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Kritik zu König der Löwen - Hakuna Matata

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Der König der Löwen

Fast 25 Jahre ist es her, dass Disney das Drama Der König der Löwen auf die Leinwand brachte. Der Film sollte zu einem der größten Erfolge der Zeichentrick-Schmiede werden. Passend zum aktuellen Trend, zahlreiche Disney-Klassiker wie das Dschungelbuch oder aktuell Aladdin als Real-Life-Varianten neu aufzulegen, kommt nun auch Der König der Löwen als computeranimierte Quasi-Real-Life-Version in die Kinos. Kann sich die neue Version mit dem Charme des Originals messen?

Für diejenigen, die die Handlung nicht mehr ganz frisch im Kopf haben, hier noch einmal die Kurzzusammenfassung: Das aufmüpfige Löwenjunge Simba soll dereinst den Thron von seinem gütigen Vater, König Mufasa, erben. Dessen Bruder, der hinterhältige Scar, neidet Simba die Thronfolge, da er vor Ankunft des Löwenbabys der rechtmäßige Thronfolger gewesen wäre. Als er Simba mit den Hyänen in einen Hinterhalt lockt, rettet ihn Mufasa, kommt bei dem Versuch jedoch ums Leben.

Scar redet Simba ein, dass er schuld an Mufasas Tod sei. Simba flieht daraufhin ins Exil und trifft dort auf das Erdmännchen Timon und das Warzenschwein Pumba, die ihm ihre ganz eigene Vorstellung von einem guten Leben vermitteln. Doch Simbas Kindheitsfreundin Nala sucht ihn auf, weil sie seine Hilfe braucht: Scar droht, das geweihte Land mit seiner Herrschaft in den Untergang zu führen ...

Fast zu schön, um wahr zu sein

Nehmen wir es gleich vorweg: Die Neuauflage von Der König der Löwen sieht in jeder Filmminute absolut fantastisch aus. Bisher hat es wohl kein animierter Film, bis vielleicht auf den Vorgänger Das Dschungelbuch, geschafft, eine derart realistische Darstellung der Tier-Hauptdarsteller auf Leinwand zu bannen.

Doch genau hier scheiden sich die Geister bei den Kritiken. Während die Zeichentrick-Animatoren in der Originalversion zur Vorbereitung jahrelang Bewegungsstudien durchführten, um den sprechenden und singenden Löwen eine möglichst realistische Anwandlung zu geben, wurden in der Neuauflage nun wirklich alle Register gezogen. In fast jeder Einstellung muss sich der Zuschauer erinnern, dass er es dabei nicht mit einem simplen Tierfilm zu tun hat, bei dem sehr gut dressierte Löwen mit zahmen Tukanen plaudern.

Hier sieht einfach alles gut aus: Das Fell und die Mähnen wehen im Savannenwind. Viele Details wie Blätter und Insekten werden mit einer angemessenen Tiefenschärfe gezeigt. Spiegelungen auf dem Wasser, sogar die Wolken sehen bei Der König der Löwen beeindruckend aus. Vor allem gelingt es, die animierten Effekte nicht so computerspielhaft-überzeichnet und mit einem übertriebenen Farbschema zu zeigen, wie es in einigen anderen Filmen der vergangenen Jahre der Fall war.

Etwas gewöhnungsbedürftig dürften daher allerdings auch die Dialoge und die Gesangseinlagen sein: Da man eben keinen herkömmlichen Tierfilm sieht, müssen die Figuren Lebendigkeit in ihren Zügen widerspiegeln. Dankenswerterweise verzichtet Disney jedoch auf einen allzu überzeichneten Anthropomorphismus, also die Darstellung von menschlichen Eigenschaften und Mimik in den Tiergesichtern, so dass der vielfach befürchtete Effekt des "uncanny valley", dem Unwohlsein des Zuschauers, eine etwas zu realistische Darstellung der Figuren präsentiert zu bekommen, hier nicht übermäßig strapaziert wird.

Anderen Kritikern fehlt eben genau jene Regung, die beispielsweise Mufasas Tod und Simbas Entsetzen darüber angemessen widerspiegeln. Doch wer möchte hier ernsthaft ein realistisch aussehendes, aber tränenüberströmtes oder menschlich grinsendes Löwenkind sehen? Was bei der Zeichentrick-Version noch gut funktioniert hat, muss hier nicht exakt nachgespielt werden. In diesem Fall findet Disney eine gute Mischung aus Bildsprache und stimmlicher Darstellung durch die Synchronsprecher.

