Kritik

1917 - Kritik zum Epos über den Ersten Weltkrieg

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1917

Oftmals ist nicht nur das ”Was“, sondern auch das ”Wie“ entscheidend, wenn es darum geht, den Schrecken und noch viele andere Aspekte des Krieges auf die Leinwand zu bannen und für das Publikum erfahrbar zu machen. Apocalypse Now zeigte den Vietnamkrieg als wahnhaften Fiebertraum; Der Soldat James Ryan schickte seine Zuschauer am D-Day zusammen mit den Alliierten an den Strand der Normandie; Mel Gibson richtete in Hacksaw Ridge ein übertrieben-schonungsloses Gemetzel an; Christopher Nolan spielte 2017 mit Zeit und Raum, um den Rückzug britischer Soldaten aus Dunkirk darzustellen; und Sam Mendes – Regisseur des aktuellen Kriegsepos 1917 – beschrieb in seiner Chronik der ersten Irak-Invasion der USA namens Jarhead die zermürbenden Wartezeiten in einem modernen Krieg, der dem normalen Soldaten schon längst überholt hat. Auch 1917 wartet mit einer besonderen Inszenierungsweise auf, die den Zuschauer das Geschehen hautnah erleben lassen sollen.

Eine lange Reise durch den Alptraum des Krieges

Die beiden jungen britischen Soldaten Corporal Blake (Dean-Charles Chapman) und Corporal Schofield (George McKay) erhalten den Auftrag, sich durch das ländliche und kriegserschütterte Frankreich zu kämpfen, um einen bevorstehenden Angriff britischer Truppen auf deutsche Soldaten zu verhindern, die sich nur dem Anschein nach auf dem Rückzug befinden. In Wirklichkeit möchte die deutsche Streitmacht die kurz vor dem Angriff stehenden Briten in eine Falle locken, wie Luftaufnahmen dieser Gegend gezeigt haben. Die Mission führt Blake und Schofield durch Schützengräben und zerstörte Städte. Sie treffen auf Feinde, Verbündete und verängstigte Zivilisten, müssen über menschliche Leichen und Pferdekadaver klettern und sich an Tod und Zerstörung vorbeischmuggeln.

Technische Leistung entfalte emotionale Wirkung

Auf ihrem Weg begegnen ihnen vor allem auch viele Cameos in der Gestalt von zum Beispiel Colin Firth, Andrew Scott (unter anderem bekannt als Jim Moriarty aus Sherlock), Mark Strong oder Benedict Cumberbatch. Gelegentlich kann die Tatsache, dass sich ein Großteil aller britischen Darsteller versammelt, etwas ablenkend sein. Ansonsten handelt es sich bei 1917 vor allem um eine konzeptionell und technisch hochwertige Leistung von Regisseur Sam Menden, aber vielleicht noch mehr von Roger Deakins. Auch wenn man den Namen des Kameramanns nicht kennt, dürften dem einen oder anderen dessen Bilder aus Filmen wie James Bond – Skyfall (ebenfalls von Sam Mendes inszeniert), Blade Runner 2049, No Country for Old Men und Fargo bekannt sein.

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1917

1917 haben die beiden in langen Einstellungen gedreht, die sie nahtlos aneinander fügen, ohne dass der Schnitt erkennbar ist – um Missverständnisse vorzubeugen, klärte Mendes schon längst auf, dass es sich nicht um eine einzige Einstellung ohne jeglichen Schnitt handelt. Die Logistik, die ein solches Unterfangen erfordert, erscheint trotzdem sehr beeindruckend, auch wenn das Konzept nicht unbedingt neu und vielleicht sogar mittlerweile etwas abgegriffen daherkommt.

Die technische Kinoleistung entfaltet in 1917 eine immer wieder beeindruckende emotionale und mitreißende Wirkung, wofür auch der großartige musikalische Score von Mendes' Stammkomponisten Thomas Newman sorgt. Zusammen produzieren diese Talente eine Erfahrung, die insbesondere im Kino seine Zuschauer einschließt und bis zum Ende nicht mehr loslässt – eine der spektakulärsten Sequenzen führt durch die nächtlichen, beinah apokalyptisch anmutenden Ruinen einer fast zerstörten französischen Stadt.

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1917

Gelegentlich fällt es jedoch schwer zu sagen, ob der Kriegsfilm über das Spektakel und über seine Form hinausreicht, auch wenn das Kampfgeschehen nicht unbedingt im Mittelpunkt steht, sondern vielmehr dessen Konsequenzen gezeigt werden. 1917 zwängt sich durch die Erzählweise, so beeindruckend sie oftmals erscheinen mag, in eine sehr eingeschränkte Perspektive, die nicht unbedingt viel über dieses spezifische tragische Kapitel der Menschheitsgeschichte zu sagen weiß. Auch die Protagonisten und Nebenfiguren bleiben weitestgehend zweidimensional. Das meiste emotionale Gewicht lastet auf Hauptdarsteller George McKay, der jedoch in jeder Minute die physischen Entbehrungen und Anstrengungen seiner Mission überzeugend darstellt.

Fazit:

Es ist sicherlich nicht leicht, den Schrecken und die vielen anderen Facetten des verheerenden Ersten Weltkrieges in einem einzigen Film einzufangen. Leider schränkt sich Regisseur Sam Mendes durch eine restriktive Perspektive etwas selbst ein. Gleichzeitig stellt 1917 eine technisch beeindruckende Leistung von Kamera bis zum musikalischen Score dar, die es besonders als Kinoerfahrung versteht, zu ergreifen.

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© Universal Pictures

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1917 - Official Trailer [HD]

Ein Bund fürs Leben - Kritik zu Bad Boys for Life

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Bad Boys For Life

Die Zeit ist nicht stehen geblieben für Mike Lowrey (Will Smith) und Marcus Burnett (Martin Lawrence). Die beiden Kumpels, die einst junge Hüpfer bei der Drogenfahndung der Miami State Police waren, gehören nun eher zur alten Garde. Eine neue Riege junger Fahnder (bestehend aus Vanessa Hudgens (High School Musical), Alexander Ludwig (Die Tribute von Panem), Charles Melton (Riverdale), Jacob Scipio (Hunter Killer) und Paola Nuñez (The Purge-Serie)) macht ihnen den Rang streitig. Und auch sonst hat sich einiges verändert in dem Leben der beiden: Marcus ist seit neuestem Großvater und will sich seiner Familie widmen, während Mike seine Karriere noch einmal Revue passieren lässt. Als jedoch nach und nach immer mehr Staatsdiener von einem unbekannten Schützen ermordet werden, scheint auch Mike Lowrey von seiner Vergangenheit eingeholt zu werden.

Bad Boys 3

What you gonna do?

Der Ohrwurm ist garantiert, wenn man nur den Titel hört. Natürlich darf auch im dritten Teil eine Anspielung auf den Überhit "Bad Boys" von Inner Circle nicht fehlen. Es wird außerdem nicht mit der althergebrachten Mischung aus Witz, Action, jeder Menge Verfolgungsjagden und groovenden Bässen gegeizt. Zwar hat man einige der besten Szenen bereits im Trailer verraten. Aber immerhin kann Bad Boys 3 trotz seiner knapp zweistündigen Länge auch im dritten Anlauf nach 1995 und 2003 noch recht solide unterhalten.

Doch was hat der dritte Teil der Actionreihe, die einst Regisseur Michael Bay groß gemacht hat, wirklich Neues zu erzählen? Nun, viel ist es nicht. Aber das muss vielleicht auch nicht unbedingt schlimm sein. Trugen die beiden ersten Teile sichtbar die Handschrift von Bay, hat auch der dritte Teil, den das Duo Adil El Arbi und Bilall Fallah umgesetzt hat, den Regisseur, der sich so oft mehr um großspurige Action als um fein ausgearbeitete Charaktererzählung schert, als unzweifelhaften Paten für die Optik des Films erwählt. Auch hier darf wieder alles zerstört oder in die Luft gejagt werden, was nicht niet- und nagelfest ist. Schließlich erwirbt der Zuschauer mit der Eintrittskarte auch die Erwartung, zwei Stunden mit Reifengequietsche und waghalsige Schusswechsel belohnt zu werden. Und er wird nicht enttäuscht.

