That Hope is You, Part I - Kritik zu Star Trek: Discovery 3.01

SPOILER

Nach gut anderthalb Jahren fliegt die Discovery wieder auf in neue Abenteuer. Wie schon beim Finale der zweiten Staffel führte Olatunde Osunsanmi für Star Trek: Discovery 3.01 Regie. Mit “That Hope is You, Part I” (Ein Zeichen der Hoffnung, Teil I) gelingt ein durchaus vielversprechender Staffelauftakt, der ein wenig wie ein Neuanfang wirkt.

Autsch, das tat weh

Bislang wurde ja gerne der unsympathische Charakter von Michael Burnham, ihr ständiges Geflenne und das facettenarme Schauspiel von Sonequa Martin-Green kritisiert - auch wenn es dazu geteilte Meinungen gibt. Umso erfreulicher, dass beiden in dieser Episode nicht einfach nur viel Handlung und Screen-Time, sondern eben auch Raum zum Atmen und Entfalten zuteil wurde. Martin-Green kann, wenn man sie lässt.

Zwar sieht man Burnham auch diesmal nach wenigen Minuten wieder weinen - das aber aus sehr verständlichen Gründen und mit ergreifend dargestellter tiefer Vielschichtigkeit. Nicht jeden Tag fällt man weit weg von Zuhause auf sich alleine gestellt mit einem Zeitsprung von 930 Jahren aus einem Wurmloch auf einen fremden Planeten und nimmt auf dem Weg einen Raumschiff-Unfall mit - ohne jetzt auch noch alle Erlebnisse der letzten zwei Staffeln aufzuführen. Zwar ist es nicht wie gehofft und angepeilt Terralysium, sondern der Planet Hima geworden - aber sie hat überlebt und die Scanner melden vielfältige Lebensformen. Neben Weinen aus Schmerz, Erschöpfung und Alleinsein also auch aus Erleichterung, weil der Hauptkern der Mission - Control besiegen und von der Auslöschung allen Lebens abhalten - geglückt scheint. Und da wusste sie noch nicht mal, dass sie später am Tage noch von einem Trance-Wurm verschluckt und wieder ausgespuckt wird ...

An dieser Stelle möchte ich gar nicht mehr viele Worte über den Roten-Engel-Anzug verlieren. Möge er noch die nötigen Daten an die Discovery senden und sich dann wie angewiesen selbst zerstören. Bye, Felicia. Meinethalben kann er ja in ein paar Jahrzehnten in irgendeiner neuen Trek-Serie als Relikt aus dem Kanon wieder auftauchen.

Zwar kommt mir Burnham nach dem Himmelssturz etwas zu unbeschadet daher, allerdings ist der Wechsel hin zum Sternenflottenoffiziersmodus, den sie zu nutzen weiß, um sich überhaupt zum Aufstehen und Weitermachen zu motivieren, sehr gelungen und ja, auch emotional berührend. Ein kurzes Sammeln nach dem Crash und dann die antrainierte Routine: Schlüssel, Handy, Portemonnaie beziehungsweise Abzeichen, Phaser, Tricorder, Notnahrung - auf ins Unbekannte.

Howdy, Fremder!

Burnham hat aber auch echt immer Glück. Bei allen möglichen Zufällen kracht sie ausgerechnet in das Raumschiff eines Typen, der ihr noch voll nützlich wird, dabei wahnsinnig gut aussieht und sich nach ein wenig hübschem Kampfgeschehen auch noch sehr leicht davon überzeugen lässt, sich ihrer (missmutig) anzunehmen.

Cleveland “Lando” “Book” Booker-Solo ist der ausgewählte Erklärbär und Reiseführer in diese für uns alle neuen Welt. Sein eigentlicher Job ist Kurier beziehungsweise Artenschützer, wie wir später erfahren. Dafür stiehlt er gerne mal wertvolle Frachten und ist entsprechend gefühlt permanent auf der Flucht vor den von ihm Gehörnten. Cosmo, der Space-Ork/Betelgeusian, spielte übrigens Doug Jones’ Kollege David Benjamin Tomlinson, der in Discovery unter anderen schon als Linus zu sehen war.

Hoffentlich bleiben uns Books Schiff “Nautilus” (eine eigenartige Mischung aus Apple-Store und Luxusautohaus nebst Zigarrenbar) sowie Grudge, die Maine-Coone-Katze mit Schilddrüsenunterfunktion und Königinnen-Status (Gestaltwandler? Alien? Da kommt doch noch was!), erhalten. Book jedenfalls dürfte ein neuer Hauptcharakter/Ersatz für Tyler/Voq sein und Burnham von nun an ein wenig begleiten.

Vielleicht finden wir auf diesem Weg auch noch mehr darüber heraus, was er ist und wieso er so toll leuchten und Wasser sowie Pflanzen bändigen kann. Für den Anfang gebe ich mich mit “ist eine genetische Mutation, und weil ich anders bin, hat mich meine Familie verstoßen” und Future-for-Future-Aktivist zufrieden.

