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Kritik zu Maquia - Eine unsterbliche Liebesgeschichte: Mama Mia lass mich ziehen

Maquia Header

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Erst Ende 2016 hat die wohl bekannteste Anime-Regisseurin Naoko Yamada mit dem Drama A Silent Voice einen weltweiten Hit gelandet und ihren Ruf in der Industrie zementiert. Doch Frauen an der Spitze von Anime-Produktionen haben es nicht leicht: Im gleichen Jahr sprach sich Studio-Ghibli-Produzent Yoshiaki Nishimura gegen eine Regisseurin für das Kultstudio aus. Das weibliche Geschlecht sei zu realistisch, für das Fantasy-Genre fehle ein idealistischer Ansatz, der sich eher bei Männern finde. Dieser gewagten These stellt sich nun Mari Okada mit ihrem ehrgeizigen Debüt: Maquia - Eine unsterbliche Liebesgeschichte entgegen. Für das bekannte Studio P.A.Works hat die Japanerin alle Fantasy-Register gezogen, die sie finden konnte und hakt Drachen, Elfen und martialische Armeen gekonnt ab. Eine tragische Liebesgeschichte bleibt der Film trotzdem, in dem Genre hat Okada schon als Drehbuchschreiberin vom modernen Klassiker AnoHana – Die Blume, die wir an jenem Tag sahen ihr Können bewiesen.

Wer sich jetzt fragt, ob die Werke der Regisseurin von heimtückischen Geistern deutscher Übersetzer heimgesucht werden: Maquia trägt im Original den ebenfalls komplizierten Namen Sayonara no Asa ni Yakusoku no Hana wo Kazarou. Alle Studenten können aber beruhigt aufatmen: Das ist nicht klausurrelevant. Etwas unkomplizierter kommt die Prämisse des Anime-Streifens daher: Wer schon einmal von Tolkien gehört hat, wird sich in den ersten Minuten bestens orientieren können. Maquia dreht sich um den Clan der Lorph: Blondhaarige, zarte Wesen, die viele hundert Jahre alt werden und dabei so langsam altern wie eine Pop-Diva. Ja, es handelt sich grundlegend um Elfen mit dem Aussehen einer gelungenen Mischung aus Legolas und der Kindlichen Kaiserin aus der Unendlichen Geschichte. Das Völkchen webt ohne Unterbrechung den sogenannten Hibiol, einen durchsichtigen, mystischen Stoff, der den Fluss der Zeit und des Schicksals symbolisiert. Doch die ewige Idylle im malerischen Lorph-Dörfchen hält natürlich nicht lange an.

Lieber Kinozuschauer: Wann haben sie zuletzt ihre Mutter angerufen?

Beim Angriff einer menschlichen Armee werden die Lorph beinahe vollkommen ausgelöscht, nur die namensgebende Maquia überlebt. Weit entfernt von dem einzigen Ort, den sie je Zuhause nennen konnte, findet die Protagonistin schließlich einen Säugling und rettet ihn aus den totenstarren Armen seiner Mutter. Obwohl Maquia körperlich und in ihrem Herzen kindlich ist, beschließt sie den Jungen großzuziehen und nennt ihn Erial. Damit enttarnt der Film die eigene Liebesgeschichte nicht etwa als Romanze, sondern als die Geschichte einer jungen Mutter. Jung ist in dem Fall für eine Lorph natürlich relativ: Schon die Dorfälteste hat Maquia prophezeit, dass die Liebe zu einem Außenseiter tragisch enden werde, da sie einen Menschen dank verlängerter Altersspanne überlebt. Dem Zuschauer wird von Anfang an klargemacht, dass Maquia ihr Kind großziehen kann, aber auch beerdigen muss. Auch der etwas naiven Lorph dämmert dieses Ende, als sie das Kleinkind erstmals in den Armen hält.

Maquia mit ihrem Kind

Diese Prämisse ist, auch über die erste Hälfte hinaus, der Kern des Films. Im Mittelpunkt stehen immer die Nöte, mit denen junge, alleinerziehende Mütter konfrontiert werden. Selbstaufopferung und die Sinnsuche in der Mutterschaft werden mit gekonntem Druck auf die Tränendrüsen transportiert. Abseits von der beinahe unsterblichen Maquia gibt es auch etwas nachvollziehbarere Figuren wie die junge Witwe Mido, die zwei Jungen heranzieht und der Hauptfigur lebenswichtige Erziehungstipps zukommen lässt. An der Stelle hat das Studio sehr sinnvoll auf seine weibliche Regisseurin gesetzt: Die familiären Beziehungen wirken organisch, auch weil Okada eigene Erfahrungen von sich und ihrer belasteten Mutter hat einfließen lassen. Selbst Szenen, in denen Erial als Teenager älter wirkt als Maquia und seine Adoptivmutter hinterfragt, wirken echt und nicht künstlich mit einer ungesunden Portion Schnulze nachgewürzt. Allein die Charakterentwicklung von Maquia selbst mag in diesem idyllischen Zusammenspiel so manchem Zuschauer merkwürdig vorkommen.

Handgemachte Animation in Perfektion

Jahrhundertealte Lorph scheinen nämlich emotional etwas anders zu reifen, als Menschen. Die kindliche Mutter ist über lange Strecken vielleicht ein wenig zu gefühlsduselig, verwirrt und ihrer Rolle einfach nicht gewachsen. Das passt natürlich zu einer Mutter, die nicht vorbereitet und plötzlich aus ihrem Umfeld gerissen wurde, kann aber so manchen Geduldsfaden sicherlich überspannen. Aber erstaunlicherweise bietet der Film noch ganz nebenbei unterhaltsame Handlungsstränge ohne Liebesgeschichte. Maquias Freundin Leila hat das Massaker am Anfang überlebt und soll in Gefangenschaft der angreifenden Armee den Anführer für langlebige Nachkommen heiraten. An der Stelle beleuchtet die Handlung auch das Königreich selbst, was für ausufernde Eroberung und Kolonialismus die letzten Drachen für die Armee versklavt hat. Ein Kommentar, der sicherlich etwas hastig geschrieben wirken kann, aber thematisch passt und gerade in einem Land voller Begeisterung für Militarismus besonders provoziert.

Während der Anime die Erzählung durch die Jahre peitscht, wird diese stets von einer ergreifenden Inszenierung begleitet. Wer einen Trailer gesehen hat, wird wenig überrascht sein, dennoch sei gesagt: Die Animation von P.A.Works ist in den zwei Stunden Laufzeit immer auf einem sehr hohen Niveau. Ob Felder voller mystisch leuchtender Blumen, ein Hund, der im verschlafenen Dorf im Schnee tobt oder eine hypnotische Nahaufnahme der blonden Maquia - jeder Ausschnitt ist thematisch passend gezeichnet. Das Ruder übernahmen dabei einige Veteranen der Industrie, die gleichzeitig viele Neulinge dirigieren. So hat der alteingesessene Toshiyuki Inoue (Ghost in the Shell, Paprika) beispielsweise an mehr als einem Drittel der Einstellungen von Maquia gearbeitet. Viele hundert Layouts davon hat der Animator nur vorgezeichnet, damit jüngere Kollegen davon lernen und diese vollenden konnten. Wichtige Arbeit in einer gefährdeten Industrie, die dringend eine neue Generation heranziehen muss.

Maquia genießt idyllisches Landleben

Fazit

Maquia ist weder eine reine Fantasy- noch eine banale Liebesgeschichte. Ohne zu viel künstlich auf die Tränendrüse zu drücken und tragische Momente zu konstruieren entsteht Drama in dem Anime-Film durch ernste, geerdete Themen. Die Hingabe, mit der sich Mari Okada der alleinerziehenden Mutterschaft widmet, ist an sich schon bemerkenswert, wenn auch nicht vollkommen einzigartig. Es mag von Anfang an sehr klar sein, wohin die Reise geht, doch es ist eine Reise, die es wert ist, angetreten zu werden. Und wer bei der Fahrt aus dem Fenster schaut erblickt Landschaften und Szenarien, die nicht enttäuschen.

Maquia - Eine unsterbliche Liebesgeschichte ist am Donnerstag, 16. Mai, und Sonntag, 19. Mai, deutschlandweit in Lichtspielhäusern zu sehen.

zusätzlicher Bildnachweis: 
© Universum Film

Maquia - Eine unsterbliche Liebesgeschichte - Trailer (deutsch/german; FSK 6)

The Bells - Kritik zu Game of Thrones 8.05

SPOILER

In der vorletzten Episode liefern die Macher von Game of Thrones noch einmal ein optisches Highlight ab. Die Schlacht um King's Landing ist gekommen und erweist sich in Hinblick auf einige Hauptfiguren der Serie als tödlicher als der Kampf gegen den Nachtkönig. Leider offenbart "The Bells" aber inhaltlich so einige Schwächen.

Zwei Seiten einer Medaille

Wer bei Game of Thrones auf die Auswahl der Regisseure achtet, der weiß, wenn der Name Miguel Sapochnik fällt, geht es actionreich zur Sache. Sapochnik ist für fast jede große Schlacht der Serie verantwortlich und vor diesem Hintergrund war es keine Überraschung, dass die Serienmacher auch die Auseinandersetzung um Kings Landing in seine Hände legten. Aus inszenatorischer Sicht hat sich dies auch erneut voll ausgezahlt. "The Bells" ist ein visuelles Highlight selbst für eine Serie, die für hohe Schauwerte bekannt ist. Die Bilder, die der Regisseur auf die Fernsehbildschirme bringt, reißen einfach mit, wobei besonders das Leid der Zivilbevölkerung sehr intensiv eingefangen wurde.

Dummerweise können das Drehbuch und die Entwicklung der Figuren mit den Schauwerten nicht mithalten. Erneut offenbart Game of Thrones seine in den letzten Staffeln entwickelte Schwäche, Dinge über das Knie zu brechen, einfach weil keine Zeit für eine vernünftige Entwicklung vorhanden ist. So verhalten sich Figuren in "The Bells" nicht nur wieder einmal unchrakertisch dumm, es kommt auch zu Entscheidungen, die sich einfach falsch anfühlen beziehungsweise deren amateurhafter Aufbau viel kaputt macht. An erster Stelle wäre da natürlich die Drachenkönigin zu nennen.

Die Akte Daenerys

Dass Daenerys einen gewissen Wahnsinn in sich trägt, wurde im Laufe der Serie immer wieder einmal eingestreut. In Staffel 7 und 8 haben die Autoren die Königin dann zusätzlich eine ganze Reihe von Niederlagen erleiden lassen und zudem zunehmend isoliert. Trotzdem wirkt die Entscheidung, eine ganze Stadt und ihre Bevölkerung niederzubrennen, nicht nachvollziehbar. Zu einem Zeitpunkt, an dem Daenerys die Schlacht gewonnen hat, wird sie plötzlich zu einer Massenmörderin. Hätte es in diesem Moment irgendeinen Auslöser gegeben, wäre die Sache vielleicht etwas glaubhafter gewesen. Letztendlich ist die gesamte Schlacht aber ein einziger Triumph für Daenerys, sodass ihre Entscheidung einfach nur wie ein billiger Schockmoment wirkt.

Vieles davon hätte sich mit einem vernünftigen Aufbau vermeiden lassen. Daenerys wurde sechs Staffeln lang als die Heldin und Retterin für die Zuschauer aufgebaut, nur um sich dann in einer überschaubaren Anzahl von Episoden zu einer wahnsinnigen Königin reduzieren zu lassen. Klar gab es immer wieder Anzeichen, das Umlegen des Schalters kommt aber dann trotzdem zu plötzlich, vor allem weil ihre Tat einfach zu brutal ist. In gewisser Weise lässt sich die Entwicklung mit Anakin Skywalker in den Star-Wars-Prequels vergleichen. Auch da gab es hier und da Anspielungen, am Ende war der Wandel aber nicht wirklich nachvollziehbar, sondern fand einfach nur statt, weil er zu einem bestimmten Punkt passieren musste.