Lion King Felsen

Synchron-Cast: Die können sich hören lassen

Für diese Kritik konnten wir leider nur die Originalversion besprechen. Es ist zu vermuten, dass die neue deutsche Variante möglicherweise nicht ganz so ikonisch daherkommen könnte wie in der Originalversion (hier stachen vor allem Thomas Fritsch als Scar, Ilja Richter und Rainer Basedow als Timon und Pumba sowie Hella von Sinnen als Chefhyäne Shenzi hervor), da hier die erste Riege der namhaften Sprecher von heute leider nicht vorkommt.

Daher empfehlen wir, sich mindestens einmal die englische Synchro-Version anschauen. Zwar wären auch die Sprecher aus der Zeichentrick-Version noch verfügbar gewesen, doch Disney entschied sich, den Cast bis auf James Earl Jones als Mufasa neu zu besetzen. Neben John Oliver als Zazu, der wirklich hervorragend in seine Rolle findet, machen sowohl Donald Glover (Star Wars) als auch Beyoncé eine sehr gute Figur.

Auch Seth Rogen (Kung-Fu Panda) und Billy Eichner (Die Pinguine aus Madagascar, Angry Birds) fügen sich als harmonische, wenn auch ungleiche Freunde Timon und Pumba ins Bild. Chiwetel Ejiofor (2012, Amistad, 12 Years a Slave) brummt und ätzt als missgünstiger Scar beeindruckend bis erschreckend, und auch die Hyänen sind deutlich furchterregender als in der Vorlage.

Lion King Timon Pumba Simba

Filmmusik: Von tatkräftigen Tatzen und tanzenden Tukanen

Nicht nur die Handlung, sondern vor allem die Lieder dürfte die Generation der 1990er Jahre stark geprägt haben. Ein Großteil des Soundtracks ist mittlerweile so tief im Kulturverständnis verankert, wie bei wenigen anderen Disneyfilmen danach. Die 2019er-Version von Der König der Löwen nutzt diesen Vorteil geschickt aus. Natürlich darf das ikonische Intro zum Sonnenaufgang über der Savanne zu "The Circle of Life" nicht fehlen. Auch der Elton-John-Klassiker "Can you feel the love tonight" wird in der Neuauflage sowohl musikalisch als auch optisch dem Original durchaus gerecht. Auch die Neuauflage von Timons und Pumbas beliebtesten Nummern (inklusive clever eingesetzter Ablenkungstaktik mit kleiner Referenz an die Kinogeschichte) sind ebenfalls absolut gelungen.

Auf ein paar Lieblingssongs muss man allerdings verzichten: Weder die Hyänen dürfen sich gesanglich verausgaben, noch darf Scar seine finsteren Pläne in einer eigenen Nummer zusammenfassen. Die Entscheidung, ausgerechnet das düstere "Seid bereit" mit unheilschwangerer Nazi-Bildsprache wegzulassen, ist tatsächlich sehr bedauerlich. Andererseits wirkt das Remake ohnehin durch seine realistische Darstellung ernster und düsterer als die Vorlage.

Wieso man stattdessen eine mehrminütige Sequenz mit Naturdarstellungen durchstehen muss, die schlicht für die optischen Schauwerte geschaffen wurde, die den Film im letzten Drittel unnötig streckt, bleibt jedoch das Geheimnis der Macher - diese Szene hätte man ebensogut als Bonusmaterial auf der DVD ergänzen können.

Lion King Scar

Ein letztes Wort noch zur Regie bei den musikalischen Nummern: Tatsächlich hat Disney es geschafft, das bereits erwähnte "uncanny valley" der realistischen Tierfiguren, die, wie es sich für einen Disneyfilm gehört, eben auch singen und tanzen, so darzustellen, dass es praktisch nie albern oder überzogen wirkt. So gibt es beispielsweise bei Simbas Solonummer ganz bewusst keine choreografierten Paraden, in der sich Straußen, Giraffen und Elefanten zu wahnwitzigen Pyramiden stapeln, wie es in der Vorlage und in guter alter Disney-Tradition üblich ist.

Einzig in einer kurzen Szene mit Timon droht diese Darstellung fast zu kippen - vielleicht handelte es sich hier um eine der früheren Experimente mit der hyperrealistischen Darstellung. In den allermeisten Fällen findet die Kamera jedoch eine gute Lösung für die Bildsprache, bei der sich die Tierherden nicht unnatürlich gebärden müssen und es trotzdem noch genug zu gucken gibt und der Humor nicht zu kurz kommt.

Simba Baby Lion KIng

Fazit: Kann es wirklich Liebe sein?

