Kritik

Kritik zu Der Herr der Ringe: Die Ringe der Macht 1.01 & 1.02

Nach House of the Dragon bekommen Fantasy-Fans in diesen Tagen mit Der Herr der Ringe: Die Ringe der Macht die zweite hochwertige Fantasy-Serie präsentiert. Erstmals laufen damit nun die beiden Franchises gemeinsam, welche das Genre Epic Fantasy in den vergangenen 20 Jahren in Film und Fernsehen bestimmt haben. Beiden Serien ist dabei gemein, dass sie sehr kritisch erwartet wurden. Während die Macher von House of the Dragon noch mit dem Erbe der letzten Staffel von Game of Thrones zu kämpfen hatten, sorgten bei Die Ringe der Macht vor allem die schwachen Trailer im Vorfeld für viel Kritik. House of the Dragon gelang es dann aber gleich zu Beginn, viele Fans wieder ins Boot zu holen und seit heute versuchen nun auch die ersten beiden Episoden der Tolkien-Serie, ihre Kritiker zu überzeugen.

Der Herr der Ringe: Die Ringe der Macht spielt viele Jahrhunderte vor der Filmtrilogie. Nachdem die Elben nach Mittelerde gekommen sind, um den finsteren Morgoth zu besiegen, scheint in dem Land endlich Frieden einzukehren. Nur Galadriel, die während des Krieges ihren Bruder und viele Freunde verloren hat, will der Sache nicht trauen. Sie befindet sich auf der Jagd nach Sauron, dem letzten verbliebenen General von Morgoth. Da dieser jedoch seit über einem Jahrhundert nicht mehr gesehen wurde, wird Galadriel von ihrem Posten abberufen, und steht so vor der Frage, ob sie dem Wunsch ihres Königs folgen möchte oder allein Sauron weiter jagt.

Währenddessen kommt es anderen Orten in Mittelerde zunehmend zu mysteriösen Ereignissen. So stößt der Elb Arondir gemeinsam mit der Heilerin Bronwyn beispielsweise auf ein zerstörtes Dorf, dessen Bewohner auf unerklärliche Weise verschwunden sind. Das Haarfußmädchen Elanor Brandyfuß träumt dagegen davon, selbst einmal große Abenteuer zu erleben und bekommt dafür schon bald die Gelegenheit, als ein mysteriöser Fremder quasi fast direkt vor ihrer Haustür landet.

Ein holpriger Auftakt

Warum man sich bei Amazon dazu entschieden hat, direkt zwei Episoden zum Start von Der Herr der Ringe: Die Ringe der Macht zu veröffentlichen, wird spätestens nach dem Anschauen der Premierenfolge klar. Diese ist sehr zäh geraten, was dazu führt, dass der Funke zunächst nicht wirklich überspringen will. Nach einem sehr langen Prolog, der gefühlt vor allem deshalb in der Episode ist, damit es überhaupt etwas Action gibt, wird in der Folge jede Menge geredet. Das Ziel war es dabei anscheinend, den Zuschauern zunächst einmal die verschiedenen wichtigsten Hauptfiguren vorzustellen. Dies gelingt auch durchaus, wirklich Spannung will hier aber kaum aufkommen. Irgendwie plätschert die Handlung der ersten Episode fast über die gesamte Laufzeit vor sich hin und nimmt erst kurz vor Schluss etwas an Tempo auf.

Etwas komisch ist zudem, wie schnell die Autoren über den Konflikt mit Morgoth herüberbügeln. Wer nicht gerade mit den Werken von Tolkien vertraut ist, der bekommt hier relativ wenig Informationen. Letztendlich erfährt man nur, dass es mal jemanden Bösen in Mittelerde gab, Sauron sein General war und die Elben ihn besiegt haben. Mehr Hintergrundinformationen gibt es leider nicht, was - gerade weil der Konflikt für Figuren wie Galadriel so einschneidend war - etwas schade ist.

Die Handlung nimmt an Fahrt auf

Die zweite Episode macht dann aber vieles besser. Zunächst einmal nimmt die Spannung zu, da die verschiedenen Figuren in ihren jeweiligen Handlungssträngen nun auch tatsächlich etwas zu tun bekommen. Die Minuten, in denen man nur herumsteht und redet, nehmen deutlich ab. Und selbst in den reinen Dialogszenen ist der Unterhaltungswert deutlich größer, wobei hier vor allem die Handlung rund um Elrond und Prinz Durin Spaß macht. Dazu wird auch der Actionanteil erhöht, was ebenfalls dazu beiträgt, dass die Folge deutlich abwechslungsreicher und damit kurzweiliger ist als der Auftakt.

Tolkien-Puristen dürften der Serie aber vermutlich auch in Episode 2 nicht viel abgewinnen können. Bereits im Vorfeld hatten die Macher angekündigt, dass man, um die Geschichte zu erzählen, viele Geschehnisse aus dem 2. Zeitalter, die eigentlich Hunderte Jahre voneinander entfernt stattfanden, zeitlich zusammenbringt. Wer also ein Problem damit hat, dass bereits in Folge 2 Figuren auftauchen, die eigentlich noch lange nicht geboren sein sollten, dürfte mit der Serie definitiv nicht glücklich werden. Die Ringe der Macht scheint sich deutlich größere kreative Freiheiten zu nehmen als dies bei den Filmen der Fall war.

Die Optik überzeugt über weite Strecken

Ein großer Kritikpunkt vieler Fans waren im Vorfeld die in den Trailern gezeigten Effekte. Gerade mit dem ersten Teaser-Trailer hat sich Amazon definitiv keinen Gefallen getan, den dieser wirkte noch sehr unfertig. In der Serie selbst sieht die Sache nun deutlich besser aus. Die Ringe der Macht hat eine ganze Reihe von wirklich beeindruckenden Szenen. Mitunter ist es allerdings etwas auffällig, dass die Darsteller nur vor einem Greenscreen stehen. Zwar sieht der Hintergrund hervorragend aber eben auch computeranimiert aus. Dieses Problem ist aber auch nicht wirklich neu. Auch die Hobbit-Filme hatten damit schon zu kämpfen.

Wirkliches Der-Herr-der-Ringe-Feeling kommt dann vor allem in den Landschaftsszenen auf. Hier dürften sich so manche Zuschauer nostalgisch an ihren Besuch im Kino erinnern, der ja nun auch schon 20 Jahre her ist. Es wird spannend zu sehen sein, wie die Macher die Sache in Zukunft angehen. Im Gegensatz zur 1. Staffel sollen die nachfolgenden Episoden ja nicht mehr in Neuseeland gedreht werden. Die eine oder andere Landschaftsaufnahme sollte aber sicherlich trotzdem drin sein.

Ein großer Cast stellt sich vor

Neben den Effekten sorgte auch das Casting einiger Darsteller im Vorfeld der Serie für Kritik. Mit Morfydd Clark und Robert Aramayo übernehmen zwei Darsteller bekannte Rollen aus den Filmen und sind nun als jüngere Galadriel und Elrond zu sehen. Gerade Galadriel wirkt doch deutlich anders als in den Filmen und hat wenig mit der von Cate Blanchett gespielten Figur gemeinsam. Zwar ist die Serien-Galadriel um einiges jünger, gleichzeitig aber auch schon über 1000 Jahre alt. Von daher stellt sich schon die Frage, inwiefern die Figur sich in einem so hohen Alter noch stark verändert. Letztendlich wirkt es doch ein bisschen so, als würde die Serien-Galadriel nur so heißen, um irgendwie eine Verbindung zu den Büchern beziehungsweise den Filmen zu haben. Etwas besser sieht die Sache bei Elrond aus, der deutlich näher an der bekannten Figur ist.

Beim Casting setzten die Macher vor allem auf eher unbekannte Gesichter, anders als beispielsweise in House of the Dragon. Die Darsteller und Darstellerinnen machen allerdings alle einen durchaus soliden Job, auch wenn man natürlich nach zwei Episoden noch nicht so viel von ihnen zu sehen bekommen hat.

Fazit

Der Herr der Ringe: Die Ringe der Macht stolpert zum Start doch erheblich. Die erste Episode kann nur bedingt überzeugen und dürfte primär deshalb weniger schwach in Erinnerung bleiben, weil man direkt Folge 2 mitveröffentlicht hat. Diese macht einige Dinge besser und bringt auch die Handlung in Fahrt, sodass das Interesse an weiteren Episoden durchaus geweckt wird. Von einem echten Hit ist die Serie aber noch ein gutes Stück entfernt.

Kritik zu Thor: Love and Thunder

Nach den Geschehnissen in Avengers: Endgame ist Thor immer noch mit den Guardians of the Galaxy unterwegs. Nun wieder fit und muskelbepackt kämpft er an der Seite der Guardians, als ihn ein Hilferuf einer alten Freundin erreicht. Thor erfährt, dass ein Mann namens Gorr damit begonnen hat, alle Götter zu töten. Da Gorrs nächstes Ziel Neu Asgard ist, kehrt Thor zurück auf die Erde, wo er auf seine alte Liebe Jane Forster trifft. Gemeinsam mit Jane und unterstützt von Walküre macht sich der Gott des Donners auf, andere Götter für seinen Kampf gegen Gorr zu rekrutieren, bevor es zu spät ist.

