DC Universe Rebirth

DC-Comic-Kritik zu Nightwing 3 - 5

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Nightwing

Nachdem im Rahmen dieser Reihe zunächst die ersten und später die zweiten Bände (diese sogar im Doppelpack) ausgewählter Reihen aus dem DC-Rebirth-Kosmos im Fokus gestanden haben, folgen nun Dreierpacks, bestehend aus den Nummern 3, 4 und 5 der einzelnen Serien. Spätestens nach der Lektüre dieser Beiträge sollte man dann eigentlich einschätzen können, welche Helden man auch weiterhin lesend begleiten möchte, und welche eher nicht.

Nightwing muss sterben

Mit dem fünften Paperback, der ebenfalls in diesem Artikel besprochen wird, endet Tim Seeleys Nightwing-Run, das wahre Finale wird aber in Nightwing muss sterben erzählt. Der die Einzelheftausgaben 15 bis 20 beinhaltende Band profitiert nicht nur von starken Zutaten, sondern auch von einem tollen Rezept. Und da der Autor eben auch eine Menge von seinem Handwerk versteht, sollte es niemanden überraschen, dass das von ihm zubereitete Gericht auch hervorragend mundet.

Was man mit jeder Seite ein Stück mehr merkt, ist, dass Seeley seinen Protagonisten mittlerweile sehr gut kennt, was nicht verwunderlich ist. Schließlich beschäftigt sich der US-Amerikaner schon lange mit dem einstigen Zirkusartisten. Gemeinsam mit dem aktuellen Batman-Autor Tom King, dessen Reihe ähnlich viel positive Resonanz erfahren hat wie etwa die von Scott Snyder, arbeitete er an der Solo-Serie Grayson. Diese stellt – wie der Titel schon vermuten lässt – Richard “Dick“ Grayson in den Mittelpunkt des Geschehens, der damals als Agent 37 für die Geimorganisation Spyral als Spion arbeitete.  

Obwohl sich all das eigentlich in der The-New-52-Ära abspielte, werden trotzdem gekonnt Versatzstücke aus dieser Zeit in die Handlung integriert, sodass es so wirkt, als wäre von langer Hand geplant gewesen, Nightwings neue Abenteuer unmittelbar mit seiner Undercover-Phase zu verbinden. Dass es zudem sogar zu einem Comeback des dynamischen Duos 2.0 kommt, dürfte besonders langjährige Fans freuen: Als Bruce Wayne einst temporär "verhindert" war, wurde Dick der Dunkle Ritter in Vertretung und sein kleiner, nicht gerade unkomplizierter Quasi-Bruder Damian unterstützte ihn als Robin.

Die Chemie zwischen den beiden Wunderknaben wird wunderbar von Tim Seeley eingefangen. Hervorhebenswert sind vor allem die Momente, in denen sich der leibliche Sohn des Caped Crusaders eingesteht, dass die ganze Protzerei, seine Sprüche und das ständige Sticheln eigentlich nur dazu dienen, um davon abzulenken, wie wichtig ihm der Mensch hinter der blauen Maske eigentlich ist. Zwischen diesen Augenblicken geht es allerdings darum, Dicks neue Freundin Shawn, die ehemalige Schurkin Defacer, zu retten. So actionreich diese Geschichte auch ist, so rasant und packend, am meisten punktet sie mit den Darstellungen der Beziehungen von Dick zu zwei seiner wichtigsten Bezugspersonen.

Vor allem weil sie bestens zu der Ausgangsidee passen, auf der Seeleys restliche Einfälle ganz offensichtlich aufbauen: Besser als Batman! In gewisser Hinsicht trifft diese Aussage auch tatsächlich so zu, denn Dick Grayson will ein Held der Hoffnung sein. Er hat ebenfalls mit ansehen müssen, wie seine Eltern ermordet wurden, und ist damit doch völlig anders umgegangen als Bruce – unter anderem sicher, weil er im Vergleich zu dem Multimillionär jemanden hatte, der dasselbe durchgemacht hat wie er. Spätestens seit der ehemalige “Flying Grayson“ endgültig auf eigenen Beinen steht und als Nightwing nicht nur Kopf der Titans ist, sondern auch unabhängig von Batman das Verbrechen bekämpft, zeigt sich immer mehr, was die beiden unterscheidet. Ihn mit Beginn dieses Runs umziehen und Blüdhaven so zu seiner Stadt, quasi seinem Revier, werden zu lassen, passt da perfekt ins Bild. Das in die Tat umgesetzte Gedankenexperiment lautet also: Wie wäre es, wenn Batman zwar existieren, aber anders agieren würde?

Dick Grayson ist gewillt, das Gute in Menschen zu sehen und im Gegensatz zu Bruce Wayne viel eher bereit dazu, jemandem zu vertrauen oder echte Nähe zuzulassen. Dies ist sicherlich eine Qualität, die ihm auf den ersten Blick in Ansätzen das Leben erleichtert, es ihm auf den zweiten allerdings auch erschwert. Denn gerade weil er so ist, kann er viel leichter Personen, die ihm nahestehen, verletzen oder von ihnen verletzt werden. Sicher, auch der Dunkle Ritter hat seine Prinzipien, der moralische Kompass seines früheren Sidekicks ist jedoch wesentlich ausgeprägter. Dies macht ihn vielleicht zu einem besseren Menschen, zu einem glücklicheren aber nicht – und zu einem besseren Helden ebenfalls nicht.

Nightwing

Blockbuster

Und ebendiese These soll nun gefühlt von Panel zu Panel etwas mehr mit Argumenten unterfüttert werden. Während in Nightwing muss sterben zumindest im Privaten eine Menge so zu laufen schien, wie es sich Dick schon lange erträumt hatte, wird er in Blockbuster direkt wieder auf den harten Boden der Tatsachen zurückgeholt.

Seine Freundin Shawn blickt auf viele Dinge zurück, die sie bereut und will sich daher ernsthaft ändern. Sie gehört zu den Run-Offs, einer Gruppe von Ex-Gesetzesbrechern – einige mit besonderen Fähigkeiten –, die dem Verbrechen abgeschworen hat. Die Geläuterten treffen sich regelmäßig in an Treffen der Anonymen Alkoholiker erinnernde Sitzungen. Und die einstige Defacer ist sogar noch einen Schritt weitergegangen: Sie arbeitet im Gemeindezentrum und will alles dafür tun, um so vielen Jugendlichen wie möglich Alternativen zu dem Weg aufzuzeigen, den sie und ihre Freunde damals eingeschlagen haben.

Deshalb ist es auch vollkommen nachvollziehbar, dass ihr Freund endlich in dieser, in der “echten“ Welt ankommen soll. Er mag noch genug Geld aus seiner Spyral-Zeit haben, um das Geld geht es Shan Tsang allerdings gar nicht. Diese Beziehung soll ebenfalls etwas Echtes sein, nicht nur ein gelebter Traum ohne Verankerung in der Realität, und das bedeutet eben auch, dass eine Perspektive jenseits der nächsten nächtlichen Operation erkennbar sein muss. Es ist zweifellos nicht so, dass ein Teil von Bruce Waynes Ziehsohn nicht ebenfalls den Wunsch hegen würde, irgendwann irgendwo richtig anzukommen. Tatsächlich tut er sich jedoch schwer damit, den Beginn dieser lebensverändernden Phase zu terminieren und rechtfertigt seine Unfähigkeit, sich diesbezüglich festzulegen, vor sich und seiner Partnerin stets mit dem nächsten Fall, der vollen Einsatz erfordert.

Mark Desmond war der erste Blockbuster, eine Art Mischung aus Bane und Hulk, eine Kreatur, die nach Einnahme eines Serums plötzlich enorm an Muskel- und Körpermasse zulegt – auf Kosten des eigenen Intellekts. Später betrat dessen Bruder die Bühne und wurde zum zweiten Blockbuster, einem der Erzfeinde von Nightwing schlechthin. Roland Desmond war aber um ein Vielfaches gefährlicher, weil er eine Möglichkeit gefunden hatte, wie er trotz Transformation bei klarem Verstand bleiben konnte. Dieser Bösewicht taucht nun erstmals im Rebirth-Kosmos auf, und zwar als interessanterweise durchaus ambivalente Figur, die offenkundig ihre eigenen Zwecke verfolgt, allerdings auch Grenzen kennt und den neuen Beschützer von Blüdhaven zeitweise sogar (etwa im Kampf gegen Tiger Shark) unterstützt.

All das genügt eigentlich schon, damit Dick sich weiter einreden kann, es könne und müsse irgendwie so weitergehen, doch das geht eben nicht. Spätestens nachdem auch noch seine frühere Flamme Helena Bertinelli alias Huntress auftaucht und Shawn in alte Gewohnheiten verfällt, wird sein Leben bedeutend komplizierter.

Nightwing

Raptors Rache

Man könnte meinen, alles sei angerichtet für ein fantastisches Finale, einen echten Showdown. Nightwings ehemaliger Mentor, den er schon aus Kindheitstagen kennt und der in dessen Mutter Mary verliebt war, ist nämlich wieder auf freiem Fuß und sinnt auf Rache. Nur: Es fehlt die Fallhöhe, es fehlt an einer “Alles oder nichts“-Atmosphäre.

Als Raptor im ersten Trade eingeführt wurde, spielte ihr Schöpfer Tim Seeley noch auf sehr gelungene Weise mit dem fehlenden Hintergrundwissen des Lesers. Schließlich blickt ein neugeschaffener Charakter logischerweise auf keine jahrzehntelange in Comics dokumentierte Vergangenheit zurück. Dies macht ihn spannend und mysteriös. Jetzt hingegen liegen die Karten einfach zu deutlich auf dem Tisch: Dass jemand, der es sich eigentlich auf die Fahnen geschrieben hatte, für den kleinen Mann einstehen und gegen die Oberschicht vorgehen zu wollen, so leicht all seine Ideale über Bord wirft, nur um sich zu rächen, überzeugt einfach nicht. 

Lustigerweise wird exakt dieser Punkt in einer Sprechblase von dem Mann in Blau und Schwarz ausformuliert, doch eine adäquate Antwort seitens Raptor bleibt aus. Deswegen gerät das letzte Gefecht zwischen den beiden Kontrahenten auch weit weniger spektakulär, als es zweifelsohne möglich gewesen wäre. Da jedoch immerhin Dick Graysons innerer Zerrissenheit weiterhin viel Aufmerksamkeit geschenkt wird, leidet die Qualität der Geschichte insgesamt nicht zu extrem.

Was außerdem einmal mehr positiv ins Gewicht fällt, ist der Look. Wenn sich wie im Falle dieser Serie bis dato durchgängig dieselben Zeichner abwechseln sowie gelegentlich sogar zusammenarbeiten, stellt sich irgendwann eine Art Vertrautheit beim Leser ein, die dazu führt, dass er noch tiefer in das Erzählte eintauchen kann. Die Stile von Javier Fernández, Minkyu Jung und Miguel Mendonça, die fast alle Kapitel von Seeleys Saga bebildert haben, ergänzen sich zudem schlicht sehr gut, weil sie allesamt sehr filigran sind, wodurch wunderbar unterschiedliche Gesichtsausdrücke eingefangen und Gemütsverfassungen zum Ausdruck gebracht werden können.

