Kritik zu The Walking Dead 5.10: Them

SPOILER

Die zehnte Episode unserer Lieblingszombie-Soap hat sich stark nach Füllepisode angefühlt, denn so richtig viel passiert ist eigentlich nicht: Die Gruppe ist zu Fuß auf dem Weg nach Washington, hat aber noch 60 Meilen vor sich. Sie leiden an akutem Nahrungs- und Wassermangel, sind daher alle ziemlich fertig und beiden Todesfälle in den letzten Tagen tragen auch nicht gerade positiv zur Laune bei. Die Gruppe findet schließlich einen Wasservorrat, dem sie aber nicht trauen. Noch während sie darüber diskutieren fängt es plötzlich an, wie aus Eimern zu regnen und sie finden Unterschlupf in einer kleinen Waldhütte. In der folgenden Nacht tobt ein schweres Unwetter und am nächsten Tag liegen überall Bäume und zerfetzte Walker herum. Als Maggie und Sasha morgens die Lage checken, treffen Sie auf einen Unbekannten, der sich als Freund ausgibt und so endet die Episode mal wider mit einem Cliffhanger.

Wie gesagt hatte die Episode wenig Knüller, aber viel Füller was die Story angeht. Es war zwar schön, auch mal zu sehen dass die Protagonisten unter den Verlusten leiden und auf diesem Wege auch Charakterentwicklung dargestellt wird, aber die meisten haben wir schon mal in Trauer gesehen und die Folge damit zu strecken, wie die Leute mit sich selbst kämpfen halte ich für keine besonders großartige Idee.

Sehr gut hingegen fand ich die Darstellung der Verzweiflung im Angesicht von Hunger und Durst. Neben den Gefahren durch die toten und lebendigen Menschen gibt es noch andere Probleme mit denen man klar kommen muss. Rick und seine Freunde hatten zwar bisher schon mit einer schweren Grippe zu kämpfen aber bis jetzt hatten sie stets genug Verpflegung.

Ein weiterer toller Einfall waren die wilden Hunde, die die Gruppe kurzzeitig bedrohen, dann allerdings schnell von der immer noch rachsüchtigen Sasha ausgeschaltet werden. Ich hoffe, dass es sich dabei nicht um die Wölfe gehandelt hat, vor denen in Noahs Dorf gewarnt wurde (Wolves are near), denn dann habe ich mich komplett umsonst gehyped was die nächsten großen Bösewichte angeht. Allerdings schien der Typ vom Ende auch nicht sonderlich vertrauenswürdig. Wir werden sehen.

Das eigentliche Highlight der Episode war aber für mich ganz klar Ricks Ansprache in der Waldhütte. Er sprach von seinem Großvater, der über Jahre im zweiten Weltkrieg gedient hat und nur durchgehalten hat, weil er sich stets selbst einredete, er sei bereits tot. Als er die Geschichte dann mit dem berühmten we ARE the Walking Dead beendet, war das schon ein bisschen bewegend. Es wäre sehr leicht gewesen, diesen Spruch zu verbocken, aber Andrew Lincoln hat es geschafft die Nachricht zu vermitteln ohne dabei zu kitschig oder zu albern zu wirken. Als weiterer Bonus wäre hier dann auch noch anzumerken, dass die erschöpfte Gruppe Anfangs nur wenige hundert Meter vor einer Walkerherde entfernt herläuft und den lebenden Toten dabei ziemlich ähnlich sieht. Großartiges Foreshadowing!

Damit sei Maggies Traumsequenz (wenn es denn eine war) dann auch wieder wett gemacht: Die Gruppe schläft friedlich, nur Daryl ist noch auf und beobachtet die Stalltür. Als er sieht, dass draußen Walker unterwegs in Richtung Hütte sind, versucht er die Tür zu schließen, fordert dabei aber keine Hilfe der anderen an. Plötzlich wacht Maggie auf, eilt ihm zu Hilfe, sagt aber auch niemandem sonst bescheid. Auf dieselbe Art und Weise reagiert der gesamte Rest der Gruppe, bis irgendwann nur noch die kleine Judith am schlafen ist. Dann wird der Krach draußen immer lauter, bis plötzlich... Maggie die Augen öffnet und wieder in ihrem Bettchen liegt.

Ich gehe mal davon aus, dass es sich hier um eine Traumsequenz handeln soll und der steigende Lärmpegel dabei die Intensität des Sturms wiederspiegelt. Wäre die Szene kein Traum gewesen ergäbe es absolut keinen Sinn, dass die Walker von Bäumen  und Sturm getroffen wurden, die Hütte aber nicht. Blieben jedoch beide unversehrt, dann hätten die Walker niemals einfach so aufgegeben, die Tür einbrechen zu wollen. Naja, wie auch immer.

Zum Schluss dann aber noch ein Lob, denn die Szene mit dem geknebelten Zombie im Kofferraum fand ich ziemlich stark, obwohl sie total ohne Kontext war.  Wir sehen nur, dass Maggie ein Auto durchsucht und dort diese wieder zu sich gekommene Frauenleiche findet, die an Händen und Füßen zusammengebunden ist und einen Knebeln im Mund hat. Da wir nichts genaueres wissen, bleibt nur die Spekulation darüber, unter welchen Umständen es wohl dazu kam, dass die Frau ihr Grab in einem Kofferraum gefunden hat. Definitiv einer der dunkleren Momente von The Walking Dead.

The Walking Dead Staffel 6

Originaltitel: The Walking Dead (seit 2010)
Erstaustrahlung am
31.10.2010 bei AMC / 11. Mai 2012 bei RTL1
Darsteller:
Andrew Lincoln (Rick Grimes), Norman Reedus (Daryl), Lauren Cohan (Maggie), Chandler Riggs (Carl), Melissa McBride (Carol), Steven Yeun (Glenn), Laurie Holden (Andrea), Danai Gurira (Michonne), Sonequa Martin-Green (Sasha), Jon Bernthal (Shane), Sarah Wayne Callies (Lori), Jeffrey DeMunn (Dale), Michael Rooker (Merle), David Morrissey (Govenor), Scott Wilson (Hershel), Michael Cudlitz (Abraham), Emily Kinney (Beth), Chad L. Coleman (Tyrese), Lennie James (Morgan), Jeffrey Dean Morgan (Negan), Alanna Masterson (Tara), Josh McDermitt (Eugene), Christian Serratos (Rosita)
Produzenten: Gale Anne Hurd, David Alpert, Robert Kirkman, Charles H. Eglee, Glen Mazzara, Scott M. Gimple, Greg Nicotero, Tom Luse, Frank Darabont
Basiert auf der gleichnamigen Comicreihe von Robert Kirkman
Entwickelt von Frank Darabont
Staffeln: 9+
Anzahl der Episoden: 115+

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