Noch klamaukiger aber auch ernster

Mit Thor: Tag der Entscheidung übernahm Regisseur Taika Waititi das Zepter des Marvel-Donnergottes und verpasste ihm einen neuen Anstrich. Deutlich humorvoller angelegt als die beiden Vorgängerfilme, erwies sich Tag der Entscheidung als großer Erfolg an den Kinokassen. Allerdings sagte der neue humorlastige Ton nicht allen Fans von Thor zu und gerade diese sollten lieber einen Bogen um Thor: Love and Thunder machen. In seiner Fortsetzung schafft es Waititi, sowohl alberner als auch ernster als im direkten Vorgänger zu sein, was auch gleichzeitig eine der größeren Baustellen des Films ist. Gerade die erste Hälfte ist sehr humorlastig, wobei einige Gags nur bedingt zünden. Manche Witze wirken zudem arg bemüht. So gibt es beispielsweise einen Running-Gag, bei dem Jane versucht, die ideale Catchphrase für sich zu finden. Die dazugehörige Auflösung am Ende ist aber eher überschaubar lustig und lässt einen eher mit einem "Das wars?" zurück.

In der ersten Hälfte tappt Waititi zudem wieder in die bekannte Marvel-Falle, die auch James Gunn bei seinen Guardian-Filmen oft nicht vermeiden kann. Ernste Szenen dürfen generell nicht für sich stehen, sondern müssen immer durch einen Gag oder Witz unterbrochen werden. Dadurch wirkt es so, als würde sich der Film oft nicht ernst nehmen, was für die erzählte Handlung nicht unbedingt förderlich ist. Im letzten Drittel wird dies dann allerdings deutlich besser und gerade am Ende ist die notwendige Ernsthaftigkeit vorhanden. Generell hat der Film aber weiteren Strecken das Problem, dass die auf eine Art vergleichsweise ernste Geschichte nicht ganz zum dargebotenen Klamauk passen möchte.

Eine flott erzählte Geschichte mit Schwächen

Abgesehen von den tonalen Schwankungen erweist sich Thor: Love and Thunder aber als flott erzählter Marvel-Film, der keine Langeweile aufkommen lässt und praktisch wie gemacht für die Sommer-Blockbuster-Zeit zu sein scheint. Mit knapp 120 Minuten fällt die Laufzeit dabei auch wieder etwas kürzer als, als bei vergleichbaren Filmen in den vergangenen Jahren. Entsprechend gibt es aber auch keine Längen oder zähe Momente. Für das, was Taika Waititi in Thor: Love and Thunder erzählen möchte, ist die Lange perfekt gewählt.

Allerdings hat das Drehbuch auch die eine oder andere Schwäche. So wirkt die Handlung besonders in den Anfangsminuten etwas holprig, bis man schließlich den Ausgangspunkt für die Geschichte, die man letztendlich erzählen möchte, erreicht hat. Darüber hinaus fehlt dem Film ein wirkliches Action-Highlight. Mittlerweile hat der Zuschauer schon in zu vielen Marvel-Produktionen gesehen, wie Thor gegen die verschiedensten CGI-Wesen kämpft, sodass die Aufregung sich hier mittlerweile in Grenzen hält. Auch die direkten Aufeinandertreffen zwischen dem Donnergott und dem Götterschlächter dürften niemand aus dem Kinosessel reißen. Hier wirkt alles sehr Standard.

Dazu gibt es die eine oder andere inhaltliche Entwicklung, die langjährige Marvel-Fans nicht zu sehr hinterfragen sollten. So ist Gorr beispielsweise auf der Suche nach etwas, bei dem man sich durchaus die Frage stellen darf, wieso Thor dies nicht nach der Niederlage gegen Thanos in Betracht gezogen hat. Auch die Darstellung der Götter wirkt so, als würde man sich bei Marvel die Sache immer gerade so drehen, wie man es in dem jeweiligen Film beziehungsweise der Serie braucht.

Eine alte Liebe flammt wieder

Die große Ankündigung im Vorfeld von Thor: Love and Thunder war natürlich die Rückkehr von Natalie Portman, die nun erstmals auch selbst zum Hammer Mjölnir greifen würde. Portman macht ihren Job dabei richtig gut und Jane Foster funktioniert auch als Heldin. Spannenderweise greifen die Macher dabei einen anderen Aspekt aus der Comicvorlage, in der Jane ebenfalls selbst zum Thor wurde, auf, was die Figur noch greifbarer macht. Auch der Grund dafür, warum Jane zur Heldin wird, ist durchaus gut erzählt.

Chris Hemsworths Thor wird in seinem vierten Soloabenteuer ebenfalls wieder mit einigem konfrontiert. Der nordische Gott hat seit Thor: Tag der Entscheidung einige Dinge durchmachen müssen und viel verloren. In Love and Thunder geht es für die Figur nun darum herauszufinden, wer er eigentlich ist und was genau er in seinem Leben machen möchte. Auch dieser Aspekt der Geschichte ist gelungen und bringt eine überraschende aber durchaus nette Auflösung.

Der Götterschlächter und die Walküre

Für die Rolle des Gegenspielers konnten sich die Verantwortlichen von Marvel in Thor: Love and Thunder mal wieder die Dienste eines namhaften Darstellers sichern. Christian Bale kehrt nach drei Batman-Filmen unter der Regie von Christopher Nolan zurück zum Genre der Comicverfilmungen und macht einen richtig guten Job. Auf dem Papier ist Gorr nicht unbedingt die spannendste aller Figuren und auch im Film erweist er sich nicht als jemand, der in die Geschichtsbücher der besten Filmschurken eingehen wird. Was Gorr jedoch aus dem Mittelmaß heraushebt, ist die Darstellung von Bale. Dieser bringt die verschiedenen Facetten von tragisch über gruselig hervorragend auf die Leinwand und erweist sich als unterhaltsamer Gegenspieler.

Auch Tessa Thompson als Walküre weiß erneut zu überzeugen, allerdings tut das Drehbuch der Figur keinen wirklichen Gefallen. So wird bei Walküre zunächst eine Art Charakterbogen aufgebaut, da sie sich ähnlich wie Thor allein fühlt und zudem auch die Bürde des Anführers von Neu Asgard spürt, nur geht dies leider nirgendwo hin. Am Ende fühlt es sich sogar etwas danach an, als hätten die Autoren Walküre vergessen.

Gleiches gilt auch für die Rückkehr von Jaimie Alexander als Sif, die praktisch gar nichts zu tun bekommt. Ihr Auftritt ist eher ein großer Cameo, weshalb sich die Frage stellt, warum sie überhaupt im Film ist. Deutlich mehr bekommt dagegen Russell Crowe zu tun, der mit Zeus den ersten griechischen Gott in Marvels Cinematic Universe spielt. Crowe hat sichtlich Spaß in seiner Rolle, zu groß fällt aber auch sein Auftritt nicht aus.

Fazit

Mit Thor: Love and Thunder macht Taika Waititi genau da weiter, wo er mit Thor: Tag der Entscheidung aufgehört hat. Der Film bietet jede Menge Humor, wobei aber nicht jeder Gag zünden will und manchmal sogar der Handlung eher schadet. Trotzdem erzählt Love and Thunder eine flotte Geschichte, der es zwar etwas an echten Highlights fehlt, die aber auch nie Langeweile aufkommen lässt.

Teil VI: Kritik zum Finale von Obi-Wan Kenobi

SPOILER

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Obi-Wan Kenobi Teil 6

Nach einem guten Start und einem deutlichen Abfall im Mittelteil stellte sich im Vorfeld der abschließenden Episode von Obi-Wan Kenobi natürlich die Frage, ob das Serienfinale einen versöhnlichen Abschluss schaffen kann. Tatsächlich gelingt "Teil VI" in vielen Bereichen noch einmal eine deutliche Steigerung. Gleichzeitig ist die Episode aber auch ein Musterbeispiel dafür, welche Fehler die Macher von Obi-Wan Kenobi gemacht haben.

Obi-Wan Kenobi vs. Darth Vader 3.0

Das große Highlight der Episode ist natürlich das erneute Lichtschwertduell zwischen Obi-Wan und Darth Vader und dieses kann eigentlich in allen Bereichen überzeugen. Es ist gut choreografiert, emotional und sogar spannend, trotz der Tatsache, dass man weiß, dass keiner der beiden Beteiligten wirklich in Gefahr ist. Zugegeben die Schauwerte sind nicht extrem hoch, was primär am Ort liegt, an dem die beiden zum dritten Duell aufeinandertreffen. Hier hatte der Lavaplanet in Episode III natürlich etwas mehr zu bieten. Dafür wurde bei der Kampfchoreografie ein sehr guter Mittelweg zwischen dem Salto-Flip-Flop-Kämpfen der Prequels und den eher schwerfälligen Duellen der originalen Trilogie gefunden. Auch Vader wirkt in dem Kampf deutlich flinker auf den Füßen als in den bisherigen Szenen der Serie.