Fazit

Tim Seeleys Run hat unglaublich stark begonnen, kann dieses Niveau dann aber nicht ganz bis zum Ende halten. Lesenswert sind die von ihm erdachten Geschichten allerdings dennoch ohne jede Frage. Vor allem weil er sich an eine partielle Neuinterpretation eines der beliebtesten Mitglieder der Bat-Familie herantraut und ihn so sehr aus dem Schatten Batmans heraustreten hat lassen wie wenig Autoren vor ihm.

zusätzlicher Bildnachweis: 
© DC Comics

DC-Comic-Kritik zu Deathstroke 3 - 5

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Deathstroke

Nachdem im Rahmen dieser Reihe zunächst die ersten und später die zweiten Bände (diese sogar im Doppelpack) ausgewählter Reihen aus dem DC-Rebirth-Kosmos im Fokus gestanden haben, folgen nun Dreierpacks, bestehend aus den Nummern 3, 4 und 5 der einzelnen Serien. Spätestens nach der Lektüre dieser Beiträge sollte man dann eigentlich einschätzen können, welche Helden man auch weiterhin lesend begleiten möchte, und welche eher nicht.

Kriegsverbrecher

Christopher Priest macht einfach weiter - ohne Rücksicht auf Verluste. Also, zumindest ohne Rücksicht auf all jene zu nehmen, die das Deathstroke-Universum auch nach der Lektüre der ersten beiden Paperbacks noch nicht so richtig überblicken beziehungsweise sich noch nicht so recht an die vielen inhaltlichen und zeitlichen Sprünge des Autors gewöhnt haben.

Slade Wilson wurde verhaftet, aber dennoch ist in Chicago ein Auftragskiller unterwegs, der seinen Anzug trägt und eine blutige Spur hinterlässt. Man sieht mit einem Male, wie Deathstroke von Red Lion befreit wird, der - wie könnte es auch anders sein - natürlich nicht einfach aus Nächstenliebe handelt, sondern seine ganz eigenen Ziele verfolgt - und zu denen passt eben ein gefährlicher Kopfgeldjäger in Freiheit.

Zu allem Überfluss mischen auch noch der Creeper und der in Tim Seeleys Nigtwing-Run eine wichtige Rolle spielende Raptor mit. Es gäbe also ausreichend Gründe, um ständig vor- oder zurückzublättern respektive die vorherigen Bände noch einmal aus dem Regal zu holen. Tatsächlich ist dieser Trade aber derjenige, der die letzten Fakten liefert, um das große Ganze zumindest einigermaßen überblicken zu können.

Denn spätestens jetzt wird offenkundig, dass der sich meist so kühl und gefühllos gebende Protagonist schlicht nicht dazu in der Lage ist, über das, was ihn bewegt, zu sprechen. Insbesondere den wenigen Menschen, die ihm wirklich wichtig sind, in erster Linie seinen Kindern, zeigt er auf eine für die Allgemeinheit nur schwer nachvollziehbare Weise, wie viel sie ihm bedeuten. Es ist deshalb nur logisch, dass Joseph und Rose nicht einmal im Ansatz erahnen können, wie ihr Vater tatsächlich zu ihnen steht.

Ehrlicherweise beschäftigen die beiden jedoch auch ganz andere Dinge: Slades Sohn steht kurz vor seiner Hochzeit, doch Braut wie Bräutigam in spe sind ganz offensichtlich nicht vollkommen ehrlich miteinander. Und seine Tochter will mehr über ihre Familie mütterlicherseits erfahren, was eine nicht gerade kurze Reise zur Folge hat. Die ehemalige Ravager und Jericho, so die Alias der Antihelden-Sprösslinge, sollten aber schon bald erfahren, was es heißt, von ihrem eigenwilligen Erzeuger geliebt zu werden …

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Dämmerung

Denn in Dämmerung findet Priests Geschichte eigentlich ihren Höhepunkt: Eine “Red Wedding“ im Stile von Game of Thrones wird es zwar nicht, allerdings zweifellos eine Veranstaltung, die keiner der Anwesenden vergessen wird, obwohl sie es sicherlich gerne täten. Doch bereits weit vor dem Gang zum Altar ereignet sich Außergewöhnliches mit weitreichenden Konsequenzen:

Rose und Joe Wilson erfahren nämlich nahezu zeitgleich, wie massiv Slade Einfluss auf ihr Leben genommen hat. Ein Umstand, der die Wut der Geschwister geradezu ins Unermessliche steigert.

Deathstroke selbst ist inzwischen erblindet, jedoch hält ihn selbst das nicht davon ab, sein Ding zu machen. Er wird zeitweise von Tanya Spears, dem neuen Power Girl unterstützt. Sie weiß aber zunächst nicht, mit wem sie es zu tun hat, und als sie es erfährt, ist sie außer sich - nichtsahnend, dass der Mann in Orange und Schwarz schnell Sympathien für sie entwickelt hat. Damit sie das allerdings nicht bemerkt, muss sie ebenfalls die Erfahrung machen, die schon die Kinder des Killers machen mussten: Er lässt keine Nähe zu und will lieber gehasst werden, weil er glaubt, dass das für alle Beteiligten das Beste ist.

Und Christopher Priest wiederum lässt auch den Leser nie zu sehr mit seiner Hauptfigur sympathisieren. Denn für seine Interpretation von Deathstroke ist entscheidend, dass er ein Einzelgängertyp bleibt, dessen Handeln man selbst mit einem Wissensvorsprung gegenüber den anderen Charakteren nur bedingt nachvollziehen kann. So steht der Mann, der irgendwo zwischen Gut und Böse anzusiedeln ist, jedoch auf eine sehr sonderbare Weise durchaus nicht ohne moralischen Kompass da, und spätestens das beweist, dass der Autor die auf Marv Wolfman und George Pérez zurückgehende Figur bestens verstanden hat.

Deathstroke

Die Lazarus-Falle

Streng genommen dürfte auf diesem Cover eigentlich gar nicht "Deathstroke“ stehen oder zumindest nicht nur. Schließlich ist Die Lazarus-Falle eine Geschichte, die gewissermaßen zusammenbringt, was zusammengehört. Denn der Söldner war immerhin ursprünglich primär ein Gegner der Teen Titans, und diesmal begnügt er sich nicht mit dieser Truppe, sondern legt sich außerdem noch mit den Titans an.

Um die erste Junghelden-Gruppierung kümmerte sich zu Beginn der Rebirth-Ära Benjamin Percy und um die zweite (sowie um Aquaman) Dan Abnett. Und beide Autoren zeichnen nun eben gemeinsam mit Christopher Priest für dieses Event verantwortlich, das in den angesprochenen drei Reihen stattfindet. Auf diesen 132 Seiten wird aber sehr schnell sehr deutlich, warum es eben doch Sinn macht, dass hierzulande dieses Crossover als Abschluss der Auftragskiller-Serie veröffentlicht worden ist.

Slade Wilsons Plan verlangt sich und seinen Kontrahenten definitiv alles ab. Dies sollte auch niemanden überraschen, da er dafür bekannt ist, stets mehr als einhundert Prozent zu geben und diese klare Fokussierung auf das eine Ziel oftmals stark an eine Form von Besessenheit erinnert. Darüber hinaus erfährt der Leser im Laufe des Geschehens, dass er diesmal im wahrsten Sinne des Wortes Alles-oder-Nichts spielt.

Denn er offenbart beiden Wallys, dass er im Gegenzug für ihre Hilfe bei seinem Unterfangen seinen “Job“ endgültig an den Nagel hängen werde. Seine Rechnung: ein Leben gegen unzählige. Er will nämlich unbedingt die Vergangenheit ändern und den Tod seines zweiten Sohnes Grant verhindern, an dem er einigen der ehemaligen Assistenten eine Mitschuld gibt. Doch insbesondere Barry Allen, der berühmteste aller Speedster, hat bekanntlich schon eindrucksvoll bewiesen, dass ein solcher Eingriff in das Raum-Zeit-Kontinuum immer mit weitreichenden  Konsequenzen einhergeht und daher in jedem Fall zu vermeiden ist. Doch ein Deathstroke akzeptiert bekanntermaßen kein Nein …

In diesem Crossover gestattet das Auorentrio dem äußerst beliebten Charakter also noch einmal abschließend, als echter Antagonist mit einem nachvollziehbaren Motiv aufzutreten, was viele Fanherzen hat höherschlagen lassen. Immerhin sind es neben den Helden- eben auch seit jeher die Schurkenmomente gewesen, an denen die Anhänger des Waffenliebhabers ihre Freude hatten.

Schön ist im Kontext dieser komplexen Geschichte zudem, dass man nicht nur innerhalb des wiedergeborenen DC-Universums, sondern mit Blick auf die The-New-52-Geschehnisse auch inhaltliche Brücken schlägt. So beweist man allen, die es mit DC halten, dass man es sich selbst bei einem gigantischen Reboot nicht zu leicht macht und alles, was nicht (mehr) gefällt, schlicht für null und nichtig erklärt.

Während in den ersten vier Bänden vornehmlich Joe Bennett für die Realisierung dieser doch sehr rauen, kantigen und zumeist sehr unbarmherzig anmutenden Welt zuständig war, pausiert dieser im fünften Paperback. Dafür sind jedoch mit unter anderem Brett Booth und Carlo Pagulayan zwei Zeichner mit von der Partie, die der Reihe ebenfalls bereits ihren Stempel aufdrücken durften, sodass es stilistisch zu keinen riesigen Brüchen kommt.

Fazit

Christopher Priest hat mit seinem Run definitiv etwas Beeindruckendes geschaffen und eine der beliebtesten DC-Figuren zum Protagonisten einer großen Geschichte gemacht, die Comic-Liebhaber wie Kritiker gleichermaßen überzeugt hat. Sehr komplex, sehr anspruchsvoll, sehr erwachsen und sehr brutal kommt sie daher. Dabei verkommt diese Brutalität aber nicht zum Selbstzweck.

Es ist viel eher so, dass sie in Slade Wilsons Augen das effektivste Mittel zu sein scheint, um zu jedem Distanz zu halten, was für ihn geradezu elementar ist und gleichzeitig seine Unfähigkeit, echte Nähe zuzulassen, unterstreicht. Man könnte sagen: Weniger 0815-Handlung geht kaum.

zusätzlicher Bildnachweis: 
© DC Comics

DC-Comic-Kritik zu Aquaman 3 - 5

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Aquaman

Nachdem im Rahmen dieser Reihe zunächst die ersten und später die zweiten Bände (diese sogar im Doppelpack) ausgewählter Reihen aus dem DC-Rebirth-Kosmos im Fokus gestanden haben, folgen nun Dreierpacks, bestehend aus den Nummern 3, 4 und 5 der einzelnen Serien. Spätestens nach der Lektüre dieser Beiträge sollte man dann eigentlich einschätzen können, welche Helden man auch weiterhin lesend begleiten möchte, und welche eher nicht.

Die Flut

Die Flut markiert das erste kleine Finale innerhalb von Dan Abnetts Aquaman-Run: Es kommt zu einem politischen Showdown zwischen Atlantis und den USA, und die ominöse dritte Partei, die diesen schon lange existenten Konflikt erst hat eskalieren lassen, tut weiterhin alles dafür, dass es zu einem großen Knall kommt.

Wie treue Fans bereits wissen, war es die Geheimorganisation NEMO (Nautical Enforcement of Macrocosmic Order), die mittlerweile von Black Manta, dem Erzfeind des bekanntesten Dreizackschwingers (neben König Triton vielleicht) geführt wird, die diese militärische Auseinandersetzung zwischen Land- und Meeresbewohnern heraufbeschworen hat. Diejenigen, die an die Existenz einer unbekannten Größe, die aus dem Hintergrund die Fäden zieht, von der der König von Atlantis fest überzeugt ist, glauben, werden mit der Zeit immer weniger, sodass bald nur noch seine engsten Vertrauten und natürlich seine große Liebe Mera bedingungslos hinter ihm stehen.