Bad Boys 3_Ammo Team

Harte Kerle und junge Hüpfer

Da mutet es beinahe subversiv an, wenn der erste Disput, den sich die beiden Bad Boys im Film liefern, in einem einfachen Wettlauf in der Fußgängerzone endet. Fast erwartet man auch, mindestens einmal den ikonischen Satz “Ich bin zu alt für diesen Scheiß”, den einst Danny Glover in Lethal Weapon (1987) geprägt hatte, aus dem Mund von Marcus zu hören - schließlich bewegen sich die beiden Bad Boys im echten Leben bereits jenseits der 50 Lenze. Doch ihre Chemie stimmt auch nach 25 Jahren noch, und nur darauf kommt es an.

Ursprünglich sollte der Film übrigens schon im Jahr 2008 in die Kinos kommen, wie Produzent Jerry Bruckheimer damals bekannt gab. Allerdings wurde de Projekt erst einmal der Geldhahn zugedreht. Schlussendlich soll Bad Boys 3 nun für gut 90 Millionen Dollar umgesetzt worden sein. Die lange Produktionszeit hat dem Film aber vielleicht gar nicht so schlecht getan. Denn auch sonst hat sich hier durchaus etwas verändert: Das junge Nachfolgeteam ist nicht nur fit, was Technik oder Meinungen zu Therapiestunden für traumatisierte Polizisten angeht. Auch die Frauenfiguren, zumindest diejenigen, die auch tatsächlich im Polizeidienst sind, bewegen sich im Vergleich zur Bay’schen Vorlage fast in emanzipierten Kreisen.

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Bad Boys: The next Level

Es gibt also vergleichsweise wenig nackte Haut, dafür ein paar harte Frauen mit großen Knarren, die auch mal selbst die Handlung vorantreiben dürfen - zumindest ein wenig. Denn schließlich erzählt Bad Boys 3 vor allem von mittelalten Männern in der Sinnkrise. Kein Spoiler: Eine solche lässt sich immer mit ein wenig Action, einem noch größeren Waffenarsenal und noch mehr kessen Sprüchen lösen. So weit, so bekannt und beliebt.

Was in diesem Zusammenhang aber der erzählerisch sehr konstruierte Showdown für einen Sinn hat, der nebenher eine Episode erzählt (und leider nichts davon wirklich zeigt - hier haben die veranschlagten 90 Millionen Dollar wohl doch nicht gereicht), die den Fans der Reihe bisher völlig unbekannt war, wissen wohl nur die Regisseure selbst. Tatsächlich überzeugen kann hier nämlich keiner der Antagonisten, und auch Will Smith und Martin Lawrence wirken hier eher gequält. Schließlich sind die beiden immer am besten, wenn sie sich gegenseitig sticheln können.

Wenn die Zuschauerzahlen die Erwartungen erfüllen, könnte durch den neuen, etwas kruden Handlungsstrang aber vielleicht sogar ein vierter Teil anstehen. Doch ob die Hintergrundgeschichte diesen trägt, bleibt fraglich. Auch kommt leider auch 2020 ein Bad Boys-Teil nicht ohne Anspielungen auf das weiterhin unbefriedigte Sexualleben von Marcus aus - nötig wäre das, wie in den Teilen zuvor, auch hier nicht unbedingt gewesen.

Fazit: Hirn aus, Popcorn her!

Wer die beiden Kollegen und langjährigen Freunde Mike und Marcus irgendwie liebgewonnen hat, wird mit Bad Boys for Life keinen totalen Fehlgriff tun. Humor, Tempo und Action sind durchaus vorhanden, und mehr braucht ein weiterer Bad-Boys-Teil vielleicht auch gar nicht. Tiefgehende Figuren gibt es hier ebensowenig wie eine zwingend logisch aufgebaute Handlung. Vielmehr werden regelmäßig Auflösungen aus dem Hut gezaubert, die auch den Zuschauer, der kurz Popcorn holen war, nicht ausschließen. Für einen unterhaltsamen Kinoabend, ob nun im Kino oder später auf DVD, dürfte somit durchaus gesorgt sein.

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© Sony Pictures Entertainment Deutschland GmbH

The Lovecraft 5: Kritik zu den Hörspielen Der Außenseiter und Der Fall des Arthur Jermy

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The Lovecraft 5

Der Horrorautor H. P. Lovecraft ist bekannt für seine schaurigen Erzählungen über Cthulhu und andere kosmische Monster. Viele seiner klassischen Kurzgeschichten wurden bereits vertont. Das Label Contendo Media hat mit The Lovecraft 5 allerdings einen ganz eigenen Weg gefunden, Lovecraft akustisch zum Leben zu erwecken. In den ersten beiden Folgen lauschte der Hörer einer Gruppe von fünf Freunden, die sich jeweils eine Geschichte erzählten. Dabei ist das Werk des Autors innerhalb der Logik der Hörspielserie keine Fiktionen, sondern stellt reale Erlebnisse der jeweiligen berichtenden Figur dar.

Bei vielen der früheren Hörspielumsetzungen von Lovecrafts Geschichten zeigte sich, dass sein Werk für eine getreue Adaption äußerst ungeeignet ist. Die Erzählungen zeichnen sich nicht durch Dialoge aus. Meist gibt es nur einen Protagonisten, der die grauenhaften Ereignisse schildert – und hält man sich daran, gleichen die Ergebnisse eher einem Hörbuch als einem Hörspiel.

"Meine Geschichte kann bis zu den Zigarren warten."

Die Macher der Reihe haben dieses Problem in den ersten beiden Folgen gelöst, in dem sie die Geschichten in die äußerst unterhaltsame und interessante Gesprächsrunde der Freunde Charles, Richard, Edward, Warren und Herbert eingebunden haben. Bei den folgenden beiden Episoden ruhen sie sich nicht auf ihren alten Ideen aus. Die Autorin Julie Hoverson und der Regisseur Christoph Piasecki haben für die Fortführung von The Lovecraft 5 wieder völlig neue Wege beschritten – mit unterschiedlichen Ergebnissen.

Die Folge "Der Außenseiter" orientiert sich an der gleichnamigen Kurzgeschichte von Lovecraft. Allerdings wird sie komplett anders wiedergegeben. Die Erzählung beginnt mit der Schilderung der einsamen Jugend des Ich-Erzählers in einem düsteren Schloss. Dieser Anfang fehlt im Hörspiel komplett und das aus einem guten Grund: Die Geschichte wird hier aus der gegensätzlichen Perspektive geschildert. Lovecrafts beschreibt den Weg seines Erzählers zur Festgesellschaft. Im Hörspiel hingegen liegt der Fokus auf dem Blickwinkel der feiernden Menschen im Schloss.

Das Hörspiel beginnt mit dem Treffen der Freunde, die diesmal einen Gast in ihrer Runde begrüßen: den Pariser Detektiv Auguste Dupin, Ermittler in den Geschichten Der Doppelmord in der Rue Morgue, Das Geheimnis der Marie Rogêt und Der entwendete Brief von Edgar Allen Poe. Allerdings wird der Gast in "Der Außenseiter" nur als Monsieur Auguste vorgestellt. Er ist allerdings unschwer als der berühmte Pariser Detektiv zu erkennen, gerade weil er im Verlauf des Hörspiels seine kriminalistischen Fähigkeiten beweisen kann.

"Ich dachte, wir wären eine Geheimgesellschaft?"

