Kritik zu Shadow Warrior 2: Eine Hymne auf die 90er

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Shadow Warrior 2 Screenshot

Das erste Spiel der Marke Shadow Warrior ist 1997 erschienen - eine Zeit, in der Shooter noch simpel waren. Gewalt und ein paar flotte Sprüche haben damals ausgereicht, heute braucht es ein poliertes Gesamtpaket, um hervorzustechen. Damit lässt sich das Problem von Shadow Warrior 2, dem Sequel zum Reboot aus 2013, treffend zusammenfassen.
Oldschool möchte der Entwickler Flying Wild Hog krampfhaft sein, vergisst dabei aber nicht essentielle Dinge wie Abwechslung und eine Erzählung. Die Geschichte ist minimalistisch gehalten, ja beinahe nicht vorhanden. Protagonist und sich ständig wiederholender Peniswitz Lo Wang ist ein einfacher Mann: Solange er mit seinem Katana Dämonen zerstückeln kann, ist er zufrieden. Viel mehr hat es mit Shadow Warrior 2 nicht auf sich, kein Charakter oder Twist ist wirklich erwähnenswert.

Natürlich braucht ein actionorientierter Shooter keine tiefsinnige Story: Doom aus der ersten Hälfte des Jahres beweist das grandios. Eine gute Inszenierung kann viel retten, eine der großen Stärken vom Vorgänger. Wann hat das Sequel dann genau etwas falsch gemacht?

Shadow Warrior 2 Gun Combat
©Flying Wild Hog

Mut zur Veränderung

Selten sieht man so einen starken Wandel wie bei Shadow Warrior 2, der Titel ist kein lineares Actionspiel mehr, viel mehr nähert es sich an Systeme von Borderlands und Diablo an. Das ist ein großer Schritt, der zwar viel Mut beweist, allerdings fatale Folgen für den Inhalt hat. Die Geschichte musste weichen und auch auf die schön gestalteten Umgebungen aus Teil 1 wurde verzichtet. An ihrer Stelle stehen nur seelenlose Schlauchlevel - so kühl und leblos wie zufällig von einem Programm generiert.

Auch dieser Schritt hat wohl einen Grund, so soll er doch für das aufgesetzt überflüssige Questsystem und den zufällig generierten Loot Platz machen. Wie in Borderlands findet der Spieler nun während seines Abenteuers zahlreiche Verbesserungen für seine Waffen. Das ergibt zwar eine nette Mechanik, sollte das Spiel aber nur ergänzen und nicht in den Mittelpunkt gestellt werden.

Shadow Warrior 2 Sword Combat
©Flying Wild Hog

Einiges kommt, weniges bleibt

Ist Shadow Warrior 2 also ein Misserfolg auf ganzer Linie? Nicht ganz. Denn eine Sache bleibt dem Oldschool-Titel: Das Gameplay. Mit mehr als 70 Waffen, Schwertern und Kettensägen geht es in die Schlacht gegen Dämonen, Yakuza und Cyborg-Ninjas. Das Kämpfen geht rasend schnell und ist bis zur Perfektion optimiert worden: Ob mit Chi-Techniken, als Revolverheld oder Samurai - jede Art von Spielstil wird mit spektakulären Situationen belohnt. Wenn mächtige Elite-Gegner angreifen, der rockige Soundtrack einsetzt und jeder Schuss der Letzte sein könnte, ist das Spiel in seinem Element.

Wer dabei viel ausprobiert, riskiert und auch die höheren Schwierigkeitsgrade einstellt, dem wird in den etwa zwölf Stunden Spielzeit nicht so schnell langweilig. Ausgebremst wird das Ganze nur hin und wieder von schlecht geschriebenen Dialogen, in denen Protagonist Wang, dessen Name nicht nur zufällig ein Slangbegriff für ein primäres Geschlechtsorgan ist, die immer gleichen Sprüche klopft. Der Humor ist sehr schnell durchschaut, die Spielerfigur trotzdem nicht unsympathisc,h aber etwas enttäuschend. Der Lo Wang aus dem ersten Teil ist endgültig zum Macho ohne andere Motivationen geworden.

Fazit

Während Fans vom Vorgänger vielleicht eher enttäuscht werden, erschließt sich Shadow Warrior 2 eine neue Zielgruppe: Wem Borderlands und Diablo gefallen und wer auf einen kurzweiligen Spaß, auch mit Freunden, hofft, der kann das Spiel ohne große Sorgen anspielen. Alle anderen müssen sich überlegen, wie wichtig ihnen die Story und deren Strukturierung wirklich sind.

Shadow Warrior 2 ist seit dem 14. Oktober für Playstation 4, Xbox One und den PC erhältlich.

Shadow Warrior 2 - Who Wants Some Wang Trailer

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