Das Justice-League-Mitglied muss so gesehen an mehreren Fronten gleichzeitig kämpfen und sich förmlich zerreißen. Er bleibt sich und seinen Prinzipien dabei bis zum Ende treu. Der Preis, den er dafür bezahlt, ist allerdings hoch, wie er noch früh genug erkennen wird. Es kommt zu einer Art Lauf gegen die Zeit, der ganz im Sinne der Leserschaft sein dürfte, weil der Inhalt der Einzelheftausgaben 10 bis 15 wirklich spannend und das Ende nur bedingt vorhersehbar ist - ein echter Politthriller eben (sogar mit “Gastauftritten“ von Barack Obama).

Aquaman

Tethys

Wer nun dachte, nach einem solch kräftezehrenden XXL-Abenteuer würde Abnett seinem Protagonisten eine Verschnaufpause gönnen, der irrt. Wobei: Tethys enthält zwei abgeschlossene Geschichten, und der Beginn der ersten erweckt zunächst zumindest den Anschein, dass es für den berühmtesten Atlanter, den die Welt je gesehen hat, auf absehbare Zeit etwas ruhiger zugehen könnte.

Gemeinsam mit einigen seiner Untertanen hilft er den Einwohnern seiner zweiten Heimat (Amnesty Bay) dabei, ihre Stadt, die bei den militärischen Auseinandersetzungen der jüngeren Vergangenheit schwer zu Schaden gekommen war, wiederaufzubauen. Doch selbstverständlich ist diese Phase in mehrerlei Hinsicht nur die Ruhe vor dem Sturm. Dieser zieht auf, als der gefährliche Warhead die Bühne betritt. Er beherrscht die sogenannte Technokinese (vergleichbar mit Arthurs Aquakinese) und ist dadurch dazu in der Lage, Menschen zu seinen Marionetten zu machen und sie zu kontrollieren. Wie und ob es dem Helden dieses Comics gelingt, die Opfer des “Puppenspielers“ vor ebendiesem zu retten und die von ihm ausgehende Gefahr abzuwenden, ist hier jedoch eigentlich nur von sekundärer Bedeutung. Warum dem so ist, wird erst nach und nach offenkundig - und ganz besonders in der zweiten, für sich stehenden Story.

Alles fängt damit an, dass ihn ein Mitglied der Aquamarines, einer Sondereinsatztruppe mit enormen Kräften, die den Herrscher der Meere vor Kurzem noch eliminieren sollte, aufsucht und um Hilfe bittet. Selbstredend sagt er direkt zu und ist sich in diesem Moment der Symbolwirkung dieser Mission gar nicht bewusst. Genau genommen hat er die Oberflächenbevölkerung der atlantischen damit nämlich mindestens zwei Mal vorgezogen, und das ohne echte Rücksprache mit seinen Gefolgsleuten und Beratern. Dies rückt vorerst in den Hintergrund, da besagter Einsatz für den Hochgeschwindigkeitsschwimmer nun Vorrang genießt.

Wie mehr und mehr deutlich wird, erzählt der britische Autor, der ebenfalls für die packende Titans-Reihe unter dem Rebirth-Banner verantwortlich zeichnete, diesmal eine Geschichte, die man wohl am ehesten dem Horrorfach zuordnen würde. Denn Aquaman bekommt es erneut mit Dead Water zu tun, der mutmaßlich schaurigsten Erscheinung aus seiner Rogues‘ Gallery. Eingeführt wurde die Figur noch in den letzten Zügen der The-New-52-Ära, in denen Dan Abnett schon das Zepter übernommen hatte. Wie er dem angsteinflößenden Wesen aber zu einem Comeback verhilft, wie sich das Ganze wunderbar in die bisherige Gesamthandlung einfügt und wie vor allem damit wiederum künftige Ereignisse vorbereitet werden, nötigt einem Außenstehenden zweifellos Respekt ab.

Aquaman

Unterwelt

Im fünften Band stehen die Folgen von Arthur Currys Handlungen im Fokus. Die, die stets zu ihm gestanden haben, sind klar in der Minderheit und seinen Kritikern ist es gelungen, den Großteil seines Königreichs auf ihre Seite zu ziehen. Wenn der Thron von Atlantis so häufig unbesetzt ist und derjenige, für den doch die Atlanter an erster Stelle stehen sollten, so häufig mit den Luftatmern zusammenarbeitet, sorgt das natürlich für Unzufriedenheit. Als sich dann zudem die Meldung - ohne den entsprechenden Kontext - verbreitet, dass der Konflikt mit den USA beigelegt wurde, indem sich ihr Oberhaupt schlicht ergeben hat, ist das für die meisten Unterwasser-Bewohner der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt.

Die logische Konsequenz: Der König wird abgesetzt und - aus seiner Sicht - zu allem Überfluss durch den verurteilten und inhaftierten Terroristen und erklärten Feind der Menschen Corum Rath ersetzt. Dieser ordnet unmittelbar nach seiner Krönung an, das sagenumwobene Inselreich abzuschotten. Dabei greift er auf Magie zurück, die nicht ohne Grund vor Ewigkeiten verboten wurde. Auf diese Weise wird aus dem einst beinahe gewöhnlichen Bösewicht ein echter Superschurke, der sich nicht mehr allzu leicht besiegen lässt.

Seine Allmachtsfantasien werden nach und nach immer schlimmer, bis von einem regelrechten Wahn gesprochen werden kann: “Unreine“ Atlanter lässt er verfolgen, jeden, der mit der Vision seines Vorgängers (einer friedlichen und kollegialen Koexistenz zwischen Land und Meer) sympathisiert ebenso und sein Vorgehen respektive das seiner Untergebenen wird immer brutaler.

Das Symbol der Hoffnung wurde, wie sich bald zeigt, allerdings doch nicht getötet, sodass nicht alles verloren scheint. Der ehemalige Regent, der sich zunächst damit begnügt, in der neunten Ebene, also dort, wo all diejenigen, die in irgendeiner Form “anders“ waren, ohne Furcht leben konnten, einzelne zu retten, ändert schließlich doch seine Meinung, rafft sich auf und will jene, die diese Schreckensherrschaft beenden wollen, anführen – ein Stoff, aus dem waschechte Dramen gestrickt sind.

Inhaltlich wird dem Leser folglich enorm viel geboten, jedoch nicht nur: Auch optisch bestechen diese Paperbacks durch eine außergewöhnliche Qualität: Brad Walker, Philippe Briones und Scot Eaton fangen das Leben in den Tiefen des Ozenas wunderbar ein, lassen es zeitweise prachtvoll, gelegentlich bedrohlich und bei Bedarf auch regelrecht mysteriös und fremd erscheinen. Ihre Stile ergänzen sich gut und sind allesamt geprägt von einer Eleganz und Feinheit. In Unterwelt betritt dann aber Stjepan Šejic die Bühne und toppt das Ganze noch einmal, da seine Zeichnungen noch detailreicher sind und enorm filigran anmuten - was sicherlich auch damit zu tun hat, dass er sich selbst um die Kolorierung kümmert. Er verzichtet nahezu komplett auf kräftige Farben, sodass seine Panels gelegentlich gar an Gemälde erinnern.

Fazit

Wenn nicht bereits die ersten beiden Trades so überzeugend geraten wären, hätte sich spätestens nach diesen dreien unter Superhelden-Fans, allerdings auch ganz allgemein unter Comic-Liebhabern die Meinung durchgesetzt, dass Dan Abnetts Aquaman-Run zu dem Bestem gehört, was die Wiedergeburt des DC-Universums zum Vorschein gebracht hat.

Wer so gekonnt innerhalb einer übergeordneten Handlung zwischen Genres hin und her wechseln kann, ist schlicht ein Meister seines Faches, der Leser dazu bringen kann, vermehrt darauf zu achten, wer den Comic geschrieben hat und weniger darauf, wer die Titelrolle innehat.

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DC-Comic-Kritik zu Flash 3 - 5

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The Flash

Nachdem im Rahmen dieser Reihe zunächst die ersten und später die zweiten Bände (diese sogar im Doppelpack) ausgewählter Reihen aus dem DC-Rebirth-Kosmos im Fokus gestanden haben, folgen nun Dreierpacks, bestehend aus den Nummern 3, 4 und 5 der einzelnen Serien. Spätestens nach der Lektüre dieser Beiträge sollte man dann eigentlich einschätzen können, welche Helden man auch weiterhin lesend begleiten möchte, und welche eher nicht.

Im Bann der Finsternis

Joshua Williamson ist bekanntermaßen ein im Verhältnis noch recht junger Autor (Jahrgang 1981), der aus seiner Liebe zum Roten Blitz nie einen Hehl gemacht hat. Dementsprechend hoch war sicherlich seine Motivation, als er in seinem eigenen Run die Flash-Storys erzählen durfte, die womöglich seit seiner Kindheit in seinem Kopf herumgeisterten. Das Ergebnis: Eine Mischung aus neuen, kreativen Ideen und Nostalgie. Auf dem Papier hat sich das Grundgerüst höchstwahrscheinlich immer gut angehört, in der Realität muss man jedoch konstatieren, dass die Qualität der einzelnen Arcs durchaus gewissen Schwankungen unterworfen war.

Im Bann der Finsternis ist ein weiterer Beleg dafür: Das in diesem Band präsentierte Geschehen würde man auf einer Skala von 1-10 wohl irgendwo in der Mitte bei 5 oder 6 verorten, was mit Blick auf Godspeed einen Rückschritt darstellt. An den Zutaten liegt es abermals nicht: Es kommt zum Aufeinandertreffen der Wallys, mit Shade betritt ein spannender Antiheld die Bühne und insgesamt geht es viel um das Innenleben der Hauptcharaktere. Aus alldem ließe sich zweifellos ein leckeres Gericht zaubern, aber bei der Zubereitung ist dem Koch leider noch nicht alles geglückt.

Einen guten Comic zeichnet eben unter anderem auch ein gelungener Spannungsbogen aus, und da dieses Trade mehrere Einzelheftausgaben enthält, müsste man streng genommen eigentlich sogar mehrere kleinere Höhepunkte erwarten können, die rund um einen oder zwei größere platziert worden sind. Genau das fehlt allerdings: Wenn sich die beiden Junior-Blitze, deren Leben so völlig unterschiedlich und in gewisser Weise auch ähnlich verlaufen sind, begegnen, hätte es einmal mehr die Chance auf wunderbar inszenierte epische Momente gegeben. Diese wird jedoch nicht ergriffen. Williamson beschränkt sich auf ein Kennenlernen, das einem zweifelsohne beide Charaktere noch sympathischer erscheinen lässt als ohnehin schon, und baut auch den einen oder anderen emotionalen Moment ein.

Alles in allem ist das aber etwas zu wenig, etwas zu zaghaft und einfach nicht außergewöhnlich genug. Vor allem wenn man weiß, welch bedeutende Rolle der „alte“ Wally im Kontext der DC-Universums-Wiedergeburt spielt. Es hätte zudem nicht geschadet, sie zu diesem frühen Zeitpunkt gemeinsam auf eine Mission zu schicken, um sich etwas von Barry Flash Allen zu emanzipieren – wie das gelingen kann, hat Dan Abnett nebenbei bemerkt gekonnt in seiner Titans-Serie (Wally 1 inklusive) gezeigt.