Ebenfalls gut gelungen ist das finale Gespräch der beiden Figuren. Hier beweist Ewan McGregor wieder einmal, warum seine Darstellung als Obi-Wan bei vielen Fans so hoch im Kurs steht. Auch das halbsichtbare Gesicht von Vader sorgt in der Szene für Gänsehaut und gibt auch Hayden Christensen noch einmal die Möglichkeit, selbst als Vader ein paar Worte zu sprechen, wobei der Wechsel zwischen seiner originalen und Vaders blechernen Stimme eine klevere Idee war.

Festhalten muss man allerdings auch, dass das Duell der beiden primär auf emotionaler Ebene funktioniert. Wie so oft in Obi-Wan Kenobi hat auch "Teil VI" wieder mit einigen inhaltlichen Schwächen zu kämpfen, die dafür sorgen, dass man viele Dinge nicht zu genau hinterfragen sollte. Noch viel problematischer ist dies allerdings im Handlungsstrang rund um Reva Sevander, wo man schon fast von "Und täglich grüßt das Murmeltier" sprechen kann.

Die gefallene Schwester

So spannend das Duell zwischen Obi-Wan und Darth Vader ist, so nervig sind die wiederholten Unterbrechungen durch Reva. An dieser Stelle dürfte weitestgehend etabliert sein, dass was immer Regisseurin Deborah Chow und Showrunner Joby Harold mit der Figur versucht haben, einfach nicht funktioniert. Dabei hilft es auch nicht, dass im Handlungsstrang rund um die ehemalige Inquisitorin die Logiklöcher nicht nur groß, sondern gewaltig sind. Dies beginnt damit, dass die von Vader und dem Großinquisitor zum Sterben zurückgelassene Reva sich einfach einmal ohne Erklärung nach Tatooine teleportieren kann, um dort Luke Skywalker zu töten.

Neben der Tatsache, dass die Aktion selbst extrem weit hergeholt ist, stellt sich die generelle Frage nach der Motivation. Selbst wenn sich Reva an Vader dadurch rächen möchte, dass sie dessen Sohn umbringt. Vader weiß ja vermutlich nicht einmal, dass dieser existiert. Auch müsste sie anschließend noch die rechte Hand des Imperators aufsuchen, um ihn von ihrer Tat zu unterrichten, was ebenfalls eher unwahrscheinlich ist.

Letzteres Problem erledigt sich allerdings dadurch, dass Reva am Ende doch nicht in der Lage ist, Luke zu töten. Inwiefern dies jedoch die Figur rettet, bleibt jedoch fraglich. Zwar gibt ihr Obi-Wan einen Daumen nach oben und erklärt, dass Reva durch ihren Nicht-Mord den Seelen ihrer früheren Padawan-Gefährten Frieden geschenkt hat und sie nun ihren eigenen Weg gehen kann. Dem kann man jeden entgegenhalten, dass die Entscheidung, keinen Mord an einem Zehnjährigen zu begehen, jetzt auch nicht die riesige moralische Entwicklung für eine Person ist. Auf der anderen Seite passt es aber zu der generell extrem unglücklichen Figur, die Reva in der ganzen Serie war.

Zum Abschluss noch etwas Fanservice

Interessanterweise ist die Haupthandlung in der finalen Episode von Obi-Wan Kenobi bereits nach etwas mehr als einer halben Stunde abgeschlossen. Danach nehmen sich die Macher noch rund zehn Minuten Zeit, um die verschiedene Figuren zu verabschieden sowie etwas Fanservice zu betreiben. Wer erwartet hat, dass dabei noch größere Anstrengungen unternommen werden, um bestimmte Kanonprobleme zu bereinigen, der wird enttäuscht. Auch hier geht es wieder in die Richtung, dass man am Ende halt einfach bestimmte Dinge hinnehmen oder für sich entscheidet muss, Obi-Wan Kenobi aus dem Gedächtnis zu streichen.

Den von vielen Fans erwarteten und auch schon mehrfach angeteasten Cameo von Liam Neeson als Qui-Gon Jinn gibt es dann kurz vor Schluss ebenfalls noch. Die große Überraschung ist hier eigentlich nur, dass dieser tatsächlich erst in der letzten Szene stattfindet und damit keine wirkliche Auswirkung auf die Handlung hat. Viele hätten ihn vermutlich eher in einer Schlüsselszene der Serie erwartet, die es ja auch durchaus in "Teil VI" gegeben hätte. So ist der Auftritt am Ende zwar nett aber auch nicht wirklich notwendig. Ähnliches gilt auch für Ian McDiarmid, der natürlich ebenfalls nicht fehlen darf und sich für einen kurzen Hologrammcall die Ehre gibt.

Serienfazit

Was bleibt am Ende von Obi-Wan Kenobi? Nach einem guten Start ließ die Serie leider im Mittelteil stark nach. Auch wenn das Finale dann wieder deutlich besser war, muss man wieder einmal die Frage stellen, wieso Lucasfilm hier so viel verschenkt hat. Dabei spielen auch die finanziellen Einschränkungen, die ebenfalls deutlich spürbar waren eine Rolle. Vermutlich hätte Obi-Wan Kenobi ein klassischer Kinofilm deutlich besser getan als eine gestreckte Mini-Serie. In diesem hätte man die Handlung straffen und sich primär auf Obi-Wan und Darth Vader fokussieren können. Die beiden sind ohne Zweifel der beste Teil der Serie, während andere Figuren, wie beispielsweise Reva, entweder gar nicht funktionieren oder wie Leia bei Fans eher gemischte Reaktionen auslösen.

Ein gemischtes Fazit lässt sich auch für Obi-Wan Kenobi generell ziehen. Die Serie hatte einige wirklich tolle Momente, schlechte Effekte und die Drehbücher sorgten jedoch leider am Ende dafür, dass man nie das eigentlich vorhandene Potenzial ausschöpfen konnte.

Teil V: Kritik zu Obi-Wan Kenobi 1.05

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Obi-Wan Kenobi 05 Darth Vader

Nachdem "Teil IV" von Obi-Wan Kenobi schon sehr kurz ausfiel, hält sich Laufzeit der vorletzten Episode der Mini-Serie ebenfalls in Grenzen. Dafür passiert allerdings inhaltlich wieder deutlich mehr. "Teil V" beinhaltet nicht nur gleich zwei Lichtschwertduelle, in der Episode gibt es auch einige Enthüllungen sowie ein Rückblick in eine Zeit, in der Darth Vader noch den Namen Anakin Skywalker trug. Allerdings bedeutet dies nicht, dass die Macher in der Folge plötzlich alles richtig machen. Erneut wechseln sich Licht und Schatten ab und hinterlassen wieder einmal einen zwiespältigen Eindruck.

Obi-Wan gegen Anakin

Die Tatsache, dass Lucasfilm für Obi-Wan Kenobi nicht nur Ewan McGregor, sondern auch Hayden Christensen wieder zurückholte, war schon im Vorfeld der Produktion ein Indikator dafür, dass man in der Serie vermutlich einen Rückblick in die Zeit vor der Order 66 bekommt. In "Teil V" ist nun endlich soweit und den Zuschauern wird eine Lehrstunde von Anakin Skywalker präsentiert, in die Autoren die Stärken und Schwächen des späteren Darth Vaders auf den Punkt bringen. Das Lichtschwertduell zwischen Obi-Wan und Anakin sowie ihr Gespräch ist auch tatsächlich der beste Teil der Episode, allerdings gibt es hier auch einen kleinen Haken.

So dürfte sich vermutlich kaum ein Fan an einen der Prequel-Film erinnern, in dem Anakin Skywalker wie ein 40-jähriger Mann aussah. Während Lucasfilm und Disney in der Regel vergleichsweise erfolgreich Verjüngerungseffekte einsetzen, funktionieren diese hier gar nicht, zumindest was Hayden Christensen betrifft. Irgendwie haben es die Macher hinbekommen, dass dieser in der Szene älter aussieht als Ewan McGregor.

Dies ist wohlgemerkt nicht der einzige Moment, in dem in "Teil V" das scheinbar geringe Budget auffällt. Vieles in der Episode sieht doch eher billig aus und man wird das Gefühl nicht los, dass die Macher von Obi-Wan Kenobi deutlich weniger finanzielle Ressourcen zur Verfügung hatten als beispielsweise für The Mandalorian bereitstehen. Dies ist vor dem Hintergrund, dass man hier eine Serie hat, in der Obi-Wan Kenobi und Darth Vader wieder aufeinandertreffen, doch recht fragwürdig.

In der Falle

Rein inhaltlich erinnert die Ausgangslage in "Teil V" an das Finale von Star Wars: Die letzten Jedi. Obi-Wan und mehrere Flüchtlinge befinden sich in einer Basis und müssen Zeit schinden, während imperiale Truppen versuchen, durch eine Tür zu brechen. Leider will hier nicht wirklich ein bedrohliches Gefühl aufkommen, da die Szene, in der die Sturmtruppler auf eine Metalltür schießen, ebenfalls alles andere als hochwertig aussieht. Ganz im Gegenteil. Dazu kommt, dass sich Reva selbst einfach wenige Momente später durch die Tür schneidet, was die Szenen vorher etwas sinnfrei erscheinen lässt.

