Kritik

Kritik zu Chip und Chap – Die Ritter des Rechts

Chip und Chap – Die Ritter des Rechts ist eine der Disney-Zeichentrickserien der 90er Jahre, an die sich Kinder der damaligen Zeit auch heute noch gern zurückerinnern. Die beiden titelgebenden Hauptfiguren haben dagegen deutlich weniger gute Erinnerungen, zumindest in der fiktionalen Welt, in die filmische Neuauflage von Chip und Chap spielt. Hier sind die beiden Streifenhörnchen zwei ehemalige Darsteller, die in ihrer Kindheit Freundschaft schlossen und schließlich mit Chip und Chap – Die Ritter des Rechts in Hollywood den großen Durchbruch feierten.

Die Serie fand jedoch nach einem Streit zwischen den beiden ein vorzeitiges Ende und ließ Chap so enttäuscht zurück, dass er sich nicht nur von Chip, sondern auch von der Schauspielerei abwendete. So arbeitet er nun als Versicherungskaufmann und hat praktisch keinen Kontakt mehr zu seinen früheren Freunden. Im Gegensatz dazu versucht Chip, immer noch von seiner damaligen Popularität zu profitieren. Seinen Lebensunterhalt verdient er mit dem Besuch von Conventions und eine 3D-Schönheitsoperation soll ihm wieder zurück auf die große Bühne helfen. Als Samson sie eines Tages kontaktiert, treffen Chip und Chap nach vielen Jahren wieder aufeinander. Es stellt sich heraus, dass ihr alter Freund tief in der Patsche steckt und so ist das Duo gezwungen, alte Streitpunkte zur Seite zu schieben, um Samson zu retten.

Chip und Chap – Die Ritter des Rechts mag auf dem Papier zunächst einmal nicht sonderlich innovativ erscheinen. Der Mix aus Realfilm und CGI-Animation folgt dem Konzept des Klassikers Falsches Spiel mit Roger Rabbit, das auch schon von Filmen wie Space Jam oder Looney Tunes: Back in Action wieder aufgegriffen wurde. Auch die erzählte Geschichte gewinnt keine Innovationspreis und folgt relativ vorhersehbaren Wegen. Die inhaltlichen Überraschungen halten sich in Grenzen und viele Entwicklungen lassen sich relativ einfach vorhersehen. Allerdings hat die Geschichte durchaus Herz und ist aufgrund des Erzähltempos auch zu keiner Zeit langweilig.

Dass der Film trotzdem im Gesamtbild ziemlich unterhaltsame und spaßige Angelegenheit geworden ist, liegt in der Art und Weise, wie die Macher ihre Geschichte erzählen. Chip und Chap – Die Ritter des Rechts ist vollgestopft mit jeder Menge Anspielungen und Meta-Gags. Gerade in diesem Bereich gibt es dann auch eine Vielzahl an Überraschungen, da sehr viele Gags auf Franchises oder Figuren basieren, an denen Disney gar nicht die Rechte besitzt. Dabei gibt es auch immer wieder Momente, in denen die Schlagzahl so hoch ist, dass man sich fast wünscht, es würde etwas weniger rasant vonstattengehen. Natürlich ist Humor auch immer Geschmackssache. Wer mit Gags, die primär darauf basieren, dass bekannte Namen und Marken durch den Kakao gezogen werden, nicht viel anfangen kann, der wird auch an Chip und Chap – Die Ritter des Rechts wenig Freude haben.

Ein bisschen sitzt der Film aufgrund seiner Vorlage zudem auch zwischen den Stühlen. Das Konzept ist offensichtlich als Familienfilm ausgelegt, allerdings richten sich viele Gags dann doch eher an Erwachsene und auch der Nostalgiefaktor einer Serien aus den frühen 1990ern dürfte sich bei Kindern eher in Grenzen halten. Gleichzeitig bleibt die Geschichte dann aber doch relativ brav. Ein Chip und Chap – Die Ritter des Rechts, der sich vollkommen an ein erwachsenes Publikum gerichtet hätte, wäre vermutlich noch etwas besser geworden, da man hier auch aus der Geschichte mehr hätte machen können.

Fazit

Auch wenn Chip und Chap – Die Ritter des Rechts keinen Innovationspreis gewinnt, macht der Mix aus Realfilm und CGI doch jede Menge Spaß. Wer mit dem Humor etwas angefangen kann, der bekommt fast 100 Minuten gute-Laune-Unterhaltung geboten mit einer extrem hohen Gagdichte.

Abschied - Kritik zum Staffelfinale von Star Trek: Picard 2.10

SPOILER

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Mit der zehnten Episode kommt die 2. Staffel von Star Trek: Picard zu ihrem Abschluss. Unter dem passenden Titel "Abschied" bringen die Autoren viele offene Stränge zusammen und setzten auf ein emotionales Ende. Inwiefern das tatsächlich funktioniert, steht jedoch auf einem anderen Blatt. In "Abschied" wird wieder einmal deutlich, was eines der großen Probleme der neuen Star-Trek-Ära unter Alex Kurtzman ist. Den Serienmachern geht es verstärkt darum, emotionale oder coole Momente zu kreieren. Logik, Nachvollziehbarkeit und Kanon werden dann gern einmal hinten angestellt. Letztere scheint ohnehin vor allem dazu da zu sein, um mit Fanservice Punkte zusammeln, wird aber gern mal in allen anderen Aspekten der Geschichte ignoriert.

Ob "Abschied" für den Zuschauer funktioniert, hängt daher stark davon ab, ob einem Emotionen reichen. So kann die Episode durchaus mit einigen emotionalen Momenten punkten. Dem gegenüber stehen allerdings auch wieder jede Menge Logiklöcher und inhaltliche Entscheidungen, die einen nur den Kopf schütteln lassen. Ein Gefühl, das in der neuen Star-Trek-Ära mittlerweile nur zu vertraut ist.

Die unnötigen zwei Picards

Nachdem die Gefahr durch die Borg-Königin gebannt ist, machen sich Picard und seine Mitstreiter auf den Weg, um Adam Soong zu stoppen. Dieser Handlungsstrang zeigt noch einmal sinnbildlich, was das Problem von Star Trek: Picard ist. Auf dem Papier klingt ein Wettlauf gegen die Zeit, bei dem sich Tallinn schließlich opfert, nachdem sie zuvor ein emotionales Aufeinandertreffen mit Renée Picard hatte, durchaus spannend. Die Umsetzung ist allerdings sehr wirr geraten und wirkt extrem gewollt.

Dies beginnt bereits damit, dass Soong innerhalb von Stunden von der Pampa in Frankreich zurück nach Kalifornien reist. Dieselbe Strecke, für die Picard und Co wohlgemerkt einen Transporter nutzen. Anschließend wird er mit einer der fadenscheinigsten Begründungen überhaupt wenige Minuten vor dem Start zu einer Astronautin vorgelassen, die er dann auch noch umständlich mit einem Nervengift tötet. Gleichzeitig fällt Tallinn nichts Besseres ein, als einfach Renée Platz einzunehmen, um sich an ihrer Stelle töten zu lassen, einfach weil die Autoren entschieden haben, dass es einen tragischen Tod geben muss. Ein simpler Phaser mit Betäubungsfunktion hätte ausgereicht, Soong zu stoppen.

Gleichzeitig muss man bei dieser Szene festhalten, dass Picard in seiner eigenen Serie wieder einmal nur die Randfigur spielt. Bereits in der vorherigen Episode wurde die Gefahr, die von der Borg-Königin ausging, nicht von Jean-Luc, sondern von Agnes, Seven und Raffi gelöst. Picard war währenddessen damit beschäftigt, Visionen zu haben. Im Staffelfinale übernimmt nun Tallinn das Zepter, und für Jean-Luc bleibt wieder nur die Rolle des Zuschauers.

Raffi, Rios und Seven dürfen zumindest den Backup-Plan von Soong stoppen. Hier hat man allerdings eher das Gefühl, dass die Szene dafür da ist, künstlich Spannung aufzubauen und vor allem den Figuren irgendetwas zu tun geben soll. Etwas, das nicht zum ersten Mal in dieser Staffel passiert.

Hauptsache Fanservice

Nachdem die Europa Mission gerettet wurde, ist es dann noch einmal an der Zeit für etwas Fanservice. Adam Soong muss lernen, dass seine Klon-Tochter Kore sein Lebenswerk zerstört hat und er nun vor dem Nichts steht. Doch natürlich hat er noch ein Ass im Ärmel beziehungsweise eine Akte im Schrank und diese trägt den Namen Projekt Khan. Szenen wie diese sind ein Grund, warum Fanservice einen schlechten Ruf hat. Letztendlich geht es nur darum, den Star-Trek-Fans noch einmal irgendeinen vertrauten Namen zu zeigen. Es hätte auch einfach Fanservice auf dem Umschlag stehen können, das wäre ähnlich nachvollziehbar gewesen.

