Kritik

His Dark Materials

n einer Welt, die von einer religiösen Macht beherrscht wird, und die Seelen der Menschen von Dämonen in Tiergestalt geteilt werden, lebt das Mädchen Lyra (Dafne Keen) in der Obhut ihres Onkels Lord Asriel (James McAvoy) im Jordan College in Oxford. Die Eltern des Mädchens wurden bei einem Unfall getötet, Onkel Lord Asriel ist ihr einzig bekannter lebender Verwandter und Beschützer. Eines Tages taucht die mysteriöse Marisa Coulter (Ruth Wilson) auf. Fasziniert von der glamourösen Lady nimmt Lyra deren Einladung nach London an. Dort angekommen, offenbart Coulter nach und nach ihre gefährlichen Seiten: Anscheinend ist sie in das rätselhafte Verschwinden vieler Kinder aus Oxford verwickelt, das in Verbindung mit einer unerforschten Substanz namens „Staub“ zu stehen scheint. Die Suche nach einem entführten Freund führt Lyra immer weiter nach Norden, wo sie auf Panzerbären und Hexenclans trifft. Als sie der gefährlichen Bedrohung auf die Spur kommt, liegt das Schicksal aller Welten in ihren Händen.

Kritik zu The Outer Worlds: Galaktische Gier

Nicht immer muss das Rad gleich neu erfunden werden, und wenn das Rad der einzigen Konkurrenz platt und löchrig ist, so wird das neue Produkt nach einer alten Idee bestens aufgenommen. Besonders gut funktioniert das Prinzip, wenn es um Videospiele mit einer enttäuschten Fangemeinde geht - spezifischer Spiele der Fallout-Reihe von Bethesda. Diese sind bekannt dafür, ewig kaputt und technisch unsauber zu sein. Der Favorit der Spieler ist sogar ausgerechnet Fallout: New Vegas, ein Spiel eines anderen Entwicklers. Dieser Entwickler, Obsidian Entertainment, hat  nun erkannt, dass der Markt Bedarf für einen weiteres “Rad” hat, die Lizenz hinter sich gelassen und mit The Outer Worlds einen eigenen geistigen Nachfolger entwickelt, der die Originaltitel wie billige Kopien aussehen lässt. Bethesda wäre wahrscheinlich sogar enttäuscht, wenn sie nicht alle Kapazitäten dafür aufwenden würden, Schadensbegrenzung um neue, negative Schlagzeilen zu Fallout 76 zu betreiben.

Schon die erste große Entscheidung in The Outer Worlds setzt sich maßgeblich von dem ab, was in einem Durchschnitts-Fallout an Dialogen und Tiefe zu finden ist. In einem fernen Sonnensystem haben sich die Menschen in Form der Halycon-Kolonie auf mehreren Planeten angesiedelt. Regierungen oder Militär gibt es nicht, der Bund besteht aus acht hyperkapitalistischen Unternehmen, deren Management die alleinige Kontrolle über jeden Aspekt der Siedler hat. Wochenenden sind nur noch Mythen, Krankheiten gelten als Ungehorsam und jeder ist verpflichtet, in alltäglichen Gesprächen Produkte mit Slogans anzupreisen. 

„It's not the best choice - It's Spacer's Choice!“

Doch was offensichtlich antagonistisch ist und sich satirisch an Arbeitsbedingungen bei Amazon annähert, offenbart sich schnell als große Grauzone. Zwar ist eine kleine Gruppe von Rebellen auf dem richtigen Weg, als sie sich von ihrer Siedlung um eine Thunfischfabrik abspaltet, doch sie haben mit ihrer radikalen Isolation die Lebensbedingungen der anderen Arbeiter nur erschwert. Diese mussten für ihre aufmüpfigen Kollegen einspringen und sind durch die darauffolgende Nahrungsmittelknappheit auf den Fisch aus Konserven angewiesen. Ihr Slogan bewirbt Protein, doch der Vitaminmangel rafft schnell viele Arbeiter dahin. Medizin gibt es nur für unentbehrliche Arbeiter und Manager. Alle anderen müssen ihre eigenen Särge bezahlen. So steht es im lebenslangen Arbeitsvertrag als Eigentum der Firma.

The Outer Worlds Terra 2

Es mag somit zwar eine moralisch „bessere“ Seite geben, doch die Entscheidung des Spielers - selbst in der Rolle eines nach fünfzig Jahren aus dem Cryoschlaf aufgeweckten Kolonisten -  zerstört eine der Gemeinschaften. Auch unschuldige Überlebende würden spätestens am Hunger zugrunde gehen. Doch eine seichte Zwischenlösung, die scheinbar beide Parteien versöhnt, ist nicht besser. Beide Seiten müssen sich zähneknirschend mit starken Einschränkungen zufriedenstellen - ihre Träume eines besseren Lebens werden zerstört. Die Fragen um eine perfekte Gesellschaft kommen im Spiel öfter auf: Wie schafft man eine faire Lebensgrundlage? Wer trägt die Schuld, wenn diese nicht funktioniert? The Outer Worlds lässt dies den Spieler in langen und vielfältigen Dialogen entscheiden, die so clever wie amüsant geschrieben sind.

„Das nenne ich aggressive Verhandlungen!“

An der Stelle setzt sich The Outer Worlds endgültig von der Konkurrenz ab: Personen können im Gespräch in dutzenden Varianten vom eigenen Anliegen überzeugt werden. Bedrohe ich den Bürokraten mit einschüchternden Wortwitzen, überzeuge ihn mit technischem Know-How, oder kneife ich meine Augen zusammen und nehme ihn nonverbal langsam auseinander? Letzteres ist natürlich vom wortwörtlichen Auseinandernehmen zu unterscheiden, was das Spiel mit einer Vielzahl an retro-futuristischen Schuss-, Laser-, Plasma- und Nahkampfwaffen ermöglicht. Das ist zwar nicht so befriedigend wie das Skript, löst seine Aufgabe aber befriedigend, ohne dass man - wie in einem Fallout - fürchten muss, aufgrund eines Spielfehlers plötzlich durch den Boden zu fallen.

Und weil in dieser Kritik noch nicht genügend direkte Vergleiche mit dem Vorbild eingebaut sind: Ja, The Outer Worlds schaut sich auch einige Schwächen ab, beginnend bei der grafischen Umsetzung. Dank eines gelungenen künstlerischen Stils, der sich gehörig beim Retrofuturismus abschaut, aber auch viele eigene Ideen hat, fällt die veraltete Grafik nicht sehr negativ auf - bis man einem Charakter während eines Gesprächs ein wenig ZU lange in das animierte Gesicht schaut. Bevor sich jemand nämlich in den digitalen Augen einer Figur verliert, geht es ab in den Kurzurlaub in die Uncanny Valley. Natürlich schießt sich das Spiel damit nicht ins Aus, doch bedenklich ist es allemal, wenn man sich die Hauttexturen dank sich hinziehender Dialoge stundenlang ansehen muss. Aber was wirklich zählt, sind die inneren Werte. Die Schreiber bei Obsidian beweisen wieder, dass sie Charaktere schreiben können. Denn es zählt noch lange nicht zum Genre-Standard, dass jedes Crewmitglied auf dem Schiff des Spielers eigene „Ticks“, Verhaltensweisen und Sprechweise zeigt.

The Outer Worlds Byzatium

Fazit

The Outer Worlds ist fast schon mutig darin, wie sehr es exakt alle Erwartungen erfüllt, die Spieler im Vorfeld daran hatten. Es ist das neu erfundene Rennrad mit gleichen Gebrauchsspuren, aber ohne defektes Ventil. Ganz nebenbei ist es noch ein Spiel, was zum Lachen bringt und zu unangenehmen Entscheidungen zwingt. Im besten Fall denkt der Spieler vorsichtig darüber nach, wie er die vorsichtige Balance zwischen Rebellion und unternehmerischer Diktatur bewegen kann. Im schlechtesten Fall grinst er vor dem Bildschirm in sich hinein, während sein korrupter Schiffscomputer mit einem umgerüsteten Putzroboter flirtet. Und manchmal ist das schon genug.

The Outer Worlds ist für die Playstation 4, Xbox One und den PC erhältlich.

zusätzlicher Bildnachweis: 
© Obsidian

The Outer Worlds – Official Announcement Trailer

Kritik zu Zombieland 2: Doppelt hält besser

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Zombieland

Man mag es heute kaum glauben, aber als die Horrorkomödie Zombieland 2009 in die Kinos kam, handelte es sich um einen Überraschungshit. Zwar konnte Shaun of the Dead das Zombie-Genre bereits fünf Jahre zuvor und wahrscheinlich auch etwas cleverer parodistisch auf den Kopf stellen, Regisseur Reuben Fleischer sorgte mit seinem herzlichen und zusammengewürfelten Gespann aus ungleichen Zombie-Apokalypse-Überlebenden trotzdem für viel Spaß. Ein Film, der gelegentlich an die unterhaltsamsten Studio-Komödien der 80er und 90er erinnerte, die von Regisseuren wie Ivan Reitman oder Joe Dante stammten. Nicht umsonst enthält der Film eine liebevolle wie vergnügliche Reminiszenz an eine der erfolgreichsten 80er-Komödien namens Ghostbusters.

Während sich Fleischer anschließend an anderen Genre-Arbeiten versuchte – mal weniger erfolgreich mit 30 Minuten oder weniger oder Gangster Squad, mal zumindest kommerziell erfolgreich mit Venom – konnten vor allem Jesse Eisenberg, Emma Stone und Woody Harrelson zu neuen Karrierehöheflügen ansetzen. Eine Fortsetzung des Zombie-Hits erfolgte dagegen zunächst mit einer missglückten, schnell wieder abgesetzten Amazon-Serie und … anschließend lange nichts mehr. Nun, zehn Jahre später kommt dann eine Fortsetzung ins Kino, welche an den ersten Film anzuknüpfen.

Alles bleibt anders im Zombieland

Auch im erzählerischen Universum des Zombielands sind zehn Jahre vergangen. Viel hat sich jedoch nicht geändert: Columbus (Jesse Eisenberg), Tallahassee (Woody Harrelson), Wichita (Emma Stone) und Little Rock (Abigail Breslin) entledigen sich immer noch der fleischfressenden Plagegeister und haben sich zum Weißen Haus vorgearbeitet, um sich dort einzunisten. Diese Zombies haben aber inzwischen so etwas wie rudimentäre Persönlichkeiten entwickelt, wenn man es so nennen kann: Manche von ihnen sind äußerst smart, andere wiederum ziemlich dumm (in Anlehnung an die Simpsons auch Homer genannt).

