DC-Comic-Kritik zu Green Lanterns 3 - 5

Nachdem im Rahmen dieser Reihe zunächst die ersten und später die zweiten Bände (diese sogar im Doppelpack) ausgewählter Reihen aus dem DC-Rebirth-Kosmos im Fokus gestanden haben, folgen nun Dreierpacks, bestehend aus den Nummern 3, 4 und 5 der einzelnen Serien. Spätestens nach der Lektüre dieser Beiträge sollte man dann eigentlich einschätzen können, welche Helden man auch weiterhin lesend begleiten möchte, und welche eher nicht.

Die Phantom-Lantern

Während es in den ersten beiden Green-Lanterns-Paperbacks für Jessica Cruz und Simon Baz jede Menge zu tun gab, sind sie in Die Phantom-Lantern eher Nebenfiguren, und das ist gut so. Das soll selbstredend nicht heißen, dass die “Neuen“ bisher nicht überzeugt hätten, das Gegenteil ist der Fall -, aber Sam Humphries beweist mit dieser inhaltlichen Entscheidung einmal mehr, dass es ihm sehr wichtig ist, originell zu sein und selten das Erwartbare zu tun.

Wie der Titel schon sagt, dreht sich fast alles in diesem die Einzelheftausgaben 9-14 beinhaltenden Trade um den Phantom-Ring respektive denjenigen, der ihn letztlich anlegt. Für Frank Laminski, einen Mann, der im Laufe seines Lebens immer wieder zu hören bekam, nicht gut genug und eine ewige Nummer zwei zu sein, änderte sich von einem auf den anderen Moment alles, als er eines Tages Hal Jordan in Aktion sah. Die berühmteste Grüne Leuchte rettete ihn, den Test-Piloten nicht nur, er tat dies, indem er seinen Ring einsetzte, und Laminski auf diese Weise einen Eindruck davon vermittelte, wie mächtig er tatsächlich war und wie grenzenlos seine Macht zu sein schien.

Autor Humphries nimmt nun den Leser an die Hand und führt ihm mit jeder Seite etwas mehr vor Augen, wie der Protagonist endgültig falsche Prioritäten setzt: Dieser will unbedingt eine Green Lantern werden und begeht damit im Prinzip schon den ersten Fehler. Denn wie könnte er besser beweisen, dass er allein aus Eigennutz handelt. Die Ringe wiederum wählen bekanntlich ihre Träger nach anderen Kriterien aus, und würdig ist nicht, wer egoistische Ziele verfolgt. Besonders interessant wird das Ganze dadurch, dass der Ambitionierte bei diesem Unterfangen durchaus auch Menschen rettet - nur eben aus den falschen Gründen. Folglich führen all seine Bemühungen lediglich dazu, dass sein großes Ziel in immer weitere Ferne rückt. Dass sich schließlich sogar ein Ring fälschlicherweise zu dem Unbelehrbaren verirrt, ist natürlich ein genialer erzählerischer Schachzug, um zu verdeutlichen, dass er kurz davor ist, den Verstand zu verlieren. All seine Bemühungen schienen sich für einen kurzen Moment auszuzahlen, ehe er gewissermaßen live miterleben muss, wie ein anderer erwählt wird.

Für den Leser wird alles, was auf diesen Moment folgt, logischerweise mit einem Schlag doppelt so spannend, weil nun Franks Feindbild feststeht und er fast zeitgleich von einer Möglichkeit erfährt, wie er sich seinen Traum noch erfüllen kann. Doch natürlich hat alles stets seinen Preis, und in diesem Fall muss ihn nicht nur die tragische Figur Laminski zahlen…

Green Lanterns Comic

Polarität

In Polarität finden sich hingegen drei in sich abgeschlossene Einzelgeschichten, die selbstverständlich gleichzeitig etwas zur übergeordneten Haupthandlung beitragen. Dies allein genügt Humphries jedoch nicht, um zu untermauern, wie abwechslungsreich - und dabei dennoch in sich schlüssig - er erzählen kann.

Alles beginnt mit einem gemeinsamen Einsatz von Jessica Cruz und Siman Baz mit den wichtigsten Köpfen der Justice League. Und die beiden schlagen sich so gut an der Seite von Wonder Woman, Batman, Superman & Co., dass sie sogar das eine oder andere Lob erhalten, was den beiden Neulingen selbstredend guttut. Der Übergang zu dem Abenteuer, das sie an der Seite des dunklen Ritters bestreiten, gerät aufgrund der Chronologie der Ereignisse natürlich besonders überzeugend. Denn nun leuchtet jedem selbstverständlich sofort ein, weshalb die menschliche Fledermaus die beiden Lanterns nach Gotham City gerufen hat - sie hat gesehen, zu was die zwei in der Lage sind.