Doch ist der Erwähnung von Khan nur der Auftakt, denn kurz darauf, dürfen sich die Zuschauer über ein Wiedersehen mit Wil Wheaton in seiner Rolle als Traveler Formerly Known As Will Crusher freuen. Auch hier muss man aber leider festhalten, dass der Auftritt seine gewünschte Wirkung verfehlt. Dies beginnt zunächst damit, das Crusher auf Kore Soong trifft, eine der unwichtigsten Nebenfiguren, mit der man als Zuschauer in der ganzen Staffel gefühlt zehn Minuten verbracht hat. Dazu will der Monolog auch nicht wirklich zünden. Zumindest in der englischen Originalversion wirkt es eher so, als würde man Wil Wheaton und nicht Will Crusher zu hören.

Abschied von 2024

Während der Fanservice und die Auflösung rund um Renée Picard nicht überzeugen können, hat die Episode aber zumindest noch ein Highlight zu bieten. Das finale Aufeinandertreffen von Q und Picard. Hier kommen tatsächlich Emotionen auf und das Gespräch zwischen den beiden macht wieder deutlich, was in der Staffel drin gewesen wäre. Auch zeigt John de Lancie noch einmal und vermutlich auch zum letzen Mal, wie gut er in der Rolle des Q ist. Selbst die Erklärung für sein Eingreifen ist nachvollziehbar, wenn man bestimmte Kanonaspekte (Q sollte eigentlich einen Sohn haben) und die Art und Weise, wie er die ganze Sache aufgebaut hat, mal außen vor lässt.

Wenig überraschend schickt Q Picard und seine Crew dann schließlich wieder zurück in ihre Zeit, allerdings nicht, bevor sich Rios nicht dann doch zum Verbleib im Jahr 2024 entscheidet. Die komplette Storyline rund um ihn wirkt auch an dieser Stelle wieder extrem über das Knie gebrochen. So will man Rios nicht wirklich glauben, wenn er meint, dass er nicht in die Zukunft gehört, vor allem nach seiner Entwicklung zwischen Staffel 1 und 2. Staffel-1-Rios, der allein auf einem Schiff mit Hologrammen lebt, mag eine solche Entscheidung treffen, für Sternenflotten-Captain Rios wirkt sie unrealistisch. Dass die Autoren am Ende dann durch Guinan noch versuchen, dem Zuschauer zu erzählen, dass Rios ein gutes Leben hatte, macht die Sache auch nicht besser. Wir reden hier schließlich von der Zeit des 3. Weltkriegs.

Zurück in die Zukunft

Picard und Co finden sich schließlich zurück auf der Stargazer und es kommt die wenig überraschende Demaskierung von Agnes. Während von dieser Entwicklung vermutlich niemand überrascht wurde, sieht es bei der Optik etwas anders aus. Das Kostüm von Agnes als Borg-Königin wirkt extrem billig. Gerade im Vergleich zu den Kostümen, welche die Star-Trek-Macher der 1990er auf die Beine gestellt haben, ist dies schon sehr fragwürdig.

Noch schlimmer ist jedoch, dass plötzlich aus dem Nichts eine Bedrohung aus dem Hut gezaubert wird, die Milliarden von Lebewesen bedroht und dann auch noch in fünf Minuten direkt wieder aufgelöst wird. Hier spürt man beinah, wie die Autoren eine "coole" Szene schaffen wollten, in der dann plötzlich die Sternenflotte gemeinsam mit den Borg sich dieser Bedrohung entgegenstellt und einer vermeintlich epischer Moment entsteht. Die Umsetzung ist jedoch alles andere als gut.

Gleichzeitig werden in den letzten Minuten noch ein paar Charakterarcs aufgelöst. So wird Seven beispielsweise aus dem Stegreif zum Captain befördert. Zwar ist es nett, Seven auf dem Captainstuhl zu sehen, gut erzählt ist die Sache aber ebenfalls nicht. Dass Seven überhaupt Interesse an einem Sternenflottenpost hat, wurde erstmals in Folge 9 angesprochen, eine Folge später bekommt sie ihn dann einfach geschenkt und dies wohlgemerkt von jemandem, der bei dem Gespräch überhaupt nicht dabei war.

Darüber hinaus wird auch Elnor zurück in die Welt der Lebenden geholt. Der romulanische Kandett darf also weiterhin sein Schwert schwingen. Für Picard gibt es ebenfalls noch ein Happy End, und er kommt gerade rechtzeitig, um Laris vor ihrem Abschied abzuhalten. Wer übrigens auf eine Erklärung gehofft hat, warum Tallinn und Laris identisch aussehen, der wird im Staffelfinale enttäuscht. Stattdessen endet die Episode mit einer romantischen Kamerafahrt.

Staffelfazit

Letztendlich ist es bei Star Trek wie bei Und täglich grüßt das Murmeltier. Die Staffeln starten hoffnungsvoll, man denkt sich "Vielleicht bekommen sie jetzt die Kurve" und dann setzt spätestens ab der Staffelmitte die Ernüchterung ein. Die 2. Staffel erweist sich am Ende inhaltlich auf einem kaum besseren Niveau als Staffel 1. Dies liegt unter anderem auch daran, dass die Handlung sich nicht über zehn Episoden trägt. Vor allem im Mittelteil wurde dies sehr deutlich.

Auch das grundsätzliche Setting und das generelle Mantra, es mit Logik und Nachvollziehbarkeit nicht zu ernst zu nehmen, erweisen sich wieder einmal als Stolpersteine. Allein die Entscheidung, dass Picard im Jahr 2024 einen Flug zu einem Jupitermond sicherstellen soll, zeigt, wie viele komische Entscheidungen die Autoren getroffen haben. Lediglich den Darstellern kann man kaum einen Vorwurf machen, die noch das Beste aus dem Material herausholen. Wenn Staffel 2 von Picard gegenüber Staffel 1 vielleicht doch etwas die Nase vorn hat, dann liegt das primär an den Darstellern.

Das Versteckspiel - Kritik zu Star Trek: Picard 2.09

SPOILER

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Mit "Das Versteckspiel" bringen die Autoren von Star Trek: Picard in der vorletzten Episode der 2. Staffel einige Handlungsstränge zu einem Ende. Allerdings erweist sich der Weg zum Ziel in einigen Fällen als etwas holprig. Gerade vor dem Hintergrund, dass die Handlung in den vergangenen drei Episoden extrem vor sich hin plätscherte, stellt sich die Frage, wieso man diese Zeit nicht sinnvoller investiert hat. Vor allem die Auflösung um die Borg-Königin fällt hier besonders negativ auf.

Die Episode beginnt mit dem Angriff der Borg-Königin und ihrer neuen Armee auf die La Sirena. Hier dürfte der aufmerksame Besucher zunächst einmal die berechtigte Frage stellen, warum die Armee sich nicht einfach direkt in das Schiff beamt, schließlich hat die Borg-Königin die Kontrolle über die Transporter. Auch sonst sollte man über die Taktiken der Borg-Söldner nicht zu genau nachdenken. So sind die Söldner beispielsweise extrem freundlich und signalisieren permanent ihren Standort mit der Hilfe grüner Zielsucher.

Zudem fällt in "Das Versteckspiel" wieder einmal das Budget der Serie negativ auf. Vieles an der Episode wirkt sehr günstig produziert, was vor gerade im Vergleich zu Star Trek: Discovery doch sehr verwunderlich ist. So spielt ein Großteil der Episode nicht nur bei Nacht, wobei einem hier durchaus Erinnerungen an die Schlacht von Winterfell kommen können, es sind kaum mehr als vier oder fünf Personen gleichzeitig vor der Kamera. Dazu halten sich die Effekte arg in Grenzen, sodass die ganze Episode einen etwas billigen Eindruck hinterlässt.

Die einsame Königin der Borg

Während Picard und seine Crew außerhalb des Schiffes die Söldner der Borg-Königin aufzuhalten, nimmt im Inneren Agnes den Kampf auf. Die Erklärung, warum sie nun plötzlich wieder mehr Zugriff auf ihren Körper hat, ist ähnlich hanebüchen wie zuvor die, mit der die Kontrollübernahme der Königin erklärt wurde. Auch der Auftritt von Elnors Hologramm wirkt etwas arg gewollt, gibt aber zumindest Raffi die Chance sich zu entschuldigen.

Agnes gelingt es zunächst, zu verhindern, dass die Borg-Königin die Kontrolle über das Schiff übernimmt und auch Hologramm-Elnor macht ihr das Leben schwer. Die Sache dreht sich schließlich, als auch Seven und Raffi auf das Schiff gelangen und Seven tödlich verletzt wird. Was folgt, ist der finale Schritt in der Entmystifizierung der Borg, die einmal einer der faszinierendsten Bösewichte in Star Trek waren.

Im Gespräch mit Agnes werden die Motive der Borg-Königin am Ende auf simple Einsamkeit reduziert. "Sie will doch nur geliebt werden" ist leider eine sehr enttäuschende Enthüllung rund um die Picards einstigen Erzfeind. Dass Agnes und die Borg-Königin anschließend miteinander verschmelzen, um die zu erwartende Zeitschleife mit dem Staffelauftakt zu kreieren, ändert dann auch nicht mehr viel. Auch muss man festhalten, dass die Königin sich viel zu einfach überzeugen ließ. Hier verschenkten die Autoren die Möglichkeit, Agnes bereits in den vergangenen Folgen irgendwie die Grundlage für diese Entwicklung legen zu lassen. Gerade weil in den vorherigen Episoden so wenig passierte, ist dies umso ärgerlicher.