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Zombieland 2

Harmonisch und ohne Stolpersteine gestaltet sich das Leben im Weißen Haus jedoch auch nicht: Little Rock fühlt sich von Tallahassees väterlichen Ambitionen eingeengt. Wichita und Columbus führen zwar eine komfortable Beziehung, das soll sich jedoch ändern, als er ihr einen Heiratsantrag macht. Aus diesen Gründen setzen sich Wichita und Little Rock wieder mal ab. Allerdings trennen sich auch die Wege der beiden Schwestern bald darauf, als Little Rock auf den Hippie Berkeley trifft. Columbus macht ebenfalls neue Bekanntschaften, während er versucht, über die Trennung hinwegzukommen: In einem verlassenen Einkaufszentrum treffen er und Tallahassee die zerstreute Madison (Zoey Deutch), die sich bisher in einem Kühlraum versteckt hielt. Gemeinsam mit ihr machen sich Columbus, Wichita und Tallahassee auf den Weg, um Little Rock vor den pazifistischen Ambitionen Berkeleys zu retten.

Tolle Besetzung fängt viele unausgegorene Ideen auf

Überraschen kann Zombieland 2: Doppelt hält besser nicht wirklich, dennoch ist die Fortsetzung in seiner vollkommen anspruchslosen Ambitionslosigkeit über weite Strecken kurzweilig und erfrischend. Gute Gags wechseln sich mit albernen bis schlechten ab, denen man allerdings auch nicht wirklich böse sein kann. Zombieland 2 gibt sich nie als mehr aus, als es ist: Hier finden sich nur wenige Fanservice-Anspielungen, die auf ein größeres erzählerisches Universum hindeuten. Stattdessen finden die Zuschauer nur albernen Nonsense-Spaß. Es lohnt sich allerdings, während des Abspanns sitzen zu bleiben. Zuvor verarbeiten Reuben Fleischer und seine Drehbuchautoren Dave Callahan, Rhett Reese und Paul Wernick fast schon zu viele Ideen, mit denen sie die Fortsetzung an- und gelegentlich überfüllen.

Hierzu gehören ein weiteres Zombiejäger-Duo, gespielt von Luke Wilson und Thomas Middleditch, die quasi ein Spiegelbild der beiden Hauptfiguren Tallahassee und Columbus darstellen; oder eine Hippie-Kommune, die sich jeglicher Waffen entledigt; sowie eine Superzombie-Art, die sich zu sehr schlauen und fast unzerstörbaren Terminatoren weiter entwickelt hat. Viele dieser Ideen bleiben unausgegoren und funktionieren als Folge mal mehr und mal weniger gut. Auch filmisch und actiontechnisch bietet Reuben Fleischers Regie neben den bereits bekannten Mechanismen und Zeitlupensequenzen nicht viel Neues.

Trotz alledem bleibt die Fortsetzung äußerst unterhaltsam, denn im Mittelpunkt stehen wie im Vorgänger die vier Hauptdarsteller, die sich mühelos in ihre alte Rollen einfinden und ihre charmante Dynamik wieder aufleben lassen. Eine erfrischende Ergänzung stellt die äußerst talentierte Zoey Deutch dar, die selbst über eine etwas undankbare Rolle als blondes Dummchen hinauswächst und sich wunderbar in die sowieso schon charismatische und wortwitzige Besetzung einfügt.

Fazit:

Kurzweiliger Spaß ohne jeglichen Anspruch, der wenige Überraschungen oder Neues bietet und leider ein paar unausgegorene Ideen zu viel verarbeitet. Dank der gewohnt wunderbaren Besetzung und der einen oder anderen spaßigen Ergänzung in Gestalt von Rosario Dawson und Zoey Deutch, macht die Fortsetzung aber dennoch Spaß.

ZOMBIELAND: DOUBLE TAP - Official Trailer (HD)

ZOMBIELAND: DOPPELT HÄLT BESSER - Trailer 2 - Ab 7.11.19 im Kino!

Gruselserie 5: Kritik zum Hörspiel Dracula – Tod im All

Die Auftritte von Frankenstein, Werwölfen, Horror-Ameisen oder Mumien prägten die Gruselserie in den frühen 80er Jahren. Aber was wäre die Hörspielreihe von H. G. Francis ohne Dracula gewesen? Der Vampirfürst steht in vier der 18 Folgen im Zemtrum: "Dracula und Frankenstein, die Blutfürsten", "Dracula, König der Vampire", "Gräfin Dracula, Tochter des Bösen" und "Draculas Insel, Kerker des Grauens". So ist es nur logisch, dass der Graf auch in der Neuauflage der Reihe seinen Auftritt bekommt – und zwar in der fünften Folge "Dracula – Tod im All".

Einige hundert Jahre in der Zukunft: Das Forschungsraumschiffs Xeron 4 befindet nach einer Expedition durch die Weiten des Alls auf dem Rückflug zur Erde. Als sie ein unbekanntes Rettungssignal von einem unbesiedelten Planeten empfangen, lässt die Kommandantin Valentina Alexandrowna die gesamte Crew des Schiffes wecken.

Die Besatzungsmitglieder, welche mit dem Shuttle auf den unwirtlichen Planeten landen, finden eine abgestürzte alte russische Raumkapsel. In deren Inneren stoßen die Forscher auf einen Sarg. Gegen die Meinung der Offizierin Stella Dupont beschließt das Rettungsteam, die mysteriöse Kiste mit an Bord zu nehmen.

In dem Sarg befindet sich – wie der Titel des Hörspiels schon vermuten lässt – niemand anderes als Graf Dracula. Der Vampirfürst hat nach Jahren der Gefangenschaft Durst auf menschliches Blut – und so nimmt das Grauen auf dem einsamen Raumschiff seinen Lauf.

"Du hast doch gehört, was der Captain vorhin gesagt hat."

Die Raumschiffkommandantin Valentina Alexandrowna wird von Gertie Honeck gesprochen. Star-Trek-Fans dürften sie gleich als Synchronstimme von Kate Mulgrew als Captain Janeway in Star Trek: Raumschiff Voyager erkennen. Honeck gelingt es somit schnell, die Zuhörer gedanklich in den Weltraum zu führen.

Keine Weltraumerfahrung besitzt die Sprecherin Merete Brettschneider, die schon in der zweiten Folge der neuen Gruselserie einen sehr kurzen Auftritt hatte. Als Stella Dupont durfte sie nun in "Dracula – Tod im All" eine größere Rolle übernehmen, die sie sehr gut ausfüllt. Man merkt ihr an, dass sie regelmäßig als Teenager-Detektivin Marie Grevenbroich in der Hörspielserie Die drei Ausrufezeichen mitwirkt. Zudem ist Brettschneider die Synchronstimme von Melissa Benoist in der Serie Supergirl.

Udo Schenk, der in den Folgen "Yeti – Kreatur aus dem Himalaya" und "Moskitos – Anflug der Killer-Insekten" noch als Erzähler fungierte, spielt diesmal Dracula. Als deutsche Synchronstimme von Gary Oldman durfte er dem berühmten Vampir in Bram Stoker's Dracula schon einmal seine Stimme leihen.

Christian Brückner (Synchronstimme von Robert De Niro) übernimmt von Schenk die Rolle des Erzählers. Eine exzellente Wahl: Mit seiner markanten Stimme könnte der erfahrene Sprecher sein Publikum vermutlich auch mit einem Vortrag von Bedienungsanleitungen für Elektrogeräte fesseln.

Weitere Crew-Mitglieder werden von Anna Carlsson (Synchronsprecherin von Piper Perabo), Jürgen Uter (Direktor Reno in der Hörspielserie Point Whitmark) und Romanus Fuhrmann (Synchronsprecher von Rune Temte in Captain Marvel) gesprochen. Die drei liefern eine solide Arbeit ab, können aber mit den vier erstgenannten Sprechern nicht ganz mithalten. Besonders bei Uter und Fuhrmann hat man auch nach mehrmaligem Hören Probleme, die Stimmen der beiden Männer auseinanderzuhalten.

Der Moderator und Schauspieler Peter G. Dirmeier (Nebenrollen in Die drei Fragezeichen, TKKG, Fünf Freunde) liefert als Tarik Thomalla die schwächste Leistung ab. Zugutehalten muss man ihm, dass er als sexistischer Macho auch die unsympathischste Rolle übernommen hat.

"Wir sind ein Forschungsteam und keine Sternenkrieger!"

An den zum Teil recht miesen Dialogen würden aber auch bessere Sprecher als Dirmeier scheitern. Gerade zu Beginn lässt Autor André Minninger (Die drei Fragezeichen, Ein Fall für TKKG) die Besatzung ausführlich und umständlich Dinge erklären, welche für die folgende Handlung total unwichtig sind.

Diese Schwächen konnte offenbar auch Heikedine Körting (Die drei Fragezeichen, Masters of the Universe, Tom und Locke) als Regisseurin nicht ausbügeln. Körting war bereits für die ursprüngliche Gruselserie verantwortlich, welche ab 1981 beim Hörspiellabel Europa erschien.

Die Dialogbücher verfasste damals der Autor H. G. Francis. Zum Bedauern vieler Fans wurde die Reihe 1982 nach der Folge "Das Weltraum-Monster" eingestellt. "Dracula – Tod im All" schlägt somit eine thematische Brücke zwischen den vielen Dracula-Folgen und dem letzten Teil der alten Gruselserie.

Leser, die bis hierher gekommen sind und nicht schon bei dem Titel oder spätestens bei der Zusammenfassung des Inhalts aus dem Artikel ausgestiegen sind, haben vermutlich eine große Toleranz für Trash und Genre-Crossover. Die Verknüpfung zwischen Vampir-Gothic-Horror und Weltraum-Grusel ist André Minninger sehr gut gelungen und eine der Stärken des Hörspiels. Im Laufe der Geschichte wird eine im Rahmen des Genres akzeptable Erklärung geboten, wie der Vampirfürst in das Weltall gelangte.

Mit Dracula besitzt das Hörspiel zudem einen klassischen Schurken, welcher am Ende nicht überraschend von einer Öko- oder Friedensmission angetrieben wird. Im Prinzip ist gegen so eine positive Botschaft nichts einzuwenden. Solche Wendungen wurden aber innerhalb der Reihe jetzt schon öfters eingesetzt. Diesmal ist das Böse wirklich böse – und stellenweise richtig unheimlich.

"Aber warum wurde dieser Dracula von der Kamera nicht erfasst?"