Die zweite große Geschichte dieses Paperbacks dreht sich vornehmlich um Richard Swift alias Shade, einen der klassischen Gegner des schnellsten Mannes der Welt, und ist in vielerlei Hinsicht deutlich gelungener als die erste. Einen geläuterten Superbösewicht in den Mittelpunkt der Handlung zu stellen, war primär deshalb eine gute Idee, weil sich gerade der Herr der Schatten sehr gut dazu eignet, um zu veranschaulichen, wie unrealistisch es wäre, zu glauben, ein Charakter, der in der Vergangenheit viel Schlimmes getan hat, könne von jetzt auf gleich einer von den Guten werden.

Das Interessante: Seine Schatten, die ihn überhaupt erst zu einer echten Gefahr für Central City haben werden lassen, entwickeln einen eigenen Willen und lösen sich von ihm. Ursache dafür sind seine wachsenden Zweifel und die Angst, seine Hope, die Frau, die er so sehr liebt, eventuell zu enttäuschen. Er selbst ist nämlich der festen Überzeugung, nicht stark genug zu sein beziehungsweise rückfällig zu werden.

Dieser Ansatz ist sehr spannend und Williamson macht auch bei der Umsetzung dieser Story eine Menge richtig - so passen etwa das Hadern, der innere Zwiespalt und die vielen negativen Gedanken Shades gut zu den Kämpfen, die die Schnellsten der Schnellen gerade mit sich auszutragen haben. Leider wird auch hier viel zu viel deutlich zu schnell abgehandelt, man möchte beinahe sagen abgehakt, sodass das Gezeigte beim Leser nicht ganz die Wirkung entfaltet, die eigentlich möglich gewesen wäre.

The Flash

Rogues Reloaded

Rogues Reloaded hingegen ist wieder (von der ersten bis zur letzten Seite) ein eindeutiger Schritt in die richtige Richtung. Schon mit den ersten Panels ist spürbar, dass sich hier etwas entwickelt, das auch perspektivisch noch relevant werden wird, und insbesondere im Superhelden-Kontext ist ein offensichtlich angestrebtes großes Ganzes eigentlich immer erfolgsversprechender und lesenswerter als Stückwerk.

Auch hier stehen einige der berühmtesten Flash-Gegenspieler, die titelgebenden Rogues, im Mittelpunkt, nur diesmal geht Joshua Williamson anders vor: Er lässt sich nämlich tatsächlich wesentlich mehr Zeit, verrät einiges, allerdings bei Weitem noch nicht alles, was er mit der Schurkentruppe vorhat und gibt stattdessen Hinweise, die zum Spekulieren einladen. Außerdem ist es für Fans in den meisten Fällen erfreulich, wenn Bezug auf vergangene Runs genommen und somit klargestellt wird: „Die Inhalte der Comics, die ihr bereits gelesen habt, hatten Bedeutung und die derer, die ihr aktuell lest, ebenfalls.“ Denn in der New-52-Ära hat die Bösewicht-Gruppierung bekanntlich temporär sogar an der Seite des berühmtesten Sohnes von Central City gekämpft, wodurch die Bewohner mit einem Male zu den Schurken aufschauten, sie respektierten und ihre Vorbehalte ihnen gegenüber mehrheitlich über Bord werfen konnten.

Der Leser wiederum sitzt aufgrund des vermeintlich letzten großen Coups von Captain Cold, Weather Wizard, Heat Wave, Mirror Master und Golden Glider zwischen allen Stühlen, weil er einerseits mit ihnen sympathisiert und ihnen in gewisser Hinsicht den Ruhestand insgeheim gönnt, andererseits aber natürlich weiß, dass sie mehrfach verurteilte Verbrecher sind, die erneut ein Verbrechen begehen, um „in Rente“ gehen zu können. Positiv erwähnen muss man ebenfalls die zahlreichen kleinen Randbemerkungen, die Barry Allens Alter ego zwischendurch fallen lässt - etwa, wenn er anmerkt, dass Leonard Snart alias Captain Cold so viel Gutes bewirken könnte, wenn er seine Intelligenz und seinen Einfallsreichtum konsequent dazu nutzen würde, um an der Seite des prominenten Justice-League-Mitglieds respektive an der des CCPD die Stadt etwas sicherer zu machen.

Das stimmt selbstverständlich und dennoch entscheidet er sich bewusst dagegen, was ihn als Charakter nur noch interessanter macht. Dass die Rogues selbst seit jeher ein Zusammenschluss an Leuten mit einem sehr ausgeprägten Ego waren, ist nichts wirklich Neues, dass Cold jedoch diesen Schwachpunkt ausgemacht und seine Mitstreiter mit Nachdruck darauf eingeschworen hat, dass sie nur dann Erfolg haben werden, wenn sich alle an seinen Plan halten, durchaus.

Diejenigen, die sich den Sammelband zugelegt haben, dürfen folglich noch schnell eine Wette mit sich selbst abschließen, ob es diesen Antihelden auf neuerlichen Abwegen (zumindest zeitweise) gelingt, ihrem Erzfeind ein bis zwei Schritte voraus zu sein. Wie zu erwarten, wendet sich das Blatt auf diesen 180 Seiten auch mehrfach, sodass niemand befürchten muss, sich während der Lektüre zu irgendeinem Zeitpunkt zu langweilen. Barry Allens Privatleben ist im Übrigen nicht minder ereignisreich, und eine Frage beschäftigt ihn mehr und mehr: Wie sehr kann, soll und darf sich ein Weltenretter öffnen beziehungsweise wem eigentlich?

The Flash

Im Griff der Furcht

Nach dem Gesetz der Serie müsste dieses Trade nun wieder einen Rückschritt darstellen, erfreulicherweise ist das Gegenteil der Fall: Im Griff der Furcht überzeugt auf ganzer Linie, und abermals ist dafür in erster Linie der Antagonist verantwortlich: Eobard Thawne, der erste und gleichzeitig wohl gefährlichste Reverse-Flash. (Es lohnt übrigens sehr, sich das Batman/Flah-Abenteuer Der Button zu Gemüte zu führen, bevor man sich diesen 124 Seiten widmet, weil der Fiesling in Gelb in dieser Geschichte schon eine beeindruckende Kostprobe seines Könnens gibt und beiden Vertretern der Liga schwer zusetzt, jedoch am Ende dafür einen hohen Preis zahlen muss.)

Thawne war gestorben respektive sprach zunächst alles (in erster Linie sein Leichnam) dafür, dass er das Zeitliche gesegnet hatte. Barry seines Zeichens Forensiker war aber von Beginn an skeptisch und sollte schließlich Recht behalten: Der Hochgeschwindigkeits-Killer kehrte zurück - vielleicht sogar gefährlicher denn je - und hatte nur ein Ziel: Er wollte Flash leiden lassen! Und beließ es auch nicht bei bloßen Ankündigungen, sondern untermauerte mit Taten, wie ernst es ihm damit war.

Dabei spielt physische Gewalt eindeutig eine untergeordnete Rolle, der Kriminelle bevorzugt Psychospielchen und wie der Titel bereits vermuten lässt: Das Spiel mit der Furcht. Vor allem Barry muss darunter leiden, dass seine Nemesis einen seiner schlimmsten Alpträume wahr werden lässt - es versteht sich von selbst, dass Iris und ihr Neffe Wally West, also der „neue“ Kid Flash, ebenfalls zu spüren bekommen, wie grausam dieser Reverse-Flash sein kann.

Wer sich auch nur minimal im Roter-Blitz-Kosmos auskennt, der weiß, dass Zeitreisen immer wieder zum Thema werden - so auch diesmal. Überraschenderweise geht es dann allerdings viel weniger um die beiden Kontrahenten im Kostüm, sondern vielmehr um die Männer hinter den Masken, was das Erzählte zum einen origineller erscheinen lässt und dem Leser zum anderen viel besser ermöglicht, sich in die beiden Hauptfiguren - ja, auch in Thawne - hineinzuversetzen. Dadurch gewinnt das Dargebotene an Relevanz und wird demzufolge eben gerade nicht als austauschbar oder belanglos wahrgenommen.

Was den Look angeht, ist man sich treu geblieben: Flash-typisch ist alles verhältnismäßig hell und es werden viele bunte Farben verwendet und auch die Tatsache, das ein Großteil der Zeichnungen auf Carmine Di Giandomenico zurückgeht, tut dem Werk gut, weil sein tendenziell eher harter, kantiger und skizzenhaft-elegant anmutender Stil sich gut dazu eignet, um Geschwindigkeit zu verbildlichen - logischerweise eine der größten Herausforderungen in einem Flash-Comic.

Fazit

Nach fünf Bänden beziehungsweise insgesamt 27 Einzelheftausgaben ist Joshua Williamson an einem Punkt angekommen, der Lust auf mehr macht. Und selbst wenn er hier und da nicht die beste Geschichte erzählt hat, die denkbar gewesen wäre, so hat er sich doch viel getraut und ausprobiert, ohne dabei den Protagonisten oder dessen Welt untreu zu werden, was für sich genommen schon eine beachtliche Leistung ist.

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DC-Comic-Kritik zu Green Lanterns 3 - 5

Nachdem im Rahmen dieser Reihe zunächst die ersten und später die zweiten Bände (diese sogar im Doppelpack) ausgewählter Reihen aus dem DC-Rebirth-Kosmos im Fokus gestanden haben, folgen nun Dreierpacks, bestehend aus den Nummern 3, 4 und 5 der einzelnen Serien. Spätestens nach der Lektüre dieser Beiträge sollte man dann eigentlich einschätzen können, welche Helden man auch weiterhin lesend begleiten möchte, und welche eher nicht.

Die Phantom-Lantern

Während es in den ersten beiden Green-Lanterns-Paperbacks für Jessica Cruz und Simon Baz jede Menge zu tun gab, sind sie in Die Phantom-Lantern eher Nebenfiguren, und das ist gut so. Das soll selbstredend nicht heißen, dass die “Neuen“ bisher nicht überzeugt hätten, das Gegenteil ist der Fall -, aber Sam Humphries beweist mit dieser inhaltlichen Entscheidung einmal mehr, dass es ihm sehr wichtig ist, originell zu sein und selten das Erwartbare zu tun.

Wie der Titel schon sagt, dreht sich fast alles in diesem die Einzelheftausgaben 9-14 beinhaltenden Trade um den Phantom-Ring respektive denjenigen, der ihn letztlich anlegt. Für Frank Laminski, einen Mann, der im Laufe seines Lebens immer wieder zu hören bekam, nicht gut genug und eine ewige Nummer zwei zu sein, änderte sich von einem auf den anderen Moment alles, als er eines Tages Hal Jordan in Aktion sah. Die berühmteste Grüne Leuchte rettete ihn, den Test-Piloten nicht nur, er tat dies, indem er seinen Ring einsetzte, und Laminski auf diese Weise einen Eindruck davon vermittelte, wie mächtig er tatsächlich war und wie grenzenlos seine Macht zu sein schien.

Autor Humphries nimmt nun den Leser an die Hand und führt ihm mit jeder Seite etwas mehr vor Augen, wie der Protagonist endgültig falsche Prioritäten setzt: Dieser will unbedingt eine Green Lantern werden und begeht damit im Prinzip schon den ersten Fehler. Denn wie könnte er besser beweisen, dass er allein aus Eigennutz handelt. Die Ringe wiederum wählen bekanntlich ihre Träger nach anderen Kriterien aus, und würdig ist nicht, wer egoistische Ziele verfolgt. Besonders interessant wird das Ganze dadurch, dass der Ambitionierte bei diesem Unterfangen durchaus auch Menschen rettet - nur eben aus den falschen Gründen. Folglich führen all seine Bemühungen lediglich dazu, dass sein großes Ziel in immer weitere Ferne rückt. Dass sich schließlich sogar ein Ring fälschlicherweise zu dem Unbelehrbaren verirrt, ist natürlich ein genialer erzählerischer Schachzug, um zu verdeutlichen, dass er kurz davor ist, den Verstand zu verlieren. All seine Bemühungen schienen sich für einen kurzen Moment auszuzahlen, ehe er gewissermaßen live miterleben muss, wie ein anderer erwählt wird.

