Interview

Fedcon 2019: Interview mit Cas Anvar aus The Expanse

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The Expanse Folge 5

Mit Cas Anvar (auf dem Bild links) durften wir einen weiteren Darsteller aus der Serie The Expanse auf der Fedcon interviewen. Der kanadische Schauspieler spielt in der Serie den Piloten der Rosinante, Alex Kamal.

Einen Tag vor unserem Interview gaben die Schauspieler der Serie ein Panel auf der Fedcon. Dort erzählte Anvar, dass er beim Casting seiner Rolle von Alex Kamal die Bitte um ein erneutes Vorsprechen ausgeschlagen hatte und darum bat, die Entscheidung nur aufgrund seines Bewerbungsvideos zu fällen. Er hatte das Gefühl, er konnte nicht besser sein als im besagten Video. Zwar habe er ein mulmiges Gefühl bei dieser Nachricht gehabt, aber das Risiko ging er ein. Über diesen Vorfall, Videospiele und die Macht Sozialer Medien haben wir mit ihm gesprochen.

Robots & Dragons: Bei der Eröffnungszeremonie sind Sie mit dem Smartphone filmend auf die Bühne gekommen. Wie wichtig sind Ihnen die Sozialen Medien?

Cas Anvar: Gute Frage, die hat mir noch keine gestellt. Ich konnte nie wirklich viel damit anfangen, für mich waren Soziale Medien angsteinflößend und gefährlich, weil jeder Mensch auf der Welt was immer sie wollen über jeden anderen sagen und so alle Arten von Chaos verursachen kann. Es gibt keine Art von Regulierung, daher ist es ein sehr furchterregendes Medium.
Nachdem das jetzt raus ist: Es ist auch unglaublich mächtig. Twitter verbreitete sich gerade dann, als die Bevölkerung des Iran ihre ersten freie Wahlen abhalten durfte, und so konnten sie trotz der Medienzensur ihre Nachrichten in die Welt schicken. Und niemand wusste, was während der Wahlen im Iran geschah, ob die Wahlen gefälscht wurden oder kriminelle Handlungen geschahen. Twitter umging damals alle Hürden und Firewalls. Die Leute sahen dann, was geschah.
Sie [die Sozialen Medien, die Red.] haben also die Möglichkeit, die Welt zu verändern. Ein paar brillante, wundervolle Menschen nutzen Twitter um die Welt zum Guten zu verändern. Ich bekam davon schnell viel mit, als unsere Serie abgesetzt wurde und die Fans mit der Macht der Sozialen Medien so viel Lärm machten, dass es jeder auf der Welt hörte, inklusive Amazon. Wir hatten viel Glück, dass Jeff Bezos, der Vorstandsvorsitzende von Amazon, ein Fan der Serie war und als wir begriffen hatten, was passierte, legten alle anderen schon los. Hätten wir nicht Twitter, Instagram usw. gehabt, hätte niemand wirklich von uns gewusst und wir wären wahrscheinlich verschwunden.
Weil also mein Job gerettet wurde – und ich war sehr engagiert bei der Rettet-The-Expanse-Kampagne, ich habe die Sozialen Medien wie verrückt genutzt – wurde ich wohl einer Art Feuertaufe unterzogen. Jetzt realisiere ich: Ich liebe diese Serie, ich liebe meinen Job, liebe, was ich mache. Ich denke nicht von Sozialen Medien als etwas für einzelne Individuen, die auf einer individuellen Ebene miteinander interagieren, sondern ich glaube es ist etwas für große Themen, große Statements, wichtige Botschaften. Wenn ich also etwas habe, von dem ich glaube, dass es viele Leute hören sollten, beschäftige ich mich [mit Sozialen Medien, die Red.]. Und die Fans lieben es, hinter die Kulissen zu schauen und sie interessieren sich für die Serie, aber auch dafür, wer diese Leute sind und was sie zwischen den Serien tun. "Ich kann nicht nach Deutschland reisen, ich kann nicht zur Fedcon, ich wünschte, ich wüsste, was da passiert". Und deshalb gehe ich auf die Bühne und zeige euch, was ich da sehe. Ich denke da aus der Perspektive der Fans, wie cool das wäre, so eine Con aus der Perspektive von Leuten wie William Shatner oder Leonard Nemoy zu sehen...

R&D: …Es kehrt sozusagen die Perspektive um…

Cas Anvar: … genau, und es macht die Schauspieler zu Menschen. Ich bin kein Fan davon, eine Ikone zu sein, idealisiert zu werden und von Menschen angehimmelt zu werden. Ich mag es, gut in meinem Job zu sein und eine freundliche, respektvolle Beziehung zu den Fans zu haben. Sie behandeln mich wie eine Person, aber sie mögen meine Arbeit. Genauso wie ich, wenn sie als Arzt oder Anwalt arbeiten und ich ihre Arbeit respektiere.

R&D: Wo wir bei der Arbeit sind: Auf dem Panel haben Sie erzählt, dass sie mit der Aufnahme ihres Vorsprechens für die Rolle von Alex Kamal aus The Expanse ein Risiko auf sich genommen haben. Diese Handlung hat ein wenig an ihren Charakter aus der Serie erinnert.

Cas Anvar: (lacht) Ja, stimmt. Ich teile viele Erfahrungen und Ansichten und Menschlichkeit mit Alex, seinen Zugang zu seinen Mitmenschen und wie er lebt und ja, da haben Sie recht. Wenn Alex an etwas glauben würde, wäre er auch dieses Risiko eingegangen. Ich bin solche Risiken zuvor eingegangen und hatte Pech. Das Universum wollte, dass das klappt und diesmal hat es funktioniert.

R&D: The Expanse versucht, möglichst nah an den bekannten wissenschaftlichen Fakten über Raumfahrt zu bleiben. Welche Recherchen haben Sie angestellt, um dies akkurat darstellen zu können, beispielsweise das richtige Fliegen eines Raumschiffs?

Cas Anvar: Diese Realitätsnähe war unglaublich wichtig für die Schöpfer und die Autoren der Serie, sie waren total darauf aus, alle Mythen über den Weltraum zu widerlegen, die wir alle so haben, wegen Science-Fiction, die ein falsches Bild des Alls zeigen. Sie wollten die Mythen über Schwerelosigkeit widerlegen, die Mythen über das Vakuum im Weltall, über Gravitation durch hohe Beschleunigung und all diese Sachen. Denn es gibt viele verrückte Sachen, die die Leute glauben, die gar nicht wahr sind.[…] Die Schiffe, zum Beispiel, sind senkrecht zur Beschleunigung gebaut. Oder dass man seinen Helm im Weltall nicht ausziehen kann, ohne, dass der Kopf explodiert. Das würde nicht passieren. Es ist ja nur der Druck von einer Atmosphäre [eine veraltete, physikalische Einheit, die Red.]. Wenn jemand in die Tiefsee hinabtaucht, ist der Druck wesentlich größer, als wenn man seinen Helm [im Weltraum, die Red.] abnimmt. Wir würden nicht explodieren. Wir würden ersticken – langsam –, der Sauerstoff würde aus dem Blut heraus kochen und wir würden langsam erfrieren.

R&D: Haben Sie das alles recherchiert?

Cas Anvar: Wir hatten großes Glück, dass unsere Autoren ein großes Interesse an der Wissenschaft haben. Was wir wirklich recherchiert haben, war zur Schwerelosigkeit. Wir haben ein bisschen Training in der Schwerelosigkeit gemacht, wir haben viele Videos gesehen, in denen auf der [Internationalen, die Red.] Raumstation Sachen in der Schwerelosigkeit gemacht wurden, wir haben mit ein, zwei Astronauten gesprochen, die uns beigebracht haben, wie wir uns im Weltall bewegen. Da haben wir auch den Mythos von Zeitlupenbewegungen in der Schwerelosigkeit widerlegt, denn so bewegt man sich nicht, man ist nicht unter Wasser.

R&D: Letzte Frage: In ihrer Twitter-Biografie schreiben Sie, sie sammeln Comics und seien „Gamer“. Wann und wie finden Sie Zeit, zu spielen und was spielen Sie dann?

Cas Anvar: Ach, ich habe leider nicht mehr soviel Zeit, wie ich möchte. Ich sammle seit meiner Kindheit Comic-Bücher, ich habe ungefähr 10 000 Comics zuhause. Ich war ein großer Superhelden-Fan: Marvel, DC, auch die neuen Comics, Valiants zum Beispiel.
Mein liebstes Videospiel ist The Last of Us. Ein tolles Spiel.

R&D: Also bevorzugen Sie mehr Spiele, die eine starke Handlung haben?

Cas Anvar: Ja, Rollenspiele, ich mag Rollenspiele. Weniger so First-Person-Shooter, die sprechen mich weniger an. Da bin ich wie Alex, er ist auch weniger ein Typ für First-Person-Shooter, obwohl er wahrscheinlich gut darin wäre. Ich bevorzuge mehr die Abenteuerspiele, das Rollenspiel, die Charaktere, die epischen Geschichten – ich liebe Fable, ich liebe Myst, all die tollen Geschichten. So wie The Last of Us. Ich freue mich sehr auf den zweiten Teil und ich habe mitbekommen, dass sie einen Film daraus machen.

R&D: Danke für das Gespräch!

Fedcon 2019: Interview mit The-Expanse-Darstellerin Dominique Tipper

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The Expanse Folge 3

Robots-&-Dragons-Redakteure Johannes Hahn und Stefan Turiak durften auf der Fedcon2019 auch mit einem großen Teil der Besetzung von The Expanse reden. Den Anfang machte Dominique Tipper (Naomi Nagata), die uns verriet, wie ihr Hintergrund als Tänzerin ihr bei den Szenen mit Schwerelosigkeit half, warum sich viele Frauen mit Naomis Hintergrundgeschichte identifizieren können und mit welchen Regisseurinnen und Regisseuren sie gerne zusammenarbeiten möchte.  

Warnung: Im Interview gibt es leichte Spoiler. Hierbei handelt es sich um Informationen bezüglich Dominique Tippers Charakter Naomi Nagata, die in der 3. Staffel von The Expanse eröffnet wurden. 

Robots & Dragons:  Das ist Ihre erste europäische Con. Wie gefällt es Ihnen bis jetzt?

Dominique Tipper: Ja, das stimmt. Zunächst einmal ist es schön, in der Nähe meiner Heimat zu sein (Anmerkung der Redaktion: Dominique Tipper stammt aus London). Außerdem fühle ich mich meinen Besetzungskollegen überlegen, weil ich keinen Jetlag habe. Alle anderen sind erledigt, weil sie aus Amerika gekommen sind, und ich kann frisch und fröhlich ”Guten Morgen!“ rufen. Ich musste nicht einmal in ein Flugzeug steigen, sondern habe einfach den Zug genommen. Aber ja, es ist toll hier zu sein.  