Die Neuauflage von Der König der Löwen kann sich tatsächlich sehen lassen. Fans des Originals werden allein aus Neugierde, wie ihre Lieblinge mit der neuen Technik wirken, in den Film strömen. Durch die sehr realistischen Darstellungen könnte der Film allerdings fast schon etwas zu düster für jüngere Kinder sein. Alle anderen dürften jedoch viel Spaß mit den liebgewonnenen Figuren haben.

zusätzlicher Bildnachweis: 
© Walt Disney Studios

Spoiler-Kritik zu Stranger Things Staffel 3

SPOILER

2019 ist definitiv ein besonderes Jahr für Popkulturfans auf der ganzen Welt: Mit Avengers: Endgame endete die erste große MCU-Ära, die vieldiskutierte achte Game-of-Thrones-Staffel setzte einen Strich unter eine der bedeutendsten Serien unserer Zeit, die Skywalker-Saga erhält mit Star Wars - Episode IX: Der Aufstieg Skywalkers nach inzwischen Jahrzehnten im Dezember ihr Abschlusskapitel und der Kinosommer wird von Peter Parker (Spider-Man: Far From Home) und Simba (Der König der Löwen) dominiert. Außerdem startet Ende des Jahres The Witcher mit dem unausgesprochenen Ziel, das neue GoT zu werden.

Ein Format, das ursprünglich sicherlich nicht auch nur im Entferntesten als potenzieller Das-Lied-von-Eis-und-Feuer-Erbe gedacht war, ist Stranger Things. Was etwa das Genre anbelangt, die Anzahl der Handlungsstränge oder die Komplexität der Welt, unterscheiden sich die beiden Publikumsmagneten natürlich auch deutlich. Außerdem heißt es nicht umsonst seit Ewigkeiten, dass die großen Welthits, die ein sehr breites Publikum ansprechen, in der Regel dem Fantasy-Bereich entstammen - Harry Potter oder Der Herr der Ringe lassen grüßen. Und dennoch: Stranger Things ist etwas gelungen, was nicht viele gehypte Titel zuletzt geschafft haben: Es hat die Fans der ersten Stunde nicht verloren und stets neue hinzugewinnen respektive den Hype gewissermaßen konservieren können. Staffel 3 eignet sich gut, um zumindest in Ansätzen zu erklären, warum dem so ist.

Inhalt

Mittlerweile dürfte es sich herumgesprochen haben, das vermeintlich endgültig geschlossene interdimensionale Tore nicht selten wieder geöffnet werden, und wie es der Zufall - oder ein russisches Geheimlabor - so will, darf der Zuschauer in den ersten Minuten der ersten Folge Zeuge eines solchen Toröffnungsversuchs sein.

Wie sich schnell herausstellt, ist das aber gar nicht das Hauptproblem der den Fans mittlerweile so vertrauten Truppe aus nicht mehr ganz so kleinen und weiterhin großen Helden. Da Elfi - wie schon der Trailer andeutet - im letzten finalen Gefecht den legendären ungebetenen Gast gar nicht zurück in seine Welt befördert, sondern nur in unserer eingesperrt hat. Und dieser hat mit ihr und ihren Freunden noch eine Rechnung offen …

Stranger Things Staffel 3

Die “alten“ Hasen von Hawkins

Man vergisst recht schnell, dass die globale Liebe für dieses Mystery-Universum auf lediglich siebzehn Episoden fußt - zumindest bis zum 4. Juli 2019. Ab diesem Tag war es nämlich allen Anhängern und solchen, die es noch werden wollen, möglich, Hawkins zum nunmehr dritten Mal einen Besuch abzustatten und nach einer langen Zeit des Wartens viele liebgewonnene Charaktere wiederzutreffen.

Eines wird allerdings frühzeitig klar: Ja, das sind die Kids, mit denen man schon so viel erlebt hat, sie sind jedoch älter geworden, und das tut dem Streaming-Hit in vielerlei Hinsicht gut. Denn auf diese Weise verändert sich die Dynamik innerhalb der Gruppe, es kommen neue Themen auf, und es werden weitere künftige Entwicklungen vorbereitet, die nötig sind, um die Serie frisch zu halten. 

Eleven/Elfi und Mike treiben Hopper in den Wahnsinn, weil sie offenbar einen Knutschweltrekord aufstellen wollen - etwas in der Art dürfte er zumindest denken - und zu allem Überfluss dabei immer wieder “vergessen“, die Tür wenigstens einen Spalt breit offen zu lassen. Das junge Paar hat aber auch seinen ersten großen Streit, der das wohl mächtigste Mädchen der Welt und Max endgültig zu besten Freundinnen werden lässt. Das wiederum macht das Leben ihrer Liebsten (Mike und Lucas) nicht einfacher - woraus zum Beispiel auch Spannungen innerhalb ihrer Jungs-Gruppe resultieren. Symptomatisch dafür steht Will, der am liebsten den Status quo erhalten und weiterhin D&D spielen will, nach der enttäuschenden Erkenntnis, dass dies jedoch unmöglich zu sein scheint, sogar das Symbol dieser besonderen Kindheit, seine Burg Byers, zerstört. Kurz: Pubertät pur in der Kleinstadt der wundersamen Ereignisse.