Für den Leser wird alles, was auf diesen Moment folgt, logischerweise mit einem Schlag doppelt so spannend, weil nun Franks Feindbild feststeht und er fast zeitgleich von einer Möglichkeit erfährt, wie er sich seinen Traum noch erfüllen kann. Doch natürlich hat alles stets seinen Preis, und in diesem Fall muss ihn nicht nur die tragische Figur Laminski zahlen…

Green Lanterns Comic

Polarität

In Polarität finden sich hingegen drei in sich abgeschlossene Einzelgeschichten, die selbstverständlich gleichzeitig etwas zur übergeordneten Haupthandlung beitragen. Dies allein genügt Humphries jedoch nicht, um zu untermauern, wie abwechslungsreich - und dabei dennoch in sich schlüssig - er erzählen kann.

Alles beginnt mit einem gemeinsamen Einsatz von Jessica Cruz und Siman Baz mit den wichtigsten Köpfen der Justice League. Und die beiden schlagen sich so gut an der Seite von Wonder Woman, Batman, Superman & Co., dass sie sogar das eine oder andere Lob erhalten, was den beiden Neulingen selbstredend guttut. Der Übergang zu dem Abenteuer, das sie an der Seite des dunklen Ritters bestreiten, gerät aufgrund der Chronologie der Ereignisse natürlich besonders überzeugend. Denn nun leuchtet jedem selbstverständlich sofort ein, weshalb die menschliche Fledermaus die beiden Lanterns nach Gotham City gerufen hat - sie hat gesehen, zu was die zwei in der Lage sind.

Diesmal hat es das Trio zudem mit einer Bedrohung zu tun, die die Weltenretter dazu zwingt, in mehrerlei Hinsicht über sich hinauszuwachsen. Es geht vor allem um das Innerste der grünen Leuchten, um die Dinge, die sie beschäftigen, quälen, hemmen und davon abhalten, ihr volles Leistungspotenzial abzurufen. Auf diese Weise nimmt man ganz deutlich den roten Faden wieder auf, der sich bereits durch Planet des Zorns und Die rote Flut gezogen hat: Die fehlbaren Menschen sind es nämlich, die wieder und wieder im Fokus stehen, und nicht die strahlenden Heroen. Und so wird einmal mehr unterstrichen, dass diese Reihe zwar wieder und wieder auf sehr unterschiedliche und äußerst gefährliche Gegenspieler setzt, die Guten aber eigentlich primär einen Kampf mit sich selbst führen.

Wie es aussieht, wenn man diesen zum wiederholten Male verliert, erfährt der geneigte DC-Fan in der letzten Geschichte, in der der Titel des Sammelbandes (Polarität) sehr relevant wird. Nach den Red Lanterns betritt nämlich in Doctor Polaris der nächste klassische Green-Lantern-Bösewicht die Bühne. Der Name gibt schon den entscheidenden Hinweis auf dessen innere Zerrissenheit, die den Charakter seit seinem ersten Panel-Auftritt vor mittlerweile fast sechzig Jahren bestimmt. Dr. Neal Emerson, ein Genie, ein Mann, der immer davon träumte, mittels Magnetismus die Welt zu verbessern, allerdings auch ein gefährlicher Superbösewicht mit enormen Kräften. Dass Jessica und Simon zu genau diesem Zeitpunkt ihrer gemeinsamen Reise auf diesen Antagonisten treffen, zeigt deutlich, dass Sam Humphries offenbar selbst kleinere, ein wenig aus der Reihe tanzende Kapitel innerhalb seines Runs als wichtigen Baustein erachtet und entsprechend behandelt. Denn das ungleiche Duo, das sich zunächst so gar nicht verstanden hat, wächst vor den Augen der Leser mehr und mehr zusammen, wodurch diese Zeuge ihrer Entwicklung hin zu vollwertigen Mitgliedern der Liga der Gerechten werden. Noch ist dieser Prozess jedoch nicht abgeschlossen …

Green Lanterns Comic

Die Rückkehr der Ersten Lantern

… - so sehen es zumindest einige wichtige grüne Autoritäten, welche die Grünschnäbel auf Mogo, den lebenden Planeten, der selbst Mitglied des Green Lantern Corps ist, beordern.

Unmittelbar nach ihrer Ankunft bekommen die Neulinge in Guy Gardener und Kyle Rayner zwei alte Ring-Hasen als Ausbilder zugeteilt: Ersterer nimmt sich Jessica Cruz an, Zweiterer Simon Baz. Insbesondere für die junge Frau beginnt mit diesem Moment eine sicherlich nicht gerade einfache Zeit, aber auch Simon wird von seinem Mentor sehr gefordert.

Diesmal steht also vermeintlich eine Art “berufliche“ Weiterentwicklung im Zentrum der Handlung. De facto wählt der Autor eigentlich nur einen anderen Weg, um wieder zu den Menschen, denen von jetzt auf gleich eine große Verantwortung übertragen wurde und die nach wie vor von Ängsten und Selbstzweifeln gequält werden, zu kommen. Abermals macht das sympathische Team sichtlich Fortschritte. Diese sind jedoch auch dringend nötig, da das Böse nicht nur nicht schläft, sondern längst - bislang unbemerkt - in Aktion getreten ist. Spätestens nach der Lektüre dieses Bandes dürfte jedem klar sein, dass ein Showdown epischen Ausmaßes unmittelbar bevorsteht. Der Gegner, der seinen Schlag gegen den Laternen-Nachwuchs von langer Hand geplant hat, enorm einfallsreich, außerordentlich mächtig und daher gleichsam überaus gefährlich ist, wird - so viel ist sicher - Jessica und Simon an ihre Grenzen bringen.

Der Punkt, an dem Die Rückkehr der Ersten Lantern endet, ist einer, der reichlich Raum für Spekulationen lässt und ein weiterer Beleg dafür ist, dass die Green-Lanterns-Comics zu dem Besten gehört, was unter dem Banner DC Rebirth erschienen ist. Die Zeichnungen, die nach wie vor in den allermeisten Fällen von Robson Rocha stammen, stehen der inhaltlichen Qualität der Hefte weiterhin in nichts nach. Die Weiten des Weltraums werden von dem Künstler ebenso gut eingefangen wie die unterschiedlichsten Emotionen in den Gesichtern der Haupt- und Nebenfiguren. Das All wird dadurch zu einem ähnlich konkreten, vor Details nur so strotzenden Schauplatz wie die uns bestens bekannte Erde und die Darstellung der Charaktere macht ebendiese nur noch nahbarer.

Fazit

Man muss Sam Humphries ohne Frage ein Kompliment machen: Seine Ideen sind erfrischend, die Story mit viel Weitsicht konzipiert und das Pacing gelungen. Geoff Johns mag den Grünen Leuchten zu “alt-neuem“ Glanz verholfen haben, der Autor in der Ära des wiedergeborenen DC-Universums sorgte aber Minimum dafür, dass dieser für einen langen Zeitraum nicht Gefahr lief, zu verblassen.

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DC-Comic-Kritik: Aquaman 2: Unaufhaltsam/Deathstroke 2: Mit stählernen Fäusten

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Aquaman

Wer die Comic-Kritiken zu Aquaman 1:Der Untergang respektive Deathstroke 1: Der Profi nachholen will, wird hier beziehungsweise hier fündig. Selbstredend muss in diesem Beitrag auf das bisherige Geschehen eingegangen werden, über Gebühr gespoilert wird allerdings – wie gewohnt – nicht.

Aquaman 2: Unaufhaltsam

Inhalt

Der König von Atlantis gegen die USA! So oder so ähnlich könnte man die vertrackte Situation beschreiben, mit der Band 1 der neuen Reihe rund um den Dreizackschwinger geendet hat.

Dieser und Mera, die ihren künftigen Ehemann befreit hat, stehen nämlich dem Militär und wenig später auch Superman gegenüber, weshalb die Frage gestellt werden darf, ob die von Arthur von Anfang an als alternativlos dargestellte diplomatische Lösung dieses Konflikts überhaupt noch möglich ist.

Auch wenn es für die sich gegenüberstehenden Parteien aktuell noch schwer vorstellbar scheint, schon bald könnte sie ein wesentlich größeres Problem beschäftigen: Fernab von diesem Ereignis plant nämlich bereits Black Manta seine nächsten Schritte…

Wer sagt, dass Gutes nicht gut bleiben kann?

Es ist schon beachtlich: Geoff Johns, bekanntlich ein Freund von Herausforderungen, wurde anfangs belächelt, als er sich des Helden annahm, der Lesern und Kritikern bis dato bestenfalls egal war. Später hingegen sorgte DCs langjähriges Mastermind nicht nur für lächelnde, sondern sogar für reihenweise strahlende Gesichter, nachdem auch der Letzte erkannt hatte, wie gut sein Aquaman-Run geworden war.

Wer bei dem letzten Panel dieses Paperbacks angelangt ist, wird mit hoher Wahrscheinlichkeit zu dem Schluss kommen, dass Dan Abnett ebenso überzeugend zu erzählen vermag. Denn das, was der Käufer geboten bekommt, ist nie platt. Man wird beispielsweise nie das Gefühl los, dass der Brite seine Geschichten stets vom Ende her denkt. In einer Industrie, in der es zwar stets heißt, dass man seinen Anhängern anspruchsvolle und komplexe Storys, die in sich stimmig und innerhalb des eigenen Universums schlüssig sein sollen, bieten möchte, ist genau das bekanntermaßen aufgrund einiger - in Anlehnung an König Fußball -"Mechanismen des Geschäfts" oftmals nicht unproblematisch.

Crossovers, Relaunches und die Einstellung bestimmter Heftserien schweben häufig wie Damoklesschwerter über den inhaltlich Verantwortlichen. Fairerweise muss man an dieser Stelle jedoch anführen, dass DC sich in Sachen Neustarts im Vergleich zu seinem großen Mitbewerber zuletzt deutlich zurückgehalten und es auch mit Events nicht übertrieben hat. Und das wiederum zeigt sich dann eben auch in der Art, wie man ein Superheldenabenteuer erzählt.

Für Abnett bedeutet dieses "Wie" ganz offensichtlich, so wenig Althergebrachtes wie möglich in die Handlung zu integrieren. Dies funktioniert aber vermutlich nur, wenn man den großen Bogen nie aus den Augen verliert. Die politische Dimension, die er wie wenige vor ihm in das Zentrum seiner Aquaman-Saga stellt, eignet sich ideal als Fundament, auf dem ein durchdachtes Plot-Gebäude entstehen kann. Dabei erliegt er auch nicht der Versuchung, zu viele Baustellen gleichzeitig zu eröffnen, sondern beschränkt sich auf einige wenige Handlungsstränge, die er mit viel Liebe zum Detail ausarbeitet und sich im exakt richtigen Moment berühren lässt.