Dieses Mal ist Richard an der Reihe eine Gruselgeschichte zu erzählen und der Maler berichtet, wie er während einer Einweihungsfeier in einem frisch renovierten Herrenhaus Zeuge eines grauenhaften Vorfalls wurde. Nicht nur, dass das Hörspiel die Perspektive wechselt, es verwendet auch eine gänzlich andere Erzählweise. Da die Freunde schon einmal einen echten Detektiv in ihrer Runde zu Gast haben, beschließt Richard sein Erlebnis auf der Feier den anderen als Rätsel zu präsentieren.

Er schildert seinen Zuhörern die Handlung in groben Zügen. Im Anschluss darf jeder von ihnen nacheinander Fragen stellen, um hinter das Geheimnis zukommen. Diese Herangehensweise lockert die Geschichte ungemein auf. Die dritte Folge von The Lovecraft 5 lebt vor allem von der Interaktion der Protagonisten während der Fragerunden. Es ist lustig und unterhaltsam mit anzuhören, wie die Freunde so manche Frage stellen und Richard ihnen geschickt ausweicht.

Das Hörspiel besitzt das Flair eines klassischen Krimis. Das ist eine schöne Idee, aber auch ein Teil des Problems. Der Gruselfaktor bleibt dieses Mal weitestgehend auf der Strecke. Lovecrafts Vorlage gehört aufgrund seiner Erzählperspektive zu den originelleren Geschichten des Autors und lebt von der surrealen und beklemmenden Atmosphäre. Diese Perspektive wäre aber nur als Hörbuch umzusetzen gewesen – somit ist die Lösung, den dritten Teil als Kriminalfall zu inszenieren, eine gute und originelle Lösung.

"Das ist faszinierend, ich habe von ähnlichen Versuchen mit Ratten gehört."

In "Der Fall des Arthur Jermyn" sind die fünf Freunde wieder unter sich. Aber auch diesmal wählt Warrren als Erzähler der Folge eine ungewohnte Taktik, um seine Geschichte zu präsentieren. Arthur Jermyn ist typisch für H. P. Lovecraft. Es geht um ein geheimnisvolles altes Volk, genealogische Studien und fortschreitenden Wahnsinn. Der Großteil der Erzählung besteht aus der Vorgeschichte der Ahnen von Arthur Jermyn. Um diese lebendig zu berichten, teilt Warren seinen Freunde jeweils einen dieser Vorfahren zu.

Der Reihe nach liest nun jeder die Fakten über das ihm zugeteilte Mitglied der Jermyn-Familie vor. Die Geschichte hält sich trotz der ungewöhnlichen Herangehensweise eng an die Vorlage. Lovecraft ist ein heute umstrittener Schriftsteller, da in seinem Werk oft rassistische Stereotypen auftauchen. Die Geschichte über Arthur Jermyn, die zum Teil in Afrika spielt, ist da keine Ausnahme. Die Hörspielmacher lassen diese Themen nicht einfach aus. Wie schon in den ersten Teilen werden Rassismus, Sexismus und Kolonialismus von den Freunden aufgegriffen und kritisch kommentiert – ohne dabei aufgesetzt zu wirken oder den Hörer aus dem Kontext der Erzählung herauszureißen.

"Es ist amüsant wie die Männer aus diesen epischen Zeiten dazu neigen, die Frauen in Vergessenheit geraten zu lassen."

Sowohl der Rätselkrimi als auch die Vortragspräsentation bietet den Sprechern viel Gelegenheit, um ihr schauspielerisches Talent zu entfalten. In den ersten beiden Folgen von The Lovecraft 5 übernahm immer einer als Erzähler den Großteil der Geschichte. Diesmal gibt es mehr Raum für Interaktion der Figuren untereinander, sodass alle Sprecher ihnen mehr Persönlichkeit und Charakter verleihen können. Alle fünf Sprecher leisten ohne Ausnahme wieder sehr gute Arbeit.

Edward wird von Julian Tennstedt gesprochen, der schon in den Gruselkabinett-Folgen "Die Farbe aus dem All" und "Der Ruf des Cthulhu" Erfahrungen mit H. P. Lovecraft sammeln konnte. Lutz Mackensy·(Erzähler der Hörspielserie Fünf Freunde) leiht Warren seine Stimme. Als Charles ist Uve Teschner (Edgar Allen Poe in der Hörspielserie Die geheimnisvollen Fälle von Edgar Allen Poe und Auguste Dupin) zu hören.

Der Naturwissenschaftler Herbert wird von Markus Pfeiffer (Synchronstimme von Paul Rudd) gespielt. Und Florian Hoffmann·(Synchronsprecher von Ian Somerhalder) legt seinen Richard als arroganter Schnösel an. In den beiden Folgen wirken außerdem Werner Wilkening als Monsieur Auguste sowie Bert Stevens, Tommi Piper·und Jens Wendland·mit.

"Es klang, als würde sich ein Waldbrand ausbreiten."

Da die Protagonisten die meiste Zeit des Hörspiels zusammensitzen und plaudern, gibt es auch selten eine besondere Geräuschkulisse zu hören. Allerdings wird der Hall im Treppenhaus oder das Rascheln von Papier immer wieder überzeugend umgesetzt. Die Musik ist bei den gruseligen Szenen stets im Hintergrund zu hören und unterstützt die Atmosphäre. An dieser Stelle sei auch lobend das Intro der Reihe erwähnt, welches schon beim Vorspann Lust auf das kommende Hörspiel macht.

Die Folge "Der Außenseiter" ist seit dem 13. Dezember in allen gängigen Shops und Portalen als Download verfügbar. "Der Fall des Arthur Jermyn" wird am 17. Januar veröffentlicht. In diesem Frühjahr folgen dann die Episoden "Aus dem Jenseits" und "Das gemiedene Haus".

Fazit

Julie Hoverson und Christoph Piasecki haben sich für die dritte und vierte Folge ihrer Serie The Lovecraft 5 zwei unbekanntere Geschichten von H. P. Lovecraft ausgesucht, welche beide nicht einfach als Hörspiel umzusetzen sind. Das Ergebnis ist ungewöhnlich, voller kreativer Einfälle und gerade deswegen sehr überzeugend. Die Gespräche der fünf Freunde sind wieder sehr unterhaltsam. Schön, dass die Macher nicht einfach ihre Ideen wiederholen, sondern für "Der Außenseiter" und "Der Fall des Arthur Jermy" wieder neue Wege beschreiten – allerdings leidet darunter, gerade in der dritten Folge, die unheimliche Grundstimmung.

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© ContendoMedia

Kritik zu Messiah: Netflix lässt den Messias wiederauferstehen

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Messiah

Als eine Armee des wiedererstarkten ISIS vor den Toren von Damaskus erscheint und die Eroberung der Stadt kaum noch aufzuhalten ist, taucht in der Stadt plötzlich ein geheimnisvoller Prediger auf. Seine Worte, dass die falschen Gläubigen unter den Terroristen schon bald gestoppt werden, scheinen sich unmittelbar zu bewahrheiten, als ein mehrwöchiger Sandsturm nicht nur den Angriff zum Erliegen bringt, sondern gleich den ISIS komplett auslöscht.

In der Folge sammelt der mysteriöse Mann immer mehr Anhänger um sich, die ihm auch seinen Namen geben: Al-Massih. Über 2000 von ihnen führt er schließlich in die Wüste und bis an die Grenze Israels. Währenddessen ist auch die CIA-Agentin Eva Geller auf den Prediger aufmerksam geworden. Für sie ist er jedoch kein heiliger Mann, sondern eine Bedrohung, die es genauer zu analysieren gilt. Zunächst kaum von ihren Vorgesetzten unterstützt, beginnt Eva mit den Ermittlungen, während Al-Massiah auf der ganzen Welt zunehmend an Bekanntheit gewinnt.

