Kritik zu Akte X 11.06 - Kätzchen

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Haley Joel Osment in Akte X

Als die Macher von Akte X im vergangenen Jahr ankündigten, dass Haley Joel Osment eine Gastrolle in der Serie übernehmen würde, hielt man sich mit Details bedeckt. Lediglich die Tatsache, dass die Episode Walter Skinner sowie sein jüngeres Ich im Fokus haben würde, war bekannt. Darsteller Mitch Pileggi hatte vorab immerhin verraten, dass X-Philes einiges über Skinners Vergangenheit erfahren werden - wer er sei, woher er käme und warum er zu dem geworden ist, was er ist.

Somit dürfte eine entsprechende Erwartungshaltung an “Kitten” (“Kätzchen”) gerechtfertigt sein. Erfüllt die Episode diese Erwartung? Nun, um Reggie aus Folge 4 “The Lost Art of the Forehead Sweat” (Der Mandela-Effek”) zu zitieren: Meh.

Ein Highlight dieser Folge ist definitiv Haley Joel Osment, der hier in einer Doppelrolle agiert und beweist, warum er schon als kleiner Junge so eindrucksvoll tote Menschen sehen konnte. Hier sehen wir ihn einmal als John “Kitten” James, der zusammen mit Walter Skinner im Vietnam-Krieg im Einsatz war. Schnell ist klar - Kitten zeigt bereits im Kriegseinsatz Züge einer posttraumatischen Belastungsstörung. Osment verkörpert diese Rolle gekonnt und übertreibt dabei nicht. Zu sehen ist ein Soldat, der darum kämpft, nicht völlig den Verstand zu verlieren, dabei jedoch bereits auf dem Weg in den Wahnsinn ist.

Ich sehe Haley doppelt

Im Gegensatz dazu steht die Rolle des Davey James, dem Sohn von Kitten. Er führt ein Einsiederleben am Rande von Mud Lick und wirkt auf den ersten Blick wie ein vernünftiger Junge. Allerdings sind wir bei Akte X. Und halten im Hinterkopf, dass auf dem ersten Blick selten etwas so ist, wie es den Anschein hat.

Denn das Drehbuch schlägt in der Handlung einige Haken, sodass der Fokus fehlt. Angekündigt als Geschichte um den jungen Walter Skinner hält das Drehbuch anfangs noch den Kurs. Der Einstieg mit der Kriegssituation ist bedrückend und beklemmend und hätte als Grundlage dafür dienen können, welch Auswirkung der Einsatz in Vietnam auf Skinner hatte. Passend dazu ist nach dem Intro ein Krieg niemals vorbei (“A War is never over”). Warum er aber nie vorbei ist - dazu bedarf es einiger unnötiger Kurven.

Der kleine Abzweig in Richtung “Wie lebt ein Walter Skinner eigentlich und warum ist er immer noch Assistant Director” ist recht nett, hätte aber nicht unbedingt sein müssen. Bereits seit den Anfängen der Serie ist bekannt, dass Skinner mittlerweile offensichtlich allein lebt, sodass die Verwunderung von Scully und Mulder ob der mangelnden Dekoration in der Wohnung Skinners sowie der fehlenden persönlichen Note doch eher irritiert. Schließlich hat man den Assistant Director jetzt nicht unbedingt als plüschigen, deko-verliebten Typen kennengelernt, der viel Wert auf ein gemütliches Zuhause legt. Und Scully und Mulder ein schlechtes Gewissen zu machen, weil sie der Grund dafür sein sollen, dass Skinners Karriere nicht so durchstartet - das mag nicht so recht zu den Agenten passen. Schließlich haben sie für diese Erkenntnis dann mal eben über zwanzig Jahre gebraucht.

Das Kätzchen an der Grenze

Etwas über zwanzig Jahre hat es auch gebraucht, bis nun bildlich gezeigt wurde, wie Skinner einen zehn Jahre alten vietnamesischen Jungen getötet hat. In der Folge 8 “One Breath” (“An der Grenze”) von Staffel 2 erzählt er einem sichtlich geschockten Mulder davon, wie er sich für die Army verpflichtete und durch diese Tat seinen Glauben verlor. Diesen Aspekt greift “Kitten” auf und bleibt damit dem Serien-Kanon treu.

Interessanter gestaltet sich ebenfalls der Ansatz, dass die Soldaten Opfer von Giftgas-Attacken waren, um ihr Bewusstsein kontrollieren zu können. Mulder erwähnt sogar die real existierenden Experimente MKULTRA, die aus dem ebenfalls von ihm erwähnten Project Bluebird hervorgegangen sind. Leider verkommt diese Akte-X-tpyische Idee doch eher zum Nebenhandlungsstrang und wird erst in einem kryptischen Schlussmoment passend eingebunden: Wieder einmal schürt die Serie bekannte Paranoia, ob die Verschwörungstheorien, die im Rahmen der Handlung geäußert werden, nicht vielleicht doch wahr sind. Denn die Wahrheit liegt ja bekanntlich irgendwo da draußen.

Fazit

“Kitten” ist eine solide Folge, die durch die darstellerische Leistung von Haley Joel Osment heraussticht, jedoch leider nicht den weiteren Hintergrund von Walter Skinner beleuchtet - immerhin greift die Episode viele bekannte Fakten auf, ohne diese wesentlich zu erweitern. Allerdings können X-Philes der Beziehung zwischen Mulder und Scully und Skinner nun gelassener entgegenblicken; und das hat ja auch was Gutes.

Akte X: Der Film
Originaltitel:
X-Files: The Movie
Kinostart:
19.06.98
Laufzeit:
121 min
Regie:
Rob Bowman
Drehbuch:
Chris Carter, Frank Spotnitz
Darsteller:
David Duchovny, Gillian Anderson, Mitch Pileggi, William B. Davies, Martin Landau
Schwarze Blut, das aus der töten Kreatur austritt, sammelt sich und kriecht am Körper des Wilden hinauf.

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