Picards Kindheitstrauma enthüllt

Picard muss sich währenddessen sowohl gegen die Versuche von Soong wehren, ihn töten zu wollen, als auch sein Kindheitstrauma bewältigen. Erneut setzen die Autoren dabei auf Flashbacks in seine Kindheit, die in dieser Episode aber noch störender als bisher sind. So wird der eigentliche Spannungsbogen mehrfach unterbrochen, um den Zuschauern Picards Trauma zu präsentieren. Dieses steht zudem auf extrem wackligen Beinen, schließlich erscheint es unwahrscheinlich, dass man als Zuschauer erstmals von einem Picard in seinen 90ern erfährt, dass er sich für den Selbstmord seiner Mutter verantwortlich macht.

Immerhin ist aber auch dieses Rätsel gelöst, sodass sich das Staffelfinale auf Soong und dessen Versuch, die Europa Mission zu stoppen fokussieren dürfte. Im Falle von Soong muss man allerdings festhalten, dass dieser mittlerweile komplett in die Klischeekiste abgerutscht ist und fleißig vor sich hin monologisiert. Das hilft es auch wenig, dass Brent Spiner die Rolle spielt.

Seven akzeptiert sich selbst

Neben Picard wird auch Seven mit ihrem inneren Konflikt in "Das Versteckspiel" konfrontiert. Ähnlich wie bei dem Agnes-Handlungsstrang erfolgt die Auflösung hier aber ebenfalls sehr abrupt und man hätte sich im Vorfeld einen besseren Aufbau gewünscht. So verbrachte Seven einen großen Teil der letzten Folgen praktisch an der Seitenlinie und fungierte eher als Stichwortgeberin. Dass ihr einstiges Dasein als Borg ihr immer noch Probleme bereitet, wurde lediglich in den ersten Folgen angedeutet, eine wirkliche Ausarbeitung fand aber nie wirklich statt. Entsprechend wurde hier wieder einmal einiges an Potenzial verschenkt.

Währenddessen ist Rios weiterhin zwischen seiner Anziehung zu Teresa Ramirez und seiner Verpflichtung als Sternenflottenoffizier hin und hergerissen. In "Das Versteckspiel" gewinnt zwar zunächst noch die Pflicht, wirklich das letzte Wort scheint hier aber noch nicht gesprochen. Viel deutet daraufhin, dass die Autoren auch Santiago Cabrera aus der Serie schreiben. Eventuell will man so Platz für die Rückkehr der alten Garde in Staffel 3 machen. Spätestens in der nächsten Woche dürfte seine Schicksal dann geklärt sein.

Fazit

Holprig, holprig bewegt sich die 2. Staffel von Star Trek: Picard auf ihr Finale zu. "Das Versteckspiel" bringt zwar einige Handlungsfäden zusammen und löst auch die Geschichte rund um die Borg-Königin, wirklich überzeugend gelingt dies jedoch nicht.

Gnade - Kritik zu Star Trek: Picard 2.08

SPOILER

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Die 2. Staffel von Star Trek: Picard biegt langsam auf die Zielgerade ein und tatsächlich nimmt die Handlung in "Gnade" wieder etwas mehr an Fahrt auf. Ob dies allerdings ausreicht, um die Staffel noch zu retten, wird sich zeigen. Gefühlt scheint das Kind doch bereits wieder arg in den Brunnen gefallen zu sein.

Bereits in der vergangenen Woche hatten wir angesprochen, dass die Autoren von Star Trek: Picard anscheinend ein ziemliches Problem damit hatten, ihren geplanten Plot auf die insgesamt zehn Episoden zu strecken. In "Gnade" wird dies dann noch einmal deutlich. Wer geglaubt hat, dass es sich bei dem FBI-Agenten vielleicht um eine wichtige Figur oder einen Q handeln könnte, der wird enttäuscht. Stattdessen führen die Autoren tatsächlich in der achten von zehn Folgen eine vollkommen unbedeutende Nebenfigur ein, die kaum einen Beitrag zum Gesamthandlung beisteuert und obendrein sich auch direkt wieder verabschiedet. Die Handlung rund um FBI-Agent Martin Wells fühlt sich von Anfang bis Ende wie Füllmaterial an. Ein Vorwurf, den sich die Autoren nicht zum ersten Mal in der Staffel gefallen lassen müssen.

Darüber hinaus bildet "Gnade" auch einen guten Anlass, um die Frage in den Raum zu werfen, ob den Produzenten von Star Trek: Picard für die 2. Staffel das Budget zusammengestrichen wurde. Nicht nur die Tatsache, dass ein Großteil der Staffelhandlung in den Straßen des fast zeitgenössischen Los Angeles spielt, lassen diese Vermutung aufkommen. Auch Szenen wie das Verhör von Picard und Guinan sorgen für hochgezogene Augenbrauen. Dass hier als Kulisse irgendeine beliebige Abstellkammer gewählt wurde, wirkt schon sehr befremdlich. Selbst eine Außenaufnahme oder Statisten für weitere FBI-Mitarbeiter hat man sich gespart. Gerade im Vergleich zu Star Trek: Discovery, das optisch immer noch einiges zu bieten hat, stellt sich zunehmend die Frage, was bei Star Trek: Picard in diesem Bereich passiert ist.

Die alte Garde liefert Antworten

Immerhin brachte die Verhaftung von Picard und Guinan aber die Rückkehr von Q und ein paar Antworten. So bestätigt das einst übermächtige Wesen, das es tatsächlich im Sterben liegt. Sobald es aber um seine Motivation geht, wird die Sache deutlich unklarer. Während Q zunächst erfreut über das neue Abenteuer Tod war, ist es nun aus irgendeinem Grund nicht mehr. Gleichzeitig geht es ihm wohl irgendwie um Wiedergutmachung und auch die Tatsache, dass die Menschen anscheinend alle immer von ihrer Vergangenheit bestimmt werden, spielt eine Rolle. Wie gesagt, wirklich konkret wird Q hier nicht, dafür macht das Schauspiel von John de Lancie aber wieder richtig viel Spaß.

Gleiches kann man auch über Brent Spiner sagen. Dessen Adam Soong muss zunächst damit klarkommen, dass seine geklonte Tochter das Geheimnis ihrer Herkunft herausgefunden hat und nun nichts mehr mit ihm zu tun haben möchte. Doch lange bleibt Soong nicht allein, denn kurz darauf taucht die Borg-Königin auf. Diese enthüllt nun auch, was genau die Veränderung in der Zeitlinie auslöst. So soll eine Entdeckung von Renée Picard der Menschheit dabei helfen, den Planeten vor der Klimakrise zu retten. Würde man den Start der Europa Mission dagegen verhindern, würden die Menschen sich an Soong wenden, der dadurch in die Geschichte eingeht.

Leckere Batterien, Liebesgeschichten und Söldnertruppen

Bevor die Borg-Königin und Soong jedoch ihren Pakt schließen können, gibt es "Gnade" wieder einmal eine ganze Reihe von Ereignissen, die mittlerweile typisch für die Autoren von Star Trek sind. Der Zuschauer muss einfach jede Menge Dinge hinnehmen und sollte keinesfalls nachfragen. Dinge wie, dass Soong plötzlich ganze Söldnertruppen anheuern kann oder wenn die Borg-Königin anfängt, Autobatterien zu trinken, werden dem Zuschauer einfach hingeworfen, im besten Falle noch mit ein oder zwei Nebensätzen erklärt, aber wirklich darüber nachdenken darf man nicht.

Auch der Nebenplot rund um Rios und die Ärztin Teresa Ramirez wirkt extrem gewollt und an dieser Stelle der Geschichte irgendwie sehr deplatziert. Als hätte Rios aktuell nicht wichtigere Dinge im Kopf, als sich um die Frau und ihren Sohn zu kümmern und zwischenzeitlich noch eine Schifftour zu geben. Auch kann die Story eigentlich nur mit einem Happy End enden, wenn die beiden mit Rios in die Zukunft kommen. Zwar scheint es so, als würden die Verantwortlichen einen Verbleib von Rios in der Vergangenheit aufbauen, aber das wäre aus seiner Sicht kompletter Irrsinn, schließlich beginnt auf der Erde in zwei Jahren der Dritte Weltkrieg, zumindest wenn Picard und seine Crew Erfolg haben.

Das Duo Raffi und Seven ist währenddessen etwas produktiver und kann die Spur der Borg-Königin aufnehmen. Dabei scheinen die Autoren Raffi langsam aber sicher zu einer der unsympathischsten Figuren machen zu wollen. Mit dem Manipulationsthema will man zunächst erklären, warum Raffi so betroffen ist von Elnors Tod. Das macht ihr Verhalten nach dem Tod allerdings überhaupt nicht besser, da sich ja anscheinend nichts geändert hat. Anstatt etwas Demut zu zeigen und agiert sie wie die Axt im Walde. Im Gegenzug bleibt Seven weiterhin nur die Rolle der Stichtwortgeberin. Hier kann man nur offen, dass Darstellerin vielleicht in Staffel 3 wieder etwas mehr zu tun bekommt.