Game of Thrones Staffel 8.05

Mal funktioniert's, mal nicht

Die Entwicklung von Daenerys ist nicht die einzige fragwürdige Drehbuchentscheidung in "The Bells". Auch die Art und Weise wie die Schlacht verläuft, dürfte einigen Zuschauern sauer aufstoßen. Wurden die Harpunen gegen die Drachen in der vergangenen Folge noch als Wunderwaffe präsentiert, haben sie plötzlich überhaupt keinen Effekt mehr. Das Ganze geht soweit, dass die Waffen auf den Burgmauern noch nicht einmal geladen scheinen, wenn Daenerys und Drogo auftauchen. Tatsächlich scheinen die Kämpfer von King's Landing nun genauso unvorbereitet auf den Drachen wie in der vergangenen Woche Daenerys beim Angriff der Iron Fleet. Hier biegen sich die Autoren leider vieles so zurecht, wie sie es gerade brauchen.

Dies gilt auch für Lord Varys, dem ersten namhaften Opfer der Episode. Der Konflikt zwischen Varys und Tyrion rund um die Frage, wem man denn nun Loyalität schuldet, hatte das Potenzial für einen spannenden Handlungsstrang. Da dafür aber die Zeit fehlt, wird Varys abserviert. Der Mann, der über Jahrzehnte im Hintergrund Komplotte schmiedete, ist nun tatsächlich so dumm, sich einfach erwischen zu lassen. Im Gegensatz zu seinem einstigen Kollegen Littlefinger gibt es zudem nicht einmal einen Grund. Bei Littlefinger konnte man argumentieren, dass dieser sich von seiner Liebe zu Sansa blenden ließ. Varys war dagegen überhaupt nicht dazu gezwungen, ausgerechnet zu diesem Zeitpunkt und so sorglos aktiv zu werden. Einzig die Tatsache, dass Game of Thrones nächste Woche endet, sorgte für diese Entwicklung.

Game of Thrones Staffel 8.05

Doppeltes Duell

Zu den optischen Highlights von "The Bells" zählte auch die lang erwartete Konfrontation zwischen Sandor und seinem Bruder Gregor. Die Inszenierung der Auseinandersetzung ist, wie so vieles in der Folge, hervorragend und auch das Ende erweist sich als spektakulär. Auch hier handelt es sich aber wieder mehr um Schein als Sein. So beeindruckend der Kampf ist, so sehr fühlt er sich wie Fanservice an.

Ein Duell der beiden Brüder wurde erwartet, also muss es unbedingt noch in die Folge. Die Entwicklung dahin mag aber nicht so recht überzeugen. Klar, hat Sandor den Hass auf seinen Bruder nie hinter sich gelassen, aber so wirklich spielte dieser für die Figur in den vergangenen Jahren kaum eine Rolle. Warum er unbedingt jetzt seinen Bruder konfrontieren muss, ist daher nicht nachvollziehbar. Immerhin bringt die Folge die Beziehung zwischen Sandor und Arya zu einem runden Abschluss. Die wirklich schöne Abschiedsszene funktioniert aber vor allem, weil sie über einen Zeitraum aufgebaut wurde.

Während das erste Duell zumindest optisch überzeugen kann, ist der zweite Zweikampf leider vollkommen unnötig. Dies beginnt bereits damit, dass Jamie überhaupt versucht, wieder in die Stadt zu schleichen. Dass es ihn am Ende wieder zu seiner Schwester zieht, macht die Figur irgendwie kaputt. Jamie Lannister war ohne Zweifel die Figur, welche die größte Entwicklung in Game of Thrones durchmachte, nur um dann am Ende doch wieder zu seiner Schwester zurückzulaufen. Ähnlich wie bei Arya und Sandor gibt es aber auch für Jamie eine schöne Abschiedsszene, allerdings nicht mit Cersei, sondern seinem Bruder Tyrion. Auch dieser Moment ist sehr gelungen.

Dafür erscheint der Kampf zwischen Jamie und Euron Greyjoy komplett unnötig. Auch ohne seine Verletzungen hätten Jamie und Cersei in den Katakomben den Tod finden können, während vermutlich kein Zuschauer Euron eine Träne nachgeweint hätte, wenn dieser einfach ertrunken wäre. So durfte er noch einen letzten sinnfreien Auftritt absolvieren, in einem Kampf, der weder sonderlich spannend noch irgendwie herausragend inszeniert war.

Game of Thrones Staffel 8.05

Feuer und Asche

Gemeinsam mit Jamie findet auch Cersei kurz vor dem Serienfinale ihr Ende. Allen Fantheorien zum Trotz gibt es am Ende tatsächlich niemanden, der die aktuelle Besitzerin des Eisernen Thrones tötet. Stattdessen ist es die einstürzende Stadt. Das mag vielleicht nicht das große Highlight sein, allerdings war es auch lange Zeit ein Markenzeichen von Game of Thrones, dass nicht jeder Antagonist auch wirklich ein befriedigendes Ende aus Sicht der Zuschauer erlebt. In gewisser Weise geht es zumindest in diesem Punkt zurück an die Wurzeln.

Faktisch unsterblich ist dagegen Arya, zumindest bis zum Serienfinale. Die Szenen der jüngsten Stark in Kings Landing sind in jedem Falle sehr mitreißend und zeigen die Schrecken des Krieges auf extreme Weise. Trotzdem ist es nicht sehr realistisch, was Arya im Laufe der letzten Minuten alles überlebt, vor allem wenn man bedenkt, dass alles um sie herum stirbt.

Fazit

Mit der vorletzten Episode liefern die Macher von Game of Thrones erneut ein optisches Highlight ab. Die Schlacht um Kings Landing ist extrem emotional inszeniert und bietet viele Schauwerte. Leider scheitert die Sache am Drehbuch. Viele getroffene Entscheidungen wirken sehr gewollt. Die fehlende Zeit für eine nachvollziehbare Entwicklung der Figuren, die seit einiger Zeit ein zunehmendes Problem der Serie wird, findet hier ihren negativen Höhepunkt und dürfte die Angst vieler Zuschauer in Hinblick auf ein enttäuschendes Serienfinale noch weiter schüren.

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© HBO

The Last of the Starks - Kritik zu Game of Thrones 8.04

SPOILER

Die Schlacht um Winterfell ist geschlagen, die Menschheit wurde gerettet. Damit ist es nun wieder an der Zeit, sich den alltäglichen Dingen in Westeros zu widmen. Für die Herrschenden bedeutet dies vor allem das titelgebende Game of Thrones, denn in "The Last of the Starks" bringen sich Daenerys und Cersei für den finalen Kampf um den Thron in Stellung. Allerdings sollten beide Frauen Jon Snow aka Aegon Targaryen nicht unterschätzen, denn dessen Geheimnis ist nun keins mehr.

Es wird getrauert und gefeiert

Ähnlich wie in den vergangenen Episoden liegt der Fokus zunächst weiter auf Winterfell. Die Überlebenden der Schlacht gegen den Nachtkönig verabschieden sich von den Gefallenen, wobei deren Zahl zwar sehr eindrucksvoll visualisiert wird, irgendwie aber trotzdem noch vergleichsweise wenig erscheint. Auch dauert die ganze Beerdigungsszene vielleicht etwas zu lang. Gerade vor dem Hintergrund, dass sich die Tode prominenter Charakter doch in Grenzen hielten, geht die Sache den Figuren vermutlich deutlich näher als vielen Zuschauern.

Die anschließende Trauer-/Siegesfeier beginnt im Anschluss auch entsprechend eher verhalten. Besonders am Tisch der Anführer herrscht alles andere als gute Laune. Wie so oft sorgt der fließende Alkohol aber dafür, dass sich dies nach und nach ändert. Mit Ausnahme von Sansa und Daenerys lockert sich die Stimmung bei den meisten Gästen bald. Daenerys kann es zunächst nicht lassen, mit Gendry einen weiteren Schachzug im Spiel um den Thron zu machen, der tatsächlich clever ist. Schließlich wird ihr jedoch erneut vor Augen geführt, dass sie im Norden bei den Popularitätsumfragen weit abgeschlagen hinter Jon rangiert.

Jon hat die Herzen der Menschen im Norden erobert, etwas, das bisher eigentlich Daenerys Markenzeichen war. Seit ihrer Ankunft in Westeros hat sie diese Eigenschaft aber verloren. Sollte die Königin geglaubt haben, dass sie von den Menschen mit offenen Armen empfangen wird, sah die Realität bisher deutlich anders aus. Dass ihr Machtstreben mittlerweile alles andere zu überschatten droht, hilft ebenfalls nicht. Daenerys wurde dem Zuschauer lange Zeit als die positive Alternative für den Thron präsentiert. Seit sie in Westeros aktiv ist, wird aber vor allem ihre dunkle Seite betont. Nicht umsonst zweifeln mittlerweile sogar ihre engsten Berater an ihr.

Game of Thrones Staffel 8.04

Verräterische Gedanken

Der Konflikt zwischen Jon und Daenerys hatte sich mit der Enthüllung von Jons wahrer Herkunft abgezeichnet und nimmt nun Formen an. Hier zeigt sich allerdings wieder einmal, wie leichtgläubig Jon immer noch ist. Für ihn gibt es das Thema nicht, da er Daenerys seine Treue geschworen hat. Selbst der Versuch von ihr, ihm das Gegenteil klar zu machen, scheitert am Ende. Jon agiert hier schon sehr naiv, während Daenerys wieder primär auf ihr Machtstreben reduziert wird. Die einzige Option, die sie ihm für ein Zusammenleben gibt, ist eine mit ihr als Königin und er als ihr Untertan.

In der Folge wird das Geheimnis von Jon noch mehreren Personen enthüllt. Das Zusammentreffen der Starks ist dabei sehr nett inszeniert, schneidet aber leider an dem Punkt, an dem es wirklich spannend wird, weg. Bei Sansa erfährt der Zuschauer zumindest aus ihrer Handlung, wie sie die Sache sieht, im Falle von Arya gibt es zunächst überhaupt keine Reaktion zu sehen. Hier wäre es interessanter gewesen, die Diskussion nach und nicht die vor der Enthüllung zu sehen.

Dass Sansa die Sache nicht für sich behalten wird, war klar und es dauert auch nicht lange, bis sie Tyrion einweiht. Die Folge sind zwei spannende Szenen, die einige Einblicke in die beiden engsten Berater von Daenerys gewährt. Tyrion und Varys zweifeln mittlerweile beide an ihrer Königin, wobei es danach aussieht, als wäre Varys nur zu bereit, die Seiten zu wechseln. Auf der einen Seite macht dies Varys in gewisser Weise zu einer noblen Figur, da er sich nur den Menschen des Landes und keinem Herrscher verpflichtet fühlt. Auf der anderen Seite muss man aber auch festhalten, dass jeder König vermutlich gut beraten ist, sich des Eunuchen schnell zu entledigen, dann dürfte es sich deutlich ruhiger schlafen lassen.