R&D: Sie haben früher als professionelle Tänzerin gearbeitet. Ist dieser Hintergrund in irgendeiner Weise hilfreich, um im Weltraum beziehungsweise. im Fake-Weltraum zu schauspielern oder für Ihr Schauspiel generell?

Dominique Tipper: Ich glaube, es hat wirklich dabei geholfen, die Szenen in der Schwerelosigkeit auszuführen. Nicht unbedingt, wenn wir an den Drähten hingen, weil das einfach für alle Beteiligten unbequem ist. Aber wenn wir uns in Situationen befinden, in denen wir unsere vollen Bandbreite an Bewegungen präsentieren müssen und währenddessen Konversationen führen. Außerdem dürfen wir nicht aufhören zu reden, wenn unsere Gliedmaßen umher schweben. Ich glaube, mein Hintergrund als Tänzerin hat mir bei dieser Koordination und beim Multitasking sehr geholfen, meine Arbeit zu machen. Und generell, wenn ich eine physische aktive Figur spiele, kann ich mich vielleicht etwas besser darauf einstellen als jemand, der nicht zuvor getanzt hat.  

R&D: Das Interessante an The Expanse ist, dass sehr großen Wert auf den Hard-Science-Fiction-Aspekt gelegt wird. Haben Sie zum Beispiel recherchiert, wie sich Menschen im All bewegen und wie sich magnetisierte Stiefel auf die Bewegungen auswirken können?  

Dominique Tipper: Wir hatten einen Choreografen, der uns dabei geholfen hat. Jeder glaubt nämlich, dass man sich wie auf dem Mond oder im Wasser bewegt, wenn man sich in einer schwerelosen Umgebung befindet. Ein großer Teil bestand darin, diesen Irrglauben zu korrigieren und anschließend zu lernen, wie es sich wirklich abspielt. Für mich als Belter bedeutete das außerdem, dass ich mich niemals innerhalb einer natürlichen Atmosphäre aufgehalten habe. Damit musste ich mich zunächst beschäftigen, um mich in die Figur einzufinden. Nur als Beispiel: Immer wenn mich die Menschen sehen, wundern sie sich, wie klein ich bin. In der Serie werde ich größer dargestellt aufgrund der Umstände, in denen meine Figur aufgewachsen ist. Außerdem trage ich Absatzerhöhungen, damit ich ein bisschen größer bin und mich über allen anderen erhebe (lacht). Aber eigentlich bin ich nur etwa 1,70 Meter groß. Es handelt sich einfach um eine Mischung aus vielen Aspekten, die ich nutze und mit denen ich spiele und die ich stets im Hinterkopf habe, wenn wir Szenen drehen oder am Set sind.  

R&D: Bei einer Serie wie The Expanse gibt es immer wieder Plottwists. Zum Beispiel erfahren wir in Staffel 3, dass Sie ein Kind haben. Wissen Sie vorher über Enthüllungen dieser Art Bescheid und hilft Ihnen das bei Ihrer Darstellung?

Dominique Tipper: Wann immer es darum geht, diese Art von Storylines für Naomi zu kreieren, zum Beispiel, dass sie ihren Sohn verlassen musste, weiß ich das schon zuvor. In diesem Fall handelt es sich sogar um den wesentlichen Grund, warum sie sich überhaupt zu Beginn der Serie auf der Canterbury befindet. Das war seit dem ersten Tag meine treibende Kraft. Ich habe alle diese Informationen schon vorab bekommen und einige der Bücher gelesen. Es handelte sich sogar um eine der ersten Informationen über Naomi, die mir eröffnet wurden und das hat alle weitere Handlungen meiner Figur beeinflusst.

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The Expanse

Es war alles so interessant, weil selten Mütter in dieser Weise im Fernsehen dargestellt werden, die ihr Kind aus irgendeinem Grund verlassen mussten. In Naomis Fall war ein Mann der Grund, der sie misshandelt hat. Viele Frauen sind auf mich zugekommen und erzählten mir, dass sie sich in dieser Geschichte wiederfinden konnten. Dass sie ihre Kinder verlassen mussten und sie teilweise seit etwa 16 Jahren nicht mehr gesehen haben. Es war unglaublich interessant, diesen Aspekt zu erforschen und darzustellen.

R&D: Interessant an The Expanse ist auch, dass es sich zu Beginn um eine relativ kleine Science-Fiction-Serie handelte, die aber mit der Zeit und insbesondere am Ende von Staffel 2 und 3 gewachsen ist und jetzt ein Zuhause bei Amazon Prime gefunden hat. Was glauben Sie, ist der Grund für diesen Kulterfolg? Liegt es an den gebrochenen Figuren, an deren reichhaltigen und glaubwürdigen Hintergrundgeschichten oder an den vielfältigen ethnischen Hintergründen der Figuren?  

Dominique Tipper: Ich glaube, es ist so viel. Es ist schwer, genau zu identifizieren, wodurch dieser Erfolg zustande kam. Zunächst liegt es an dem Quellenmaterial. Wenn das nicht so gut gewesen wäre, wie es nun einmal ist, hätten wir auch nicht so eine großartige Serie. Deswegen müssen wir zunächst James S. A. Corey für ihre Arbeit danken. Darüber hinaus gilt der Dank auch den Showrunnern, die sich verpflichtet haben, die diversen ethnischen Hintergründe der Figuren zu respektieren, was in Hollywood auch nicht immer der Fall ist. Und dann noch das Bemühen der Verantwortlichen, die verschiedenen Rassen und Figuren nicht auf stereotypische Weise darzustellen oder handeln zu lassen, was ich als realitäts- und lebensnah erachte.

Eine Welt zu erschaffen, die unsere eigene repräsentiert macht Realismus aus, und das ist es, was The Expanse so gut macht. Viele verschiedene Menschen erkennen sich in der Serie wieder, und es gibt so viele moralische Grauzonen. Es gibt im Grunde kein richtig oder falsch oder gut oder böse. In der einen Woche mag man eine Figur und stellt sich auf deren Seite, und eine Woche später handelt diese Figur in einer Weise, welche die Zuschauer innehalten und diese Person auf eine völlig andere Weise sehen lässt. Ich glaube, dass ist ein Teil, der den Erfolg ausmacht, weil selten jemand komplett falsch und komplett richtig liegt.

R&D: Gibt es ein Traumprojekt, an dem Sie gerne arbeiten würden. Oder einen Traum-Regisseur, mit dem Sie zusammenarbeiten möchten?

Dominique Tipper: Oh mein Gott! Da gibt es so viele: Ich würde gerne mit Denis Villeneuve arbeiten. Mit Céline Sciamma, sie hat zum Beispiel einen Film namens Girlhood inszeniert und einen anderen Film, der für viel Aufsehen in Cannes gesorgt hat. Chan Wook Park und Katherine Bigelow sind unglaublich. Und das sind nur einige von Vielen. Ich weiß allerdings nicht, was meine Traumrolle wäre. Aber ich lasse es Sie wissen, sobald ich sie bekomme.  

R&D: Vielleicht ein bestimmtes Genre: Science-Fiction, Fantasy, ein schweres Drama oder vielleicht sogar eine Komödie?

Dominique Tipper: Auf jeden Fall ein schweres Drama und definitiv eine Komödie. Ich liebe Genres wie Science Fiction oder Fantasy, aber ich glaube, mein Herz hängt zu sehr an Indie-Filmen, und ich kann es kaum erwarten, mehr davon zu machen. Und ich würde definitiv gerne eine Komödie drehen, weil ich sehr, sehr lustig bin (Lacht).

R&D: Vielen Dank für das Gespräch!

Fedcon 2019: Interview mit Captain-Pike-Darsteller Anson Mount aus Star Trek: Discovery

Auf der FedCon 2019 in Bonn war viel los, auch dank der zahlreichen Star-Gäste. Zu denen gehörte unter anderem ein großer Teil der Crew von Star Trek: Discovery, namentlich Wilson Cruz, Shazad Latif, Ethan Peck und Anson Mount.

Wir hatten die Gelegenheit, ein paar Minuten mit Anson Mount zu reden und ihm Fragen zu Captain Pike, seinen Zukunftsplänen und Dungeons & Dragons zu stellen.

Robots & Dragons: Captain Pike ist zwar ein wichtiger Charakter im Star-Trek-Universum, aber letztlich doch mit recht wenig Kontur. Wie haben Sie sich diesem Charakter genähert?

Anson Mount: Ich bin ein ziemlich praktisch veranlagter Schauspieler: Ich bin pünktlich, lerne meine Zeilen und spreche die Wahrheit (lacht).

R&D: Das klingt ja schon ziemlich nach einem Captain Pike …

Anson Mount: Ja, tatsächlich. Ich glaube, er ist offensichtlich ein ziemlich guter Anführer. Wo Lorca dem Spiegeluniversum entsprach und eher dem Gedanken folgte, durch Stärke und Disziplin zu führen, denke ich, dass Pike schlau genug ist, um zu realisieren: Wenn es jemand in die Sternenflotte geschafft hat, ist er auch ziemlich diszipliniert. Ich glaube, er weiß, dass seine beste Ressource sein Team ist. Das ist mein liebste, positive Eigenschaft. Ich glaube, diese Brückenszenen, das hoffe ich, und das sage ich auch als Star-Trek-Fan, sind anders als alle anderen Brückenszenen im Kanon. Denn wenn Pike eine Superkraft hat, ist es die, die Brücke in ein großes Gehirn zu verwandeln. Er ist selbstlos genug zu sagen: „Ich bin baff!“ (lacht)
„Die beste Idee gewinnt, los!“ Und das sorgt für großartigen Teamgeist.

R&D: Sie hatten eine tolle Chemie zwischen Ethan Pecks Charakter und ihrem Captain Pike. Man konnte richtig die Geschichte zwischen diesen beiden Figuren fühlen. Wie haben Sie sich das mit Ethan Peck erarbeitet?