Vordergründig dreht sich alles noch um die Auseinandersetzung zwischen Atlantern und Menschen, die durch das Eingreifen Supermans noch einmal eine völlig neue Dynamik erhält. Die wesentlich interessanteren Entwicklungen wurden allerdings schon im ersten Band (direkt oder indirekt) von Black Manta angestoßen. Nun erhält der Rezipient diesmal zugegebenermaßen ein paar Hintergrundinformation, jedoch nicht genug, um mit absoluter Gewissheit die nächsten Schritte des Superschurken voraussagen zu können. Das aber, was man erfährt, genügt, um sich schon auf den wie auch immer gearteten Showdown zwischen ihm und dem König von Atlantis zu freuen. So gesehen befindet man sich als Leser also bereits mitten in einer sehr packenden Geschehen, bekommt allerdings gleichzeitig mit, dass das mutmaßlich noch interessantere schon seine Schatten vorauswirft. Beste Voraussetzungen zum Weiterlesen also!

Deathstroke

Deathstroke 2: Mit stählernen Fäusten

Inhalt

Wer eine solche Familie hat, braucht keine Feinde. Diese leichte Sprichwortabwandlung wäre zweifelsohne ein möglicher Titel für diesen Paperback gewesen, denn dem geneigten Fan und Slade Wilson selbst wird an dieser Stelle erneut eindrucksvoll vor Augen geführt, dass man sich lieber nicht mit dessen Kindern anlegen sollte.

Sein Sohn will nämlich endlich aus dem Schatten seines Vaters heraustreten und lässt sich dafür eine Menge einfallen…PS: Batman taucht ebenfalls auf.

Es bleibt dabei: Alles anders macht der Priest

Schon die Handlung des ersten Deathstroke-Trades aus der Rebirth-Ära unterschied sich deutlich von denen der anderen Titel aus dem Hause DC. Anders zu sein an sich ist jedoch weder ein Qualitätskriterium noch der Grund, weshalb man etwas direkt ablehnen sollte – schließlich weiß man zunächst gar nicht, inwiefern man in dem konkret vorliegenden Fall von "anders“ sprechen kann. In Bezug auf die neuen Antihelden-Abenteuer aus der Feder von Christopher Priest lohnt es sich aber definitiv, diesen Begriff mit Inhalt zu füllen und so herzuleiten, warum es durchaus legitim ist, in ihm hier eine Art Gütesiegel zu sehen.

Denn was anfangs nach einem reinen Action-Feuerwerk aussieht, entpuppt sich plötzlich als komplexes Familien-Drama, das sicher nicht jedem zusagen wird – eine weitere Stärke des Titels respektive dieses Runs ganz allgemein. Es wird spürbar keine Rücksicht darauf genommen, ob jeder jederzeit dem Handlungsverlauf folgen kann, was dazu führt, dass man selbst als Comic-Liebhaber gelegentlich zurückblättern oder kurz innehalten muss, um all die Eindrücke zu ordnen. Priest fordert seine Leserschaft regelrecht heraus und macht es sich zunutze, dass das Slade-Wilson-Universum bislang nicht zu den erforschtesten im DC-Kosmos gehört.

Ob nun Deathstrokes Kinder, deren Mutter oder alte Weggefährten, sie alle gehören nicht zu den bekanntesten Köpfen des Verlagsportfolios, was durchaus bedauerlich ist, da sie alle einen für Antihelden typischen Wesenszug auf sich vereinen: Undurchschaubarkeit. Und mit dieser spielt der Autor im Prinzip bereits seit Band 1, und es steht zu vermuten, dass er damit auch nicht einfach aufhören wird. Insbesondere Sohn und Tochter haben tolle, allerdings eben auch nicht unbedingt alltägliche Momente miteinander - und mit ihrem Vater sowieso. Wer liebt hier eigentlich wen, wer hat für wen nur noch Verachtung übrig und warum und wieso könnte am Ende doch alles ganz anders sein? Diese Fragen sind es, auf die man Antworten finden will, und der inhaltlich Verantwortliche tut viel dafür, um sie möglichst lange offenzuhalten, was in einer Welt des oftmals viel zu Offenkundigen eine echte Wohltat ist.

Fazit

Manchmal ist es wirklich leicht, Empfehlungen auszusprechen: Aquaman 2: Unaufhaltsam und Deathstroke 2: Mit stählernen Fäusten beweisen, dass Dan Abnett und Christopher Priest stets eine klare Idee davon hatten, wie sie zwei Charaktere, die viel zu lange ein Schattendasein fristeten, auf originelle Weise die Anerkennung zuteilwerden lassen werden wollten, die sie längst verdient hatten.

Dass sich Arthur Curry mittlerweile anschickt, zur Trinity und dem nicht grundlos zu dem Halloweenkostüm der letzten Jahr avancierten Charakter schlechthin (Harley Quinn) in Sachen Popularität aufzuschließen, ist deshalb nicht wirklich verwunderlich.

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DC-Comic-Kritik - Batman Paperback 1: Ich bin Gotham & Batman - Detective Comics 1: Angriff der Batman-Armee (Rebirth)

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Batman Detective Comics

In einem Satz zusammengefasst würde das zentrale Anliegen der DC-Verantwortlichen, das sie mit dem Großprojekt DC Universe Rebirth verfolgten, wohl lauten: Gebt den (langjährigen) Fans das, was sie wollen - und seid dabei Neueinsteiger-freundlich.

Das Ergebnis ist bekannt: Zahlreiche bei Anhängern und Kritikern gleichermaßen geschätzte Reihen … und insgesamt drei Batman-Titel. Das wiederum ist, wenn man ehrlich ist, aber nicht sonderlich verwunderlich. Der Dunkle Ritter ist schließlich nach wie vor einer der beliebtesten, wenn nicht sogar der beliebteste Superheld überhaupt, und sein Universum bietet auch schlicht genug Stoff, um selbst nach so vielen Jahren immer wieder völlig neue Geschichten mit Bat-Bezug erzählen zu können.

Nachdem All-Star Batman 1: Mein schlimmster Feind bereits vorgestellt wurde, soll es in diesem Beitrag um die ersten Bände von Batman sowie Batman: Detective Comics gehen.

Zusammen…

Autor Tom King könnte definitiv Protagonist in einem sicherlich extrem unterhaltsamen Comic sein. Seine Vita würden einige der potenziellen Leser mutmaßlich sogar für etwas zu konstruiert halten, denn bevor sich der US-Amerikaner wieder Vollzeit seinen Panels widmete, arbeitete dieser - kein Scherz - für die CIA. Wenn das nicht die optimalen Voraussetzungen sind, um Scott Snyders Werk fortsetzen zu können.

In seinem die ersten sechs Einzelheftausgaben sowie Batman: Rebirth 1 enthaltenden Debüt-Trade Ich bin Gotham legt der Eisner-Award-Gewinner (für Vision) zwar noch nicht alle Karten auf den Tisch, deutet allerdings ebenso an, dass "more of the same" nicht unbedingt seine Sache ist.

Die bewusste Doppeldeutigkeit in Bezug auf den Namen der Nachbarstadt von Metropolis lässt diesen über allem stehenden Satz daher noch passender erscheinen. Tatsächlich handelt es sich hier nämlich nicht um Gotham City, sondern um zwei neue Helden, die sich Gotham und Gotham Girl nennen, über enorme Kräfte verfügen und unter Anleitung der Fledermaus dort helfen wollen, wo sie gebraucht werden.

Batman Rebirth

Anfangs gelingt das auch durchaus gut und es hat überdies fast den Anschein, als würde Bruce Wayne Gefallen daran finden, zumindest theoretisch einmal eine Nacht seine Maske nicht aufsetzen zu müssen. Selbstverständlich stellt sich recht schnell heraus, dass dieses Szenario ein hypothetisches bleibt, da ein plötzlicher Aufstieg in die Justice-League-Gewichtsklasse selten einfach so erfolgt - und so viel sei verraten: Der Preis, den die beiden dafür zahlen, ist extrem hoch.

Genau darin liegt ganz offensichtlich eine der großen Stärken Kings: Er treibt in seiner ersten Storyline im Bat-Kosmos den Protagonisten sowie die von ihm eingeführten Figuren an ihre Grenzen und darüber hinaus. Interessanterweise verzichtet er beinahe komplett darauf, zu diesem frühen Zeitpunkt schon auf einen der unzähligen berüchtigten Arkham-Insassen zu setzen und begnügt sich stattdessen mit Schurken aus der zweiten oder dritten Reihe, die er dafür aber gekonnt in das Geschehen einbindet. Dennoch oder vielleicht auch gerade deswegen wirkt all das Dargebotene eher wie eine Art Epilog, in dem gewissermaßen eine Staffelstabübergabe vollzogen wird, und nicht wie ein Abenteuer, das schon Fahrt aufgenommen hat. Nicht umsonst steht Scott Snyders Name ebenfalls auf dem Cover und nicht umsonst ist das absolute Highlight des Paperbacks auf der letzten Seite zu finden: Ein Cliffhanger, wie man ihn sich wünscht.

…ist man weniger allein

Etwas konsequenter als Tom King geht der noch recht junge (Jahrgang 87), allerdings keinesfalls mehr als Nachwuchstalent durchgehende James Tynion IV bei seinem ersten Ausflug in das wiedergeborene DC-Universum in Sachen Teambuilding vor - und nein, damit sind keine vertrauensbildenden Maßnahmen gemeint.

Sein Batman beginnt höchstselbst damit, eine Gruppe zusammenzustellen, um einer Bedrohung, deren Ausmaß lange nicht abzusehen ist, etwas entgegensetzen zu können. Ob er jedoch wirklich glaubt, diese Hilfe zu benötigen oder ob es einen anderen Grund für diesen Schritt gibt, sei einmal dahingestellt.

Es besteht aus Red Robin, Orphan, Spoiler, dem (geläuterten?) Clayface und Batwoman alias Kate Kane, die diese buntgemischte Truppe trainieren soll. Ein erster bedeutender Schritt von Gothams Mitternachtsdetektiv, denn die von ihm mit der Ausbildung dieses Quartetts betraute junge Frau ist niemand Geringeres als seine Cousine, die er überdies endlich in sein Geheimnis einweiht. Und wie sich bald herausstellt, haben all die Herausforderungen, mit denen es diese Alternativ-Bat-Familie zu tun bekommt, unmittelbar mit der Vergangenheit der Ex-Soldatin zu tun.

Auf den ersten Blick erscheint es mutig, "The World’s Greatest Detective" in dem Ur-Batman-Titel schlechthin zum Start in diese neue Ära nicht dauerhaft in den Mittelpunkt des Geschehens zu stellen, auf den zweiten schlicht folgerichtig. So können sich Komplettisten über sehr unterschiedliche Geschichten und Neueinsteiger sowie Wechsel-Wähler über die Existenz echter Alternativen freuen.

Batman Detective Comics

Insbesondere die Entscheidung neben Batwoman auch Jung-Genie Tim Drake alias Red Robin in das Zentrum der Handlung zu rücken, erweist sich schon nach einigen Seiten als eine sehr kluge, da sein Einfallsreichtum und seine Schlagfertigkeit immer wieder für eine Auflockerung der insgesamt sehr ernsten Tonalität sorgen.

Abschließend vielleicht noch ein Wort zu einem geteilten Plus: Während bei Batman Paperback 1 in David Finch, Mike Janin und Ivan Reis das erste starkes Zeichner-Trio am Werk war, überzeugte bei Batman: Detective Comics Paperback 1 das zweite, bestehend aus Eddy Barrows, Alvaro Martinez sowie Al Barrionuevo. Auffällig ist, dass es zu keinen extremen stilistischen Brüchen innerhalb der Storys kommt, sondern eher zu Varianten eines Looks (etwas mehr Retro-Charme versprühend versus eher moderner anmutend), der sich in beiden Fällen durch ausgeprägte Liebe zum Detail auszeichnet.

