Schwarze Stunde für King-Fans: Kritik zu Der Dunkle Turm

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Idris Elba & Matthew McConaughey in "Der Dunkle Turm"

Roland Deschain (Idris Elba) ist ein Revolvermann - und der letzte seiner Art. Seine Nemesis ist der mysteriöse Mann in Schwarz (Matthew McConaughey), der sich zum Ziel gesetzt hat, den Dunklen Turm zu Fall und damit das Böse in die Welt zu bringen. Die Schlüsselrolle hierzu nimmt der 14-jährige Jake Chambers (Tom Taylor) ein, der in den erbitterten Kampf um das Schicksal aller Welten hineingezogen wird.

"Der Mann in Schwarz floh durch die Wüste, und der Revolvermann folgte ihm."

Diese Worte bilden den Auftakt zu Stephen Kings Epos Der Dunkle Turm. Der Zyklus bildet einen zentralen Punkt in Kings Schaffen, an dem er fast sein gesamtes Autorenleben gearbeitet hat. Die Inspiration zum Auftakt Schwarz war ein Sergio-Leone-Western: King beschäftigte die Frage, was passieren würde, wenn man die Genres Fantasy und Western aufeinander treffen ließe.

Die Arbeit zum ersten Teil zog sich seit den 1970er-Jahren über mehrere Jahre. Einzelne Passagen von Schwarz entstanden, als King während der Arbeit an Brennen muss Salem unter einer Schreibblockade litt. Schließlich erschien Schwarz dann 1982. Mit Der Turm im Jahr 2004 war der Dunkler-Turm-Zyklus schließlich beendet.

Acht Bände in 95 Minuten? Das geht?

King-Fans waren dementsprechend skeptisch, als kurz vor Filmstart bekannt wurde, dass die Laufzeit der Umsetzung lediglich 95 Minuten betragen sollte. Regisseur Nikolaj Arcel versuchte noch, die Skeptiker mit der Aussage zu beruhigen, dass Der Dunkle Turm im besten Fall einen Auftakt zu weiteren Filmen bilden sollte und man versucht hätte, nicht zu viel ins Drehbuch zu bringen.

Dennoch: Die Skepsis blieb. Zumal im Zuge der Marketingkampagne unermüdlich der Hinweis erfolgte, dass die Verfilmung eher auf der Romanvorlage basiere und eigenständig zu betrachten sei.

Und wie befürchtet ist die Skepsis berechtigt. Der Dunkle Turm ist alles, aber keine der Vorlage würdige Umsetzung. Wer zu den Werken Kings keinen Bezug hat und den Zyklus nicht kennt, könnte sehr leichte Unterhaltung finden. Der Rest dürfte seufzend den Kopf schütteln und die Liste der misslungenen King-Verfilmung um einen weiteren Punkt erweitern.

Woran liegt es? An den Darstellern? Zum Teil. Einzig Idris Elba als Revolvermann und Matthew McConaughey als der Mann in Schwarz bilden den Lichtblick in dem Projekt. Es ist erstaunlich, dass beide ob des chaotische Drehbuchs während der Arbeiten nicht einfach resigniert, sondern in der Tat das Beste aus der Situation gemacht haben.

Einziger Lichtblick: 2 Hauptdarsteller, die keine Arbeitsverweigerung betreiben

Elba gibt den Revolvermann wortkarg und undurchsichtig, seine Darstellung fußt auf Mimik und Gestik. Wenn dann die Emotionen auch bei Roland einmal durchbrechen dürfen, wirkt es nicht kitschig und sorgen für die wenigen intensiven Momente.

McConaughey hingegen reduziert sein Spiel, hat jedoch sichtlich Spaß daran, den machtbesessenen, grausamen Gegner darstellen zu dürfen. Da erinnert nichts an leichte Rollen in Komödien wie Wedding Planer oder Wie werde ich ihn los - in 10 Tagen?. Zum Teil schafft er es mit einem Wort, dem Zuschauer klarzumachen, dass Walter, wie der Mann in Schwarz heißt, keinerlei Mitleid empfindet und wirkt dabei bedrohlicher als sämtliche anderen Darsteller, die mit Waffen aller Art ausgerüstet sind.

Totalausfall beim Jungdarsteller

Die Enttäuschung hingegen ist eindeutig Tom Taylor. Er bemüht sich, den Rand des Wahnsinns, an dem seine Figur Jake Chambers, balanciert, greifbar zu machen, scheitert aber in den entscheidenden Momenten. Unglücklicherweise wird die Geschichte aus seiner Perspektive erzählt, was eine emotionale Bindung voraussetzt, um in Krisensituationen mit Jake mitzuleiden. Da die Last auf den Schultern des Jungdarstellers in diesem Fall zu groß ist, lassen diese Szenen den Zuschauer bedauerlicherweise kalt. Dazu trägt noch bei, dass dem Film-Jake ein komplett anderer familiärer Hintergrund zuteil ist als dem Roman-Jake. Ein weiterer Stich in ein wundes King-Fan-Herz.

Zwar greift Der Dunkle Turm einige Aspekte der Romane auf, reiht diese aber chaotisch und mit zu wenig Kontext aneinander. Außerdem ist die Umsetzung mitunter schlampig. So wirkt die Mohainewüste weit weniger lebensfeindlich und damit eher wie ein kleiner Spaziergang. Das erste Aufeinandertreffen von Roland und Jake findet - wenn viel Wohlwollen im Spiel ist - so ähnlich wie in Schwarz statt, jedoch unter anderer Prämisse. Kenner des Werks können dies noch einordnen, andere sind spätestens an diesem Punkt aufgrund der unerklärlichen und überzogenen Reaktion Rolands verwirrt.

Ist der Film wenigstens nett in Szene gesetzt? Nein, sogar der Augenschmaus ist verwehrt. Es ist logisch, dass kein helles, farbenfrohes Abenteuer den Zuschauer erwartet. Jedoch hat die Produktion das Wort Dunkel doch etwas zu ernst genommen. Mitunter ist nur zu erahnen, was da gerade auf der Leinwand passiert. Wenn im Gegensatz dazu die zwielichtigen Ecken von New York City schon heimelig erscheinen, ist definitiv etwas schief gelaufen.

Fazit

Der Dunkle Turm beweist, dass auch 95 Minuten im Kino wie eine Ewigkeit erscheinen können. Vielleicht hilft es einem King-Fan, Alkohol dabei zu haben - dann kann man sich die Zeit wenigstens damit vertreiben, sämtliche Anspielungen auf andere Werke Kings im Film zu finden. Und verlässt das Kino heiterer als die restlichen Besucher.

DER DUNKLE TURM - Trailer - Ab dem 10.8.2017 im Kino!

Der Dunkle Turm: Teaser-Poster
Originaltitel:
The Dark Tower
Kinostart:
10.08.17
Regie:
Nikolaj Arcel
Drehbuch:
Nikolaj Arcel, Akiva Goldsman,Anders Thomas Jensen, Jeff Pinkner
Darsteller:
Matthew McConaughey, Idris Elba, Jackie Earle Haley
Der Film erzählt die Geschichte des Revolvermannes Roland Deschain von Gilead, der seinen Gegenspieler, den Mann in Schwarz, jagd.

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