Kritik

Marvel wird mystisch! - Kritik zu Shang-Chi and the Legend of the Ten Rings

Shang Chi.jpg

Shang-Chi (Simu Liu) lebt ein scheinbar normales Leben in San Francisco, wo er als Parkwächter arbeitet. Dann aber wird er von einer mysteriösen Gruppe angegriffen, die seinen Anhänger entwendet, den ihm einst seine Mutter schenkte. Gemeinsam mit seiner besten Freundin Katy (Awkwafina) reist er nach Macau, um seine Schwester Xialing (Meng’er Zhang) zu warnen, dass auch sie in Gefahr ist. Shang-Chi muss sich schließlich seiner Vergangenheit stellen, die er hinter sich gelassen zu haben glaubte. Als er in das Netz der mysteriösen Organisation der Zehn Ringe hineingezogen wird, die sein Vater (Tony Leung Chiu Wai) anführt, erkennt Shang-Chi, dass er ihn und seine Zehn Ringe stoppen muss.

Mit Shang-Chi and the Legend of the Ten Rings legt Marvel den mittlerweile 25. Film im Marvel Cinematic Universe vor. Der zweite Film von Phase Vier hat erstmals einen asiatischen Helden im Fokus, der zuvor noch in keinem einzigen Film des MCU Erwähnung fand. Somit steht das Kinoabenteuer um Shang-Chi vor der nicht ganz so einfachen Aufgabe, seinem Publikum den Hintergrund zu der Figur zu erklären, gleichzeitig seine aktuelle Herausforderungen spannend zu gestalten und vor allem seinen künftigen Platz im MCU zu ebnen. Und das alles bitte schön kompakt …

Zugegeben, so ganz unbekannt ist Shang-Chi dann doch nicht beziehungsweise gab es seit Iron Man mehr als eine Andeutung auf die Zehn Ringe und den Mandarin. Ihren ersten Auftritt hatte die Gruppierung in Iron Man als Entführer von Tony Stark, in Iron Man 2 gab es die nächsten Andeutungen, und der Auftritt von Ben Kingsley in Iron Man 3 als vermeintlicher Mandarin dürfte dem Publikum nachhaltig in Erinnerung geblieben sein. Nun gibt es aber (endlich) eine Erklärung, wer der Mandarin ist, wie er zu den Zehn Ringen gekommen ist und was es damit überhaupt auf sich hat.

Dafür nimmt Shang-Chi and the Legend of the Ten Rings sich bereits zu Beginn ausreichend Zeit und erklärt genau diese Aspekte in einer Rückblende, die dabei hilft, in diese neue Welt einzutauchen. Beeindruckend ist das erste Aufeinandertreffen von Shang-Chis Vater und Mutter, das nicht nur optisch ansprechend ist, sondern auch klar macht, welche Richtung die Martial-Arts-Sequenzen einschlagen werden: Elegant. Wunderbar choreographiert. Tänzerisch. Mystisch. Fans von Wǔxiá-Filmen dürften sich hier umgehend Zuhause fühlen.

Kein simples Hau druff!

Ein cleverer Schachzug ist es dann, anschließend die Welt, in welcher der erwachsene Shang-Chi lebt, vorzustellen. In kurzen, aber humorvollen Sequenzen wird die Freundschaft zwischen Shang-Chi und Katy beschrieben, bevor der Film eine Actionsequenz serviert, die einen in Atem hält. Der Titelheld kämpft auf engstem Raume, nämlich in einem Linienbus, gegen eine Gruppe Angreifer. Zwar hätte etwas weniger CGI der Szene bestimmt gut getan, dennoch ist die Marschroute für den Film vorgegeben. Die Kampfszenen sind anders, und es ist erstaunlich, dass Marvel auch für Film Nummer 25 etwas Neues aus dem Hut gezaubert hat.

Erstmals sind im MCU auch mystische Wesen zu sehen, denn Shang-Chi and the Legend of the Ten Rings beschränkt sich nicht rein auf die Martial-Arts-Elemente. Die Handlung berücksichtigt die asiatische Kultur und Mythen, wie es für einen US-Amerikaner oder Europäer vermutlich den gängigen Vorstellungen entspricht, und wandert dabei nicht in die Klischeeschublade ab. Stattdessen vereint der Film das Beste aus beiden Welten, sodass das Publikum in diese neue Gesamtwelt abtauchen kann.

Comedy, Action, Freundschaft - der Cast liefert alles ab

Auch der Cast trägt dazu bei, dass das Abenteuer um Shang-Chi zu einem gelungenen Popcorn-Kino-Vergnügen wird. Simu Liu kann den Film in der Titelrolle tragen und beweist, dass er nicht nur in den kämpferischen Momenten überzeugen kann. Liu hat ein gutes Gespür für komödiantisches Timing und Momente - immerhin möchte Marvel auch in Phase Vier nicht auf Comedy-Elemente verzichten. Der Darsteller schafft es, dass diese Szenen nicht platt wirken oder seine Figur ins Lächerliche ziehen. Die Medienschelte, die er gerade im asiatischen Raum vor der Produktion des Films bezogen hat, ist unbegründet. Liu spielt Shang-Chi respektvoll und kann auch mit seiner durchtrainierten Optik überzeugen.

Weiterhin ist es der Geschichte sehr zuträglich, dass die Chemie zwischen Liu und Awkwafina stimmt. Awkwafina übernimmt die Rolle von Shang-Chis bester Freundin Katy und schafft es, dass die Figur, die dazu auserkoren ist, mitunter als Comic Relief zu fungieren, nicht zur kompletten Lachnummer mutiert. Dass Awkwafina zwischen Figuren springen kann, hat sie bereits in Jumanji: The Next Level bewiesen. Und so ist auch Katys buchstäbliche Reise in Shang-Chi and the Legend of the Ten Rings spannend mit anzusehen. Es sind dann doch eben oft die leisen Momente und Töne, in denen eine Figur am meisten überzeugen kann - Awkwafina hat hier den richtigen Weg für Katy gefunden.

Endlich mal kein eindimensionaler Bösewicht

Im restlichen Cast tauchen einige Überraschungen auf, die sich bereits im Vorfeld über die Medien angekündigt haben. Besonders hervorzuheben ist hier aber noch Tony Leung Chiu Wai, der als The Mandarin respektive Shang-Chis Vater endlich einmal einen Bösewicht im MCU verkörpert, den man beim Verlassen des Kinos nicht sofort vergessen hat. Seine Figur ist vielschichtig und mitunter auch von einer emotionalen Komplexität, sodass die Handlungsmotive nicht so eindimensional wirken wie in anderen Filmen des MCU.

Einen Kritikpunkt mag es für manche aber doch geben: Nicht jedem wird die Erzählstruktur von Shang-Chi and the Legend of the Ten Rings gefallen. Dadurch, dass bis dato so gut wie nichts über Shang-Chi, seinen Vater und die Ten Rings im MCU konkret und detailliert bekannt war, greift die Handlung stark auf erklärende Rückblenden zurück. Dies mag den Rhythmus des Films für manche stören. Die anderen werden es vermutlich angenehmer empfinden, mit mehreren kleineren Rückblenden konfrontiert zu werden, als eine lange Sequenz zu haben.

Fazit

Mit Shang-Chi and the Legend of the Ten Rings entführt Marvel sein Publikum in eine vollkommen neue und vor allem mystische Welt. Shang-Chi feiert dank des Casts und der neuen Elemente einen gelungenen Einstieg in das MCU, sodass man gespannt sein darf, wohin der Weg ihn, Katy und auch seine Schwester Xialing noch führen wird.

Wer oder was bist du? - Kritik zu Reminiscence: Die Erinnerung stirbt nie

Reminiscence Hugh Jackman Rebecca Ferguson.jpeg

Nick Bannister (Hugh Jackman) lebt an der durch den steigenden Meeresspiegel überfluteten Küste von Miami. Das Spezialgebiet des Privatdetektivs ist der menschliche Verstand: Seinen Auftraggebern hilft er dabei, in die dunkelsten Winkel ihres eigenen Geistes vorzudringen und dort Zugang zu verschütteten Erinnerungen zu finden. Bannisters Leben verändert sich radikal, als mit Mae (Rebecca Ferguson) eine neue Klientin auftaucht. Aus einem einfachen Auftrag entwickelt sich eine gefährliche Besessenheit. Während er versucht, die Wahrheit über Maes Verschwinden herauszufinden, deckt Bannister eine brutale Verschwörung auf. Am Ende muss er sich die Frage stellen: Wie weit kann man gehen, um die Menschen, die man liebt, zu halten?

Mit Reminiscence: Die Erinnerung stirbt nie wagt Autorin, Regisseurin und Produzentin Lisa Joy, bekannt als Mitschöpferin der HBO-Serie Westworld, ihr Spielfilm-Regiedebüt. Die Prämisse sowie der namhafte Cast bestehend aus Hugh Jackman (X-Men-Franchise, Greatest Showman), Rebecca Ferguson (Mission-Impossible-Franchise) sowie Thandiwe Newton (Westworld, Solo: A Star Wars Story) haben Hoffnungen auf ein gelungenes Debüt gemacht. Leider sorgt die Umsetzung des Stoffs schnell für Ernüchterung.