Dafür verhalten sich die Menschen auf dem Raumschiff nicht immer logisch und nachvollziehbar. Sie finden einen mit Ketten umwickelten Sarg auf einem fernen unbesiedelten Planeten und haben nichts Besseres zu tun, als ihn schnell an Bord zu holen. Und trotz ihrer Bedenken wegen des unheimlichen Sargs genehmigt die Kommandantin ihrer Besatzung ein fröhliches Saufgelage.

Man merkt, dass Minninger verhindern wollte, dass die Besatzung zu früh hinter das Geheimnis des Sargs kommen. Dafür muss halt eine Jacke das Alarmsignal für die offene Schleuse verdecken, und die Überlebenden kommen auch erst gegen Ende darauf, sich einmal die Überwachungsbänder anzusehen.

Neben den zum Teil hölzernen Dialogen ist dieses aber der einzige negative Kritikpunkt des Hörspiels, über den man leicht hin weghören kann. Die Schwächen teilt sich die Folge mit den anderen Episoden der Neuauflage der Gruselserie. Im direkten Vergleich schneidet "Dracula – Tod im All" wesentlich besser ab als die Vorgänger.

Denn die Geschichte macht durchaus Spaß und ist sehr gut in Szene gesetzt. Da wäre zuerst die Musik zu nennen, die gerade zu Beginn schön nostalgisch an alte Science-Fiction-Filme erinnert. Später wird sie ein wenig zurückgenommen, um im Hintergrund die Spannung zu unterstützen. Auch die Effekte sind sehr gelungen. Das Öffnen und Schließen der Schleusen, der Flug mit dem Shuttle und die Kommunikation auf den Planeten über Helmfunk werden glaubhaft dargestellt.

"Untote wie ich sind auf Sauerstoff nicht angewiesen."

Die Gruselserie ist allerdings bald nicht mehr alleine im Weltall: Das Label Dreamland Grusel bringt im Dezember die Folge "Die Weltraummonster" heraus. Hierbei soll es sich um eine direkte Fortsetzung der alten Geschichte von H. G. Francis handeln. Dreamland Grusel setzte bereits mit "Wolfsnächte", "Draculas Todesinsel" und "Kap der blutigen Nächte" einige Francis-Hörspiele der alten Gruselserie fort.

Fazit

Das Hörspiel besitzt einige Logiklöcher und nicht sehr gelungene Dialogpassagen. Es ist trotzdem ein großer Spaß zuzuhören, wie Captain Janeway beziehungsweise Kommandantin Alexandrowna gegen Dracula antritt. Insgesamt ist das Hörspiel spannend aufgebaut, besitzt sehr gute Effekte und wurde mit tollen Sprechern wie Christian Brückner, Gertie Honeck und Udo Schenk besetzt. So ist "Dracula – Tod im All" gerade wegen seiner trashigen Geschichte die beste Folge der Reihe.

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Gruselserie - Folge 5: Dracula - Tod im All

DC-Comic-Kritik zu Superman 1, Suicide Squad 1 & Red Hood und die Outlaws 1

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Superman Comic

Der Tod von Superman war sicherlich eine der Comic-Geschichten, die das größte Medienecho weltweit, aber vor allem in den USA hervorgerufen hat. Der Held aller Helden gestorben? Getötet von einem riesigen, scheinbar unbesiegbaren Monster? Ja, das waren die Fragen, die Anfang der 90er-Jahre nicht nur langjährige Fans umtrieben. Der Mann, der den berühmten Kryptonier einst sterben ließ, war Dan Jurgens. Es versteht sich fast von selbst, dass sein Name spätestens ab diesem Tag so ziemlich jedem Popkulturbegeisterten dieses Jahrzehnts ein Begriff war.

Dass Geoff Johns 2016 ebendiesen Autor abermals mit einem der wichtigsten DC-Titel überhaupt betraute, war zwar längst nicht so spektakulär wie besagtes Event der Extraklasse, allerdings dennoch eine Entscheidung, die die Augen vieler Clark-Kent-Freunde leuchten ließ. Wissen muss man in diesem Kontext jedoch, dass die hierzulande unter Superman laufende Serie in Nordamerika unter Action Comics firmiert. Die US-Superman-Reihe, für die das Duo Peter J. Tomasi und Patrick Gleason verantwortlich zeichnete, wird in Deutschland in Form der sogenannten Superman Sonderbände herausgegeben.

Jurgens neuester Run startet vermeintlich mit viel Bekanntem, und im Vergleich zu den ersten Seiten der übrigen Titel mit einer neuen Nummer 1 (wie etwa Deathstroke, Green Lanterns oder Flash) wurde hier sehr viel Wert auf einen stimmigen und direkt ersichtlichen Übergang von der The-New-52- hin zur Rebirth-Ära (der auch schon einmal gesondert besprochen wurde) gelegt: Denn spätestens seit Die letzten Tage von Superman wissen Panel-Liebhaber, dass es den “alten“ Mann aus Stahl noch gibt, den der nicht mit Wonder Woman, sondern mit Lois Lane liiert ist und sogar einen Sohn mit ihr hat.

Dass abermals der Tod eines Superman im Fokus steht, dass Doomsday wieder eine Rolle spielt und dass sogar mehr als ein Mann mit einem “S“ auf der Brust benötigt wird, um die Welt vor ihrem sicheren Untergang zu bewahren, war alles schon einmal da. Trotzdem unterscheidet sich die Handlung dieses Paperbacks deutlich von den Ereignissen von vor über zwanzig Jahren. Dieser Umstand alleine würde diesen Band schon lesenswert machen, die Tatsache, dass er am Ende so viele Antworten schuldig bleibt, sogar noch mehr. Es liegt nicht auf der Hand, wie es weitergeht, und das ist schlicht erfrischend - und hat vor allem mit Lex Luthor zu tun.

Suicide Squad

Die stählerne Gruft

Das erste Suicide-Squad-Paperpack lässt sich in erster Linie als überaus bildgewaltig beschreiben. Kein Wunder, denn schließlich war es Altmeister Jim Lee, der den Inhalt der meisten Panels beisteuerte. Der Mann, der mittlerweile ein wichtiger Entscheidungsträger bei DC Comics ist, dürfte eine ganze Generation an Zeichnern nachhaltig inspiriert und womöglich sogar (indirekt) dazu animiert zu haben, zu versuchen, in diesem Beruf Fuß zu fassen. Daher ist es auch kaum überraschend, dass Lee sich einer solch anspruchsvollen Aufgabe wie der Neuinterpretation des beliebtesten Selbstmordkommandos überhaupt angenommen hat.

Dieses besteht nämlich nicht nur aus vielen, sondern auch aus Figuren, die jeden Künstler in besonderem Maße fordern, weil es bei ihnen auf viele Details zu achten gilt. Allerdings wird man eben nur zu einer lebenden Legende, wenn man jederzeit dazu in der Lage ist, insbesondere solche Herausforderungen (spielend) zu meistern. Ob Killer Crock/Waylon Jones, Deadshot/Floyd Lawton, Captain Boomerang/George “Digger“ Harkness, Echantress/June Moone oder Harley Quinn/Dr. Harleen Quinzel, sie alle haben von wenigen Ausnahmen abgesehen selten so gut ausgesehen.

Zu behaupten, dass das von Rob Williams erdachte Auftaktabenteuer qualitativ nicht mit der Bebilderung Lees mithalten könne, wäre jedoch definitiv verfrüht, denn keine Rebirth-Serie gönnt sich eine derart ausufernde Origin-Story-Phase, in der die Task-Force-X-Mitglieder nacheinander vorgestellt werden. Ebenfalls erfährt man viel über die Leiterin des Geheimprogramms Amanda Waller, die Katana/Tatsu Yamashiro und Rick Flag ausgewählt hat, diese Spezialeinheit der etwas anderen Art zu führen.

Im Prinzip erinnert Die dunkle Gruft in Bezug auf den Aufbau ziemlich an den sehr kontrovers diskutierten Film aus dem Jahre 2016, und die Zusammenstellung des Teams entspricht sogar beinahe exakt der des Leinwandablegers. Dieser Logik folgend müsste in absehbarer Zeit eine weitere Umbesetzung stattfinden, da James Gunns The Suicide Squad angeblich einige neue Charaktere mit der berüchtigten Bombe im Kopf, die im Fall der Fälle aktiviert werden kann, setzen wird.

Ob die oben aufgezählten Antihelden wirklich brillieren können, hängt primär von ihren ersten echten Abenteuern ab, von dem sich dann endgültig herauskristallisierenden Ton der Reihe sowie - natürlich - von der Chemie der (Ex-)Schurken untereinander. Es gibt Anzeichen, die hoffnungsfroh stimmen, bei Team-Serien besteht aber auch gleichzeitig immer die Gefahr, bestimmte Protagonisten zu vernachlässigen und andere zu dominant zu platzieren. Daher: Abwarten!

Red Hood und die Outlaws

Dunkles Bündnis

Es gibt wohl kaum ein Kostüm, das im DC-Kosmos so häufig seinen Besitzer gewechselt hat wie das von Robin - würde man auch noch Geschichten berücksichtigen, die nicht oder nur ansatzweise Teil des Kanons sind, wären es sogar noch mehr. Damian Wayne trägt es aktuell im wiedergeborenen DC-Universum, und vor dem leiblichen Sohn des Dunklen Ritters kämpften Tim Drake, Stephanie Brown, Dick Grayson und Jason Todd an dessen Seite.

Letzterer ist mittlerweile als Red Hood nachts in den Straßen von Gotham unterwegs, und trägt den Helm, den, wenn man etwa die Handlung von The Killing Joke zugrunde legt, einst der Joker getragen hat. Und der Clown Prince of Crime wiederum war es auch, der den zweiten Ziehsohn von Bruce Wayne in Ein Todesfall in der Familie getötet hat. In den USA konnten die Fans seinerzeit im Übrigen darüber abstimmen, ob Jason sterben oder leben sollte. Eine knappe Mehrheit sprach sich für Variante eins aus, und machten die Geschichte dadurch vermutlich erst zu einem modernen Klassiker.

Aber da man in der Welt der Sprechblasen selten so ganz stirbt, war auch dieser Tod nicht von Dauer - der Lazarusgrube sei Dank. Wer nun allerdings glaubt, dass man ein solches Erlebnis einfach abschütteln kann, der irrt. Dass Autor Scott Lobdell diese tragische Episode aus dem Leben des Protagonisten mehrfach und auf höchst unterschiedliche Weise thematisiert, ermöglicht es Neueinsteigern, den (Anti-)Helden schneller kennenlernen zu können. Und für die Treuesten der Treuen ist es interessant, zu sehen, wie der einstige Junge von der Straße noch immer mit seinen inneren Dämonen zu kämpfen hat. Erfahrungen machen uns schließlich zu dem, der wir sind. Und diese erklärt, warum er nicht den Optimismus in sich trägt, der so typisch für seinen Boy-Wonder-Vorgänger und heutigen Nightwing Dick Grayson ist.

