Ein Bund fürs Leben - Kritik zu Bad Boys for Life

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Bad Boys For Life

Die Zeit ist nicht stehen geblieben für Mike Lowrey (Will Smith) und Marcus Burnett (Martin Lawrence). Die beiden Kumpels, die einst junge Hüpfer bei der Drogenfahndung der Miami State Police waren, gehören nun eher zur alten Garde. Eine neue Riege junger Fahnder (bestehend aus Vanessa Hudgens (High School Musical), Alexander Ludwig (Die Tribute von Panem), Charles Melton (Riverdale), Jacob Scipio (Hunter Killer) und Paola Nuñez (The Purge-Serie)) macht ihnen den Rang streitig. Und auch sonst hat sich einiges verändert in dem Leben der beiden: Marcus ist seit neuestem Großvater und will sich seiner Familie widmen, während Mike seine Karriere noch einmal Revue passieren lässt. Als jedoch nach und nach immer mehr Staatsdiener von einem unbekannten Schützen ermordet werden, scheint auch Mike Lowrey von seiner Vergangenheit eingeholt zu werden.

Bad Boys 3

What you gonna do?

Der Ohrwurm ist garantiert, wenn man nur den Titel hört. Natürlich darf auch im dritten Teil eine Anspielung auf den Überhit "Bad Boys" von Inner Circle nicht fehlen. Es wird außerdem nicht mit der althergebrachten Mischung aus Witz, Action, jeder Menge Verfolgungsjagden und groovenden Bässen gegeizt. Zwar hat man einige der besten Szenen bereits im Trailer verraten. Aber immerhin kann Bad Boys 3 trotz seiner knapp zweistündigen Länge auch im dritten Anlauf nach 1995 und 2003 noch recht solide unterhalten.

Doch was hat der dritte Teil der Actionreihe, die einst Regisseur Michael Bay groß gemacht hat, wirklich Neues zu erzählen? Nun, viel ist es nicht. Aber das muss vielleicht auch nicht unbedingt schlimm sein. Trugen die beiden ersten Teile sichtbar die Handschrift von Bay, hat auch der dritte Teil, den das Duo Adil El Arbi und Bilall Fallah umgesetzt hat, den Regisseur, der sich so oft mehr um großspurige Action als um fein ausgearbeitete Charaktererzählung schert, als unzweifelhaften Paten für die Optik des Films erwählt. Auch hier darf wieder alles zerstört oder in die Luft gejagt werden, was nicht niet- und nagelfest ist. Schließlich erwirbt der Zuschauer mit der Eintrittskarte auch die Erwartung, zwei Stunden mit Reifengequietsche und waghalsige Schusswechsel belohnt zu werden. Und er wird nicht enttäuscht.

Bad Boys 3_Ammo Team

Harte Kerle und junge Hüpfer

Da mutet es beinahe subversiv an, wenn der erste Disput, den sich die beiden Bad Boys im Film liefern, in einem einfachen Wettlauf in der Fußgängerzone endet. Fast erwartet man auch, mindestens einmal den ikonischen Satz “Ich bin zu alt für diesen Scheiß”, den einst Danny Glover in Lethal Weapon (1987) geprägt hatte, aus dem Mund von Marcus zu hören - schließlich bewegen sich die beiden Bad Boys im echten Leben bereits jenseits der 50 Lenze. Doch ihre Chemie stimmt auch nach 25 Jahren noch, und nur darauf kommt es an.

Ursprünglich sollte der Film übrigens schon im Jahr 2008 in die Kinos kommen, wie Produzent Jerry Bruckheimer damals bekannt gab. Allerdings wurde de Projekt erst einmal der Geldhahn zugedreht. Schlussendlich soll Bad Boys 3 nun für gut 90 Millionen Dollar umgesetzt worden sein. Die lange Produktionszeit hat dem Film aber vielleicht gar nicht so schlecht getan. Denn auch sonst hat sich hier durchaus etwas verändert: Das junge Nachfolgeteam ist nicht nur fit, was Technik oder Meinungen zu Therapiestunden für traumatisierte Polizisten angeht. Auch die Frauenfiguren, zumindest diejenigen, die auch tatsächlich im Polizeidienst sind, bewegen sich im Vergleich zur Bay’schen Vorlage fast in emanzipierten Kreisen.

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Bad Boys: The next Level

Es gibt also vergleichsweise wenig nackte Haut, dafür ein paar harte Frauen mit großen Knarren, die auch mal selbst die Handlung vorantreiben dürfen - zumindest ein wenig. Denn schließlich erzählt Bad Boys 3 vor allem von mittelalten Männern in der Sinnkrise. Kein Spoiler: Eine solche lässt sich immer mit ein wenig Action, einem noch größeren Waffenarsenal und noch mehr kessen Sprüchen lösen. So weit, so bekannt und beliebt.

Was in diesem Zusammenhang aber der erzählerisch sehr konstruierte Showdown für einen Sinn hat, der nebenher eine Episode erzählt (und leider nichts davon wirklich zeigt - hier haben die veranschlagten 90 Millionen Dollar wohl doch nicht gereicht), die den Fans der Reihe bisher völlig unbekannt war, wissen wohl nur die Regisseure selbst. Tatsächlich überzeugen kann hier nämlich keiner der Antagonisten, und auch Will Smith und Martin Lawrence wirken hier eher gequält. Schließlich sind die beiden immer am besten, wenn sie sich gegenseitig sticheln können.

Wenn die Zuschauerzahlen die Erwartungen erfüllen, könnte durch den neuen, etwas kruden Handlungsstrang aber vielleicht sogar ein vierter Teil anstehen. Doch ob die Hintergrundgeschichte diesen trägt, bleibt fraglich. Auch kommt leider auch 2020 ein Bad Boys-Teil nicht ohne Anspielungen auf das weiterhin unbefriedigte Sexualleben von Marcus aus - nötig wäre das, wie in den Teilen zuvor, auch hier nicht unbedingt gewesen.

Fazit: Hirn aus, Popcorn her!

Wer die beiden Kollegen und langjährigen Freunde Mike und Marcus irgendwie liebgewonnen hat, wird mit Bad Boys for Life keinen totalen Fehlgriff tun. Humor, Tempo und Action sind durchaus vorhanden, und mehr braucht ein weiterer Bad-Boys-Teil vielleicht auch gar nicht. Tiefgehende Figuren gibt es hier ebensowenig wie eine zwingend logisch aufgebaute Handlung. Vielmehr werden regelmäßig Auflösungen aus dem Hut gezaubert, die auch den Zuschauer, der kurz Popcorn holen war, nicht ausschließen. Für einen unterhaltsamen Kinoabend, ob nun im Kino oder später auf DVD, dürfte somit durchaus gesorgt sein.

zusätzlicher Bildnachweis: 
© Sony Pictures Entertainment Deutschland GmbH
Bad Boys for Life
Originaltitel:
Bad Boys for Life
Kinostart:
16.01.20
Regie:
Adil El Arbi, Bilall Fallah
Drehbuch:
Chris Bremner, Joe Carnahan, David Guggenheim, Anthony Tambakis
Darsteller:
Will Smith, Martin Lawrence, Joe Pantoliano, Vanessa Hudgens, Alexander Ludwig, Charles Melton, Jacob Scipio, Paola Nuñez, DJ Khaled, Nicky Jam, Theresa Randle, Kate del Castillo
Nach über 15 Jahren Abwesenheit stehen Will Smith und Martin Lawrence wieder gemeinsam als Mike Lowrey und Marcus Burnett vor der Kamera.

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