Kritik zum neuen RoboCop: Murphy und das Gesetz

RoboCop PosterEiner der bekanntesten Actionhelden feiert einen cineastischen Neubeginn! Nach Judge Dredd (1995 vs. 2012) und Douglas Quaid (Total Recall, 1990 vs. 2012) hebt sich nun der Vorhang erneut für RoboCop. Der markante Titel, der im Jahre 1987 wie heute mit dem Namen, beziehungsweise der Bezeichnung, der Hauptfigur übereinstimmt, ruft bei Fans des Originals wohlige Erinnerungen an ein Spektakel wach, das ob seiner Härte und Zeitlosigkeit der Utopie weiterhin seinesgleichen sucht. Die ungeschnittene Fassung von Paul Verhoevens Kracher war in Deutschland bis vor Kurzem indiziert. Kein Wunder also, dass die mit FSK 12 sehr niedrig angesetzte Altersfreigabe der Neuverfilmung bereits im Voraus bei Actionliebhabern zu wilden Diskussionen und großer Skepsis führte. Der Vorwurf, dass der Polizist im Roboterkörper durch fehlende Kunstblutergüsse zwangsläufig seinen Biss verliert, ist jedoch nicht berechtigt – zumindest dann nicht, wenn man der Geschichte um die Menschmaschine den Vorzug gibt. José Padilha beweist mit seiner Version von RoboCop, dass die Erzählung ihren Reiz auch ohne ausufernde Gewalt entfalten kann.

Alex Murphy (Joel Kinnaman) lebt im Jahr 2028. Er ist ein pflichtbewusster Polizist und liebender Familienvater. Seiner Arbeit geht er ohne Rücksicht auf Probleme oder gar Verluste nach. Das einzige Ziel des ehrgeiziges Cops ist die Durchsetzung von Recht und Ordnung in seiner Heimatstadt Detroit. Politik interessiert Alex wenig. Als er sich bei einem hinterlistigen Mordanschlag schwerste Verletzungen zuzieht, wird er unfreiwillig zum Spielball des Machtstrebens des Megakonzerns OmniCorp. In einem Akt vorgetäuschter Selbstlosigkeit lässt Firmenchef Raymond Sellars (Michael Keaton) den dahinsiechenden Polizisten von seinem besten Wissenschaftler, Dr. Robert Norton (Gary Oldman), retten. Eingebaut in eine stählerne Hülle bekommen Alex klägliche Überreste einen neuen, gepanzerten Körper mit übermenschlichen Fähigkeiten. Dass die Erschaffung von RoboCop weniger humanitären Zielen dient, sondern vor allem der Überzeugung des amerikanischen Volkes vom Nutzen der von OmniCorp für Kriegseinsätze produzierten Roboter, merken Alex, seine Frau Ellen (Abbie Cornish) und der von guten Vorsätzen getriebene Dr. Norton spät. Während die politischen Ränkespiele in vollem Gange sind, kämpft der in Metall gefangene Cop seinen ganz eigenen Kampf – mit dem Teil von ihm, der nun eine Maschine ist und gegen die Verbrecher, die das Attentat auf ihn verübten.

RoboCop und sein Schöpfer

RoboCop (Joel Kinnaman) und sein Schöpfer, Dr. Robert Norton (Gary Oldman)

Der neue RoboCop ist nicht nur als Figur vielschichtiger als sein Vorbild. Drehbuchautor Joshua Zetumer verleiht dem Plot Tiefe und webt über die gesamte Spielzeit unübersehbare Gesellschaftskritik in die Geschichte ein. Die Sinnhaftigkeit von Generalverdächtigungen gegen ganze Völker und die Vormachtstellung der USA auf dem Gebiet der Sicherheit und des Friedens sind nur zwei Aspekte, die der exzentrische Moderator und OmniCorp-Freund Pat Novak (Samuel L. Jackson) in seiner reißerischen TV-Show “The Novak Element” geradezu verzweifelt beackert. Bedenken, dass RoboCop dadurch und dank Familienbande zum nachdenklichen Weichei mutiert sein könnte, sind unangebracht. Trotz heruntergeschraubtem Gewaltgrad geht es im neuen Abenteuer des Roboterpolizisten ordentlich zur Sache. Man denke nur an Filme, wie Transformers oder Iron Man, die bereits vorgemacht haben, dass Heldenaction nicht zwangsläufig blutig sein muss, um überzeugen zu können. So sitzt RoboCops Anzug auch im neuen Design perfekt und am Budget für Spezialeffekte wurde ganz offensichtlich nicht gespart. Die Feuergefechte sind laut, ausgedehnt und gut choreografiert – ganz wie es sich für einen echten Actionfilm gehört. Wer sich den Spaß von fehlenden Folterszenen nicht verderben lässt, der sollte RoboCop eine faire Chance geben.