Die größte Stärke der Serie ist deswegen auch zweifelsohne ihre Hauptfigur. Es ist regelrecht erfrischend, ihn in Aktion zu sehen, und wieder und wieder daran erinnert zu werden, dass Jason Todd nach wie vor unsicher und mit sich noch nicht gänzlich im Reinen ist. Während er innerlich alles unternimmt, um dies zu ändern, wird er jedoch auch im “echten Leben“ enorm gefordert. Er versucht zum Beispiel, Black Masks Imperium von innen zu zerstören.

Dabei trifft er auf die Amazone Artemis, die ihm, obwohl es zu Beginn so gar nicht danach aussieht, eine wirklich gute Partnerin werden sollte. Und damit nicht genug: Bizarro, der bekannteste aller Superman-Klone, stößt ebenfalls zu dem Duo, das ab diesem Moment ein Trio war, die “Dark Trinitiy“ - in Anlehnung an die echte Trinity, bestehend aus Superman, Batman und Wonder Woman.

Gemeinsam bilden sie wohl eines der unkonventionellsten, aber gleichzeitig auch schlagkräftigsten Teams, das sich in der Folge sogar mehrfach aus scheinbar aussichtslosen Situationen befreit. Unter anderem dadurch wachsen die drei mit jeder der 280 Seiten etwas mehr zusammen. Dies als Leser mitzuerleben, sorgt natürlich erstens dafür, dass man zügig inmitten des Geschehens ist und außerdem leicht mit den "Outlaws“ sympathisieren kann. Und obwohl die präsentierten Abenteuer nicht übermäßig komplex sind, lassen sie sich sehr gut lesen, und die primär auf Dexter Soy zurückgehenden Zeichnungen bestechen durch ihren Detailreichtum und die Sogwirkung, die sie entfalten. Man will nicht nur wissen, wie es weitergeht, man will es ebenfalls sehen, und das ist wohl eines der größten Komplimente, das man einem Künstler machen kann.

Fazit

Superman 1, Suicide Squade 1 und Red Hood und die Outlaws 1 sind gute Beispiele für die Vielfalt an Titeln, die DC herausbringt. Denn die Autoren aller drei verfolgen einen völlig eigenen Ansatz, wie sie mit dem Thema “Comic-Universums-Wiedergeburt“ umgehen und inwiefern sie es in ihre Geschichten einfließen lassen wollen.

Dennoch erscheint auf den ersten Blick Der Pfad zur Verdammnis der vielversprechendste Neustart zu sein, da sich hier nicht nur am deutlichsten eine Handlung regelrecht entfaltet, sondern ebenso aufgrund der am interessantesten angelegten Charaktere.

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zusätzlicher Bildnachweis: 
© DC Comics

Kritik zu Marvels Phase 3 Teil 2: Doppelte Ladung Avengers, Captain Marvel, Ant-Man & Spider-Man

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Avengers: Infinity War

Nachdem wir vor zwei Wochen bereits einen Blick auf den ersten Abschnitt von Marvels Phase 3 geworfen haben, um herauszufinden, wie gut die insgesamt elf Filme nun wirklich waren, geht es jetzt in die heiße Phase. Mit Avengers: Infinity War und Avengers: Endgame brachte Marvel eine zehnjährige Geschichte zu ihrem vorläufigen Höhepunkt, und gleichzeitig stellte man auch noch ein paar Rekorde auf. Zudem gab es noch drei weitere Solofilme, die wir auch noch einmal unter die Lupe nehmen. Und natürlich wartet am Schluss das Ranking der gesamten Phase.

Avengers: Infinity War

Ich gebe zu, ich war etwas skeptisch im Vorfeld von Avengers: Infinity War. Zu groß und komplex schien der Plan von Marvel zu sein, um tatsächlich in einem Film zu funktionieren. Allein die Castliste war so umfangreich, dass man sich einfach die Frage stellen musste, wie diese Figuren alle in einem Film untergebracht werden können. Die Russo-Brüder hatten jedoch schon mit Civil War bewiesen, dass sie mit einem großen Ensemble umgehen können und erwiesen sich auch im Falle von Infinity War als die perfekte Wahl für die Regie.

Trotz vieler Handlungsplätze und jeder Menge Figuren funktioniert Infinity War irgendwie und fesselt von der ersten Minute an. Eine wichtige Rolle spielt dabei sicherlich Thanos, der jeglichen bisherigen Marvel-Konventionen trotzt und sich zum besten Bösewicht des MCU aufschwingt. Auch die unterschiedlichen ersten Aufeinandertreffen der verschiedenen Helden sind hervorragend geraten. Lediglich die Charakterisierung von Peter Quill aka Star-Lord gefällt mir in Infinity War rein gar nicht, da er leider jegliche Intelligenz in der Zeit nach Guardians of the Galaxy Vol. 2 verloren zu haben scheint. Das Gesamtbild stört dies aber nur wenig.

Das Ende des Films brachte zudem einen der größten Cliffhanger der letzten Jahre. Klar, als Comicleser konnte man durchaus erahnen, worauf es hinauslaufen würde, vor allem weil ja die Fortsetzung schon für das folgende Jahr angekündigt war. Dem Moment im Kino nahm dies aber nur sehr wenig von seiner Emotionalität.

Ant-Man and the Wasp

Ant-Man ist meiner Meinung nach eine schwer einzuordnende Reihe in Marvels Cinematic Universe. Irgendwie ähneln die Filme für mich einem Cousin, der zwar zu Familienfeiern eingeladen wird, auf den aber nicht so wirklich jemand Lust hat. Vielleicht hängt dies auch mit der Entstehungsgeschichte zusammen. Ursprünglich war Ant-Man das Baby von Regisseur Edgar Wright, der nach mehreren Jahren Arbeit an dem Projekt sich mit Marvel aber nicht auf eine gemeinsame Linie einigen konnte. Ein neues Team übernahm, trotzdem fühlte sich Ant-Man danach an, als wäre der Film vor allem deshalb in die Kinos gekommen, weil man den ganzen bisher betriebenen Aufwand irgendwie rechtfertigen musste.

Der erste Film war dann die Quintessenz dessen, was ich in Teil 1 dieser Kritik als SMU (Standard Marvel Unterhaltung) definiert habe. Ein kurzweiliger Film, den man allerdings auch schnell wieder vergessen hat. Ant-Man and the Wasp bleibt dieser Linie komplett treu. Der Film macht durchaus Spaß und dürfte allen gefallen, die auch den ersten Teil mochten. Wirklich herausragen kann er jedoch nicht. Auch die Tatsache, dass der Kinostart nach Avengers: Infinity War erfolgte, die Handlung aber quasi davor spielte, erscheint mir bis heute keine glückliche Entscheidung.

Zudem muss man noch einmal kritisieren, wie extrem Marvel gute Darsteller in eindimensionalen Schurkenrollen verschwendet. In Ant-Man and the Wasp erwischt es Walton Goggins, der sich nun zu Schauspielern wie Mads Mikkelsen, Michael B. Jordan, Jeff Bridges Christopher Eccleston, Corey Stoll oder Lee Pace gesellt. Hier bleibt wirklich zu hoffen, dass in Phase 4 Besserung einkehrt.

Captain Marvel

Ganze 21 Filme hat das Marvel Cinematic Universe benötigt, um eine weibliche Heldin zur Titelfigur zu machen. Zudem fällt diese Rolle nicht Scarlett Johanssons Black Widow, sondern Brie Larsons Captain Marvel zu. Das Endergebnis ist für mich einer der besseren SMU-Filme. Dies beginnt bereits beim Setting, das mit den 90er-Jahren eine angenehme Abwechslung zum 80er-Hype darstellt, der seit einigen Jahren so allgegenwärtig ist. Zudem funktioniert das Team aus Samuel L. Jackson und Brie Larson für mich extrem gut und brachte einigen Spaß auf die Leinwand.

Ein weiterer positiver Aspekt war die Handlung, die tatsächlich ein paar Überraschungen bot, welche zumindest ich nicht habe kommen sehen. Auch die Tatsache, dass Ben Mendelsohn einmal nicht als langweiliger Bösewicht verheizt wurde, wie so oft in den vergangenen Jahren (Rogue One: A Star Wars Story, Ready Player One, Robin Hood) ist sehr erfrischend. Klar reißt Captain Marvel am Ende keine Bäume aus und wird auch innerhalb des MCU nie zu den Top 5 der besten Filme gehören, Spaß macht er trotzdem.

Mein größter Kritikpunkt ist tatsächlich die Abspannszene, in der Carol in der Gegenwart auf die Avengers trifft. Ich hatte darauf gehofft, dass diese Szene nur einen Appetithappen darstellt. Leider stellte sich dann heraus, dass dies tatsächlich alles war, was der Zuschauer vom ersten Aufeinandertreffen zu sehen bekommt. Hier hätte ich mir deutlich mehr gewünscht, wobei dies genau genommen eher ein Kritikpunkt an Avengers: Endgame ist.

Avengers: Endgame

Ein ganzes Jahr mussten die Fans sich gedulden, bis der Cliffhanger aus Infinity War endlich aufgelöst wurde. In dieser Zeit betrieb Marvel eine sehr extreme Geheimhaltungspolitik, die teilweise aber auch etwas albern war. Allein das Geheimnis um den offiziellen Filmtitel war spätestens nach der Enthüllung kaum die Aufregung wert. Auf der anderen Seite muss man aber auch festhalten, dass der Film wirklich einige Überraschungen bot, was eben daran lag, dass Marvel zum Glück nicht die Filmhighlights unbedingt in Trailern und Clips spoilern musste.

Endgame begann zunächst einmal etwas zäh für meinen Geschmack, fand sich dann aber und erwies sich als der perfekte Abschluss für die Infinity Saga. Die Idee der Zeitreisen und die Umsetzung sind einfach super gelungen, auch wenn man natürlich die Logik wieder einmal nicht zu genau hinterfragen darf. Abstriche muss der Film allerdings bei Thanos hinnehmen. Endgame fokussiert sich so stark auf die Helden, das für den Gegenspieler kaum wirklich Zeit bleibt. So entwickelt sich Thanos dann leider doch wieder nur zu einer eindimensionalen Bedrohung, die am Ende einfach nur alles Leben auslöschen möchte. Gerade nach der Darstellung in Infinity War ist dies besonders schade.