Tyrion nimmt in der Diskussion in gewisser Weise den Platz vieler Zuschauer ein. So ist ihm natürlich nicht verborgen geblieben, dass Daenerys vom Weg abzukommen scheint. Trotzdem ist sie seine Königin, und er bewertet nicht nur ihre aktuellen Handlungen, sondern auch ihr Verhalten in der Vergangenheit. Die Frage, ob sie aber immer noch die richtige Person für den Thron ist, lässt sich aber immer schwieriger mit einem eindeutigen Ja beantworten.

Game of Thrones Staffel 8.04

Kein guter Tag für die Liebe

Beziehungen und das Thema Liebe spielen in "The Last of the Starks" ebenfalls eine große Rolle. Fans von glücklichen Beziehungen oder gar einem Happy End für zwei Liebende sind aber bei Game of Thrones meist an der falschen Adresse. Dies beginnt mit Gendrys Heiratsantrag an Arya, wobei er vermutlich auch der Einzige ist, der sich die jüngste der Starks als Lady eines Hauses vorstellen kann.

Deutlich besser läuft es dagegen zunächst für Jaime und Brienne. Gerade für Fans der beiden ist der Weg ins Bett sehr unterhaltsam inszeniert, und als Jamie erklärt, in Winterfell zu bleiben, will man für einen kurzen Moment an ein Happy End glauben. Aber natürlich sind wir bei Game of Thrones, und dies bedeutet, dass Jamie einfach nicht von seiner Schwester ablassen kann. Um die Sache noch schlimmer zu machen, muss er dann Brienne noch vor Augen führen, was für ein schlechter Mann er ist. Nicht dass am Ende noch jemand glücklich wird in der Serie. Auf der anderen Seite wäre es aber auch komisch gewesen, wenn Jamie bei der finalen Auseinandersetzung um den Thron keine Rolle gespielt hätte.

Das absehbare Liebesaus von Jon und Daenerys haben wir schon angesprochen, mit Missandei und Grey Worm endete aber noch eine weitere Beziehung auf tragische Weise. Dies war spätestens nach dem Gespräch der beiden absehbar, in dem sie ihre Zukunft an einem schönen Strand im Süden geplant haben. Dass es am Ende Cersei und nicht die Untoten für den Tod sorgt, ist an der Sache die einzige Überraschung. Der Versuch von Tyrion, Cersei umzustimmen, ist gut gespielt und inszeniert, zeigt aber noch einmal, dass er seine Schwester immer noch nicht richtig einschätzt. Für sie gibt es nur noch den Thron oder den Tod.

Game of Thrones Staffel 8.04

Eine weitere militärische Katastrophe

Dass "The Last of the Starks" praktisch der Aufgalopp für die finale Schlacht werden würde, war im Vorfeld zu erwarten gewesen. Vor dem Hintergrund hatte man eigentlich nicht wirklich mit großen Verlusten gerechnet. Doch diese gab es überraschenderweise doch. So verliert Daenerys nicht nur ihre treue Beraterin und einen weiteren Teil ihrer Armee, sondern auch ihren zweiten Drachen Rhaegal.

Hier muss man festhalten, dass es langsam schon fast dilettantisch ist, wie Daenerys durch ihre Eroberung von Westeros stolpert. Seit ihrer Ankunft konnte sie mit dem Angriff auf die Lannister-Armee eigentlich nur einen wirklich nennenswerten militärischen Erfolg verzeichnen. Die Schlacht um Winterfell kann man nicht wirklich als Sieg bezeichnen und auch sonst gab es meist nur einen Satz heißer Ohren.

Hier spielt aber auch die Art und Weise, wie die Autoren die Serie schreiben eine Rolle. Daenerys kam mit einer sehr großen Übermacht und drei Drachen nach Westeros, dass der Kampf schon gewonnen schien, bevor es überhaupt losging. Um ein spannendes Finale zu kreieren, mussten die Autoren ihre Macht immer weiter beschneiden. Nur lässt die Art und Weise, wie dieser Zustand herbeigeführt wird, Daenerys und ihre Berater sehr inkompetent erscheinen.

Die Reise nach Kings Landing ist dafür ein gutes Beispiel. Nicht nur ist es jetzt schon das zweite Mal, dass die Iron Fleet eine Flotte von Daenerys aufreibt, die Waffe gegen die Drachen war ihr durchaus bekannt. Schließlich saß sie auf einem der Drachen, als dieser von einem Pfeil getroffen wurde. Dass der Gegner eventuell mehr von einer Waffe bauen könnte, die sich als effektiv gegen Drachen erwiesen hat, scheint aber niemand bedacht zu haben. So verliert Daenerys erneut einen Teil ihrer Armee, noch bevor die Schlacht überhaupt begonnen hat.

Frühzeitige Abschiede

Abschied nehmen bedeutet in Game of Thrones aber zum Glück nicht nur den Tod von Figuren. In "The Last of the Starks" scheint auch der Abschied für Tormund gekommen, dessen Überleben der Schlacht um Winterfell schon irgendwie überrascht. Auch Ghost hat die Schlacht überlebt und darf nun gemeinsam mit den Wildlingen in den Sonnenuntergang ziehen. Für Sam und Goldy scheint es ebenfalls ein Happy End zu geben. Auch hier wirkte es schon fast wie ein Abschied von den Figuren.

Bronn scheint ebenfalls mehr keine große Rolle zu spielen. Dieser hatte bisher nur zwei Kurzauftritte in der Staffel, wobei die gesamte Storyline um ihn ohnehin sehr konstruiert wirkt, nach dem Motto "So hat er irgendetwas zu tun". Letztendlich gab es keinen großen moralischen Konflikt oder überhaupt nur einen Konflikt. Bronn lässt sich einfach besser bezahlen und verschwindet. Damit bleibt die Figur sich zumindest treu, den Handlungsstrang an sich hätte man sich aber auch sparen können.

Fazit

Die Schlacht um Winterfell mag geschlagen sein, Zeit zum Atemholen gibt es in Game of Thrones aber trotzdem nicht. Verluste, Intrigen und viele Emotionen sorgen in "The Last of the Starks" für hochgradig spannende Unterhaltung. Noch zwei weitere Folgen stehen aus, bis der Kampf um den Eisernen Thron entschieden ist.

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© HBO

The Long Night - Kritik zu Game of Thrones 8.03

SPOILER

Die Schlacht um Winterfell ist endlich gekommen. In der dritten Episode von Staffel 8 stellt sich die Armee der Menschen dem Nachtkönig in einem verzweifelten Kampf um das Überleben. Im Vorfeld als die größte Schlacht von Game of Thrones angepriesen, liefert "The Long Night" 80 Minuten pure Spannung, actionreiche Unterhaltung, überraschend ruhige Momente aber auch einige nicht nachvollziehbare Entscheidungen.

Ein Überraschungsgast

Trotz der Tatsache, dass die Armee der Toten am Ende der letzten Episode vor den Toren Winterfells angekommen ist, benötigt "The Long Night" gute zehn Minuten, bis die Schlacht tatsächlich beginnt. Einer der Gründe dafür ist die Rückkehr von Melisandre, die sich die Sache natürlich nicht entgehen lässt. Für alle, die sich gefragt haben, wo die Priesterin eigentlich steckt, gibt es nun die Antwort. Anscheinend war sie immer noch in der Gegend und hat auf den Moment gewartet, ab dem die Kämpfer rund um Winterfell einfach keine Möglichkeit mehr haben, ihre Hilfe abzulehnen.

Gleich zu Beginn ist Melisandre für eines der optischen Highlights der Folge verantwortlich. Das Entzünden der Schwerter sorgt direkt für Gänsehaut, auch wenn es sich am Ende als vollkommen nutzlos erweist. Deutlich wichtiger sind dagegen ihre beiden folgenden Auftritte. So verschafft sich nicht nur der Armee in Winterfell eine dringend notwendige Atempause, sie gibt Arya auch eine wichtige Motivationsrede. Den Zuschauern geht es vermutlich in vielen Fällen ähnlich wie Ser Davos, so wichtig die Hilfe ist, vergeben hat man Melisandre für Shireen nicht. Doch erledigt sich das Thema am Ende quasi von selbst, wobei es erneut Ser Davos ist, der den letzten Moment (inklusive ihres Geheimnisses) der Frau sieht, die sein Leben so sehr beeinflusst hat.

80 Minuten Hochspannung

Mit dem Angriff der Dothraki beginnt der Kampf rund um Winterfell und dieser lässt einem praktisch keine ruhige Minute. Regisseur Miguel Sapochnik, der auch schon für die Schlacht der Bastarde verantwortlich war, schafft es, dass der Puls sich fast die gesamte Laufzeit der Folge im beinah ungesunden Bereich bewegt. Immer wieder macht er den Zuschauern Hoffnung auf ein gutes Ende, um dann einen deprimierenden Rückschlag folgen zu lassen. Die Dothraki haben Feuerschwerter – die Dothraki sind nicht mehr – die Drachen greifen ein – ein Schneesturm wirft alles über den Haufen – Melisandre sichert den Rückzug – die Armee der Toten durchbricht die Feuerbarriere – Jon hat den Nachtkönig gestellt – dieser erschafft eine noch größere Armee. Es geht geht ständig hin und her.

Game of Thrones Staffel 8.03

Interessant ist auch, dass Sapochnik das Chaos einer solchen Schlacht perfekt einfängt. Vor allem als die Mauern von Winterfell fallen, haben nicht nur die Kämpfer schließlich vollkommen den Überblick verloren. Keiner weiß mehr so wirklich, wer noch lebt und vor allem wer zu den Guten oder Bösen gehört. Es geht nur noch um das nackte Überleben, was einfach extrem wirkunsvoll inszeniert wurde. Dabei spielt auch die Tatsache eine Rolle, dass die Sichtverhältnisse nur bedingt gut sind. Als Zuschauer wünscht man sich mitunter ebenso wie die Kämpfer einen etwas klareren Blick auf die Geschehnisse. Hier muss man allerdings festhalten, dass das Nachtsetting deutlich mehr Tricksereien und damit Kostenersparnisse erlaubt. So gut Game of Thrones ist, mit einem Blockbuster-Budget war "The Long Night" leider nicht ausgestattet.

Die ruhigen Momente

Trotz der Action und der extremen Spannung bietet die Episode auch ein paar ruhige und vor allem sehr schöne Momente. Besonders Tyrion und Sansa haben mehrere tolle Szenen miteinander und nicht nur Tyrion stellt sich die Frage, was aus den beiden hätte werden können.

Auch für Theon gibt es trotz bevorstehender Schlacht die Möglichkeit, sich noch einmal bei Bran zu entschuldigen. Diese Szene ist ebenfalls schön inszeniert, vor allem in Kombination mit dem Ende des Greyjoy. Theons Reise der Wiedergutmachung endet in Winterfell und, was noch wichtiger ist, Bran sagt tatsächlich ein paar nette Dinge. Vor allem die letzten Worte, die er an seinen Leibwächter richtet, sind mittlerweile schon fast uncharakteristisch freundlich für den letzten lebenden Sohn von Ned Stark und gerade deshalb aber auch der perfekte Abschied für Theon.

Ein Plan fällt auseinander

Obwohl "The Long Night" mit seiner Spannung und seiner Action komplett überzeugen kann, ein paar Probleme hat die Episode doch, die sich am ehesten mit unnachvollziehbaren Entscheidungen der Figuren beschreiben lassen. Schon in der letzten Kritik haben wir angesprochen, dass der Schlachtplan der Armee, nett ausgedrückt, sehr lückenhaft ist. Und am Ende muss man festhalten, dass der Kampf tatsächlich nicht aufgrund überlegener oder auch nur ansatzweiser durchdachter Taktik gewonnen wurde. Schon in der Schlacht der Bastarde wurde angesprochen, dass es eine extrem dumme Idee ist, mit einer unterlegenen Armee einen Kavallerieangriff zu starten. Das hätte damals auch beinah zum Ende von Jon Snow geführt.

