Kritik zu Mortal Engines: London rolling

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Mortal Engines - Krieg der Städte

Die Erde ächzt. Die Welt und die Zivilisation, wie wir sie kennen, sind zerstört. Nach einem atomaren Schlag vor einigen hundert Jahren gibt es nur noch ein paar Siedlungen auf der Welt. Die Siedlungen wurden auf Räder verfrachtet, um mobil und wehrhaft zu bleiben. Diese “fahrenden Städte” sind auf der Erde unterwegs, um sich neue Rohstoffe für den eigenen Weiterbetrieb zu erbeuten. Scharmützel mit den Konkurrenzstädten sind dabei immer wieder an der Tagesordnung.

Mitten in diesem dystopischen Chaos schleicht sich die junge Hester Shaw (Hera Hilmar) in das fahrende London. Sie will den Historiker Thaddeus Valentine (Hugo Weaving) aufspüren, den sie für den Tod ihrer Mutter verantwortlich macht. Dabei trifft sie Valentines Gehilfen Tom Natsworthy (Robert Sheehan), der als Historiker auch ein ausgemachter Fan der alten Technologie des 21. Jahrhunderts ist. Mit ihm zusammen wird sie nach einem missglückten Attentat auf Valentine aus der Stadt geworfen. Die beiden schließen sich der Rebellin Anna Fang (die südkoreanische Musikerin Jihae) an, die den “Städtedarwinismus” überwinden will. Bald kristallisiert sich heraus, dass Valentine mit einer neuartigen Waffe die Menschheit auszulöschen droht. Die Rebellen müssen sich beeilen, um ihn aufzuhalten…

Massenschlägerei deluxe: Jackson kann es noch

Vorweg sei eines gesagt: Wo Peter Jackson draufsteht, ist auch Peter Jackson drin. Dieser ist dem Mainstream mit der Herr-der-Ringe-Trilogie für seine atemberaubenden Kulissen und beeindruckenden Schlachten bekannt geworden. Mortal Engines atmet ganz ohne Zweifel den Geist von Jacksons bisher größtem Erfolg - wahrscheinlich war dies einer der Gründe, wieso Jackson sich entschloss, die beeindruckende Dystopie zu produzieren. Besonders in der 3D-Version staunt der Zuschauer nicht schlecht.

Mortal Engines

Schon in der ersten Szene bekommt der Zuschauer ein derartiges massives Action-Spektakel mit Menschenmassen und übergroßen Maschinen serviert, dass er unweigerlich an die Schlacht in Helms Klamm denken muss. Die Regiearbeit von Christian Rivers schließt sich hier direkt an, denn auch er hat beim Herrn der Ringe und auch bei dem ersten Teil der Hobbit-Trilogie mitgewirkt. Nun wird das Spektakel also in die Zukunft verlagert.

Tödliche Maschinenstädte: Viel hilft viel?

Trotz seiner einfallsreichen Steampunk-Elemente kann Mortal Engines jedoch leider nicht ganz das Niveau seines optischen Vorbilds halten. Das mag auch an der Romanvorlage liegen, die man wohl besser vorher gelesen haben sollte, um dem Geschehen auf der Leinwand folgen zu können. Mortal Engines stellt zunächst den ersten Teil der vierteiligen Romanreihe von Philip Reeve aus dem Jahr 2001 vor. Als unvorbereiteter Kinozuschauer bedeutet das: Es tauchen jede Menge Figuren, Handlungsorte und Verwicklungen auf. Leider kann man diesen schlecht folgen, was auch daran liegt, dass die meisten Konflikte und Figuren zu kurz eingeführt werden, um in der Handlung voranzukommen - ein leider allzu oft auftretendes Phänomen bei Buchverfilmungen.

Mortal Engines

So lassen sich jedoch keine echten Emotionen beim Zuschauer aufbauen. Auch sind in Mortal Engines einige Konflikte zu viel eingestreut: Nicht nur gilt es, die kämpfenden Städte und ihre Ideologien zu überwinden. Auch die mit einem Schmiss gezeichnete Hester muss sich ihrer Vergangenheit und ihren ganz persönlichen Ängsten stellen. Das führt nicht nur zu einer Art Familientragödie, die ziemlich auf die Tränendrüse drückt, sondern ist auch recht generisch aufgebaut: Das Waisenmädchen hütet unwissentlich ein Geheimnis, das zur Rettung der Welt genau zur rechten Zeit ans Licht kommt.

Figuren aus dem Baukasten

Leider sind die Dialoge bis auf einige recht nette Anspielungen an das Industriezeitalter und die aktuelle politische Lage eher flach geraten. Die mehr als bombastische Musik walzt hier desöfteren die leiseren Szenen förmlich nieder. Auch mit der etwas klebrigen Liebesgeschichte wie aus dem Baukasten zwischen Hester (Hilmar) und Tom (Robert Sheehan) tut sich Mortal Engines keinen großen Gefallen. Ohnehin hat der Misfits-Star Robert Sheehan im Film nicht sonderlich viel zu tun, was schade ist, da er desöfteren seine Szenenpartner förmlich an die Wand spielt. Immerhin führt die Lösung aus den jeweiligen Verwicklungen stets die weibliche Protagonistin herbei.

Während man sich noch über diesen Umstand freut, gelingt es zumindest streckenweise, die Tatsache zu verdrängen, wieso eine an Rohstoffen knappe, zerstörte Welt ihre zivilisatorischen Stätten ausgerechnet in Kraftstoffe schluckende Metallmonster verlagert hat, statt sich irgendwie nachhaltiger neu aufzubauen. Nicht nur dort wünscht man sich das Ende des Darwinismus.

Mortal Engines

Fazit

Mit Mortal Engines werden große Geschütze aufgefahren. Leider kann die Idee auf der Leinwand vor allem erzählerisch nicht vollends überzeugen. Wer große Schlachten und recht gut gemachte Effekte sehen will, kommt hier auf seine Kosten. Die leisten Töne bedient die das Fantasy-Spektakel aber eher nicht.

zusätzlicher Bildnachweis: 
© Universal Pictures
Mortal Engines - Krieg der Städte
Originaltitel:
Mortal Engines
Kinostart:
13.12.18
Regie:
Christian Rivers
Drehbuch:
Peter Jackson, Fran Walsh, Philippa Boyens
Darsteller:
Robert Sheehan, Ronan Raftery, Hera Hilmar, Stephen Lang, Jihae, Leila George, Hugo Weaving, Colin Salmon, Patrick Malahide, Regé-Jean Page
Viele Tausend Jahre in der Zukunft lebt die Menschheit in Städten, die sich auf riesigen Rädern fortbewegen.

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SPOILER immer mit Spoilertag: <spoiler>Vader ist Lukes Vater</spoiler>

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