Dustin schwebt ebenfalls auf Wolke sieben: Im Wissenschaftscamp hat er seine Suzie kennengelernt, von der er jedem, wirklich jedem, der ihm begegnet, früher oder später vorschwärmt. Seine Freunde sind allerdings skeptisch und fragen sich sogar, ob diese Traumfrau überhaupt existiert. So viel sei verraten: Allein die Momente, in denen sie erwähnt wird, sind zumeist überaus unterhaltsam.

Sein kongenialer Partner Steve “The Hair“ Harrington hat dafür bei den Frauen aktuell weniger Glück, was bei ihm jedoch nach und nach - während er Eis verkauft - zu einem Umdenken führt, und ihn schließlich erkennen lässt, dass es Wichtigeres gibt, als der (Prom-)King zu sein.

Außerdem müssen Nancy und Jonathan auf die harte Tour lernen, dass das Berufsleben nicht nur Sonnenseiten zu bieten hat. Billy hat ebenfalls schon - wie soll man es ausdrücken? - bessere Tage erlebt, und Hopper lässt sich von Joyce irgendwann davon überzeugen, dass sich - wieder einmal - etwas Unerklärliches in der sympathischen Kleinstadt ereignet. In diesem Kontext kommt es dann sogar zum Comeback von Murray Bauman. Man kann also festhalten: Auch vor dem großen Monsterangriff hatten die Protagonisten der Serie diesmal bereits eine Menge zu tun.

Stranger Things Staffel 3

Allein an dieser Auflistung sieht man, dass die Macher das Bildschirmgeschehen vor allem deshalb von Anfang an zügig vorantreiben können, weil dem Zuschauer der Ur-Cast und das Setting mittlerweile so vertraut sind. Ebendiesem nachvollziehbar zu vermitteln, dass und inwiefern sich die Hauptfiguren verändert haben, ist bekanntermaßen Aufgabe der Drehbuchautoren, jedoch in noch größerem Maße die der Darsteller.

In diesem Zusammenhang muss aber auch angemerkt werden, dass aus einem wirklich überzeugenden Ensemble nach Millie Bobby Brown (Elfi) in den ersten zwei Staffeln mittlerweile ebenfalls Gaten Matarazzo (Dustin) und Joe Keery (Steve) deutlich herausstechen. Die bereits in den Episoden von 2017 wunderbar eingefangene Chemie zwischen den beiden gefiel offenbar nicht nur den Fans, sondern auch - oh Wunder! - den Kreativ-Verantwortlichen, den Duffer Brothers, die ihre Rollen deswegen konsequenterweise auch zu den Köpfen eines neuen Teams beförderten.

Neu in der Welt zwischen den Welten

Dazu gehören neben den zwei Quasi-Brüdern zum einen die uns schon aus wenigen Szenen bekannte Erica Sinclair (Priah Ferguson), die kleine Schwester von Lucas, der man neben vielen unterhaltsamen mindestens einen absolut Meme-würdigen Satz in den Mund legt. Und zum anderen Robin, die, wenn man den unzähligen Kommentaren unter diversen Beiträgen mit Stranger-Things-Bezug Glauben schenkt, in Windeseile ein absoluter Publikumsliebling geworden ist.

Einen großen Verdienst daran hat Maya (Thurman-)Hawke, die Tochter von Uma Thurman und Ethan Hawke. Mit einem lapidaren “Bei den Eltern ist das ja kein Wunder!“ sollte man sich allerdings nicht einfach zufriedengeben. Das Fass mit der Aufschrift “Es ist nicht unbedingt leicht, als Mitglied einer Schauspielerfamilie ernstgenommen zu werden” muss und sollte an dieser Stelle nicht geöffnet werden, denn im Falle dieser jungen Darstellerin hat schlicht zuerst die Leistung gesprochen. An diesem Beispiel kann man im Übrigen schön einen Nicht-Rezipienten-bezogenen Vorteil, den das typische Alle-Episoden-auf-einmal-zu-Verfügung-Stellen seitens Netflix mit sich bringt, benennen: Die Leute bingen nämlich erst und googlen dann - eventuell auch zwischendurch, dann jedoch auf der Grundlage eines ersten, zweiten oder dritten Eindrucks.

Die Mehrheit war folglich zuerst angetan von Robin beziehungsweise Hawkes Leistung und hat anschließend recherchiert, was bedeutet, dass das Gros der Streamingdienst-Abonnenten zu diesem Zeitpunkt schon überzeugt von dem Neuzugang war. Trotz der Tatsache, dass über allem natürlich abermals eine monströse Bedrohung steht, freut man sich doch gefühlt jedes Mal aufs Neue, wenn sie und Keery gemeinsam Eis verkaufen, ihren Laden "anderweitig“ nutzen oder zusammen mit Matarazzo und Ferguson ein möglicherweise das Schicksal der Welt maßgeblich beeinflussendes Rätsel lösen wollen. Die beiden Letztgenannten spielen sich aber ebenfalls wunderbar die Bälle zu - dabei erfährt das Publikum unter anderem nach sicherlich vielen Jahren des Belächelns, dass hinter einem My-little-Pony-Rucksack so viel mehr stecken kann, als man zunächst annehmen könnte.

