Deine Zeit läuft ab - Kritik zu Das Haus der geheimnisvollen Uhren

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Jack Black & Owen Vaccaro in Das Haus der geheimnisvollen Uhren

Lewis Barnavelt (Owen Vaccaro) findet nach dem tragischen Verlust seiner Eltern bei seinem Onkel Jonathan (Jack Black) in der Kleinstadt New Zebedee ein neues Zuhause. Auch Jonathans Nachbarin Florence Zimmerman (Cate Blancett) kümmert sich um den Jungen. Zuerst scheint es, als wäre Lewis in ein kleines Paradies gezogen: Kekse gelten als Abendessen, und er darf selbst bestimmen, wann er ins Bett geht. Doch etwas stimmt nicht in dem alten Haus. Nachts hört Lewis das Ticken einer mysteriösen Uhr, und sein Onkel scheint definitiv nach dieser Uhr zu suchen. Noch ahnt Lewis nicht, dass ein böser Zauberer für das Ticken verantwortlich ist und Magie in seinem Leben schon bald eine große Rolle spielen wird …

Der Jugendroman The House with a Clock in its Wall von John Bellairs erschien erstmals im Jahr 1973 und bildete den Auftakt einer Reihe um Lewis Barnavelt. Als die Planungsphase für die Verfilmung begann, ergriff das Produzententeam die Chance, Eric Kripke für das Projekt anzufragen, der bereits seit seiner Kindheit von der Buchreihe fasziniert ist und inspiriert wurde. Kripke, unter anderem Serienschöpfer von Supernatural, ergriff die Chance und zeichnet für das Drehbuch verantwortlich.

Dass die Produktionsfirma Amblin Entertainment das Projekt dann übernahm, war für Regisseur Eli Roth (Cabin Fever, Death Wish) der entscheidende Faktor, um Das Haus der geheimnisvollen Uhren zu inszenieren. Schließlich gehen Erfolge wie E.T. - Der Außerirdische, Gremlins oder die Trilogie von Zurück in die Zukunft auf das Konto der Firma. Für Roth, der seit seiner Kindheit ein Fan dieser Filme ist, die Gelegenheit, endlich einmal mit Amblin Entertainment zusammenzuarbeiten.

Damit erklärt sich die doch recht ungewöhnliche Konstellation für einen Film, der streng genommen als Kinderfilm gedacht ist und sich somit auch an die Zielgruppe der ab Sechsjährigen richten soll. Und unweigerlich stellt sich die Frage: Funktioniert diese Konstellation hierfür oder haben Kripke und Roth die Zielgruppe verfehlt?

Zielgruppe verfehlt oder Klassenziel erreicht?

Das Haus der geheimnisvollen Uhren ist glücklicherweise ein Beispiel dafür, dass Grusel auch für eine jüngere Zielgruppe funktionieren kann, wenn man die richtigen Kreativköpfe an der richtigen Stelle einsetzt. So spart das Drehbuch nicht mit einigen höchst spannenden Momenten, die von Roth auch entsprechend inszeniert werden, wiegt diese jedoch mit genügend komödiantischen Szenen wieder auf - und als Sahnehäubchen geizen Kripke und Roth auch nicht mit den Sequenzen, die ans Herz gehen. Behutsam umschreiben sie unter anderem die Traumata und Trauer, die der Zweite Weltkrieg hinterlassen hat, und lassen das unausgesprochen, was Kinder darüber noch nicht detailliert wissen müssen. Das erwachsene Publikum treffen diese Umschreibungen dafür mit größerer Wucht.

Zudem bewies man beim Ensemble ein glückliches Händchen. Jack Black, an dem sich in der Vergangenheit des Öfteren die Meinungen gespalten haben, erweist sich für die Rolle des schrulligen Onkel und Hexenmeisters Jonathan als Glücksgriff. Black ist überdreht, wenn das Drehbuch es einfordert - nimmt sich aber umgehend zurück, wenn es verlangt wird. Erstaunlich ernst wirkt er in manchen Momenten und verleiht damit der Figur, die immerhin auch noch den Tod der Schwester und damit Lewis’ Mutter betrauert, mehr Tiefe.

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Jack Black & Cate Blanchett in Das Haus der geheimnisvollen Uhren

Cate Blanchett als Florence Zimmerman bietet den perfekten Gegenpart zu Black. Florence ist eigentlich eine der größten Hexen ihrer Zeit - wenn nicht ein einschneidendes Erlebnis in ihrem Leben zu einer Art magischer Ladehemmung geführt hätte. Gewohnt souverän spielt Blanchett diese Szenen, zeigt an kleinen Gesten, wie sehr Florence dieses Erlebnis erschüttert hat. Außerdem legt sie gemeinsam mit Black ein ausgezeichnetes Timing für die Comedy-Elemente an den Tag. Denn Florence und Jonathan liefern sich einen verbalen Schlagabtausch nach dem anderen, bei dem das Publikum letztendlich feststellen wird: Blanchett und Black, das passt.

Der indomitable Owen Vaccaro

Jungdarsteller Owen Vaccaro (Daddy's Home - Ein Vater zu viel) steht seinen namhaften Co-Stars in nichts nach und hat das Herz des Publikums schnell erobert. Erstaunlich gelassen meistert er die Facetten seiner Rolle. Da gibt es den Jungen, der den Tod seiner Eltern betrauert, sich in einer neuen Umgebung zurechtfinden muss und gleichzeitig versucht, sich nach Außen anders zu geben, um Anschluss an die coolen Kids in seiner neuen Schule zu finden. Und dann ist da aber noch der Nerd, der am liebsten Wörterbücher liest, um seinen Wortschatz zu erweitern und begierig ist, Neues zu lernen.

Eine gelungene Kulisse, in der es in jeder Szene neue Details zu entdecken gibt, sowie ein stimmungsvoller Soundtrack, für den erstmals seit 25 Jahren eine Kinoorgel erklingen darf, runden das stimmige Bild ab.

Fazit

Das Haus der geheimnisvollen Uhren zeigt, dass auch Grusel kindgerecht inszeniert werden kann, wenn spürbar ist, dass alle Beteiligten mit Herzblut an dem Projekt gearbeitet haben. Die ganz kleinen Zuschauer werden sich vielleicht in den sehr spannenden Momenten kurz die Augen zuhalten, die etwas älteren Kinder dürfen sich aber wunderbar gruseln. Letztendlich steht in dem Film sowieso nicht der Gruseleffekt im Vordergrund; sondern die Geschichte eines Jungen, der feststellt, dass man nicht vorgeben muss, jemand anders zu sein.

Das Haus der geheimnisvollen Uhren - Trailer #2 deutsch/german HD

Das Haus der geheimnisvollen Uhren
Originaltitel:
The House with a Clock in Its Walls
Kinostart:
20.09.18
Regie:
Eli Roth
Drehbuch:
Eric Kripke
Darsteller:
Jack Black, Cate Blanchett, Kyle MacLachlan, Owen Vaccaro, Colleen Camp, Renée Elise Goldsberry, Vanessa Anne Williams, Sunny Suljic
Nachdem der zehnjährige Lewis seine Eltern verloren hat, soll er bei seinem Onkel in einem alten Haus leben, in dessen Wänden ein mysteriöses Ticken zu hören ist.

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SPOILER immer mit Spoilertag: <spoiler>Vader ist Lukes Vater</spoiler>

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