Einen Schuss Memento und eine große Prise Inception

Lisa Joy ist mit dem Drehbuchautoren Jonathan Nolan verheiratet und somit die Schwägerin von Christopher Nolan. Allzu oft drängen sich im Verlauf des Films Parallelen zu den Werken von Ehemann und Schwager auf, denen Joy mit ihrem Debüt jedoch nicht standhalten kann. Zu deutlich sind die Inspirationen von Memento im Hinblick auf die Erzählstruktur sowie zu Inception. Damit hat Joy sich die Messlatte zu hoch gelegt.

Immerhin beginnt der Film mit einer gelungenen Kamerafahrt über eine halb versunkene Stadt vielversprechend. Es ist Miami, wie sich schnell herausstellt. Warum aber die Stadt in diesem Zustand ist … nun, darüber lässt Joy ihr Publikum den gesamten Film über komplett im Dunkeln. Ebenso wenig gibt es auch nur den Hauch einer Erklärung für einen häufig erwähnten Krieg, in dem Nick Bannister und seine Gehilfin Watts gedient haben. Stattdessen biegt Joy mit der Handlung, sobald es ansatzweise um die Hintergründe geht, von einem Sci-Fi-Thriller in Richtung Liebesgeschichte ab und sorgt damit für einigen Frust.

"Jessica! Wie sehr ich dich liebe! Lass mich der Liebe Vielzahl aufzählen!"

Denn damit bleiben die Figuren erschreckend blass. Gerade die Motivation der Hauptfigur Nick ist aufgrund des steten Wechsels zwischen Thriller und Romanze nicht nachvollziehbar. Wie kann sich ein Mann, der so reserviert und professionell agiert wie Nick, binnen weniger Augenblicke so in Mae verlieben, dass er anschließend jede Ratio über Bord wirft? Man verzeihe den Vergleich, aber da wirkt Roger Rabbits Liebe zu seiner Frau Jessica um einiges glaubwürdiger. Woher der Vergleich übrigens kommt? Nun, sollte man sich jemals zu einem Reboot für Falsches Spiel mit Roger Rabbit entscheiden, hat Rebecca Ferguson sich als fleischgewordene Jessica Rabbit mit ihrem roten Kleid und dem Gesang eindeutig für die Rolle empfohlen …

Wie konstruiert Joys Drehbuch ist, wird im weiteren Verlauf der Handlung schnell deutlich. Selbst, wenn jemand die Geschichte nicht allzu sehr hinterfragen möchte, drängen sich doch rasch einige Fragen auf. Eine Frau wie Mae nimmt die Dienste Nicks in Anspruch, weil sie ihren Schlüssel verloren hat? Ernsthaft? Dafür geht sie zu einem so cleveren Privatdetektiv, der über so einen simplen Auftrag nicht stolpert? Die weiteren Andeutungen, wer Mae ist und die auf ihr Verschwinden deuten, sind außerdem nicht wirklich subtil, sondern blinken eher wie Neonschilder auf. Es scheint, als hätte Joy befürchtet, dass ihr Publikum der Geschichte sonst nicht folgen könnte. Durch ihre Erzählweise sorgt sie jedoch dafür, dass die Auflösung wenig überraschen kann, dazu ist Reminiscence: Die Erinnerung stirbt nie nicht intelligent genug erzählt.

Handlung nja, Kulisse jaaaaa!

Auch der Cast kann den Film leider nicht retten. Hugh Jackman, Rebecca Ferguson und Thandiwe Newton liefern eine routinierte Leistung ab, ohne sich jedoch allzu sehr ins Zeug zu legen. Dass die Chemie zwischen Jackman und Ferguson leidlich stimmt, hat das Publikum schon in Greatest Showman sehen können, somit war die Besetzung der Darsteller für die beiden Hauptrollen ein überschaubares Risiko.

Womit Reminiscence: Die Erinnerung stirbt nie aber überzeugen kann, ist die Optik. Die bereits erwähnte Kamerafahrt zu Beginn gibt die Marschroute für die nächsten knapp zwei Stunden vor. Das stark überflutete Miami wirkt wie ein postapokalyptisches Venedig und gibt sich zum Großteil düster und trostlos. Im Kontrast dazu stehen die Momente, welche die Romanze in den Vordergrund stellen. Hier dürfen helle, warme Farben ran. Innovativ sind die Bahnfahrten, die sich durchweg sehen lassen können sowie eine Szene in einem gefluteten Konzertsaal, die sich als heimliches Highlight des Films entpuppt. Wenn schon die Handlung nicht wirklich überzeugen kann, dann immerhin die Kulisse - somit ist bei Reminiscence: Die Erinnerung stirbt nie nicht alles verloren.

Fazit

Reminiscence: Die Erinnerung stirbt nie hätte das Potential für spannende Kinostunden gehabt - wäre der Film nicht unentschlossen gewesen, ob er ein Sci-Fi-Thriller oder eine Romanze sein möchte. So sorgt der stete Wechsel zwischen den Genres für blasse Figuren, die ihr Publikum nicht mitreißen können. “Die Erinnerung stirbt nie” ist der deutsche Untertitel zum Filmtitel - dennoch wird diese Geschichte den wenigsten in Erinnerung bleiben.

REMINISCENCE: DIE ERINNERUNG STIRBT NIE - Trailer #1 Deutsch German (2021)

Flucht nach vorn - Kritik zu Escape Room 2: No Way Out

escape_room_2_3_s.jpg

Rachel (Holland Roden), Nathan (Thomas Cocquerel), Ben Miller (Logan Miller), Brianna (Indya Moore) und Zoey Davis (Taylor Russell) in Sony Pictures’ ESCAPE ROOM 2: NO WAY OUT

Als Fortsetzung zu Escape Room aus dem Jahr 2019 erzählt Escape Room 2: Now Way Out die Geschichte des erfolgreichen Horror-Thrillers weiter. Der Film handelt von sechs jungen Leute, die unfreiwillig in einer Reihe von Escape Rooms eingeschlossen sind. Nach und nach müssen sie herausfinden, was sie verbindet, um das Spiel zu überleben… und entdecken dabei, dass sie das Spiel alle schon einmal gespielt haben.

Den Trend der Escape Rooms griff das Team um Regisseur Adam Robitel im Jahr 2019 auf. Zoey (Taylor Russel) und Ben (Logan Miller) kämpften sich durch verschiedene Rätsel, Zoey rettete dabei Ben das Leben und schlussendlich stand fest: Sie möchten den Drahtziehern hinter Minos das Handwerk legen. Willkommen an dem Punkt, an dem die Handlung von Escape Room 2: No Way Out ansetzt.

Brzzl!

Zurück in New York führt sie ihr Weg direkt zu einer alten, genretypisch nicht sehr vertrauenserweckenden Lagerhalle, die für Lower Manhattan allerdings nicht ganz so typisch ist. Die Jagd nach einem Dieb lockt die beiden im Eiltempo in die New Yorker U-Bahn, wo sie - ebenfalls nicht ganz typisch für New York - in einem Waggon mit lediglich vier weiteren Personen landen. Ansonsten ist der Waggon nämlich leer. Praktisch, dass es sich bei den nun sechs Personen genau um diejenigen handelt, welche die Escape Rooms schon einmal gespielt und vor allem überlebt haben. Man merkt: Über manchen Handlungsstrang sollte man sehr sehr großzügig hinwegdenken.

Wie die U-Bahn nimmt dann die Handlung des Films jedoch umgehend an Fahrt auf. Der Waggon ist Escape Room Nummer eins und verwandelt sich - immerhin ordnungsgemäß abgekoppelt - in eine tödliche Starkstromfalle. Wer nun miträtseln möchte, wie man dieser Falle entkommt, wird jedoch umgehend enttäuscht. Als Champions sind Zoey, Ben, Rachel, Brianna, Nathan und Theo in der Lage, blitzartig (man verzeihe das schlechte Wortspiel) die Hinweise zu entschlüsseln. Was bleibt aus dem hektischen Auftakt? Das praktische Wissen, dass Baumwolle gegen Strom nicht als Isolation ausreicht. Und die Überlegung, ob beim nächsten Trip nach New York (wenn wir mal so was wie Normalität haben sollten) die Stadt nicht komplett zu Fuß und ohne U-Bahn erschlossen wird. Am Ende gibt es Minos noch wirklich …

Höher! Schneller! Weiter!

Escape Room 2: No Way Out schleppt im weiteren Verlauf das Schicksal vieler Fortsetzung mit sich herum. Regisseur Robitel ließ vorab verlauten, dass sich die Filmemacher mit dem neuen Film übertreffen wollten. Denn immerhin “haben wir im ersten Film die Leute mit den Großen getötet. Wir haben Feuer, Kälte, Schwerkraft, giftiges Gas benutzt und am Ende angedeutet, dass Minos ein Flugzeug entführen wollte.” Das Höher-Schneller-Weiter-Prinzip hat der Geschichte jedoch nicht gut getan.