Was wurde daraus gelernt? Absolut nichts, denn der Kampf gegen den Nachtkönig wird exakt auf dieselbe Art und Weise eröffnet. Für den langfristigen Konflikt ist das durchaus nachvollziehbar, denn so bekommen die Autoren die Dothraki noch vor dem Kampf mit Cersei vom Schachbrett, aber wirklich Sinn machte dies nicht. Auch Ghost bei der Sache mitmachen zu lassen, erscheint mehr als fragwürdig. Das Schicksal des Wolfes blieb am Ende aber zumindest offen.

Der Tod der Dothraki sorgt dafür, dass Daenerys den ohnehin schon nicht sonderlich komplexen Plan über den Haufen wirft. Auch hier werden Erinnerungen an Die Schlacht der Bastarde wach. Damals war es Jon, der aufgrund seiner Emotionen alle Pläne in den Wind schlug. In der Folge regieren Chaos und Improvisation, bis der Nachtkönig seine Trumpfkarte zieht und eine neue Armee aus dem Boden stampft.

An der Stelle wird den Figuren der Serie dann auch etwas klar, was viele Zuschauer vermutlich schon letzte Woche vorhergesehen haben. Frauen und Kinder an einem Ort voller Toter zu verstecken, wenn der Anführer der gegnerischen Armee Tote beschwören kann, ist ebenfalls eine sehr dumme Idee. Immerhin kommen die Menschen in der Krypta noch relativ glimpflich davon.

Game of Thrones Staffel 8.03

Wen hat's erwischt?

Über die Jahre hat sich Game of Thrones den Ruf erworben, eine Serie zu sein, die beliebte Figuren regelmäßig über die Klinge springen lässt. Besonders in den letzten beiden Staffeln ging der Blutdurst der Autoren aber etwas zurück, was viele Fans jedoch nicht davon abhielt, das Schlimmste für ihre Lieblingsfiguren zu befürchten. Am Ende lässt sich festhalten, dass die Opferzahl der Schlacht um Winterfell zwar extrem hoch ist, von den wichtigsten Figuren aber erstaunlich viele überleben.

Der namenhafteste Tod dürfte neben Theons Ableben sicherlich der von Ser Jorah sein, der ähnlich wie Theon aber ein würdiges Ende bekommt. Jorah ist seit Jahren in Daenerys verliebt, und wenn er sich einen Tod hätte wünschen dürfen, dann sicherlich diesen. Ansonsten erwischt es mit Dolorous Edd, Lyanna Mormont und Beric Dondarrion einige Nebencharaktere, von denen der Verlust der jungen Lyanna viele Zuschauer vermutlich noch am härtesten trifft. Dafür durfte Lady Mormont aber zumindest noch einen Riesen ins Jenseits befördern.

"The Long Night" bedeutet zudem das Ende für den Nachtkönig. Dieses war zu erwarten, der Weg dahin ist aber mehr als befriedigend. Der Kampf auf den Drachen und der Flammenangriff von Drogo gehören zu den Highlights der Folge. Dass am Ende Arya den finalen Stich setzt, macht für die Figur durchaus Sinn, auch weil es nicht total vorhersehbar war. Zudem ist ihr Angriff extrem cool in Szene gesetzt.

Auch zuvor darf Arya mehrfach zeigen, was sie drauf hat und steht doch beinah selbst vor dem Ende. Die Szene in der Bibliothek wirkt allerdings etwas deplatziert. Mitten im Schlachtgetümmel gibt es plötzlich diesen Moment des stillen Horrors, der sehr gewollt scheint. Auch die Tatsache, dass die Untoten auf einmal sehr bedacht vorgehen und nicht wild durch den Raum rennen, will nicht so recht passend. Dass dann auch noch Melisandre aus dem Nichts auftaucht, macht es nicht unbedingt realistischer. Im Gesamtwerk ist dies aber nur ein kleiner Minuspunkt.

Fazit

"The Long Night" ist das actionreiche Highlight der 8. Staffel von Game of Thrones, das man sich erhofft hatte. Die Schlacht ist ungemein spannend inszeniert, bietet viele Momente, bei denen der bei denen der Puls desöfteren in die Höhe schnellt und endet mit einem befriedigenden Tod des Nachtkönigs. Rein logisch ist nicht immer alles perfekt, aber das lässt sich durchaus verschmerzen.

Kritik zu Avengers: Endgame - Das große Finale der Marvel-Helden

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Avengers 4 Endgame

Es sind wenige Filme und Serien, die so etwas wie eine echte Spoiler-Panik auslösen. Game of Thrones und Star Wars: Episode VIII gehören definitiv auf die Liste, und in diesem Jahr hat sich auch Avengers: Endgame dazu gesellt. Das macht eine Kritik natürlich etwas schwierig, weil man nicht über etwas schreiben kann, ohne irgendetwas zu erwähnen. Aus diesem Grund stellen wir ein total spoilerfreies Fazit an den Anfang dieser Kritik. Dies bedeutet aber nicht, dass wir im späteren Verlauf krass spoilern. Die Kritik ist nach unseren Maßstäben immer noch frei von relevanten Spoilern, die sich auf den Unterhaltungswert des Films auswirken. Wer aber absolut gar nichts wissen möchte, der sollte nach dem Fazit aufhören.

Fazit

Avengers: Endgame bringt über zehn Jahre des Marvel Cinematic Universe zu einem beeindruckenden Höhepunkt. Nach einem leicht zähen Anfang nimmt der Film an Fahrt auf und erzählt eine Geschichte, die beinah schon eine Liebeserklärung an das Geschaffene von Marvel und seine Fans gesehen werden kann. Marvel-Fans dürften voll auf ihre Kosten kommen und erhalten drei Stunden voller Action, Emotionen und Gänsehautmomente. Wenn auch nicht fehlerfrei erzählt, bietet Endgame eine tolle Geschichte, die Phase 3 zu einem gelungenen Ende bringt.

Ab hier beginnt die Kritik!

Neue Hoffnung

Die Avengers wurden besiegt, und Thanos konnte mit dem Schnippen eines Fingers die Hälfte allen Lebens im Universum auslöschen. Die versprochene Balance hat sich allerdings nicht eingestellt. Fünf Jahre nach den Geschehnissen in Infinity War ist nicht nur die Menschheit in einer tiefen Depression versunken, sondern auch die Bewohner vieler anderer Planeten. Viele Menschen versuchen immer noch, den Verlust zu verarbeiten, kommen dabei aber kaum voran. Auch das Team der Avengers hat sich deutlich verändert, wenn auch keiner wirklich einen Plan hat, um die Taten von Thanos ungeschehen zu machen. Dies ändert sich, als eines Tages Scott Lang aka Ant-Man auf der Türschwelle des Avengers-HQ auftaucht. Scott bringt tatsächlich so etwas wie Hoffnung, und so setzen die Avengers alles auf eine letzte Karte.

Avengers Endgame

Mit über 180 Minuten Laufzeit liefert Marvel mit Avengers: Endgame ein echtes Brett. Trotzdem fühlt sich der Film nie zu lang an. Lediglich nach dem Prolog gibt es eine kleine Phase, in die Handlung sich etwas zäh anfühlt. Ansonsten lässt sich festhalten, dass da auch durchaus die eine oder andere Minute mehr drin gewesen wäre. Dies zeigt sich besonders bei den Charakteren. Im Mittelpunkt steht vor allem das Umsetzen des Plans, was dazu führt, dass viele Konflikte, für die durchaus Wurzeln gelegt wurden, entweder durch das klassische „Zeit heilt alle Wunden" oder einfach mal fix mit einer Umarmung gelöst werden. Besonders auffällig ist dies bei Hawkeye, der zunächst einen sehr dunklen Pfad einschlägt, was im späteren Verlauf dann aber kaum noch relevant ist.

Eine Ausnahme bildet Thor, der als einzige Figur einen nennenswerten Charakterarc hat, der zudem auch gut funktioniert. Hier ist es ein großer Vorteil, dass Marvel es mit seiner Geheimniskrämerei beinah schon fast übertrieben hat. Der eine oder andere Avenger befindet sich doch an einem Punkt, an dem man ihn aufgrund der gezeigten Trailer nicht unbedingt erwarten würde. Nicht jede Entscheidung ist da immer wirklich gut ausgefallen, trotzdem punktet Marvel hier mit ein paar Überraschungen.

Natürlich kommen auch Captain America und Iron Man nicht zu kurz. Sowohl Chris Evans als auch Robert Downey Jr. dürfen noch einmal zeigen, warum sie in den vergangenen Jahren die beiden Eckpfeiler des MCU waren. Es wird sich zeigen, ob Figuren wie Captain Marvel oder Black Panther in ihre Fußstapfen treten können. Besonders Carol Danvers ist tatsächlich eine kleine Enttäuschung in Endgame. So überspringt die Handlung leider komplett das erste Aufeinandertreffen von Captain Marvel und den Avengers. Die Abspannszene aus dem ersten Solofilm der Heldin ist alles, was es zu diesem Thema zu sehen gibt.

Avengers Endgame

Der Plan

Der Großteil des Films dreht sich um den Plan der Avengers, Thanos doch noch ein Schnippchen zu schlagen. Hier ist die Spoiler-Thematik am schwierigsten. Grundsätzlich haben sich die Kreativen rund um die Autoren Christopher Markus und Stephen McFeely und die Regisseure Anthony und Joe Russo einen wirklich charmanten Weg einfallen lassen, der jede Menge Herz hat und vielen Fans von Marvel einiges an Spaß bereiten dürfte. Dabei ist die Idee aber auch nicht das Non-Plus an Kreativität, und so mancher Fan hat den generellen Plan schon kommen sehen. Am Ende kommt es aber auf die Umsetzung an, und die ist nicht nur wirklich gut gelungen, sie bringt auch erneut einige schöne Überraschungen.

Im Gegenzug ist das Finale des Films etwas straffer als beispielsweise bei Infinity War (zumindest gefühlt, in der Pressevorführung waren wie üblich keine Handys erlaubt). Hier kommt man relativ schnell zum Punkt, vergisst aber auch nicht einer Reiher wirklich schöner Momente einzubauen. Auch die Epik wird nicht vergessen, und wenn es tatsächlich zum Finale kommt, dürfte so mancher Marvel-Fan Gänsehaut bekommen.

Die Akte Thanos

Einer der großen Pluspunkte von Infinity War war sicherlich Thanos. Selbst unter CGI begraben sorgte Josh Brolin dafür, dass das dritte Avengers-Abenteuer einen der besten Gegenspieler im MCU hatte. Endgame kann an diesen Punkt leider nicht anknüpfen. Hier erweist sich Thanos dann leider doch nur als, zugegeben sehr hohe Hürde, die es irgendwie zu überspringen gilt. Auch von seinen Nuancen ist nicht mehr viel übrig, was wirklich schade ist. Thanos entwickelt sich dann doch nur zum Stereotypen, wie man ihn schon so oft in den MCU-Filmen gesehen hat. Klar, die Art und Weise, wie die Geschichte aufgebaut ist, macht ein anderes Vorgehen auch eher schwierig. Das ändert aber an der Tatsache wenig, dass Thanos in Endgame nur noch ein Mittel zum Zweck und kein Highlight des Films ist.