Fazit

Der doppelte Dark Knight hat zweifelsohne seine Daseinsberechtigung. Weder Tom King noch James Tynion IV lassen es sich nehmen, ihre zugegebenermaßen recht unkonventionellen Ideen in die Tat umzusetzen. Dadurch fühlen sich beide Reihen zunächst etwas anders an, was sicher nicht jedem gefallen, aber viele wahrscheinlich sehr neugierig auf all das machen wird, was da kommen möge. Die jeweiligen Cliffhanger lassen jedenfalls eine Menge spannender Entwicklungen möglich erscheinen.

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DC-Comic-Kritik: Batgirl Megaband 1: Der Sohn des Pinguins (Rebirth)

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Batgirl Rebirth

Barbara Gordon, die Tochter des wohl berühmtesten Commissioners der Comic-Geschichte, ist Batgirl. Für diejenigen, die den Charakter lediglich aus Batman - The Animated Series (BATS) oder dem von vielen sehr bewusst aus ihrem Gedächtnis gelöschten Film Batman & Robin kennen, ist das keine neue beziehungsweise erwähnenswerte Information.

Für diejenigen aber, die sich fleißig durch die unzähligen Panels, in denen in den vergangenen Jahren faszinierende Storys aus dem Bat-Kosmos erzählt worden sind, gekämpft haben, ist dieser Umstand nicht ganz so selbstverständlich. Denn der bekannte Rotschopf saß dank des Jokers zwischenzeitlich auch im Rollstuhl.

Barbara wäre aber nicht Barbara, wenn sie sich davon hätte entmutigen lassen. Als Orakel unterstützte das Computer-Genie fortan vor allem die Bat-Familie und versorgte sie mit entscheidenden Hinweisen, die zu der Überführung des einen oder anderen Superschurken führten.

Ihr unbändiger Kampfgeist und ein experimenteller Eingriff in einer südafrikanischen Klinik sorgten schließlich dafür, dass die Heldin wieder gehen und nach einem sehr harten Training ebenfalls wieder Kostüm und Maske tragen konnte. Viele Abenteuer später ist der jungen Frau nach einer Auszeit von all dem Trubel. Diese verbringt sie auf dem größten Kontinent des Planeten, wirklich ruhig geht es dort allerdings nicht zu. Doch alles andere würde auch nicht zu ihren ersten Schritten im wiedergeborenen DC-Universum passen.

Weit weg von daheim …

In der ersten der beiden in sich abgeschlossenen Geschichten des Megabandes (“Weit weg von daheim“) verschlägt es Barbara - wie gesagt - nach Asien. Relativ schnell trifft sie in der Ferne zufällig auf einen alten Bekannten. Aus einer aufgewärmten Freundschaft wird bald etwas mehr, jedoch ist Gotham Citys Verbrechensbekämpferin Nummer eins zu Recht skeptisch, und so steht diese private Romanze folgerichtig sehr schnell im Zentrum eines neuen Batgirl-Falls.

Dieser unterscheidet sich in vielerlei Hinsicht von dem, was parallel unter dem Rebirth-Banner erschienen ist, weshalb hier zweifellos ausreichend Potenzial vorhanden ist, um Fans zu spalten:

Eine Protagonistin, die in Japan oder Südkorea für Gerechtigkeit sorgt, agiert im Grunde völlig losgelöst von ihrer vertrauten Umgebung. So wird man beispielsweise nicht nur permanent mit unverbrauchten Schauplätzen, sondern logischerweise ebenfalls mit neuen Antagonisten konfrontiert. Das kann man durchaus als erfrischend empfinden. Und außerdem passt die Grundidee sehr gut zu der Miss Gordon, die Cameron Stewart und Brenden Fletcher in Batgirl - Die neuen Abenteuer in den hippen Gotham-Stadtteil Burnside haben ziehen lassen.

Batgirl Rebirth

Überhaupt muss man sagen, dass Dick Graysons On-Off-Freundin als eine in sich sehr stimmig weiterentwickelte Figur präsentiert wird. Dies liegt darin begründet, dass man in ihrem Fall den inhaltlichen Cut schon vor dem alle DC-Serien betreffenden Restart vollzogen hat. Man könnte fast sagen, dass seitdem zwar nach wie vor Batgirl auf dem Cover steht, aber im Wesentlichen Barbara drinsteckt.

Deshalb ist die Tatsache, dass Autorin Hope Larson dem Privatleben der Urlaubenden beinahe so viel Aufmerksamkeit schenkt wie ihren heldenhaften Aktivitäten, im Prinzip die größte Stärke dieses elf Einzelheftausgaben umfassenden Sammelbandes. Sie gewährt ihren Lesern konsequent Einblick in das Innenleben der angehenden Bibliothekarin. Und da die US-Amerikanerin sich nicht damit begnügt, den Anhängern lediglich einzelne Facetten ihres Charakters zu zeigen, ist es nicht verwunderlich, dass man sehr schnell mit der Studentin und deren Freunden sympathisiert.

…, aber doch nicht so ganz

Während diese Aspekte nun für viele entscheidende Kaufgründe darstellen, stören sich andere genau daran beziehungsweise an den Dingen, die eine solche Schwerpunktsetzung und ein solches Vorgehen mit sich bringen. Der Umstand, dass die Handlung außerhalb Gothams spielt und die Aufwertung von Barbaras Privatleben gehen zwangsläufig auf Kosten der im Bat-Kosmos sonst so typischen düsteren Tonalität und Ernsthaftigkeit.

Dies ändert sich auch nicht nach ihrer Rückkehr nach Burnside in “Der Sohn des Pinguins“. Im Gegenteil: Gerade dieser so angesagte Außenbezirk der Stadt, die unter anderem für das Arkham Asylum bekannt ist, verliert selbst dann nicht an Lässigkeit und Lockerheit, wenn dort Verbrechen begangen werden. Dies hängt selbstverständlich ebenfalls mit den hellen, bunten und manchmal sogar knalligen Farben sowie dem sehr verspielten und im wahrsten Sinne des Wortes Comic-haften Look, für den Rafael Albuquerque und Chris Wildgoose verantwortlich zeichnen, zusammen.

Batgirl Rebirth

Dass die Antagonisten - unter anderem aus den genannten Gründen - einfach nicht so recht bedrohlich wirken wollen, ist ein weiteres Problem. Weder die asiatischen Kampfkunst-Expertinnen in “Weit weg von daheim“ noch Cobblepot Junior in dem nach ihm benannten zweiten Abenteuer empfehlen sich mit diesen Auftritten für einen weiteren Einsatz. Insbesondere für Letzteren ist das bedauerlich, weil der Nachwuchsbösewicht an sich alles mitbringt, um Batgirl & Co. nachhaltig übel mitzuspielen - so viel sei allerdings verraten: Das Ende könnte rückblickend ein vielversprechender Neustart für diese Figur sein.

Fazit

Batgirl Megaband 1 - Der Sohn des Pinguins ist einer der wenigen Rebirth-Auftakt-Bände, der auf ein Betätigen des Reset-Knopfes verzichtet. Trotz eines Wechsels auf dem Regiestuhl fühlt sich das Erzählte nach einer logischen Fortsetzung von Batgirl - Die neuen Abenteuer an.

Wer also daran interessiert ist, viel aus Barbaras Leben zu erfahren und die leichte, von Humor geprägte Grundstimmung der Vorgängerserie mochte, sollte hier zugreifen. Wer jedoch eher ein Fan von Gail Simones Batgirl-Run war, sollte sich lieber bei seinem Comic-Händler des Vertrauens nach Alternativen erkundigen - Spoiler: Er wird im aktuell wirklich extrem guten und abwechslungsreichen DC-Portfolio sicher fündig werden.

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DC-Comic-Kritik: Wonder Woman 2: Zwischen Lüge und Wahrheit/Nightwing 2: Blüdhaven (Rebirth)

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Wonder Woman Comic Cover

Wer die DC-Comic-Kritiken zu Wonder Woman 1: Die Lügen respektive Nightwing 1: Besser als Batman nachholen will, wird hier beziehungsweise hier fündig. Selbstredend muss in diesem Beitrag auf das bisherige Geschehen eingegangen werden, über Gebühr gespoilert wird jedoch - wie gewohnt - nicht.

Wonder Woman 2: Zwischen Lüge und Wahrheit

Inhalt

Diana steht neben sich, aber selbst Steve Trevor kann sich nicht so recht erklären, weshalb. Der Zeitpunkt ist allerdings mehr als ungünstig, denn Colonel Maru und ihr Team Poison sind den beiden längst auf den Fersen.

Nach diesem Blick in die Gegenwart, folgen mehrere in die Vergangenheit: Nacheinander stehen Dianas Ankunft in unserer Welt, ihr erstes Aufeinandertreffen mit Batman und Superman sowie einige wichtige Ereignisse aus dem Leben der Dr. Veronica Cale, denen eindeutig am meisten Aufmerksamkeit geschenkt wird, im Mittelpunkt der Handlung.

Greg Rucka, ein Meister des Verwebens

Origin-Storys haben unter Freunden der Popkultur mittlerweile fast schon einen schlechten Ruf. Nach all den Neuinterpretationen bekannter Stoffe, die in den letzten Jahren sehr häufig die Kinospielpläne bestimmten, kann man das auch durchaus nachvollziehen.

Und gerade weil dem so ist, muss man eigentlich noch mehr den Hut vor Greg Rucka ziehen. Von allen Rebirth-Titeln kommt sein Wonder-Woman-Run vermeintlich einem klassischen Reboot am nächsten. Dennoch ist er bei genauerer Betrachtung so viel mehr.

Bereits im ersten Sammelband Die Lügen stellte der Autor eindrucksvoll unter Beweis, dass er sich auch bei diesem Projekt nicht auf den Lorbeeren der Vergangenheit ausruhen würde. Während der Amerikaner zu Beginn jedoch seine Figuren überwiegend im Hier und Jetzt agieren ließ, ohne dabei alle sich ergebenden Fragezeichen der Leser zu beseitigen, gibt er nun in Zwischen Lüge und Wahrheit erstmals Antwort auf sehr viele Fragen - auch auf solche, die bislang noch gar nicht gestellt worden sind.

Wonder Woman Lügen & Wahrheit Rebirth

Mit jeder Seite wird offensichtlicher, dass Rucka nichts dem Zufall überlassen hat, jedem Detail Bedeutung beimisst und es überdies versteht, ein komplexes Erzählgeflecht so zu entwirren, dass man ihm gut folgen kann. Der letztgenannte Punkt wiederum ist vor allem im Umgang-mit-Origin-Storys-vor-dem-man-den-Hut-ziehen-muss-Kontext von Bedeutung.

Der mehrfache Eisner-Award-Gewinner hat seine Rückschauen nämlich so gestaltet, dass sie als eigenständige Geschichten funktionieren, gleichzeitig allerdings das große Ganze spürbar vorantreiben. Man versteht, warum welche Episode aus Dianas oder dem Leben eines anderen Charakters gezeigt wird, hat aber nie das Gefühl, man wüsste automatisch, was als Nächstes passiert. Man bekommt folglich Schlüssiges, jedoch nie Offensichtliches geboten; ein äußerst anspruchsvoller Drahtseilakt, den man in dieser Form erst einmal meistern muss.