Stranger Things Staffel 3

Hopper und Joyce suchen hingegen - wie gesagt - Murray Bauman auf. Dieser trat bereits in Staffel 2 in Erscheinung, ist dieses Mal allerdings wesentlich häufiger zu sehen. Nachdem der von Brett Gelman gespielte Privatdetektiv, der stets auf "drei Nummern sicher“ geht, schon Jonathan und Nancy zu ihrem Liebesglück verholfen hat, nimmt er sich diesmal den von Winona Ryder und David Harbour verkörperten Charakteren an. Dies ist doppelt lustig, wenn man weiß, dass Gelman in Love, einem weiteren äußerst empfehlenswerten Netflix-Original, einen schmierigen, narzisstischen, jedoch irgendwie auch bemitleidenswerten Radio-Therapeuten für Lebens- und Liebesfragen namens Dr. Greg (Colter) mimt.

Seine Hauptaufgabe besteht jedoch darin, für die Eltern auf Abwegen zu übersetzen, denn die haben bei ihren Ermittlungen den russischen Wissenschaftler Dr. Alexei entführt, der dummerweise kein Wort Englisch kann. Diesem dabei zuzusehen, wie er mithilfe von Bauman seine Forderungen (amerikanisches Fast Food und Süßes) durchzusetzen versucht, macht dank eines sehr spielfreudigen Alec Utgoff wirklich Laune. Er erinnert dabei stark an ein Kind, das nur unter bestimmten Bedingungen dabei helfen wird, seinen Landsleuten einen Strich durch die Rechnung zu machen - vorher aber noch eine Folge Woody Woodpecker gucken will. Im Rahmen dieser munteren Unterredungen sorgt Joyce übrigens dafür, dass Baumans an sich streng geheime Telefonnummer aus dessen Sicht plötzlich so gar nicht mehr geheim ist, was US-Journalisten dazu veranlasst hat, ihn einfach einmal anzurufen und zu ihrer Überraschung auf diese Weise eine interessante von Bauman eingesprochene Nachricht zu erhalten.

Und täglich grüßt das Monster

Nein, selbstverständlich ist der Mind Flayer nicht vergessen. Er macht wieder sehr früh im Handlungsverlauf auf sich aufmerksam. Er agiert diesmal allerdings noch durchdachter als bisher, was ihn noch gefährlicher macht, sowie ein Beleg dafür ist, dass auch er sich weiterentwickelt hat. Ein besonderes Lob gebührt hier zweifelsohne Matt und Ross Duffer. Sie leiten sein neues Vorgehen überaus plausibel her, weswegen man diesmal auch weit weniger als in der vergangenen Staffel das Gefühl hat, dass sich an der Bedrohung selbst nicht allzu viel geändert hat - dies gilt übrigens ebenso für dessen beeindruckende neue Optik, bei der sich das Design-Department erneut selbst übertroffen hat.

Die Wege der unterschiedlichen Teams, in die man die Charaktere eingeteilt hat, führen im großen Finale selbstredend alle zu ihm. Dennoch ist diesmal aus den bereits beschriebenen Gründen der Weg - auch im übertragenen Sinne - noch mehr das Ziel als in der Vergangenheit, und das wiederum verstärkt nochmals das Mitfiebern mit den Protagonisten.

So ist am Ende die obligatorische Schlussschlacht natürlich wieder ein absolutes Highlight der Staffel, jedoch eines, vor dem sich die emotionalen Höhepunkte (ein Gespräch auf einer Toilette und ein besonderer Brief) definitiv nicht verstecken müssen.

Stranger Things Staffel 3

Fazit

Stranger Things ist zurück, und das so gut, wie man es von einer dritten Staffel nur erwarten kann. Der Wow-Effekt der ersten ist logischerweise nicht mehr reproduzierbar, dafür spielt man aber gekonnt all die Trümpfe aus, die man dank der selbst geleisteten Vorarbeit über 17 Folgen hinweg zusammengetragen hat. Vor allem setzt man allerdings einen Schlusspunkt, der gleichermaßen Startschuss für viel Innovation sein kann, und beschert uns - das darf nicht unterschlagen werden - das vielleicht legendärste Duett in der Geschichte der Popkultur.

zusätzlicher Bildnachweis: 
© Netflix

Stranger Things 3 | Finaler Trailer | Netflix

Legacies

Im zweiten Spin-off von The Vampire Diaries dreht sich alles um eine Schule für übernatürlich begabte Jugendliche.

