Kritik zu Resident Evil 7: Das nicht ganz so finale Chapter

Die Videospiel-Kultreihe Resident Evil hat einen angeschlagenen Ruf. In den vergangenen zehn Jahren sind ihre Wurzeln beinahe vollkommen in Vergessenheit geraten, Fans und Kritiker waren nicht begeistert. Der neueste Teil, Resident Evil 7, steht somit vor der Aufgabe, eine ganze Reihe zu retten. Aber wovor eigentlich?

Das Problem der Spiele lässt sich erstaunlicherweise mit dem der Filme vergleichen: Es ging nur noch um den globalen Konflikt, die Menschheit stand kurz vor der Ausrottung. Dabei vergaßen die Entwickler und Produzenten gleich beide Stützpfeiler der Reihe: Den Horror und die Absurdität.

Während sich Teil 1-3 noch stark auf Survival-Horror fokussiert haben, ging Teil 4 erstmals einen Schritt in Richtung Action. Die Story um die Rettung der Tochter des Präsidenten vor albernen Sekten konnte durch eine gute Mischung noch überzeugen. Die Nachfolger ließen jegliche unheimliche Atmosphäre weg, drückten dem Spieler mehr Waffen in die Hand und ließen ihn einfach losballern. Von Selbstreflexion war kein Hauch mehr zu spüren – und wer will schon ein Spiel haben, indem sich ein Albert Wesker ernst nimmt?

Resident Evil 7 soll, so in der Werbekampagne angepriesen, den Horror zurückbringen. Eine Kultreihe neu erfinden ist scheinbar nicht genug. Auch soll dem eingerosteten Genre neues Leben eingehaucht werden– was kann schon schief gehen?

Resident Evil 7 Dinner
© Capcom

Eine große Verantwortung

Das Spiel wurde angekündigt, nachdem Konami Silent Hills, die große Hoffnung von Horrorfans, in den Boden gestampft hatte. Die kurzen, im Voraus veröffentlichten Demos, erweckten fast den Eindruck eines gekonnten Klons. So sieht der Spieler alles aus der ersten Person und erkundet ein leeres Herrenhaus.

Das Ergebnis sieht etwas anders aus: Protagonist Ethan sucht seine verschwundene Frau, eine Spur führt ihn in das verlassene Anwesen der Baker-Familie. Dort gehen merkwürdige Dinge vor sich. Alle wollen ihn tot sehen, und die riesigen Räumlichkeiten werden zum Gefängnis.

Ja, richtig gelesen, das Spiel kommt ohne die Umbrella Corporation, Albert Wesker oder sogar klassische Zombies aus. Der Großteil spielt in einem abgeschiedenen Haus in den Südstaaten, die Antagonisten sind die kannibalisch veranlagten Mitglieder der Baker-Familie. Das Spiel trägt den Titel "Resident Evil“ nur zur Schau, im Endeffekt wäre ein eigenständiger Name vielleicht sogar eine bessere Lösung gewesen.

Anfangs besteht der spielerische Teil vor allem aus einem großen Versteckspiel: Vater Baker möchte Ethan tot sehen und jagt ihn durch das gesamte Haus. Im ersten Bosskampf merkt der Protagonist schnell, dass die Bakers nicht sterben können. Nach jedem noch so blutigen und brutalen Tod stehen seine Gegner wieder auf, die Kämpfe werden zu einem Geduldsspiel.

Und mit jedem dieser fragwürdig entworfenen Bosskämpfe geht ein kleiner Teil der Grundstimmung verloren. Die Antagonisten wirken wenig bedrohlich, oft schon lächerlich, und Ethan ist mit Schrotflinte oder sogar Flammenwerfer nicht mehr wirklich in akuter Lebensgefahr.

Resident Evil 7 Corpse
© Capcom

Ein Reboot, aber nicht konsequent genug

Am stärksten ist Resident Evil 7 in seinem ersten, ruhigeren Teil, der zum Glück auch den Großteil der Spielzeit einnimmt. Die Fantasie des Spielers kann sich auf psychologischen Horror einlassen – das klappt in den meisten Fällen auch ziemlich gut.

Nur die Elemente älterer Teile sind überflüssig, reißen aus der Stimmung raus. "Der unsterbliche Mann, dem ich zehn Mal in den Kopf geschossen und verbrannt habe, verfolgt mich!“ – was ist zu tun? Richtig, erstmal ein Rätsel lösen, was selbst Grundschülern im Halbschlaf keine Probleme bereitet hätte. Das wirkt nicht nur deplatziert, sondern nimmt die eigene Zielgruppe nicht ernst.

Auch der letzte Teil der Handlung hätte nicht wirklich eingefügt werden müssen. In einer sehr simplen Umgebung kriegt der Spieler eine Maschinenpistole in die Hand gedrückt und soll langweilig aussehende Gegner niedermetzeln. Hier hätte Capcom lernen müssen loszulassen und sich vollständig auf den Horrorteil zu konzentrieren.

Fazit

Resident Evil 7 ist nicht perfekt, aber gut genug um der Reihe neues Leben einzuhauchen. Es funktioniert, wenn es wie einer der älteren Teile ein Survival-Horror-Spiel sein möchte. Die Action-und Rätselpassagen sind schwach, aber nicht unnötig in die Länge gezogen.

Wer ein Horrorfan ist, sollte zugreifen. Der Titel wird zweifellos das Genre über viele Jahre hinweg bestimmen und bringt einen positiven Fokus zurück.

Resident Evil 7 ist für Playstation 4 (mit Virtual Reality), Xbox One und den PC erhältlich.

Resident Evil 7 biohazard TAPE-4 "Biohazard" - Launch Trailer

Resident Evil: The Final Chapter Poster
Originaltitel:
Resident Evil: The Final Chapter
Kinostart:
26.01.17
Laufzeit:
106 min
Regie:
Paul W.S. Anderson
Drehbuch:
Paul W.S. Anderson
Darsteller:
Milla Jovovich, Iain Glen, Ali Larter, Ruby Rose, William Levy, Eoin Macken, Shawn Roberts, Fraser James
Um Umbrella und die Red Queen endgültig besiegen zu können, geht Alice eine Allianz mit ihrem Erzfeind Albert Wesker ein. Gemeinsam mit anderen Verbündeten geht es daraufhin zurück nach Racoon City.

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