Kritik zu Ant-Man and the Wasp - Wenn mal nicht das Schicksal der Welt auf dem Spiel steht

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Ant-Man and the Wasp

Nach den Geschehnissen in Captain America: Civil War ist es Scott Lang (Paul Rudd) gelungen, einen Deal mit der amerikanischen Regierung auszuhandeln. Für seinen Verstoß gegen die Sokovia Accords wurde Lang zu zwei Jahren Hausarrest mit anschließender Bewährung verurteilt. Während dieser Zeit darf er nicht nur sein Haus nicht verlassen, auch ist ihm jeglicher Kontakt zu Hank Pym (Michael Douglas) und dessen Tochter Hope van Dyne (Evangeline Lilly) untersagt.

Diese sind allerdings ohnehin nicht sonderlich gut auf Scott zu sprechen. Seine Taten haben auch sie zu gesuchten Verbrechern gemacht. Als Vater und Tochter aber auf einen Weg stoßen, um Hanks Frau und Hopes Mutter Janet (Michelle Pfeiffer) aus dem subatomaren Raum zu retten, sind sie auf Scotts Hilfe angewiesen. Dummerweise steht dieser kurz vor dem Ende seines Hausarrests. Zeit für einen Aufschub gibt es jedoch nicht, da sich gleich mehrere Parteien für die Technik von Hank und Hope interessieren. Um Janet rechtzeitig retten zu können, müssen Hope und Scott ihre Differenzen begraben und als Ant-Man and The Wasp gemeinsam an einem Strang ziehen.

Die undankbare Aufgabe

Mit Avengers: Infinity War setzte Marvel im April einen Meilenstein in seinem Filmuniversum, der die Zuschauer mit einem bitteren Ende zurückließ. Ein paar Monate später fällt nun Ant-Man and the Wasp die undankbare Aufgabe zu, als erster MCU-Film nach Infinity War in die Kinos zu kommen. In gewisser Weise ist diese Tatsache auch das größte Problem. Nach den monumentalen Entwicklungen brennt der Zuschauer eigentlich darauf zu erfahren, wie es weitergeht. Dummerweise liefert Ant-Man and the Wasp hier überhaupt keine Antworten. Der Film spielt kurz vor Infinity War und ignoriert den galaktischen Konflikt fast komplett. Stattdessen bekommt der Zuschauer eben "nur" ein typisches Marvel-Werk präsentiert. Dieses weiß zwar definitiv zu unterhalten, fühlt sich aber auch irgendwie etwas unwichtig an. Die Frage, warum sich Marvel für diese Terminreihenfolge entschieden hat, darf durchaus gestellt werden.

Allerdings tut man Ant-Man and the Wasp mit diesem Kritikpunkt auch etwas Unrecht. Für sich betrachtet ist die Fortsetzung ein spaßiger Sommerfilm, der die Stärken des Vorgängers aufgreift und genau da weitermacht, wo Ant-Man aufgehört hat. Wer mit dem ersten Film seinen Spaß hatte, der dürfte auch hier wieder auf seine Kosten kommen. Die Chemie zwischen den Figuren funktioniert weiterhin hervorragend, der Humor zündet fast immer und auch die Spielereien mit den schrumpfenden und wachsenden Gegenständen ist weiterhin sehr unterhaltsam. Bei Letzterem lässt sich aber festhalten, dass Marvel hier durchaus die eine oder andere Szene zu viel im Trailer gezeigt hat. Viele Überraschungen gibt in dieser Hinsicht nicht mehr. So einige Momente hätten sicherlich besser gewirkt, wenn man sie nicht schon aus der Vorschau gekannt hätte.

Ant-Man and the Wasp

Kein Weltuntergang notwendig

Auch wenn Ant-Man in Infinity War keine Rolle spielt, bleibt Ant-Man and the Wasp natürlich trotzdem weiterhin ein Marvel-Produkt. Die typischen Stärken und Schwächen, die man mittlerweile mit Marvel verbindet, finden sich daher auch hier wieder. Wer mit Marvel bisher nicht viel anfangen konnte, den dürfte auch Ant-Man and the Wasp nicht bekehren können.