Die Macher der neuen Netflix-Serie Messiah stellen eine interessante Frage: "Was würde passieren, wenn Jesus beziehungsweise ein scheinbar wiedergeborener Jesus in der heutigen Zeit auftauchen würde?" Die Art und Weise, wie die Menschen in der Serie mit der Figur des Al-Massih umgehen, wirkt auch sehr realistisch. Man kann sich durchaus vorstellen, dass das Auftauchen einer solchen Figur zu kontroversen Diskussionen auf der ganzen Welt führen würde. Vor allem, da es das Konzept des wiedergeborenen Jesus sowohl im Christentum als auch im Islam gibt. Entsprechend wendet sich Al-Massih nicht nur an die Christen, sondern auch an die Moslems und wird von beiden Seiten mit Skepsis aber auch mit offenen Armen empfangen.

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Die gesellschaftlichen Auswirkungen eines wiedergeborenen Messias sind jedoch nur ein Teil der Netflix-Serie. Im Mittelpunkt steht vor allem die Frage, um was oder wen es sich bei dem jungen Mann genau handelt und welche, vielleicht finstere, Absicht er verfolgt. An dieser Stelle kommt die CIA-Agentin Eva Geller ins Spiel, was dafür sorgt, dass Zuschauer, die mit der 1. Staffel von Homeland vertraut sind, das eine oder andere Déjà-vu haben werden. Die Parallelen zwischen beiden Serien sind nicht von der Hand zu weisen. Während in Homeland die CIA-Agentin Carrie Mathison versucht herauszufinden, ob der eigentlich totgeglaubte Soldat Nicholas Brody nun terroristische Absichten verfolgt, macht Eva Geller im Grunde genommen genau das Gleiche nur eben mit einem scheinbaren Jesus.

Es folgt eine Art Katz-und-Maus-Spiel, das leider nicht so richtig in Fahrt kommen möchte. Messiah gehört definitiv zu den Serien, die zu viel Laufzeit haben für die Handlung, die sie eigentlich erzählen. Dies liegt auch daran, dass sehr viele Nebenschauplätze aufgemacht werden, die von der Haupthandlung nicht nur ablenken, sondern schlicht nicht so interessant sind. Besonders zwei jugendlichen Figuren wird vergleichsweise viel Zeit eingeräumt, was dem Erzähltempo alles andere als gut tut.

Darüber hinaus dreht sich Messiah auch immer wieder etwas im Kreis. So präsentieren die Macher gleich mehrfach Vieraugengespräche zwischen Al-Massih und anderen Figuren, in denen der vermeintliche Messias primär kryptische Aussagen von sich gibt, die aber nicht wirklich zu etwas führen. Erst in der zweiten Hälfte der Serie nimmt die Geschichte dann an Fahrt auf, und die Spannung steigt. Bis dahin lebt Messiah zwar von seiner grundsätzlich interessanten Prämisse, bietet aber auch kaum wirkliche Überraschungen. Letztendlich sind auch die Reaktionen der Weltbevölkerung, die in der Serie gezeigt werden, auch nur das, was man sich mit etwas Phantasie selbst ausmalen kann.

Dabei spielt aber auch die Tatsache hinein, dass der Zuschauer unbedingt im Dunklen gelassen werden soll. Das führt in der Folge dazu, dass die scheinbaren Wunder, welche die Menschen von der Göttlichkeit Al-Massihs überzeugen sollen, nicht den Faktor haben, dass die weltweiten Reaktionen so wirklich gerechtfertigt erscheinen. Selbst eine scheinbare große Enthüllung am Ende der Staffel wird auf ein einer Art und Weise präsentiert, dass man als Zuschauer auch nicht wirklich schlauer ist und in keiner Richtung Zweifel ausgeräumt werden. Es fühlt sich etwas danach an, als würden sich die Macher selbst alle Karten offen halten.

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In gewisser Weise hätte es Messiah vermutlich geholfen, wenn die Serie direkt als Mini-Serie mit einem klaren und absehbaren Ende konzipiert worden wäre. Watchmen hat es kürzlich vorgemacht, wie man eine Geschichte mit Mysterien zu einem runden Abschluss bringt. Im Falle von Messiah ist der Zuschauer nun zunächst einmal darauf angewiesen, dass Netflix die Serie verlängert und dann auch zu einem vernünftigen Ende kommen lässt. Denn die 1. Staffel ist ganz klar darauf ausgelegt, dass es weitergeht.

Ein Pluspunkt für die Serie sind allerdings definitiv die Darsteller. Mit Mehdi Dehbi haben die Produzenten eine sehr gute Wahl getroffen, denn der belgische Schauspieler bringt das notwendige Charisma für die Rolle des vermeintlichen Messias mit. Aber auch Michelle Monaghan als Eva Geller und Tomer Sisley als israelischer Agent Aviram Dahan sind hervorragend besetzt, auch wenn die privaten Probleme ihrer Figuren mitunter etwas sehr gewollt und leicht aufgesetzt wirken.

Fazit

Messiah bietet eine interessante Grundprämisse mit tollen Darstellern, macht daraus aber in der 1. Staffel noch zu wenig. Das Potenzial für mehr ist zwar durchaus vorhanden, dafür müssten die Macher aber etwas an der Spannungsschraube drehen. Für ein Binge-Wochenende gibt es allerdings definitiv schlechtere Optionen, jedoch auch viele bessere.

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© Netflix

Kritik zu Knives Out – Mord ist Familiensache

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Knives Out

Es erscheint müßig die letzten Jahre von Rian Johnsons Karriere zu rekapitulieren, schließlich hat jeder seine eigene Meinung zu gewissen großen Franchise-Einträgen und diese bereits in der einen oder anderen Form auch kundgetan. Warum also eine Diskussion weiterführen, die sich sowieso nur im Kreis dreht, wenn man auf eine aussichtsreiche Zukunft blicken kann.

Diese Zukunft kommt schon zu Beginn des Kinojahres in der Gestalt von Knives Out – Mord ist Familiensache daher. Und auch hier, wie schon in seinen Vorgängerfilmen Brick, Brothers Bloom und Looper, zeigt sich, dass Johnson unheimlich gerne mit bekannten Genre-Konventionen spielt, sie manchmal sogar bis zu einem Punkt aushebelt, dass es große Verärgerung hervorruft. Selbiges gilt bis zu einem gewissen Grade für seine Whodunit-Variation, ein starbesetzter Krimi, der einer bekannten Agatha-Christie-artigen Ausgangssituation Doppelbödigkeit, Aktualität und eine gesunde Portion Humor abgewinnt.

Mord, Selbstmord und bitterböse Familienfehden

Harlan Thrombey (Christopher Plummer) ist ein reicher Autor einer äußerst erfolgreichen Reihe von Kriminalgeschichten. Basierend darauf hat er ein ebenso erfolgreiches Verlags-Imperium aufgebaut. Außerdem ist er Patriarch einer Großfamilie, deren Mitglieder in irgendeiner Form von seinem Erfolg und seinem Geld abhängig sind. Alle vertreten allerdings standhaft die Ansicht, dass ihre beruflichen Errungenschaften als Makler, Verlagsleiter, Influencer etcetera auf eigener harter Arbeit basieren. Als das Hausmädchen Harland eines Tages mit durchgeschnittener Kehle in seinem Arbeitszimmer findet, geht die Polizei zunächst von einem Selbstmord aus.

Dennoch engagiert ein Unbekannter den Meisterdetektiv Benoit Blanc, der zusammen mit dem Polizisten Lieutenant Elliot (Lakeith Stanfield) den wahren Hintergründen des mysteriösen Todes auf den Grund geht. Blanc interviewt und entlarvt nach und nach die verschiedenen Familienmitglieder, die nichts lieber tun, als hinter den Rücken der anderen Verwandten zu lästern und ihre eigene Unschuld zu beteuern. Gleichzeitig scheinen alle ein Motiv für einen Mord an den vermeintlich geliebten Vater und Großvater zu haben. Das trifft insbesondere auf das schwarze Schaf der Familie Ransom Drysdale (Chris Evans) zu. Blanc rekrutiert Harlan Thrombeys ehemalige Krankenschwester Marta Cabrera (Ana de Armas), die anscheinend einzigartige Einblicke in die Familiendynamik besitzt und der es physisch unmöglich ist, zu lügen.