Escape Room 2.jpg

Zugegeben, optisch kann die Kulisse erneut überzeugen. Die Räume sind beeindruckend inszeniert und können sich ohne Ausnahme sehen lassen. Jedoch hat der Fokus auf eben jene Kulisse dafür gesorgt, dass die Figuren selbst blass bleiben, während sie durch die Handlung hetzen. Hin und wieder versucht das Drehbuch, den Akteuren etwas Hintergrund zu geben, die Tiefe bleibt aber aus. Das sorgt somit leider dafür, dass sich die Sympathie und auch die Empathie für Zoe, Ben und die anderen arg in Grenzen halten. Wenn eine Figur keine emotionale Bindung, gleich in welcher Form, zum Publikum aufbauen kann, ist es einerlei, ob sie den Raum überlebt oder nicht.

Zoe? Du nervst!

Machen die Darsteller denn einen überzeugenden Job? Nun … es gibt bestimmt andere Darsteller, die einen derartigen Film besser tragen können als Taylor Russel. Ihre Leistung ist zwar kein Totalausfall, allerdings hat ihre Darstellung von Zoe schnell den falschen Nerv trifft. Oder in anderen Worten: Zoe nervt. Das ist zu einem dem Hintergrund der Figur geschuldet, aber zum Großteil auch dem Overacting von Russel. Zoe als Anführerin oder auch “The Brain” der Escape-Truppe funktioniert zu keinem Zeitpunkt, und der eine oder andere mag sich dabei ertappen, dass man Zoe einen Fehltritt wünscht.

Es sei dahingestellt, warum Escape-Room-Geschichten selten funktionieren. Der Versuch, es für Die Drei ??? mit der Folge “Die Drei ??? und die Kammer der Rätsel” in Hörspielform zu gießen, ist grandios fehlgeschlagen. Escape Room Teil 1 selbst hat Johannes vor zwei Jahren auch nicht vollends überzeugen können. Vermutlich fehlt diesen Medien das, was einen Escape Room ausmacht: Das aktive Miträtseln. In Escape Room 2: No Way Out ist es in der Regel Zoe, die schnell die Lösungen herausposaunt (ja, posaunt!), während die anderen Figuren nur ab und an zeigen können, dass es einen Grund gibt, warum sie Überlebende sind. Dem Publikum wird der Reiz, selbst auf die Lösung zu kommen, damit aber genommen - und damit bleibt viel Potential auf der Strecke. Schade. Denn allein von der Optik her hätte der Film es verdient, auch von der Handlung im Hinblick auf die Figuren zu überzeugen.

Fazit

Escape Room 2: No Way Out tappt wie so viele Fortsetzungen in die Höher-Schneller-Weiter-Falle. Die Figuren bleiben blass, die Handlung ist hektisch und gibt dem Publikum keine Möglichkeit, die Rätsel selbst zu lösen. Es bleibt abzuwarten, ob der Film erfolgreich genug für den Aufbau eines Franchises sein wird. Dann aber bitte nicht nach dem Wir-müssen-unbedingt-einen-draufsetzen-Prinzip.

 

ESCAPE ROOM: TOURNAMENT OF CHAMPIONS - Official Trailer (HD) | In Theaters July 16

FUCK YEAH! - Kritik zu The Suicide Squad

The Suicide Squad Szenenfoto.jpeg

Willkommen in der Hölle – auch bekannt als Belle Reve, das Gefängnis mit der höchsten Sterblichkeitsrate in den USA. Hier sitzen die schlimmsten Superschurken ein und würden alles tun, um wieder rauszukommen – selbst der streng geheimen, zwielichtigen Spezialeinheit Task Force X beitreten. Schon bald begibt sich ein bunt zusammengewürfelter Haufen von Verbrechern auf tödliche Mission, darunter Bloodsport, Peacemaker, Captain Boomerang, Ratcatcher II, Savant, King Shark, Blackguard, Javelin – und natürlich Harley Quinn. Bis an die Zähne bewaffnet fällt die Bande auf der abgelegenen, von Feinden nur so wimmelnden Insel Corto Maltese ein. Wie immer gilt: Eine falsche Bewegung, und Amanda Waller drückt auf den roten Knopf ...

Mittlerweile fünf Jahre ist es her, dass Suicide Squad in den Kinos lief. Mit nicht ganz so großem Erfolg. Und auch ich selbst habe damals mit dem Film ziemlich gehadert. Somit habe ich dem Nachfolger - oder auch Nicht-Nachfolger, denn vielmehr handelt es sich um ein Reboot - von James Gunn eine gewisse Portion Skepsis entgegen gebracht. Aber so viel sei schon einmal gesagt: Die Skepsis war definitiv unbegründet.

Regisseur James Gunn war im Jahr 2018 nach einer Twitter-Kontroverse von Disney für Guardians of the Galaxy Vol. 3 gefeuert worden, sodass DC sich Gunn letztendlich für die Regie und das Drehbuch zu The Suicide Squad angeln konnte. Vielleicht ist es dieser Vorgeschichte geschuldet, dass Gunn wohl aus Trotz auf seinen Disput mit dem Maus-Konzern sowohl für die Regie als auch für das Drehbuch eine seiner Bestleistungen abgeliefert hat.

Was Ayer in 30 Minuten macht, schafft Gunn in 10!

Denn da, wo David Ayer für Teil 1 sich zu viel Zeit für seine Figuren nahm oder die Hauptakteure fast verweichlicht wirken ließ, geht James Gunn gnadenlos einige Schritte weiter. Der erste Film benötigte eine knappe halbe Stunde, um die Superschurken vorzustellen, Gunn erledigt dies in gerade einmal einem Drittel der Zeit. Will Smith’ Schwachpunkt als Deadshot war seine Tochter - und auch Idris Elba trifft als Bloodsport auf seine Teenietochter. Wie anders ein Vater-Tochter-Verhältnis sein kann, beweist die entsprechende Szene, sodass klar ist: The Suicide Squad ist anders. Definitiv anders.

Schon der Auftakt hält einen in Atem. Habe ich in den ersten zehn Minuten während der Pressevorführung noch versucht, einen Überblick über den Bodycount zu behalten, habe ich dieses Vorhaben mit der Ankunft der Truppe auf der Insel Corto Maltese schnell aufgegeben. Das Blut spritzt munter durch die Gegend, Extremitäten beschreiben formvollendete Flugkurven, Körper werden dank explosiver Momente in ihre Kleinteile zerlegt - wer einen schwachen Magen hat, sei an dieser Stelle gewarnt. The Suicide Squad hat nicht umsonst eine Altersfreigabe ab 16 Jahren erhalten. Und Gunn feiert sein Gemetzel bis zum Ende ohne mit der Wimper zu zucken. Allerdings sorgt eine gewaltige Prise Humor immer dafür, dass die Szenen nicht in ein sinnloses Splatterfest ausarten und wunderbar unterhalten können.

Ein Träumchen von einem Cast

Zudem hat Gunn das Vergnügen, mit einem perfekt gecasteten Ensemble zu arbeiten. Idris Elba brilliert als widerwilliger Anführer Bloodsport, der wunderbar genervt von John Cena als Peacemaker ist. Beide haben dieselbe Superkraft, was solch harten Kerlen wie Bloodsport und Peacemaker natürlich so gar nicht schmecken war. Das stete Kräftemessen, wer von den beiden denn jetzt besser und kreativer ist, gehört zu den Highlights von The Suicide Squad und sorgt in einer ausgeklügelten Szene außerdem für so manchen Schmunzler. Cena hat keinerlei Probleme damit, eine Rolle darzustellen, deren Ego locker für eine komplette Kompanie reicht. An dieser Stelle sei aber eine dringende Frage erlaubt: Bei dem Inhalt des supersexy Feinrippschlüppis wurde doch nachgeholfen, oder?!

Margot Robbie Harley Quinn Suicide Squad.jpeg

Daniela Melchior überrascht als Ratcatcher 2 und kokettiert wunderbar mit den Klischees, die Millennials so nachgesagt wird. Sie gibt ihrer Figur zudem eine gelungene emotionale Tiefe, ohne dabei kitschig oder weinerlich zu wirken. Als Bonuspunkt hat sie dazu den knuddeligsten Gefährten seit Ratatouille an ihrer Seite. Ich hätte auch gerne eine Ratte mit Rucksack, die auf meiner Schulter sitzt und meiner Umgebung freundlich und dabei so unfassbar niedlich zuwinkt.

