Kritik zu Escape Room – (K)Ein Schlüssel zum Erfolg

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Escape Room Movie Still

Die schüchterne Studentin Zoey (Taylor Russel) wird zu einem Escape-Room-Spiel mit fünf anderen Menschen eingeladen. Bald entpuppt sich die harmlose Rätselei aber als ziemlich gefährlich. Langsam kommen die Teilnehmer einem Geheimnis auf die Schliche.

Vielleicht zu Beginn eine kleine Erläuterung: Escape Rooms sind kleine, raumgroße Rätselspiele, in denen es meist darum geht, Zahlenkombinationen oder Mechanismen zu finden, um aus dem Raum zu entkommen. Meistens sind die Räume thematisch gestaltet und vielleicht sogar mit einer kleinen Hintergrundgeschichte ausgestattet. In den letzten Jahren haben Escape Rooms einen kleinen Boom erlebt und sind zu einem beliebten Ereignis geworden, um Freundesgruppen oder Firmenteams zusammenzubringen. Das Besondere an Escape Rooms ist natürlich, dass die Mitspieler alle im Raum eingeschlossen sind und physisch mit den Rätseln interagieren müssen – das alles fällt bei einem Transport auf die Leinwand natürlich weg. Also warum genau muss man einen Film über Escape Rooms machen?

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Escape Room Movie Still

Zugegeben: Das ist bereits zu Anfang eine fundamentale Kritik. Man ist verleitet zu sagen: Diesen Film braucht man nicht. Ihm seine eigene Existenz als Negativpunkt auszulegen, wäre aber ein bisschen unfair – schließlich kann ein Film mit einer derartigen Prämisse auch ganz unterhaltsam sein. Also sollte er auch mit filmischen Maßstäben gemessen werden. Wie gut schneidet Escape Room also ab? Nun ja.

Wer über die Grundprämisse von Escape Room hinwegsehen kann, findet in dem Film immerhin ein paar spannende Momente und nette visuelle Spielereien, die aber grundlegende Schnitzer in der Story oder Inszenierung nicht auswetzen können. Auch die Charaktere werden nur mit schwachen Strichen gezeichnet und können nicht richtig fesseln.

So wird im Laufe des Films aus der verschlossenen Studentin Zoey eine taffe Kämpferin für ihre eigene Selbstbestimmung, und der alkoholsüchtige Ben (Logan Miller) findet aus seiner Depression heraus und kann plötzlich im Alleingang einen Rätselraum lösen. Auch woher die Macher der Escape Rooms so viele Einzelheiten über die tragischen Hintergründe ihrer Spieler wissen, so dass sie die Räume auf ihre Spieler/Opfer zuschneiden können, wird nicht erklärt. Die Story um die Räume legt natürlich eine Fortsetzung nahe, die auch entsprechend angedeutet wird, aber damit hängt das Ende etwas in der Luft und wirkt, vor allem aufgrund der plötzlichen Charakterwendungen, etwas gehetzt und konstruiert.

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Escape Room Movie Still

Auch die einzelnen Räume sind zwar bühnenbildnerisch hübsch gestaltet, laden aber nicht zum Miträtseln ein. Was ein spannendes Element im Film hätte werden können, nämlich die Rätsel in den Escape Rooms in den Mittelpunkt zu stellen, ist leider eher ein Mittel zum Zweck. Stattdessen versucht der Film den Konflikt der Figuren miteinander in den Fokus zu nehmen, was aber aufgrund der flachen Charaktere eher weniger interessant ausfällt. So richtig warm wird das Publikum mit kaum einer oder einem der Dargestellten.

Trotzdem schafft es der Film, hin und wieder etwas Spannung aufkommen zu lassen und verzichtet dankenswerter Weise auf sinnlose Jump Scares. Leider halten weder Atmosphäre noch Spannung wirklich über die knapp 100 Minuten des Films durch. Im Gegensatz zu einem vergleichbaren Ansatz wie Saw verzichtet Escape Room aber zum Glück auf die unnötigen Gewaltszenen beziehungsweise den richtigerweise als solchen gezeichneten Torture Porn. Was nicht heißen soll, dass die Figuren nicht leiden oder gar welche sterben, nur verkommt dies zu einer typischen Geisterhausgeschichte mit der ewig lauernden Frage „Wer stirbt als nächstes?“. Diese Verluste wirken aber wegen der uninteressanten Figuren wenig schmerzhaft.

Der Rest von Escape Room ist solide: Die Darsteller machen aus dem, was ihnen in Drehbuchform gegeben wurde, das wahrscheinlich Beste, Kamera und Musik leisten durchschnittliche Arbeit. Insgesamt ist Escape Room ein mittelmäßiger Film, der vielleicht aufgrund des momentanen Mangels an eher Thriller-lastigem Horror so einen Erfolg hat.

Fazit:

Escape Room schafft es immerhin, manchmal Spannung zu erzeugen, schafft es aber weder, eine erinnerungswürdige Story noch starke Figuren zu inszenieren. Wer Popcorn-Thriller sucht, wird bedient.

Escape Room
Originaltitel:
Escape Room
Kinostart:
28.02.19
Laufzeit:
100 min
Regie:
Adam Robitel
Drehbuch:
Bragi F. Schut, Maria Melnik
Darsteller:
Deborah Ann Woll, Tyler Labine, Logan Miller, Jay Ellis, Taylor Russell, Nik Dodani, Yorick van Wageningen
Ein Escape Room entwickelt sich zur tödlichen Falle für sechs Spieler.

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SPOILER immer mit Spoilertag: <spoiler>Vader ist Lukes Vater</spoiler>

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