Avengers Endgame

Trotz weniger Thanos bleibt Endgame aber trotzdem vollgepackt. Wer schon in Infinity War mit den Figuren und den Hintergründen rund um das MCU seine Probleme hatte, der dürfte auch mit Endgame nur wenig Spaß haben. Genau das Gegenteil gilt allerdings für alle Fans, die genau das wollen. Endgame fühlt sich in Stellen ähnlich überladen an wie Infinity War, und wie beim Vorgänger funktioniert es trotzdem irgendwie, wenn man mit dem MCU vertraut ist. Wer allerdings schon bei Avengers 3 seine Probleme hatte, der dürfte auch bei Endgame nicht froh werden. Der vierte Avengers ist ein sehr komplexes Biest, das man sicherlich mehrfach sehen sollte.

Was bringt die Zukunft?

Eine interessante Frage, die sich nach dem Ende des Films zudem stellt ist, wohin die Reise nun für das MCU geht. Denn hier liefert Endgame kaum Antworten. Der Film versteht sich tatsächlich als Endpunkt für die bisherigen drei Phasen des MCU, ohne wirklich einen Ausblick zu bieten. Lediglich bei den Guardians bekommt der Zuschauer einen kleinen Ausblick darauf, wohin die Reise im dritten Solofilm gehen könnte, ansonsten bleibt alles sehr vage.

Die Verantwortlichen von Marvel betreiben also selbst in Endgame immer noch ein großes Maß an Geheimniskrämerei. Dies geht sogar soweit, dass man tatsächlich auf die Abspannszene verzichtet (zumindest gab es in der Pressevorführung keine zu sehen). So dürfte es vermutlich bis nach dem Kinostart von Spider-Man: Far from Home dauern, der als Epilog von Phase 3 fungieren soll, bevor die Fans etwas Konkretes über die Zukunft des MCU erfahren.

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A Knight of the Seven Kingdoms - Kritik zu Game of Thrones 8.02

SPOILER

Nachdem sich die meisten Figuren aus Game of Thrones zum Staffelauftakt in Winterfell versammelt haben, beginnt in "A Knight of the Seven Kingdoms" nun das Warten auf die Armee der Untoten. Die zweite Episode der finale Staffel bietet keine Action und besteht fast ausschließlich aus Charaktermomenten. Trotzdem vergeht die Zeit wie im Flug, und es kommt zu keinem Moment Langeweile auf.

Die Konflikte

Der Auftakt beginnt zunächst konfliktreich. Sansa, Daenerys und Jon müssen entscheiden, wie sie mit Jamie verfahren. Hier muss man zugeben, dass die Sache im Vorfeld etwas problematischer aufgebaut wurde, als es am Ende ist. Trotz der vielen Verfehlungen in Jamies Leben reicht die Aussage von Brienne, um Sansa umzustimmen. Jon bleibt dagegen seinem pragmatischen Vorgehen treu und akzeptiert weiterhin jede Person, die gegen die Untoten kämpfen möchten. Danach ist Daenerys gewissermaßen überstimmt.

Der Einzige, der an der Sache noch etwas hätte ändern können, ist vermutlich Bran. Dieser bleibt jedoch, wie zu erwarten war, stumm. Zudem sorgt dies für eine nette Szene zwischen Bran und Jamie im späteren Verlauf der Folge, bei der sich der Lannister bei dem jungen Mann entschuldigt und noch einmal beweist, wie sehr er sich verändert hat.

Nach dem eher frostigen Auftakt zwischen Sansa und Daenerys versucht Letztere anschließend, die Kluft zwischen den beiden Frauen etwas zu schließen. Dies gelingt ihr zunächst auch auf nachvollziehbare Weise. Beide haben durchaus einige Dinge gemeinsam, was sich dann aber auch als die große Krux zwischen ihnen erweist. Sowohl Sansa als auch die Daenerys wollen sich niemandem unterordnen, und so ist ihre größte Gemeinsamkeit auch gleichzeitig der Punkt, der sie vermutlich in einen unausweichlichen Konflikt treiben wird.

Aber auch zwischen Daenerys und Jon geht es in "A Knight of the Seven Kingdoms" etwas frostig zu. Der König des Nordens weiß zunächst nicht, wie er seiner, nennen wir es Freundin seine kürzlich erworbenen Kenntnisse in Hinblick auf seine Herkunft erklären kann. Seine Lösung ist, ihr erst einmal aus dem Weg zu gehen. Am Ende nutzt er den ungünstigsten Zeitpunkt überhaupt für die Enthüllung, denn die Armee der Untoten ist kurz davor, an die Tore von Winterfell zu klopfen.

Game of Thrones Staffel 8.02

Für den Aufbau eines weiteren kommenden Konflikts reicht es aber doch. Selbst in ihrer Überraschung und ihrem Unglaube zieht Daenerys sofort den richtigen Schluss in Hinblick auf Jons Thronanspruch. Diese Aussage lässt Jon allerdings deutlich aufhorchen, da Daenerys sofort an ihre Macht und die Auswirkungen auf den Kampf um den Thron denkt. Jon hat ihr jedoch damals die Treue geschworen, weil sie anders als die bisherigen Herrscher sein wollte. Nach den Aussagen von Sam in der letzten Woche ist dies nun schon das zweite Mal, dass Jon klar gemacht wird, dass der Thron die erste Priorität bei Daenerys genießt und sich alles andere unterordnen muss.

Ein letzter Abend

Auch wenn die Episode ein paar Konflikte weiterspinnt, nehmen diese im Vergleich zur Gesamtlaufzeit nur relativ wenig Zeit ein. Den Hauptteil der Episode verbringt der Zuschauer mit verschiedenen Figuren, die sich noch eine letzte Nacht vor der finalen Schlacht gönnen. Es zeigt, wie sehr einem die Figuren von Game of Thrones ans Herz gewachsen sind, dass trotz der Tatsache, dass eigentlich relativ wenig passiert, zu keinem Zeitpunkt Langeweile aufkommt. Die Autoren haben so viele schönen Szenen geschaffen, man möchte sie fast schon verfluchen. Denn sind wir mal ehrlich, es dürften doch einige von den Figuren in der kommenden Woche über die Klinge springen.

Ein Highlight der Episode ist natürlich der Ritterschlag für Brienne of Tarth. Der Moment selbst, Jamie als derjenige, der den Ritterschlag vornimmt und die emotionale Reaktion von Brienne: Einfach alles an der Szene ist perfekt. Generell ist die Gruppe vor dem Feuer wunderbar zusammengestellt, und es fast schon schade, dass man nur Ausschnitte aus der Unterhaltung zu sehen bekommt. Auf der anderen Seite würde man sonst eine ganze Reihe von anderen tollen Momenten verpassen, wie das Aufeinandertreffen der Mormont-Cousins, die Wiedervereinigung der ehemaligen Nachtwachen-Mitglieder, die Übergabe des Schwertes von Sam an Ser Jorah, um nur einige zu nennen.

Trotz der düsteren Stimmung haben die Autoren zudem den Humor nicht vergessen. "A Knight of the Seven Kingdoms" bietet eine ganze Reihe von Szenen, die einen laut lachen lassen. So wird die Folge nie wirklich deprimierend, auch wenn der Untergang anscheinend bevorsteht.

Game of Thrones Staffel 8.02

Der Kampf gegen die Untoten

Trotz der anrückenden Armee wird nur ein kurzer Moment der Folge der tatsächlichen Schlachtplanung gewidmet. Während der Planung enthüllt Bran auch das Ziel des Nachtkönigs, das jetzt aber nicht sonderlich kreativ ausfällt. Wenn die Showrunner im Vorfeld der Serie in Interviews betonen, dass der Anführer der Armee der Untoten ein bestimmtes Ziel verfolgt, das in den finalen Folgen enthüllt wird, dann hat der Zuschauer natürlich eine Erwartungshaltung. Einfach alle Menschen umbringen, ist dann eine kleine Enttäuschung, weil das aus seinen bisherigen Handlungen ohnehin klar war.

Auch der Plan, wie man ihn stoppt, fällt bisher nicht unbedingt komplex aus. Zudem stellt sich die Frage, warum der Nachtkönig überhaupt einen Solo-Angriff auf Bran riskieren sollte. Wenn seine Armee ohnehin total überlegen ist, könnte er sich einfach zurücklehnen und abwarten, bis alle Menschen tot sind. Anschließend lässt sich Bran immer noch finden, vor allem, da er ja ohnehin immer weiß, wo der junge Stark ist. Aber gut, vielleicht wird der Plan im Laufe der Schlacht noch etwas nachvollziehbarer. Diese verspricht in jedem Falle einiges an Spannung.

Game of Thrones Staffel 8.02

Fazit

Vor dem großen actionreichen Highlight der finalen Staffel von Game of Thrones, nimmt sich die Serie noch einmal eine Folge Zeit, um Atem zu holen. "A Knight of the Seven Kingdoms" ist ein Highlight für alle Fans der Serie, denen die Figuren in den vergangenen Jahren ans Herz gewachsen sind. Es reiht sich ein toller Moment an den nächsten und in gewisser Weise beginnt damit auch gleichzeitig das Abschiednehmen. Vier Folgen haben wir noch.

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Star Trek: Discovery - Kritik zum Finale der 2. Staffel

SPOILER

Star Trek Discovery 214.jpg

Star Trek: Discovery 2.14

Woha, in Star Trek: Discovery 2.14 ist einiges los. Mit reichlich Action bringt “Süße Trauer - Teil 2” die Handlung der zweiten Staffel im Finale zu Ende.

Star Wars: Discovery

Ohne Atempause schließt die Episode unmittelbar an ihren Vorgänger an. Die von Control kontrollierten Sektion-31-Schiffe befinden sich im Angriff, es herrscht roter Alarm an Bord der Discovery und der Enterprise. In letzter Minute wird der Rote-Engel-Anzug gedruckt und in Gemeinschaftsarbeit zusammengeschustert (wer fühlt sich noch an große Gruppenprojekte in Schule/Uni erinnert?). Zeit zur Kontrolle bleibt nicht. Ja hättet ihr mal davor nicht so ewig mit Verabschiedungszenen rumgedödelt. Überhaupt habe ich irgendwann ernsthaft laut den Fernseher mit “IHR HABT DOCH KEINE ZEIT, VERDAMMT!” angebrüllt.

Optisch ist auch Teil 2 von “Süße Trauer” eine Pracht, zudem kunstvoll die reichliche Action von Regisseur Olatunde Osunsanmi inszeniert. Allerdings wirkt diese Art der großen Raumschlacht bei Star Trek ein wenig fremd. Nicht, dass es keine Raumschiffschlachten geben würde. Aber die Vielzahl an Kampffliegern (wer steuert die eigentlich auf der Nicht-Control-Seite?) und auch die drolligen Dot-7-Reparaturroboter erinnern doch deutlich mehr an Star Wars oder Battlestar Galactica.

Aber keine Frage, fürs Auge und Spacebattle-Liebhaber wurde kräftig aufgefahren. Es gilt das alte Mantra: Nur nicht nachdenken!

Zurück in die Zukunft

Die Auflösung, dass Burnham-Roter-Engel die bisherigen Signale gar nicht aus der fernen Zukunft, sondern im letzten Moment noch aus der Disco-Gegenwart als Hinweis quasi an sich selbst schickt, ist gut gelöst. Praktisch, dass der Rote-Engel-Anzug schon fast computerspielhaft eine Bremse eingebaut hat: Du musst erst all diese Quests erledigen, bevor die Karte sich erweitert.

Allerdings hätte mir das Gespräch zwischen Spock und Michael völlig gereicht, das nochmalige Anschneiden jeder einzelnen Erscheinung nimmt unnötig viel Raum - und Zeit - ein. Die Signale waren ständiges Thema in der kompletten Staffel und kein weit zurückliegendes Konzept, das noch einmal aufgefrischt werden muss.