Im anschließenden Kampf liegt es dann an Tala Durith, durch ihr Opfer Obi-Wan und seinen Mitstreitern genug Zeit für den Rückzug zu erkaufen. Die Szene scheint für Obi-Wan deutlich emotionaler zu sein als vermutlich für viele Zuschauer, was daran liegt, dass Tala bis zu ihrem Ende als Figur relativ blass blieb. Dies schienen auch die Autoren bemerkt zu haben, denn kurz vor ihrem Ableben durfte sie Obi-Wan noch ihre Geschichte und Motivation erzählen, ob dies am Ende aber bei vielen Zuschauern dafür sorgt, dass plötzlich eine emotionale Verbindung entsteht, darf bezweifelt werden.

Die Rache der Jedi-Schülerin

Erneut stark im Mittelpunkt steht natürlich auch wieder die dritte Schwester Reva Sevander. In "Teil V" wird sie zunächst nicht nur zur Großinquisitorin befördert, es wird auch ihre Motivation enthüllt. Dass es sich bei Reva um eine ehemalige Jedi-Schülerin handelt, die beim Massaker im Jedi-Tempel vor Ort war, hatten viele Fans in den vergangenen Wochen bereits vermutet. Entsprechend kommt auch die Tatsache, dass Reva sich an Vader rächen will, nicht unbedingt überraschend. Leider macht dies die Figur kaum interessanter, sondern eher noch fragwürdiger. Reva wirkt nicht unbedingt wie eine Person, die sich mit subtilem Vorgehen und Raffinesse in die Inquisition eingeschlichen hat.

Aber auch Vader verhält sich in der ganzen Geschichte nicht wirklich nachvollziehbar. Wenn er ohnehin wusste, dass Reva eine Verräterin ist und der Großinquisitor noch lebt, warum macht er sie dann überhaupt zur Großinquisitorin? Gerade kurz vor dem Moment, in dem Vader glaubt, Obi-Wan in die Enge getrieben zu haben, hat es überhaupt keinen taktischen Vorteil, Reva zu befördern.

Letztendlich bekommt Reva durch Obi-Wan in dieser Folge aber die Chance, sich Vader zu stellen. Das zweite Lichtschwertduell in dieser Episode dürfte allerdings wieder die Gemüter spalten. Während Vader in der kompletten Folge wieder gewohnt stark dargestellt wird und als echte Naturgewalt herüberkommt, wirkt alles in dem Kampf etwas ungelenk. Hier hat man durchaus das Gefühl, dass die Macher nicht ganz wissen, was sie mit Vader anstellen sollen, der ja nicht unbedingt für seine Agilität bekannt ist. Konnte man dies in "Teil III" noch recht gut kaschieren, gelingt dies hier deutlich weniger.

Für Reva hat das Duell am Ende nicht den erhofften Ausgang. Die ehemalige Jedi-Schülerin verliert nicht nur den Kampf, sondern wird auch auf dem Planeten zurückgelassen. Dies wirkt allerdings ebenfalls wieder etwas arg gewollt. Wenn man bedenkt, dass die Inquisition seit Jahren durch die Galaxie reist, um alles zu töten, was nur irgendwie Machtpotenzial hat, erscheint es unrealistisch, dass man eine Verräterin in den eigenen Reihen, die sogar einst als Jedi trainiert hat, einfach so zurücklässt, ohne sicherzustellen, dass sie tatsächlich tot ist. Vermutlich ging es aber wohl darum, dass die Autoren unbedingt eine finale Konfrontation zwischen Reva und Obi-Wan aufbauen wollten, auf die es wohl nun in der letzten Episode herauslaufen wird.

Fazit

Obi-Wan Kenobi bleibt ein Enigma. Auch wenn sich "Teil V" verbessert zeigt im Vergleich zur Vorgängerfolge, gibt eine ganze Reihe von Entscheidungen, die einen mit Fragenzeichen zurücklassen. Von schlechten Effekten über billige Inszenierungen bis hin zu unlogischen Entscheidungen ist in dieser Folge alles dabei. Selbst die Lichtblicke wie das Lichtschwertduell zwischen Obi-Wan und Anakin werden so getrübt.

Teil IV: Kritik zu Obi-Wan Kenobi 1.04

SPOILER

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Obi-Wan Kenobi Teil 4

Mit der dritten Episode von Obi-Wan Kenobi gelang es Lucasfilm mal wieder, die Star-Wars-Fangemeinde zu spalten. Von "Das ist der albernste Blödsinn, den ich je gesehen habe" bis "Was für ein episches Aufeinandertreffen. Ich hab Gänsehaut" war bei den Reaktionen auf das Duell zwischen Obi-Wan und Darth Vader praktisch alles dabei. In Folge 4 (oder "Teil IV") fährt man die Aufregung nun wieder etwas zurück, allerdings hat auch diese Episode wieder mit einigen Problemen zu kämpfen.

Zunächst ist "Teil IV" mit nur etwas mehr als 30 Minuten Laufzeit die kürzeste Episode von Obi-Wan Kenobi bisher. Dazu kommt, dass die Autoren praktisch den Plot von "Teil II" wieder aufwärmen. Wie in der zweiten Folge muss Obi-Wan Leia wieder aus den Händen von Kidnappern befreien und anschließend mit ihr die Flucht antreten. Hier müssen sich die Autoren durchaus den Vorwurf gefallen lassen, dass es nicht unbedingt von großer Kreativität zeugt, wenn man in einer sechsteiligen Mini-Serie in zwei Episoden den Handlungsschwerpunkt darauf legt, dass Leia von Obi-Wan gerettet werden muss.

Zwar ändert sich mit der Festung der Inquisition der Schauplatz, allerdings ist dieser jetzt auch nicht sonderlich spektakulär, um das Recyceln des Plots zu rechtfertigen. Letztendlich sieht die Festung im Inneren aus wie jede x-beliebige Basis des Imperiums, mit dem einen zusätzlichen Merkmal, dass sich Teile Unterwasser befinden.

Die schnelle Genesung des Obi-Wan Kenobi

Die Tatsache, dass die Episode sich sofort wieder um die Rettung der gefangenen Leia dreht, sorgt auch dafür, dass kaum Zeit für eine Aufarbeitung der Geschehnisse der vergangenen Folge bleibt. Gerade aufgrund der kurzen Laufzeit ist dieser Umstand durchaus fragwürdig. Anstatt zumindest ein paar Minuten dafür zu verwenden, dass sich Obi-Wan mit dem Aufeinandertreffen mit Vader auseinandersetzt, ist er praktisch sofort wieder zurück in Aktion. Lediglich während seines kurzen Heilungsprozesses wird kurz noch einmal darauf eingegangen. Wirklich ergiebig ist dies aber nicht.

Ähnlich gehen die Autoren auch bei Obi-Wans Umgang mit der Macht vor. Während er in "Teil III" fast hilflos erschien, gewinnt Obi-Wan nun in Rekordzeit einen Großteil seiner Fähigkeiten zurück. Erklärt wird dies dabei simpel mit einem Nebensatz. Manche Dinge verlernt man halt einfach nicht und damit kann man dieses Thema ebenfalls zu den Akten legen.

Dass Dinge zu einfach gehen, ist generell ein Problem in der Episode. Obi-Wan und Tala haben so gut wie keine Probleme, die Festung der Inquisition, also eine der wichtigsten Basen des Imperiums, zu infiltrieren. Und selbst als sie am Ende aufliegen, kommen einfach zwei Jäger angeflogen, die ebenfalls problemlos bis zur Basis vorstoßen können, und schießen das Duo und die mittlerweile befreite Leia aus dem Schlamassel. Echte Spannung kann so nie aufkommen.

Die Inquisitorin und die Prinzessin

Neben dem Handlungsstrang rund um Obi-Wan und Tala liegt der zweite Fokus der Episode auf dem Aufeinandertreffen von Leia und Reva. Letztere will von Leia Informationen über das Untergrundnetzwerk haben und schreckt dabei auch vor Folter nicht zurück. Leider bleibt Reva dabei weiterhin eines der großen Probleme der Serie. Auch nach vier Episoden hat man als Zuschauer weiterhin keine genaue Vorstellung davon, was die Figur eigentlich antreibt abgesehen von simplen Streben nach Macht.

Dass Reva dabei extrem unsympathisch herüberkommt, ist ja an sich kein Problem. Ein Bösewicht kann ja generell verabscheuungswürdig sein. Im Falle von Reva ist es aber eher so, dass die Figur sehr langweilig und eindimensional ist. In bisher vier Folgen haben es die Autoren einfach nicht geschafft, in irgendeiner Form Interesse an ihr zu wecken, obwohl man ihr durchaus einiges an Menge Laufzeit gegeben hat. Auch wenn in dieser Richtung noch etwas kommt, wird sich am Ende die Frage stellen, warum die Autoren so lange gewartet haben. Selbst eine große Enthüllung scheint hier nur noch wenig retten zu können, dafür fehlt einfach die emotionale Bindung der Zuschauer mit der Figur.

Fazit

Die kürzeste Episode von Obi-Wan Kenobi fühlt sich leider fast wie ein Lückenfüller an. Dies beginnt damit, dass die Autoren einen bereits gezeigten Plot wiederholen, und endet damit, dass alles in der Episode irgendwie zu leicht geht. Auch verpassen es die Autoren, Zeit in die Entwicklung ihrer Figuren zu investieren, sodass viele Dinge etwas gehetzt wirken. Letzteres ist gerade aufgrund der kurzen Laufzeit besonders befremdlich.