Diesmal hat es das Trio zudem mit einer Bedrohung zu tun, die die Weltenretter dazu zwingt, in mehrerlei Hinsicht über sich hinauszuwachsen. Es geht vor allem um das Innerste der grünen Leuchten, um die Dinge, die sie beschäftigen, quälen, hemmen und davon abhalten, ihr volles Leistungspotenzial abzurufen. Auf diese Weise nimmt man ganz deutlich den roten Faden wieder auf, der sich bereits durch Planet des Zorns und Die rote Flut gezogen hat: Die fehlbaren Menschen sind es nämlich, die wieder und wieder im Fokus stehen, und nicht die strahlenden Heroen. Und so wird einmal mehr unterstrichen, dass diese Reihe zwar wieder und wieder auf sehr unterschiedliche und äußerst gefährliche Gegenspieler setzt, die Guten aber eigentlich primär einen Kampf mit sich selbst führen.

Wie es aussieht, wenn man diesen zum wiederholten Male verliert, erfährt der geneigte DC-Fan in der letzten Geschichte, in der der Titel des Sammelbandes (Polarität) sehr relevant wird. Nach den Red Lanterns betritt nämlich in Doctor Polaris der nächste klassische Green-Lantern-Bösewicht die Bühne. Der Name gibt schon den entscheidenden Hinweis auf dessen innere Zerrissenheit, die den Charakter seit seinem ersten Panel-Auftritt vor mittlerweile fast sechzig Jahren bestimmt. Dr. Neal Emerson, ein Genie, ein Mann, der immer davon träumte, mittels Magnetismus die Welt zu verbessern, allerdings auch ein gefährlicher Superbösewicht mit enormen Kräften. Dass Jessica und Simon zu genau diesem Zeitpunkt ihrer gemeinsamen Reise auf diesen Antagonisten treffen, zeigt deutlich, dass Sam Humphries offenbar selbst kleinere, ein wenig aus der Reihe tanzende Kapitel innerhalb seines Runs als wichtigen Baustein erachtet und entsprechend behandelt. Denn das ungleiche Duo, das sich zunächst so gar nicht verstanden hat, wächst vor den Augen der Leser mehr und mehr zusammen, wodurch diese Zeuge ihrer Entwicklung hin zu vollwertigen Mitgliedern der Liga der Gerechten werden. Noch ist dieser Prozess jedoch nicht abgeschlossen …

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Die Rückkehr der Ersten Lantern

… - so sehen es zumindest einige wichtige grüne Autoritäten, welche die Grünschnäbel auf Mogo, den lebenden Planeten, der selbst Mitglied des Green Lantern Corps ist, beordern.

Unmittelbar nach ihrer Ankunft bekommen die Neulinge in Guy Gardener und Kyle Rayner zwei alte Ring-Hasen als Ausbilder zugeteilt: Ersterer nimmt sich Jessica Cruz an, Zweiterer Simon Baz. Insbesondere für die junge Frau beginnt mit diesem Moment eine sicherlich nicht gerade einfache Zeit, aber auch Simon wird von seinem Mentor sehr gefordert.

Diesmal steht also vermeintlich eine Art “berufliche“ Weiterentwicklung im Zentrum der Handlung. De facto wählt der Autor eigentlich nur einen anderen Weg, um wieder zu den Menschen, denen von jetzt auf gleich eine große Verantwortung übertragen wurde und die nach wie vor von Ängsten und Selbstzweifeln gequält werden, zu kommen. Abermals macht das sympathische Team sichtlich Fortschritte. Diese sind jedoch auch dringend nötig, da das Böse nicht nur nicht schläft, sondern längst - bislang unbemerkt - in Aktion getreten ist. Spätestens nach der Lektüre dieses Bandes dürfte jedem klar sein, dass ein Showdown epischen Ausmaßes unmittelbar bevorsteht. Der Gegner, der seinen Schlag gegen den Laternen-Nachwuchs von langer Hand geplant hat, enorm einfallsreich, außerordentlich mächtig und daher gleichsam überaus gefährlich ist, wird - so viel ist sicher - Jessica und Simon an ihre Grenzen bringen.

Der Punkt, an dem Die Rückkehr der Ersten Lantern endet, ist einer, der reichlich Raum für Spekulationen lässt und ein weiterer Beleg dafür ist, dass die Green-Lanterns-Comics zu dem Besten gehört, was unter dem Banner DC Rebirth erschienen ist. Die Zeichnungen, die nach wie vor in den allermeisten Fällen von Robson Rocha stammen, stehen der inhaltlichen Qualität der Hefte weiterhin in nichts nach. Die Weiten des Weltraums werden von dem Künstler ebenso gut eingefangen wie die unterschiedlichsten Emotionen in den Gesichtern der Haupt- und Nebenfiguren. Das All wird dadurch zu einem ähnlich konkreten, vor Details nur so strotzenden Schauplatz wie die uns bestens bekannte Erde und die Darstellung der Charaktere macht ebendiese nur noch nahbarer.

Fazit

Man muss Sam Humphries ohne Frage ein Kompliment machen: Seine Ideen sind erfrischend, die Story mit viel Weitsicht konzipiert und das Pacing gelungen. Geoff Johns mag den Grünen Leuchten zu “alt-neuem“ Glanz verholfen haben, der Autor in der Ära des wiedergeborenen DC-Universums sorgte aber Minimum dafür, dass dieser für einen langen Zeitraum nicht Gefahr lief, zu verblassen.

zusätzlicher Bildnachweis: 
© DC Comics

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