Als klar wird, dass Spock zurückbleibt, ist der Charaktermoment für Burnham und ihn zwar mit Blick auf seine Zukunft ein schöner - aber gerade hier mit dem tobenden Kampf im Hintergrund, bei dem es jede Sekunde um Leben und Tod geht, habe schon ich als Zuschauer keine Geduld für lange Abschiedsworte. IHR HABT KEINE ZEIT, EY!

Hilfe in der Not

Unter der sicheren Führung von Captain Pike ist man an Bord der Enterprise erbittert dran, unter höchstem Risiko die Discovery zu schützen und die Mission zu einem Erfolg werden zu lassen. Obwohl es zwischenzeitlich anders aussieht, hält sich der Schaden an Mensch und Maschine am Ende in Grenzen. Zum Glück, immerhin wurde das Schiff sehr liebevoll gestaltet und die Besatzung braucht man noch.

Außer Admiral Cornwell, die ja zwischenzeitlich ohne Erwähnung auch spontan über zwei Folgen hinweg einfach wegfallen kann. Logischer Schritt, dass sie sich opfert. Von diesem sicheren Tod sollte es diesmal wirklich kein Zurückkommen geben. Auf einmal ist das sicher besiegelte Schicksal von Captain Pike durch den Zeitkristall auch nur noch eine mögliche Zukunft - aber immerhin hat er ausgesprochen, was ich mir schon zuvor dachte: Lasst ihn doch die Sache mit der Bombe regeln, der stirbt erst später irgendwann mal.

Der dickste Brocken jedoch ist das Auftauchen von gänzlich unerwarteten Mitstreitern. Einmal, weil diesmal bei Star Trek alles nach Orville schreit statt sonst wie meist andersherum. Zum anderen aber viel mehr: In der vergangenen Episode hatte man noch ungefähr eine Stunde Zeit bis zum Eintreffen von Control. Beziehungsweise am Ende, an dem sich Tyler aufmacht, nur noch wenige Minuten. Nun ist es ihm gelungen, in kürzester Zeit sich per Shuttle in klingonisches Gebiet aufzumachen, die Kanzlerin zu finden und sie vom Einsatz zu überzeugen? Alleine die Logistik! Ganz von den politischen Turbulenzen abgesehen. Hieß es gerade nicht noch, dass Tyler und das Baby als tot gelten und das ungemein wichtig für die Anerkennung von L’Rell als Herrscherin ist? Nun steht Tyler neben ihr auf der Brücke eines klingonischen Kriegsschiffes und grölt fröhlich klingonische Kampfrufe aus. Ooookay.

Der Konflikt zwischen den Ba’ul und den Kelpianern auf Kaminar liegt auch noch nicht so lange zurück. Da musste sich ein kompletter Planet mit zwei Völkern neu strukturieren und nach Jahrhunderten der gegenseitigen Nahezu-Ausrottung irgendwie klarkommen. Nun fliegt Sarus Schwester Sirannah, bislang technologiefrei aufgewachsen, einen Kampfflieger der Ba’ul zusammen mit den “Kriegern von Kaminar”. Nagut, Saru lernete ja auch schnell. Aber auch hier gilt: Wie kommen die überhaupt so schnell zur Discovery?

Hauptsache es gibt auf’s Maul

So. Also. AI-Leland gelingt es,  in einem Moment schwacher Schilde auf die Discovery zu beamen. Zur Freude von Georgiou und Nhan, die ihm in den Hintern treten wollen. Aus welchen Gründen auch immer meinen sie, gegen Nanobot-Leland klar zu kommen. Und irgendwie kann man die Spheren-AI nun doch verstecken. Und ohne weitere Erklärung weiß Georgiou, dass die Sporen gegen die Nanobots helfen. Hauptsache vorher viel zu lange unnötige Nahkampfszenen einbauen. Egal.

Also es reicht, dass AI-Leland als besiegt angesehen wird, damit sich auch der Rest erledigt und es ist kein Problem, dass die Bots noch an Bord der Discovery sind, die in die Zukunft fliegt. Wo man sich eigentlich vor dem Zugriff von Control verstecken will, weil das da nicht hinkommt. Nun nehmen sie es ja schon irgendwie mit -  so gut kannten sie sich mit Control ja nun nicht aus, um völlig auszuschließen, dass noch eine Gefahr droht. Mal ganz davon ab: Wenn Control als besiegt gilt, warum überhaupt noch in die Zukunft fliehen? Das war doch der einzige Grund.

Aber schön zu sehen, dass nicht nur die kleine Brückenbesatzung weiterhin Crew der Discovery ist. Als man den verletzten Stamets in die Krankenstation bringt, sieht man zahlreiches weiteres Personal, unter anderen Doctor Pollard. Und auch Hugh Culber hat sich besonnen. Er will doch nicht auf die Enterprise (Narr!) und überschüttet seinen Hugh mit liebevollen Worten von Heimatgefühlen, solange man zusammen sei.

Überhaupt ist ein positiver Aspekt der beiden Finalepisoden, wie auch der gesamten zweiten Staffel, dass man mehr von der Crew zu sehen bekommt, deren Darsteller alle mit ihrem guten Schauspiel überzeugen. Allen voran Doug Jones als Captain Saru, der über den Lauf der Serie eine beeindruckend sichtbare Entwicklung vollzogen hat.

Lass einfach nie wieder drüber reden

Äußerst unelegant billig und doch irgendwie effektiv, wie man sich dem Prequel-Kanon-Problem entledigen will. Wobei “lass einfach vergessen und nie wieder drüber reden” auch das Motto der enttäuschten Trek-Fan-Fraktion bezüglich Discovery sein könnte.

Das ist also Spocks genialer Vorschlag. Der natürlich super einfach umzusetzen ist. Jeder Beteiligte muss schwören, nie mehr über Roter-Engel-Anzug und die Erlebnisse rund um die Discovery zu sprechen. Überhaupt am besten das Schiff und Burnham an sich nie wieder erwähnen. Mag ja für die Sternenflottenmitglieder eventuell vielleicht eine Option sein. Aber was ist mit Po? Kaminar? Den Klingonen?

Und warum wird über die wirklichen Geschehnisse der Discovery gelogen? Kein Vertrauen in die Sternenflotte? Warum sollte Spock Burnham nie wieder erwähnen, wenn doch die offizielle Version ist, dass sie gestorben sei. Mit wem reden sie da eigentlich? Das Gesicht wird nicht gezeigt. Handelt es sich eventuell gar nicht um eine Sternenflottenführungsperson, sondern einem Zeitagenten, der das Chaos aufräumen muss?

Zum Schluss geht es noch einmal zurück auf die Enterprise. Nach vielen Tagen des Wartens das erlösende Signal: Burnham hat es geschafft. Zur Feier des Tages erstmal den Bart abrasieren.

Eine gute Entscheidung, dass man das Schicksal der Discovery selbst noch nicht zu sehen bekommt. Das dürfte dann wohl Handlung der bereits bestellten dritten Staffel werden. Und da Georgiou mitgeflogen ist, bleibt offen, wann die Spin-off-Serie Sektion 31 handeln wird.

Fazit

Ich wäre gerne begeistert. Das fühlte sich super an letzte Woche. Leider ist Teil 2 von “Süße Trauer” aber unausgegoren. Durch den nun spürbaren Zeitdruck wirken die eigentlich emotionalen Charaktermomente mitunter deplatziert. So bleibt das Finale optisch reizvoll, aber bloß nicht nachdenken.

Welcher Rote Engel hat eigentlich die Leute aus der Kirche (samt Gebäude) umgesiedelt und vor allem wie? Die Fragen enden wohl nie. Gehen sie weiter, hier ist nichts geschehen.

Trailer - Star Trek Discovery - S02E14 2x14 - Part 2

Winterfell - Kritik zu Game of Thrones 8.01

SPOILER

Über eineinhalb Jahre mussten sich die Fans von Game of Thrones nach dem Ende der 7. Staffel gedulden, bis die Erfolgsserie endlich für ihre finalen sechs Episoden auf die TV-Bildschirme zurückkehrt. Nun ist es soweit, mit "Winterfell" startet Game of Thrones in die 8. Staffel.

Traditionell lassen es die Macher zum Staffelauftakt meist etwas ruhiger angehen. Auch im Falle der 8. Staffel geht es vor allem darum, die Schachfiguren für das große Finale auf dem Brett zu platzieren. Dabei hätte die Episode auch durchaus den Namen "Wiedersehen" tragen können, denn davon gibt es im Laufe der Handlung eine ganze Reihe, wovon einige glücklich und andere eher heikel verlaufen.

Die Königin und ihr Liebhaber

Die Ankunft von Daenerys' Armee in Winterfell läuft mehr oder weniger so, wie man die Sache erwarten konnte. Die Menschen im Norden sind alles andere als begeistert von der jungen Königin, was besonders für Sansa gilt. Die beiden Frauen scheinen sich sofort in gegenseitiger Abneigung verbunden und in gewisser Weise kann einem Jon mittlerweile schon sehr leidtun. Letztendlich versucht er seit Ewigkeiten nichts anderes, als die Menschen in Westeros vor dem absoluten Untergang zu retten. Nur scheint dieser für viele Personen um ihn herum nur eine Nebensächlichkeit zu sein. Ist doch egal, ob wir alle sterben, Hauptsache die richtige Person sitzt auf dem Thron, wenn das Ende kommt. Das kann durchaus frustrierend sein.

Daenerys macht die Sache nicht unbedingt besser. Als ihre Drachen die Menschen im Norden in Panik versetzen, scheint dies die Königin zu amüsieren. Klar, wenn einem stundenlang tödliche Blicke zugeworfen werden, mag das nicht der spaßigste Zeitvertreib sein. Um die Menschen für sich zu gewinnen, ist Angst aber nicht das beste Mittel. Daenerys ist durch ihre Erfahrungen zunehmend hart geworden und es stellt sich langsam die Frage, wie weit sie bereit ist zu gehen, um am Ende auf dem Eisernen Thron zu sitzen.

Game of Thrones Staffel 8.01

Jedoch entdeckt die Königin in Winterfell auch ihre spaßige Seite wieder. Der Drachenritt mit Jon Snow Aegon Targaryen gehört zu den visuell eindrucksvollsten Szenen in Game of Thrones und zeigt erneut, was mittlerweile im TV möglich ist. Allerdings muss man auch festhalten, dass Daenerys die Sache ziemlich relaxed angeht. Jon ist faktisch der einzige Grund, warum es in Winterfell nicht zu einem offenen Konflikt kommt. Da ist es dann doch sehr mutig oder eher übermütig, ihn ohne irgendwelches Training oder Hilfen einfach auf einen Drachen zu setzen, vor allem wenn dieser nicht unbedingt dafür bekannt ist, freundlich zu Menschen zu sein. Dass Jon lernen musste, dass ein Drachen jedem noch so schlimmen Schwiegervater locker Konkurrenz machen kann, war dagegen wiederum ein humoristisches Highlight.

Die Stark-Schwestern

Für Arya gab es im Laufe der Episode gleich zwei große Wiedersehen. Das erneute Aufeinandertreffen von ihr und Jon war ähnlich emotional wie einst das Wiedersehen von Jon und Sansa. Als Fan kann man da durchaus eine Träne verdrücken. Etwas anders sah die Sache beim Wiedersehen mit Sandor aus, wobei sich die beiden Figuren zumindest zu verstehen scheinen. Interessant dürfte auch die Auftragsarbeit für Gendry sein. So wirklich erkennbar war die Waffe auf dem Bild nicht. Es scheint sich um etwas zu handeln, das kleine Pfeile verschießt. Spätestens bei der Schlacht um Winterfell dürfte es hier Aufklärung geben.