Teil III: Kritik zu Obi-Wan Kenobi 1.03

SPOILER

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Obi-Wan Kenobi Teil 3

Nachdem Obi-Wan Kenobi seine Premiere am vergangenen Freitag mit einer Doppelfolge feierte, kehrt man mit der dritten Episode zum regulären Veröffentlichungstag am Mittwoch bei Disney+ zurück. Entsprechend fiel auch die Wartezeit für die Fans etwas kürzer aus, was nach dem Ende der zweiten Folge sicherlich gern gesehen war. Folge 3 (oder "Teil III") bringt dann auch tatsächlich den zu erwartenden größeren Auftritt von Darth Vader, hat allerdings auch mit ein paar Problemen zu kämpfen.

Bereits zum Auftakt von Obi-Wan Kenobi wurde Ewan McGregor mit Lob für seine Darstellung überschüttet und auch in der dritten Folge setzt der Schauspieler seine starke Leistung fort. Egal, ob es kleinere Szenen mit Leia sind, in denen Obi-Wan der Prinzessin Mut zu spricht und über seine Familie redet, oder der Moment, in dem er nach zehn Jahren wieder seinem früheren Schüler gegenübersteht und absolute Panik fühlt, McGregor spielt einfach hervorragend. Auch die kleine Vivien Lyra Blair macht ihre Sache weiterhin sehr gut und weiß, als junge Leia zu überzeugen.

Nicht ganz so spektakulär ist dagegen der Planet Mapuzo, auf den es das Duo nach der Flucht von Daiyu verschlagen hat. Zwar kann man Mapuzo zumindest zugutehalten, dass es sich nicht wieder um einen Wüstenplanet handelt, ein Steppenplanet ist allerdings auch nur bedingt besser. Hier merkt man dann, dass eine Star-Wars-Serie am Ende eben doch nicht mit dem Budget eines Films mithalten kann. Etwas das in der Folge ein paar Mal spürbar war.

Das Aufeinandertreffen von Obi-Wan und den Sturmtrupplern auf dem Transporter gehört anschließend ebenfalls zu den eher schwächeren Momenten der Serie und ist eines von mehreren Logiklöchern, die das Drehbuch in "Teil III" leider aufweist. So wirkt es schwer unverständlich, dass Sturmtruppler, die mit der Suche nach einem Jedi beauftragt wurden und dann nicht in der Lage sind, diesen zu erkennen, wenn er ihnen direkt gegenübersitzt. Die komplette Szene hat etwas von einem Lückenfüller, mit dem die Zeit gestreckt werden soll, da nie wirklich echte Spannung aufkommen will. Auch dass direkt im Anschluss eine weitere Konfrontation mit Sturmtrupplern folgt, macht die Sache nicht unbedingt besser.

Vader und die Inquisitoren

Während Obi-Wan und Leia auf Mapuzo ihre weitere Flucht planen, ist Reva Sevander nach wie vor auf ihrer Spur. Dabei hat sie mittlerweile auch Darth Vader informiert. Dieser bekommt nach der kurzen Szene in der vorherigen Folge noch einmal eine etwas ausführlichere Einführung und diese ist wirklich gut gelungen und kann einiges an Gänsehaut erzeugen. In der englischen Originalfassung haben die Produzenten zudem Darsteller James Earl Jones zurückgeholt, der Vader bereits in der originalen Trilogie sprach und ihm nun erneut seine Stimme leiht. In der Maske selbst soll allerdings wohl Hayden Christensen stecken, wobei sich natürlich die Frage stellt, wie viel er tatsächlich am Set war. Immerhin bekommt der Darsteller in "Teil III" zumindest auch einen kurzen Auftritt ohne Maske.

Für die Inquisitoren hat die Suche nach Obi-Wan einen Machtkampf ausgelöst. Fraglich ist hier allerdings immer noch, inwiefern der Großinquisitor tatsächlich verstorben ist. Schließlich hat die Figur laut Kanon noch einiges zu tun, sodass die Intrigen von Reva vermutlich am Ende für Nichts waren. Generell bekommt die Figur auch in Folge 3 nicht wirklich mehr Tiefe. Sollte ihre Motivation tatsächlich einfach nur der Machtanspruch auf den Titel Großinquisitors sein, dann wäre das ziemlich wenig. Allerdings sieht man auch immer wieder kleine Momente, in denen die Figur doch bei größeren Gewalttaten des Imperiums zögert, sodass auch ein Wiedergutmachungshandlungsbogen im Bereich des Möglichen liegt. Beide Varianten sind bisher jedoch nicht wirklich gut ausgearbeitet.

Dass manche sogenannte Fans dies allerdings zum Anlass nehmen, um die Darstellerin Moses Ingram auf Social Media wiederholt rassistisch zu beleidigen, ist wieder einmal extrem traurig. Gerade bei Star Wars passierte dies ja nicht zum ersten Mal. Unmut gegenüber einer fiktionalen Figur an den jeweiligen Darstellerinnen auszulassen und dies auf beleidigende Art und Weise, gehört sich einfach nicht, und wie Ewan McGregor auf Instagram treffend formuliert, sind solche Leute keine Star-Wars-Fans.

Ein Duell in der Sandgrube

Mit Darth Vader auf der Spur von Obi-Wan dauert es dann tatsächlich auch nicht lang, bis es zum ersten Aufeinandertreffen der früheren Freunde kommt. Wer geglaubt hat, dass die Macher die Sache langsam aufbauen oder gar etwas bis zum Serienfinale warten, der bekommt in "Teil III" eine Überraschung präsentiert. So gelingt es Obi-Wan zwar mit einer Rebellenzelle Kontakt aufzunehmen, doch Vader ist bereits auf seiner Spur und so kommt es zur erneuten Konfrontation.

Die Art und Weise, wie diese aufgebaut ist, erweist sich allerdings als etwas zwiespältig. Auf der einen Seite gelingt es den Machern hervorragend, den Terror und die Bosheit die Vader ausstrahlt, einzufangen. Ähnlich wie am Ende von Rogue One wird der ehemalige Anakin Skywalker als absolute Naturgewalt dargestellt, da er sich auf dem Höhepunkt seiner Macht befindet. Gleichzeitig kämpft Obi-Wan in purer Panik und man sieht, dass er vollkommen aus der Übung ist und in den letzten Jahren keine Verbindung zur Macht hatte. Auch Vaders Bestrafung für Obi-Wan, ihm dieselben Schmerzen zuzufügen, die er einst erlitten hat, ist ein weiterer Gänsehautmoment.

Dem gegenüber steht allerdings die Inszenierung. Dies beginnt zunächst einmal mit dem Schauplatz. Hier merkt man erneut die Budgetgrenzen der Serie, denn leider sieht es aus, als würden sich Vader und Obi-Wan in einer beliebigen Sandgrube duellieren. Ein paar mehr Schauwerte hätten die Sache hier sicherlich noch spannender gemacht. Auch beim Kampfstil orientiert sich man sich eher an der originalen Trilogie, was das Duell doch etwas träge erscheinen lässt.

Dazu gibt es auch wieder Momente, über die man nicht zu genau nachdenken sollte. So kommt beispielsweise das alte Horrofilm-Klischee zum Einsatz, in dem ein scheinbar gehender Killer genauso schnell ist, wie sein wegrennendes Opfer. Auch dass Vader am Ende Obi-Wan aufgrund einer Feuerwand fliehen lässt, obwohl er Sekunden zuvor noch Flammen mit der Macht erstickte, wirkt komisch.

Es muss trainiert werden

Das Ende der dritten Episode bringt zudem Leia wieder in die Gewalt der Dritten Schwester. Auch hier kann man anmerken, dass diese quasi Teleportationsfähigkeiten haben muss, so schnell, wie sie sich von einem Ort zum anderen bewegt. Auch sorgt das Ende dafür, dass man in gewisser Weise einen Handlungsrückschritt macht und Leia nun direkt wieder in die Hände von Kidnappern platziert wurde. Für Obi-Wan dürfte dagegen vermutlich eine Art Rocky-Trainingssession anstehen, mit der er sich wieder in Form bringt, um die kleine Prinzessin ein weiteres Mal zu retten.

Fazit

Die dritte Episode von Obi-Wan Kenobi überrascht mit einem frühen Aufeinandertreffen zwischen Darth Vader und und dem titelegebenden Jedi. Die Szene überzeugt dabei vor allem auf emotionaler Ebene und wird vom starken Spiel Ewan McGregors und der imposanten Darstellung Vaders getragen. Allerdings hat die Episode leider ein paar Logiklöcher zu viel und auch bei den Schauwerten merkt man die Einschränkungen, die ein Serienbudget mitbringen.

Kritik zu Chip und Chap – Die Ritter des Rechts

Chip und Chap – Die Ritter des Rechts ist eine der Disney-Zeichentrickserien der 90er Jahre, an die sich Kinder der damaligen Zeit auch heute noch gern zurückerinnern. Die beiden titelgebenden Hauptfiguren haben dagegen deutlich weniger gute Erinnerungen, zumindest in der fiktionalen Welt, in die filmische Neuauflage von Chip und Chap spielt. Hier sind die beiden Streifenhörnchen zwei ehemalige Darsteller, die in ihrer Kindheit Freundschaft schlossen und schließlich mit Chip und Chap – Die Ritter des Rechts in Hollywood den großen Durchbruch feierten.