Besonders schade ist dies im Falle von Walton Goggins, der als Gegenspieler Sonny Birch verheizt wird. Nachdem der Darsteller schon in Tomb Raider mit einer Schurkenrolle vertreten war, an die sich wohl niemand groß erinnern wird, ergeht es ihm hier nicht viel anders. Hannah John-Kamen als Ghost kommt etwas besser weg. Vor allem weil ihre Fähigkeiten eine interessante Ergänzung zur Schrumpferei von Ant-Man und the Wasp darstellen, ist die Figur deutlich besser geraten.

Was die Fortsetzung, ähnlich wie der erste Teil, dagegen wieder erfrischen anders macht, ist die Tatsache, dass der Konflikt sich nicht um das Schicksal der ganzen Welt dreht. Für viele Charaktere geht es im Film um ganz persönliche Ziele, was eine nette Abwechslung darstellt. So beweist Ant-Man and the Wasp, dass in einem guten Superheldenfilm nicht zwangsweise die Erde gerettet werden muss. Auch wenn man kleiner Brötchen bäckt, kann man eine spannende und unterhaltsame Geschichte erzählen, bei der trotzdem Dinge auf dem Spiel stehen.

Ant-Man and the Wasp

Die Darsteller überzeugen

Ein weiterer Pluspunkt von Ant-Man and the Wasp sind die Darsteller. Man merkt Paul Rudd, Evangeline Lilly und Michael Douglas an, dass auch sie Spaß an ihrem zweiten Marvel-Abenteuer hatten. Besonders Lilly scheint viel Freude daran zu haben, nun selbst in ein Kostüm schlüpfen und Hand anlegen zu dürfen.

Die Gruppe rund um Michael Peñas Luis fügt sich zudem dieses Mal besser in die Welt ein. Im ersten Film wirkten die Figuren teilweise etwas überzeichnet. Hier fährt man die Sache ein wenig zurück, ohne dass die Figuren aber ihren Charme verlieren. Etwas schade ist es um Bobby Cannavale und Judy Greer, die nun fast gar nichts mehr zu tun bekommen und lediglich für ein paar Umarmungsszenen im Film sind.

Bei den Neuzugängen ist vor allem Michelle Pfeiffer als Janet van Dyne zu erwähnen, die sich problemlos in das Ant-Man-Ensemble einfügt und ebenfalls viel Freude und Spaß an den Tag legt. Auch Laurence Fishburne, Hannah John-Kamen und Randall Park können in ihren Rollen überzeugen. Lediglich der erwähnte Walton Goggins reiht sich die Riege der eigentlich tollen Darsteller ein, die Marvel in langweiligen Schurkenrollen verschwendet hat. Mit Darstellern wie Guy Pearce, Christopher Eccleston, Robert Redford, Lee Pace, Corey Stoll, Mads Mikkelsen oder Michael B. Jordan nimmt diese langsam eine beachtliche Größe an.

Fazit

Ant-Man and the Wasp setzt genau da an, wo der Vorgänger aufgehört hat. Der Film baut auf den Stärken von Ant-Man auf und dürfte allen Spaß machen, die auch den ersten Teil mochten. Ganz vermeiden kann die Fortsetzung die klassischen Marvel-Schwächen nicht, die Fans dürften diese aber kaum stören.

zusätzlicher Bildnachweis: 
© Marvel Studios

ANT-MAN AND THE WASP – Offizieller Trailer (deutsch/german) | Marvel HD

Ant-Man and the Wasp Poster
Originaltitel:
Ant-Man and the Wasp
Kinostart:
26.07.18
Regie:
Peyton Reed
Drehbuch:
Andrew Barrer, Gabriel Ferrari
Darsteller:
Paul Rudd, Evangeline Lilly, Michael Douglas, Michael Peña, Hannah John-Kamen, Walton Goggins, Michelle Pfeiffer, Laurence Fishburne
Sowohl Paul Rudd als Scott Lang als auch Evangeline Lilly als Hope Van Dyne sind dabei wieder mit von der Partie. Letztere wird erstmals als The Wasp in Erscheinung treten.

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