Die finale Schlacht kann aber auch ein schwacher Thanos nicht negativ beeinflussen. Selbst als jemand, der mittlerweile kaum noch von CGI-Massenschlachten vom Hocker gerissen wird, ist der Endkampf eine der besten Kampfszenen der letzten Jahre, wobei das Highlight natürlich der Portalmoment ist. Für mich ist dies quasi das Marvel-Äquivalent zur Ankunft der Rohirrim vor Minas Tirith. Einfach pure Gänsehaut, die am Ende auch dafür gesorgt hat, dass Endgame in meinem Ranking einen Ticken besser ist als Infinity War.

Spider-Man: Far From Home

Nach dem ganzen Hickhack zwischen Disney und Sony in den vergangenen Wochen kann man fast vergessen, dass Phase 3 des MCU im Juli ja mit dem sehr erfolgreichen Spider-Man: Far from Home geendet ist. Gute Kritiken, eine starkes Einspielergebnis und viele positive Stimmen machten das zweite Soloabenteuer von Spider-Man zu einem Erfolg. Im Gegensatz zu vielen Fans vertrete ich hier aber anscheinend eine eher unpopuläre Meinung. Für mich stellt Far from Home leider einen Rückschritt für Spider-Man da.

Das soll nicht heißen, dass der Film nicht unterhalten kann. Die Darsteller und der Humor sorgen für einen kurzweiligen Trip, bei dem ich aber nie das Gefühl loswerden konnte, dass hier viel mehr drin gewesen wäre. Dies beginnt bereits mit dem Setting. Die Europareise und auch die Art, wie sie aufgebaut ist, fühlt sich extrem gewollt und wie ein Gimmick an. Auch die Actionszenen an sich erzeugen ein ähnliches Gefühl und scheinen nur dazu da zu sein, um CGI-Gekloppe vor eindrucksvollen Kulissen zu zeigen. Dazu kommt der Mysterio-Twist, den jeder Zuschauer, der irgendwie schon einmal von der Comicfigur gehört hat, meilenweit kommen sieht. Vor allem weil Captain Marvel in diesem Jahr bereits gezeigt hat, wie es deutlich besser geht, ist dies enttäuschend.

Mein Hauptproblem ist aber die Entwicklung von Peter Parker, die in dem Film auf der Stelle tritt. Far from Home stellt die zentrale Frage, wer die Nachfolge von Tony Stark antritt und ob Peter Parker dafür bereit ist. Am Ende des Films gibt es dazu aber keine wirkliche Antwort. Klar, Peter stoppt Mysterio, kehrt dann aber nach New York zurück und schwingt weiter als Spider-Man durch die Stadt. Das hat er aber auch schon am Anfang des Films gemacht. Einziger Unterschied ist, dass er nun eine Freundin hat. Auf die Frage, ob Peter in die Fußstapfen von Tony tritt, gibt es eigentlich nur die Antwort "Schauen wir mal", und das ist mir nach 130 Minuten etwas wenig. Allerdings weiß zumindest die Abspannszene noch einmal zu überraschen und macht Lust auf mehr. Hoffentlich orientiert sich Teil 3 dann wieder etwas stärker am ersten Film.

Damit wären wir am Ende unserer Betrachtung von Phase 3 des MCU angekommen, sodass nun eigentlich nur noch das Ranking offen ist. Natürlich ist dies nur eine persönliche Meinung, schreibt gern eure eigene Rangliste in die Kommentare.

  1. Captain America: Civil War
  2. Avengers: Endgame
  3. Avengers: Infinity War
  4. Guardians of the Galaxy Vol. 2
  5. Spider-Man: Homecoming
  6. Captain Marvel
  7. Ant-Man and the Wasp
  8. Spider-Man: Far From Home
  9. Thor: Tag der Entscheidung
  10. Doctor Strange
  11. Black Panther

Kritik zu DuckTales (2017) Staffel 1

Anfang dieses Jahres ging auch in Deutschland die erste Staffel der neuen DuckTales mit einem packenden Zweiteiler zu Ende. Mit etwas Abstand und nach einer abermaligen Sichtung aller Episoden der ersten Runde ist jetzt endlich die Zeit für eine der Serie angemessene Besprechung gekommen, die zwar nicht über Gebühr, jedoch immer dann, wenn nötig, spoilern wird. Da in unserer Kritik zum Pilotfilm auch schon viele wichtige Aspekte thematisiert werden, sollten all diejenigen, die sie noch nicht gelesen haben, vielleicht erst dort reinschauen.

Mittlerweile lässt sich eines definitiv sagen: Die extralange Auftaktepisode “Das Abenteuer beginnt“ markierte den Beginn der zweiten einzigartigen Cartoon-Erfolgsgeschichte rund um Dagobert, seine Großneffen und viele weitere Bewohner Entenhausens. Und ja, “zweite“ und “einzigartig“ haben hier beide zweifellos eine Daseinsberechtigung. Denn so sehr dieses Reboot sich vor dem Original und den Comics von vor allem Carl Barks (gerade auch hinsichtlich des Zeichenstils), aber auch denen von Don Rosa verneigt, ist es den Machern doch gelungen, etwas sehr Einzigartiges mit einer völlig eigenen Handschrift zu erschaffen.

Aus Alt…

Die Version von 1987 ist gewissermaßen eine Art zeitloses Meisterwerk, was man unter anderem daran sieht, dass der Look und die in den Folgen verarbeiteten Inhalte auch heute noch wunderbar funktionieren und nicht davon auszugehen ist, dass das in einigen Jahren anders sein wird. Auf den ersten Blick sind die unterschiedlichen Themensetzungen gar nicht so offenkundig: Damals wie aktuell drehte beziehungsweise dreht sich viel um Abenteuer, um das Entdecken und Erforschen. Der neue Ansatz setzt aber weit weniger auf die Verbindung aus Expedition und verborgene Schätze. Überhaupt definiert sich Dagobert Duck überraschenderweise hier weit weniger als in jedem anderen Medium, in dem er je zu sehen oder zu hören war, darüber, die reichste Ente der Welt zu sein.

Allein dadurch erhält die Neuauflage einen völlig anderen Schwerpunkt als der berühmteste Vertreter der legendären Disney-Afternoon-Cartoons. Fans der ersten Stunde dürften die regelmäßigen Geldbäder im Geldspeicher ebenso vermissen wie die ausgiebigen Darstellungen der exotischsten und größten Schatzkammern, die man sich nur vorstellen kann. Dagobert reiste einst sogar extra in die Vergangenheit, um einmal mehr über Mac Moneysack zu triumphieren und letztlich um ein riesiges Diamantenvorkommen reicher zu sein.

Diese Missionen wurden aber stets so gestaltet, dass immer klar war, dass trotz allem die Familie für Dagobert stets oberste Priorität hat - auch wenn das im Zweifelsfall enorme finanzielle Einbußen bedeuten würde. Auf diese Weise war er nie wirklich der raffgierige, ziemlich hartherzige Geizhals, den man zu Beginn von Mickys Weihnachts-Erzählung zu sehen bekommt. Also dem Film, in dem Scrooge McDuck, wie Dagobert eigentlich heißt, als die literarische Figur auftritt, von der sein Schöpfer Carl Barks sich einst maßgeblich inspirieren ließ: Ebenezer Scrooge aus Eine Weihnachtsgeschichte von Charles Dickens.

DuckTales 2017

… wird Neu

In der Serie von 2017 ist Dagobert noch viel deutlicher ein in Bezug auf seine Abenteuerlust Junggebliebener, einer, der das Adrenalin braucht, den Wettbewerb und einer, der bis zuletzt allen beweisen will, dass er schlauer als die Schlauesten und härter/zäher als die Härtesten/Zähesten ist. Ein Spruch, der seit jeher mit dem Charakter assoziiert wird, angeblich auf dessen Vater Dietbert zurückgeht, und auch in der Serie von 1987 fiel, in der Neuinterpretation allerdings weit mehr mit Leben gefüllt wird.

Damit einher geht der deutlich stärkere Fokus auf seine drei Großneffen und auf Nicky. Letztere ist jetzt ausgewiesener Dagobert-Fan, was zu unzähligen charmanten Szenen führt. Außerdem ist sie im Vergleich zur früheren Nicky mit Schleife und Puppe weit aufgedrehter und dürfte bei dem einen oder anderen Erinnerungen an Mabel aus Willkommen in Gravity Falls wachrufen. Das der jungen Entendame von einst retrospektiv oftmals angedichtete Image des „hilflosen Fräuleins in Nöten“ stimmt aber definitiv nicht mit der Realität überein. Sie gerät zugegebenermaßen mehrfach in gefährliche Situationen (die Drillinge und ihr Großonkel allerdings auch), meistert diese jedoch entweder ganz alleine, verhält sich sehr klug oder löst vermeintlich unlösbare Konflikte durch ihr einfühlsames Wesen.

DuckTales 2017

Tick, Trick und Track wiederum sind erstmals seit Quack Pack - Onkel D. & Die Boys vollkommen eigenständige Persönlichkeiten. Außerdem entschieden sich Matt Youngburg und Francisco Angones, die Köpfe hinter dem Projekt, dafür, die Reihenfolge, in der die drei stets genannt werden, erstmals an ihr Alter zu knüpfen. Es kommt deshalb auch nicht von ungefähr, dass Tick (mit dem roten Pulli und der einzig verbliebenen Mütze) der Klügste von ihnen und sehr vernünftig ist, Trick (mit dem blauen Pulli) der Abenteuerlustigste, der meist etwas überstürzt handelt, und Track (mit dem grünen Pulli) der mit dem meisten Geschäftssinn, jedoch auch der Faulste ist. Und allein diese dramaturgischen Entscheidungen haben enorme Auswirkungen auf den Grundton der neuen DuckTales.

Denn es dominiert der Humor, kein übertrieben alberner oder derber, vielmehr ein sehr zeitgeistiger, verbunden mit großartigen Easter Eggs, die von der Liebe der Macher zur Urserie zeugen. Wenn etwa Darkwing Duck mittlerweile ein Klassiker ist, den ausgerechnet Quack, der bekanntlich den Schrecken, der die Nacht durchflattert, aus den 90ern - zumeist im Donnerquack - unterstützt hat, liebt, macht das den ehemaligen Kindern dieser Tage einfach Spaß. Wenn Dagobert auf einer Auktion ist, auf der ein altes Gemälde versteigert wird, auf dem die Silhouetten der Gummibärenbande zu sehen sind, ebenso. Und wenn eine ganze Folge den Luftpiraten und ihrem Anführer Don Kanaille aus Käpt’n Balu und seine tollkühne Crew gewidmet wird und sogar der Eisengeier sein Comeback feiern darf, erst recht.

