-intern gewürdigt werden.

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Fazit

The Prodigy ist eine weitere, leider recht uninspirierte Neuauflage des typischen  Kinder-Horror-Genres. Mit einer zu schnell präsentierten Auflösung und einer anschließenden Hetzjagd wird keine große Spannung aufgebaut. Die Kleinfamilie liefert immerhin eine recht ordentliche Performance ab. Pluspunkt für Angsthasen: Wegen des fehlenden Grusels kann man den Film immerhin auch abends und allein schauen - wenn man die neueste Staffel Orange is the New Black oder Es schon von seiner Noch-zu-gucken-Liste gestrichen hat.

zusätzlicher Bildnachweis: 
© Splendid Film
The Prodigy
Originaltitel:
The Prodigy
Kinostart:
07.02.19
Regie:
Nicholas McCarthy
Drehbuch:
Jeff Buhler
Darsteller:
Taylor Schilling, Jackson Robert Scott, Peter Mooney, Colm Feore, Brittany Allen
Das merkwürdige Verhalten ihres Sohnes lässt eine Mutter zu der Vermutung kommen, dass dieser von etwas Bösen besessen sein könnte.

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SPOILER immer mit Spoilertag: <spoiler>Vader ist Lukes Vater</spoiler>

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