Kritik zu Tolkien – Über die Sprache und die Liebe

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Tolkien Movie Still

John Ronald Reuel Tolkien (Nicholas Hoult) wächst im ländlichen England auf, muss nach dem Tod seines Vaters aber in die Industriestadt Birmingham ziehen. Als auch noch seine Mutter stirbt, werden John und sein Bruder zu Waisen und kommen in die Obhut einer Frau der britischen Oberschicht. Dort lernt Tolkien nicht nur seine Liebe zu Sprachen kennen, sondern auch die Frau, die sein Leben mitgestalten soll.

Es ist allgemein bekannt, dass Tolkien sein Hauptwerk Der Herr der Ringe trotz möglicher Parallelen nicht als Allegorie auf den Zweiten Weltkrieg, den er als Professor in Oxford und Vater eines im Krieg kämpfenden Sohnes miterlebte, gelesen wissen wollte. Vielmehr, so Tolkien im Vorwort der späteren Ausgaben des Herrn der Ringe, verabscheue er die Allegorie als sprachliches Mittel. Umso schwerer muss es da einem Film fallen, das Leben Tolkiens mit Bezug auf sein Hauptwerk in Szene(n) zu setzen. Schließlich ist der Film als visuelles Medium geradezu darauf angewiesen, mit Bildern und Anspielungen zu arbeiten.

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Daher überrascht es nicht, wenn Tolkien an seinem Anfang mit durch ein Ödland reitenden Kriegern gleich zwei Anspielungen macht: Zum einen natürlich auf die vom Autoren geschaffene Fantasy-Welt, zum anderen auf den Ersten Weltkrieg, den Tolkien als Offizier miterlebte und welcher die Rahmenhandlung für den Film bildet. In den Schützengräben der Schlacht an der Somme ist Tolkien zusammen mit einem Gefreiten namens Sam (welch ein Zufall…) auf der Suche nach einem Freund aus Schulzeiten. Diese Suche führt Tolkien durch die Schützengräben und apokalyptischen Schauplätze des Ersten Weltkriegs, die der Film bildgewaltig darstellen kann.

Überhaupt arbeitet Tolkien viel mit visuellen Anspielungen, die vor allem Freunde der Herr-der-Ringe-Verfilmungen freuen dürfte. So bemüht sich der Film, den Kontrast zwischen der beinahe idyllischen Kindheit in der englischen Landschaft mit dem Aufwachsen im industriellen Birmingham klar zu zeigen und nutzt dafür Einstellungen und Farben, die man bereits aus der Trilogie von Warner Bros. kennt. Wer dann noch ein wenig über Tolkiens Leben weiß, wird viel Vertrautes in dieser Filmbiografie wieder entdecken.

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So die wichtige Rolle der Mutter, die ihre Kinder früh mit alten Sagen und Märchen vertraut machte, oder besondere Bedeutung seines Freundeskreises an der Schule und natürlich schließlich die Begegnung mit seiner späteren Frau Edith (Lily Collins). Beide leben sie als Waisen, vermittelt durch einen Pfarrer (Colm Meaney), sparen sich Theaterbesuche vom Mund ab und werden schließlich voneinander getrennt, da ihre Verbindung als unstandesgemäß gesehen wird und sich Tolkien zudem auf seine Universitätsexamen konzentrieren soll.

Insofern ist Tolkien neben einer Biografie des Autors auch ein starker Liebesfilm über die Beziehung zwischen Edith und ihrem Mann, der es tatsächlich schafft, die Anziehung zwischen den beiden verständlich zu zeigen. Daneben bietet Tolkien aber auch Züge eines Internatsfilms, wenn er die Freundschaft seiner Hauptfigur zu den anderen jungen Männern und ihrem Geheimclub zeigt. Untermalt werden diese Szenen immer wieder von visuellen Verweisen auf Tolkiens Gedanken und Fantasien, die ihn schließlich zum Autoren des Hobbit und Herrn der Ringe werden lassen.

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So schafft es Tolkien, einerseits das Leben des jungen Mannes zu inszenieren und gleichzeitig zu zeigen, woher er später seine Inspiration und Motivation nahm, die Mythen, Legenden und Geschichten zu schreiben, die seinen Weltruhm begründeten. Die beiden Hauptdarsteller Nicholas Hoult und Lily Collins machen dabei einen guten Job, auch wenn Hoult für einen britischen Gelehrten vielleicht etwas zu breite Schultern hat. Lediglich gegen Ende fällt Tolkien etwas ab und macht große erzählerische Sprünge, die man vielleicht auch eleganter hätte darstellen können.

Fazit

Tolkien zeigt eine adäquate Erzählung der Jugend und Heranwachsens von J. R. R. Tolkien mit Fokus auf die Beziehung zu seiner Frau Edith. Anschaulich inszeniert und mit vielen Bezügen zum Herrn der Ringe bietet der Film für Fans und Kenner von Tolkiens Wert gute Unterhaltung. Der Rest freut sich über einen schönen Liebesfilm.

TOLKIEN | Trailer 2 | FOX Searchlight

TOLKIEN | Offizieller Trailer 2 | Deutsch HD German (2019)

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SPOILER immer mit Spoilertag: <spoiler>Vader ist Lukes Vater</spoiler>

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