Margot Robbie und Harley Quinn - noch lange keine Routine

Im Vorfeld hatte James Gunn sich auch sehr wohlwollend zu Margot Robbie geäußert. Er hat für Harley Quinn die größte Actionsequenz seiner Laufbahn geschrieben und Robbie liefert. Und wie. Zugegeben, in mittlerweile Film Nummer Drei in diese Rolle sollte sie Harley Quinn aus dem Handgelenk schütteln können. Dennoch schafft es Robbie in ihrer Darstellung, dass ihre Arbeit niemals routiniert wirkt. Stattdessen gibt es auch in The Suicide Squad nochmals neue Facetten der Figur zu entdecken, die Actionsequenz ist lediglich das Tüpfelchen auf dem I, das noch gefehlt hat. Außerdem bin ich gespannt auf die neu zu erwartenden Cosplays, die durch Harley Quinn in diesem Film inspiriert sind - sie ist eben auch immer etwas fürs Auge.

Es sind aber nicht nur die prominent platzierten Superschurken, die hervorragende Arbeit leisten. Gunn hat sich für The Suicide Squad an einem namhaften Cast bedienen können. Zwar sind die Auftritte von Nathan Fillion und Taika Waititi kurz, aber dafür umso gelungener. Lediglich Peter Capaldi fällt im Vergleich zu seinen Mitstreitern etwas ab, was aber vermutlich darauf beruht, dass seine Figur des Thinkers mitunter starke Doctor-Who-Vibes versprüht. Und das ist nicht nur der Tatsache geschuldet, dass die Mission so oder in einer ähnlichen Form schon mehrmals in Doctor Who und auch Torchwood schon aufgetaucht ist. Das ist aber Jammern auf hohem Niveau, Capaldi macht unterm Strich einen soliden Job.

Fazit

James Gunn, komm an mein Herz, denn du hast mit The Suicide Squad so ziemlich alles gut gemacht, was Suicide Squad mir vergällt hat. Mit dem Reboot ist Gunn eine 180-Grad-Wende gelungen. The Suicide Squad präsentiert sich zwar erstaunlich blutig und anarchisch, macht aber vor allem eins: Jede Menge Spaß. Es geht doch, DC, es geht doch ...

Flachwitze am Fließband - Kritik zu Jungle Cruise

Dr. Lily Houghton (Emily Blunt) hat als Frau keinen leichten Stand. Die Männerwelt Londons im Jahr 1916 akzeptiert Frauen nicht in wissenschaftlichen Kreisen, sodass sie ihren Bruder MacGregor (Jack Whitehall) vorschicken muss. Lily ist dem Geheimnis um einen uralten Baum auf der Spur, dessen Heilkräfte von großem Dienst für die Menschheit sein könnte. Und so macht sie sich in Begleitung von MacGregor von London aus auf den Weg nach Brasilien zum Amazonas. Dort angekommen, heuert sie den Skipper Frank Wolff (Dwayne Johnson) an, der sie bei der Suche unterstützen soll. Selbstverständlich geht dies nicht ohne Hindernisse und Gefahren ab, die das Trio überwinden muss ...

Mit Jungle Cruise gibt es den nächsten Film aus dem Hause Disney, der auf einem Fahrgeschäft in den Freizeitparks des Mäuse-Konzerns beruht. Damit tritt das Abenteuer um Lily und Frank in die Fußstapfen von Fluch der Karibik - und sorgt dafür, dass das Publikum unwillkürlich eben jenes Franchise als Messlatte anlegen wird.

Yoho, yohoho, sic parvis magna!

Zugegeben, die Zuschauer werden es nicht zu unrecht machen. Zwar ist Franks Boot nicht die Black Pearl von Captain Jack Sparrow, dennoch erinnern einige Fahrmanöver und Kulissen doch sehr an die Piratenabenteuer. Fans der Uncharted-Spielereihe könnten mitunter - gerade was die zu lösenden Rätsel betrifft - vermutlich ebenfalls Parallelen ziehen. Immerhin gibt es böse Deutsche, die hinter einem sagenumwobenen Heilmittel her sind. Und damit haben wir noch die letzte Zutat, die zum Rezept von Jungle Cruise fehlt: Indiana Jones.

Das klingt jetzt allerdings negativer, als es im Endeffekt ist. Denn Jungle Cruise hat nicht den Anspruch, die Kinowelt zu revolutionieren und Wow-Effekte zu erzielen, wie es jeweils Teil 1 von Indiana Jones und Fluch der Karibik erreicht haben. Vielmehr ist der Film vor allem für etwas da, was wir in der aktuellen Zeit vermutlich alle brauchen: Eine kleine Auszeit von der Realität mit ihren immer wieder neuen negativen Nachrichten. Einfach mal abtauchen, nicht nachdenken, berieseln lassen, ein paar Action-Szenen, ein bisschen was für Herz, ein paar Lacher. Oder wie es redaktionsintern nach der Pressevorführung hieß: ein klassischer Dwayne-Johnson-Film.

Dad Jokes? Komm, einer geht noch!

Zu einem solchen gehört auch eine Portion Comedy. Und ganz ehrlich? Niemand präsentiert Dad Jokes so ernst und mit Würde wie Johnson als Skipper Frank. Kostprobe gefällig? “I used to work in an orange juice factory. But I got canned. Couldn’t concentrate.” Liest sich vielleicht platt. Funktioniert aber im Film einwandfrei. Warum es übrigens Dad Jokes sein mussten? Hier hält sich Jungle Cruise in der Tat an das namensgebende Fahrgeschäft. Die Skipper in den Freizeitparks sind dafür bekannt, mit Witzen und Wortspielen durch die Bootstour zu führen, Youtube bietet hierzu einige Kostproben. Einige Momente der Attraktion sind als liebevolle Detailmomente sogar in den Film überführt worden. Das gefällt den Fans der Parks - und auch für Nicht-Eingeweihte funktioniert es.

Zu einem klassischen Dwayne-Johnson-Film gehört jedoch auch, dass der Plot meistens ohne großartige Twists auskommt und das Gehirn beim Verfolgen der Geschichte auch wenig anstrengt. So auch bei Jungle Cruise. Der Haupthandlungsstrang lässt sich mühelos verfolgen, bietet keine großen Überraschungen und lässt - allein durch die Tatsache, dass es ein Disney-Film ist - erahnen, dass letztendlich doch alles gut wird. Getragen wird der Film ohnehin nicht von der Geschichte, sondern von seinen Darstellern. Und die hatten auf Jungle Cruise schlichtweg Lust. Dwayne Johnson, weil er derjenige war, der das Projekt maßgeblich vorangetrieben hat. Emily Blunt, weil ihre Rolle eine starke Frauenfigur präsentiert, die sich mit ihrem Wissen und ihren Fähigkeiten in der Männerwelt des Jahres 1917 durchzusetzen weiß, ohne dabei jedoch plakativ emanzipiert zu sein. Eine erfrischende Abwechslung zu manch anderen Filmen, die in den vergangenen Jahren ihren Weg in die Kinos fanden.

Sein Name ist ... Joachim!

Jungle Cruise macht aber auch deswegen einfach Spaß, weil die Chemie zwischen den Akteuren stimmt. Die Sticheleien zwischen Johnson und Blunt haben das passende Timing und wirken nie zu aufgesetzt. Eine Enthüllung über Lilys Bruder MacGregor ist wunderbar unaufgeregt eingebettet und offenbart, dass es nicht nur Frauen Anfang des 20. Jahrhunderts in vielerlei Hinsicht schwierig hatten. Mit Jack Whitehall ist für die Rolle definitiv die perfekte Besetzung gefunden worden, die in einigen Szenen als comic relief agiert, ohne sich dabei ins Lächerliche zu ziehen.

Das deutsche Publikum mag eventuell genervt die Augen verdrehen, dass als Schurke mal wieder ein machthungriger Deutscher herhalten muss: Jesse Plemons agiert als Prinz Joachim, besser bekannt als Joachim von Preußen, Sohn Nummer sechs von Kaiser Willhelm II. und Kaiserin Auguste. In der Originalversion sei Plemons dafür gedankt, dass die Szenen, in denen er Deutsch spricht, erstaunlich gut zu verstehen ist - und für die Szenen, in denen er Englisch spricht, er sich nicht den fürchterlichsten Akzent, den die Klischeeschublade so bereithält, ausgesucht hat.

Erwähnenswert sei abschließend auch der Soundtrack von Jungle Cruise. Disney hat es sich seit Längerem zur Gewohnheit gemacht, die klassische Eröffnungsszene mit dem Cinderella-Schloss, auf den jeweiligen Film anzupassen. Und so darf das Publikum buchstäblich zu einer außergewöhnlichen Version von Metallicas “Nothing else matters” in die Jungle Cruise eintauchen. Im weiteren Verlauf wird das Lied nochmals aufgegriffen und sorgt für unerwartete Gänsehaut in der Szene, die sich durch Schnitt und Musik bildgewaltig und nachhaltig einbrennt.

Fazit

Jungle Cruise ist genau das, was das Publikum von einem Dwayne-Johnson-Film erwartet. Eine nicht wirklich komplexe Geschichte, die von einem gut aufgelegten Cast getragen wird, und die passenden Prisen Action, Witz und Herz zu einer runden Mischung machen. Der richtige Film, um einmal für etwas mehr als zwei Stunden eine Auszeit der aktuellen Realität zu nehmen.