Doom Patrol

Im Spin-off zu Titans ist ein Team von Freaks in den merkwürdigsten Ecken des Universums aktiv.

Titans

In der ersten Serie des Streaming-Dienstes DC Universe baut Robin sein eigenes Superhelden-Team auf.

Kritik zu Spider-Man: Far From Home - Eurotrip

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Spider-Man: Far From Home Scene Still

Peter Parker (Tom Holland) begibt sich mit seinem Naturwissenschafts-Kurs auf Europatour. Eigentlich will er dabei seine Superhelden-Existenz kurz vergessen, aber dann tauchen überall auf der Welt sogenannte Elementals auf, die Städte wie Venedig oder Prag verwüsten. Zwar versucht Peter als Spider-Man zu helfen, doch ohne den plötzlich auftauchenden Mysterio (Jake Gyllenhaal) wären er und Nick Fury (Samuel L. Jackson) ziemlich aufgeschmissen. Doch bald stellt sich heraus, dass der mysteriöse Superheld andere Beweggründe hat.

Vor Beginn der Pressevorführung verlas eine Mitarbeiterin eine Bitte: Man möge doch bis zum Ende des Films sitzen bleiben, aber vor allem nichts spoilern und daher auch kein Wort über die Charakterentwicklung der Figuren verlieren. Jeder hätte verdient, den Film so unbefangen zu schauen wie die versammelten Presseleute. Natürlich hat die Dame mit dem letzten Satz Recht. Aber die von Marvel mit befeuerte Spoiler-Paranoia lässt einen als Kritiker schon recht ratlos zurück: Worüber soll man den nun schreiben, wenn man von der Geschichte und den Charakteren nichts erzählen darf, da empfindliche Gemüter dies als Spoiler werten könnten? Zumindest bei Spider-Man: Far From Home kann man da aber Entwarnung geben: Weder Geschichte noch Charakterentwicklung geben viel her, was man verraten könnte.

Nach der Endgamokalypse

Viel wichtiger für Fans des MCU: Der Film schließt die Geschehnisse um die Avengers-Filme, zuletzt Avengers: Endgame, ab und thematisiert immer mal wieder nebenbei die Lücke von fünf Jahren, welche die Ereignisse dieses Handlungsbogens hinterlassen haben. Dabei ist bereits der Beginn des Films ein Spoiler, für all jene, die Endgame nicht gesehen haben. Menschen, denen der MCU-Zirkus aber weniger bedeutet, werden so immerhin kurz über die für Peter und seine Freunde wichtigen Ereignisse informiert. So ist der Film auch dann gut verständlich, wenn man sich nur grob in Marvels Comic-Universum auskennt.

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Spider-Man: Far From Home Scene Still

Allerdings bleibt kaum Zeit, nach dem Warum und Wieso zu fragen: Spider-Man: Far From Home erzählt sehr zügig seine Geschichte und spart dabei zum Glück nicht mit Humor. Die Marvel-Filme hatten schon immer eine gewisse Leichtigkeit in der Erzählung, mit viel Gewicht auf Witzen und Lacher, auch da bildet der zweite Spider-Man-Film mit Tom Holland keine Ausnahme. Im Gegenteil, er gehört wahrscheinlich mit zu den witzigsten Werken aus dem MCU. Das, und die natürlich sehr klischeehafte und karikierende Darstellung der verschiedenen europäischen Länder, erinnert dabei stellenweise an Europareise-Komödien wie dem Klassiker Hilfe, die Amis kommen (im Original National Lampoon‘s European Vacation) oder dem eher zotigen Teenie-Film Eurotrip.

Natürlich rummst es trotzdem in den Kämpfen mit den Elementarwesen ordentlich, an CGI wird nicht gespart und Spider-Man darf zeigen, was er drauf hat. Da bietet der Film auch nicht mehr oder weniger als die anderen Marvel-Teile. Der anfangs sympathische Bösewicht Mysterio könnte da noch etwas rausreißen, zumal Jake Gyllenhaal seine Figur gut und überzeugend spielt – nur leider scheitert Spider-Mans Gegenspieler ein wenig an den Ambitionen der Autoren. Denn wo Mysterio eine Aussage zur Rolle von Superhelden in einer Post-Endgame-Welt hätte treffen können, entpuppt er sich vielmehr als gewöhnlicher Bösewicht mit nicht völlig eindeutigen Motiven, der gegenüber Peter Parker auch keine weiterentwickelnde Rolle einnehmen kann. Sprich: An der Begegnung mit Mysterio wächst Peter Parker charakterlich nicht wirklich weiter. Sein grundsätzlicher Gegensatz, also seinem Wunsch nach einer ruhigen Existenz als High-School-Schüler und den weltrettenden Aufgaben eines Superhelden, bleibt genauso erhalten wie sein ambivalentes Verhältnis zu seinem ehemaligen Idol. Aber jetzt sei besser geschwiegen, bevor noch jemand "Spoiler" krakeelt.