Die Serie fand jedoch nach einem Streit zwischen den beiden ein vorzeitiges Ende und ließ Chap so enttäuscht zurück, dass er sich nicht nur von Chip, sondern auch von der Schauspielerei abwendete. So arbeitet er nun als Versicherungskaufmann und hat praktisch keinen Kontakt mehr zu seinen früheren Freunden. Im Gegensatz dazu versucht Chip, immer noch von seiner damaligen Popularität zu profitieren. Seinen Lebensunterhalt verdient er mit dem Besuch von Conventions und eine 3D-Schönheitsoperation soll ihm wieder zurück auf die große Bühne helfen. Als Samson sie eines Tages kontaktiert, treffen Chip und Chap nach vielen Jahren wieder aufeinander. Es stellt sich heraus, dass ihr alter Freund tief in der Patsche steckt und so ist das Duo gezwungen, alte Streitpunkte zur Seite zu schieben, um Samson zu retten.

Chip und Chap – Die Ritter des Rechts mag auf dem Papier zunächst einmal nicht sonderlich innovativ erscheinen. Der Mix aus Realfilm und CGI-Animation folgt dem Konzept des Klassikers Falsches Spiel mit Roger Rabbit, das auch schon von Filmen wie Space Jam oder Looney Tunes: Back in Action wieder aufgegriffen wurde. Auch die erzählte Geschichte gewinnt keine Innovationspreis und folgt relativ vorhersehbaren Wegen. Die inhaltlichen Überraschungen halten sich in Grenzen und viele Entwicklungen lassen sich relativ einfach vorhersehen. Allerdings hat die Geschichte durchaus Herz und ist aufgrund des Erzähltempos auch zu keiner Zeit langweilig.

Dass der Film trotzdem im Gesamtbild ziemlich unterhaltsame und spaßige Angelegenheit geworden ist, liegt in der Art und Weise, wie die Macher ihre Geschichte erzählen. Chip und Chap – Die Ritter des Rechts ist vollgestopft mit jeder Menge Anspielungen und Meta-Gags. Gerade in diesem Bereich gibt es dann auch eine Vielzahl an Überraschungen, da sehr viele Gags auf Franchises oder Figuren basieren, an denen Disney gar nicht die Rechte besitzt. Dabei gibt es auch immer wieder Momente, in denen die Schlagzahl so hoch ist, dass man sich fast wünscht, es würde etwas weniger rasant vonstattengehen. Natürlich ist Humor auch immer Geschmackssache. Wer mit Gags, die primär darauf basieren, dass bekannte Namen und Marken durch den Kakao gezogen werden, nicht viel anfangen kann, der wird auch an Chip und Chap – Die Ritter des Rechts wenig Freude haben.

Ein bisschen sitzt der Film aufgrund seiner Vorlage zudem auch zwischen den Stühlen. Das Konzept ist offensichtlich als Familienfilm ausgelegt, allerdings richten sich viele Gags dann doch eher an Erwachsene und auch der Nostalgiefaktor einer Serien aus den frühen 1990ern dürfte sich bei Kindern eher in Grenzen halten. Gleichzeitig bleibt die Geschichte dann aber doch relativ brav. Ein Chip und Chap – Die Ritter des Rechts, der sich vollkommen an ein erwachsenes Publikum gerichtet hätte, wäre vermutlich noch etwas besser geworden, da man hier auch aus der Geschichte mehr hätte machen können.

Fazit

Auch wenn Chip und Chap – Die Ritter des Rechts keinen Innovationspreis gewinnt, macht der Mix aus Realfilm und CGI doch jede Menge Spaß. Wer mit dem Humor etwas angefangen kann, der bekommt fast 100 Minuten gute-Laune-Unterhaltung geboten mit einer extrem hohen Gagdichte.

Abschied - Kritik zum Staffelfinale von Star Trek: Picard 2.10

SPOILER

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Mit der zehnten Episode kommt die 2. Staffel von Star Trek: Picard zu ihrem Abschluss. Unter dem passenden Titel "Abschied" bringen die Autoren viele offene Stränge zusammen und setzten auf ein emotionales Ende. Inwiefern das tatsächlich funktioniert, steht jedoch auf einem anderen Blatt. In "Abschied" wird wieder einmal deutlich, was eines der großen Probleme der neuen Star-Trek-Ära unter Alex Kurtzman ist. Den Serienmachern geht es verstärkt darum, emotionale oder coole Momente zu kreieren. Logik, Nachvollziehbarkeit und Kanon werden dann gern einmal hinten angestellt. Letztere scheint ohnehin vor allem dazu da zu sein, um mit Fanservice Punkte zusammeln, wird aber gern mal in allen anderen Aspekten der Geschichte ignoriert.

Ob "Abschied" für den Zuschauer funktioniert, hängt daher stark davon ab, ob einem Emotionen reichen. So kann die Episode durchaus mit einigen emotionalen Momenten punkten. Dem gegenüber stehen allerdings auch wieder jede Menge Logiklöcher und inhaltliche Entscheidungen, die einen nur den Kopf schütteln lassen. Ein Gefühl, das in der neuen Star-Trek-Ära mittlerweile nur zu vertraut ist.

Die unnötigen zwei Picards

Nachdem die Gefahr durch die Borg-Königin gebannt ist, machen sich Picard und seine Mitstreiter auf den Weg, um Adam Soong zu stoppen. Dieser Handlungsstrang zeigt noch einmal sinnbildlich, was das Problem von Star Trek: Picard ist. Auf dem Papier klingt ein Wettlauf gegen die Zeit, bei dem sich Tallinn schließlich opfert, nachdem sie zuvor ein emotionales Aufeinandertreffen mit Renée Picard hatte, durchaus spannend. Die Umsetzung ist allerdings sehr wirr geraten und wirkt extrem gewollt.

Dies beginnt bereits damit, dass Soong innerhalb von Stunden von der Pampa in Frankreich zurück nach Kalifornien reist. Dieselbe Strecke, für die Picard und Co wohlgemerkt einen Transporter nutzen. Anschließend wird er mit einer der fadenscheinigsten Begründungen überhaupt wenige Minuten vor dem Start zu einer Astronautin vorgelassen, die er dann auch noch umständlich mit einem Nervengift tötet. Gleichzeitig fällt Tallinn nichts Besseres ein, als einfach Renée Platz einzunehmen, um sich an ihrer Stelle töten zu lassen, einfach weil die Autoren entschieden haben, dass es einen tragischen Tod geben muss. Ein simpler Phaser mit Betäubungsfunktion hätte ausgereicht, Soong zu stoppen.

Gleichzeitig muss man bei dieser Szene festhalten, dass Picard in seiner eigenen Serie wieder einmal nur die Randfigur spielt. Bereits in der vorherigen Episode wurde die Gefahr, die von der Borg-Königin ausging, nicht von Jean-Luc, sondern von Agnes, Seven und Raffi gelöst. Picard war währenddessen damit beschäftigt, Visionen zu haben. Im Staffelfinale übernimmt nun Tallinn das Zepter, und für Jean-Luc bleibt wieder nur die Rolle des Zuschauers.

Raffi, Rios und Seven dürfen zumindest den Backup-Plan von Soong stoppen. Hier hat man allerdings eher das Gefühl, dass die Szene dafür da ist, künstlich Spannung aufzubauen und vor allem den Figuren irgendetwas zu tun geben soll. Etwas, das nicht zum ersten Mal in dieser Staffel passiert.

Hauptsache Fanservice

Nachdem die Europa Mission gerettet wurde, ist es dann noch einmal an der Zeit für etwas Fanservice. Adam Soong muss lernen, dass seine Klon-Tochter Kore sein Lebenswerk zerstört hat und er nun vor dem Nichts steht. Doch natürlich hat er noch ein Ass im Ärmel beziehungsweise eine Akte im Schrank und diese trägt den Namen Projekt Khan. Szenen wie diese sind ein Grund, warum Fanservice einen schlechten Ruf hat. Letztendlich geht es nur darum, den Star-Trek-Fans noch einmal irgendeinen vertrauten Namen zu zeigen. Es hätte auch einfach Fanservice auf dem Umschlag stehen können, das wäre ähnlich nachvollziehbar gewesen.

Doch ist der Erwähnung von Khan nur der Auftakt, denn kurz darauf, dürfen sich die Zuschauer über ein Wiedersehen mit Wil Wheaton in seiner Rolle als Traveler Formerly Known As Will Crusher freuen. Auch hier muss man aber leider festhalten, dass der Auftritt seine gewünschte Wirkung verfehlt. Dies beginnt zunächst damit, das Crusher auf Kore Soong trifft, eine der unwichtigsten Nebenfiguren, mit der man als Zuschauer in der ganzen Staffel gefühlt zehn Minuten verbracht hat. Dazu will der Monolog auch nicht wirklich zünden. Zumindest in der englischen Originalversion wirkt es eher so, als würde man Wil Wheaton und nicht Will Crusher zu hören.

