Labyrinthe - Kritik zu Star Trek: Discovery 5.08

SPOILER

Der finale Hinweis für den Standort der Progenitoren-Technologie ist zum Greifen nah. Auf ihrer Suche stößt die Discovery auf das Archiv, wo sie nicht nur dessen Chef-Archivarin Hy'rell kennenlernen, sondern auch das nächste Rätsel finden. Für dieses muss Burnham in ein Labyrinth der besondern Art eintauchen. Doch auch die Breen sind der Crew der Discovery weiter auf den Fersen, wobei Moll an Bord des Dreadnaught ihre ganz eigenen Pläne verfolgt.

Interessante Location trifft auf langweiliges Rätsel

Die Episode "Labyrinthe" hinterlässt generell einen eher zwiespältigen Eindruck. Auf der einen Seite ist das Archiv ein ziemlich spannender Schauplatz, der optisch ebenfalls zu überzeugen weiß. Auch Hy'rell funktioniert als neue Figur und bringt einen frischen Wind in die Folge. Die Suche nach dem Hinweis selbst ist zwar nicht unbedingt sonderlich kreativ, zu Beginn kann die Umsetzung aber durchaus gefallen, was vor allem auch daran liegt, dass man das hervorragende Set des Archivs nutzt.

Was da gegen weniger gefällt, ist die Tatsache, dass der Fokus bei der Suche nach dem Hinweis wieder einmal nur auf Burnham liegt und alle anderen Figuren, abgesehen von einer Ausnahme, nur Stichwortgeber sind. Auch kann man nach dieser Folge wieder einen Haken bei "Burnhamn weint aus irgendwelchen Gründen" auf seiner Star-Trek-Discovery-Bingokarte für diese Staffel machen. Dabei muss man auch festhalten, dass die Lösung des Rätsels nicht im Ansatz so clever ist, wie die Autoren anscheinend glauben. Gerade Burnham ist ja jetzt nicht unbedingt eine Figur, die in der Vergangenheit durch einen Mangel an Selbstzweifeln und dem Fehlen der Fähigkeit, sich selbst hinterfragen können, aufgefallen. Gefühlt macht sie seit vier Staffeln eigentlich nichts anderes, weswegen es umso uninteressanter ist, das ausgerechnet sie ausgerechnet dieses Rätsel gestellt bekommt.

Auffällig ist zudem spätestens ab dieser Folge, dass Star Trek: Discovery mittlerweile eine Zwei-Personen-Show geworden ist. Generell konnte man der Serie ja schon immer vorwerfen, dass der Fokus zu stark auf Michael Burnham liegt und das ist auch weiterhin korrekt. Ähnliches kann man aber mittlerweile auch über Booker sagen. Auch hier nutzen die Autoren jede Möglichkeit, um diesen möglichst prominent in jeder Folge zu platzieren. Das führt dann immer wieder dazu, dass irgendwelche fadenscheinige Set-ups in das Drehbuch geschrieben werden, die dafür sorgen, dass Booker mit von der Partie sein kann. Das wirkt oft aber extrem konstruiert und ist vor allem auch deshalb schade, da die anderen Hauptfiguren so noch stärker in den Hintergrund rücken.

Der vorhersehbare Twist

Wenig überraschend lassen auch die Breen nicht lange auf sich warten, allerdings ist dieser Handlungsstrang der mit Abstand schwächste. Dies beginnt zunächst einmal damit, dass Hy'rell zu Beginn der Episode noch extrem selbstbewusst erklärt, dass man in jedem Falle auf die Ankunft der Breen vorbereitet sei, nur um dann sofort eine Rolle rückwärts zu machen, als diese dann tatsächlich auftauchen. Hier stellt sich schon die Frage, wie das Archiv Hunderte von Jahren überleben konnte, wenn man eigentlich überhaupt nicht in der Lage ist, einen aggressiven Gegner, der nicht wirklich vernünftig agiert, zu stoppen.

Noch viel schlimmer ist allerdings Primarch Ruhn. Die Figur ist so eindimensional böse, dass sie mehr einer Karikatur als einer tatsächlichen Person ähnelt. Gerade die Entscheidung am Ende, das Archiv trotz des Schwurs zu zerstören, ergibt überhaupt keinen Sinn. Ruhn hat keinen Grund, die Zerstörung anzuordnen, außer der Tatsache, dass er halt böse ist. Im Gegenzug fühlt es sich alles andere als nachvollziehbar an, dass er Moll leben lässt und vor allem, ihr auch erlaubt, die ganze Zeit auf der Brücke zu sein.

Durch dieses unlogische Verhalten merkt man als Zuschauer schnell, worauf die Sache am Ende hinauslaufen wird. Und wenn der Coup von Moll dann schließlich kommt, ist er weder überraschend, noch sonderlich gut umgesetzt. Es geht einfach alles viel zu schnell und wirkt sehr unrealistisch. Wenn Moll subtil Ruhn in sein Verhalten manipuliert und man sich vielleicht noch eine Episode Zeit genommen hätte, wäre die Sache vielleicht nachvollziehbarer gewesen. Leider ist Moll dafür aber auch nicht die passende Figur, den sie wirkt auch in dieser Folge über weite Strecken eher wie ein bockiger Teenager und nicht wie jemand der clever die Umstände zu seinen Gunsten manipulieren kann.

Fazit

Was positiv für "Labyrinthe" spricht, ist der Umstand, dass die Folge eine interessantes Setting bietet und auch flott erzählt ist. Es kommen kaum Längen auf, sodass sich die Sache durchaus gut herunterschauen lässt. Allerdings wird die Serie wieder einmal von ihrem extremen Burnham-Fokus behindert und auch der Handlungsstrang um Moll bleibt weiter ein Schwachpunkt der Staffel.

Star Trek: Discovery

Originaltitel: Star Trek: Discovery
Erstaustrahlung 24. September 2017 bei CBS All Access / 25. September 2017 bei Netflix
Darsteller: Sonequa Martin-Green (Michael Burnham), Jason Isaacs (Captain Gabriel Lorca), Michelle Yeoh (Captain Georgiou), Doug Jones (Lt. Saru), Anthony Rapp (Lt. Stamets), Shazad Latif (Lt. Tyler), Maulik Pancholy (Dr. Nambue), Chris Obi (T’Kuvma), Shazad Latif (Kol), Mary Chieffo (L’Rell), Rekha Sharma (Commander Landry), Rainn Wilson (Harry Mudd), James Frain (Sarek)
Produzenten: Gretchen Berg & Aaron Harberts, Alex Kurtzman, Eugene Roddenberry, Trevor Roth, Kirsten Beyer
Entwickelt von: Bryan Fuller & Alex Kurtzman
Staffeln: 4+
Anzahl der Episoden: 42+


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