Fazit

In "Gnade" geben die Autoren von Star Trek: Picard tatsächlich ein paar Antworten und auch der Plot kommt langsam wieder in Bewegung. Eine inhaltliche Steigerung macht die Episode dabei zwar besser als seine beiden Vorgänger, von wirklich gut kann aber auch nicht die Rede sein. Dafür ist das Gesamtkonstrukt gefühlt mittlerweile zu verfahren, was auch für die beiden finalen Folgen wenig Hoffnung macht.

Monster - Kritik zu Star Trek: Picard 2.07

SPOILER

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Wie im Vorfeld erwartet, spielt ein großer Teil der Folge "Monster" im Kopf von Jean-Luc Picard und natürlich drehen sich die Geschehnisse um dessen Mutter, die schon seit dem Staffelauftakt wiederholt in Rückblicken zu sehen war. Ganz vergessen werden die anderen Figuren allerdings nicht, auch wenn man weiter festhalten muss, dass von dem furiosen Erzähltempo der ersten beiden Folgen kaum noch etwas übrige geblieben ist. Stattdessen schleicht die Haupthandlung bei Star Trek: Picard mittlerweile nur noch voran.

Der Fluch der zehn Episoden

Dass Serien-Fans in einem goldenen Zeitalter leben, kann man seit einigen Jahren immer wieder lesen. Nie zuvor wurden so viele hochwertige Serien mit teuren Budgets produziert, und auch viele Filmdarsteller sind mittlerweile in Serienprojekten zu sehen. Dass sich Serienproduzenten bei der Produktionsqualität an Filmen orientieren, ist dabei mehr als wünschenswert, in einem anderen Aspekt könnte man aber durchaus stärker seinen Wurzeln treu bleiben. Ähnlich wie in Filmen erzählen viele Serien mittlerweile eine große Geschichte, die allerdings nicht selten gar nicht den Stoff hergibt, um die komplette Laufzeit zu füllen. Die 2. Staffel von Star Trek: Picard scheint ein Musterbeispiel dafür zu sein.

Gefühlt hätte die Geschichte, die in Picard erzählt wird, früher in einer Doppelfolge von Star Trek: Die nächste Generation gepasst. Stattdessen haben die Macher aber zehn Episoden zur Verfügung, die man nun irgendwie füllen muss. Seit der Ankunft in der Vergangenheit macht sich die spürbar bemerkbar. Denn während der Plot anfangs extrem schnell erzählt wurde, hat man nun Schneckentempo erreicht. Viele Hürden, welche die Autoren den Hauptfiguren in den Weg legen, fühlen sich eher danach an, als wären sie nur da, um die Handlungszeit zu füllen. Ein gutes Beispiel dafür ist der Cliffhanger am Ende der Episode, wo plötzlich nach sieben Episoden noch das FBI aus dem Hut gezaubert wird, um die Sache noch etwas in die Länge zu ziehen.

Hier wäre es einfach wünschenswert, wenn Serienproduzenten - nicht nur die von Star Trek wohlgemerkt - in Zukunft häufiger die Frage stellen würden: "Hat die Geschichte, die wir erzählen wollen, wirklich genug Stoff für die Laufzeit, die es zu füllen gilt?" Und falls nicht, könnte man eventuell auf die revolutionäre Idee zurückgreifen, nicht eine, sondern vielleicht zwei abgeschlossene Geschichten in einer Staffel zu erzählen. Gerade bei der 2. Staffel von Star Trek: Picard hat man zunehmend das Gefühl, dass fünf Episoden hier locker ausgereicht hätten.

Jean-Luc Picard trifft Dr. Baltar

Die Episode selbst ist eine ziemlich wilde Mischung, in der die Macher anscheinend mit Horrorelementen Spannung aufbauen wollten. Das gelingt jedoch nur bedingt. Positiv ist dagegen der Auftritt von James Callis anzumerken, der nach Battlestar Galactica nun den Sprung in die Welt von Star Trek macht. Das Zusammenspiel von ihm und Jean-Luc Picard ist sehr unterhaltsam, auch wenn die Geschichte rund um Picards Mutter etwas holprig erzählt wird. Neben dem Umstand, dass Tallinn anscheinend im Traum eines Traums landet, ist auch die Auflösung um den Vater Picards etwas fragwürdig. Im 24. Jahrhundert sollten doch bessere Methoden für Menschen mit geistigen Erkrankungen zur Verfügung stehen, als sie in einem Raum einzusperren.

Dazu kommen in dieser Episode einige weitere Logiklöcher, die vor allem sehr kritischen Fans der neuen Star-Trek-Serien wieder ein Dorn im Auge sein dürften. Ein Beispiel wäre der Moment, in dem Rios der Ärztin aus dem Jahr 2024 ein medizinisches Gerät aus dem 24. Jahrhundert in die Hand drückt und meint: "Hier, mach mal." Das Äquivalent dazu wäre, wenn man einen Arzt aus dem 17. Jahrhundert vor ein MRT-Gerät stellt und ohne Anweisung einfach Knöpfe drücken lässt.

Schmetterlingseffekt Adé

Mit dem Fokus auf das Innenleben von Picards Kopf bekommen die anderen Figuren der Serie in "Monster" erneut nicht so viel zu tun. Immerhin finden Seven und Raffi heraus, was mit Agnes passiert ist und sind kurz darauf auch bereits auf der Spur der Borg-Königin. Rios darf im Gegenzug weiter mit Teresa Ramirez flirten und nimmt es anschließend auch nicht so genau mit dem Schmetterlingseffekt, von dem ja eigentlich zu Beginn der Staffel gewarnt wurde. Dieser scheint allerdings generell kaum noch jemanden zu interessieren. Immerhin ist die Handlung aber ganz sympathisch und man kann Santiago Cabrera und Sol Rodriguez zumindest nicht die Chemie absprechen.

Alison Pill tritt als Agnes beziehungsweise Borg-Königin dagegen nur kurz in Erscheinung. Dafür gibt es am Ende der Episode ein Wiedersehen mit Ito Aghayere als junge Version von Guinan. Die Szene bringt etwas mehr Hintergrund zur Beziehung zwischen den El-Aurians und den Q, sorgt am Ende dann aber durch die Ankunft des FBI für eine Enttäuschung. Man kann nur hoffen, dass sich hinter dem FBI-Agenten vielleicht ein Q verbirgt, andernfalls könnte in der nächsten Woche ein erneuter Gefängnisausbruch auf die Zuschauer warten.

Fazit

"Monster" ist die Episode, die man nach den Geschehnissen der Vorwoche erwarten konnte. Die positive Überraschung ist der Auftritt von James Callis, dessen Zusammenspiel mit Patrick Stewart die besten Momente der Folge bietet. Ansonsten fühlt sich die Handlung in der Vergangenheit aber weiter sehr zäh an und man kann nur hoffen, dass die Sache in der nächste Woche wieder mehr an Fahrt aufnimmt.

Flieg mich zum Mond - Kritik zu Star Trek: Picard 2.05

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Mit "Flieg mich zum Mond" hat die 2. Staffel von Star Trek: Picard offiziell die Halbzeit erreicht und wen gibt es besseren, um diese Episode zu inszenieren, als Jonathan Frakes? Die Star-Trek-Ikone hatte in der Folge allerdings einiges zu tun, da sie nicht nur mehrere größere inhaltliche Entwicklungen beinhaltet, sondern auch neue Figuren, wenn auch mit bekannten Gesichten, eingeführt wurden.

Den Anfang machte die mysteriöse Wächterin, die das Gesicht von Laris trägt, jedoch Tallinn heißt. Wer sich hier bereits eine Antwort auf die Ähnlichkeit zwischen den beiden Figuren erhofft hat, der wird zunächst enttäuscht. So enthüllt Tallinn zwar, was ihre Aufgabe ist, wobei die Autoren wieder einmal eine Verbindung zu den Star-Trek-Abenteuern von Kirk ziehen. Wieso sie jedoch wie Laris aussieht, bleibt unbeantwortet. Dafür wird zumindest geklärt, was genau Picard und seine Crew in der Vergangenheit reparieren müssen. Es stellt sich heraus, dass die Erwähnung seiner Vorfahrin im Staffelauftakt kein Zufall war, denn es ist tatsächlich Renée Picard, deren Handeln beziehungsweise Nicht-Handeln signifikante Auswirkungen auf die Zeitlinie haben wird.

Übersieht man die Tatsache, dass es etwas gewollt wirkt, dass ausgerechnet eine Vorfahrin von Picard im Mittelpunkt des Mysteriums steht, erscheint auch das Konstrukt um sie etwas unnötig kompliziert beziehungsweise nicht ganz nachvollziehbar. So sehr Renée auch als Wunderkind dargestellt wird, so unverantwortlich und damit unwahrscheinlich wäre es, dass die NASA bei einer so wichtigen Weltraummission überhaupt jemanden in Betracht zieht, der an Depressionen leidet. Auch gibt es gefühlt ein Dutzend einfachere Wege, um zu verhindern, dass Renée an der Mission teilnimmt, als den, der von Q eingeschlagen wird.

