Star Trek: Short Treks - Review der neuen Episoden

SPOILER

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In den USA hat CBS All Access mittlerweile alle sechs neuen Star Trek: Short Treks ausgestrahlt. Wieder einmal ist es Netflix und CBS nicht gelungen diese zeitnah nach der US-Ausstrahlung auch in Deutschland zu zeigen. Es ist noch nicht einmal bekannt, ob und wann sie hierzulande zu sehen sein werden. Allerdings ist Netflix vielleicht auch gar nicht der richtige Ansprechpartner, immerhin ist der Discovery-Bezug nur vage und die letzte Episode "Children of Mars" scheint eher für Star Trek: Picard relevant. Allgemein präsentiert sich eine bunte Mischung, in der sich sowohl vom Stil als auch tonal ein wenig im Trek-Universum ausprobiert wird.

The Trouble with Edward

Tribbles zum Frühstück - beginnen wir doch gleich mit dem Ende: Als Abspann-Szene bekommt man einen wunderbar weirden Werbespot im Stil der Frühstücksflockenwerbung der 90er-Jahre. Es ist alles sehr albern und das soll wohl auch so - immerhin hat man Graham Wagner (The Office, Portlandia, Silicon Valley) als Autor beauftragt.

Und nun doch wieder an den Anfang. Anson Mount hat einen Kurzauftritt als Captain Pike, der seine kurzzeitige Wissenschaftsoffizierin Lynne Lucero (Rosa Salazar) zum Transporterraum begleitet. Sie ist nämlich zum Captain der USS Cabot, einem kleinen Wissenschaftsraumschiffes, befördert worden. Sie sollen die Hungerkrise auf Pragine 63 lösen. Könnte ja alles ganz spannend und nett mit den fähigen Kollegen sein, wäre da nicht der sozial unbedarfte und von sich arg überzeugte Lt. Edward Larkin (H. Jon Benjamin / Bob’s Burgers).

Er ist Spezialist für Proteine und hat als Problemlösung Tribbles genetisch so verändert, dass sie sich sehr schnell vermehren. Leider hält nur er das für eine gute Idee, lässt sich aber selbst auf Befehl nicht von seiner Forschung abbringen. Eins ergibt das andere und letztlich muss die USS Cabot aufgrund massiver Tribbles-Überflutung evakuiert werden. Man fragt sich natürlich, wie jemand wie Larkin überhaupt Lieutenant der Sternenflotte werden konnte. Selbst wenn er wirklich ein brillanter Wissenschaftler ist, so präsentiert er sich charakterlich als Idiot und komplett ungeeignet Teil einer Crew und Hierarchiestruktur zu sein. Aber darum geht es nicht - es ist einfach hübscher Quatsch in einem Raumschiff. Mit Tribblen.

Q&A und Ask Not

Zurück auf die Enterprise. Nachdem Ethan Peck als Spock, Anson Mount als Pike und Rebecca Romijn in Star Trek: Discovery so gut angekommen sind, wird sowohl gehofft als auch vermutet, dass die Short Treks mit ihnen auch als Test und Vorbereitung auf eine mögliche eigene neue Enterprise-Serie dienen könnte. Beide Short Treks sind ressourcenschonend überwiegend ein kurzes Zwei-Personen-Kammerspiel. Wie die Titel verraten, darf in einem jede Menge, im anderen eher weniger gefragt werden.

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"Q&A" (Autor Michael Chabon, Regie Mark Pellington) zeigt die Ankunft des jungen Spock auf der Enterprise, wo er von Number One im Transporterraum in Empfang genommen wird. Eigentlich eine schnelle Einführung - doch dann kommt es zu einem klassischen "der Aufzug bleibt stecken"-Szenario. Techniker ist informiert. Braucht aber eine ganze Weile. In der Zeit hat a) Spock die Chance eine Tirade an Fragen loszuwerden und b) man die Gelegenheit vor allem Romijns Number One etwas näher kennenzulernen. Und Romijn überzeugt mit ihrer Darstellung. Im Gegensatz zum Turbolift-Design, das unnötig kompliziert eher an eine 90er-Jahre-Schwarzlicht-Achterbahn erinnert. Wo führt das überhaupt lang? Und wie clever ist es wirklich da einfach so rauszuklettern?