Game of Thrones Staffel 8.01

Auch für Sansa gibt es in Winterfell nach der Ankunft von Daenerys und ihrer Armee ein Wiedersehen. Sie trifft erneut auf Tyrion, mit dem sie ja technisch gesehen noch verheiratet ist. Man lehnt sich aber nicht zu weit aus dem Fenster, wenn man sagt, dass diese Ehe vermutlich von beiden nicht wirklich weiter verfolgt wird. Allerdings beweist Sansa hier wieder einmal, dass sie mittlerweile zu den cleversten Frauen in Westeros gehört. Im Gegensatz zu Tyrion glaubt sie keine Sekunde daran, dass Cersei sich mit ihrer Armee auf den Weg in den Norden machen wird. Es wird aber auch erneut der Eindruck verstärkt, dass Sansa sich in ihrer Rolle als Lady von Winterfell nun extrem wohlfühlt und kein Interesse daran hat, die Macht wieder abzugeben. In diesem Punkt unterscheidet sie sich so gar nicht von Cersei.

Cersei bleibt Cersei

Die aktuelle Herrscherin auf dem Eisernen Thron ist weiterhin nur an ihrem Machterhalt interessiert und verfügt nun wieder über jede Menge Truppen. Auf Elefanten muss sie am Ende aber dann doch verzichten, dies dürfte für die Macher von Game of Thrones in einer wahrscheinlichen Schlacht dann doch zu aufwendig gewesen sein. Die letzten Sympathiepunkte für die Königin gehen zudem verloren, als sie nicht nur mit Euron Greyjoy ins Bett hüpft, sondern auch noch den Mord an ihren Brüdern befiehlt. Letzteres führt aber zu einer interessanten Konstellation und dürfte die Frage beantworten, wie käuflich Bronn tatsächlich ist. So verbindet ihn mit beiden Lannister-Brüdern nicht nur eine Freundschaft, er hat auch ihr Leben gerettet. Es wird sich zeigen, wie viel dies wert ist.

Game of Thrones Staffel 8.01

Aufgelöst wird zudem die Entführung von Yara Greyjoy. Hier muss man aber festhalten, dass dieser Plot generell sehr dünn war und eigentlich nie wirklich einen Sinn hatte. Entsprechend schnell wird das Wiedersehen der beiden Greyjoys auch abgebügelt. In einer Nachtaktion wird Yara befreit, die Geschwister sind wieder vereint und dann verabschiedet sich Theon auch schon wieder. Das wirkt alles relativ belanglos und man stellt sich durchaus die Frage, was die ganze Entführung überhaupt sollte.

Ein letztes Wiedersehen gab es am Ende der Episode. So konnten es die Macher natürlich nicht verkneifen, Jamie direkt zu seiner Ankunft auf Bran treffen zu lassen. Den Jungen, den er einst aus dem Fenster stieß und für dessen Lähmung sorgte. Mittlerweile dürfte Bran die Sache vermutlich deutlich weniger interessieren als Jamie, schließlich wird er nicht müde zu betonen, dass er nicht mehr Bran ist. Auf der anderen Seite war es sicherlich kein Zufall, dass er ausgerechnet zu diesem Zeitpunkt an diesem Ort war. Vielleicht ist doch noch mehr von Bran übrig, als er sich selbst eingestehen möchte.

Der wahre König

Interessant ist auch die Tatsache, dass die Macher in Hinblick auf Jons wahre Herkunft nun keine Zeit mehr verschwenden. Direkt in der ersten Episode enthüllt Sam seinem Freund dessen wirkliche Eltern. Nach den Informationen, die Sam zuvor erhalten hat, ist es nachvollziehbar, dass er verstärkt auf der Tatsache herumreitet, dass Jon der wahre Thronerbe ist. Zudem zweifelt Snow nur kurz an den Aussagen seines Freundes, vertraut er ihm doch so sehr wie kaum jemand anderen.

Die Frage, die sich stellt, ist aber, wie sehr dies denn wirklich eine Rolle spielt. Wenn man ehrlich ist, hat in Westeros doch in der gesamten Serie bisher niemand so wirklich einen Pfifferling darauf gegeben, wer einen Anspruch auf den Thron hat. Es ging eher darum, wer die Macht hat, einen solchen durchsetzen kann. Nur weil Jon jetzt theoretisch sagen könnte "Hey ich bin der Erbe von Rhaegar Targaryen" bedeutet dies ja nicht, das die Herrschenden des Landes ihm dann einfach den Thron überlassen. Aktuell scheint diese Information vor allem für einen Konflikt zwischen ihm und Daenerys sorgen zu können. Wobei auch der Punkt offen ist, ob Jon überhaupt König sein möchte. Bisher hatte er daran kein Interesse, und ob die Kenntnis seiner Herkunft ausreicht, um dies zu ändern, wird sich zeigen. Bisher wäre dies nicht unbedingt nachvollziehbar.

Game of Thrones Staffel 8.01

Fazit

Mit "Winterfell" liefert Game of Thrones einen richtig guten Auftakt in die finale Staffel, der vor allem von seinen Charaktermomenten lebt. Gerade die vielen emotionalen Wiedersehen sind tolle Szenen für die Fans, welche die Serie nun seit acht Jahren verfolgen. Klar war das Erzähltempo dabei relativ niedrig, dafür ist praktisch jede Szene wichtig für die Handlung und hilft dabei, die Figuren für das Finale in Stellung zu bringen.

Gerade im Vergleich zu den Auftaktfolgen in früheren Staffeln bot "Winterfell" inhaltlich eine ganze Menge. Auch wenn es keine ganz großen Highlights gab, verzichteten die Macher aber nicht vollkommen auf Schauwerte. Die Drachenszene war aus optischer Sicht ein echter Hingucker und steigert noch einmal die Vorfreude auf die actionreicheren Folgen, bei denen vermutlich noch einmal eine Schippe draufgelegt wird.

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Such Sweet Sorrow - Kritik zu Star Trek: Discovery 2.13

SPOILER

Wartet, wartet - geht gleich wieder. Hier waren gerade ein paar zwiebelschneidende Ninjas unterwegs. Star Trek: Discovery hat mich diese Woche zum Weinen gebracht, und das nicht im negativen Sinne. Der Titel “Süße Trauer” trifft zumindest ein paar Teile der Episode auf den Punkt.

Raumschiff-Porno

Es ist die Enterprise! Von außen. Von innen. Im Ganzen. Im Manöver. Der Innenraum von außen gesehen. Ich mein, mit Blick raus ins All hat man ja ständig, aber die Kamerafahrt am Schiff entlang mit klaren Blick durchs Fenster in die Gänge. Da hatte ich Herzchenaugen. Die Griffe im Turbolift - hach. Ja, meist kann man mich mit bekloppten Kleinigkeiten sehr glücklich machen.

Zum jetzigen Zeitpunkt hat man sich entweder mit dem Discovery-Stil arrangiert, mag ihn sogar oder quält sich aus welchen Gründen auch immer durch. Eine Enterprise in der Discovery-Serie kann nicht original so aussehen wie zu Klassik-Zeiten, das Gefälle wäre dann doch deutlich zu groß, selbst wenn die Discovery nicht dieses übermoderne Schiff wäre. Und die Serienmacher haben sichtlich Liebe und Mühe in eine angemessene Umsetzung gesteckt. Die Enterprise ist klar erkennbar und hat überall altbekannte Gimmicks.

Untermalt wird alles rund um die Enterprise mit nostalgisch-emotionsgeladener Musik. Eine gelungene Mischung aus dem neuen Score für Discovery und alten Klängen der Klassik-Serie. Auch die Sounds, vom Lift über Türen hin zu Torpedos, dürften bekannt vorkommen.

Dass Detmer eine astreine Pilotin ist, wurde innerhalb der Serie mehrfach erwähnt. Gleich zu Beginn kann sie ihre Fähigkeiten nun in voller Pracht zeigen. Statt zu beamen oder mit Shutteln auf die Enterprise überzusetzen, wird die komplette Crew über Gangways evakuiert. Und dafür müssen die beiden Schiffe nunmal so nah wie möglich aneinander ran. Ob ausklappende Stege von Schiff zu Schiff mitten im All wirklich die beste Idee sind und man sich so zusammengekoppelt nicht erst recht verwundbar macht, sei mal dahingestellt - cool sieht es auf jeden Fall aus. Wobei mir selbst eine solide Planke von Steg auf Segelschiff zu wackelig ist, aber gut, bevor man mit dem Schiff explodiert.

Übrigens nett von Cornwell, dass sie Pike den Sitz angewärmt hat. Man sieht nicht, ob sie erst mit der Evakuierung von der Discovery kam, oder schon mal vorgeschwommen ist. So plötzlich wie sie vor zwei Episoden verschwand, taucht sie jetzt auch wieder auf.

Als Nummer Eins schließlich ihren sichtlich erfreuten Captain wieder “Zuhause” begrüßt, kam das erste Sentimentals-Tränchen.

A Vulcan Goodbye

AI-Leland ist mit der Sektion-31-Truppe also der Enterprise und damit der davongesprungenen Discovery dicht auf den Fersen. Wenig überraschend ist das Spheren-Archiv komplett gegen seine Zerstörung und übernimmt kurzerhand alleine das Schiff. Zum Glück wird das “das hätten wir kommen sehen können” innerhalb der Episode erwähnt, denn ja, hättet ihr wirklich.

So schnell wie man sich off-screen dazu entschlossen hat, die Discovery zerstören zu müssen, will sich nun Burnham opfern. Die Ergebnisse der Analyse der roten Signale und das Unwissen von Burnhams Mutter führen zu einem logischen Schluss: Michael muss selbst in einem Roten-Engel-Anzug durch die Zeit springen.

Mit vereinten Kräften kann man so ein Ding anscheinend auch in rasender Geschwindigkeit bauen. Blöd nur, dass der Zeitkristall unfassbar viel Energie braucht. Wie gut, dass es die Short Treks gibt. Die überkluge Königin Me Hani Ika Hali Ka Po (Yadira Guevara-Prip) kann zusammen mit ihrer skurrilen Bekanntschaft Tilly - und Reeno -  gemeinsam ein wenig über Wissenschaft geeken und dabei der Crew helfen.

Dann doch blöd, denn der Energieaustoß wird unkontrolliert sein und den Zeitkristall zerstören. Es wird ein One-Way-Trip in die unbekannte Zukunft. Irgendwie wird bei den ganzen Abschiedsszenen vergessen, dass man ja nunmal davon ausgeht, dass Burnham der Rote Engel ist, der die Signale verursacht. Ganz so One-Way scheint es ja dann doch nicht zu sein, oder?

Auch tickt die Zeit, und bei all dem, was die in einer Stunde zu erledigen haben, gehören lange Abschiedsszenen eigentlich nun nicht unbedingt dazu. Und über den Glaskugel-Zeitkristall muss ich immer noch schmunzeln. So ganz komme ich auch geografisch nicht hinterher: Wie genau schaffen es Sarek und Amanda, so schnell zur Discovery zu kommen?