JUNGLE CRUISE – Offizieller Trailer: Das Abenteuer (deutsch/german) | Disney HD

Jungle Cruise | Official Trailer 2

Kritik zu Resident Evil: Infinite Darkness - Tom Clancy lässt grüßen

SPOILER

L1H3yBEl.jpg

Resident Evil: Infinite Darkness Vorschaubild

Ein Bürgerkrieg erschüttert den fiktionalen Nahost-Staat Penamstan. Diese Gelegenheit nutzt die US-Regierung, um im Chaos eine Vormachtstellung gegenüber dem angrenzenden China aufzubauen - wenn da nicht der korrupte Verteidigungsminister wäre, der einen Krieg anzetteln möchte, um daraus Profit zu schlagen. Die Inhaltsangabe der neuen CGI-Miniserie Resident Evil: Infinite Darkness hört sich weniger nach den bekannten Horror-Videospielen an, als nach einem Politthriller aus der Feder von Tom Clancy. Doch reichen reduzierte Action sowie der zurückhaltende Einsatz von Zombies, um der Marke nach den eher umstrittenen Filmen von Paul W. S. Anderson neues Leben im bewegten Bild einzuhauchen?

Probiert haben dieses Vorhaben auch schon die Animationsfilme Resident Evil: Damnation sowie Degeneration, in deren Reihe von abgeschlossenen Kurzgeschichten sich Infinite Darkness nun einreiht. Der vierteiligen Serie auf Netflix ist auch deutlich anzusehen, dass sie in ihrer Produktionsgeschichte ein Film gewesen sein muss, der mit einigen wiederholten Rückblenden gestreckt und dann grob aufgeteilt wurde. Und um Verwirrung vorzubeugen: Mit der geplanten Live-Action-Serie um eine alternative Wesker-Familie hat Infinite Darkness wohl wenig zu tun, die Handlung ist Kanon in der Videospielreihe.

Das Weiße Haus unter Präsident Graham im Jahr 2006

Nachdem Leon Kennedy und Claire Redfield in Resident Evil 2 aus Raccoon City entkommen sind, hatten sie keinen gemeinsamen Auftritt mehr in einem Videospiel. Die Beziehung der Charaktere wird nun in der Serie weiter beleuchtet, doch erst einige Zeit, nachdem Leon im vierten Teil die Präsidententochter Ashley Graham gerettet hat. Der Held mit seiner ikonischen Frisur arbeitet - jedenfalls offiziell - beim Secret Service und soll gemeinsam mit den Agenten Jason und Shen May einen internen Vorfall im Weißen Haus untersuchen. Kurz vor dem Treffen mit Präsident Graham dringen jedoch Zombies fast bis in das Oval Office vor. Die einzige Spur führt in das durch Kriege gezeichnete Penamstan.

Resident Evil: Infinite Darkness mit Leon

Dort findet Claire bei der Arbeit für eine NGO, die sich humanitären Hilfeleistungen verschrieben hat, Hinweise auf einen Zombieviren-Ausbruch, verschleiert durch den Bürgerkrieg. Anschließend folgt für beide unabhängig voneinander eine Reise mit Abstechern über ein nukleares U-Boot nach China und natürlich zu einem geheimen Virenlabor. Der Fokus liegt klar auf Leon und den zwei neuen Agenten, die aber wenig charakterisiert werden. Claire ermittelt nebenbei in einem Bruchteil der Laufzeit und wird auch nie wirklich Teil der seltenen Actionsequenzen - sie darf lediglich kurz die Jungfrau in Nöten spielen. Eine Enttäuschung für alle Fans, die sich ein befriedigendes Wiedersehen der Helden gewünscht haben, die im zweiten Teil noch zu gleichen Teilen auf Zombies schießen durften.

Stilvoll animierte Action macht sich meist rar

Infinite Darkness bedarf insgesamt sogar kaum Vorwissen, bietet Neueinsteigern aber auch ebenso wenig zufriedenstellendes Popcornkino. Lediglich die Auseinandersetzung mit einem infizierten Rattenschwarm in einem U-Boot bleibt in Erinnerung, die restlichen Gefechte sind austauschbar, der Horror-Aspekt der Videospiele verschwindet gänzlich. Stattdessen ist die kurze Serie vor allem mit pathetischen Dialogen und Rückblenden aus verschiedenen Perspektiven bestückt. Das übergreifende Mysterium ist dabei von der ersten Folge an offensichtlich, genau wie die Antagonisten. Natürlich ist es ein korrupter Patriot, der die Viren und Biowaffen nutzen möchte, um die Vereinigten Staaten zu stärken und gleichzeitig sein Konto bis zum Anschlag zu füllen.

Viele Dialoge sollen nebenbei auch die Schrecken des Krieges beleuchten und Infinite Darkness emotional tragen. Eine Idee, die schnell in sich zusammenfällt, da alle Charaktere comichaft überzeichnete Motivationen haben. Ein Soldat, der seine Kameraden verloren hat, fühlt sich von seinem Land verraten, ist sich aber gleichzeitig nicht zu fein, andere Kollegen und Zivilisten umzubringen. Sein Ziel? Die Gesellschaft soll die gleiche Angst spüren wie er damals, in Panamstan. Seine Kollegin verrät ihr Land, da ihr Bruder infiziert wurde und nur noch als stöhnende Hülle medizinisch am Leben erhalten wird. Um Rache zu üben, möchte sie einen Mikrochip mit Beweisen der Presse übergeben - warum dieser aber über viele Jahre unberührt im Elternhaus lag, bis Leon auch dort eintreffen konnte, wird nicht klar.

Resident Evil: Infinite Darkness mit Claire

Doch einen Lichtblick gibt es in den vier Episoden doch. Die CGI-Modelle, Animationen und Effekte sehen meist sehr gut aus, seltener sogar vergleichbar mit Realfilm-Aufnahmen. Lippenbewegungen passen meist zu den gesprochenen Worten, ein Fortschritt gegenüber vergangenen Ablegern und vergleichbaren Filmen. Nur manche Nebenfiguren wirken etwas hölzern, das Uncanny Valley ist aber glücklicherweise selten ein Reiseziel für die Gedanken der Zuschauer. Etwas enttäuschend ist aber das Aussehen von Zombies, Biowaffen und Mutanten. Wo in der Videospielreihe schon früh wuchernde Körper mit Dutzenden Augen zu sehen waren, gibt es im Serienformat keine Überraschungen.

Fazit

Unterm Strich bleibt Resident Evil: Infinite Darkness trotz netter Optik eine Enttäuschung. Die Handlung wurde so sogar schon besser in einem Call of Duty präsentiert, Actionsequenzen bleiben bis auf eine Ausnahme generisch und auch Leon und Claire haben sich gegenseitig nichts Neues zu erzählen. Für Popcornkino, bei dem der Kopf abgeschaltet werden kann gibt es zudem bessere Alternativen - das gilt für Neueinsteiger sowie Serienfans. Warum überhaupt versucht wurde innerhalb des Kanons, wo regelmäßig Charaktere mit Raketenwerfern aus Hubschraubern springen, einen dialoglastigen Politthriller zu erzählen, bleibt unklar.

zusätzlicher Bildnachweis: 
© Netflix/Capcom

Resident Evil: Infinite Darkness | Official Trailer | Netflix

Für alle Zeit. Immer. - Kritik zu Folge 1.06 von Loki

SPOILER

tom_hiddleston_loki_sylvie.jpeg

Tom Hiddleston und Sophia Di Martino als Loki und Sylvie

In der vergangenen Woche gab es einen Wunsch: Das Staffelfinale "Für alle Zeit. Immer." von Loki sollte bitte die Frage beantworten, welcher Nexus-Vorfall dafür gesorgt hat, dass Sylvie das Leben auf der Flucht führen musste - und ob Mobius seinen Jet-Ski bekommt. In diesem Sinne ist die finale Folge von Staffel 1 eine kleine Enttäuschung. Denn beide Fragen bleiben (vorerst) unbeantwortet.

Wer sonst immer zu denjenigen gehört, die das Marvel-Intro überspringen, verpasst dieses Mal etwas. Denn Marvel hat es sich nicht nehmen lassen, den Einstieg anzupassen. Zu hören sind prägnante Zitate verschiedener Figuren aus 13 Jahren MCU, die nahtlos übergehen in bekannte Zitate unserer Zeit. Nelson Mandela kommt zu Wort, Greta Thunberg und Malala Yousafzai sind neben Loki und Vision ebenfalls zu hören. Und da ist sie dann endlich: Die Festung. Auf geht's!

WHOA! Miss Minutes!

Auf Facebook sind in der vergangenen Woche unter der Kritik noch Wetten angenommen worden, wer sich denn hinter der TVA verbirgt. Ein Kommentierender fand die Uhr verdächtig - und deswegen war ein Schmunzler da, als Miss Minutes in der Festung dann auch noch einmal einen Auftritt hatte. Auch wenn das TVA-Maskottchen schon fast Jump-Scare-Potential hatte.