Bekannte Gesichter in neuen Rollen

Die Szenen von Q und Renée sind dabei nicht die einzigen, in denen das übermächtige Wesen in dieser Episode sein Unwesen treibt. Tatsächlich ist Q im Vergleich zu den vorherigen Folgen sehr häufig zu sehen, was definitiv ein Pluspunkt ist, denn John de Lancie spielt immer noch extrem unterhaltsam in seiner Rolle. Vor allem als er im späteren Verlauf auf Brent Spiner trifft, können beide Darsteller glänzen.

Spiner kehrt in der 2. Staffel von Star Trek: Picard in einer neuen Rolle zurück und spielt mit Adam Soong einen weiteren Vorfahren von Noonien Soong. Jetzt könnte man natürlich kritisieren, dass es nicht unbedingt kreativ ist, noch einen Soong in der Serie auftreten zu lassen. Auf der anderen Seite bringt dies aber auch Brent Spiner zurück, was grundsätzlich ja immer eine gute Sache ist. Gerade wenn man dann die Szenen von Soong und Q zusammen sieht, kann man die Entscheidung nur begrüßen.

Wie konkret Soong mit seinen genetischen Forschungen am Ende im Zusammenhang mit Renée Picard und ihrer Reise nach Europa steht, wird sich noch zeigen. Auch die Rolle von Soongs Tochter Kore ist noch ausbaufähig. Immerhin gibt es hier ein weiteres Wiedersehen mit Isa Briones, was zudem impliziert, dass Data sich bei der Schaffung von Soji und Dahj von einer der Soong-Vorfahrinnen hat inspirieren lassen.

Die Borg-Königin macht ihren Zug

Die dritte große Handlungsentwicklung in der Episode dreht sich um Agnes und die Borg-Königin. Das Duo war bereits in den vorherigen Folgen sehr unterhaltsam und nach "Flieg mich zum Mond" ist klar, dass der Zuschauer in Zukunft noch einiges mehr in dieser Richtung zu sehen bekommt. Zugegeben über die eine oder andere Logikschwäche muss man bei diesem Handlungsstrang ebenfalls hinwegsehen. So kann die Königin doch plötzlich ziemlich einfach die Kontrolle über wichtige Schiffselemente übernehmen und wieso sie ihren Tentakel nicht einfach direkt gegen Agnes einsetzt, ist ebenfalls nicht ganz nachvollziehbar.

Der Cliffhanger am Ende der Episode ist dafür aber sehr spannend und sorgt zum Glück auch dafür, dass die Borg-Königin trotz ihres körperlichen Ablebens nicht aus der Serie verschwindet. Auch verdichten sich nun weiter die Anzeichen dafür, dass es wohl tatsächlich Agnes ist (oder sein wird), die als Borg-Gesandte im Staffelauftakt den Frieden mit der Förderation sucht.

Zeitvertreib für Picards Crew

Mit dem Fokus auf der Einführung neuer Figuren und dem Vorantreiben des Plots blieb in dieser Episode für Seven, Rios und Raffi nicht wirklich viel zu tun. Den beiden Frauen gelingt es zu Beginn, Rios aus der Gefangenschaft zu befreien, danach überlassen die drei Darsteller weitestgehend ihren Kollegen die Bühne. Aktuell hinterlässt das komplette Abenteuer der drei Crewmitglieder noch einen eher komischen Nachgeschmack. So wirkt es im Moment so, als wäre all dies nur passiert, um die Zeit der zehn Episoden zu füllen. Weder Seven und Raffi noch Rios haben seit der dem Zeitsprung groß etwas zum Plot beigetragen. Zwar sind alle drei losgezogen, am Ende war es jedoch Picard, der quasi alle Antworten, die man benötigte, fand. Dadurch wirkt der Handlungsstrang im Nachhinein wie etwas verschwendete Zeit.

Fazit

"Flieg mich zum Mond" ist ein zweischneidiges Schwert. Auf der einen Seite sorgen das hohe Erzähltempo und tolle Szenen, wie das Aufeinandertreffen von Q und Noonien Soong, für Unterhaltung, auf der anderen Seite gibt es doch einige Ungereimtheiten und die Dinge, über die man vielleicht nicht zu genau nachdenken sollte, mehren sich. Zumindest schafft es die Episode aber gut, die Weichen für die zweite Staffelhälfte zu stellen und hält die Spannung hoch.

Dreamland Grusel 51: Kritik zum Hörspiel Die Caves und der Klang des Todes

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Hörspiel Headergrafik

Die namenlose Kleinstadt könnte Hawkins oder Castle Rock heißen – auf jeden Fall ist sie einer jener Orte irgendwo in den USA, in der eine Gruppe jugendlicher Helden gegen ein übernatürliches Grauen kämpfen muss. Die Inspirationsquellen für das neue Dreamland-Grusel-Hörspiel "Die Caves und der Klang des Todes" sind unschwer zu erkennen. Da reicht eigentlich schon ein Blick auf die Namen der Hauptfiguren und eine kurze Zusammenfassung des Inhalts.

Am Beginn des Sommers 1987 scheint die Welt der vier Außenseiter Will Bowers, Nancy Donner, Denis Willburn und Dave Law noch in Ordnung zu sein – sieht man von gelegentlichen Auseinandersetzungen mit den Schulschlägern ihrer Highschool ab. Doch von einem Moment auf den anderen verwandelt sich ihr heiles Kleinstadtleben in eine grauenvolle Hölle.

Zu Hause beim Fernsehgucken, in der Schule beim Nachsitzen oder beim Besuch der örtlichen Videothek verwandeln sich Erwachsene in hirnlose Monster, die brutal aufeinander losgehen. Auslöser der Verwandlung scheint ein geheimnisvolles Störgeräusch aus Radio- und Fernsehgeräten zu sein.

Kinder und Jugendliche scheinen gegen diese akustische Attacke immun zu sein, obwohl auch sie die Töne hören können. Dave, Will, Denis und Nancy können sich nach Angriffe ihrer Eltern, Lehrer und ältere Geschwister in eine Höhle in der Nähe der örtlichen Mall retten. Dort scheinen sie vorerst sicher zu sein vor dem geheimnisvollen Geräusch und den Angriffen der erwachsenen Bewohner ihrer Heimatstadt.

"Das kannst du deiner Oma erzählen, Bowers!"

Die Grundkonstellation der Geschichte ist nicht wirklich neu. Schon Stephen King schrieb in den 80er-Jahren verschiedene Geschichten, die Teenager in einer Kleinstadt mit übernatürlichen Grauen konfrontiert – und dann wäre da noch diese erfolgreiche Netflix-Serie, die sich genau dieser Mixtur aus Horror, 80er, Kleinstadt und Teenager bedient. Thomas Birker, der Produzent von Dreamland Grusel, bat den Autoren Thomas Plum auch exakt um eine Geschichte, die den Geist von Stand by me, Es und Stranger Things transportiert. Das neue Hörspiel ist trotz dieser bekannten Muster durchaus eine Bereicherung für die Reihe.

Die erste Folge Dreamland Grusel kam 2005 auf dem Markt. Die Serie verstand sich als Hommage und indirekte Fortsetzung der 80er-Jahre-Gruselserie von H.G. Francis aus dem Hause Europa. So gibt es immer wieder direkte Fortsetzungen ("Wolfsnächte", "Draculas Todesinsel" und zuletzt "Die Weltraummonster") der alten Francis-Hörspiele. Mittlerweile hat man sich von dem Vorbild gelöst, und die Spannbreite des Horrors reicht nun von Vampiren und Werwölfen über Killerhaie und Aliens bis zu unheimlichen Dämonen im Altenheim.

"Wer bist du eigentlich?"

Die vier Hauptrollen sind mit Sprechern besetzt, welche Ende der 80er-Jahre geboren wurden oder wie Vincent Borko erst 1998 auf die Welt kamen. Auch wenn ihre Teenager-Zeit nun schon länger zurückliegt, gelingt es allen, die jugendlichen Helden glaubhaft rüber zu bringen. Luisa Wietzorek als Nancy Donner ist darin besonders gut. Sie synchronisiert unter anderen Taissa Farmiga (American Horror Story).

Auch Vincent Borkos Stimme dürfte dem ein oder anderen Serienfan bekannt vorkommen. Er leiht Aidan Gallagher als Nummer Fünf in The Umbrella Academy seine Stimme. Im Hörspiel spielt er Denis Willburn. Felix Strüven als Will Bowers und Benjamin Stolz als Dave Law synchronisierten bisher kleinere Rollen in unterschiedlichen Serien und Animes. Außerdem waren sie bereits in anderen Dreamland-Grusel-Folgen zu hören. Die Stimmen der drei männlichen Sprecher lassen sich zum Anfang etwas schwer auseinanderhalten, insgesamt kann man aber über ihrer Leistung nicht meckern.

Die meisten Nebenrollen sind mit erfahrenen Sprechern besetzt. Zu hören sind unter anderen Peter Lontzek (Synchronstimme von Tom Hiddleston), Santiago Ziesmer (Synchronstimme von Steve Buscemi) und Bernd Egger (neue Synchronstimme von Arnold Schwarzenegger) – und man muss schon genau hinhören, um Lutz Mackensy (Erzähler der Hörspielserie Fünf Freunde), Dietmar Wunder (Synchronstimme von Daniel Craig) oder Eckart Dux (Synchronstimme von Ian McKellen in der Hobbit-Trilogie) in ihren sehr kurzen Auftritten nicht zu verpassen.