Anson Mount: Das war nicht wirklich schwer, denn ich bewundere Ethan zutiefst. Wir haben eine wirklich wundervolle Freundschaft entwickelt, die darauf basiert, dass er in erster Linie dumm ist und er jemanden braucht, der ihn in dieser Welt an die Hand nimmt. Ich sage das in dem Wissen, dass er das hier liest, denn wir haben diese Form von Freundschaft, bei der wir uns ständig übereinander lustig machen.
Er macht gerade eine Phase in seiner Karriere und seinem Leben durch, die ich schon kenne und er hat … diese Bescheidenheit, die tolle, junge Schauspieler haben, denn das ist die einzige Art und Weise, wie man zuhören kann: dem Leben, der Szene, dem, was einem Gott gegeben hat. Und das bewundere ich an ihm. Ich war wesentlich weniger gut auf das Erwachsenwerden vorbereitet als er.

Interview Anson Mount Fedcon

R&D: Rückblickend bestand ihre Karriere eher aus bodenständigen Rollen: Krimis, Thriller, Western etc. Star Trek erscheint mir als die erste, größere Rolle mit phantastischen Elementen. War das eine bewusste Entscheidung?

Anson Mount: Ja. Also, ein paar Jahre, bevor ich mit Hells on Wheels [einem Western in der Frühzeit der Eisenbahn, die Red.] anfing, habe ich das Universum um einen Western gebeten. Nach drei Jahren, in denen ich mich im Schlamm gewälzt und nach Pferd gestunken habe, hatte ich das Gefühl, dass Gott mich auslacht. Und danach sagte ich dem Universum: Science-Fiction. Und: Wow! (lacht) Jemand hat wohl zugehört!

R&D: Also wollen Sie mehr davon machen? Fantasy oder Science-Fiction?

Anson Mount: Absolut, ja! Ich meine, ich spiele Dungeons & Dragons und schaue Star Trek!

R&D: Sie spielen Dungeons & Dragons?

Anson Mount: Ja, ich hab eine Kampagne geleitet, vor ungefähr sieben Jahren, bevor wir alle zu beschäftigt waren.

R&D: War es schwer, zu einer bereits eingespielten Schauspieltruppe dazu zustoßen? Sie spielen ja eine Autoritäts-Figur, die von außen herein kommt.

Anson Mount: Ich habe so etwas noch nie wirklich gemacht, also in der zweiten Staffel in einer wiederkehrenden Rolle eingeführt zu werden. Aber es half, dass der Charakter sozusagen das neue Kind in der Klasse ist und ich – naja, war das neue Kind in der Klasse. Aber alle Schauspieler, allen voran Sonequa Martin Green, waren so herzlich und freundlich, dass sie es mir einfach gemacht haben.

R&D: Danke für das Gespräch!

Fedcon 2019: Interview mit Bruce Boxleitner aus Babylon 5

Neben Panels, Fragestunden, Autogrammen, Fotoshootings und dem umfangreichen Programm der FedCon hatten Stefan und Johannes auch Gelegenheit, Interviews mit den Star-Gästen zu führen. Darunter auch Bruce Boxleitner, der zusammen mit seiner Kollegin Mira Furlan in Bonn zu Besuch war.

Bruce Boxleitner ist vor allem bekannt für seine Rolle in Tron sowie die prägende Rolle des John J. Sheridan in der TV-Serie Babylon 5. Zuletzt spielte der den Präsidenten der USA in Supergirl. Wir sprachen mit ihm über die Entwicklungen im Film- und Fernsehgeschäft sowie die Bedeutung von Babylon 5 für die heutige Serienlandschaft.

Robots & Dragons: Sie hatten eine lange und erfolgreiche Karriere. Welche positiven und negativen Veränderungen im Filmgeschäft haben Sie bemerkt?

Bruce Boxleitner: Wir erleben gerade interessante Zeiten. Tatsächlich ist es jetzt wesentlicher politischer, als ich mich je erinnern kann. Ich weiß nicht, ob das gut oder schlecht ist, das liegt nicht an mir zu beurteilen. Es verändert sich immer, mit jeder Generation verändert es sich. Ich habe davon drei, vier Jahrzehnte mitbekommen. Als junger Mensch im Filmgeschäft, besonders in Fernsehserien, habe ich mit Gastauftritten angefangen, und ich habe das Gefühl, ich habe mich hochgearbeitet, habe auf dem Weg dorthin gelernt. Denn das ist sehr anders als im Theater aufzutreten, aber ich wollte das. Es war mein Wunsch, TV- und Filmdarsteller zu werden. Aber was mir aufgefallen ist: In den 1970ern waren alle Hauptrollen meist ältere Erwachsene, als junger Mensch war man deren Töchter oder Söhne. Ich habe jede Menge Halunken gespielt, böse Buben – glauben Sie es oder nicht, aber dieses adrette Gesicht war ein Drogenschmuggler auf Hawaii mit schulterlangem Haar und Schnurrbart. Heute ist es anders herum, ich bin auf der anderen Seite des Spektrums. Ich bin der alte Typ. Ich könnte jede Menge Beispiele nennen, in denen der ältere Typ mit weißem Haar die Hauptrolle gespielt hat und die jüngeren hatten nur Nebenrollen. Mir geht es nicht darum, Altersdiskriminierung anzuprangern. Es ist nur so, dass es jetzt weniger Rollen gibt. Aber es ist vielleicht auch eine gute Gelegenheit – ich habe gerade in Supergirl den Präsidenten der USA gespielt, das macht mir also nichts aus. Obwohl, das war ja ein etwas dubioser Charakter. [...]

Das war ein Phänomen für mich. Als ich anfing, war ich immer einer der jüngsten Leute auf einem Set, ich war das Kind, jetzt bin ich der Älteste auf dem Set. Der Älteste! Und ich bin gerade mal 69 geworden, das ist … bemerkenswert. Insgesamt denke ich, das, was gerade passiert, ist sehr aufregend, und ich hoffe, ich kann weiter ein Teil davon sein. Was gerade im Fernsehen geschieht, denke ich, ist eine Art neues Goldenes Zeitalter, dort wird bessere Arbeit gemacht als in Spielfilmen.

Fedcon Bruce Boxleitner

R&D: Wo wir vom Fernsehen sprechen: Babylon 5 war Teil dieser Veränderungen, mit seinem fünf Staffeln umfassenden Handlungsbogen, etwas, das heute selbstverständlich ist. War Ihnen damals klar, dass diese Serie etwas Besonderes ist?

Bruce Boxleitner: Ja, das mit dem Handlungsbogen war damals gar nicht gewünscht. Ich denke, das war auch etwas, was das attraktiv gemacht hat. Ich kam ja in der zweiten Staffel dazu, habe Michael [O'Hare, die Red.] ersetzt, und es war sehr spannend, weil es sehr ungewöhnlich war. Damals war es meist so, dass die Geschichte mit dem Ende der Episode abgeschlossen war. Nun aber diese weiterführende Geschichte zu haben, war sehr ungewöhnlich. Und nun ist das überall so. Weil wir kein zentralisiertes Fernsehen [syndicated television] mehr haben, wir haben keine Wiederholungen mehr. Wir streamen. Wir haben diese verschiedenen Technologien, wir schauen auf unseren Smartphones. Das hat es erlaubt, das Ganze zu öffnen und von den alten Beschränkungen zu befreien, denke ich. Das sind natürlich nur meine Meinungen, da können wir uns drüber streiten.

Das Fernsehen, das ich sehe, läuft über Netflix, Amazon, Hulu und so weiter, und das hat eine unglaubliche Energie und Kreativität für das ganze Geschäft freigesetzt. Wenn wir mal an Game of Thrones denken, ich bringe das mal als Beispiel für ein modernes Babylon 5, da gibt es gewisse Ähnlichkeiten, weil das ja auch eine erfundene Welt ist, die da präsentiert ist. Jeder Charakter hat eine eigene Reise – die können auch mal getötet werden, das hat Joe [gemeint ist J. Michael Straczynski, Schöpfer von Babylon 5, die Red.] auch gerne gemacht, mit Figuren, die sehr beliebt waren –  das ist besser als jeder Spielfilm, den ich in den letzten Jahren gesehen habe, vor allem die letzten Episoden [von Game of Thrones, die Red.] waren eher wie im Kino, darum haben sie ja zwei Jahre gebraucht. Die Rollen, die Schauspieler bekommen, werden auch immer besser, weniger tatsächlich in den Spielfilmen, weshalb die Kinobetreiber auch so verzweifelt versuchen, dich ins Kino zu locken.
Denn ich kann zuhause vor meinem 4K-Bildschirm sitzen – es ist großartig, ich bin schwer von meiner Couch wegzubewegen. (lacht) Und ich glaube, Babylon 5 war ein Vorreiter davon, da wir gerade populär wurden, als das Internet anfing.

R&D: Sie haben ja erwähnt, dass Sie einen Präsidenten gespielt haben. Wie haben Sie sich auf die Rolle vorbereitet?

Bruce Boxleitner: Ich habe ja vorher auch schon einen Präsidenten als Senator gespielt, das kommt mit der Zeit, wenn man (er zeigt auf die angegrauten Schläfen unseres Redakteurs Stefan), wie Sie langsam an den Seiten, graue Haare bekommt. Damit kommt ja angeblich ein bisschen Würde und Gravitas. Ich war schon immer ein Hobby-Historiker, ich kenne also meine Geschichte und die Präsidenten der USA. Aber das hat Spaß gemacht, das war ja das Superhelden-Genre, und ich war der Gegenspieler von Supergirl.

R&D: Danke für das Gespräch!

Fedcon 2019: Interview mit Star-Trek- und Spock-Darsteller Ethan Peck

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Star Trek: Discovery

Neben den Besuch zahlreicher Panels und Vorträgen konnten Robots-and-Dragons-Redakteure Johannes Hahn und Stefan Turiak sich auch persönlich jeweils für ein paar Minuten mit einigen der anwesenden Stars unterhalten.

Wir durften uns unter anderem mit Ethan Peck zusammensetzen, der Mr. Spock in der 2. Staffel Star Trek: Discovery spielte. Er verriet uns, wie er sich auf diese ikonische Rolle vorbereitete, und wie es sich anfühlte, einer bereits eingespielten Discovery-Crew beizutreten.

Robots & Dragons: Waren Sie aufgeregt, als Sie den Anruf bekamen und erfuhren, dass Sie eine solch ikonische Science-Fiction-Figur mit einem so schweren Erbe spielen sollen?