Es geht um die Wahrheit - und Superhelden

Zudem entwickelt Spider-Man: Far From Home gegen Ende den Willen, eine Aussage über unser heutiges Verhältnis zu Wahrheit zu treffen, angesichts von Diskussionen um "alternative Fakten", "Lügenpresse" und ähnliches. Doch taucht dies nur am Rande auf, genau wie die etwas selbstironische Betrachtung von CGI und Motion Capturing. Aber vor allem am Ende konzentriert sich Spider-Man: Far From Home viel stärker darauf, seine Superhelden-Geschichte zum Abschluss zu bringen, wodurch die Diskussion um Wahrheit und unserem Verhältnis zu ihr untergeht. Aber gerade das zum Thema des Films zu machen, hätte ihn aus der mittlerweile etwas erschöpfenden Masse an Comic-Verfilmungen herausheben können.

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Spider-Man: Far From Home Scene Still

In Sachen MCU schließt dieser Film die dritte Phase ab und schildert die Nachwirkungen des Kampfes um die Infinity-Steine. Allerdings ist noch nicht zu erkennen, wie viel Einfluss die Ereignisse in Europa auf das gesamte MCU haben könnten.

Fazit

So bleibt Spider-Man: Far From Home ein durchaus witziger, unterhaltsamer Superhelden-Film, der allerdings auch nur mehr vom Gleichen liefert, mit ein paar Variationen in Thema, Aufbau und Struktur. Fans des MCU bekommen das, was sie erwarten und haben Spaß, alle anderen können Popcorn-Kino genießen und Comic-Muffel sollten sich fragen, warum sie überhaupt eine Karte gekauft haben.

Kritik zu Judgment: Vom Anwalt zum Detektiv

Rund 99,9% der Angeklagten werden in Japan vor Gericht verurteilt. Kann die Staatsanwaltschaft den geringsten Verdacht auf den Schuldigen lenken, zögern Richter meist nicht. Gerechtigkeit ist zweitrangig: Staatsanwälte und Richter brauchen für ihre Karriere eine hohe Verurteilungsrate. Sind Fälle unklar, kommt es oft nicht zum Prozess - selbst bei schweren Verbrechen wie Mord. Umso eindrucksvoller ist es, dass Junganwalt Takayuki Yagami seinem Mandanten, einem mutmaßlichen Serienmörder, zum Freispruch verhelfen kann. Der 32-Jährige wird in Tokio zu einem Superstar und kann sich vor Klienten kaum noch retten. Das alles endet schlagartig, als sich der freigesprochene Mandant doch als Serienmörder herausstellt. Yagamis Karriere endet so schnell, wie sie begonnen hat. Drei Jahre später setzt Judgment an: Der gefallene Anwalt kommt als Privatdetektiv über die Runden. Seinen maßgeschneiderten Anzug hat er gegen eine Lederjacke getauscht.

Für die Entwicklung des Playstation-Spiels war Ryu Ga Gotoku Studio zuständig, die sich weltweit mit den Yakuza-Titeln einen Namen gemacht haben. Judgement ist unverkennbar ein Spin-off der Reihe, die Geschichte stammt wieder aus der Feder des Produzenten Toshihiro Nagoshi. Die Gemeinsamkeiten sind so zahlreich, dass es fast schon auf der Hand liegt, von einer Kopie zu sprechen. Kamurocho, der fiktionale Stadtteil von Tokio, sieht noch exakt so aus wie in Yakuza 6 aus dem vergangenen Jahr. Die Restaurants servieren noch das gleiche Essen, die Straßen haben die bekannten Namen und selbst die Gangs liefern sich noch Kleinkriege. Böse Zungen könnten nun natürlich behaupten, in Judgment werden nur alte Grafiken, Modelle und Ideen für schnellen Gewinn wiederverwertet. Wenn das Spiel ein Disney-Film wäre, käme es mit dem Zusatz “A Yakuza tale” in die Kinos.