Aber genug des Hinhaltens! Immerhin ist es das Finale, und das Publikum möchte endlich wissen, ob es mit seinen Vermutungen zu Kang richtig gelegen hat. Und da ist er auch schon: Jonathan Majors darf in Loki in der Tat seine Premiere als Marvel-Schurke feiern und nicht - wie eigentlich angekündigt - in Ant-Man and The Wasp: Quantumania. Aber das Spiel kennt man von Marvel ja: Geheimniskrämerei. Bis zum Äußersten.

Der, dessen Namen nicht genannt werden darf

So ganz erschließt sich allerdings nicht, warum die Serie das Kind nicht beim Namen nennt und lediglich, über sehr unmissverständliche Anspielungen wie “Eroberer”, Kostüm und das Wirken im 31. Jahrhundert, klar macht, dass wir es tatsächlich mit Kang zu tun haben. Allerdings fällt es leicht, darüber hinwegzusehen. Denn Jonathan Majors legt für seine Rolle eine Spiellaune an den Tag, die ihresgleichen sucht. Die stärksten Szenen im Finale gehören ihm, Tom Hiddleston und Sophia Di Martino fungieren in dem kleinen Kammerspiel in Kangs Büro nur als Stichwortgeber. Jedoch ist beiden anzusehen, dass sie Majors diese Bühne gern geben.

Es ist schließlich deutlich, dass Kang eine komplexe Figur ist. Mal gibt er sich fast kindisch, dann wieder sehr berechnend, bevor er sich fürsorglich zeigt. Klar ist aber auch: Vor ihm sollte man besser auf der Hut sein. Mühelos gelingt es ihm immerhin, Zweifel zwischen Loki und Sylvie zu streuen. Lügt Kang? Weiß er wirklich von allem? Oder hat sein Wissen gerade wirklich vor knapp zehn Sekunden aufgehört?

Dürfen Varianten unkeusche Handlungen an Varianten vornehmen?

Und hier schlittern wir auch in ein Manko der Figurenentwicklung. Die Serie hat sich seit dem Auftauchen von Sylvie Zeit genommen, unzählige leise Momente zwischen ihr und Loki zu erzählen. Es schien, als würde die Variante, die nur ein Leben auf der Flucht kennt, ein bisschen Ruhe finden und eine zarte Bindung zu Loki aufbauen. Da ist es nicht komplett nachvollziehbar, warum Sylvie im entscheidenden Moment auf eine rachdürstige Furie reduziert ist, bei der die Logik sich verabschiedet hat. Denn eigentlich ist Lokis Argument, dass er als Lügner eine Lüge erkennt, nicht von der Hand zu weisen. Dass Sylvie dies alles in den Wind schlägt - das ist nur bedingt logisch und etwas dünn. Und ob es denn Kuss unbedingt brauchte, sei auch dahingestellt. Die Sylki-Shipper werden es gefeiert haben. Einige andere werden aber auch im Hinterkopf behalten haben, dass Sylvie eine Loki-Variante und damit sich eigentlich selbst geküsst hat. Dürfen Variante das eigentlich? Was wäre eigentlich, wenn zwei Varianten einen Nachkommen zeugen? So viele Fragen!

Gekonnt ist aber, dass sich für Loki selbst jetzt der Kreis schließt. Egal, was er macht: Er ist der Verlierer. Er ist allein. Sylvie stößt ihn buchstäblich von sich und bekommt das, was sie haben wollte. Die (vermeintliche?) Rache an der Figur, die sie zu einem Leben auf der Flucht verdammt hat. Ob ihr klar gewesen ist, welche Konsequenzen ihr Handeln hat? Bestimmt. Ist es ihr egal gewesen? Vielleicht. Hier darf aber wieder festgehalten werden: Tom Hiddleston schafft es immer wieder, dass man mit seiner Figur mitleidet. Der sichtlich gebrochene Loki geht ans Herz.

Frust!

Allerdings sorgt das Finale auch für gewaltigen Frust. Es lässt sein Publikum nicht nur mit einem Cliffhanger zurück, sondern mit Fragen. Sehr vielen Fragen. Denn so solide die Episode auch gewesen sein mag, manche Momente wirken unvollendet und deplatziert. Hunter B-15, die auf Ravonna als Direktorin trifft und die Mitglieder der TVA davon überzeugen möchte, dass sie Varianten sind - ein holpriger Anschluss an Folge 5. Die Konfrontation zwischen Mobius und Ravonna hat Owen Wilson im Finale leider wenig Raum gelassen, in der Rolle so zu glänzen, wie wir es im Laufe der Serie gewohnt waren. Auch dieser Augenblick wirkte im Vergleich zu dem Haupterzählstrang etwas schwach.

Vor allem frustriert aber, dass es Marvel dieses Mal wirklich gelungen ist, die Ankündigung von Staffel 2 komplett geheimzuhalten. Ob dieser Schachzug so klug war, sei dahingestellt. Denn so könnte es für den einen oder anderen Zuschauer einen kleinen WTF-Moment gegeben war, als die Folge mit einem Cliffhanger “Loki ist nicht auf dem ihm bekannten Zeitstrahl gelandet, wo ist die Bromance zwischen ihm und Mobius hin?!” und dem folgenden Abspann endete, bevor dann die Mid-Credit-Scene enthüllen durfte, dass die Geschichte von Loki noch nicht zu Ende erzählt ist.

Richtig spannend macht die Serie es jetzt aber im Hinblick auf Phase 4 des MCU. Die ersten Ankündigungen haben bereits vermuten lassen, dass Multiversen und die Zeit eine Rolle spielen werden. Die Fortsetzung zu Doctor Strange heißt immerhin Doctor Strange in the Multiverse of Madness. Zudem wird Doctor Strange in Spider-Man: No Way Home auftauchen - und für den dritten Film um Spider-Man halten sich die Gerüchte, dass Tobey Maguire und Andrew Garfield in ihre Rollen zurückkehren. Andrew Garfield dementiert dies zwar heftig, aber gerade mit dem Staffelfinale von Loki wäre es eine Option, dass auch Peter Parker auf Variante von sich treffen könnte. Eins steht aber fest: Jonathan Majors feiert einen gelungenen Auftakt im MCU. Seine Arbeit macht definitiv Lust auf Ant-Man and The Wasp: Quantumania.

Fazit

Das Finale zu Staffel 1 von Loki hat starke Momente, sorgt aber auch für Frust. Denn manche Momente möchten nicht so ganz in das Kammerspiel um Kang passen, zudem wirft die Geschichte mehr Fragen auf als sie Antworten gibt. "Für alle Zeit. Immer." ist eine solide Folge, die aber im Vergleich zu der sehr starken Serie minimal abflacht. Jetzt heißt es: Warten. Auf das, was Marvel für Phase 4 im Gepäck hat.

Kritik zu Black Widow: Der Schwanengesang für Natasha Romanoff

Black Widow.jpg

Black Widow

Nachdem Black Widow sich am Ende von The First Avenger: Civil War gegen die US-Regierung gestellt und damit gegen die Sokovia-Verordnung verstoßen hat, befindet sie sich auf der Flucht. Thaddeus Ross hat es sich zur Aufgabe gemacht, Natasha hinter Gitter zu bringen, doch diese ist ihm immer einen Schritt voraus und kann nach Norwegen fliehen. Ihr Exil dauert jedoch nicht lange an, sorgt ein Paket doch dafür, dass sie eines Abends von dem maskierten Taskmaster angegriffen wird. Der Absender der Sendung führt Natasha zurück nach Budapest, wo sie auf eine sehr alte Bekannte trifft und lernen muss, dass das Black-Widow-Programm alles andere als beendet wurde.

Ein Film, der einige Jahre zu spät kommt

Scarlett Johansson ist nach Robert Downey Jr. und Samuel L. Jackson die dienstälteste Marvel-Heldin des MCU. Sie war in sieben Filmen als Natasha Romanoff zu sehen, spielte die Rolle seit 2011 und hielt über Jahre die Flagge als einzige nennenswerte weibliche Heldin in Marvels Cinematic Universe hoch. In Avengers: Endgame endete dann schließlich die Heldenreise der Black Widow, und die Verantwortlichen des MCU sagten sich: "Weißt du was? Das ist doch jetzt der perfekte Zeitpunkt, um doch noch einen Solo-Film über sie zu machen."