All diese Fanservice-Momente eint aber, dass sie nicht einfach existieren, um bei den Duck-Freunden der ersten Stunde nostalgische Gefühle zu wecken. Nein, alle sind sinnvoll in die Handlung integriert, und so viel sei verraten: In den Folgestaffeln wird auf diesem Fundament noch eine Menge mehr entstehen. Nicht wenige sprechen in diesem Zusammenhang bereits von einem stetig weiterwachsenden DAU (Disney Afternoon Universe), das eventuell auch in absehbarer Zeit zu weiteren absolut denkbaren und erfolgsversprechenden Spin-off-Reboot-Gemischen führen könnte. Denn nach all der Zeit weiß nun jeder, dass Kap Suzette und St. Erpelsburg in unmittelbarer Nähe von Entenhausen liegen.

DuckTales 2017

Von mutigen Schritten und klugen Ideen

Überhaupt Zukunft: Während das Original - abgesehen von den Mehrteilern - primär aus in sich abgeschlossenen Folgen bestand, zeichnet die Neuauflage eine im Vergleich wesentlich horizontalere Erzählweise aus - die einzelnen Episoden funktionieren allerdings überwiegend ebenfalls auch unabhängig voneinander. Gerade in den roten Fäden sieht man jedoch sehr schön, dass Youngburg und Angones tatsächlich Fans der ersten DuckTales und des gesamten Universums sind. Denn eine, man möchte fast sagen, Nerd-Frage, die sich längst zu einem Running Gag verselbstständigt hatte, aufzugreifen und sie dann auch noch mehr als zufriedenstellend, zu beantworten, ist ein klares Indiz dafür und lautet: Wer ist die Mutter von Tick, Trick und Track?

Zugegeben, wer in den 90er-Jahren das Micky-Maus-Heft gesammelt hat, findet wahrscheinlich irgendwo auf dem Speicher noch den XXL-Stammbaum der Ducks, der in einigen Kinderzimmern gehangen haben dürfte. All jene, auf die dies zutrifft, wussten wahrscheinlich, dass Donalds Schwester Della heißt. Und die Serie greift dieses Mysterium quasi sogar auf, weil Dagoberts Nichte verschwunden ist, weder Donald noch sein Onkel ein Wort darüber verlieren und es deshalb an den Kindern - allein voran Trick und Nicky - hängenbleibt, dieses Geheimnis zu lüften.

Und auch die Handlung des finalen Doppelpacks ist eine, auf die über mehrere Folgen hingearbeitet und die außerdem dazu genutzt wurde, um Lena, eine völlig neue Figur mit Publikumslieblingspotenzial, einzuführen. Wieder so ein Beispiel für die Durchdachtheit, mit der jedes dieser neuen Abenteuer ganz offensichtlich konzipiert worden ist. So fügt sich auch der zweite für die Neuauflage erfundene Charakter wunderbar in die Riege der schon existierenden Antagonisten Dagoberts ein: Mark Bürzel, ganz eindeutig von einem anderen recht berühmten Mark inspiriert - #techmilliardär.

Dieser ist allerdings nicht nur ein Gegenspieler Dagoberts, sondern auch in Sachen Erfindergeist und Einfallsreichtum ein ernstzunehmender Kontrahent von Daniel Düsentrieb. Der Tüftler hat ein völlig neues Rollenprofil erhalten und genießt mittlerweile als verkanntes Genie beinahe eine Art Antiheldenstatus. Ein mutiger Schritt, der ebenso die Geister spaltet wie Friedas Wandlung von der netten, jedoch bei Bedarf auch wehrhaften Haushälterin und Oma (von Nicky) Frieda hin zu der sehr toughen Ex-Agentin Frieda - durch die unter anderem F.O.W.L (die fiese Organisation für weltweite Lumpereien) im zweiten Disney-Kosmos kanonisch wird. Bei Gustav Gans hat man sich eher an den Wesenszügen, die man von ihm aus den Comics kennt, orientiert als an denen aus der Version von 1987, sprich: Er ist jetzt wesentlich arroganter und unsympathischer, was dazu führt, dass man bei seinen Auseinandersetzungen mit Donald ganz eindeutig auf dessen Seite ist.

DuckTales 2017

Im Sinne des humoristischeren Ansatzes haben die Macher aus den Panzerknackern und sogar aus dem Erzfeind der reichsten Ente der Welt, Mac Moneysack, eher Karikaturen gemacht, was in sich absolut schlüssig ist. Gleichsam ist es wohl diejenige der von Youngburg und Angones als richtig erachteten Maßnahmen, die für einen langjährigen DuckTales-Anhänger am schwierigsten zu akzeptieren ist, weil dadurch eindeutig Spannung verloren geht. Dazu passt dann wiederum, dass man Fenton Crackshall ohne viel Aufhebens zur Krachbummente, eine der beliebtesten Enten des Ur-Cartoons, macht. All dies beweist aber, dass hier Leute mit einer klaren Vision angetreten sind und dabei auch potenzielle Kontroversen bewusst in Kauf genommen haben.

Donald von seinem Marineeinsatz zurückzuholen und sein Hausboot einzubauen, hat hingegen kein gespaltenes Echo ausgelöst, sondern wurde weltweit begrüßt. Endlich bekommt die das Unglück so sehr anziehende Ente die Aufmerksamkeit, die sie verdient, dürften einige gedacht haben, und dann auch noch im klassischen schwarz-weißen Outfit statt im überwiegend blauen. Und den Anfang von Dagoberts Erfolgsgeschichte - das Verdienen seines Talers Nr. 1 (oder Glückszehners respektive Glückskreuzers) -, auf sehr gelungene Weise leicht zu modifizieren, hatte verständlicherweise ebenfalls keine Beschwerden aus dem Fanlager zur Folge.

Fazit

Der vielleicht größte Vorzug der neuen DuckTales ist, dass es sich zwar offiziell um ein Reboot handelt, die Serie faktisch allerdings etwas vollkommen Eigenes darstellt und sie deshalb auch von den Kindern von einst problemlos genossen werden können, ohne zu einem Entweder-oder gezwungen zu werden.

Das Format ist zweifelsohne auf dem besten Wege eine Kultserie zu werden, die ähnlich wie Die Simpsons, Willkommen in Gravity Falls oder Rick and Morty den Anspruch hat, auf unterhaltsame Weise den Zeitgeist zu kommentieren und von einem Team verantwortet wird, das offensichtlich noch jede Menge Ideen für weitere Staffeln hat. Darauf ein: Wo-hoo!

zusätzlicher Bildnachweis: 
© Disney XD

Disney XD | DUCK TALES - Die neue Serie! Ab 22. Dezember

Kritik zu Joker - Die Gesellschaft ist schuld, dass ich so bin

Joker

Joker

Vom "enttäuschendsten Film des Jahres" bis hin zum Überraschungserfolg in Venedig - Todd Phillips' Joker hat mittlerweile jedes Stadium der Kritik einmal durchlaufen. Mit Joaquin Phoenix in der Titelrolle soll die neu aufgebaute Origin-Story zu einem der beliebtesten Gegenspieler Batmans an der Kinokasse punkten.

Und die Aufgabe ist groß, denn Phoenix tritt als Nachfolge von Heath Ledger ein schweres Erbe an. Ledgers Performance in The Dark Knight hatte im Jahr 2009 für eine posthume Oscar-Würdigung gesorgt. Auch Phoenix wird bereits als heißer Oscar-Kandidat gehandelt. Joker macht fast alles richtig - und kommt zum passenden Zeitpunkt in die Kinos.

Zur Handlung: Gotham City, hartes Pflaster

Gotham ist Anfang der 1980er Jahre eine sehr kaputte Stadt. Nicht nur sind die Häuser, Plätze und die Infrastruktur ziemlich heruntergekommen, auch der Großteil der Einwohner lebt prekär. Einer von ihnen ist Arthur Fleck (Joaquin Phoenix), der mit seiner alternden, pflegebedürftigen Mutter (Frances Conroy) zusammenlebt und sich mehr schlecht als recht als Krankenhausclown und anderen mies bezahlten Teilzeitjobs über Wasser hält.

In seiner Freizeit verdingt Fleck sich als eher erfolgloser Stand-Up-Comedian. Wirkliche Freunde hat er nicht. Zum einen scheint im sozial abgekühlten Gotham jeder mit sich selbst beschäftigt, zum anderen leidet er unter einer neurologischen Krankheit, die ihn von seinen Mitmenschen isoliert: Wann immer ihn Gefühle jeglicher Art übermannen, beginnt Fleck, pathologisch zu lachen. Auch weist er deutliche Züge eines Soziopathen auf. Immer wieder gerät Fleck so mit Gangs und betrunkenen Yuppies aneinander, nicht selten arten diese Zusammentreffen in üble Prügeleien aus.

Die attraktive Nachbarin Sophie Dumont (Zazie Beetz) lässt sich davon nicht abschrecken, sondern begleitet Fleck sogar zu seinen Stand-Up-Auftritten. Hier wird er vom großkotzigen Showmaster Murray Franklin (Robert de Niro) entdeckt und in seine TV-Show eingeladen. Doch der Joker, wie sich Fleck nun nennt, hat weit mehr vor, als sein Comedy-Programm zum Besten zu geben ...

Joker_street

Überraschung auf der Leinwand: Todd Phillips macht den Taxi Driver

Mit Joker ist Todd Phillips ein Überraschungserfolg gelungen, der im Kinojahr 2019 seinesgleichen sucht. Der Regisseur, der bisher für eher derbe Slapstick-Komödien wie Road Trip (2000), Old School (2003), Starsky & Hutch (2004) oder die Hangover-Reihe (2009 - 2013) bekannt war, hat aus dem Nichts ein Sozialdrama aufs Tapet gebracht, das genau zum richtigen Zeitpunkt kommt.


Zwar ist die Handlung in den frühen Achtzigern angesiedelt. Die Themen der massiven sozialen Kälte, die der Film zusammen mit seiner deutlichen Kritik am Neoliberalismus, der zermürbenden Arbeitswelt am Existenzminimum, dem Wegschauen der oberen Zehntausend und den schlagzeilensüchtigen Medien darstellt, sind momentan jedoch aktueller denn je.