Abschied von 2024

Während der Fanservice und die Auflösung rund um Renée Picard nicht überzeugen können, hat die Episode aber zumindest noch ein Highlight zu bieten. Das finale Aufeinandertreffen von Q und Picard. Hier kommen tatsächlich Emotionen auf und das Gespräch zwischen den beiden macht wieder deutlich, was in der Staffel drin gewesen wäre. Auch zeigt John de Lancie noch einmal und vermutlich auch zum letzen Mal, wie gut er in der Rolle des Q ist. Selbst die Erklärung für sein Eingreifen ist nachvollziehbar, wenn man bestimmte Kanonaspekte (Q sollte eigentlich einen Sohn haben) und die Art und Weise, wie er die ganze Sache aufgebaut hat, mal außen vor lässt.

Wenig überraschend schickt Q Picard und seine Crew dann schließlich wieder zurück in ihre Zeit, allerdings nicht, bevor sich Rios nicht dann doch zum Verbleib im Jahr 2024 entscheidet. Die komplette Storyline rund um ihn wirkt auch an dieser Stelle wieder extrem über das Knie gebrochen. So will man Rios nicht wirklich glauben, wenn er meint, dass er nicht in die Zukunft gehört, vor allem nach seiner Entwicklung zwischen Staffel 1 und 2. Staffel-1-Rios, der allein auf einem Schiff mit Hologrammen lebt, mag eine solche Entscheidung treffen, für Sternenflotten-Captain Rios wirkt sie unrealistisch. Dass die Autoren am Ende dann durch Guinan noch versuchen, dem Zuschauer zu erzählen, dass Rios ein gutes Leben hatte, macht die Sache auch nicht besser. Wir reden hier schließlich von der Zeit des 3. Weltkriegs.

Zurück in die Zukunft

Picard und Co finden sich schließlich zurück auf der Stargazer und es kommt die wenig überraschende Demaskierung von Agnes. Während von dieser Entwicklung vermutlich niemand überrascht wurde, sieht es bei der Optik etwas anders aus. Das Kostüm von Agnes als Borg-Königin wirkt extrem billig. Gerade im Vergleich zu den Kostümen, welche die Star-Trek-Macher der 1990er auf die Beine gestellt haben, ist dies schon sehr fragwürdig.

Noch schlimmer ist jedoch, dass plötzlich aus dem Nichts eine Bedrohung aus dem Hut gezaubert wird, die Milliarden von Lebewesen bedroht und dann auch noch in fünf Minuten direkt wieder aufgelöst wird. Hier spürt man beinah, wie die Autoren eine "coole" Szene schaffen wollten, in der dann plötzlich die Sternenflotte gemeinsam mit den Borg sich dieser Bedrohung entgegenstellt und einer vermeintlich epischer Moment entsteht. Die Umsetzung ist jedoch alles andere als gut.

Gleichzeitig werden in den letzten Minuten noch ein paar Charakterarcs aufgelöst. So wird Seven beispielsweise aus dem Stegreif zum Captain befördert. Zwar ist es nett, Seven auf dem Captainstuhl zu sehen, gut erzählt ist die Sache aber ebenfalls nicht. Dass Seven überhaupt Interesse an einem Sternenflottenpost hat, wurde erstmals in Folge 9 angesprochen, eine Folge später bekommt sie ihn dann einfach geschenkt und dies wohlgemerkt von jemandem, der bei dem Gespräch überhaupt nicht dabei war.

Darüber hinaus wird auch Elnor zurück in die Welt der Lebenden geholt. Der romulanische Kandett darf also weiterhin sein Schwert schwingen. Für Picard gibt es ebenfalls noch ein Happy End, und er kommt gerade rechtzeitig, um Laris vor ihrem Abschied abzuhalten. Wer übrigens auf eine Erklärung gehofft hat, warum Tallinn und Laris identisch aussehen, der wird im Staffelfinale enttäuscht. Stattdessen endet die Episode mit einer romantischen Kamerafahrt.

Staffelfazit

Letztendlich ist es bei Star Trek wie bei Und täglich grüßt das Murmeltier. Die Staffeln starten hoffnungsvoll, man denkt sich "Vielleicht bekommen sie jetzt die Kurve" und dann setzt spätestens ab der Staffelmitte die Ernüchterung ein. Die 2. Staffel erweist sich am Ende inhaltlich auf einem kaum besseren Niveau als Staffel 1. Dies liegt unter anderem auch daran, dass die Handlung sich nicht über zehn Episoden trägt. Vor allem im Mittelteil wurde dies sehr deutlich.

Auch das grundsätzliche Setting und das generelle Mantra, es mit Logik und Nachvollziehbarkeit nicht zu ernst zu nehmen, erweisen sich wieder einmal als Stolpersteine. Allein die Entscheidung, dass Picard im Jahr 2024 einen Flug zu einem Jupitermond sicherstellen soll, zeigt, wie viele komische Entscheidungen die Autoren getroffen haben. Lediglich den Darstellern kann man kaum einen Vorwurf machen, die noch das Beste aus dem Material herausholen. Wenn Staffel 2 von Picard gegenüber Staffel 1 vielleicht doch etwas die Nase vorn hat, dann liegt das primär an den Darstellern.

Das Versteckspiel - Kritik zu Star Trek: Picard 2.09

SPOILER

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Mit "Das Versteckspiel" bringen die Autoren von Star Trek: Picard in der vorletzten Episode der 2. Staffel einige Handlungsstränge zu einem Ende. Allerdings erweist sich der Weg zum Ziel in einigen Fällen als etwas holprig. Gerade vor dem Hintergrund, dass die Handlung in den vergangenen drei Episoden extrem vor sich hin plätscherte, stellt sich die Frage, wieso man diese Zeit nicht sinnvoller investiert hat. Vor allem die Auflösung um die Borg-Königin fällt hier besonders negativ auf.

Die Episode beginnt mit dem Angriff der Borg-Königin und ihrer neuen Armee auf die La Sirena. Hier dürfte der aufmerksame Besucher zunächst einmal die berechtigte Frage stellen, warum die Armee sich nicht einfach direkt in das Schiff beamt, schließlich hat die Borg-Königin die Kontrolle über die Transporter. Auch sonst sollte man über die Taktiken der Borg-Söldner nicht zu genau nachdenken. So sind die Söldner beispielsweise extrem freundlich und signalisieren permanent ihren Standort mit der Hilfe grüner Zielsucher.

Zudem fällt in "Das Versteckspiel" wieder einmal das Budget der Serie negativ auf. Vieles an der Episode wirkt sehr günstig produziert, was vor gerade im Vergleich zu Star Trek: Discovery doch sehr verwunderlich ist. So spielt ein Großteil der Episode nicht nur bei Nacht, wobei einem hier durchaus Erinnerungen an die Schlacht von Winterfell kommen können, es sind kaum mehr als vier oder fünf Personen gleichzeitig vor der Kamera. Dazu halten sich die Effekte arg in Grenzen, sodass die ganze Episode einen etwas billigen Eindruck hinterlässt.

Die einsame Königin der Borg

Während Picard und seine Crew außerhalb des Schiffes die Söldner der Borg-Königin aufzuhalten, nimmt im Inneren Agnes den Kampf auf. Die Erklärung, warum sie nun plötzlich wieder mehr Zugriff auf ihren Körper hat, ist ähnlich hanebüchen wie zuvor die, mit der die Kontrollübernahme der Königin erklärt wurde. Auch der Auftritt von Elnors Hologramm wirkt etwas arg gewollt, gibt aber zumindest Raffi die Chance sich zu entschuldigen.

Agnes gelingt es zunächst, zu verhindern, dass die Borg-Königin die Kontrolle über das Schiff übernimmt und auch Hologramm-Elnor macht ihr das Leben schwer. Die Sache dreht sich schließlich, als auch Seven und Raffi auf das Schiff gelangen und Seven tödlich verletzt wird. Was folgt, ist der finale Schritt in der Entmystifizierung der Borg, die einmal einer der faszinierendsten Bösewichte in Star Trek waren.

Im Gespräch mit Agnes werden die Motive der Borg-Königin am Ende auf simple Einsamkeit reduziert. "Sie will doch nur geliebt werden" ist leider eine sehr enttäuschende Enthüllung rund um die Picards einstigen Erzfeind. Dass Agnes und die Borg-Königin anschließend miteinander verschmelzen, um die zu erwartende Zeitschleife mit dem Staffelauftakt zu kreieren, ändert dann auch nicht mehr viel. Auch muss man festhalten, dass die Königin sich viel zu einfach überzeugen ließ. Hier verschenkten die Autoren die Möglichkeit, Agnes bereits in den vergangenen Folgen irgendwie die Grundlage für diese Entwicklung legen zu lassen. Gerade weil in den vorherigen Episoden so wenig passierte, ist dies umso ärgerlicher.