Bei so viel qualitativ hochwertigen Sprechern fallen einige mittelmäßigen Auftritte umso mehr auf – aber nicht großartig ins Gewicht. Die Hörspielmacher haben sich in der Folge selbst verwirklicht und legen bei ihren Einsätzen viel Enthusiasmus an den Tag, kommen aber nicht an die Qualität der professionellen Sprecherriege heran, die sie für "Die Caves und der Klang des Todes" um sich versammelt haben.

"Jetzt lernst du fliegen, mein Junge!"

Es ist nicht weiter schlimm, dass sich die Geschichte typischer Klischees wie Nerds und Schulschläger bedient. Ein 80er-Teenage-Horror-Szenario würde ohne diese Stereotypen etwas fehlen. Außerdem ist das Thema im Hörspielbereich gar nicht so abgenutzt, da dort die Geisterjäger erwachsen sind und die Kinderbanden immer nur Jagd auf menschliche Verbrecher machen.

Auch ist die Idee sehr gelungen, dass die Erwachsenen sich durch ein Geräusch in brutale Monster verwandeln. Dies gab es zwar schon: Man vergleiche Stephen Kings Roman Puls und auch in dem Film Pontypool verwandeln sich die Menschen durch ein Radiosignal in eine Art Zombies. Bei einer Audioproduktion bietet ein akustischer Auslöser für das Grauen doch ein ganz neues Hörerlebnis.

Es bleibt interessant, was hinter dem unheimlichen Störgeräusch steckt und wie die vier Helden es schaffen, die unbekannte Macht dahinter zu stoppen, denn das Hörspiel endet nach 50 Minuten ohne Auflösung. Bei der 51. Dreamland-Grusel-Folge handelt es sich um einen Zweiteiler. Die Fortsetzung folgt im Mai in "Die Caves und ein tödlicher Feind".

Problematisch am ersten Teil ist nicht der Inhalt, sondern wie dieser erzählt wird. Wer keine Rückblenden mag, wird nach kurzer Zeit feststellen, dass hier genau mit dieser Erzähltechnik gearbeitet wird. Das wäre nicht das Schlimmste, wenn man wenigstens einen Erzähler eingebaut hätte, statt die vier Jugendlichen ihre Rückblenden selbst einzuleiten. Hier wird die Möglichkeit verschenkt, etwas mehr 80er-Jahre-Atmosphäre und Gruselstimmung aufzubauen.

Außerdem gibt es immer wieder unnötige Nebenhandlungen, die von der eigentlichen Story ablenken. Bisher ist nicht klar, welche Rolle zum Beispiel die Erzählung rund um die Trennung von Wills Eltern spielt – was vielleicht noch in zweiten Teil zum Tragen kommt oder lediglich ein misslungener Versuch darstellen mag, der Figur mehr Tiefe zu verleihen. Gerade zu Beginn wirkt das Hörspiel durch die Rückblenden und Nebenhandlungen etwas wirr.

"Du kannst froh sein, dass du hier nicht auf eine Leiche oder einen gruseligen Clown gestoßen bist."

Im Klappentext der CD-Hülle steht, dass "Die Caves und der Klang des Todes" im Jahr 1987 spielt. Im Hörspiel selbst wird dazu keine Angabe gemacht. Es gibt aber eine Anspielung auf Stephen Kings Roman Es, welcher erst 1986 erschien. Die vielen Anspielungen auf Rambo, Shining und andere Filme der 80er-Jahre sollen dem Hörer verdeutlichen, in welchem Jahrzehnt das Hörspiel spielt.

Serien wie Stranger Things haben es da wesentlich leichter, das Retro-Feeling zu transportieren. Mit der richtigen Mode, alten Automodellen und passenden Kulissen kann man die 80er-Jahre schnell wieder zum Leben erwecken. Im Hörspiel geht das alles nicht. Aber statt ständiger Filmtitel und -zitate hätten die Protagonisten auch mal über den neuen Stephen-King-Roman reden können, jemand hätte auf den Commodore Maniac Mansion zocken können oder eine Nachrichtensendung im Hintergrund hätte einfach den US-Präsidenten Ronald Reagan erwähnt.

Lieder von Billy Idol, U2, Bon Jovi oder den Pet Shop Boys im Hörspiel einzuspielen hätte auch der zeitlichen Einordnung dienen können, wäre für ein so kleines Label sicher zu teuer gewesen. Da hat man sich aber sehr gut mit einem eigenen Retro-Soundtrack geholfen. Die Musik von Komponist Tom Steinbrecher, der als Autor auch die Dreamland-Grusel-Folgen "Im Bann der Teufelskrähe" und "Galgendorf" mit verfasste, vermittelt ein passendes Retro-Gefühl und sorgt an den richtigen Stellen für schaurige Gruselstimmung.

Vergleicht man die neue Folge mit vorherigen Hörspielen der Dreamland-Grusel-Reihe, dann fällt die unterschiedliche Art des Horrors auf. "Die Caves und der Klang des Todes" bietet einen härteren Grad an Gewalt, welcher so bisher nur in Zombiegeschichten zu hören war. Eltern, die in Gegenwart ihrer Kinder brutal übereinander herfallen, rechtfertigen eine Altersempfehlung ab 16 Jahren durchaus.

Fazit

"Die Caves und der Klang des Todes" ist eine spannende Geschichte für Fans von 80er-Teenage-Horror. Es hätte der Geschichte gut getan, wenn sie stringenter erzählt würde und sich der Regisseur um ein weniger mehr 80er-Jahre-Atmosphäre und Gruselstimmung bemüht hätte. Die zum Großteil sehr professionellen Sprecher können diese leichten Schwächen auffangen. Zusammen mit dem sehr guten Soundtrack von Tom Steinbrecher ist das Hörspiel ein gelungener Nostalgietrip in die 80er. Man kann gespannt sein, welches Grauen hinter den akustischen Attacken steckt und welches Schicksal die vier jungen Helden in der Fortsetzung im Mai ereilt.

Wächter - Kritik zu Star Trek: Picard 2.04

SPOILER

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Star Trek: Picard 204

In der Episode "Wächter" der 2. Staffel von Star Trek: Picard dreht sich viel um das Thema Hilfe. So versucht Jean-Luc nicht nur selbst, eine alte Freundin davon zu überzeugen, ihn bei seiner Aufgabe zu unterstützen, auch Agnes ist auf die Hilfe der Borg-Königin angewiesen. Währenddessen versuchen Raffi und Seven Rios unter die Arme zu greifen, allerdings müssen sie ihn dafür erst einmal finden.

Raffi und Seven auf großer Fahrt

Gleich zum Beginn der Episode finden Raffi und Seven heraus, was mit Rios geschehen ist. Dabei lassen es sich die Macher auch nicht nehmen, den Fans ein weiteres kleines Easteregg zu präsentieren. So treffen die beiden während ihrer Busfahrt auf einen gealterten Punk, der mit seinem Gettoblaster den ganzen Bus beschallt. Fans, die mit Star Trek IV: Zurück in die Gegenwart vertraut sind, dürften die Figur gleich wiedererkennen, wurde sie doch schon im damaligen Kinofilm von Kirk Thatcher gespielt. Ob es diesen Cameo unbedingt gebraucht hätte und wie realistisch es ist, dass im Jahr 2024 noch jemand einen Gettoblaster mit sich herumträgt, muss jeder für sich selbst entscheiden. Bei Zuschauer, die ein weniger gutes Gedächtnis haben, dürfte aber vermutlich gerade der letztere Umstand für die eine oder andere hochgezogene Augenbraue gesorgt haben.

Unabhängig von dieser Szene lässt sich jedoch festhalten, dass Raffi und Seven weiterhin ein unterhaltsames Duo bilden. Während im ersten Teil der Episode Seven ständig zur Vorsicht mahnt, nur um dann von Raffi aus dem Weg geschoben zu werden, dreht sich der Spieß gegen Ende um. Sobald Seven am Steuer Platz genommen hat, ist genau das Gegenteil der Fall, was für einige humorvolle Situationen sorgt.

Eine alte Bekannte mit neuer Optik

Die Tatsache, dass Picard und Agnes keinen Kontakt mehr mit dem Außenteam haben, sorgt zudem dafür, dass der Admiral nun selbst die Sache in die Hand nimmt. Zuvor besuchen er und Agnes jedoch erst einmal Chateau Picard. Hier bekommen die Zuschauer erneut einen Rückblick in Picards Kindheit präsentiert und es scheint viel dafür zu sprechen, dass dies nicht der letzte in dieser Staffel war. Viel wichtiger ist jedoch, dass die Autoren nun auch eine Zeitkomponente zu Picards Mission hinzufügen. So finden Jean-Luc und Agnes heraus, dass sie nur drei Tage Zeit haben, um ihre Gegenwart zu retten.

