Retrokiste: Charmanter Hightech-Diebstahl mit Sneakers – Die Lautlosen

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Sneakers

Im Jahre 1992 steckte das Internet und der große Techboom, wie wir ihn heute kennen, quasi noch in den Kinderschuhen. Erst langsam hielt der Personal Computer auch in jedem Privathaushalt als Arbeitswerkzeug, aber auch als Spiel- und Spaßutensil seinen Einzug. Ein idealer Zeitpunkt für einen Film wie Sneakers – Die Lautlosen, der in vielerlei Hinsicht damals fast visionär wirkte und gleichzeitig in der Gestalt einer leichtfüßigen Heist-Thrillerkomödie daherkam, die zudem mit einer großen Starbesetzung aufwarten konnte. 

Zu viele Geheimnisse

Martin Bishop (Robert Redford) hat eine interessante Nische für sich geschaffen: Zusammen mit seinem wild zusammengewürfelten, aber äußerst cleveren Team bestehend aus Crease (Sidney Poitier), Whistler (David Strathairn), Mother (Dan Akroyd) und Carl (River Phoenix) testet er verschiedenste Hochsicherheitssysteme, indem er zum Beispiel in Banken einbricht. Was seine Kunden und Partner jedoch nicht wissen, Bishop hat eine dunkle Vergangenheit: Zusammen mit seinem Studienkollegen Cosmo (Ben Kingsley) betätigte sich Martin nämlich zu Studienzeiten als eine Art Cyber-Aktivist/Robin Hood, der das Vermögen der Reichen an die Armen beziehungsweise gemeinnützige Vereine via Computer umverteilte. Das ging zumindest solange gut, bis es nicht mehr gut ging, Cosmo von der Polizei geschnappt wurde und später im Gefängnis starb. Martin konnte gerade noch so davonkommen und musste seine Identität ändern. 

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Die NSA-Agenten, die Martin eines Tages in seinem Büro aufsuchen, scheinen jedoch bestens darüber Bescheid zu wissen. Anstatt ihn jedoch an die zuständigen Behörden zu übergeben, beauftragen sie ihn und seine Mitarbeiter damit, eine mysteriöse Blackbox von einem Mathematiker zu stehlen. Schon bald müssen Bishop, seine Crew und seine Ex-Freundin Liz (Mary McDonnell) jedoch feststellen, dass mehr hinter dem Auftrag steckt und sie es mit einer völlig anderen Art von Gegner zu tun haben, als sie zunächst gedacht haben. 

Die Menschen hinter der Technik

Regisseur und Co-Autor Regisseur Phil Alden Robinson konnte bis dato schon eine illustre kleine Filmkarriere vorweisen und hatte bereits eine Oscar-Nominierung für das Drehbuch für Feld der Träume in der Tasche. Mit Sneakers versammelte er ein sympathisches Team zusammen, das seine Probleme mit Köpfchen und Witz löst, was eine nette Abwechslung zu mittels Crossfit aufgepumpten Actionhelden vieler Populärfilme darstellte, die Ihre Probleme lieber vermöbeln. Dass der Film trotz seiner veralteten Technik auch heute noch gut funktioniert, ist unter anderem der charmanten Figurenzeichnung und der herzlichen Chemie zwischen den verschiedenen gut aufgelegten Darstellern zu verdanken. Diese möchten sich keinesfalls zu ernst nehmen, nur weil sie es mit Regierungsverschwörungen, Kryptologie und anderen Gefahren zu tun haben. 

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Alden Robinson, der zusammen mit Laurence Lasker und Walter F. Parkes auch das Drehbuch schrieb, hat dafür Stars aus den 50ern, 60ern, 70ern, 80ern und 90ern zusammengetrommelt, und weiß sie effektiv einzusetzen: Robert Redford besticht mit seinem typischen Charme und analysiert mit wachem Auge und kommentiert ironisch das Geschehen. Gleichzeitig hat er kein Problem damit, sich buchstäblich auf die Schnauze zu legen; Sidney Poitier als sorgenvoller, aber hochkompetenter ehemaliger CIA-Agent Crease im adretten Anzug wittert an jeder Ecke Gefahr; Dan Akroyd spielt den gemütlichen und technisch begabten Mother, der vor allem Crease mit seinen Verschwörungstheorien auf die Nerven geht; der inzwischen leider verstorbene River Phoenix ist zu diesem Zeitpunkt ein vielversprechendes Jungtalent, der zwar nicht unbedingt viel zu tun oder zu sagen bekommt, aber trotzdem mit jugendlichem Charme bestens in das erwachsene Ensemble passt.    