Picards Kindheitstrauma enthüllt

Picard muss sich währenddessen sowohl gegen die Versuche von Soong wehren, ihn töten zu wollen, als auch sein Kindheitstrauma bewältigen. Erneut setzen die Autoren dabei auf Flashbacks in seine Kindheit, die in dieser Episode aber noch störender als bisher sind. So wird der eigentliche Spannungsbogen mehrfach unterbrochen, um den Zuschauern Picards Trauma zu präsentieren. Dieses steht zudem auf extrem wackligen Beinen, schließlich erscheint es unwahrscheinlich, dass man als Zuschauer erstmals von einem Picard in seinen 90ern erfährt, dass er sich für den Selbstmord seiner Mutter verantwortlich macht.

Immerhin ist aber auch dieses Rätsel gelöst, sodass sich das Staffelfinale auf Soong und dessen Versuch, die Europa Mission zu stoppen fokussieren dürfte. Im Falle von Soong muss man allerdings festhalten, dass dieser mittlerweile komplett in die Klischeekiste abgerutscht ist und fleißig vor sich hin monologisiert. Das hilft es auch wenig, dass Brent Spiner die Rolle spielt.

Seven akzeptiert sich selbst

Neben Picard wird auch Seven mit ihrem inneren Konflikt in "Das Versteckspiel" konfrontiert. Ähnlich wie bei dem Agnes-Handlungsstrang erfolgt die Auflösung hier aber ebenfalls sehr abrupt und man hätte sich im Vorfeld einen besseren Aufbau gewünscht. So verbrachte Seven einen großen Teil der letzten Folgen praktisch an der Seitenlinie und fungierte eher als Stichwortgeberin. Dass ihr einstiges Dasein als Borg ihr immer noch Probleme bereitet, wurde lediglich in den ersten Folgen angedeutet, eine wirkliche Ausarbeitung fand aber nie wirklich statt. Entsprechend wurde hier wieder einmal einiges an Potenzial verschenkt.

Währenddessen ist Rios weiterhin zwischen seiner Anziehung zu Teresa Ramirez und seiner Verpflichtung als Sternenflottenoffizier hin und hergerissen. In "Das Versteckspiel" gewinnt zwar zunächst noch die Pflicht, wirklich das letzte Wort scheint hier aber noch nicht gesprochen. Viel deutet daraufhin, dass die Autoren auch Santiago Cabrera aus der Serie schreiben. Eventuell will man so Platz für die Rückkehr der alten Garde in Staffel 3 machen. Spätestens in der nächsten Woche dürfte seine Schicksal dann geklärt sein.

Fazit

Holprig, holprig bewegt sich die 2. Staffel von Star Trek: Picard auf ihr Finale zu. "Das Versteckspiel" bringt zwar einige Handlungsfäden zusammen und löst auch die Geschichte rund um die Borg-Königin, wirklich überzeugend gelingt dies jedoch nicht.

Gnade - Kritik zu Star Trek: Picard 2.08

SPOILER

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Die 2. Staffel von Star Trek: Picard biegt langsam auf die Zielgerade ein und tatsächlich nimmt die Handlung in "Gnade" wieder etwas mehr an Fahrt auf. Ob dies allerdings ausreicht, um die Staffel noch zu retten, wird sich zeigen. Gefühlt scheint das Kind doch bereits wieder arg in den Brunnen gefallen zu sein.

Bereits in der vergangenen Woche hatten wir angesprochen, dass die Autoren von Star Trek: Picard anscheinend ein ziemliches Problem damit hatten, ihren geplanten Plot auf die insgesamt zehn Episoden zu strecken. In "Gnade" wird dies dann noch einmal deutlich. Wer geglaubt hat, dass es sich bei dem FBI-Agenten vielleicht um eine wichtige Figur oder einen Q handeln könnte, der wird enttäuscht. Stattdessen führen die Autoren tatsächlich in der achten von zehn Folgen eine vollkommen unbedeutende Nebenfigur ein, die kaum einen Beitrag zum Gesamthandlung beisteuert und obendrein sich auch direkt wieder verabschiedet. Die Handlung rund um FBI-Agent Martin Wells fühlt sich von Anfang bis Ende wie Füllmaterial an. Ein Vorwurf, den sich die Autoren nicht zum ersten Mal in der Staffel gefallen lassen müssen.

Darüber hinaus bildet "Gnade" auch einen guten Anlass, um die Frage in den Raum zu werfen, ob den Produzenten von Star Trek: Picard für die 2. Staffel das Budget zusammengestrichen wurde. Nicht nur die Tatsache, dass ein Großteil der Staffelhandlung in den Straßen des fast zeitgenössischen Los Angeles spielt, lassen diese Vermutung aufkommen. Auch Szenen wie das Verhör von Picard und Guinan sorgen für hochgezogene Augenbrauen. Dass hier als Kulisse irgendeine beliebige Abstellkammer gewählt wurde, wirkt schon sehr befremdlich. Selbst eine Außenaufnahme oder Statisten für weitere FBI-Mitarbeiter hat man sich gespart. Gerade im Vergleich zu Star Trek: Discovery, das optisch immer noch einiges zu bieten hat, stellt sich zunehmend die Frage, was bei Star Trek: Picard in diesem Bereich passiert ist.

Die alte Garde liefert Antworten

Immerhin brachte die Verhaftung von Picard und Guinan aber die Rückkehr von Q und ein paar Antworten. So bestätigt das einst übermächtige Wesen, das es tatsächlich im Sterben liegt. Sobald es aber um seine Motivation geht, wird die Sache deutlich unklarer. Während Q zunächst erfreut über das neue Abenteuer Tod war, ist es nun aus irgendeinem Grund nicht mehr. Gleichzeitig geht es ihm wohl irgendwie um Wiedergutmachung und auch die Tatsache, dass die Menschen anscheinend alle immer von ihrer Vergangenheit bestimmt werden, spielt eine Rolle. Wie gesagt, wirklich konkret wird Q hier nicht, dafür macht das Schauspiel von John de Lancie aber wieder richtig viel Spaß.

Gleiches kann man auch über Brent Spiner sagen. Dessen Adam Soong muss zunächst damit klarkommen, dass seine geklonte Tochter das Geheimnis ihrer Herkunft herausgefunden hat und nun nichts mehr mit ihm zu tun haben möchte. Doch lange bleibt Soong nicht allein, denn kurz darauf taucht die Borg-Königin auf. Diese enthüllt nun auch, was genau die Veränderung in der Zeitlinie auslöst. So soll eine Entdeckung von Renée Picard der Menschheit dabei helfen, den Planeten vor der Klimakrise zu retten. Würde man den Start der Europa Mission dagegen verhindern, würden die Menschen sich an Soong wenden, der dadurch in die Geschichte eingeht.

Leckere Batterien, Liebesgeschichten und Söldnertruppen

Bevor die Borg-Königin und Soong jedoch ihren Pakt schließen können, gibt es "Gnade" wieder einmal eine ganze Reihe von Ereignissen, die mittlerweile typisch für die Autoren von Star Trek sind. Der Zuschauer muss einfach jede Menge Dinge hinnehmen und sollte keinesfalls nachfragen. Dinge wie, dass Soong plötzlich ganze Söldnertruppen anheuern kann oder wenn die Borg-Königin anfängt, Autobatterien zu trinken, werden dem Zuschauer einfach hingeworfen, im besten Falle noch mit ein oder zwei Nebensätzen erklärt, aber wirklich darüber nachdenken darf man nicht.

Auch der Nebenplot rund um Rios und die Ärztin Teresa Ramirez wirkt extrem gewollt und an dieser Stelle der Geschichte irgendwie sehr deplatziert. Als hätte Rios aktuell nicht wichtigere Dinge im Kopf, als sich um die Frau und ihren Sohn zu kümmern und zwischenzeitlich noch eine Schifftour zu geben. Auch kann die Story eigentlich nur mit einem Happy End enden, wenn die beiden mit Rios in die Zukunft kommen. Zwar scheint es so, als würden die Verantwortlichen einen Verbleib von Rios in der Vergangenheit aufbauen, aber das wäre aus seiner Sicht kompletter Irrsinn, schließlich beginnt auf der Erde in zwei Jahren der Dritte Weltkrieg, zumindest wenn Picard und seine Crew Erfolg haben.

Das Duo Raffi und Seven ist währenddessen etwas produktiver und kann die Spur der Borg-Königin aufnehmen. Dabei scheinen die Autoren Raffi langsam aber sicher zu einer der unsympathischsten Figuren machen zu wollen. Mit dem Manipulationsthema will man zunächst erklären, warum Raffi so betroffen ist von Elnors Tod. Das macht ihr Verhalten nach dem Tod allerdings überhaupt nicht besser, da sich ja anscheinend nichts geändert hat. Anstatt etwas Demut zu zeigen und agiert sie wie die Axt im Walde. Im Gegenzug bleibt Seven weiterhin nur die Rolle der Stichtwortgeberin. Hier kann man nur offen, dass Darstellerin vielleicht in Staffel 3 wieder etwas mehr zu tun bekommt.

Fazit

In "Gnade" geben die Autoren von Star Trek: Picard tatsächlich ein paar Antworten und auch der Plot kommt langsam wieder in Bewegung. Eine inhaltliche Steigerung macht die Episode dabei zwar besser als seine beiden Vorgänger, von wirklich gut kann aber auch nicht die Rede sein. Dafür ist das Gesamtkonstrukt gefühlt mittlerweile zu verfahren, was auch für die beiden finalen Folgen wenig Hoffnung macht.

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