Ein Soundtrack, der alte geschickt mit neuen Themen verbindet, sowie die durchweg mit talentierten Schauspielern besetzten Rollen tragen ihr Übriges zur bunten aber deswegen nicht weniger bedrohlichen Atmosphäre des Werkes bei. Dabei entfällt auf Joel Kinnaman als RoboCop dank wuchtiger Rüstung fast der leichteste Part. Michael Keaton hat seit Langem sichtlichen Spaß an einer größeren Rolle und Jackie Earle Haley briliert haupthaarlos als fieser Anführer von OmniCorps Robotertruppen, Rick Mattox. Die Auftritte von Michael K. Williams als Alex Partner bei der Polizei, Jack Lewis, hätten ruhig länger ausfallen können – vor allem seine Interaktionen mit RoboCop. Gleiches gilt für Gary Oldman als Dr. Robert Norton.

RoboCop räumt auf

Dank Roboteranzug macht Polizist Alex Murphy (Joel Kinnaman) mit Verbrechern kurzen Prozess

Eine Frage, die es sich zu stellen lohnt, ist die, wo RoboCop innerhalb der verschiedenen Wiederauferstehungen von klassischen Actionhelden angesiedelt werden kann. So schwachbrüstig wie Colin Farrells Douglas Quaid ist er gewiss nicht. Nähe zum Original und stoische Treue zum Charakter hat ihm Karl Urbans Dredd allerdings voraus. Dafür, wie nahe ein weithin akzeptiertes Remake der Vorlage sein sollte, gibt es kein Patentrezept. Wer dem brutaleren RoboCop nachtrauert, der findet in der aktuellen und von Frank Miller geschriebenen Comicserie, RoboCop: Last Stand Trost (auf 8 Ausgaben angelegte Miniserie, erscheint bei Boom! Studios, Link zum ersten Heft auf der Webseite des Verlags). Gut sortierte Comicshops führen die bisher nur in den USA erschienene Geschichte. Alle Actionfans und Liebhaber gut gemachter Science-Fiction, die bereit sind, eine sehr kurzweilige und unterhaltsame, zusätzliche Version von RoboCop neben dem zweifelsohne nach wie vor unverwüstlichen und in sich unantastbaren Original bestehen zu lassen, lösen eine Eintrittskarte an der Kinokasse.

Anm. d. Red.:
Vielen Dank für den Hinweis, dass Paul Verhoevens RoboCop im Dezember 2013 vom Index gestrichen wurde, damit also nicht "nach wie vor indiziert" ist. Die ungeschnittene Fassung ist seit dem 31. Januar 2014 im Handel erhältlich. Wir haben den Satz im Artikel entsprechend angepasst.

ROBOCOP (2014) | Trailer 2 | Deutsch | Ab 6.2. im Kino

Sherlock

Originaltitel: Sherlock (seit 2010)
Erstaustrahlung am 25.07.2010
Basiert auf den Sherlock-Holmes-Detektivgeschichten von Sir Arthur Conan Doyle
Darsteller: Benedict Cumberbatch (Sherlock Holmes), Martin Freeman (Doctor John Watson), Una Stubbs (Mrs. Hudson), Rupert Graves (Greg Lestrade), Louise Brealey (Molly Hooper), Mark Gatiss (Mycroft Holmes)
Produzenten: Mark Gatiss, Steven Moffat, Beryl Vertue
Staffeln: 4+
Anzahl der Episoden: 13+


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