Mit der tickenden Uhr im Hinterkopf macht sich Picard anschließend auf nach Los Angeles und trifft dort erneut auf eine alte Bekannte. So kommt es zu einem Wiedersehen mit Guinan, die nun nicht nur deutlich anders aussieht und jünger ist, sondern in dieser Version auch nicht mehr von Whoopi Goldberg gespielt wird. Die von Ito Aghayere gespielte Inkarnation der Figur hat zudem auch einen deutlich pessimistischeren Blick auf die Menschheit.

Für viele Star-Trek-Fans dürfte der Auftritt von Guinan vermutlich das große Diskussionsthema der Woche sein. Schließlich gab es schon einmal ein Aufeinandertreffen zwischen ihr und Picard im 19. Jahrhundert. Dass sich dieses nun nicht mit der Handlung in Star Trek: Picard beißt, begründen die Autoren mit der Tatsache, dass die Zukunft, in der Picard in die Vergangenheit reist, nicht mehr existiert, sodass sie ihn nicht kennen kann.

Inwiefern man diese Erklärung akzeptiert, muss jeder für sich entscheiden. Etwas fragwürdiger ist eher der Umstand, ob es die Rückkehr von Guinan überhaupt gebraucht hätte. So ist sie selbst gar nicht der gesuchte Wächter, sondern nur die Person, die Picard am Ende den richtigen Weg weist. Gerade vor dem Hintergrund, dass man die Figur ja in der Staffel schon einmal zurückgebracht hat, fehlt dem erneuten Auftreten so etwas die Bedeutung.

Im Fokus der Borg-Königin

Während Picard nun ebenfalls in Los Angeles unterwegs ist, muss Agnes das Schiff hüten und sich zudem mit der Borg-Königin auseinandersetzen. Wie sich bereits in der letzten Folge angedeutet hat, ist die Königin nun deutlich gesprächiger und fokussiert ihr Interesse auf Agnes. Das Hin und Her ist dabei durchaus spannend und beide Figuren scheinen eine interessante Beziehung zu entwickeln. Auch wenn Agnes am Ende ihr Versprechen gegenüber der Borg-Königin bricht, dürfte diese noch lange nicht aufgeben und sicherlich die eine oder andere Überraschung für Agnes bereithalten.

Für Rios geht es währenddessen direkt ins Gefängnis, und da er keine gültige Identität vorweisen kann, wartet auf ihn die Deportation. Dieser Handlungsstrang ist gefühlt der am wenigsten interessanteste, weil er etwas plakativ wirkt, vor allem bei der Darstellung der Polizei. Hier muss man allerdings auch festhalten, dass Star Trek: Picard am Ende immer noch eine amerikanische Serienproduktion ist und Themen wie Rassismus und Polizeigewalt beziehungsweise Polizeiwillkür in den Vereinigten Staaten weiterhin sehr stark im Fokus stehen. Von daher kann man es den Autoren auch nicht verübeln, dass sie diese Themen ebenfalls aufgreifen.

Der doppelte Cliffhanger

Was ist besser als ein Cliffhanger? Genau: zwei Cliffhanger! Die war anscheinend das Motto, als die Autoren von "Wächter" das Ende der Episode erreichten. So lernt Picard zunächst doch noch den Wächter kennen und dieser trägt ein vertrautes Gesicht. So handelt es sich um Laris, die nun allerdings keine Romulanerin mehr zu sein scheint und über bisher unbekannte Kräfte verfügt. Der Auftritt von Laris fällt definitiv in die Kategorie "Na, da bin ich ja mal auf die Erklärung gespannt". Auf dem Papier wirkt es doch etwas arg konstruiert, aber warten wir einmal ab, wie ihr Auftritt begründet wird.

Im zweiten Cliffhanger kommt es zum Wiedersehen mit Q. Die Szene bestätigt zunächst einmal, dass Qs Zeitmanipulation etwas mit dem Europa-Projekt zu tun hat. Gleichzeitig wird aber auch enthüllt, dass die Fähigkeiten des einst übermächtigen Wesens anscheinend nicht mehr so funktionieren, wie zuvor. Nicht, dass Picard und seine Crew am Ende komplett unnötig in die Vergangenheit gereist sind.

Fazit

In "Wächter" treiben die Autoren die Handlung voran, ohne jedoch große Sprünge zu machen. Stattdessen werden gleich zwei Mysterien für die nächste Folge aufgebaut, während man in der Episode selbst zwar mit Guinan erneut eine bekannte Figur zurückbringt, deren Auftritt aber nicht wirklich notwendig gewesen wäre. Weiter unterhaltsan bleiben dafür die Paarungen Seven/Saffi und Agnes/Borg-Queen, die für die besten Momente in der Episode sorgen.

Assimilation - Kritik zu Star Trek: Picard 2.03

SPOILER

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Star Trek Picard 0203

Zu Beginn von "Assimilation" bleibt die 2. Staffel von Star Trek: Picard ihrem hohem Tempo zunächst weiter treu. Der Showdown zwischen Picard und seiner Crew auf der einen und Sevens Alternativwelt-Ehemann auf der anderen Seite wird vergleichsweise schnell aufgelöst, wobei auf beiden Seiten Opfer zu beklagen sind. Während die drei Konföderierten allesamt getötet werden, erwischt es auch Elnor, der die Reise in die Vergangenheit nicht überlebt.

Zuvor übernimmt jedoch erst einmal die Borg-Königin die Kontrolle über das Schiff und reist auf bekannte Weise in das Jahr 2024. Dort angekommen sorgen technische Probleme jedoch für eine ziemliche raue Landung, und als Picard sich zwischen der Rettung von Elnor oder dem Überleben der Borg-Königin entscheiden muss, fällt seine Wahl auf die alte Feindin. Da die Königin einfach zu wichtig für die Mission ist, muss sie mit allen Mitteln gerettet werden.

Dies bedeutet auch gleichzeitig das Ende für Elnor, was vor allem Raffi ein schwerer Schlag ist. Der Rest der Crew ist zwar auch betroffen, geht aber doch vergleichsweise schnell zum Alltag über. Interessant ist der Tod vor allem vor dem Hintergrund, dass die Autoren nach Soji nun schon das zweite jüngere Crewmitglied aus der Serie schreiben. Tatsächlich wirkt es auch eher so, als wäre Evan Evagora überhaupt nur zurückgekehrt, um Raffi einen emotionalen Arc zu ermöglichen. Grundsätzlich lässt sich die Entscheidung durchaus nachvollziehen. So wirklich viel schienen die Autoren mit dem romulanischen Ninja-Samurai ohnehin nicht anfangen zu wissen, sodass sein Verlust verschmerzbar erscheint.

Agnes gegen die Borg-Königin

Nachdem Picard und seine Crew in der Vergangenheit angekommen sind, nehmen die Macher dann erstmals in der neuen Staffel das Erzähltempo etwas heraus. Stattdessen werden die Figuren erst einmal für zukünftige Ereignisse in Stellung gebracht. Der interessanteste Teil der Handlung ist dabei sicherlich der um Picard und Agnes, die quasi versuchen, die Borg-Königin zu rebooten. Alison Pill zeigt dabei erneut, dass sie in Staffel 2 zu den Höhepunkten gehört, denn ihr Weg durch die verschiedenen Emotionen ist richtig gut gespielt und schafft es sowohl hinsichtlich Dramatik als auch hinsichtlich Humor zu erzeugen.

Nachdem es zwischenzeitlich kritisch wird, gelingt es Agnes schließlich, die Borg-Königin wieder zurückzubringen, wobei diese nun auch wieder ihre frühere Persönlichkeit zurückerhalten hat und nicht mehr wirkt, als würde sie unter Drogen stehen. So verschwendet die Königin wenig Zeit und erklärt gegenüber Picard auch direkt ihre Bedingungen für eine zukünftige Zusammenarbeit. Allerdings hat sie die Rechnung ohne Agnes gemacht, der es gelungen ist, ihr die ersten wichtigen Informationen zu entlocken. Für Agnes selbst könnte dies jedoch einige langfristige Auswirkungen haben, denn durch ihre Tat ist es ihr gelungen, die Borg-Königin zu beeindrucken. Beide dürften daher nicht zum letzten Mal aneinandergeraten sein. Und dann ist ja auch immer noch die Frage offen, wer in der Picard-Gegenwart unter der mysteriösen Maske des Borg-Botschafters im Staffelauftakt steckte.

Auf nach Los Angeles

Für die anderen drei noch lebenden Besatzungsmitglieder geht es währenddessen nach Los Angeles. Aufgrund verschiedener technischer Probleme, die Autoren können es ihren Figuren schließlich nicht zu leicht machen, sind sowohl die Transporter alles andere als genau, noch funktioniert die Kommunikation so einfach, wie man es in der Zukunft gewohnt ist. Dass Seven und Raffi anschließend gemeinsam unterwegs sind, ist durchaus an der Zeit. So wird quasi im Nachhinein die holprige Romanze der beiden aus dem Finale der 1. Staffel etwas gerechtfertigt . Gerade Seven scheint an der Vergangenheit durchaus Gefallen zu finden, schließlich wird sie hier einfach nur als Mensch und nicht als ehemalige Borg gesehen.