Enge Spielwelt, großer Umfang

Die Kritik ist valide, bezieht jedoch nicht die Entwicklungszeit an derart riesigen Projekten mit ein. Denn in Judgment steckt, wie gewohnt, mehr drin, als es zu Anfang vielleicht scheinen mag. Neben Open-World-Titel wie Assassin’s Creed Odyssey und The Witcher 3 wirkt Kamorocho inzwischen fast winzig. Trotzdem schaffen es die Entwickler irgendwie wieder mehr einzigartige optionale Inhalte einzubauen, als die Konkurrenz. Eine bekannte Palette an Minispielen wartet auf Yagami, doch es sind die neuen Nebenbeschäftigungen, die endgültig den Sprung aus der finsteren Unterwelt der Yakuza erlauben. Während Kiryu Kazuma sich nur den skurrilen Nebengeschichten gewidmet hat, lernt Yagami als Zivilist die normalen Bewohner der Welt kennen. So diskutiert der Privatdetektiv mit einem Restaurantbesitzer über den Umgang mit Kundenkontakt und vereinbart mit Charakteren aus der Geschichte Treffen, oder sogar ein Rendezvous im lokalen Sushi-Lokal.

Judgment Telefon

Besagte Erzählung verläuft episodisch, von Fall zu Fall, denn so ganz kann der Ex-Anwalt seine Vergangenheit nicht hinter sich lassen. Den ersten Job als Detektiv kriegt er beispielsweise von seiner ehemaligen Kanzlei. Diese vertritt einen Yakuza-Boss, dem die Polizei einen brutalen Mord vorwirft. Yagami soll Beweise sammeln und findet schnell heraus, dass ein Serienmörder in Kamurocho sein Unwesen treibt, der seinen Opfern beide Augen ausdrückt. Doch obgleich die Handlung mit einer relativ einfachen Untersuchung beginnt, decken Yagami und seine Mitstreiter eine komplizierte Verschwörung mit einer Prise Geheimhaltung und einem Teelöffel Verrat auf. Involviert sind Polizei, Rechtssysteme, Yakuza und höchste politische Fraktionen. Diese Art von Kriminalthriller ist definitiv nicht neu, unterhält aber durch die ausgezeichnet gedrehten Zwischensequenzen hervorragend.

Drohnen-Derby am Tatort Tokio

Das Studio hat wieder viel Geld in Motion Capture und namhafte (lokale) Persönlichkeiten gesteckt. Dadurch ist das Spiel schon vor der westlichen Veröffentlichung ins Gespräch gekommen: Schauspieler Pierre Taki wurde für Drogenmissbrauch verhaftet, was in Japan große Wellen geschlagen hat. Sega hat sofortige Konsequenzen gezogen: Der Verkauf Judgment wurde sofort gestoppt. Die Figur des Gangsterbosses Hamura verkörpert inzwischen in allen Versionen ein anderer Schauspieler. Kurios: Auch der Konzern Square Enix hat Taki, der in Japan den Schneemann Olaf im Animationsfilm Die Eisprinzessin spricht, aus zugehörigen Medien entfernt. Von diesem Skandal merkt man nun in keiner Fassung des Videospiels etwas. Die Darsteller liefern glaubhafte Emotionen ab, ohne in zu dramatische Gefilde abzudriften, wie vergleichbare Spieleproduktionen. Erstmals gibt es nun auch eine englische Sprachausgabe und ausführliche deutsche Untertitel.

Das neue Thema der Anwalts- und Detektivarbeit wurde aber nicht nur durch Inszenierung realisiert. Statt sich wie in Yakuza ausschließlich mit Gegnern zu prügeln, muss Yagami nun Zeugen befragen, Verdächtige beschatten und Videomaterial per Drohne sammeln. An dieser Stelle werden sich die Geister scheiden: Denn statt einer soliden Abwechslung zu den Kämpfen ist die Detektivarbeit repetitiv. Die fünfte Beschattung kann schnell zur nervigen Verpflichtung werden. Die sechste Spurensuche an Tatorten möchte der Spieler schnell hinter sich bringen, um wieder zu den interessanten Teilen von Judgment zu kommen. Vielleicht ist Ryu Ga Gotoku Studio dabei etwas zu konservativ mit Neuerungen. Es ist schwer auszumachen, ob die neuen Elemente aus vergleichbaren Spielen zu gewohnt sind, oder die restlichen Teile einfach qualitativ hochwertiger.

Judgment Kampf

Fazit

Wer Yakuza gespielt kann in Judgment eintauchen und schwimmen, wie ein Fisch im Wasser. Aber was erst sehr bekannt vorkommt, wird langsam etwas Eigenständiges. Kamurocho bleibt immer gewohnt, aber die Perspektive ändert sich. Während Kiryu als Yakuza immer in der Unterwelt geblieben ist, hat Yagami einen anderen Blickwinkel. Der Spieler sieht Tokio und dessen Bewohner in einem neuen, zivilen Licht. Dann wird auch klar, warum die alte Formel auch neu gut funktioniert: Diese offene Welt wirkt nicht konstruiert, sondern lebendig. Davon können andere Spiele mit größerem Budget oft nur träumen.

Judgment ist für die Playstation 4 erhältlich.

zusätzlicher Bildnachweis: 
© Sega

Judgment - Launch Trailer | PS4

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