Gotham erlebt in Joker Wellen von Gewalt und Aufständen des Prekariats gegeneinander, aber auch gegen die wohlhabende Oberschicht der Politik- und Medienwelt. Vergleiche mit Scorseses Taxi Driver (1977) oder King of Comedy (1982) liegen nahe. Der Film erreicht allerdings nicht ganz die Klasse seiner Vorbilder.

Joker_mutter

Gewalt vs. Mutterliebe

Im Kontrast zur minütlich zunehmenden Gewalt in Joker stehen die Szenen, in denen Fleck sich mit kindlicher Naivität um seine Mutter kümmert. Dies ist eine logische Weiterführung von Phoenix' Figur aus A Beautiful Day (2018), wo sich Phoenix als nicht weniger brutaler Auftragskiller anheuern lässt, der zu Hause seine demente Mutter geradezu zärtlich umsorgt. Mit seiner Darstellung des Joker kann Phoenix eine noch dunklere Seite einer ähnlichen Figur mit mehr Extremen ausspielen.

Robert de Niro als Showmaster gibt sich gewohnt glatt und unnahbar und ist eben deshalb eine ausgezeichnete Wahl als Spiegelbild der erbarmungslosen Medienwelt, die schnell in ihren Urteilen ist und keinen Raum für Zwischentöne lässt. Brett Cullen spielt Thomas Wayne, der zum Zeitpunkt der Erzähllinie Bürgermeister von Gotham ist.

Er stellt die Blaupause für selbstsüchtige Politiker recht souverän, aber nicht sonderlich subtil dar. Dabei kommt er dem Joker gerade so nah, dass dieser noch weiter zerbricht. Frances Conroy bleibt hingegen leider als Mutter zu blass, um Eindruck zu hinterlassen. Zazie Beetz jedoch kann nach Deadpool 2 (2018) erneut in einer Nebenrolle glänzen.

Joker_deniro

Phoenix, Ledger und der Wahnsinn

Phoenix gelingt es nicht nur in seiner körperlichen Erscheinung (Phoenix ist, ähnlich wie Christian Bale, für seine Vorliebe für Method Acting bekannt und hat sich für die Rolle ganze 25 Kilo heruntergehungert), sondern auch in seiner schauspielerischen Darstellung, den manischen, abgehärmten, verzweifelt-entrückten Fleck zu portraitieren. Dies gelingt fast immer überzeugend, auch wenn in wenigen Augenblicken Ledger als Vorbild für die Figur etwas zu deutlich durchscheinen mag.

Doch bei Ledgers Joker hat dieser sich aus anderen Umständen heraus entwickelt. Bei Nolans Dark Knight erzählt die Figur jedes Mal eine andere Geschichte, wenn es um ihren Werdegang geht. Der Wahnsinn stammt aus ihm selbst und bricht sich nach außen Bahn.

Bei Phillips ist der Schuldige, der den Joker hat entstehen lassen, ganz eindeutig benannt: Die Gesellschaft, rücksichtslose Politik und ein lückenhaftes soziales Netz sind die Faktoren, die Gotham zu dem erbarmungslosen Moloch machen. Diese haben den Joker hervorgebracht, der den Wahnsinn der Stadt nur spiegelt. Denn die Welt, in die Fleck entlassen wird, gibt ihm keinerlei Rückhalt.

Die unvermittelte Brutalität und der schleichende Wahnsinn, der Flecks Alltag immer mehr durchzieht, geben Phoenix' Figur also genug eigenes Material, um als gelungene Interpretation einer kaputten Figur in den Köpfen der Zuschauer zu verbleiben.

Fazit: Erbarmungslos und faszinierend

Todd Phillips' Joker ist beileibe kein Gute-Laune-Popcornkino. Man sollte sich darauf gefasst machen, Joker mit einem durchgehenden Gefühl des Unbehagens zu schauen. Doch hinschauen sollte man: Phoenix macht seine Sache verstörend gut.

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© Warner Bros.

Kritik zu Marvels Phase 3 Teil 1: Captain America, Doctor Strange, Thor, Guardians of the Galaxy Vol.2 & Spider-Man

Mit Avengers: Endgame und Spider-Man: Far From Home wurde Phase 3 des Marvel Cinematic Universe in diesem Sommer offiziell abgeschlossen. Seit Juli wissen die Fans zudem, wie Marvels kommende Phase 4 aussehen wird und welche Abenteuer sie in den kommenden zwei Jahren erwarten. Nachdem nun auch das Drama rund um Spider-Man ein Ende gefunden hat, wird es höchste Zeit, einmal auf alle Filme von Phase 3 zurückzublicken und zu überprüfen, wie gut den der dritte Abschnitt des MCU wirklich war. Am Ende packen wir zudem alle Filme in ein Ranking, weil sind wir ehrlich, Sachen in Ranglisten einzuteilen, macht immer Spaß.

Captain America: Civil War

Phase 3 begann direkt mit einem Highlight. Und um das Ranking am Ende direkt schon einmal zu spoilern, Civil War ist für mich nicht nur der beste Film der dritten Phase, sondern der beste Marvel-Film überhaupt. Nach dem doch eher enttäuschenden Age of Ultron ist Civil War in gewisser Weise der Avengers-Film, der eigentlich Phase 2 hätte abschließen sollen. Klar es steht Captain America im Titel, aber niemand kann behaupten, dass Civil War ein typischer Marvel-Solofilm ist.

Genau genommen macht Civil War sogar einiges besser als alle vier Avengers-Filme. So wird dankenswerterweise darauf verzichtet, die Marvel-Helden über zwanzig Minuten gegen eine Horde von CGI-Monstern kämpfen zu lassen. Stattdessen gibt es mit dem Flughafenkampf in Leipzig die unterhaltsamste Actionszene in der Geschichte des MCU, dem dann eine Finale folgt, das angenehm unspektakulär ausfällt und anstatt mit einer Bedrohung der Welt durch seine Emotionalität überzeugen kann.

Gänzlich perfekt ist allerdings auch Civil War nicht. So sollte der Zuschauer den Plan von Zemo nicht zu genau analysieren, da hier im Drehbuch doch arg viel konstruiert wurde, um alles für den Konflikt hinzubiegen. Konstruiert ist auch ein gutes Wort für den ersten Auftritt von Spider-Man, der ebenfalls etwas gewollt wirkt. Dies dürfte aber auch daran gelegen haben, dass der Deal zwischen Sony und Marvel damals sehr kurzfristig zustande kam. Die Sache wäre vermutlich runder gewesen, wenn der erste Spidey-Solofilm vor Civil War entstanden wäre. Letztendlich sind dies aber nur kleine Details, welche das Gesamtwerk, das die Russo-Brüder geschaffen haben, kaum trüben kann.

Doctor Strange

Filme wie Doctor Strange kategorisiere ich für mich mittlerweile als Standard-Marvel-Unterhaltung (oder kurz SMU): Sympathischer und/oder charismatischer Held muss in einem kurzweiligen und humorvollen Abenteuer die Welt retten und dabei einen profillosen Bösewicht stoppen. In der Regel lassen sich die Filme gemütlich wegschauen, wirklich viel hängen bleibt am Ende aber nicht. Nicht umsonst ist die prägendste Erinnerung an die Pressevorführung von Doctor Strange, dass überraschend erstmals ein Trailer zu Guardians of the Galaxy Vol. 2 gezeigt wurde. Da fühlte man sich gleich wieder wie in den 90ern, als Trailer einem im Kino noch überraschen konnten.

Doctor Strange bietet viel von dem, was an Marvel immer gelobt und kritisiert wird. Mit Benedict Cumberbatch holte man sich einen weiteren tollen Darsteller an Bord, auch wenn dieser Rollen wie Strange zugegebenermaßen mittlerweile im Schlaf spielen kann. Im Gegenzug wird Mads Mikkelsen allerdings in einer Schurkenrolle verschwendet, von der viele Marvel-Fans heute vermutlich nicht einmal mehr den Namen nennen könnten (Kaecilius fürs Protokoll).

Der Plot selbst um eine gesichtslose Bedrohung aus einer dunklen Dimension gewinnt ebenfalls keinen Originalitätspreis. Dafür ist die finale Auseinandersetzung zwischen Strange und Dormammus sehr spaßig geraten und bietet zumindest mal etwas anderes. Die Effekte in Doctor Strange sind ebenfalls eine Erwähnung wert. Auch wenn die Optik an Inception erinnert, sehen die sich bewegenden Häuserwände trotzdem beeindruckend aus. Allerdings reicht dies nicht, um Doctor Strange aus dem Mittelmaß herauszuholen.

Guardians of the Galaxy Vol. 2

Guardians of the Galaxy war der Überraschungserfolg in Marvels Phase 2 und neben Captain America: Winter Soldier sicherlich der beste Film des zweiten Abschnitts. Die Fortsetzung hatte nun allerdings mit einem Problem zu kämpfen, dass der erste Teil nicht kannte: Es gab eine Erwartungshaltung. An dieser gemessen muss man sagen, dass der zweite Teil nicht ganz mithalten kann. Trotzdem gelingt es Regisseur James Gunn, viele Stärken von Guardians of the Galaxy wieder zum Vorschein zu bringen. Vor allem das Team an sich funktioniert weiterhin und das Zusammenspiel der Figuren macht irgendwie immer Spaß.

Auch lässt sich festhalten, dass Guardians of the Galaxy Vol. 2 im Vergleich zu anderen zweiten Marvel-Teilen deutlich weniger abfällt. Abgesehen von Captain America 2 war bis zu diesem Zeitpunkt praktisch jede Marvel-Fortsetzung deutlich schwächer als der erste Film. Selbst Avengers: Age of Ultron konnte diesem Fluch nicht entgehen. Guardians of the Galaxy Vol. 2 macht hier vieles besser, auch wenn es am Ende nicht ganz für das oberste Marvel-Regal reicht. Ich bin allerdings aus dem Kino gekommen und hatte sofort Lust auf weitere Abenteuer und hätte mir einen Teil 3 direkt am nächsten Tag anschauen können. Das gelingt ansonsten eigentlich nur den Avengers-Filmen.