Starbesetztes, genüssliches Rätselraten

In den USA hat sich Knives Out – Mord ist Familiensache jetzt schon als großer Erfolg herausgestellt. Eine durchaus erstaunliche und erfreuliche Entwicklung, weil der Film gerade nicht an eines der großen durchkalkulierten Franchises oder IPs gebunden ist. Vielleicht weniger erstaunlich, weil der Film zahlreiche erzählerische Elemente besitzt, die spätestens seit Agatha Christie in Film, Fernsehen und Literatur allgemein beliebt sind. Hinzu kommt eine Reihe bekannte Schauspielerinnen und Schauspieler, die das Publikum schon seit etwa 60 Jahren Film- und Fernsehgeschichte begleiten. Hierzu gehören: Christopher Plummer, Chris Evans, Jamie Lee Curtis, Michael Shannon, Don Johnson, Toni Collette, Frank Oz, Riki Lindhome und einige neue Gesichter wie Katherine Langford und Jaeden Martell.

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Knives Out

Alle haben sichtlich großen Spaß, sich gegenseitig auseinanderzunehmen, was wiederum für gute Laune beim Publikum sorgen sollte. Insbesondere Daniel Craig scheint sich äußerst wohl zu fühlen. Genüsslich legt er die Restriktionen einer Bond-Figur ab und packt (zumindest im englischen Original) einen Südstaaten-Akzent aus, den er in ähnlicher Weise schon im Steven Soderberghs Heist-Komödie Logan Lucky zum Besten gab. Zu ungeahnten Höhen steigt seine Darstellung jedoch auf, wenn er als Detektiv gar nicht so genial daherkommt, wie sein Ruf verspricht.

Herz und Seele des Films stellt jedoch Ana de Armas als Krankenschwester Marta Cabrera dar, über deren Herkunft jeder Familienangehörige Bescheid zu wissen glaubt und doch keiner richtig zu kennen scheint – ein effektiver Running Gag des Films. De Armas konnte schon als mit einer empathischen und gefühlvollen Darstellung einer künstlichen Intelligenz in der Science-Fiction-Fortsetzung Blade Runner 2049 überzeugen. Knives Out verlangt ihr noch einmal die gesamte emotionale Bandbreite ab, erlaubt ihr aber gleichzeitig, Spaß an ihrer Rolle zu haben.

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Knives Out

Wie bereits angedeutet, spielt Johnson auch hier wieder mit Genre-Tropen und stellt Einiges auf den Kopf, ohne Knives Out in eine Genre-Parodie zu verkehren. Der Kriminalfall steht bis zum Ende im Vordergrund und verliert sich nicht in selbstzufriedenen Meta-Spielereien. Neben Humor kommt durchaus Spannung auf, während der Regisseur die Zuschauer auf gekonnte und höchst unterhaltsame Weise an der Nase herumführt.

Fazit:

Kein Meisterwerk, aber ein meisterhaft konstruiertes Spiel mit dem Krimi-Genre, das sich selbst nicht zu ernst nimmt und trotzdem spannend und unterhaltsam bleibt. Die Spielfreude der hochkarätigen Besetzung ist dabei überaus ansteckend.

Knives Out (2019 Movie) Official Trailer — Daniel Craig, Chris Evans, Jamie Lee Curtis

Knives Out - Trailer 2 (deutsch/ german; FSK 6)

Spoiler-Kritik zu Star Wars - Episode IX: Der Aufstieg Skywalkers

SPOILER

Nachdem wir bereits am Mittwoch eine Kritik zu Star Wars: Der Aufstieg Skywalkers veröffentlicht haben, wollen wir uns jetzt noch einmal etwas stärker mit der Geschichte beschäftigen. Dabei nehmen wir absolut keine Rücksicht auf Spoiler, alle, die den Film noch nicht gesehen haben, sind also gewarnt. Zudem könnte es etwas persönlicher als üblich werden, wem das nicht gefällt, der ist vielleicht ebenfalls woanders besser aufgehoben.

Nach dem Ende der Pressevorführung am Dienstag ging ich eigentlich mit einem sehr guten Gefühl aus dem Kinosaal. Dies änderte sich dann über nach und nach auf der Heimfahrt, je mehr Gedanken ich mir über den Film machte. Das Problem an Episode IX ist, dass der Film leider in die Sparte fällt, die man nur vollkommen genießen kann, wenn man sein Hirn ausschaltet. In dem Moment, in dem der Zuschauer beginnt darüber nachzudenken, was genau da auf der Leinwand passiert, wird es problematisch.

Nur ein Beispiel von vielen ist die Flotte von Palpatine. Selbst wenn man Fragen wie "Wer genau hat denn diese Flotte gebaut und vor allem wie und wo?", "Woher kommen die ganzen Menschen, um sie zu bemannen?" oder "Woher stammen die Ressourcen für den Bau?" außer Acht lässt, sind da immer noch Fragen wie "Wieso können die Schiffe nicht selbstständig in den Orbit fliegen", "Warum kann ein einziges kleines Raumschiff mit einem Angriff auf die große Kanone das gesamte Schiff zerstören?" und "Wieso wurden die Schiffe nicht ohnehin gleich im Weltraum geparkt (schließlich soll ja niemand in der Lage sein, den Sith-Planeten überhaupt zu erreichen)?".

Das alles mag jetzt wie Erbsenzählerei klingen, es ist aber auch nur ein Beispiel von vielen. Immer wieder geben die Figuren im Film irgendwelche Erklärungen in die Kamera ab, die man als Zuschauer einfach so hinzunehmen hat. Generell neigt ja J.J. Abrams zu dieser Art des Erzählens. Dinge werden laut Drehbuch behauptet, die nun mal so sind, damit die Geschichte weitergehen kann. Logik und Nachvollziehbarkeit sind zweitrangig.

Und ja, ich höre die Hirn-aus-Fraktion an dieser Stelle bereits wieder sagen: "Aber ich will doch nicht nachdenken im Kino. Ich möchte einfach nur meinen Spaß haben." Und das ist ja auch gut und schön, aber Star Wars sollte nun einmal nicht Transformers sein. Klar gibt es auch bei den alten Filmen immer wieder Dinge, über die man hinwegschauen muss. Trotzdem ist es in keinem Film so massiv problematisch wie in Der Aufstieg Skywalkers. Und niemand wird in Abrede stellen, dass die originalen Filme unterhaltsam sind und Spaß machen, ohne dass man vorher seinen Kopf auf Durchzug geschaltet hat. Eine halbwegs logische Geschichte und gute Unterhaltung sind keine Konzepte, die sich gegenseitig ausschließen.

Star Wars: Der Aufstieg Skywalkers

Die Rückkehr Palpatines

Besonders schwierig ist dieses "Das ist nun mal so, lebe damit!" direkt zu Beginn des Films. Klar, Palpatine plötzlich zurückzubringen, ist keine einfache Aufgabe. Es aber tatsächlich im Lauftext machen und dann in den ersten fünf Minuten abzuhandeln, ist kein gutes Geschichtenerzählen. Selbst wenn man berücksichtigt, dass J.J. Abrams nur beschränkt Zeit hatte, ist die Lösung sehr dünn. Man stelle sich nur einmal vor, Harry Potter hätte im Kino Band 4 übersprungen und wäre direkt zu Band 5 übergangen. Statt die Rückkehr zu von Voldemort zu zeigen, wäre sie am Anfang von Der Orden des Phönix in einem Zeitungsartikel angekündigt worden. In etwa so fühlt sich die Rückkehr von Palpatine an.