Schönes Island

Wow, Reykjavík hat sich prächtig entwickelt. Wobei man den Look einer generischen Sci-Fi-Großstadt à la Blade Runner und Fünften Element halt schon mögen muss. Auf der Suche nach Ersatzteilen für den defekten Antrieb macht sich Book mit Burnham auf zu einem der Kurier-Umschlagplätze, der zumindest in diesem Fall von Orionern und Andorianern gemeinschaftlich betrieben wird.

Auch wenn sich alles einen Hauch mehr nach Star Wars anfühlt, so ist das rege Treiben bekannter Aliens aus dem Trek-Universum - etwa Tellariten und Lurianer als Handlanger - in einem sehr kapitalistisch geprägten (Schwarz-)Marktumfeld ein spannender Handlungsort. Gerade weil man hier nicht mit hochrangigen Offizieren und Diplomaten zu tun hat. Schon die wenigen winzigen Einblicke in den Alltag der Arbeiter (“Das dauert wieder so lange”, “Sollen wir erstmal ein Sandwich essen gehen?”) sind ein gern gesehenes Schmankerl.

Burnham als (etwas spleenigen) Fan von quasi “Living History” und Händlerin antiker Gegenstände zu verkaufen, ist ein durchaus amüsanter Schachzug, um gar nicht viel Zeit auf die Erklärung zu verschwenden, wieso sie zur Zeit unpassend und aus der Welt gefallen zu sein scheint. So lässt sich das einfach und fix in die laufende Geschichte mit einbinden.

Auch wenn es Drogen dazu braucht, aber Burnham im Redeschwall, lachend ob ihrer angestauten Verwirrtheit zu sehen, ist nicht nur eine nette Abwechslung, sondern zudem sehr schön in Szene gesetzt und gespielt. Trotz Warnung würde ich nun aber doch auch gerne Tilly unter Einfluss des Sprays erleben.

Von spannenden Handlungs- zu schicken Drehorten: Nicht nur Burnham, auch die Produktion hat es in neue Welten geführt. Gruppenausflug mit Außenmission in Island war angesagt. Und man weiß die Insel zu nutzen. Hinter einem Wasserfall in uriger Landschaft kommt so ein Sci-Fi-Kampf (inklusive Mega-Man-Kanonen-Arme) nochmal besonders gut, und natürlich tauchen Burnham und Book in eine der blauen Lagunen und warmen Quellen ein, nachdem sie schon durch die Weite des schwarzen Vulkangesteins gelaufen sind.

Hoffnung ist eine mächtige Kraft

Springen wir am Ende noch einmal an den Anfang - die Episode startet mit einer Einstiegsszene, die erst einmal im Raum stehen gelassen wird und ein wenig nach Black Mirror anmutet. Es stellt sich heraus: Es handelt sich um Aditya Sahil (Adil Hussain), der seit vier Jahrzehnten die Tradition seiner Familie fortführt und als einer der letzten verbliebenen Föderations-Anhänger auf einer mehr oder minder verlassenen Station die Stellung hält.

Im Verlauf der Folge erfahren wir, dass es vor etwa 100-200 Jahren zum großen Knall “The Burn” kam: Nahezu alles Dilithium ist spontan und zeitgleich explodiert. Da Dilithium in jedem Warp-Kern enthalten ist, sind entsprechend quasi alle Föderations-Schiffe komplett zerstört und viele Tote zu beklagen. Das hat weitreichende Folgen: Reisen über weite Entfernungen ist nur noch schwer, sehr langsam oder auch einfach gar nicht möglich. Selbst Langstreckensensoren sind nicht mehr existent oder zumindest selten. Die Föderation hat sich noch bemüht, bestehen zu bleiben. Aber im allgemeinen Chaos und weil zwischen den meisten Sektoren keinerlei Kontakt mehr besteht, ging sie unter - nur vereinzelte “wahre Gläubige” halten an der Föderations-Idee fest.

Nun könnte man vermutlich die Idealisierung einer militärischen Hierarchie unter Aufgabe des eigenen Selbst nebst Glorifizierung von Fahnen sowie die ordentliche Portion Pathetik kritisieren. Ändert allerdings nichts daran, dass Sahil und auch Burnhams Ausführungen darüber, dass die Föderation mehr ist als nur Schiffe, für mich komplett funktionieren - dann lasse ich mich auch gerne mit derlei Schmalz verführen und rühren.

Fazit

Es war eine gute Entscheidung, sich erst einmal auf wenige Figuren und einen Handlungsstrang zu konzentrieren, um in der neuen Staffel/Welt anzukommen. Es hilft ungemein, dass Martin-Green und Ajala alias Burnham und Booker sowohl im Schauspiel als auch als Charaktere sofort überzeugen und harmonieren.

Mit sichtbar hohem Produktionsaufwand und in sich stimmiger Erzählung gelingt ein vielversprechender Staffelauftakt. Es braucht Hoffnung. Nicht nur darauf, dass die Serienmacher mit dem Zeitsprung die Kurve tatsächlich bekommen und Discovery neu durchstartet.

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