Spider-Man: Homecoming

Nach seinem ersten Auftritt in Civil War war es im Sommer 2017 an der Zeit für das erste Soloabenteuer von Spider-Man im MCU, und das kann als richtig gelungen bezeichnet werden. In gewohnter Marvel-Manier überzeugen sowohl der neue Spinnenheld als auch der Cast um ihn herum, was sich dieses Mal sogar auf den Gegenspieler Adrian Toomes ausweiten lässt. Der von Michael Keaton gespielte Charakter gehört definitiv zu den besseren Marvel-Schurken auf der Leinwand. Vor allem die Szene, in der Peter und Liz von Toomes zum Schulball gefahren werden, ist ein Highlight des Films und beweist, dass die besten Szenen in einer Comicverfilmung nicht notwendigerweise immer Explosionen und jede Menge CGI beinhalten müssen.

Darüber hinaus ist es eine angenehme Abwechslung, dass in Homecoming einmal nicht das Schicksal der Welt auf dem Spiel steht. Es wird eine kleinere Geschichte erzählt, die aber trotzdem mitzureißen versteht. Leider wird dieser Ansatz in den Marvel-Solofilmen zu selten verfolgt. Oft muss auch in den Einzelfilmen unbedingt die Welt oder zumindest eine ganze Stadt gerettet werden, was mit der Zeit etwas ermüdend ist. Spider-Man: Homecoming zeigt, dass die Notwendigkeit dafür gar nicht besteht. Dummerweise legten Marvel und Sony diesen Ansatz schon bei Spider-Man: Far from Home wieder zu den Akten, aber dazu später mehr.

Thor: Tag der Entscheidung

Das dritte Soloabenteuer von Thor ist einer der Marvel-Filme, an denen sich die Geister scheiden. Für mich persönlich ist er der beste Einzelfilm rund um den Gott des Donners, wobei diese Latte aber auch nicht sonderlich hoch liegt. Dass so mancher Zuschauer mit dem sehr klamaukigen Film rein gar nichts anfangen kann, ist aber völlig verständlich. Der Humor von Taika Waititi ist nicht für jeden. Hinzu kommt, dass einige namhafte Nebenfiguren rund um Thor auf relativ billige Weise einfach aus dem MCU entfernt werden, was bei einigen Fans berechtigterweise auf wenige Gegenliebe gestoßen sein dürfte.

Wenn man sich mit dem Humor von Thor: Tag der Entscheidung anfreunden kann, dann kommt man zumindest in diesem Bereich voll auf seine Kosten. Leider tappt Waititi noch stärker in eine Falle, die auch schon James Gunn in Guardians of the Galaxy Vol. 2 Probleme bereitet hat. So versucht der Regisseur so sehr eine spaßige Geschichte zu erzählen, dass er die emotionalen Momente nie für sich stehen lassen kann. Es muss immer noch irgendein Witz gemacht werden, was einige Szenen ziemlich kaputt macht. Den Höhepunkt bildet hier die Zerstörung Asgards. Letztendlich ist Thor: Tag der Entscheidung ein typischer Vertreter der SMU-Kategorie, der vor allem im Bereich Humor punkten kann.

Black Panther

Black Panther ist ein interessantes Phänomen. Der Film ist der erste Soloauftritt eines Marvel-Helden, der sofort die Marke von einer Milliarde Dollar knacken konnte. In den USA spielte Black Panther sogar mehr ein als Avengers: Infinity War und wurde zudem als erste Marvel-Produktion für den Oscar als bester Film nominiert. Natürlich spielt hier die politische Lage in den USA eine Rolle, schließlich ist Black Panther der erste dunkelhäutige Hauptheld eines Films im MCU. Der Erfolg an den Kinokassen beweist zudem, dass das Interesse in jedem Falle vorhanden ist. Dabei muss man aber auch festhalten, dass der Hype, der gerade in den USA extrem groß war, nicht im Ansatz die Qualität widerspiegelt.

Black Panther ist meiner Meinung nach einer der schwächsten Filme des MCU überhaupt und bewegt sich auf einem Niveau mit Thor: The Dark Kingdom und Captain America. Dies beginnt bereits mit Chadwick Boseman in der Rolle des T'Challa, bei dem der Funke irgendwie nie so überspringen will, wie dies bei seinen Kollegen der Fall ist. Auch Michael B. Jordan reiht sich nahtlos in die lange Reihe der Marvel-Gegenspieler ein, die man schnell wieder vergessen hat.

Die Geschichte selbst bewegt sich auf typischen SMU-Niveau, wobei man über einige Dinge wieder einmal nicht zu genau nachdenken sollte. So erscheint es wenig nachvollziehbar, dass in dem so hochentwickelten Wakanda der König immer noch durch einen Zweikampf bestimmt wird. Eine Gesellschaft, in praktisch der Stärkste regiert, passt so gar nicht zu dem Isolationskonzept, bei dem man sich ja von der ach so bösen Welt abschotten will. Hinzu kommt, dass Black Panther auch einige der schlechtesten Effektshots aller Marvel-Filme überhaupt bietet. Allein die Green-Screen-Aufnahme, in der Killmonger vor dem "Wakanda-Panorma" stirbt, sieht fast schon peinlich schlecht aus. Alles in allem war das erste Soloabenteuer von T'Challa für mich die große Enttäuschung in Phase 3. Es bleibt zu hoffen, dass die Fortsetzung qualitativ auch dem wahrscheinlichen Einspielergebnis gerechter wird.

Das soll es erst einmal für Teil 1 der großen MCU-Phase-Kritik gewesen sein. In zwei Wochen geht es mit Teil 2 weiter, der nicht nur Infinity War und Endgame enthält, sondern auch das finale Ranking.

Kritik zu Midsommar: Beziehungshorror in Schweden

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Midsommar

Regisseur Ari Aster versuchte bereits 2018 mit Hereditary - Das Vermächtnis des Grauens, einen schrecklichen Familienverlust mit einer düster-unangenehmen Atmosphäre und brutalen Alptraumbilder als Horror-Metapher greifbar zu machen. Ein Film, der durchaus kritischen und kommerziellen Erfolg in der Filmwelt verbuchen konnte und gespannt auf das nächste Projekt des Regisseurs warten ließ. Ein Regisseur, der unter anderem Ingmar Bergman, Roman Polanski, Michael Haneke und Mike Leigh zu seinen wichtigsten Einflüssen zählt. Ein künstlerischer Anspruch, den er unbedingt auch in seinen neuen Film Midsommar einfließen lassen möchte und dabei nur bedingt erfolgreich ist.   

Vom Forschungs- und Beziehungs- zum Horrortrip

Christian (Jack Reynor) ist schon mit einem Fuß aus der Beziehung mit Dani (Florence Pugh) ausgetreten, als ihr eine furchtbare Familientragödie zustößt. Auch wenn ihn sein Freund Mark (Will Poulter) anderweitig überzeugen möchte, kümmert er sich weiter unwillig um die seelisch verletzte Studentin. Ein Umstand, der sich auch wie ein Schatten auf die bevorstehende Studienreise nach Schweden legt, die Jack zusammen mit Mark, Josh (William Jackson Harper) und dem schwedischen Austauschstudent Pelle (Vilhelm Blomgren) schon seit einer Weile geplant hat. Pelle lädt Dani nämlich ein, mitzukommen, was die anderen Teilnehmenden nur widerwillig akzeptieren. In der schwedischen Kommune und ihren Midsommar-Feierlichkeiten angekommen, eröffnen sich zwar faszinierende Studienobjekte für die Doktorarbeit, allerdings auch neue Probleme. 

Von der Kunst, kunstvoll wenig zu sagen

Mit einem offensichtlichen Auge für kunstvolle Bilder und einer selbstbewussten sowie eigenwilligen Kameraführung, die den Blick des Zuschauers in ungewöhnliche Richtungen lenkt, gestaltet Regisseur Ari Aster eine gelegentlich märchenhafte Welt, die sich immer wieder ins Schreckliche verkehrt. Dieser Schreck entwickelt sich jedoch langsam, bedacht und ist schon wie im Vorgängerfilm weniger auf laute Schockeffekte ausgerichtet. Während Hereditary jedoch konstant eine unangenehme und angespannte Atmosphäre aufbaute, wiegt Midsommar die Zuschauer in einer falschen Sicherheit. 

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Midsommar

Letztendlich möchte der Film jedoch alles möglich sein. Von Kunstfilm über Horrorvision bis hin sogar zur Komödie, die sich mit einer auseinander brechenden toxischen  Beziehung und kulturellen Differenzen beschäftigt, lässt sich Vieles in den Film hinein interpretieren beziehungsweise ziemlich leicht herauslesen. Das Problem ist, alles davon trifft irgendwie zu, nichts davon meistert der Film wirklich erfolgreich. 

Film-Potpourri, das sich nicht traut, in die Tiefe zu gehen 

Ja, das Gebaren von Jack und seinen Kumpanen kann gelegentlich unterhaltsam stupide sein. Und wenn eine willkürliche Person aus der schwedischen Kommune mit vordergründiger Freundlichkeit eine absolut hanebüchene Erklärung für das Verschwinden eines der Besucher eröffnet, mag das sogar witzig sein. Aber handelt es sich deswegen um eine Komödie? Und ja, die ansprechenden Bilder von Ari Aster und seinem Kameramann Pawel Pogorzelski reichen von kunstvoll märchenhaft bis verstörend. Aber ob sie über der reinen Ästhetik-Ebene hinaus noch viel mehr zu erzählen haben, bleibt fraglich. Der Horror, der sich auf der Leinwand präsentiert, kann sicherlich ebenfalls Unwohlsein hervorrufen, eine effektive Metapher für eine sich zersetzende Beziehung stellt er letztlich aber nicht unbedingt dar. 

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Midsommar

Anstatt drei Filme halbherzig in einem zu bündeln, hätte Ari Aster wahrscheinlich eine ehrlichere Herangehensweise an seine zugrunde liegende Thematik gefunden, wenn er sich für eine Richtung entschieden hätte. Es wirkt fast so, als hätte er nicht genügend über seine Figuren zu sagen, und wolle seine Geschichte deswegen durch allerlei Mummenschanz auspolstern. Das spiegelt sich auch in den Figuren selbst wider, die oftmals wie zweidimensionale Abziehbilder daherkommen.   

Fazit:

Trotz stellenweise kunstvoller und effektiver Alptraum-Momente und der überzeugenden Hauptdarstellerin Florence Pough lässt Midsommar einen schlussendlich unbeeindruckt zurück. Ein Film, der sehr viele Facetten besitzen möchte, aber sich nicht sehr intensiv mit überhaupt irgendeinem seiner Themen beschäftigt. Die schwache Figurenzeichnung können auch die guten bis sehr guten Darsteller nicht wieder ausgleichen.  

 

MIDSOMMAR | Official Trailer HD | A24

Midsommar | Offizieller Trailer Deutsch German HD | Ab 26. September im Kino

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