Gesagt getan, knapp zwei Jahre nach ihrem fiktionalen Tod in Avengers: Endgame ist Black Widow zurück auf der Leinwand, in einem Film, der es schafft, sowohl lange überfällig als auch irgendwie überflüssig zu sein. Wenn man ehrlich ist, hätte das Soloabenteuer von Natasha Romanoff eigentlich den Platz von Captain Marvel einnehmen müssen. Nicht nur hatte Scarlett Johansson es verdient, den ersten MCU-Solo-Film einer weiblichen Heldin zu bekommen, Captain Marvel war auch nicht unbedingt notwendig für die Geschehnisse in Endgame. Stattdessen wird Black Widow nun irgendwie in Phase 4 nachgeschoben, und den Ballast, dass die Hauptfigur in der fiktionalen Zeitlinie bereits verstorben ist, wird der Film nie ganz los. Trotzdem ist das erste Soloabenteuer von Natasha Romanoff ein über weite Strecken unterhaltsames Unterfangen.

James Bond lässt grüßen

Die Macher von Marvel orientieren sich ja gern einmal an bestimmten Genres. Im Falle von The Return of the First Avenger nahm man sich Politthriller zur Vorlage, bei Guardians of the Galaxy war es eine Space Opera, und Ant-Man ging in Richtung Heist-Movie. Auch Black Widow fällt in diese Kategorie Marvel-Film, wobei man sich hier wenig überraschend für einen Agentenfilm im Stil von James Bond oder Mission: Impossible entschieden hat. Besonders die ersten beiden Drittel gehen stark in die Richtung, bevor am Ende dann doch wieder der typische Bombast einer Marvel-Comicverfilmung übernimmt.

Interessanterweise muss man dabei zunächst festhalten, dass Black Widow, trotz etablierter Heldin, einiges an Zeit benötigt um Tempo aufzunehmen. Durch einen viertelstündigen Prolog und dem nachfolgenden Aufbau vergehen fast 40 Minuten, bevor der Plot so richtig in Fahrt kommt. Sobald dies geschieht, hat der Film auch seine stärkste Phase. Dies liegt allerdings nicht unbedingt an der Geschichte, sondern an den Figuren.

Die guten Guten und die schlechten Bösen

Wieder einmal beweisen die Produzenten von Marvel, wie gut sie darin sind, ihre Helden und Heldinnen passend zu besetzen. In Black Widow stoßen Florence Pugh, David Harbour und Rachel Weisz neu zum Heldenensemble, und alle drei sind perfekt besetzt. Besonders Pugh und Harbour feiern ein starkes Debüt und können ohne Zweifel als das Highlight von Black Widow bezeichnet werden. Pugh glänzt dabei auch im Zusammenspiel mit Johansson und empfiehlt sich definitiv für weitere Auftritte. Auch die Familiendynamik des Quartetts sorgt für jeden Menge Spaß und zählt ebenfalls zu den besten Momenten. Getrübt wird die Sache hier nur eben durch den Umstand, dass man davon vermutlich nicht mehr viel sehen wird, außer Marvel milkt die Zeit vor Natashas Tod noch in weiteren Filmen.

Wo Black Widow dagegen weniger überzeugt ist bei der Action als auch den Gegenspielern. Insgesamt gibt es drei große Actionszenen im Film, die sich alle kein Bein ausreißen und kaum wirklich in Erinnerung bleiben. Auch das Finale ist, wie schon angesprochen, kein Meilenstein in der Marvel-Geschichte und fühlt sich zudem etwas lang an.

Ein Komplettausfall sind zudem die Gegenspieler. Dass Marvel gern einmal ein Problem mit seinen Antagonisten hat, ist ja nicht unbedingt neu. Black Widow ist aber gewissermaßen Inbegriff dieser Problematik. Mit Taskmaster und Dreykov muss es die Black-Widow-Familie mit zwei Gegnern aufnehmen. Dreykov glänzt allerdings über weite Strecken durch Abwesenheit und bleibt am Ende trotzdem noch blass, während man bei Taskmaster das Gefühl bekommt, dass die Figur nur aus dem Grund im Film ist, damit Black Widow und Co irgendjemandem zum kämpfen haben. Auch die Auflösung um den maskierten Gegner lässt sich leider schon sehr früh erahnen.

Fazit

Black Widow ist ein solides Marvel-Abenteuer, das besonders vom Zusammenspiel seiner Hauptfiguren und der Dynamik der Widow-Familie lebt. Leider braucht der Film etwas lange, um wirklich in Fahrt zu kommen und auch in Hinblick auf die Action und vor allem die Gegenspieler ist deutlich Luft nach oben.

Reise ins Unbekannte - Kritik zu Folge 1.05 von Loki

SPOILER

loki tom hiddleston.jpg

Die Erwartungen an eine vorletzte Folge vor einem Finale sind meist hoch. Für “Reise ins Unbekannte” könnten die Erwartungen unter Umständen zu hoch gewesen sein - aber bereits an dieser Stelle sei gesagt: Das ist Jammern auf hohem Niveau. Denn auch Folge 5 von Loki präsentiert sich als sehenswerte Episode einer bislang starken Serie zum Gott des Schabernacks.

Wer in der vergangenen Woche die Abspannszene verpasst haben sollte, wird direkt zu Beginn von “Reise ins Unbekannte” abgeholt. Ein kurzer Flug über das zerstörte New York (und wir haben doch bestimmt alle rechts am Bildrand bemerkt, dass der Avengers-Tower als Qeng-Tower zu sehen ist, ja? Mehr dazu später …) führt uns zu Loki, Classic Loki, Boast Loki, Kid Loki und Alligator Loki. Wo sind wir eigentlich? In der Leere. Der Müllhalde, auf der alles landet. Und diese böse, schwarze Wolke da ist Alioth.

“Wir sind sein Mittagessen.”

Genau jetzt wird es interessant im Hinblick darauf, wer hinter der TVA stecken könnte. “Reise ins Unbekannte” streut viele kleine Hinweise, die es Stück für Stück zusammenzusetzen gilt. Alioth ist das erste Wesen im Comic-Universum, das sich aus dem Zwang der Zeit befreien konnte. Sein Reich ist größer als das von Kang - und Alioth ist auch der Grund, warum Kang nicht versucht hat, sein Reich zu vergrößern. Stattdessen hat Kang eine Barriere errichtet, die Alioth daran hindern soll, in seinen Tanzbereich einzudringen.

Etwas plump ist der Versuch, dass Ravonna sich nach der Ereignissen der vorangegangenen Episode auf einmal kooperativ zeigt. Es ist klar, dass die Szene zwischen ihr und Sylvie nur dazu dient, noch ein paar Information zu streuen, die es für die Handlung braucht. Aber dass auch Ravonna unbedingt wissen möchte, wer sie da angelogen hat und auf einmal doch eine Gute werden könnte? Nicht wirklich glaubwürdig. Jedoch ist damit auch offiziell bestätigt, dass das Auslöschen nicht den Tod bedeutet, sondern wie in der vergangenen Woche schon vermutet eine Transformation in die Leere, auch Müllhalde genannt.

Nicht sterben ist eine generelle Anforderung an das Leben

In der Leere hat Loki unterdessen einen sehr amüsanten, aber auch sehr nachvollziehen Ausraster oder auch Nervenzusammenbruch - je nachdem, welchen Blickwinkel man einnehmen möchte. Die Handlung der Serie hat ihn immerhin aus seinem gewohnten Leben herausgerissen, ihm einige Aspekte seiner Psyche vor Augen geführt und mit der TVA mal eben ein vollkommen neues Konstrukt vor die Nase gesetzt. Da darf man schon mal laut werden. Auch wenn das die Aufmerksamkeit von Alioth wecken könnte.

Wunderbar ist auch das Zusammenspiel der Darsteller an diesem Punkt. Jack Veal spielt Kid Loki souverän und hat keine Probleme, sich neben dem prominenten Cast präsent zu zeigen. Und Richard E. Grant zeigt sich als Classic Loki wunderbar britisch - als Zuckerle kann er sogar mit Alligator-Loki kommunizieren. Ein wahres Highlight in der Episode. Da kann man auch großzügig darüber hinwegsehen, dass die Leere mitunter stark an Sequenzen von The Last of Us erinnert. Gerade das zerstörte, von Grün übersäte New York mutet an wie das Kapitel, das in Boston spielte.

Dafür gibt es nun aber auch eine Menge Easter Eggs zu finden. Zu sehen sind der Thanos-Copter, Yellowjackets Helm und direkt nach Mjölnir gibt es einen Blick auf Throg, der versucht, an Mjölnir heranzukommen. Wer dann noch nicht genug hat, lernt dann auch noch President Loki kennen. Dieser Loki entstammt “Vote Loki”, einer Comic-Reihe aus dem Jahr 2016, welche die Präsidentschaftswahl als Satire nahm.

Loki - der Marvel-Schurke mit der größten Charakterentwicklung

Eine Offenbarung über den Charakter von Loki ist die Szene, in der die Varianten sich von ihren Nexus-Vorfällen erzählen. Gerade Classic Loki gibt hier einen tieferen Einblick zu der Figur und den Motiven, die Loki zum Handeln bewegen. Es wird deutlich, wie sich der Kreis zur Charakterentwicklung schließt. Loki hat seit seinem ersten Auftritt im MCU mit die größte Entwicklung einer Figur durchgemacht. Die Filme haben immer wieder anklingen lassen, warum Loki so handelt, wie er handelt. Hinter der Bravado-Fassade steckte schon immer ein unsicherer Junge, der sich vor allem alleine fühlte und sich selbst in Frage stellte. Ist eine Adoptivfamilie eine richtige Familie? Oder ist und bleibt Loki ein Außenseiter, der zum Alleinsein verdammt ist?

