Manga-Kritik: Boruto – Naruto the next Generation 1

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Boruto

Unzählige Figuren, eine faszinierende Welt, eine sich über Jahre erstreckende, aber in sich extrem stimmige Handlung und ein Protagonist, der in einem Atemzug mit Ruffy oder Son-Goku genannt wird; die Rede ist von dem Naruto-Kosmos.

Erdacht hat all das Masashi Kishimoto, dessen weltweiter Ruf mittlerweile vergleichbar mit dem von Dragon-Ball-Schöpfer Akira Toriyama und One-Piece-Mastermind Eiichiro Oda ist. Während der entsprechende Manga 2014 endete, konnten sich die Anhänger - zugegebenermaßen auch dank diverser Filler-Folgen - bis 2017 an der Anime-Version erfreuen.

Doch relativ schnell war klar, dass die Fans nicht allzu lange auf neue Abenteuer aus ihrem geliebten Ninja-Universum würden warten müssen, denn der Autor hatte beschlossen, den Staffelstab (innerhalb der Handlung) nun an die nächste Generation weiterzureichen. Wie sich diese schlägt und ob man angesichts dieser Entscheidung von einem klugen Schachzug sprechen kann, soll Thema dieser Rezension sein.

Ein Rückblick in die Zukunft

Der Verfasser dieser Kritik kann sich noch gut an den Tag erinnern, als er den ersten und noch etwas besser an den, als er den letzten Naruto-Band gelesen hat. Wenn man einer Geschichte so lange treu bleibt, gibt es in der Regel mehr als einen Grund, warum dem so ist. Und wenn eine riesige Leserschaft in so vielen verschiedenen Ländern über einen derart langen Zeitraum jedem neuen Story-Arc bis zum großen Finale ungeduldig entgegenfiebert, erst recht.

Es ist beeindruckend zu sehen, wie hier bis zum Schluss ein Rädchen ins andere gegriffen hat. Wie man dabei sein konnte, wie aus dem elternlosen Jungen, der immer etwas tollpatschig war und häufig mit einem Lächeln zu überspielen versuchte, dass er sich in Wahrheit sehr einsam fühlte, der große Held wurde. Ein Held, der nicht nur die mächtigsten Feinde zu besiegen wusste, sondern auch unzählige Freundschaften schloss. Daraus resultierte eine besondere Bindung zwischen Titel und Leser, die bis heute anhält.

Die meisten Kritiker stürzen sich im Naruto-Kontext tatsächlich beinahe ausschließlich auf die Episoden, die man offensichtlich nur deswegen produziert hat, weil man die Vorlage nicht ein- beziehungsweise überholen wollte. Auch den üblichen Vorwurf, dem sich alle Shōnen immer wieder ausgesetzt sehen, formulierte man im Zusammenhang mit dieser langlebigen Reihe mehr als einmal: Der Protagonist wird immer stärker, die Gegner ebenfalls, und nur er kann am Ende triumphieren, fertig.

Boruto

Komplett von der Hand zu weisen ist das selbstverständlich nicht, allerdings lohnt hier wirklich ein zweiter Blick. Man begleitet nämlich nicht nur die Hauptfigur auf ihrer langen Reise. Man weiß ebenso stets, was Sakura, Sasuke, Sai, Shikamaru, Gaara, Hinata und noch jede Menge mehr treiben. Im Grunde muss man von einem Neben-Haupt-Cast sprechen, wenn man diesen Charakteren gerecht werden will. Schließlich erhalten alle ihre Momente - manche bedeutendere, manche nicht ganz so bedeutende -, jedoch jeder so viele, dass einem nach der Lektüre der letzten Seite das Gefühl bleibt, sie ähnlich gut zu kennen wie den wohl berühmtesten Nudelsuppen-Liebhaber überhaupt.

Außerdem hat es Masashi Kishimoto von Anfang an verstanden, das Kräftegleichgewicht nie zu sehr zugunsten von Herrn Uzumaki zu verschieben und dessen Gegner wie auch Verbündete ebenfalls sukzessive stärker werden zu lassen. Auf diese Weise war garantiert, dass es zu einer Vielzahl unheimlich spannender Duelle ohne Naruto-Beteiligung kommen musste, die wiederum zur Folge hatte, dass gerade diejenigen, die nicht permanent im Fokus standen, an Popularität gewinnen konnten. 

Wer sich all das bewusst macht, realisiert ziemlich zügig, dass es sich unter diesen Umständen einfach anbietet, ein Spin-off zu kreieren, in dem man diese bewährten Strukturen nutzt, um Neues entstehen zu lassen. Daher ist dieser ausgiebige Rückblick im Prinzip auch bereits Teil der eigentlichen Besprechung. Und wenn dieser Auftakt der Maßstab für alles, was da noch kommen mag, ist, darf man sich auf sehr unterhaltsame Lesestunden freuen.

Boruto

Ein gelungener Neustart

Gelegentlich wirkt ein Zeitsprung wie eine vergleichsweise einfallslose Idee, um bestimmte Handlungsfäden nicht (direkt) weiterspinnen zu müssen. Im Falle von Boruto macht dieses Vorgehen aber absolut Sinn, da man so das eigentliche Ende des Vorgängertitels gewissermaßen unangetastet lässt und auf einem bekannten Fundament etwas errichtet, das dazu in der Lage ist, für sich zu stehen.

Dass ausgerechnet Naruto, der immer darunter gelitten hatte, keine Familie zu haben, in seiner jetzigen Funktion als Hokage seinem Sohn Boruto das Gefühl vermittelt, nie Zeit für Frau und Kinder zu haben, bietet eine Menge Potenzial - allein schon, weil damit die Ausgangsvoraussetzungen der beiden Geschichten vollkommen andere sind.

Ähnlich wie sein Vater darf auch dessen Sprössling als Teil eines Teams lernen, was es bedeutet, ein Ninja zu sein. Ihm zur Seite stehen Sasukes Tochter Sarada und der geheimnisvolle Mitsuki, der Mittelpunkt der finalen Seiten dieses Mangas ist und ein nicht unbedingt leichtes Päckchen zu tragen hat.

Zu diesem Jungstar-Trio noch ein wenig Nostalgie in Form der älter gewordenen Ex-Jungspunde aus Konohagakure sowie den übrigen Dörfern und der eine oder andere Erzählstrang, der aufgenommen werden will, und alles ist angerichtet für zahlreiche packende Abenteuer.

Fazit

Boruto – Naruto the next Generation 1 ist Neustart und Fortführung in einem und deshalb für Neueinsteiger wie auch die treuesten der Treuen gleichermaßen geeignet. Was die Action angeht, hält man sich zunächst vielleicht noch etwas zurück, ansonsten bekommt man jedoch alles geboten, was man sich von einer Nummer 1 erwartet.

zusätzlicher Bildnachweis: 
© 2016 by Masash Kishimoto, Ukyo Kodachi, Mikio Ikemoto/SHUEISHA Inc.

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SPOILER immer mit Spoilertag: <spoiler>Vader ist Lukes Vater</spoiler>

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