Während Seven und Raffi mit ihren Bemühungen noch nicht so viel erreichen, gibt es zumindest bei ihrer Ankunft in Los Angeles einen Hinweis auf den Grund, warum sie gemeinsam mit Picard in das Jahr 2024 gereist sind. In der Szene, in der Raffi und Seven erneut aufeinandertreffen, ist im Hintergrund ein Plakat sehr prominent zu sehen, das Werbung für eine Europa-Mission macht. Mit hoher Wahrscheinlichkeit wird der Jupitermond also noch eine größere Rolle spielen.

Im Gegensatz zu Raffi und Seven endete der erste Beamtransport von Rios ziemlich schmerzhaft. So kommt er nicht nur mit einer starken Gehirnerschütterung in eine Klinik, er verliert auch seinen Kommunikator und wird am Ende als illegaler Einwanderer verhaftet. Hier sind die Autoren von Star Trek: Picard dann wieder einmal gesellschaftskritisch unterwegs, allerdings lässt sich auch festhalten, dass die Handlung rund um Rios bereits in "Assimilation" dazu beiträgt, das Tempo zu verschleppen und etwas zäh wirkt. Auch wenn er und Dr. Teresa durchaus Chemie haben, kann man hoffen, dass Rios nicht zulange vom Rest der Crew getrennt bleibt.

Fazit

Mit "Assimilation" sind Picard und seine Crew im Jahr 2024 angekommen. Die Episode kann mit den beiden Auftaktfolgen zwar nicht ganz mithalten, weiß über weite Strecken aber doch zu überzeugen. Vor allem die Handlung rund um Picard, Anges und die Borg-Queen gehört zu den Highlights der Folge.

Buße - Kritik zu Star Trek: Picard 2.02

SPOILER

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Star Trek: Picard

Episode 2 der neuen Staffel von Star Trek: Picard macht genau da weiter, wo der Staffelauftakt aufgehört hat. Picard steht nach langer Zeit wieder einmal Q gegenüber, der anscheinend die Realität verändert hat. Q gibt sich anschließend wie gewohnt kryptisch, allerdings macht er auch mit einem Schlag (in Picards Gesicht) klar, dass es sich hier nicht einfach nur um eine simple Lehrstunde wie in der Vergangenheit handelt. Stattdessen geht es darum, Buße zu tun. Auch Q selbst scheint seinen Sinn für Humor verloren zu haben und wirkt, wie Picard später ebenfalls feststellt, verstört.

In der Folge erklärt das übermächtige Wesen Picard, wie genau seine neue Realität aussieht. In dieser haben die Menschen nicht die Föderation, sondern die Konföderation gegründet und anschließend mit brutaler Gewalt die Galaxie unterworfen. Picard selbst stand als General an vorderster Front und wird als Kriegsheld gefeiert. Dabei war er extrem erfolgreich, wie die vielen Trophäen in seinem Heim beweisen. An dieser Stelle werfen die Autoren dann auch direkt mit ein paar prominenten Namen um sich, was für manche Fans sicherlich ganz nett ist. Generell geizen die Macher in Staffel 2 bisher nicht unbedingt, wenn es um das Thema Fanservice geht.

Unklar ist allerdings noch, wie diese neue faschistische Welt denn nun konkret mit Picard in Verbindung steht. Im Staffelauftakt stand beim ehemaligen Captain der Enterprise vor allem das Thema Liebe im Mittelpunkt, und dass er noch nie eine langfristige Beziehung in seinem Leben hatte. Dies spielt in Episode 2 nun faktisch keine Rolle mehr, sodass abzuwarten bleibt, wie die Macher noch den Bogen schlagen. Dafür bringt man zumindest seinen künstlichen Körper wieder ins Spiel, allerdings bleibt es hier wieder nur bei einem Nebensatz.

Es sind wieder einmal alle böse

Dass die Autoren das Thema Faschismus für die veränderte Zeitlinie gewählt haben, ist leider nicht sonderlich kreativ. Allein in Star Trek hat man dies nun schon einige Male gesehen. Gefühlt scheint es beim Thema schlechte alternative Realitäten nur die Wahl zwischen einem Szenario, in dem alle böse sind, und einem Szenario, in dem die Zivilisation den Bach runtergegangen ist, zu geben. Hier wäre es durchaus nett gewesen, einmal etwas anderes zu sehen, gerade wenn man bedenkt, wie prominent das Spiegeluniversum bereits in Star Trek: Discovery vertreten war.

Nichtsdestotrotz liegt es nun an Picard, die Sache gerade zurücken. Dabei ist er allerdings nicht allein unterwegs, denn Q stellt ihm netterweise seine Crew aus Staffel 1 zur Verfügung. Diese muss jedoch erst einmal gefunden werden. Zum Glück verschwenden die Autoren hier wenig Zeit. Tatsächlich legt man ähnlich wie in Episode 1 auch in "Buße" ein hohes Erzähltempo vor und bringt die Crew bereits innerhalb dieser Episode wieder zusammen.

Es stellt sich heraus, dass Seven in dieser Realität unter ihrem eigentlichen Namen Annika Hansen als Präsidentin der Konföderation fungiert. Rios kämpft währenddessen an vorderster Front gegen die Vulkanier, während Elnor zum Widerstand gegen das Regime gehört. Bei einem Anschlag trifft er dabei auf Raffi, die für den menschlichen Sicherheitsdienst arbeitet. Für Agnes hat sich dagegen vergleichsweise wenig geändert. Sie ist auch in dieser Realität eine Wissenschaftlerin.

Die Borg-Queen sagt Hallo

Trotz ihrer ganz unterschiedlichen neuen Positionen findet sich die Gruppe schnell am Regierungssitz zusammen, wo am gleichen Tag der Triumph über die Völker der Galaxie gefeiert werden soll. Im Mittelpunkt der Feierlichkeiten steht die Hinrichtung eines alten Feindes. General Picard selbst kommt die Ehre zuteil, die Borg-Königin auslöschen zu dürfen.

Für die Rolle der Borg-Königin holten die Produzenten Annie Wersching an Bord. Wersching ist damit die dritte Darstellerin in der Geschichte von Star-Trek, die die Rolle übernimmt. Ihre Königin unterscheidet sich auch etwas von den bisherigen beiden Inkarnationen. Die Borg-Königin in dieser Realität ist sich bewusst, dass die Zeitlinie verändert wurde und sie so vom Kollektiv abgeschnitten wurde. Auch scheint sie eine größere Rolle in der 2. Staffel von Star Trek: Picard zu spielen. Dies bietet durchaus interessante erzählerische Möglichkeiten, birgt jedoch auch die Gefahr, dass die Faszination und das Mysterium rund um die Figur etwas verloren gehen.

Eine Zeitreise steht an

Durch die Borg-Königin erfahren Picard und seine Crew nicht nur, dass sie sich in einer veränderten Zeitlinie befinden, sondern auch, in welche Zeit sie reisen müssen, um diese zu reparieren. Es soll in das Jahr 2024 gehen, in dem anscheinend etwas gehörig schief gegangen ist. Was genau das sein soll, wird sich noch zeigen. Die Tatsache, dass die Autoren ein Jahr relativ nah am aktuellen Datum gewählt haben, ist auf jeden Fall bemerkenswert. So viel Sci-Fi dürfte man mit einer Geschichte im Jahr 2024 jetzt nicht unbedingt erzählen können.

Die Borg-Königin willigt dann auch netterweise ein, Picard bei der Wiederherstellung der Zeitlinie zu helfen. Damit dies klappt, muss man sie jedoch erst einmal vor der Hinrichtung retten. Die ganze Befreiung wirkt dann etwas schwieriger, als sie eigentlich sein sollte. Klar, es wird nicht geklärt, wie umfassend die Macht von Seven als Präsidentin ist, trotzdem kann man vielleicht einem faschistischen Staat wie der Konföderation davon ausgehen, dass sich eine Präsidentin nicht so von ihrem Ehemann hin und her schubsen lassen sollte. Gerade als oberstes Staatsoberhaupt sollte Seven doch deutlich mehr Macht haben und Dinge einfach befehlen können.

Auch bietet die Sequenz wieder einmal unnötige brutale Gewaltdarstellung, wie man sie auch häufiger schon in Star Trek: Discovery gesehen hat. Irgendwie wirkt es in Star Trek unpassend, wenn Leuten die Kehlen durchgeschnitten werden und darauf anschließend nur mit einem flippigen Spruch und Humor reagiert wird. So etwas haben Trek-Serien eigentlich nicht nötig. Deutlich besser funktioniert der Humor dagegen beim Gespräch zwischen Agnes und Rios. Generell lässt sich festhalten, dass die Wandlung von Agnes in Staffel 2 eine sehr gute Entscheidung der Autoren war und die Figur nun deutlich unterhaltsamer ist.

Fazit

In "Buße" setzen die Autoren das hohe Erzähltempo aus dem Staffelauftakt fort. Es geht Schlag auf Schlag und die Macher verschwenden keine Zeit. So bleibt die Episode durch die Bank weg unterhaltsam. Etwas getrübt wird das Gesamtbild durch den Umstand, dass man wieder einmal auf die Thematik einer faschistischen Realität zurückgreift. Hier wäre ein frischer Ansatz durchaus eine willkommene Abwechslung.

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