Aber egal, darauf kommt es nicht an. Nicht zerdenken, denn Spaß macht "Q&A" und Spocks erstes Betreten der Enterprise-Brücke am Ende (wieder mit Kurzauftritt Pike) ist halt schon auch was fürs Herz.

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In "Ask Not" (Autor Kalinda Vazquez, Regie Sanji Senaka) bekommt es hingegen die junge Kadettin Thira Sidhu (Amrit Kaur) auf der Starbase 28 in einer Notfall-Angriffs-Situation überraschend mit der Übertragung einer wichtigen Aufgabe zu tun: Sie soll den wegen Meuterei festgenommenen Captain Pike bewachen. Dieser setzt sie mit diversen Versuchen mächtig unter Druck, ihn frei zu lassen. Was Sidhu, obwohl ihr Mann in tödlicher Gefahr scheint und Pike eine hohe Autoritätsfigur ist, nicht zulässt.

Gut für sie, denn alles war nur ein Test, den sie mit Bravour besteht. Sidhu und ihr Mann haben sich einst für Positionen auf der USS Enterprise beworben. Während ihr Mann auf die USS Bouman kam, wurde Sidhu mitten ins Nirgendwo auf besagte Starbase 28 versetzt. Mit dieser recht harschen Simulation - was für die Sternenflotte aber nicht untypisch ist (Kobayashi Maru) - sollte ihr Charakter getestet werden. Willkommen auf der Enterprise, als Empfangskomitee stehen Number One und Spock schon parat. Pike sammelt sich eigenhändig nach und nach die Crew für seine Serie zusammen.

Ephraim & Dot und The Girl Who Made The Stars

Wie süß sind bitte diese beiden animierten Short Treks? Beide kommen in unterschiedlichen Stilen daher.

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"Ephraim & Dot" (Chris Silvestri, Anthony Maranville, Michael Giacchino) beginnt in der Art typischer amerikanischer 50er-Jahre-Schullehrfilme - in diesem Fall über ein Tardigrade, das einen sicheren Platz zur Eiablage sucht und dabei von der Enterprise überrascht wird. Und einem kleinen Sicherheitsroboter der Enterprise, der alles daran setzt das fremde Wesen wieder loszuwerden. Zwischenzeitlich wird es in klassischer Tom&Jerry- oder Looney-Tunes-Manier brutal, bleibt im Gesamten aber humorvoll und man fiebert richtig mit dem Tardigrade mit.

Alles vor einem recht spannenden Hintergrund: Mit William Shatners Stimme habe ich nicht gerechnet. Als das Tardigrade einen Eingang in die Enterprise sucht, kommt es an einer Luke vorbei durch die man Kirk und McCoy mit Khan in der Krankenstation sprechen sieht. Im Verlauf der Folge und der Jagd des Tardigrade hinter dem Schiff her quer durch Raum und Zeit begegnet man diversen Geschehnissen der Klassikserie.

"The Girl Who Made The Stars" (Brandon Schultz, Olatunde Osunsanmi) hingegen ist bei Discovery angesiedelt und mutet leicht pixar-esk an. Ursprünglich sollte die Geschichte Teil des Finales der zweiten Staffel sein und so zusammen mit dem Intro der Auftaktepisode die Staffel einrahmen. Aber es wurde alles zu voll und so gibt es das Ganze als eigenständige animierte Kurzepisode.