Es stellt sich auch die Frage, warum dies überhaupt im Vorfeld enthüllt werden musste. Seit Episode VII betreibt Lucasfilm eine unglaubliche Geheimhaltungspolitik um jeden Film. Und ausgerechnet hier wird sie gebrochen? Warum? Gab es die Hoffnung, dass man durch die Ankündigung ein paar verprellte Fans doch noch dazu bewegen kann, ein Ticket zu kaufen? Am Ende ist diese Art der Lösung in jedem Falle die gefühlt schlechteste, die man sich vorstellen kann.

Die emotionale Ebene funktioniert

Bevor dieser Text aber in einem Rant ausartet, wollen wir an dieser Stelle auf ein paar Dinge eingehen, die tatsächlich richtig gut waren. Denn Episode IX ist trotz der ganzen hier betriebenen Kritik kein Totalausfall oder gar ein schlechter Film, er ist nur wie die gesamte Trilogie einfach sehr frustrierend, weil man das Potenzial sieht, das vorhanden gewesen wäre.

So problematisch die Logik in Der Aufstieg Skywalkers ist, auf emotionaler Ebene funktioniert der Film richtig gut. Als Fan bekommt man doch ein paar mal Gänsehaut, und das Schicksal der Figuren lässt einen auch nicht unberührt. Meine persönlichen Highlights waren der Kampf am alten Todesstern und natürlich das Finale zwischen Palpatine, Rey und Ben. Vor allem Adam Driver ist in seinen Szenen richtig stark und trägt gemeinsam mit Daisy Ridley die wichtigsten Momente des Films.

Auch seine Abkehr von der dunklen Seite inklusive des Kurzauftritts von Han Solo sind absolut stimmig und schlagen einen schönen Bogen zu Episode VII. Leider wirkt sich der frühe Tod von Carrie Fisher an dieser Stelle dann doch etwas stärker aus, da Leia hier vermutlich eine größere Rolle gespielt hätte. So gab es nie ein wirkliches Aufeinandertreffen zwischen ihr und Ben. Dafür läuft Adam Driver anschließend zur Höchstform auf. Nach seiner Abkehr von der dunklen Seite spricht Ben im gesamten Film nur noch ein einziges Wort und trotzdem schafft es der Darsteller mit seiner Präsenz, dass einem diese Tatsache beim ersten Anschauen kaum auffallen dürfte.

Star Wars: Der Aufstieg Skywalkers

Etwas mehr Mut

Dass es Episode IX trotz seiner Emotionalität nur zu einem guten Film schafft, liegt auch daran, dass J.J. Abrams sehr auf Nummer sicher geht. Nach den harschen Reaktionen, die Episode VIII bekommen hat, wirkt der Nachfolger extrem rundgeschliffen, und man bekommt das Gefühl, dass er ja keine Kanten haben soll. Trotz der vielen Kritik, die Rian Johnson für Die letzten Jedi einstecken musste, ist sein Film doch der mutigere. Das mag sich am Ende nicht ausgezahlt haben, trotzdem ist es schade, dass man bei Episode IX nun jeglichen Mut vermissen lässt.

Ein gutes Beispiel ist dabei das Thema fehlende Konsequenz. Ein einziges Mal hat es Episode IX geschafft, dass ich wirklich geschockt im Kinosessel saß und dies war der Moment, an dem Chewie scheinbar starb. Leider gibt es keine zehn Minuten später die Rolle rückwärts mit einem "Ach nein doch nicht", der langweiligsten Sorte. Und klar der Tod von Chewie wäre für die Fans bitter gewesen, aber er hätte für Reys Charakter echte Konsequenzen gehabt. So bleibt nur ein kurzer Schocker, der die Zuschauer wie die Figuren in die Irre führt.

Gleiches lässt sich auch bei C-3PO sagen. Auch hier wird zunächst ein moralisches Problem für die Helden aufgebaut, das am Ende aber keines ist. Wäre es nicht ein viel emotionalere Geschichte, wenn der Droide selbst seine Freunde davon überzeugt, das Opfer zu bringen, ohne dass es einen Weg zurück gibt? Anstatt die Erinnerungen einfach wiederherzustellen, hätte es stattdessen eine Szene zum Abschluss geben können, in der R2D2 einfach seinem Freund von ihren gemeinsamen Abenteuern erzählt und ihm so vor Augen führt, warum sie beste Freunde waren. Stattdessen verliert der goldene Droide einfach nur ein paar Stunden seines Lebens, was auch dessen "letzten Blick auf Freunde"-Moment später wieder die Bedeutung nimmt.

Star Wars: Der Aufstieg Skywalkers

Noch etwas epischer

Das Finale kann dann aber wieder über weite Strecken überzeugen und bietet eine gute Mischung aus Weltraum-Action und dem intensiven Kampf von Rey und Ben gegen den Imperator. Klar, das erinnert dann in Momenten auch wieder an Die Rückkehr der Jedi-Ritter. Aber mal ehrlich, Ähnlichkeiten zu der Original-Trilogie zu kritisieren, macht heute auch keinen Unterschied mehr.

Zwei besonders starke Momente sind die Ankunft der galaktischen Flotte und die Stimmen der Jedi. In beiden Fällen wäre aber noch etwas mehr Epik drin gewesen. Im Falle der Flotte fehlt leider etwas der Bezugspunkt. Als Zuschauer sieht man viele Raumschiffe, die abgesehen von einer Handvoll Personen aber nur von Unbekannten gesteuert werden. Avengers: Endgame gelingt dieser Moment beispielsweise viel besser, einfach weil der Zuschauer genau weiß, wer da alles zur Hilfe kommt. Zugegeben Marvel hatte deutlich mehr Filme, um dies aufzubauen, trotzdem kann man der neuen Trilogie vorwerfen, dass sie ihre Geschichte oft sehr fokussiert auf einen kleinen Personenkreis erzählt hat, während die Galaxie selbst immer nur peripher eine Rolle spielte.

Auch die finale Konfrontation hätte für mich noch etwas epischer ausfallen können, wenn man die ganze Jedi-Stimmen (was zugegeben sehr cool war) nicht nur gehört, sondern ihre Sprecher auch tatsächlich gesehen hätte. Wenn Rey ihre Zeilen spricht und plötzlich hinter ihr die Geister unzähliger Jedi von Luke, über Obi-Wan und Anakin bis hin zu Mace Windu und den Kämpfern der alten Republik stehen, ist ein beeindruckendes Bild garantiert. Und da die Macht in Episode IX ohnehin immer exakt so funktioniert, wie das Drehbuch es gerade benötigt, hätte man das auch schon irgendwie erklären können.

Apropos Machtgeister: Meiner Meinung nach hätte Rey am Ende die gesamte Skywalker-Familie erscheinen sollen. Was auch mehr zu der Tatsache passt, dass sie ja deren Namen annimmt. Leider zeigt sich hier wieder ein Fanservice der wenigen guten Art. So spart die neuen Trilogie konsequent alles aus, was in den Prequels passiert ist. Getreu nach dem Motto "Die Fans mögen es nicht, darum ignorieren wir es". (Schauen wir mal wie Lucasfilm in zehn Jahren mit Episode VII bis IX umgeht.) Das zeigt sich beispielsweise auch daran, dass in allen drei Filme gefühlt nicht ein einziges Mal der Name Anakin gefallen ist. Gerade weil Der Aufstieg Skywalkers ja aber als Abschluss aller neun Filme gedacht ist, wäre es schön gewesen, auch alle Mitglieder der Familie ein letztes Mal zu sehen.

Fazit

Auch wenn die Kritik teilweise sehr negativ klingen mag, Episode IX macht tatsächlich viele Dinge richtig. Leider lässt der Film aber auch eine Menge liegen und reiht sich damit wiederum perfekt in die neue Trilogie ein. Am Ende bleibt ein guter Film, der einen Dreiteiler voller verpasster Chancen und Möglichkeiten abschließt.