Das übliche Mantra: Man darf einfach nicht zu sehr nachdenken. Denn auf der Gefühlsebene hat man alles richtig gemacht. Ein guter Schachzug, eher Saru das Wort zu geben statt Burnham. Sie muss nicht alleine auf die Mission. Neben Saru schließen sich auch Tilly, Stamets, Spock, Detmer, Owosekun, Reno, Nhan, Nilsson, Rhys, Bryce und Osnullus an - und sie dulden keinen Widerspruch. Auch wenn es ob der Bedrohung im Nacken zeitlich unpassend scheint, die kurzen Einzelszenen mit vermeintlich letzten Worten aller Beteiligter an ihre Lieben lässt es wie echte Abschiede wirken. “Committing to a life amongst the stars is in itself a resolution to leave some things behind” - sorry, geht gleich wieder, muss nur kurz die Augen wischen.

Oh Captain, my Captain

Die Leistung sämtlicher Darsteller war in dieser Episode fantastisch. Sehr schön, dass Captain Pike an seinen ersten Auftritt anschließt und der “ich bin nicht Lorca”-Motivationsrede in allem Stress noch die richtigen Worte des Abschieds findet. Während er zu Beginn der zweiten Staffel sich noch jedes Mitglied der Brückencrew vorstellen lässt, spricht er nun von sich aus jeden einzeln (nagut, außer Osnullus) mit Namen an und hat persönliche Worte parat. Sie danken es ihm mit einem gebührenden Salut, ein echter Gänsehautmoment.  Die Reise, die sie gemeinsam hinter sich haben, ist in dem Moment nahezu greifbar.

Anson Mount brilliert als Captain Pike. Die Mischung der verschmitzt-verwegenen Art und des pflichtbewussten Vorzeige-Starfleet-Captains hat mich gänzlich überzeugt. Und auch Ethan Peck hat das schwere Erbe der Spock-Darstellung gut gemeistert. War ich zunächst skeptisch, was die enge Anknüpfung an die Klassik-Serie angeht, so widerrufe ich fast alles und wünsche mir nun lautstark die bereits erwähnte weitere Prequel-Serie über die frühen Abenteuer der Enterprise in der Ära vor Kirk. Ich bin mit diesem Pike noch nicht fertig. Auch wenn ich tief im Herzen immer mit Jean-Luc fliegen werde.

Und sonst?

Bei aller Dramatik kam auch der Humor nicht zu kurz und konnte vor allem auch an den selbstreferentiellen Stellen punkten. Denn ja, ‘was auch immer Georgiou da macht’. Ihr Charakter ist an sich dort gänzlich überflüssig und durch die extrem überzeichnete Art auch mitunter nervig, aber irgendwie ist sie halt doch dabei, und auf quere Art ist das auch gut so. Schon alleine für die “Das ist eine schlechte Idee”-Szene.

Mittlerweile zeichnet sich auch mehr das mögliche Bild der anstehenden Sektion-31-Serie ab. Ash Tyler (Shazad Latif) schließt sich der One-Way-Mission nicht an, weil er mit seinem Wissen innerhalb der Sektion 31 Schadensbegrenzung betreiben will. Und Georgiou amüsiert sich weiter mit Rumsticheleien.

Zumindest beim momentanen Stand scheinen sich Stamets und Culber tatsächlich getrennt zu haben. Culber geht als Arzt auf die Enterprise, und Stamets bleibt auf der Discovery. Allerdings glaube ich da noch nicht so recht an das wirklich finale Ende. Immerhin muss ja auch Spock irgendwie noch in der aktuellen Zeit bleiben beziehungsweise zurückkommen.

Fazit

Hach, was fürs Raumschiff-Sternenflotten-Herz. Das Drehbuch-Regie-Gespann der Folge übernimmt auch die kommende. Das lässt für das große Finale nächste Woche hoffen. Wenn man zurück an das Ende von Staffel 1 denkt, liegt die Latte allerdings auch nicht besonders hoch.

Ob man für die dritte Staffel mit der One-Way-Crew weit in der Zukunft weitermacht? Mit neuer Mission oder beim Versuch, nach Hause zu kommen? Wird diese Discovery das Calypso-Schiff mit weiterentwickelten Spheren-AI? Findet Burnham ihre Mutter? Springen sie aus irgendeinem Grund gar nicht in die Zukunft? Anders als die wenig überraschende Tyler/Voq-Geschichte bleibt die Auflösung diesmal tatsächlich noch spannend.

Trailer STAR TREK DISCOVERY - S02E13 "Such Sweet Sorrow"

Frischekur aus der Hölle - Kritik zu Hellboy: Call of Darkness

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Der Halbdämon Hellboy (David Harbour, Stranger Things) sieht zwar mit seinen abgesägten Hörnern, der massiven Eisenfaust und jeder Menge Muskelmasse aus, als würde er direkt aus der Hölle kommen. Jedoch wohnen in ihm ein gutes Herz und ein ausgeprägter Sinn für trockenen Humor. Mit diesen Waffen muss er gegen die mächtige, frisch wiederauferstandene Hexe Nimue (Milla Jovovich) und das Monster Gruagach ankämpfen.

Sie wollen die Menschheit ins Verderben stürzen - laut Prophezeiung steht das Ende der Welt bevor, wenn Nimue wiederkehrt. Und Hellboy soll ihnen dabei helfen - schließlich war es ihm laut Nimue bestimmt, selbst Initiator des Weltuntergangs zu sein. Wäre da nicht das gütige Wesen des Hellboy. Sein Ziehvater Trevor Bruttenholm (Ian McShane, American Gods) hatte ihn in jungen Jahren zu sich aufgenommen. Er leitet nebenbei auch das Bureau for Paranormal Research and Defense (B.P.R.D.) Mit seiner Unterstützung wurde Hellboy als Spezialagent gegen feindliche Monster und Dämonen ausgebildet.

Als Bruttenholm, genannt Broom, seinen Ziehsohn für einen Auftrag nach London schickt, macht sich Nimue auf, ihn zu finden. Dabei zerstört sie nicht nur ganze Landschaften, sondern hetzt auch die Armee der Finsternis auf den roten Helden. Aber Hellboy ist nicht allein: Ihm zur Seite stehen Alice (Sasha Lane, American Honey) und Ben (Daniel Dae Kim, Lost), die ihrerseits ein paar spezielle und nicht minder beeindruckende Fähigkeiten besitzen. Hellboy muss sich entscheiden: Bleibt er auf der guten Seite, oder kommt er seiner eigentlichen Bestimmung nach?

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Dunkler und blutiger

Erfolgreiche Comicreihen erhalten mitunter auf der Kinoleinwand eine Neuauflage. Knapp 15 Jahre nach dem ersten Leinwand-Auftritt darf nun auch der Halbdämon Hellboy eine Rückkehr wagen. Obwohl er es als Comicfigur im Print hierzulande nie ganz so bekannt war wie Batman oder Superman, waren die beiden Verfilmungen mit Ron Pearlman durchaus erfolgreich. Jedoch reichte es nicht zur Vollendung der Trilogie von Guillermo del Toro,da das angeforderte Budget nicht zusammenkam. Also darf nun ein frisches Team ran. Hellboy: Call of Darkness zeigt nun mit David Harbour als neuem Helden mit Hörnern und Eisenfaust vor allem dunklere Nuancen.

Dabei geht man nicht nur mit mehr Action in die Szenerie hinein, sondern behandelt im Drehbuch auch etwas ernsthaftere Töne als bei den beiden Vorgängern. Fragen nach der Bestimmung und der Zugehörigkeit werden aufgeworfen. Dass dabei vor allem der trockene Humor des Hellboy nicht auf der Strecke bleibt, war dem Regisseur Neil Marshall (Game of Thrones, The Descent) besonders wichtig.

Zwar handelt es sich bei Hellboy: Call of Darkness nicht um die lange erwartete Version von Guillermo del Toro, der aus oben genannten Gründen nicht erneut an der Regieklappe stand. Dennoch wollte man den Fans, die sich neben dem neuen Regisseur auch noch an einen neuen Helden gewöhnen mussten, eine Version anbieten, die besonders nah an den Comics sein soll. Um es kurz zu machen: Die tonale Umschichtung ist in den meisten Fällen durchaus gelungen, ebenso das Vorhaben, die Geschichte von Hellboy ein wenig erwachsener und blutiger aufzumachen.

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Verjüngungskur mit neuem Team

Überhaupt hat den Effekten die Verjüngungskur und das frische Team gutgetan. Besonders eine Szene, in der Hellboy gegen drei Riesen kämpft, belohnt den Gang ins Kino, da sie visuell besonders beeindrucken gestaltet ist.

Auch die liebevoll designten Kostüme und die immer wiederkehrenden Szenen, die den Untergang der Welt heraufbeschwören (mit dabei natürlich Feuer, Funken und Lavaflüsse, wie man sich den Weltuntergang eben so vorstellt), sind ein wahrer Augenschmaus. Für manche Schauplätze wie London oder die englische Landschaft hätte sich die Kamera jedoch ein wenig mehr Zeit lassen können - ein wirkliches Gefühl für die Szenerie bekommt man an manchen Stellen nicht, bevor wieder die nächste Schlägerei beginnt.

David Harbour trug übrigens während der Szenen keinen Motion-Capture-Suit, sondern schulterte wortwörtlich ein Gummikostüm. Dass sich der massive Hellboy trotz des zusätzlichen Gewichts so flüssig bewegt, hat Harbour einiges an Training gekostet. Doch es scheint sich auszuzahlen: Die Action-Sequenzen sind unterhaltsam und flüssig choreografiert. Auch das Hellboy-Unterstützerteam, bestehend aus Alice und Ben, macht seinen Job gut und kann auch für den einen oder anderen Schmunzler sorgen. Ian McShane spielt als Ziehvater gewohnt hochwertig auf. Ihm nimmt man die väterliche Strenge absolut ab.

Resident Evil vs. Höllentour

Einen - Achtung, Wortspiel - Pferdefuß hat Hellboy: Call of Darkness allerdings doch. Wie so oft krankt es auch im dritten Teil der Halbdämonen-Saga an einem glaubwürdigen und vor allem überzeugenden Gegenspielern. Milla Jovovich blickt vor allem mit der Resident Evil-Reihe auf eine beachtliche Action-Karriere zurück. In den ersten Sequenzen des Films kann sie auch noch weitgehend als wutschnaubende Zombie-Göttin die Leinwand für sich einnehmen.

Doch mit zunehmender Spiellänge wird sie mehr und mehr zur elfengleichen, sphärisch-fließenden und damit leider sehr scherenschnittartigen, um nicht zu sagen, schlappen Bösewichtin. Schauspielerisch kann sie mit Harbour kaum mithalten, das fällt vor allem in den Szenen auf, die die beiden allein bestreiten. Allerdings gibt ihr auch das Drehbuch nur wenig Spielraum: Außer wehklagen und Hellboy beschwören, sich ihrer Bewegung zuzuwenden, hat die selbsternannte Blutkönigin leider nur wenig zu tun. Schade, dass man ausgerechnet bei einer so wichtigen Figur nicht tiefer eindringt. Als Alice bei Resident Evil konnte sie mehr überzeugen. Vielleicht hätte man der Blutkönigin ein paar Folter-Waffen zur Verfügung stellen können? Das Repertoire dürfte in der Hölle sicher groß genug sein.

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Fazit

Die Frischekur bekommt dem mittlerweile 15 Jahre alten Hellboy-Franchise recht gut. Die Kostüme und Settings bieten genügend Schauwerte, die Action macht Spaß und David Harbour und sein neues Team sind eine exzellente Casting-Wahl. Allein die Antagonistin fällt deutlich ab. Für zwei Stunden Actionkino aus der Hölle dürfte Hellboy: Call of Darkness allerdings dennoch verlässlich sorgen.

zusätzlicher Bildnachweis: 
© Legendary / Summit Entertainment

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