Weihnachtstradition: Das letzte Einhorn

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Das letzte Einhorn

Zu Weihnachten gibt es viele Filmtraditionen. Sämtliche dritten Programme zeigen Drei Haselnüsse für Aschenbrödel. Die ARD bringt Der kleine Lord. Bruce Willis darf langsam auf den privaten Sendern sterben. Doch es gibt einen Film, der unter den prominenten Sendehinweisen für Aschenbrödel fast untergeht. Ein Film, der eine gesamte Generation geprägt hat: Das letzte Einhorn.

Als Vorlage für den Zeichentrickfilm diente die gleichnamige Erzählung von Peter S. Beagle. Die Handlung ist Fans hinreichend bekannt: Das letzte Einhorn begibt sich auf die Suche nach seinen Artgenossen, die von einem roten Stier gejagt wurden. Auf dem Weg dorthin begegnet es unter anderem dem Zauberer Schmendrick und der Räuberbraut Molly, die es zu Burg des Königs Haggards begleiten.

Auf den ersten Blick mag die Handlung mit einem klassischen „jemand macht sich auf eine große Suche, trifft Gefährten und muss sich am Ende einem Bösewicht stellen“ relativ vorhersehbar und wenig spannend finden. Worin liegt also die Faszination für diese Geschichte, die es regelmäßig zur besten Sendezeit ins Weihnachtsprogramm schafft?

Ein Hauptgrund ist, dass der Autor Peter S. Beagle selbst das Drehbuch zur Verfilmung verfasste. So halten sich die gerade die Dialoge zum Teil wortgetreu an die Dialoge in der Erzählung. Die einzige, deutliche Abweichung zur Vorlage besteht darin, dass sich der Film auf die Haupterzählungsstränge konzentriert und somit einige Szenen, die den größeren Kontext erklären können, verloren gegangen sind.

Nicht verloren gegangen ist jedoch, dass Beagle sich deutlich Gedanken um die Namensgebung seiner Charaktere Gedanken machte. So heißt das Einhorn in seiner menschlichen Gestalt Lady Amalthea und ist damit nach einer Figur der griechischen Mythologie benannt. Amalthea war eine Ziege, die Zeus mit ihrer Milch ernäherte.
Schmendricks Name entstammt dem jiddischen Wort „Schlemiel“, was in etwa „glückloser Stümper“ bedeutet.

Ebenso lang es Beagle für die filmische Umsetzung so am Herzen, dass eine Realverfilmung damals erst gar nicht zur Debatte stand. In seiner Vorstellung hätte der Film mit den damaligen technischen Möglichkeiten nicht zufriedenstellend umgesetzt werden können.

An der Erzählung selbst arbeitete Beagle zwei Jahre, die erste Idee hierzu kam ihm im Jahre 1962. Die Idee war plötzlich entstanden und fand ihre Inspiration in Kindheitserinnerungen Beagles: eines seiner Lieblingsbuch handelte von einem Einhorn in Kansas; und von einem Maler bekam er als Jugendlicher ein Bild geschenkt, auf dem Einhörner gegen Stiere kämpften.

Die Animation für den Film übernahm das japanische Filmstudio Topcraft und war damit prägend für den Stil des Films. Einige Szenen sind so eindringlich umgesetzt, dass sie gerade für die jüngeren Zuschauer weniger geeignet erscheinen. Zwar hatte man sich damals mit der Darstellung der Wesen im Mitternachtszirkus – so waren der Drache und die Midgardschlange eher angedeutet als detailliert frontal dargestellt – zurückgehalten, jedoch bleibt vielen gerade der Showdown am Ende in Erinnerung: als der rote Stier im Kampf gegen das letzte Einhorn zu sehen ist. Oder wie die Stimmung in der Szene mit dem Skelett auf der Uhr urplötzlich von der Komödie ins Bedrohliche umschwingt. Das letzte Einhorn ist bestimmt kein Film, der durchgängig leicht erzählt ist und bedenkenlos von jeder Altersgruppe gesehen werden kann.

Es ist jedoch ein Film, der eine willkommene Abwechslung zum traditionellen Weihnachtspogramm bietet. Denn erst durch seine Menschwerdung entwickelt das letzte Einhorn Gefühle, die es in seiner ursprünglichen Gestalt nicht kannte. Gefühle wie Leid und Liebe. Und wenn dann die Rolle des Königs auch in der deutschen Synchronisation von Sir Christopher Lee übernommen wird, steht einem gelungenem Filmabend nicht mehr viel im Wege.

Das letzte Einhorn läuft Heilig Abend um 20.15 Uhr auf RTL2.

DAS LETZTE EINHORN (1982) - Deutscher Trailer

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