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© Lucasfilm

Schnurrli, was ficht dich an?! - Kritik zu Cats

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Achtung, Achtung, das ist keine Übung! Verlassen Sie bitte sofort den Kinosaal! Oder besser noch: Gehen Sie gar nicht erst rein! Aber wir wissen ja, wie Menschen ticken: Rät man ihnen, etwas nicht zu tun, werden sie erst recht neugierig. Ich funktioniere auch so. Deshalb, und nur deshalb, gibt es diesen Text.
Um es gleich vorweg deutlich zu machen: Der neue Cats-Kinofilm ist exakt genauso, wie der Trailer es schon hat ahnen lassen, nur noch länger und schlimmer. Er sollte, wenn möglich, unter keinen Umständen, also wirklich gar nicht, angesehen werden. Nein, auch nicht ironisch oder mit viel Schnaps. Aber ihr wollt ja wieder alle nicht hören.

Katzenmenschen unter sich

Zum Ausklang des Filmjahres 2019 dürfte eine der meistgestellten Fragen sein: Was genau hat Andrew Lloyd Webber eigentlich wirklich dazu bewogen, ein Stück über tanzende und singende Katzen zu schreiben? Nicht nur wurden seit Anfang der 80er- Jahre Generationen von Tänzern und Sängern mit hautengen Fellkostümen und großzügigem Katzen-Make-Up über Bühnen gescheucht, auch wurden Schulklassen von übermotivierten Musiklehrern mit schmerzvollen Arien wie dem berüchtigten Gassenhauer “Memories” gequält. Aber sei es, wie es sei: Das Stück hat längst Weltruhm erlangt. Dass eine Kino-Adaption nicht ausbleibt, war daher also eigentlich zu befürchten.

Bevor wir uns auf die zahlreichen rant-würdigen Details stürzen, sollten wir kurz klären, worum es überhaupt geht: Eine Bande Katzen will wie jedes Jahr in einer magischen Nacht den sogenannten Jellicle Ball ausrichten. Als Höhepunkt soll eine Katze gewählt werden, die in einer höheren Sphäre wiedergeboren werden darf. Die älteste Katze, Old Deuteronomy (Judi Dench) hat die Qual der Wahl. Bevor sie sich jedoch entscheiden kann, tritt der Katzen-Fiesling Macavity (Idris Elba) in Erscheinung und entführt die Seniorenkatze. Schließlich schafft es der mit magischen Kräften ausgestattete Jungkater Mr. Mistofelees, Old Deuteronomy wieder in die Mitte der Katzen zu zaubern und die Wahl kann stattfinden. Nun gut.

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Film sucht Publikum

Als Filmkritiker hat man ein strukturelles Problem: Musicals zeichnen sich nicht gerade durch eine stringente Handlung aus. Ständig wird die Geschichte unterbrochen, um jedem Mitglied des Ensembles seine Musiknummer zu gönnen. Immerhin das kann Cats vorweisen: Es gibt absolut keine Rahmenhandlung, das heißt, dass wirklich in jeder Minute unaufhörlich gesungen statt geschauspielert wird. Für mich, die ich vorher nicht besonders mit der Handlung des Musicals vertraut war, hieß das immerhin: Die Laufzeit wird nicht unnötig in die Länge gestreckt. Halleluja!

Für wen die Filmadaption nun genau gemacht sein soll, bleibt fraglich. Musicalfans sind vielleicht mit dem Musical besser bedient. Alle anderen sollten es sich gut überlegen, ob sie die zwei Stunden Lebenszeit investieren. Denn der Film hat absolut nichts Neues zum Machwerk von Lloyd Webber beizutragen.

Tobias Kitty

In den vergangenen Jahren gab es schon so einige Musicals, die es auf die Leinwand geschafft haben, man denke nur an Hugh Jackman in The Greatest Showman, der es in der Bildsprache und den Sets durchaus mit Oscar-Kandidaten wie La La Land aufnehmen kann, oder Sweeney Todd, einem verspielten Stück über einen blutrünstigen Barbier, bei dem sogar hartgesottene Slasher-Fans auf ihre Kosten kamen.

Die Macher von Cats allerdings scheinen all diese Entwicklungen verpasst zu haben. Die Kameraarbeit macht absolut nichts daraus, dass man mit knackigen Schnitten oder Details spielen könnte. Wie einfach wäre es gewesen, liebenswerte kleine Szenen in die Handlung einzustreuen, in denen die Katzen ihre Eigenheiten darstellen, die sie so kräftig besingen. Dann müsste man zwar noch immer Lloyd Webbers Arien hören, hätte aber wenigstens etwas zu gucken.

Stattdessen erstarrt das Machwerk von Tom Hooper, der sich bereits mit Les Miserables (unvergessen bleibt hier Russel Crowes äußerst fragwürdige Sangesleistung) nicht mit Ruhm bekleckert hat, aber immerhin so respektable Filme wie The Danish Girl oder The King’s Speech hervorgebracht hat, in seiner gewohnten Bahn. Der Zuschauer bekommt lediglich ein paar in die Länge gezogene Kamerafahrten über eine schlecht inszenierte CGI-Müllkippe geboten, in der man dabei zusehen muss, wie sich ein in Fellkostümen gehüllter Cast kriechend und krabbelnd fortbewegt und sich die felligen Pfoten leckt. Und das sieht genau so aus, wie ihr es euch vorstellt.

Joh Miezi

Alptraummaterial mit Furry-Fetisch

Wer auch immer beim König der Löwen Angst hatte, das “uncanny valley” durch allzu menschliche Züge der Figuren ungewollt ausloten zu müssen: Hier wird es definitiv überschritten. Die alptraumhaften Katzen-Mensch-Hybriden lassen sich mit dem Budget eines Musicaltheaters in einer Kleinstadt sicher nicht verhindern, aber wieso, in Gottes Namen, hat man sich bei einem Millionen-Dollar-Projekt dafür entschieden, die Gesichter von James Corden oder Taylor Swift mit Fell vollzukleistern?

Man wäre auch gern Mäuschen (nein, damit meine ich nicht die merkwürdig humanoide Version mit Menschengesichtern, die es auch kurz zu sehen gibt) gewesen, als viele der durchaus respektablen Schauspieler sich entschieden haben, bei diesem Projekt mitzuwirken. Weil ihnen normale Menschenkleidung zu langweilig war? Soll hier eine neue Fetisch-Gruppe erschlossen werden? Oder wurde ihnen weisgemacht, sie trügen einen Anzug mit Motion Capture-Design, der später alles wie beim König der Löwen in atemberaubend schöne CGI mit Tierdoku-Flair verwandelt? Spoiler: Das hat leider absolut nicht geklappt.

Katrin Katze

Sexy Cats, auf die niemand gewartet hat

Nochmal zum mitschreiben: Katzen haben keine Brüste, mit denen sie wackeln und tanzen. Katzen haben keine Hintern, die sie willig in die Kamera strecken. Katzen lecken sich durchaus mal an für Menschen unerreichbaren Stellen, aber der Film bekommt eine unangenehm sexualisierte Note, sobald sich beispielsweise (die leider auch recht schwachbrüstig intonierte) Rebel Wilson mit gespreizten Beinen drapiert - leider mal wieder mit dem berüchtigten Dicke-Frauen-Slapstick, nur diesmal eben in Katzenform.

Nun gut, denkt sich mancher, immerhin kann man mit Judi Dench, Idris Elba und Ian McKellen nicht viel falsch machen, richtig? Falsch gedacht. Denn die durchaus respektablen Schauspieler können hier nicht glänzen. Hier wird kaum gespielt, hier wird sich nur merkwürdig gerieben und geräkelt.
Man bekommt mit fortschreitender Laufzeit das Gefühl, sämtliche Mitwirkende hätten eine Wette verloren und müssten die Nummer nun durchziehen. Und vielleicht ist da tatsächlich etwas dran.