Ethan Peck: (Lacht) Ja, es war allerdings eine Textnachricht, was eigentlich ziemlich ungewöhnlich ist. Normalerweise bekommt man einen Anruf von seinem Agenten oder Manager. Die Textnachricht stammte von einem der Casting-Verantwortlichen und besagte einfach nur: ”Willkommen an Bord, Mr. Spock!“ Das hat mich selbstverständlich erst einmal umgehauen. Ich war überwältigt, weil es sich potenziell um eine Rolle handelte, die mein gesamtes Leben verändern könnte. Und ich hatte sehr große Angst vor dieser großen Herausforderung und den Erwartungen, die mit damit verbunden waren, auch vor den Erwartungen der Fans. Es war mir sehr wichtig, dass ich meinen Job gut mache, ich hatte aber auch die ganze Zeit über das Gefühl, dass ich die Grenzen meiner Fähigkeiten erreiche. Eine solche Herausforderung wünscht man sich allerdings auch als Künstler und Schauspieler. Gleichzeitig war es sehr intensiv und furchteinflößend. Jetzt empfinde ich aber sehr viel Freude und Glück.   

R&D: Ist es wichtig, diese Verantwortung und die damit verbundene Belastung von sich zu schieben, um voll und ganz in die Rolle einzutauchen?  

Ethan Peck: Nein, ich denke nicht, dass das notwendig ist. Ich denke sogar, dass es die Erfahrung für mich als Schauspieler am Set erhebt und wertvoller macht. Wenn ich den Job auf die leichte Schulter nehmen würde, würde etwas Entscheidendes fehlen, eben weil es sich um eine so spezielle und ikonische Figur handelt. Diese Schwere der Verantwortung half sogar für die Dramatik, die wir auf dem Bildschirm erschaffen wollten, schließlich ist das gesamte Leben des Universums in Gefahr. Deswegen habe ich versucht, die Verantwortung zu nutzen.  

R&D: Also haben Sie diese Verantwortung eher akzeptiert und genutzt, anstatt sie von sich zu schieben.  

Ethan Peck: Es handelte sich im Grunde um einen sensiblen Balanceakt. Denn wenn ich etwas kreiere, möchte ich nicht unbedingt, dass es nur für andere Menschen existiert. Wenn ich versuche, stets den Erwartungen anderer Leute gerecht zu werden, dann handelt es sich nicht um meine eigene Kreation, sondern um eine Schöpfung, die nur aus Angst heraus entsteht. Und wenn ich Spock aus Angst heraus spielen würde, dann wäre er nicht authentisch. Deswegen habe ich mich für eine Weile zurückgezogen und mich auch von den Menschen Online isoliert. Innerhalb dieser kontrollierten Umgebung habe ich meine eigene Verantwortung und Ziele erforscht, aber ich konnte das nicht mit der Verantwortung vermischen, die andere mir durch andere Menschen auferlegt wurde.   

R&D: Haben Sie Mr. Nimoys Arbeit studiert oder hatten Sie vielleicht die Sorge, seine Performance einfach nur zu kopieren?

Ethan Peck: Ja, absolut. Ich habe mich mit Leonard Nimoy auseinandergesetzt, weil schließlich handelt es sich am Ende der 2. Staffel von Discovery um den Spock, den wir in der Originalserie treffen sollen. Das war das Licht am Ende des Tunnels. Während ich Szenen probte oder den Text für den Drehtag lernte, habe ich mich auch mit seinen Episoden beschäftigt und auf diese Weise sozusagen die Musikalität seines Spocks verinnerlicht. Ich habe sein Buch I’m not Spock von 1977 gelesen, was wirklich wichtig für mich war, weil mir bewusst wurde, dass wir die gleichen Entdeckungen gemacht haben. Das war wirklich wundervoll und erfüllte mich mit Ehrfurcht, weil wir stellenweise zu denselben Ideen und Konzepten bezüglich Spock gekommen sind.

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Ethan Peck

Allerdings musste ich Nimoy-Spock ab einem gewissen Zeitpunkt loslassen und verbrachte nicht mehr so viel Zeit mit ihm. Irgendwann fühlte es sich nämlich wie meine eigene Kreation an und ich wollte ihn nicht nur einfach imitieren, denn das war nie meine Intention. Ich wollte wirklich nur ein paar Dinge aufgreifen, die ich bei ihm beobachtet habe, und sie in meine eigene Darstellung integrieren. Es lief also wirklich mehr darauf hinaus, ihn und seine Entscheidungen als Schauspieler zu beobachten und dann diese Mechanismen für mich selbst herauszufinden. Ich weiß, das hört sich ein bisschen abstrakt an…    

R&D: Keineswegs. Sie wollen diese Rolle zwar vereinnahmen, aber haben gleichzeitig diese Ikone vor sich, die Sie würdigen und in Ihre Darstellung integrieren möchten…

Ethan Peck: Ja, ich wollte definitiv dem ursprünglichen Fürsorger dieser Figur gerecht werden. Denn es handelte sich um einen großartigen Fürsorger (lacht).

R&D: Können Sie uns etwas über die vulkanische Kampfkunst erzählen? Was war die Idee, die dahinter steckte, was waren die Einflüsse? Weil Sie haben ein paar actionreiche Kampfszenen.

Ethan Peck: Ich glaube, es handelt sich um eine Mischung verschiedener Kampfkunst-Stilrichtungen. Ich bringe diesen Stil aber am ehesten mit Jeet Kune Do in Verbindung, also die Kampfrichtung, die von Bruce Lee entwickelt wurde. Dieser Stil ist sehr pragmatisch angelegt, konzentriert sich vor allem auf das Nützliche innerhalb eines Kampfes und lässt alles andere außen vor.

R&D: Haben Sie schon zuvor Erfahrungen mit Kampfsport gemacht?

Ethan Peck: Ja, ich habe bereits als Kind viele Jahre Karate, Kickboxen und Boxen trainiert.

R&D: Wie war es, die anderen Besatzungsmitglieder kennenzulernen und als neues Mitglied Teil des Teams zu werden.

Ethan Peck: Es war wirklich sehr einschüchternd, weil es sich um eine so talentierte und illustre Besetzung handelt. Jeder einzelne von ihnen: Sonequa Martin Green ist unglaublich und ein Kraftpaket. Auch wenn sie weniger bekannt ist als die anderen, ist sie die Anführerin, denn sie kommt jeden Tag mit sehr viel Leidenschaft, Elan und Energie zur Arbeit. Und dann noch Anthony Rapp und Doug Jones… Alle sind so unglaublich talentiert. Aber sie waren alle gleichzeitig so warmherzig und einladend. Die Wahrheit ist, dass ich wahrscheinlich nie wieder eine vergleichbare Erfahrung haben werde, nämlich mit Schauspielern zusammenzuarbeiten, die so unterstützend und gütig sind und so leidenschaftlich zusammenarbeiten. Es war etwas ganz Besonderes.

R&D: Wir danken Ihnen für das Gespräch!

Fedcon 2019: Interview mit Star-Trek-Darsteller Shazad Latif

SPOILER

Dieses Jahr sind wir von Robots & Dragons für euch auf einer von Europas größten Science-Fiction Conventions: der FedCon. Neben den Panels und Vorträgen finden sowohl unsere Redakteure als auch die anwesenden Stars ein paar Minuten Zeit für ein paar Fragen. Wir haben die Gelegenheit genutzt!

Wir durften uns mit Shazad Latif zusammensetzen und ihm Fragen zu seiner Rolle als Voq und Ash Tyler in den beiden Staffeln von Star Trek Discovery stellen. Am Ende verrät Shazad Latif auch, wie es war, eine Rolle in der kommenden Dark-Crystal-Serie zu sprechen.

Robots & Dragons: What the Vuq happened to Tyler? Es gab ja einige Verwirrung, was genau mit Ash Tyler beziehungsweise Voq geschah.

Shazad Latif: (Lacht) So wie ich es verstanden habe, war es Voq, der diese Änderungen durchgemacht hat, der seine Knochen gerichtet hat und den Geist des Soldaten Ash Tyler in sich aufnahm, und so weiter. Es hat aber alle ein bisschen verwirrt, noch als wir gedreht haben. Die Autoren hatten da verschiedene Ideen. Auf mich kamen Leute zu und meinten "Ich glaube, das passiert auf diese und diese Art" und ich konnte nur sagen: "Ich hab keine Ahnung.“ (lacht) Am Anfang hieß es, wir machen es so, aber dann wurde es wieder geändert.

R&D: Gibt es eine bestimmte Schauspieltechnik, um sich auf so eine Rolle mit geteilter Persönlichkeit vorzubereiten?

Latif: Es ist ein bisschen so, als sondere man Bereiche seines Gehirns ab. In Fällen von Schizophrenie oder Posttraumatischer Belastungsstörung [nach dem englischen Begriff auch PTSD abgekürzt, die Red.] werden diese Hirnareale auch abgegrenzt. So ein bisschen machen wir das ja auch im normalen Leben, wir entscheiden, welche Seite von uns wir gerade zeigen, wir entscheiden uns, wie wir uns gegenüber unterschiedlichen Menschengruppen verhalten. Wir sind andere Leute, wenn wir mit anderen Menschen zu tun haben. Aber so richtig habe ich mich nicht damit beschäftigt, sondern mich eher darauf konzentriert, was die aktuelle Szene abverlangt, welche verrückte Sprache ich jetzt sprechen muss und so.

R&D: Es geht ja auch ein bisschen um PTSD mit diesem Charakter. Haben Sie da viel recherchiert?

Latif: Es ist eigentlich Ash Tylers Trauma, weniger "richtiges" PTSD, da musste sich der Charakter durcharbeiten, ergründen, um was es bei ihm geht. Aber ja, natürlich habe ich mich mit Trauma und PTSD auseinandergesetzt, Dokumentationen geschaut, in denen Betroffene gesprochen haben. Ich habe eine Sendung geschaut, da haben ein paar Leute nach ihren Vorfällen berichtet, und man merkte, dass sie nie hundertprozentig da waren, da war eine besondere Art von Ruhe, etwas ging hinter ihren Augen vor. Sie versuchen diesen Schmerz immer nahe bei sich zu behalten, versuchten gleichzeitig es aber stoisch irgendwie zu überdecken.

R&D: War die Sprache, also in diesem Fall Klingonisch, eine spezielle Hilfestellung, sich der Rolle anzunähern?

Latif: Mit Voq war es am einfachsten. Ich mochte es wirklich, als Voq zu spielen, denn das Klingonische hat diese Grenze geschaffen, zusammen mit der Maske und den Prothesen, das schafft eine richtige Barriere zwischen einem selbst und dem Publikum. Da ist man buchstäblich eine andere Person, das ist dann nicht Shazad darunter. Wohingegen man mit Tyler… da hat man zwar den amerikanischen Akzent, aber das erforderte mehr.

R&D: Ash Tyler hatte ja auch einige physische Szenen, Kämpfe und dergleichen. Wie sah Ihre Vorbereitung dazu aus?