David Strathairn konnte bis dato bereits eine vielseitige Karriere unter dem Radar der öffentlichen Wahrnehmung aufweisen und kann sich selbst als blinder Hacker Whistler innerhalb einer hochkarätigen Besetzung wie dieser mühelos behaupten; Mary McDonald verdiente sich mit ihrer Hauptrolle in Der mit dem Wolf tanzt zwei Jahre zuvor ihre erste Oscar-Nominierung und stellt einen sowohl interessanten als auch einen angenehm erwachsenen Gegenpol zur überwiegend männlichen Besetzung dar. Dabei schafft sie es problemlos, ein Teil des allgemeinen Spaßes zu sein. 

High-Tech-Probleme verlangen nach Low-Tech-Lösungen (ab hier Spoiler!) 

Was einst High-Tech war, kann in der Gegenwart immer ein wenig albern wirken. Ein weiterer Grund, warum aber Sneakers wunderbar gealtert ist, liegt in den Low-Tech-Lösungen für die High-Tech-Probleme, die das Bishop-Team immer wieder findet: Das beginnt äußerst humorvoll mit Robert Redford, der eine Tür eintritt, die von einem elektronischen Schloss geschützt wird, nachdem er über Funk ausführliche Instruktionen erhalten hat, um eben dieses Schloss zu umgehen; eines der zentralen Geheimnisse wird mithilfe eines Scrabble-Spiels gelöst; Bishop findet das geheime Quartier der Verschwörer nur dank seines guten Gehörs; außerdem trickst er einen modernen Bewegungsmelder aus, indem er den wahrscheinlich langsamsten Einbruch aller Zeiten vollführt. Auch den großen McGuffin, nämlich die ominöse Blackbox, erhalten die Helden letztendlich nur durch eine Art altmodischen Taschenspielertrick. Ein Trick, der – gutes Drehbuchschreiben sei Dank! – auch noch auf den Beginn des Films anspielt.

 

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Technik, insbesondere Computertechnologie ist ein wesentlicher Bestandteil des Films, aber auch eine Quelle großer Zukunftsängste. Sie ist allerdings weder der Anfang noch das Ende aller Weisheiten. Tatsächlich steht das Team und seine Menschen im Vordergrund, die sich letztendlich auf Freundschaft und Loyalität verlassen können, so kitschig das vielleicht auch klingen mag. 

Technologie allein macht nicht glücklich

Hierin liegt auch letztendlich der fundamentale Unterschied zwischen Bishop und Cosmo. Wie sich später im Film nämlich herausstellen soll, ist Bishops alter Freund doch nicht im Gefängnis verstorben und hat sich durch mal mehr und mal weniger fragwürdige Mittel zu einem erfolgreichen Akteur in der Tech-Branche hochgearbeitet. Die Zukunft sieht er geradezu prophetisch nicht im Geld, sondern in Informationen, Daten, Nullen und Einsen. Doch mit allen seinen technischen Spielereien, seinem Erfolg und seinen ambitionierten Plänen wünscht er sich jedoch am Ende vor allem seinen alten Freund zurück, der an seiner Seite stehen soll. 

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Ben Kingsley als älterer Cosmo stellt dieses Bedürfnis insbesondere ihn seiner letzten Szene mit Redford äußerst mitfühlend und empathisch dar. Er ist kein Schnurrbart-zwirbelnder Bösewicht, sondern ein Mensch, der wahrscheinlich einen Großteil seines Lebens einsam verbracht hat und weiß, dass es an der Spitze seines erträumten Datenimperiums noch einsamer sein wird. 

Wie um diesen Punkt zu untermauern, stellt Alden Robinson Cosmos ambitionierten Plänen in einer amüsanten Schlussszene die ”bescheidenen“ Wünsche unserer Helden gegenüber. Denn gelegentlich reichen ein Wohnwagen, eine Europareise mit der Ehefrau, Weltfrieden oder die Telefonnummer einer attraktiven NSA-Agentin mit einer Uzi in der Hand schon aus, um glücklich zu sein.

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