DC-Comic-Kritik: Deathstroke 1: Der Profi (Rebirth)

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Deathstroke Rebirth Cover

Der ein oder andere mag sich verwundert die Augen gerieben haben, als vermeintlich feststand, wer in The Batman den Antagonisten-Part übernehmen sollte. Die Fledermaus hat bekanntermaßen die vielleicht ikonischsten Gegenspieler der Comic-Geschichte und dennoch sollte sich der Dunkle Ritter mit jemandem herumschlagen, der maximal im weitesten Sinne einer davon ist? Warum also kam man überhaupt auf ihn, auf Deathstroke?

Nun, nicht zuletzt in Arrow, wo die Fans nach der zweiten Staffel, der er ganz eindeutig seinen Stempel aufdrückte, wieder und wieder ein Comeback ihres Lieblings gefordert hatten, konnte man sehen, wie viel Potenzial in dieser Figur steckt. Ihn auf Bruce Waynes Alter Ego loszulassen, wäre demnach eigentlich sogar eine sehr naheliegende Idee. 

Zudem wird jeder, der sich etwas intensiver mit dem Söldner auseinandersetzt, zwangsläufig feststellen, dass er nicht gerade wenige Parallelen zu dem populärsten Antihelden von Marvel aufweist: Deadpool.

Die Geheimidentität mit dem eindeutigen Todesbezug, der Vorname, der sich nur minimal unterscheidet (Slade versus Wade), der identische Nachname (Wilson), die außergewöhnlichen Kampfkünste, die Tatsache, dass selbst extremste Verletzungen beide nicht wirklich lange stoppen können oder der Hang zu das vollständige Gesicht bedeckenden Masken sind da nur einige Beispiele.

Eine weitere interessante Gemeinsamkeit zwischen den beiden Wilsons ist für diese Kritik besonders entscheidend: Christopher Priest. Bevor sich der Autor Deathstroke annahm, hatte man ihm nämlich vor einiger Zeit auch schon einmal Deadpool anvertraut. Dass Priests aktueller Rebirth-Run 2017 überdies sogar für den Eisner Award nominiert wurde, dämpft da jetzt nicht unbedingt die allgemeine Erwartungshaltung. Kann bereits Band 1 ebendieser gerecht werden?

Inhalt

Slade Wilson befindet sich auf einer, nein, auf mehreren Missionen…, aber nicht nur. Er ist auch mit seinen Söhnen unterwegs….und zu Hause…..und außerdem noch mit seiner Tochter auf der Flucht.

Darüber hinaus bekommt er es mit einem Gegner zu tun, der es mit der Zeit sehr genau nimmt und der zumindest teilweise als Erklärung für den doch sehr ungewöhnlichen Aufbau des Comics herhalten kann: Der Clock King.

Deathstroke Rebirth

Sehr anders …,

Vergleicht man Deathstroke 1: Der Profi mit den ersten Ausgaben von Flash, Green Lanterns, Aquaman oder selbst Hellblazer fällt auf, dass dieser Starttitel sich von den anderen genannten sehr deutlich unterscheidet.

Maßgeblich verantwortlich dafür sind die vielen Sprünge: Einmal sieht man den Protagonisten mit Maske in der Wüste, einmal ohne im Schnee, ein anderes Mal mit seiner großen Liebe halbnackt und so weiter. Man könnte diese Auflistung noch um diverse Punkte ergänzen, aber das ist an dieser Stelle eigentlich gar nicht nötig. Viel entscheidender ist, dass besagte Sprünge, die räumlichen und die zeitlichen, die Panels in keiner Weise hektisch wirken lassen. Vielmehr werden diese 116 Seiten eher durch eine gewisse Ruhe bestimmt - womöglich eine Ruhe vor dem Sturm?

…, aber interessant …,

Vor allem wird so allerdings eine große Distanz zwischen Leser und (Anti-)Held erzeugt. Denkt man kurz über diesen Fakt nach, stellt man jedoch fest, dass dies im Grunde schlicht logisch und folgerichtig ist. Denn schließlich darf man eines nie vergessen: Deathstroke bringt in regelmäßigen Abständen Menschen um.

Wenn sein bester Freund Wintergreen der Tochter des Kopfgeldjägers versucht zu erklären, wie dieser tickt und dass in einem sehr harsch formulierten Vorwurf durchaus ein Kompliment versteckt sein kann, erscheint dies im ersten Moment plausibel. Dennoch verharrt man - auch mit diesem Wissen - in der Rolle des gespannten Beobachters, anstatt mit der Hauptfigur mitzufiebern.

Ob dies nur für das Special sowie die ersten vier Einzelheftausgaben, die dieser Sammelband enthält, gilt, lässt sich zu diesem frühen Zeitpunkt in jedem Fall noch nicht mit Gewissheit sagen. Was man aber sagen kann, ist, dass dieses Paperback mit einem Cliffhanger endet, der alles andere als gewöhnlich ist und definitiv Lust auf mehr macht!

Deathstroke Rebirth

…, aber auch nicht ganz unproblematisch

Allerdings darf man ebenfalls nicht verschweigen, dass es Priests Ansatz Neueinsteigern zweifelsohne extrem erschwert, einen Zugang zu dem Dargebotenen zu finden. Wer noch nie mit Deathstroke in Berührung kam sowie wenig bis nichts über seine Vergangenheit weiß, wird wahrscheinlich schlicht überfordert sein.

Bedenkt man, dass sich die Verantwortlichen von der Wiedergeburt des DC-Universums nicht nur, jedoch auch erhofft hatten, dass sie es "Erstkontaktlern" relativ unkompliziert ermöglichen würde, sich in der Welt von Heldin A oder Held B zurechtzufinden, muss diese Tatsache selbstredend hier Erwähnung finden.

Aber da nirgendwo geschrieben steht, dass jeder neue Rebirth-Titel per se für jedermann geeignet sein sollte, hat DC auch so gesehen nichts falsch gemacht, und Christopher Preist und die beiden in erster Linie für den Look dieses Bandes verantwortlichen Zeichner Carlos Pagulayan und Joe Bennett schon gar nicht.

Fazit

Alle langjährigen Comic-Fans, die mit den Abenteuern des Söldners zumindest einigermaßen vertraut sind, sollten diesem Werk in jedem Fall einmal eine Chance geben. Leute, auf die dies nicht zutrifft, wohl lieber auf eine der zahlreichen Alternativen zurückgreifen.

zusätzlicher Bildnachweis: 
© Panini Comics/ DC Comics

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SPOILER immer mit Spoilertag: <spoiler>Vader ist Lukes Vater</spoiler>

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