Latif: Als Kind habe ich ein bisschen Karate gemacht, dann ein bisschen Shaolin, ich war besessen von Bruce Lee und seinen Filmen. Ich hab vorher schon Rollen gespielt, für die wir ein bisschen trainiert haben, aber hier [bei Discovery, die Red.] hatten wir so ein gutes Team, dass wir alle wussten, wir machen das jetzt an diesem Tag. Wir hatten nicht viel Zeit diese Kämpfe zu lernen, da lernt man sehr viel in nur einer Stunde und danach hat man Schmerzen, deshalb macht man da nicht wirklich viele Proben. Es ist bei einem Dreh alles in kleinen Stücken über den Tag verteilt. Man kann es gut mit einem Tanz vergleichen, bei dem man unverletzt rausgeht, wenn man ihn übt, wenn nicht… (lacht).

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Shazad Latif Interview

R&D: In Kombination mit dem Trauma und den Kampfszenen in Staffel 1: Ist Ash Tyler so etwas wie die Dekonstruktion eines Action-Helden?

Latif: Ja, absolut. Es langweilt mich zunehmend, diese typischen Sachen zu sehen, in denen der große Action-Held den Tag rettet, aber man schaut da nie hinter seine Fassade. Und das mochte ich an diesem Charakter Tyler, dass wir in diesen Kerl reingeschaut haben, der dachte, er mache da diese schrecklichen Sachen durch. Man sieht da seine emotionale Seite. Das sagte mir: Hey, schaut mal her, es sind so viele Kriege momentan im Gange, so viele Soldaten machen das durch, aber das scheint niemanden zu kümmern. Es war schön, das ein bisschen in den Vordergrund zu rücken, wie so etwas geschehen könnte… Im Weltraum! (lacht)

R&D: Diese Figur befindet sich ja auch in einem Kampf mit sich selbst, in einem Kampf mit seinem Traumer und mit seiner Liebe zu Burnham...  

Latif: Soldaten sind eine Art vergessenes Volk, da heißt es immer "Wir müssen das als Team machen, wir sind eine Familie" – und sobald sie aus der Armee sind, war‘s das.

R&D: Bevorzugen Sie eigentlich eher das Schauspielern für Filme oder eher Serien oder vielleicht sogar Theater?

Latif: Ich glaube, Serien und Filme wachsen immer mehr zusammen, weil für das Fernsehen immer besser produziert wird. Aber Filme sind meine Leidenschaft, das war mein Traum. Ich bin auch auf eine klassische Schauspielschule gegangen, aber danach habe ich nicht mehr am Theater gearbeitet, das hat sich einfach nicht ergeben. Ich würde schon gerne auf die Bühne, aber bisher gibt es da nicht viele Gelegenheiten. Es müsste auch ein Stück sein, das mich interessiert. Da ist es manchmal schwer, den Übergang [zwischen Film und Theater, die Red.] zu machen. Aber mein Herz schlägt für Filme, für künstlerische Filme, aber Serien, in denen Charaktere tief analysiert werden können, machen mir auch Spaß.

R&D: Gibt es einen bestimmten Regisseur, für den Sie arbeiten möchten?

Latif: Es gibt da einige. Der Regisseur der Nader und Simin – Eine Trennung gedreht hat, Asghar Farhadi, wäre jemand, ich liebe diesen Film, es ist mein absoluter Liebling. Dann wäre noch José Campanella, der In Ihren Augen gedreht hat, und auch Pedro Almodóvar… Und diese ganzen französischen Filme, Art House – ich spreche zwar keine der Sprachen – aber das wäre alles interessant.

R&D: Ein kleiner Blick hinter die Kulissen: Was ist eigentlich mit der Requisite des abgeschlagenen Kopfes von Ash Tyler passiert, den L' Rell dem klingonischen Rat präsentiert hat?

Latif: Irgendjemand hat das und benutzt es für ich-weiß-nicht-was, vielleicht eine Voodoo-Zeremonie, um mir Kopfschmerzen zu machen (lacht). Manchmal verlässt man das Set und am nächsten Tag ist alles weg.

R&D: Haben Sie denn irgendwas vom Set mitgenommen?

Latif: Ich habe jede Menge meiner Unterwäsche behalten. Ich habe ungefähr einen Jahresvorrat dieser Boxershorts. Jedes mal wenn ich reinkam, sagte ich: Leute, ich nehme die mit, die sind sehr bequem. Die bequemsten Boxershorts, die ich je getragen habe. Da waren die ziemlich genervt, weil ich sie immer mitgenommen habe.

R&D: Sie sind auch als Stimme in der neuen Dark-Crystal-Serie auf Netflix zu sehen. Können Sie uns etwas darüber erzählen?

Latif: Der Prozess ist ziemlich spannend. Wir dachten alle, wir gehen da rein und machen einfache Synchronaufnahmen. Aber man muss sich da an die Puppen anpassen, man muss da seine Darstellung anpassen. Das hat man nach zwei Stunden drauf, aber es ist trotzdem erst einmal komisch. Aber ich freue mich darauf, es zu sehen, das könnte groß werden, es gibt da eine große Fanbasis. Mein Charakter ist kein großer Teil dieser Serie, er taucht in einigen Folgen auf, aber es ist eine eher kleine Rolle, nämlich einer der Gelfinge, die lesen können. Er spielt Flöte, ist gern in der Natur, ein sehr sympathischer Charakter. Aber im Buch und in den Comics und all den anderen Materialien wird er zu einer eigenen Figur, also vielleicht kriegen wir das auch in der Serie hin.

R&D: Danke für das Gespräch!

Die FedCon findet vom 07.06. - bis 10.06.2019 im Maritim Hotel in Bonn statt. Wer in der Nähe hat, der kann vorbeischauen, Tagestickets sind noch erhältlich. Infos gibt es hier.

Das Retro-Interview: J. J. Abrams über Super 8

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J. J. Abrams

Großer Erfolg ohne große Namen schien einmal mehr das Erfolgsrezept von J. J. Abrams zu sein, als er 2011 den Film Super 8 auf die Leinwand brachte. Den Regisseur und Produzenten hat es anscheinend in die eigene Kindheit zurückversetzt, denn der Film passt perfekt in die Reihe der Filme, die Steven Spielbergs in den 80er Jahren produziert oder bei ihnen Regie geführt hat. E. T., Die Goonies oder Poltergeist, um nur einige zu nennen.

Abrams‘ Karriere als Filmemacher begann mit ebendiesen Super-8-Filmen und ist auch von Spielberg beeinflusst worden. Im Alter von 15 Jahren zeigten Abrams und sein Kumpel Matt Reeves (Regisseur Cloverfield) ihre Werke über Monster und Verfolgungsjagden auf einem Super-8-Filmfestival. In einem Artikel der Los Angeles Times bezeichnete man die Zwei anschließend als „beardless wonders“, (bartlose Wunderknaben, wir würden vielleicht "Milchbubis" sagen). Daraufhin wurden J. J. und Matt von Steven Spielbergs Assistentin engagiert, dessen in seiner Jugend entstandene Super-8-Filme zu restaurieren – ein früher Ritterschlag für das zurückhaltende Multitalent. Und ebendiese Assistentin war Kathleen Kennedy – heute die Herrin über das Star-Wars-Universum.

Der Film läuft am Neujahrstag um 22.15 Uhr auf Sat 1, darum haben wir uns auf unser Interview-Archiv besonnen, um zu schauen, was der Regisseur damals, 2011, zu sagen hatte.

Die Kinder in Super 8 haben kaum Filmerfahrung – war das ein Risiko? Glaubst du, dass sich ein Film besser mit bekannten Gesichtern vermarkten lässt, oder ist eine gute Geschichte wichtiger?

J.J. Abrams: Ich finde es fantastisch, wenn beides zutrifft. Dass ein Film mit Joel Courtney und Riley Griffith am ersten Wochenende so ein gutes Einspielergebnis gebracht hat, ist wahrscheinlich der Zugkraft von Steven Spielbergs Namen zuzuschreiben. Was besonders schön ist – die Zahlen sind [in den USA] am zweiten Wochenende nur wenig gesunken. Es ist typisch, dass alle Werte um gut 60 Prozent sinken und bei uns waren es nur rund 39 Prozent.

Hast du nicht an den Erfolg des Films geglaubt?

Die Reaktionen waren hauptsächlich positiv. Aber da ist dieser Film namens Super 8, in dem ein Paar Kinder die Hauptrolle spielen, von denen noch nie einer was gehört hat. Im Sommer, wenn man von Piraten, Cars, Green Lantern, Transformers, diesen gigantischen, monolithischen Zugmaschinen geradezu umzingelt ist, finde ich das absolut unglaublich.

Wie ist es zu der Zusammenarbeit mit Steven Spielberg gekommen?

Ich habe ihn angerufen und ihm erzählt, dass ich eine Idee für einen Film habe, der Super 8 heißt und sich um ein paar Kinder dreht, die Filme machen. Ich wusste noch nicht, was es für ein Film werden würde. Ich dachte nur, dass es ein toller Dreh wäre, in die Handlung einzusteigen. Steven hat ziemlich schnell „Ja“ gesagt. Ich kannte ihn schon seit Jahren und habe ihn nicht auf gut Glück angerufen.

Aber in Super 8 steckt ja eine ganze Menge mehr ...

Ich hatte die Idee für eine Story einem Jungen, der gerade eine schwere Zeit durchmacht. Unabhängig davon hatte ich eine Idee an Paramount verkauft, in der es um einen Zugunfall geht. Ein Zug der Air Force entgleist und etwas Gefährliches entkommt. Ich habe dann überlegt, ob man die beiden Ideen verbinden könnte. Also sind es eigentlich zwei verschiedene Filme. Als ich erst einmal angefangen hatte, darüber nachzudenken, fühlte es sich so an, als würde dieses Projekt auf das Regal mit den Amblin-Filmen gehören.

Wie definierst du einen Amblin-Film?

Die Hauptfiguren sind oft jünger. Sie handeln von Familie und Freundschaft, oft kommt etwas Furchterregendes dazu, ein Einfluss von außerhalb dieser Welt, etwas Übernatürliches. Die Filme haben keine Angst, emotional zu sein. Ich liebe einfach Filme, die beim Publikum sowohl Gelächter, als auch Spannung erzeugen und dir dann das Herz brechen und dich zum Weinen bringen. Ich hatte den Ehrgeiz, genau das herauszukitzeln. Ob es geklappt hat oder nicht, muss das Publikum entscheiden.

Wie hat Steven Spielberg reagiert, als er den Film zum ersten Mal gesehen hat?

