Spoiler-Kritik zu Wonder Woman: Das DC Extended Universe findet sich

SPOILER

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Wonder Woman

Mit Wonder Woman gelingt Warner Bros. nicht nur erneut ein Erfolg an den Kinokassen, der Film erfreut sich auch großer Beliebtheit bei Kritikern und Publikum. Etwas, was von den bisherigen Filmen des DC Extended Universe nicht in gleichem Maße behaupten kann. Grund genug für uns, einen weiteren Blick auf das erste Solo-Abenteuer der kämpfenden Amazone zu werfen. Allerdings nehmen wir hier keine Rücksicht auf Spoiler. Wer den Film noch nicht gesehen hat, sollte sich lieber an unsere spoilerfreie Kritik halten.
 
Dass das Abenteuer von Wonder Woman so viel Spaß macht, hat der Film vor allem den ersten beiden Dritteln zu verdanken. Hier bietet die Comicverfilmung genau die richtige Mischung aus sympathischen Charakteren, Humor, Herz und guter Action. Die Geschichte macht tatsächlich Spaß, eine Sache, die Warner Bros. gerade bei Batman v Superman: Dawn of Justice irgendwie vergessen hatte. Dabei bleibt man sich allerdings trotzdem treu. Durch die Front-Szenen ist der Film immer noch deutlich ernster und düsterer als die meisten Marvel-Filme. Trotzdem rutscht die ganze Sache nicht in die irgendwie deprimierende Stimmung ab, die in Batman v Superman verbreitet wurde. Man bekommt das Gefühl, dass Warner Bros. sich mit Wonder Woman in gewisser Weise gefunden hat.
 
Allerdings muss man auch festhalten, dass das letzte Drittel etwas abfällt. Das Finale ist nicht unbedingt schlecht, es bietet nur eben die generische Action, die man aus Superheldenfilmen gewohnt ist. Das tatsächliche Actionhighlight findet deutlich früher in der Front-Szenen statt, und irgendwie wünscht man sich, dass der Film mit dieser Szene geendet hätte. Stattdessen gibt es zum Schluss wieder einmal ein CGI-Feuerwerk, das nur dadurch gerettet wird, da man als Zuschauer tatsächlich mit den Figuren mitfiebert. Der Tod von Trevor bringt zudem eine wichtige emotionale Note, die das Ende deutlich aufwertet.

Letztendlich setzt auch Wonder Woman einen Trend fort, der sich mittlerweile in vielen Superheldenfilmen von Marvel, Fox und Warner Bros. beobachten lässt: Ob ein Film tatsächlich gut ist, entscheidet sich meist in der ersten Hälfte. Das Ende besteht praktisch immer aus einem Effektgewitter, das häufig sehr austauschbar wirkt. Gelingt es den Machern, dass man zu diesem Zeitpunkt Interesse an den Charakteren und ihrem Schicksal gewonnen hat, dann ist das Finale meist auch in Ordnung, allerdings auch nicht viel mehr. Ein gutes Beispiel war zuletzt Guardians of the Galaxy Vol. 2, dessen Ende ebenfalls nur aufgrund der Figuren nicht dröge wurde. Als Gegenbeispiel lässt sich Suicide Squad im vergangenen Jahr nennen.
 
Zum schwächeren, wenn auch immer noch unterhaltsamen, letzten Drittel von Wonder Woman trägt auch der Twist bei. Leider konnte man die Wendung, dass Diana in Wirklichkeit die Tochter eines Gottes ist, schon meilenweit erahnen. Gerade zu Beginn wurden alle Charaktere rund um die junge Prinzessin nicht müde zu betonen, dass es ein großes Geheimnis gibt. Das nahm teilweise schon etwas überhand, und man bekam irgendwie das Gefühl, dass auch der dümmste Zuschauer schon auf den Twist vorbereitet werden soll. Auch die Enthüllung, dass Morgan eigentlich Ares ist, dürfte nur wenige überraschen.
 
Generell legt der Film seinen Fokus sehr stark auf die Helden und vernachlässigt seine Schurken. Dadurch, dass Ares nur in den letzten zehn Minuten auftaucht, muss dessen Plan und Motivation in kurzer Zeit runter gebetet werden, schließlich befindet man sich schon im Abschlusskampf. Zuvor muss der Zuschauer Vorliebe mit General Ludendorff und Dr. Poison nehmen. Beide Figuren sind aber nur bedingt spannend.

Ludendorff wirkt vollkommen überzeichnet und sehr klischeebeladen. Besonders die Szenen wie die, in der Ludendorff einfach einen seiner Soldaten über den Haufen schießt, um zu zeigen, wie böse er ist, wirken zu aufgesetzt. Auch Doctor Poison hätte man sich eigentlich sparen können, da die Wissenschaftlerin an sich nur eine motivlose Handlangerin ist.
 
Eigentlich wäre der Film auch problemlos ohne die Szenen der beiden Schurken ausgekommen. Grad durch die Auftritte von Ludendorff selbst, kommt man als Zuschauer zum Schluss, dass dieser mit großer Wahrscheinlichkeit nicht Ares ist. Ohne die Szenen wäre die Gefahr lange Zeit viel nebulöser geblieben und hätte vielleicht auch die finale Enthüllung etwas überraschender gestaltet.
 
Letztendlich kann man durchaus festhalten, dass das Problem der schwachen Endgegner nun nicht mehr allein eine Sache der Marvel-Filme ist. Mit Doomsday, Ares und Enchantress gewinnen auch die Schurken der letzten DC-Filme keine Preise. Es wird in jedem Falle spannend, ob Justice League im Herbst diesen Trend fortsetzt.

Fazit

Wonder Woman ist über weite Strecke eine wirklich unterhaltsame Comicverfilmung. Seine Stärken spielt der Film aber vor allem in den ersten beiden Dritteln aus. Das Ende folgt dann leider doch zu sehr typischen Genrekonventionen. Trotzdem ist Wonder Woman ein großer Schritt in die richtige Richtung und etwas, worauf Warner Bros. aufbauen kann.

Wonder Woman Teaser-Poster
Originaltitel:
Wonder Woman
Kinostart:
15.06.17
Regie:
Patty Jenkins
Drehbuch:
Allan Heinberg, Geoff Johns
Darsteller:
Gal Gadot, Chris Pine, Lucy Davis, Connie Nielsen, Robin Wright
Im Film geht es über die auf Paradise Island lebende Halbgöttin Diana Prince (alias Wonder Woman), Tochter von Zeus und Königin der Amazonen.

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