Dieser Band stellt eine Art Brücke zwischen dem vorherigen und dem abgeschlossenen Trade Wonder Woman - Das erste Jahr dar, der Greg Ruckas eigene Version von Dianas Vorgeschichte beinhaltet, was stark dafür spricht, dass er sich offenbar sehr bewusst dazu entschieden hat, in seinen Rückblicken die Amazonenprinzessin zwar als eine Art verbindendes Element beizubehalten, sich gleichzeitig allerdings primär um andere zentrale Akteure zu kümmern - in erster Line um Dr. Veronica Cale…

Wenn der Anta- zum Protagonisten wird

Wer erklären will, warum ein Superhelden-Abenteuer nicht zu 100% begeistern konnte, brauchte zuletzt oft nicht lange, um einen mutmaßlichen Grund zu nennen: Der Antagonist wusste nicht zu überzeugen.

Solche Aussagen waren im Zusammenhang mit Film-, jedoch ebenfalls mit Comic-Besprechungen immer wieder zu hören und unterstreichen, wie wichtig die Gegenspieler des Helden für einen Großteil der Fans sind.

Wenn man sich - diesen Fakt im Hinterkopf habend  - noch einmal all das vor Augen führt, was Rucka in seiner - man möchte fast sagen - Diana-Saga macht, erscheint einem sein Vorgehen nur noch bemerkenswerter. Dass ein Autor einen derart ikonischen Charakter wie die Amazonenprinzessin zugunsten seiner Feinde immer wieder bewusst aus dem Spiel nimmt oder zumindest lediglich situativ zweckgebunden einsetzt, ist sehr selten, weshalb es umso positiver auffällt.

Im Grunde werden alle zentralen Momente aus dem Leben der Dr. Veronica Cale nicht einfach bloß nacheinander abgehakt, sondern in Beziehung zueinander gesetzt. Wonder Woman selbst war schon vor ihrem großen Kinodurchbruch den meisten Menschen in den USA ein Begriff, ihre Gegner aber vornehmlich nur den treuen Anhängern. Und die Chefin von Empire Industries käme auch bei besagten weit hinter Hades, Cheetah oder Kirke.

Wonder Woman Lügen & Wahrheit Rebirth

Der Mann, der ebenfalls für (Noch-)Geheimtipps wie Lazarus, Black Magick oder The Old Guard verantwortlich zeichnet, erkannte allerdings das in der Milliardärin, die ungefähr in einer Liga mit Lex Luthor und Bruce Wayne spielt, schlummernde Potenzial. Er erkannte, dass sie alles mitbringt, um Schlüsselfigur seines Runs zu werden. Und man muss rückblickend sagen, dass das nicht nur eine gute, sondern eine hervorragende Idee von ihm war.

Indem Rucka dem Leser Cales Motivation für ihr Handeln schildert, macht er sie diesem Schritt für Schritt sympathischer. Die vermeintlich eiskalte Geschäftsfrau wirkt ab einem Punkt X eher wie eine bemitleidenswerte Person, der übel vom Schicksal mitgespielt wurde. Eine, die sich jedoch als Reaktion darauf nicht verkriecht. Nein, eine, die sich mit allen Mitteln wehrt, was dazu führt, dass mehr und mehr Gegner Wonder Womans erwähnt werden oder sich die Ehre geben. Auf diese Weise gewinnt Frau Dr. in einer ungeheuren Geschwindigkeit an Profil und erreicht damit mehr als manche intergalaktische Bedrohung, mit der es sonst die gesamte Justice League aufnehmen muss.

Nightwing 2: Blüdhaven

Inhalt

Das Geheimnis um Raptor wird endlich gelüftet. Nightwing und sein neuer Mentor, der Bruce Wayne entführt hat, treffen noch ein letztes Mal aufeinander.

Zudem zieht es Dick Grayson nach Blüdhaven. Er hofft, dort nach den aufwühlenden Vorkommnissen der letzten Zeit wieder etwas mehr zu sich zu finden, und zwar ohne Maske. Allerdings muss er sehr schnell feststellen, dass er in seiner neuen Heimat wohl doch nicht allzu schnell auf sein schwarz-blaues Outfit wird verzichten können.

Nightwing, oh Nightwing!

Man muss überhaupt keine Quervergleiche zu den Abenteuern anderer Helden anstellen, aber wenn man Band 1 mit Besser als Batman untertitelt (im Original: Better than Batman), dann darf man als Rezipient auch eine gewisse Erwartungshaltung an den Folgeband haben. Wird man dieser dann jedoch in mehrerlei Hinsicht nicht gerecht, sorgt das fast zwangsläufig bei vielen dafür, dass sie eine an sich recht gefällige Story als Enttäuschung empfinden. Einzig die Bilder, die erneut unter anderem auf Javier "Javi" Fernandez zurückgehen, bilden da eine Ausnahme.

Dass es etwas unglücklich wirkt, dass Nightwing 2: Blüdhaven zunächst den Arc rund um Raptor zu Ende bringen muss, kann man an dieser Stelle erwähnen, ist allerdings zu vernachlässigen, da wir es bei Sammelbänden schließlich immer mit zusammengefassten Einzelfheftausgaben zu tun haben. Auf diese Weise fällt der inhaltliche Kontrast zur nachfolgenden Geschichte jedoch zweifelsfrei noch mehr ins Gewicht.

Nightwing Rebirth 2

Diese setzt nämlich an einem Punkt ein, wo sehr viel ungewiss und in der Schwebe ist. Außerdem hat man erfahren, dass neben dem Rat der Eulen noch eine weitere Geheimorganisation bei Nightwings letzter Mission im großen Stile mitgemischt hat. Diese offenen Fragen hätte man noch nicht direkt beantworten, es hätte dafür aber wenigstens etwas kommen müssen, dass die aufgebaute Spannung zumindest hält - immer mit der Prämisse im Hinterkopf, dass der Plan war, besser als Batman sein zu wollen. Denn selbst ein kurzer Blick auf Tom Kings aktuelle oder Scott Snyders vergangene Batman-Serie genügt, um zu realisieren, dass beide die Grundspannung eigentlich nie haben abflachen lassen.

Blüdhaven macht genau das allerdings beinahe mustergültig. Dick Grayson, der zwar viel außerhalb Gothams im Einsatz war, jedoch stets dorthin zurückgekehrt ist, zieht es nun in eine nur unweit entfernte Stadt, um wieder zu sich selbst zu finden, und das am besten ohne nächtliche Einsätze. Dass das nicht so wirklich funktioniert, liegt auf der Hand. Das Warum beziehungsweise das Wie sind aber wenig überzeugend geraten.

Innerhalb kürzester Zeit setzt sich der ehemalige Robin an die Spitze einer Gruppe ehemaliger Superschurken in Ausbildung, um deren Unschuld zu beweisen. Diese werden nämlich fälschlicherweise beschuldigt, Verbrechen begangen zu haben und rückfällig geworden zu sein, obwohl sie mit ihrer Vergangenheit eigentlich längst endgültig abgeschlossen hatten.

Besagter Fall, der darüber hinaus etwas halbherzig um eine Romanze angereichert wird, ist schlicht viel zu unspektakulär. Man lässt sich viel zu wenig Zeit, um die neuen - zum Teil durchaus sympathischen - Charaktere zu etablieren, lässt Dick viel zu schnell zum “Posterhero von Blüdhaven“ werden und beendet die Angelegenheit zudem derart abrupt, dass es fast an eine Filler-Folge erinnert. Die angesprochenen Anknüpfungspunkte existieren allerdings immer noch. Und zudem waren davor umgesetzte Ideen so gut, dass man ihm ohne Weiteres zutrauen sollte, mit Nightwing 3 vielleicht nicht unbedingt etwas abzuliefern, dass das Prädikat Besser als Batman verdient, jedoch etwas, das wesentlich runder als dieses Trade daherkommt.

Nightwing Rebirth 2

Fazit

Wonder Woman 2: Zwischen Lüge und Wahrheit macht beinahe alles anders als Die Lügen, aber trotzdem im Grunde genommen alles richtig. Greg Ruckas Rebirth-Erzählungen gehören nicht nur zum Besten, was die Wiedergeburt des neuen DC-Universums hervorgebracht hat, sondern müssen auch den Vergleich mit dem, was Verlags- und Genre-übergreifend an Qualitätstiteln aktuell publiziert wird, nicht scheuen.

Das Fehlen von Liam Sharps fantastischen Zeichnungen merkt man aber zugegebenermaßen schon, obwohl sich sogar mehrere seiner Kollegen (unter anderem die junge Bliquis Evely) kreativ austoben durften.

Nightwing 2: Blüdhaven löst nicht das Versprechen ein, das der Vorgängerband zumindest in den Raum gestellt hat und liefert primär lediglich nette Unterhaltung für zwischendurch.  Dies ändert aber nichts an der Tatsache, dass Autor Tim Seeley zuzutrauen ist, noch große Nightwing-Geschichten zu erzählen - das letzte Panel unterstützt in jedem Fall diese Annahme.

zusätzlicher Bildnachweis: 
© Panini Comics/ DC Comics

Die Erfolgsgeschichte geht weiter: Harley Quinn erhält eigene Animationsserie

Spätestens seit sie dem sehr kontrovers diskutierten Suicide Squad ihren Stempel aufdrücken durfte, spielt Dr. Harleen Quinzel alias Harley Quinn endgültig im Konzert der populärsten Comic-Charaktere mit. Dass man dem berühmtesten Harlekin der Popkultur nun sogar eine eigene Zeichentrickserie für ein erwachsenes oder zumindest etwas älteres Publikum spendiert, dürfte ihren Bekanntheitsgrad noch weiter steigern.

Als ausführende Produzenten und Drehbuchautoren der Serie werden Justin Halpern, Patrick Schumacker und Dean Lorey fungieren, die zuletzt für das nicht sonderlich erfolgreiche und mittlerweile auch längst beendete Powerless verantwortlich zeichneten.

Harley Quinn kehrt damit quasi zu ihren Wurzeln zurück. Gehört sie doch zu den DC-Charakteren, die zunächst ausschließlich für Batman: The Animated Series (BTAS) entworfen worden sind - die "Clown Princess of Crime“ sogar ursprünglich nur für eine Episode. Die auf die Cartoon-Größen Paul Dini und Bruce Timm zurückgehende Figur, zu der Dini von der Komödiantin Arleen Sorkin inspiriert wurde, entwickelte sich allerdings sehr schnell zu einem absoluten Fan-Liebling. Der Anfang einer Erfolgsgeschichte, die noch lange anhalten könnte.

Während sie in BTAS zunächst von Sorkin selbst und später unter anderem auch von US-Synchron-Veteranin Tara Strong vertont wurde, soll Warner Bros. angeblich diesmal großes Interesse daran haben, dass Suicide-Squad-Darstellerin Margot Robbie Harley höchstpersönlich ihre Stimme leiht.

Es wird zudem darüber spekuliert, dass sich die erste, aus 26 Episoden bestehende Staffel inhaltlich an den The-New-52- beziehungsweise Rebirth-Runs von Amanda Conner, Jimmy Palmiotti und Chad Hardin orientieren könnte. Auftritte von Poison Ivy und weiteren Schurken (wie eventuell dem Joker) sowie Helden aus dem Bat-Kosmos wurden schon bestätigt.

Zu sehen sein wird die Serie exklusiv auf der neuen DC-Streaming-Plattform von Warner Bros., zu deren Programm ebenfalls die von vielen Anhängern lange erwartete dritte Young-Justice-Staffel sowie eine Titans-Realserie gehören wird. Auf welchem Sender/Streaming-Portal sie hierzulande ausgestrahlt werden wird, ist bislang ebenso wenig bekannt wie der Starttermin

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