Er hat sich bereits stets die Dailies angesehen, war also an der Entstehung beteiligt. Die erste Schnittversion war furchtbar und es hat mich gequält, sie ihm zu zeigen. Steven sah, was daraus werden könnte. Er hat über Szenen gelacht, die nicht einmal im entferntesten funktionierten. Er zeigte Reaktionen, von denen ich wusste, dass wir sie irgendwann vielleicht erzeugen könnten. Das war noch im Rohschnitt. Das zeigt, dass er immer das Beste in den Dingen sieht. Es war sehr ermutigend, dass er sich für den Film begeisterte, aber er hat darin einen viel besseren Film gesehen, als ich.

Du hast mal gesagt, ohne ein Drehbuch für Star Trek 2 willst du nicht entscheiden, ob du selbst Regie führst. (Anmerkung: Star Trek Into Darkness war noch nicht gedreht.) Was wäre für dich der entscheidende Faktor, selbst das Steuer zu übernehmen?

Ich muss dazu wissen, wie die gesamte Story aussieht, ob sie funktioniert. Wir haben außergewöhnlich begabte Autoren. Es gibt aber noch ein paar Sachen, die wir noch nicht genau ausgearbeitet haben. Sobald ich weiß, wie diese Sachen laufen werden, wird es eine einfache Entscheidung sein.

Wenn du es nicht machst – müssen wir dann glauben, dass dir das Drehbuch nicht gefällt?

Die Sache ist die: Jeder, der bei irgendetwas Regie führt, muss genau wissen, was dieses Projekt ist. Ich finde, dass ich besser nicht „Ja“ zu einem Film sage, bevor wir wissen, was wir da herausbringen. (lacht) Für mich geht es im Moment nur darum, eine tolle Geschichte zu erzählen. Das haben wir beim ersten Teil hinbekommen und ich bin mir sicher, dass das auch beim Zweiten klappt. Man darf nicht den Karren vor das Pferd spannen. Es ist einfach zu sagen: „Das kriegen wir dann schon hin.“ Ich habe Folgendes schon zu oft erlebt. Du sagt das und kriegt es dann doch nicht hin. Dann ist es zu spät und du fragst dich: „Wie ist mir das nur passiert?“ Ich sage lieber: „So ist es richtig, lasst es uns so machen“, im Gegensatz zu: „Lasst uns das machen, es wird schon werden.“ Und hinterher guckst du in die Röhre.

Habt ihr euch wenigstens schon auf bestimmte Aliens geeinigt?

Oh, es ist noch zu früh, über Spezifisches zu sprechen. Aber es gibt ein paar erstaunlich gute Ideen. Und Damon [Lindelof], Bob [Orci] und Alex [Kurtzman] sind großartige Autoren und tolle Kumpel, also freue ich mich schon sehr auf den Film.

Wie schwierig ist es heutzutage ein neues Alien oder Monster zu schaffen?

Es ist genauso schwierig, wie alles andere. Wenn man die neuen Star-Wars-Filme ansieht (Anmerkung: Damit waren 2011 noch Episode I - III gemeint) – in jedem sind alle nur erdenklichen Arten von Aliens zu sehen. Es gibt nichts Neues, Originelles. Jede Silhouette, jede Farbe, jede mögliche Anzahl von Beinen, jede mögliche Ausprägung war schon einmal da. Das nervt (lacht).

Hast du bestimmte Anforderungen an Neville Page (Cloverfield) gehabt, der das Monster von Super 8 für dich entworfen hat?

Ich wollte, dass es einerseits furchteinflößend ist, andererseits sollte es auch eine Mimik haben. In dem Film geht es nicht um dieses Wesen, es ist nur eine Art Katalysator, um die Geschichte zu erzählen. Das Alien musste in der Lage sein, Joe [Joel Courtney] anzusehen. Der Moment, in dem das Wesen sich vorbeugt und seine Augen öffnet, ist wichtig. Es geht um das Konzept, gesehen zu werden. Joe sagt am Anfang des Films, dass er das Gefühl hatte, dass er existiere, wenn seine Mutter ihn ansah. Die Idee ist es, wenn Joe sich diesem Ding entgegen stellt, nicht angsterfüllt wegläuft, dass er dann noch einmal gesehen, wieder existieren würde und dass diese große Last von ihm abfällt.

Vielen Dank für das Gespräch!

Wenn man dieses Interview heute liest, muss man schon ein bisschen Grinsen. Damals war von einer Fortschreibung der Star-Wars-Filme noch keine Rede. Wenn man sich aber anschaut, wie perfekt Abrams die Atmosphäre der Amblin-Filme für Super 8 eingefangen hat, ist es kein Wunder, dass er Gleiches auch bei Star Wars geschafft hat – schließlich ist er ein Riesen-Fan.

Luke Cage: Im Gespräch mit Showrunner Cheo Hodari Coker

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Luke Cage, Cheo Hodari Coker, Frankie Faison

Cheo Hodari Coker ist der Showrunner der Serie Luke Cage, die ab 30. September auf Netflix zu sehen ist. Der ehemalige Musikjournalist hat bereits an Serien wie Southland, Navy CIS: LA, Almost Human und Ray Donovan als Produzent gearbeitet und das Biopic über den Rapper Notorious B.I.G. geschrieben, den er bei seiner Arbeit beim Vibe-Magazine kennengelernt hatte.

Coker ist seit seiner Kindheit ein Fan der Comics um den afroamerikanischen Superhelden, der auch Power Man genannt wird. Coker selbst ist in New York aufgewachsen und kennt die Atmosphäre in der Stadt – das alles hat er in seine Drehbücher und den Look der Serie einfließen lassen. Für ihn steht die Evolution des Helden im Vordergrund, der zwar Superkräfte hat, aber eigentlich nicht aus dem Schatten heraustreten möchte.

R&D hatte die Gelegenheit, Coker zu seiner Kreation zu befragen.

R&D: Wie ist die Atmosphäre bei euch am Set?

Coker: Ich habe zwar sehr genaue Vorstellungen, bin aber ansonsten sehr gelassen. Weil ich diese genauen Vorstellungen habe, können die anderen sich entspannen, weil sie wissen, dass wenn ich etwas zu sagen habe, werde ich es ohne Zögern tun. Außerdem hatten wir eine absolut großartige Cast voller Profis. Sie kennen ihre Rollen, sie machen ihren Job. Aber es ist mehr als das, denn sie glauben an die Drehbücher und an das, was wir tun. Alle geben ihr Bestes.

R&D: Wie macht sich denn Mike Colter als Hauptdarsteller?

Coker: Mike ist die Nummer eins auf dem Callsheet. Er ist ein so angenehmer Typ und hey – er sieht wahnsinnig gut aus. Er ist sehr charismatisch und gleichzeitig kein bisschen arrogant, sondern eher großzügig. Er gibt seinen Mitschauspielern viel. Er weiß um seine Präsenz und gibt jedem, mit dem er gerade spielt, genug Raum. Weil er mit gutem Beispiel vorangeht, läuft alles. Er ist immer pünktlich, immer enthusiastisch, egal wie es ihm gerade geht. Seine Haltung ist auf gute Weise ansteckend, weil die anderen sich daran orientieren. Wenn der Hauptdarsteller deiner Serie kein netter Mensch ist, dann leidet das Gesamtergebnis darunter. Und Mike ist ein toller Typ.

R&D: Wie war es denn, als Colter als Cage auf direkten Konfrontationskurs mit seinem Gegenspieler Mahershala Ali als Cottonmouth ist?

Coker: Mahershala und Mike sind sehr gute Freunde und gehen sehr herzlich miteinander um. Aber wenn es Zeit zum Drehen ist, haben beide eine sehr gute Präsenz. Man hatte definitiv das Gefühl, dass die beiden sich umkreisen. Das Tolle ist – Cottonmouth hat keine Superkräfte, trotzdem gelingt es ihm, sehr, sehr bedrohlich zu wirken. Es war wirklich das Interessanteste daran, Mahershala zu sehen, wie er beweist, dass man keine Superkräfte haben muss, um ein guter Schurke zu sein. Es hat auch etwas sehr Fesselndes an sich, diesem Mann zuzusehen. Am Ende erweist es sich, dass er nur allzu menschlich ist. Es gibt sogar eine Version dieser Geschichte, bei der man fast annehmen könnte, dass er der Held ist.

R&D: Warum ist es wichtig, einen so starken Darsteller für einen Schurken zu haben? Dir scheint das sehr wichtig zu sein?

Coker: Der Grund, dass ich gern einen starken Bösewicht habe, ist der Film Stirb langsam. Die Art, wie der verstorbene Alan Rickman Hans Gruber gespielt hat, war wunderbar. Ich hatte noch nie einen Film gesehen, bei dem ich mir gewünscht habe, dass der Böse gewinnt. Aber sein Plan war einfach so gut. Auf bestimmte Weise ist Ocean's Eleven nur eine Komödienversion dieses Films. Ich habe mich daran erinnert, wie toll Rickman in der Rolle war und denke, dass man bei der Erschaffung eines neuen Schurken das alles im Hinterkopf haben sollte. Er sollte so fesselnd sein, dass selbst wenn der Held verliert, man weiterschaut, weil der Böse einfach so gut ist. Und so läuft das bei unserer Serie. Gleichzeitig haben wir einen so tollen Helden. Es macht wirklich Spaß zuzusehen, wie er sich weiterentwickelt. Er ist zunächst ein Held wider Willen, doch am Ende unserer 13 Episoden, hat er seine Rolle voll und ganz angenommen.

R&D: Mahershala Ali passt als Cottonmouth auch genau in das Schema.

Coker: Wir hatten auch Glück, dass wir mit ihm einen Schauspieler gecastet haben, der gerade eine steile Karriere macht. Ich glaube nach unserer Serie und seinem nächsten Film Moonlight wird er für den Rest seiner Karriere Hauptrollen spielen. Das hoffe ich jedenfalls und er hätte es auch vollkommen verdient. Er hat das Handwerkszeug, er hat die Präsenz, er ist bereit.

R&D: Eins muss ich unbedingt noch fragen: Du hast auch an Almost Human mit Karl Urban und Michael Ealy gearbeitetet – hast du eine Ahnung, warum die Serie gecancelled wurde?

Coker: Das war eine interessante Show! Ich habe die zweite Episode geschrieben. Ich glaube nicht, dass die Serie genug Zeit hatte, um ihr Publikum zu finden. Ich glaube, wenn man dieser Serie eine größere Chance gegeben hätte, glaube ich, dass das bestimmt passiert wäre. Ich fand, dass die Arbeit mit Karl und Michael total angenehm war.