Man sieht eine Szene mit Burnham als Kind, die eines Abends bei tosendem Gewittersturm Angst vorm Alleinsein und der Dunkelheit hat. Ihr Vater beruhigt sie und erzählt eine Geschichte. Diese basiert, wie auch schon das Intro von 2.01 "Brother", auf der Legende von der Erschaffung der Milchstraße vom alten afrikanischen Volk der /Xam Abathwa. Die junge Michael greift ihren Plüsch-Tardigrade fest und hört die Abenteuer eines kleinen Mädchens, das in einer Welt ohne Sternenhimmel und somit nächtlicher Dunkelheit voll Angst und Nachtschrecken lebt.

Entgegen der Warnungen der Älteren macht sich das Mädchen auf Entdeckungstour und stößt dabei auf ein Alien, das ihr eine magische Lichtkugel gibt, mit der sie vor den Augen ihres Volkes die Sterne "erschafft". Und es ward Licht. Sie wird zur Königin, entdeckt die Welt mit ihren Leuten und besiegt den Nachtschrecken. Und deshalb kann Michael auch ohne Nachtlicht schlafen.

Es ist einfach eine gut animierte, schön erzählte Geschichte im Trek-Rahmen, die aber auch ohne Trek-Bezug funktioniert.

Children of Mars

Anders die letzte Kurzepisode, die anscheinend für Star Trek: Picard von Bedeutung ist. Auch wird noch einmal eine ganz andere Art der Erzählung gewählt.

Man begleitet zwei Schülerinnen des WSA-Internats ein Stück durch ihren Tag. Beide sind nicht sonderlich glücklich damit, getrennt von ihren Eltern zu sein. Kima (nicht-menschlich) albert mit ihrer Mutter, die auf der Utopia Planitia Werft auf dem Mars arbeitet, über Videochat herum. Lil (menschlich) hingegen hört eine Videonachricht ihres Vaters ab, dessen Job als Supervisor einer Marsstation ihn zu sehr beschäftigt, weshalb er sie nicht besuchen kommen kann.

Ab da wird es zwischenzeitlich zu einem Musikvideo. Zu David Bowies "Heroes" in der Version von Peter Gabriel sieht man, wie Lil und Kima über den Schultag immer wieder aneinander geraten und schließlich beide zum (vulkanischen) Schuldirektor zitiert werden. Doch es kommt viel schlimmer als nur eine Standpauke: Als sie so wartend in der Lobby sitzen, ereilt sie die Nachricht, dass der Mars von Rogue Synths angegriffen wurde. Bereits über 3000 Tote wurden gemeldet. Die in den Nachrichten gezeigten Bilder sehen ganz nach den Szenen aus, die man schon im Picard-Trailer sehen konnte. Dazu wird Admiral Picard mit einem knappen “Devastating.” zitiert.

Zeitlich kann man zumindest den Wochentag klar benennen: Es ist der 5. April. First-Contact-Day. Da Star Trek: Picard in 2399 ansetzt und Jean-Luc zu dem Zeitpunkt bereits 13 Jahre aus der Sternenflotte raus ist, muss Children of Mars vor 2386 spielen.

Nun ist die Frage: Wer oder was sind die Rogue Synth und haben sie was mit den Soong-Androiden wie Data und B4 und damit eben auch wieder mit Star Trek: Picard zu tun?

Weiterhin sei angemerkt, dass "Children of Mars" der erste Short Trek ist, dem "based upon Star Trek: The Next Generation, created by Gene Roddenberry" vorangestellt ist, auf das Discovery-Theme verzichtet und auch zu TNG-Schriftart greift.

Fazit

Alles in allem gefällt der zweite Schwung Star Trek: Short Treks sehr gut. Es wird sich ausprobiert und so kommt jede Episode in einem eigenen Stil und mit eigenem Twist daher. Mal mit mehr, mal mit weniger Trek-Bezug, aber immer mit erkennbarer Liebe zum Genre und hübsch anzusehen. Und das alles zu toller Musik.

Star Trek Discovery Short Treks Trailer 2019 HD

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