In Thor und Marvel’s The Avengers blitzte dies immer wieder auf, vollends zu sehen war es erstmals in Thor - The Dark Kingdom, als ein um seine Mutter trauernder Loki die Fassade in seinem Glasgefängnis fallen lässt. Thor: Tag der Entscheidung und Avengers: Infinity War haben dies weiter vorangetrieben, sodass der Loki, den wir in der Serie zu sehen bekommen, die logische Folgerung seiner Entwicklung ist.

Komm unter meine Decke

Vermutlich wirkt auch deswegen der Moment zwischen Loki und Sylvie so stark. Es hat nichts mit Schwäche zu tun, wenn Loki sich Sylvie gegenüber erlaubt, seine wahre und auch verunsicherte Seite zu zeigen. Er hat realisiert, dass er keine Freunde hat und allein ist. Wer ehrlich zu sich ist, hat in den vergangenen Wochen während der Pandemie festgestellt, dass eingeschränkte Kontakte vielen auf Dauer nicht gut tun. Aufgrund dessen ist es so berührend, wenn Loki die Fassade, die er zu lange aufrecht erhalten hat, einfach mal fallen lässt.

Fest steht: Die Wolke muss weg. Ob das allerdings eine schlaue Entscheidung war? Wir erinnern uns an den Qeng-Tower. Der CEO von Qeng Industries ist Mr. Gryphon, eine Version von Kang, der Eroberer. Die Serie hat über Ravonna, die in Verbindung zu Kang steht, immer wieder Hinweise gestreut, dass Kang hinter der TVA stecken könnte. Damit haben Sylvie und Loki im Finale ein Problem. Denn Alioth hat potenziell Kang in Schach gehalten - durch Sylvies und Lokis Eingreifen ist das jetzt aber nicht mehr der Fall. Kang könnte somit im Finale einen drastischen Auftritt haben ...

Fazit

Die vorletzte Folge vor dem Finale in der kommenden Woche scheint auf den ersten, flüchtigen Blick nicht allzu viel zu bieten. Vieles hat sich bereits in Folge 4 angedeutet und ist jetzt verifiziert. Spannend bleibt, ob die Serie mit Kang im Finale den Antagonisten für Phase 4 des MCU enthüllt und nicht erst mit Ant-Man and The Wasp: Quantumania. Ein großer Wunsch für das Finale bleibt auf jeden Fall: Die Beantwortung auf die Frage, welchen Nexus-Vorfall Sylvie verursacht hat - und ob Mobius seinen Jet-Ski bekommt.

Kritik zu The Tomorrow War: Chris Pratt rettet die Erde der Zukunft

The Tomorrow War Chris Pratt.jpg

The Tomorrow War Chris Pratt

Im Dezember 2022 taucht während des Finalspiels der Fußball-Weltmeisterschaft eine Gruppe von Soldaten aus der Zukunft mitten auf dem Feld auf. Die Zeitreisenden bitten die Menschen der Gegenwart um ihre Hilfe. 30 Jahre in der Zukunft steht die Menschheit nach einem Angriff Außerirdischer vor dem Ende. Nur noch 500.000 Menschen sind am Leben und brauchen die Unterstützung ihrer Vorfahren.

Daraufhin beginnt in der Gegenwart ein großflächiges Rekrutierungsverfahren. Da jedoch kaum ein Soldat, der in die Zukunft geschickt wird, überlebt, starten die Regierungen der Welt schon bald eine weltweite Wehrpflicht. Durch diese muss auch eines Tages der Familienvater Dan Forester gegen seinen Willen in den Krieg in der Zukunft ziehen. Nach kurzer Orientierung wird er durch die Zeitmaschine auch direkt in den Konflikt gebeamt, und es dauert nur wenige Minuten, bevor er um sein Leben kämpft. Dabei weiß Dan nicht, dass er nicht nur für den Kampf gegen die Außerirdischen in die Zukunft geholt wurde. Er ist der Schlüssel zur Rettung der Menschheit.

Wenn man über The Tomorrow War reden möchte, landet man schnell bei der sogenannten "willentlichen Aussetzung der Ungläubigkeit". Was gehoben klingt, bedeutet im Grunde nichts anderes, als die Bereitschaft des Zuschauers, bei einem Film bestimmte Dinge in der gezeigten fiktionalen Welt zu akzeptieren, auch wenn sie in der Realität eher unlogisch sind. Oft wird das Konzept auch gern mal mit "Hirn ausschalten und Spaß haben" umschrieben. Ob man diesen Spaß an The Tomorrow War hat, hängt in großem Maße davon ab, inwiefern man seine Ungläubigkeit aussetzen kann.

Wer auch bei einem Action-Film hin und wieder einmal Nachvollziehbarkeit und Logik wünscht, der bekommt mit The Tomorrow War eine der albernsten Geschichten der vergangenen Jahre präsentiert. Generell haben Filme mit Zeitreisen ja gern einmal die eine oder andere Logiklücke, und man sollte nicht zu viel nachfragen. Die Zeitreisenthematik ist bei The Tomorrow War aber tatsächlich das kleinste der Probleme. Viel problematischer ist beispielsweise die Tatsache, dass man eine Militäroperation präsentiert, bei der einfach irgendwelche Zivilisten von der Straße aufgesammelt werden, diese weder Training noch irgendwelche Informationen über den potenziellen Gegner erhalten (die meisten können nicht einmal eine Waffen halten) und sie dann nach einer kurzen Einweisung (wie gesagt ohne wirklich relevante Infos) in der Zukunft landen.

Dabei handelt es sich wohlgemerkt nur um ein Beispiel von vielen. Das Drehbuch von The Tomorrow War ist gespickt mit solchen Ungereimtheiten, die einen immer wieder aus der Handlung reißen, weil sie einfach zu albern oder unlogisch sind. Selbst im letzten Drittel, als zwischenzeitlich der Gedanke aufkommen kann, dass das ganze Konzept mit dem Kampf in der Zukunft vielleicht doch irgendwie Sinn ergibt, nimmt der Film dann wieder eine Ausfahrt, die der ganzen unlogischen Geschichte noch einmal die Krone aufsetzt.

Jetzt stellt sich natürlich die Frage, ob denn die Zuschauer etwas geboten bekommen, denen eine nachvollziehbare und in sich zumindest etwas runde Geschichte egal ist. Für diese Konsumenten lässt sich festhalten, dass die Action über weite Strecken tatsächlich sehr gut inszeniert ist. Gerade der Mittelteil des Films, nachdem es Dan in die Zukunft geschafft hat, ist am unterhaltsamsten geraten und funktioniert auf allen Ebenen. Hier fallen auch die inhaltlichen Probleme am geringsten auf.

Allerdings ist die Inszenierung teilweise auch etwas inkonsequent geraten. So gibt es in einer Szene plötzlich einen sehr massiven und stilisierten Einsatz von Zeitlupen, sodass man beinah das Gefühl bekommt, Zack Snyder hätte kurz vorbeigeschaut. Später wird dieses Stilmittel dann aber gefühlt kaum noch eingesetzt, sodass die Szene etwas deplatziert wirkt. Gleiches kann man auch über den Humor sagen. Hier wirkt The Tomorrow War ebenfalls etwas unausgewogen, da es nur einen Comedy-Sidekick gibt, der dann zwischenzeitlich komplett verschwindet. So fehlt praktisch jeglicher Humor, wenn die Figur nicht dabei ist, während man es teilweise mit Sprüchen übertreibt, sobald sie auftaucht.

Darstellerisch holen die Schauspieler das meiste aus ihren Rollen heraus. Vor allem die Chemie zwischen Chris Pratt und Yvonne Strahovski funktioniert sehr gut, was ein weiterer Grund dafür ist, dass der Film im Mittelteil seine stärkste Phase hat. Auch J. K. Simmons legt einen guten Auftritt hin, allerdings gehört Simmons auch zu den Darstellern, die eigentlich nie wirklich schlecht, sondern immer sehenswert sind.

Fazit

The Tomorrow War ist eine inhaltliche Katastrophe, die grundsätzlich durch zwei Tatsachen etwas relativiert wird. Zunächst einmal steht der Film für Abonnenten von Amazon Prime kostenfrei zum Abruf bereit, sodass man ohne Angst einer Fehlinvestition einen Blick wagen kann. Darüber sind auch die Action-Szenen durchaus unterhaltsam geraten, und das zweite Drittel weiß tatsächlich durchweg zu unterhalten. Wer vor allem Alien-Balleraction sehen möchte, der dürfte auf seine Kosten kommen.

Pages

Subscribe to RSS - Kritik