R&D: Glaubst du, dass die Serie abgesägt wurde, weil sie zu teuer war – sie sah jedenfalls so aus.

Coker: Ich glaube bei Fox wusste man nicht recht, welche Tonalität die Serie haben sollte. Ich glaube, sie haben Blade Runner bestellt und haben sich kurz vorher überlegt, dass sie lieber Lethal Weapon wollten. Das ist schade, denn wenn eine Serie ihre Tonalität nicht findet, leidet am Ende die Qualität darunter. Das ist wirklich schade und es gilt für viele Serien, dass wenn man ihnen hilft, auf die Beine zu kommen, laufen sie auch. Nicht alles wird sofort ein Erfolg sein, aber wenn man den Sachen ein bisschen Zeit lässt, schaffen sie es von ganz allein.

R&D: Wie ist es denn mit dem Druck von oben bei Luke Cage?

Coker: Wir haben Glück, dass wir nicht in einem Network laufen. Marvel hat sich unserer Vision der Serie verschrieben und sie weitergetragen, Netflix ebenso. Wir konnten die Geschichte erzählen, die wir wollten. Es ist toll, einfach 13 Episoden zu machen, nicht einen Pilotfilm und dann mal zu sehen, wie es läuft. Man kann eine Tonalität vorgeben und sie aufrechterhalten.

R&D: Wie sieht es mir einer zweiten Staffel aus?

Coker: Je mehr die Leute tweeten und auf die Serie reagieren, wird es uns dabei helfen, eine zweite Season zu bekommen.

Ausführliche Interviews mit Cheo Hodari Coker und Luke-Cage-Darsteller Mike Colter gibt es im nächsten Heft der Geek!, das am 19. Oktober erscheint.

Luke Cage - Main Trailer - Only on Netflix September 30 [HD]

Outcast: Im Gespräch mit Hauptdarsteller Philip Glenister

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Outcast, Philip Glenister

Viele kennen Philip Glenister noch als muffeligen Gene Huntaus der Serie Life On Mars an der Seite von John Simm. Nun hat der Brite seine erste Rolle im US-TV ergattert und spielt in Outcast den Reverend der Kleinstadt Rome, in der es offenbar ungewöhnlich viele Fälle von dämonischer Besessenheit gibt. Einer der Betroffenen ist die Hauptfigur Kyle Barnes (Patrick Fugit), der besondere Fähigkeiten hat, wenn es um Dämonen geht.

Mit Robots & Dragons hat Glenister über Serie und Rolle sowie über den Serienschöpfer Robert Kirkman gesprochen, der mit dem gleichnamigen Comic die Vorlage lieferte und mit The Walking Dead bereits das Zombiegenre fürs TV neu belebte.

Was ist der Reverend für ein Typ?

Ich würde sagen, dass er sich als ein Soldat Gottes ansieht, der natürlich auch seine eigenen, schweren Probleme hat. Er ist eine sehr komplexe Figur innerhalb dieser Geschichte. Ich glaube, weil die Serie in der Kleinstadt in Rome in West Virginia spielt, gibt es bestimmte Archetypen als Führungsfiguren. Da gibt es den Polizeichef, den Bürgermeister und den Reverend oder einen Priester. Er ist ein großer Fisch in einem kleinen Teich.

… eine Säule der Gemeinschaft.

Genau, eine Säule der Gemeinschaft. Er hat diesen unerschütterlichen Glauben, was der richtige Weg für seine Glaubensgemeinschaft ist. In der Serie geht es um Dämonen und Besessenheit. Er empfindet es als seine moralische Verpflichtung, die Stadtbevölkerung auf den richtigen Weg zu führen. Im Laufe der Serie sehen wir, wie Menschen von Dämonen besessen werden …

Und das sind recht viele für eine beschauliche Kleinstadt. Werden wir dafür einen Grund erfahren?

Ja, das werden wir. Das köchelt langsam vor sich hin, aber für diese Art Serie ist das nötig. Man braucht diese Zeit, um alle Charaktere vorzustellen. Viele haben im Vorfeld gedacht, es ginge jede Woche um einen neuen Exorzismus, aber ich kann versichern, dass es nicht so ist. Es ist viel cleverer. Man braucht dieses langsame Köcheln, um die Zuschauer in diese klaustrophobische Atmosphäre hineinzuziehen. Ich werde oft gefragt, ob es sich um eine Horrorserie handelt, aber das sehe ich nicht so. Ich würde eher sagen, die Serie ist beunruhigend und ein bisschen verstörend.

Kann man wohl sagen.

Natürlich gibt es einige grauenhafte Szenen, aber ich finde, die sind nicht grundlos eingestreut, [um die Erwartungen an dieses Genre zu bedienen]. Aber es gibt sie aus einem bestimmten Grund. Reverend Anderson sehe ich als eine gebrochene Seele an.

Wie gestaltet sich die Beziehung zwischen ihm und Kyle Barnes (Patrick Fugit)?

Die beiden kennen sich schon sehr lange, weil Anderson versucht hat, bei Kyles Mutter einen Exorzismus durchzuführen, als Kyle noch ein kleiner Junge war. Der Rev kennt Kyles Familie, seit der Junge etwa sieben Jahre alt war. Er ist so etwas wie ein Mentor, eine Vaterfigur. Als Kyle dann als Erwachsener in die Stadt zurückkehrt, macht er sich zunächst sehr rar, doch einer der Ersten und Wenigen, mit denen er spricht, ist der Rev. Sie haben eine Art – wie soll man es beschreiben – ein entfremdetes Verhältnis zueinander. Und das beruht wohl auf Gegenseitigkeit.

Aber die beiden brauchen sich gegenseitig schon?

Absolut!

Was sieht denn der Reverend in Kyle?

Kyle hat diese Gabe. Anscheinend hat er die Macht, besessene Seelen zu heilen. Also spielt ein Element der Eifersucht von Seiten des Revs in ihre Beziehung hinein. Er hat schließlich sein ganzes Leben dieser Sache gewidmet und dann kommt dieser junge Emporkömmling daher …

… der nicht einmal religiös ist …

Genau. Sie haben dieses Verhältnis von bestem Schüler und Lehrer, doch dann übernimmt der Schüler die Führung. Für den Älteren ist es auf mannigfaltige Weise schwer, sich daran zu gewöhnen. Von Andersons Seite her gibt es einen widerwillig gezollten Respekt. Je weiter die Serie voranschreitet, desto besser wird das Publikum erkennen, dass die beiden sich gegenseitig brauchen, um es mit den bevorstehenden Herausforderungen aufzunehmen, ob es ihnen passt oder nicht.

Wie hast du dich der Darstellung des Reverend und Exorzismen genähert?

Exorzismen? Die mache ich in meiner Freizeit (lacht) Spaß beiseite, ich recherchiere nicht so gern viel für meine Rollen. Es sei denn, es ist absolut nötig. Die Figur hat mich quasi von der Drehbuchseite angesprungen. Sie ist so gut geschrieben und hat einen so guten Rhythmus, dass mir schnell klar war, in welche Richtung es geht. Das Einzige, das ich mir wirklich angeschaut habe, waren die evangelikalen Fernsehkanäle in den USA. Da gab es ein Wochenende, an dem ich frei hatte, und meine Familie war zu Besuch. Ich habe morgens im Bett ferngesehen.

Wir arbeiten immer echt lange und ich war völlig erschossen. Meine Frau war dabei und beim Durchschalten sind wir über diesen Typen gestolpert. Er war jung und ziemlich groovy, hatte zerrissene Jeans an. Er ist bei seiner Predigt gar nicht laut geworden, war sehr kontrolliert, und hatte sein Publikum vollkommen in der Hand. Da dämmerte es mir plötzlich: Der Typ ist wie eine Art Rockstar. Ich fand, dass das beim Reverend recht ähnlich ist, auch wenn er eine ältere Version darstellt. Wenn er erst mal an seinem Pult steht, quasi auf der Bühne seiner Kirche, dann wird er zu so etwas wie einem Rockstar.

Hast du dir mal vorgestellt, was in einer Person vorgeht, bei der ein Exorzismus vorgenommen wird?

Ich versuche nur, meinen Text nicht zu vergessen! (lacht) Da wird natürlich viel aus der Bibel zitiert und je älter man wird, desto schwieriger wird es, Text zu lernen. Für mich muss alles einen Sinn ergeben, damit ich es mir merken kann. Wenn man dann diese Passagen aus der Bibel nimmt, mir ihren recht flammenden Worten, ist es schon anstrengend, sie zu lernen, weil ich zuerst ihren Sinn genau ergründen muss.

Gibt es eine besondere Schlüsselszene für den Reverend?

Ja, zum Beispiel in Episode drei [1.03], als das Foto seines Sohns aus dem Autofenster flattert. Zuerst ist er noch sehr ruhig, weil sie noch über ganz andere Dinge im Wagen reden. Im nächsten Moment dreht er vollkommen durch, fährt zurück und versucht, das Foto zu finden und schafft es nicht. Offensichtlich leben er und seine Frau getrennt. In Episode vier oder fünf gibt es dann eine Szene, in der er sie besucht. Er fragt sie dann, wann ihre Beziehung angefangen hat, in die Brüche zu gehen. Sie antwortet: „Hör mal, ich habe das hinter mir gelassen. Es tut mir leid, aber du solltest das Gleiche tun.“ Zu diesem Zeitpunkt bleibt er als gebrochener Mann zurück.

Kommen wir mal auf das Thema Religion zurück. Als Brite hast du sicher eine andere Herangehensweise an das Thema, als viele der zum Teil fanatisch gläubigen Amerikaner?

Die Evangelikalen, ja. Ich bin kein religiöser Mensch. Ich respektiere Menschen, die gläubig sind. Ich habe eher eine gewisse Spiritualität, die nicht unbedingt zu einer der organisierten Religionen gehört. Religionen an sich sind ein schwieriges Thema. Sie haben gewiss viel Kummer verursacht, Ärger und Krieg. Aber manche Leute gewinnen Trost aus dem Glauben, der ihnen sehr wichtig ist. Ich möchte nicht so arrogant sein, diese Menschen zu kritisieren. Ich bin halt kein Fan von organisierter Religion.

Hast du viel mit Robert Kirkman, dem Autor der Comics gearbeitet?

Robert war während des Pilotfilms sehr oft am Set, weil ihm der natürlich besonders wichtig war. Als die Dreharbeiten für den Rest der Serie dann kurz nach Beendigung des Pilotfilms begannen, hat er uns einfach das Feld überlassen. Das tolle an Kirkman ist, dass er absolut kein großes Ego hat. Er weiß genau, was er will, ist aber auch der Erste, der sagt: „Hört mal, Leute, ich bin der Typ, der die Comics schreibt, ihr seid diejenigen, die Filme machen.

Das ist euer Fachgebiet, meins sind die Comics. Warum tut ihr nicht einfach das, was ihr für das Beste haltet?“ Natürlich hat er auch die Dailies angesehen und hätte sich gemeldet, wenn etwas überhaupt nicht in seinem Sinne gewesen wäre. Kirkman würde niemals anrufen und durch den Hörer brüllen. Es ist sehr angenehm, mit ihm zu arbeiten. Viele Autoren sind - mir fällt gerade kein besseres Wort ein - besessen von ihrer Arbeit. Bei Robert ist es genau umgekehrt. Er will das Beste für sein Werk und hat uns Schauspielern, Drehbuchautoren und Regisseuren freie Hand gelassen.

Wie ist es denn, in den Vereinigten Staaten zu arbeiten?

In der US-Version von Life on Mars ist meine Figur von so einem Typen namens Harvey Keitel gespielt worden. (lacht) Also war das meine erste Erfahrung, bei einer amerikanischen Serie mitzuarbeiten. Das ist schon interessant.

Ist es vollkommen anders, wenn man die technischen Aspekte beiseite lässt?

Stimmt schon, eine Filmcrew ist eine Filmcrew, egal wo man auf der Welt dreht. Da hat jeder seinen Job, den er erledigen muss. Was die Struktur angeht, ist es schon ein bisschen anders. Da muss man sich erst dran gewöhnen: Es wird jeden Tag sehr lange gearbeitet. Es ist eine Fünftagewoche. Aber alles ist sehr gut organisiert, die Leute sind sehr enthusiastisch und wollen, dass man am Endprodukt sieht, dass Geld hineingesteckt wurde. Hier fließt meiner Meinung nach schon mehr Geld, ein Studio steht hinter der Produktion, und so weiter. Wir nehmen uns ein bisschen mehr Zeit pro Episode.

Im Moment arbeiten sehr viele Briten in den USA, wie zum Beispiel Andrew Lincoln in der anderen Kirkman-Serie The Walking Dead. Was glaubst du, warum ist die Nachfrage nach Briten so groß in Hollywood?

Ich wollte schon scherzen und sagen: „Weil wir billiger sind!“ (lacht)

Meinst du?

Nein, ich finde, dass wir Glück haben, dass die Amerikaner und Hollywood auf gewisse Weise britische Schauspieler so sehr schätzen, dass sie uns Rollen anbieten. Es ist wunderbar und ich meine, es beruht auf Gegenseitigkeit. Es ist schön, zu dieser Gruppe zu gehören und ich weiß, dass viele britische Schauspieler sich ein Bein dafür ausreißen würden, an einer US-Serie zu arbeiten.

Ist das so etwas wie der Heilige Gral?

Ich glaube, es geht eher darum, diese Erfahrung zu machen. Einfach zu sehen, wie es auf der anderen Seite des großen Teichs läuft. Um global bekannt zu werden. Alles ist heutzutage global – bedingt durch die sozialen Medien. Viele möchten als Teil einer globalen Industrie wahrgenommen werden, statt in der eigenen, kleinen Domäne zu verharren.

Vielen Dank für das Gespräch!

Neue Folgen von Outcast zeigt der Pay-TV-Sender Fox montags um 21 Uhr, einen Tag nach US-Ausstrahlung.

Outcast - Season 1 German Trailer Nr.2 2016 [FOX]

Star Trek Beyond: Im Gespräch mit Jason Matthew Smith

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Star Trek Beyond Lieutenant Hendorf aka Cupcake aka Schnubbelchen

Jason Matthews Smith hat aus der Not eine Tugend gemacht: Der Schauspieler hat im ersten Star-Trek-Film der Abrams-Ära James T. Kirk (Chris Pine) ordentlich verdroschen und dabei von ihm den Namen „Cupcake“ (deutsch „Schnubbelchen“) verpasst bekommen. Den wählte sich der recht große, kräftige Kerl als Twitterpseudo. Im zweiten Film verlief die Begegnung des Crewmitglieds mit Captain Kirk etwas freundlicher und nun war Smith auch in Beyond dabei. Der Schauspieler hat Robots & Dragons Rede und Antwort gestanden, unter anderem darüber, wie sich Justin Lin und Simon Pegg bei ihren neuen Aufgaben geschlagen haben.

Wie hast du es geschafft, trotz roter Uniform am Leben zu bleiben?

Ich habe keine Ahnung! (lacht) Das muss doch bestimmt irgendein Rekord sein? Das ist eine Frage für J. J. Abrams!

Im Roman zum zweiten Film stirbt deine Figur eigentlich – im Film nicht. Wie kam das?

Darauf bin ich ein kleines bisschen stolz. Wenn man sich Star Trek into Darkness anschaut, habe ich eine sehr kleine Rolle. Eigentlich war die sehr viel größer, wir haben sehr viel mehr gefilmt und die Handlung ist dann auch in diese Richtung [den Tod seiner Figur] gelaufen. Bevor ich mit meiner Frau ins Kino gegangen bin, um den Film zu sehen, habe ich sie noch vorgewarnt, dass ich gekillt werde. Sie sollte sich keine Sorgen machen, weil ich noch in vielen anderen Produktionen mitmachen werde. Dann kommt die Szene und ich sterbe nicht! Ich dachte: „Whow! Ich lebe noch!“ Und durfte dann im Dritten mitmachen.

Hast du irgendetwas dafür gemacht? J. J. Abrams Kaffee geholt oder so?

(lacht) Nein, ich habe ihn bei den Dreharbeiten immer wieder genervt: „Komm schon,  J. J., du kannst doch Schnubbelchen [im Original Cupcake] nicht umbringen! Am Ende habe ich ihn vielleicht ein Stück weit auf meine Seite gezogen.

Du benutzt ja auch auf Twitter – du hast die Figur anscheinend wirklich lieb gewonnen?

Stimmt! Ich weiß nicht recht. Viele kennen mich von daher, ich dachte, so kann man mich besser finden und erreichen. Wenn meine Zeit bei Star Trek vorbei ist, werde ich das vielleicht ändern.

Bist du eigentlich selbst Fan?

Ich bin Fan und liebe die neuen Filme, auch die Originalserie. Ich bin generell SciFi-Fan. Ich bin mit der Originalserie aufgewachsen, habe die Filme mit meinem Vater im Kino gesehen. Star Trek ist eine wirklich coole Welt, die Gene Roddenberry da erschaffen hat. Das hat immerhin viele Wissenschaftler inspiriert, auch Einfluss auf unsere heutige Technologie genommen.

Wie war es denn, von Kadett X zu einer Figur mit einem Rollennamen aufzusteigen? In Star Trek Into Darkness heißt du ja Hendorff …

Na ja, da habe ich J. J. beim ersten Film genervt, dass er meiner Figur einen Namen geben soll. Er fragte dann: „Wie hättest du denn gern, wie ich ihn nenne?“ Ich meinte dann: „Wie du willst, gib ihm einfach einen Namen.“ Aber im ersten Film hat das nicht geklappt. Und im Zweiten hatte ich dann den Namen Hendorff, aber in den Credits steht „Cupcake“. Ich denke, da hat J. J. die Finger im Spiel gehabt. In Beyond weiß ich nicht, wie ich genannt werde, aber meine Figur heißt Lieutenant Hendorff.

Wie ist denn die Arbeit mit J. J. Abrams im Gegensatz zu dem neuen Regisseur Justin Lin?

Sie sind sich auf viele Weise sehr ähnlich. Sie sind beide Genies auf ihre eigene Art. J. J. ist mit Steven Spielberg oder George Lucas zu vergleichen. Er ist ein toller Geschichtenerzähler und ich bin ein großer Fan all seiner Filme. Aber ich bin ein noch größerer Fan von ihm als Person. Er kennt den Namen von allen am Set, sehr nahbar, ein sehr verbindlicher, liebenswerter Mensch.

Darum hattest du auch keine Scheu, ihn zu bitten, deine Figur am Leben zu lassen …

Ganz genau. Ich habe bei ihm um Gnade gebettelt! (lacht) Aber Justin ist zwar der neue Mann am Steuer, hat aber tonnenweise Erfahrung mit Filmen wie The Fast and the Furious. Ich fand ihn toll. Er bedient sich sehr stark der Technik, benutzt sehr viele Kamerastandpunkte. Wir hatten Helikopter, Drohnen, eine Menge Green Screen. Ich bin überzeugt, dass Beyond visuell spektakulär wird. Ich glaube, dass im dritten Film die gesamte Energie des Films gesteigert werden sollte. Trotzdem finde ich, dass sie den Kern, die Werte von Trek bewahrt haben. Ich habe mich zeitweise sehr an die Originalserie erinnert gefühlt, ein bisschen, wie bei einer Zeitreise.

Wie viele Drehtage hattest du denn?

Ich habe insgesamt über einen Zeitraum von drei Monaten mitgearbeitet, allerdings nicht jeden Tag. Das ging im Juli letzten Jahres los und ich hatte meinen letzten Tag im September, glaube ich.

Wie hat Simon Pegg die Doppelbelastung als Drehbuchautor und Schauspieler gemeistert?

Er ist wirklich eine tolle Persönlichkeit. Wir haben uns bei den Dreharbeiten zum ersten Film ganz gut kennengelernt. Ich hatte seine Mailadresse, ihm aber seit acht Jahren noch nie geschrieben. Aber als ich hörte, dass er das Drehbuch schreibt, habe ich ihn kurz angemailt und gefragt, ob er vielleicht etwas für meine Figur hat. Er hat mir zwanzig Minuten danach geantwortet: „Ja, wir haben definitiv etwas für dich, wir müssen doch die Band zusammenhalten – wir sehen uns in Vancouver!“

Das ist ja klasse – und wie war es am Set?

Na ja, sobald „Cut“ gerufen wurde, rannte er wie ein Irrer zum Zelt der Autoren. Ich habe ehrlich gesagt keine Ahnung, wie er das schafft. Er hat so viel Energie und ist so enthusiastisch, dass es einen einfach mitreißt.

Gibt es etwas, dass du dir für Hendorff wünschst?

Ich würde mir wünschen, dass er eine ikonische Figur wird, die im Gedächtnis bleibt. Das ist alles Stück für Stück gewachsen und ich weiß alles, was mir durch Star Trek zuteilgeworden ist und noch zuteilwird, sehr zu schätzen.

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