Das Ding mit den Schnurrhaaren

Wer, wie ich, irgendwann nach dem ersten Schock der Handlung von Cats überwunden hat, kann sich darauf konzentrieren, die Anschlussfehler bei den Computereffekten zu suchen. Und hier gibt es einige: Fell und Haaransatz kommen und gehen, oft genug werden Schnurrhaare erst in der Mitte des Films in die Gesichter gepappt, als hätte man sie vorher vergessen. Meine Theorie ist eher, dass man zumindest kurz erkennen soll, wer genau in dem Kostüm steckt.

In meinen Notizen zu Cats befindet sich, öfter als jemals irgendwo anders, das Wort “Warum?", und zwar doppelt unterstrichen und in Großbuchstaben. Selbst nach einigen Tagen Nachwirkzeit ist es mir nicht gelungen, diese Frage auch nur ansatzweise zu beantworten. Vielleicht bleibt dieses Rätsel der menschlichen Kulturgeschichte auch einfach für immer ungelöst.

Kasimir

Fazit

Hört auf uns. Bleibt zuhause. Streichelt eure Katze und entschuldigt euch sehr, sehr oft bei ihr. Wer jetzt noch immer dieses Machwerk menschlicher Irrungen auf der großen Leinwand sehen möchte: Sagt nicht, wir hätten euch nicht gewarnt.

(c) Zusätzliches Bildmaterial: Dieser Text wurde erstellt mit Unterstützung der Redaktionskatzen von Robots & Dragons.

Kammerspiel über den Wolken - Kritik zu 7500

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Szenenbild aus 7500

Der junge Co-Pilot Tobias Ellis (Joseph Gordon-Levitt) bereitet sich routiniert mit dem erfahrenen Piloten Michael Lutzmann (Carlo Kitzlinger) auf einen Flug von Berlin nach Paris vor. Alles verläuft reibungslos, doch als der Airbus in der Luft ist, versucht eine Gruppe junger Männer, in das Cockpit einzudringen. Es entwickelt sich ein Kampf um die Tür zum Cockpit - und Tobias muss mehr als einmal über das Leben einzelner Menschen richten …

Auf den ersten Blick liest sich die Handlung von 7500 (Transponder-Code für Flugzeugentführungen) wie die übliche Geschichte zum Thema, die das erfahrene Publikum auswendig herunterbeten kann. Stattdessen bedient sich das Langfilmdebüt von Regisseur Patrick Vollrath eines Kniffs, der den Fokus des Films schnell auf den psychologischen Aspekt der Situation lenkt: Die Handlung spielt ausschließlich im Cockpit des Flugzeugs.

Jenseits der Cockpit-Tür

Damit hebt sich 7500 von den anderen Filmen des Genres ab. Geht es bei der üblichen Kost darum, actionreiche und dramatische Handgemenge zwischen Entführern und Crew sowie Fluggästen zu inszenieren, beschränkt sich die Sicht dieser Geschichte auf den engen Raum und die Ereignisse vor der Tür - der Zuschauer nimmt hier die Sichtweise des Co-Piloten Tobias ein, der die Geschehnisse über den Monitor verfolgt. Bekanntlich sind Cockpit-Türen seit den Anschlägen des 11. September 2001 besser gesichert und können nicht ohne Weiteres von außen geöffnet werden. Möchte ein Flugbegleiter das Cockpit betreten, muss er sich erst über das Bordtelefon anmelden, damit ein Pilot die Tür öffnet - die Tür ist über Cockpit Door Lock System (CDLS) elektronisch verriegelt und muss erst freigegeben werden. Die üblichen Modi “Routine” und “Emergency” können jedoch gezielt ausgeschaltet werden, sodass für einen bestimmten Zeitraum kein Zugang zum Cockpit möglich ist. Die fatalen Folgen davon lernte die Welt im Zusammenhang mit dem Germanwings-Absturz kennen.

Warum dieser kleine Exkurs zum Thema Cockpit-Tür? Zur Verdeutlichung, warum Vollrath sich entschieden hat, sich bei der Handlung auf den Kampf um eben jene Tür zu konzentrieren. Denn Tobias ist allein derjenige, der darüber entscheidet, ob er den Entführern den Zugang gewährt oder nicht. Und dies wirft schnell die moralischen Fragen auf, die sich Tobias unter dem Stress mitunter binnen Sekunden beantworten muss: Darf er einen Menschen opfern, um die Gewalt über das Cockpit zu bewahren? Welcher Mensch ist mehr wert als ein anderer? Wie fällt die Entscheidung aus, wenn es sich nicht um einen Fluggast, sondern um ein Mitglied der Crew handelt? Vollrath inszeniert diese Konflikte geschickt, tappt dabei leider jedoch auch in die eine oder andere Falle. So wird zu Beginn des Films deutlich, dass Tobias in einer Beziehung mit der deutsch-türkischen Flugbegleiterin Gökçe (Aylin Tezel) lebt - und natürlich wird auch Gökçe von den Entführern vor die Cockpit-Tür gezerrt und als Druckmittel genutzt. Glücklicherweise kriegt der Film hier noch die Kurve und wirft die Charakterisierung der Hauptfigur nicht komplett über den Haufen.

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Joseph Gordon-Levitt als Tobias Ellis in 7500

Getragen wird 7500 von Hauptdarsteller Joseph Gordon-Levitt, der die Figur des Tobias glaubhaft darstellt. Zwar dürfte dieser Film ihn schauspielerisch weniger gefordert haben als viele seiner bisherigen Rollen, dennoch ist er mit vollem Einsatz dabei und nimmt das Publikum in dem sich aufbauenden Thriller schnell gefangen. Besonders der emotionale Stress, dem seine Figur ausgesetzt ist, wird sehr glaubwürdig, also ohne Over-Acting, dargestellt. Einziger Abstrich hierbei: Tobias lebt in Deutschland, kann sich aber lediglich auf Englisch verständigen. Eine leider faule Entscheidung des Drehbuchs und nicht ganz nachvollziehbar, wenn man bedenkt, dass er laut Handlung nicht erst seit gestern in Berlin lebt.

Für eine große Portion Realismus sorgt auch die Entscheidung, die Rolle des Flugkapitäns mit Carlo Kitzlinger zu besetzen. Denn Kitzlinger betreibt das Schauspiel eher als Nebenberuf, hauptberuflich ist er Pilot bei der Lufthansa. Und so wirkt gerade der Beginn des Films leichtfüßig mit offensichtlich realistischen Einblicken in den Berufsalltag von Piloten. Ein nettes Schmankerl für das Publikum, bevor die dramatischen Ereignisse ihren Lauf nehmen.

Eine harte Kritik muss sich 7500 jedoch gefallen lassen: Die Entführer sind “natürlich” islamistische Extremisten, die sich am Westen rächen wollen. Diese Entscheidung nervt bereits mit dem ersten Auftauchen der Gruppe, bei der es bereits aufgrund des Aussehens offensichtlich ist, dass es sich nur um die Entführer handeln kann, und zieht sich mit den “Allah ist groß!”-Rufen durch den Film. Vor dem Hintergrund der aktuellen angespannten weltpolitischen Situation hinterlässt dies einen faden Beigeschmack, der nicht hätte sein müssen. Hier hat es sich Vollrath zu bequem gemacht.

Fazit

Zu behaupten, dass 7500 das Genre neu erfindet, wäre übertrieben. Dennoch schlägt der Film neue Wege ein und inszeniert ein packendes Kammerspiel, das sich von der Masse derartiger Geschichten positiv abhebt - und nicht immer Hollywood-konforme Entscheidungen trifft. Wer eine Alternative zu zuckersüßen Weihnachtsgeschichten sucht, ist bei 7500 genau richtig.

The Witcher: Kritik zum Serienstart bei Netflix

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The Witcher

Geralt von Riva ist ein sogenannter Hexer, ein Monsterjäger, der durch besonderes Training und Mutationen außergewöhnliche Fähigkeiten besitzt. Trotz der Tatsache, dass die Hexer es mit Monstern aufnehmen, sind sie in der Bevölkerung alles andere als beliebt. Aufgrund ihrer Mutation wird ihnen Gefühllosigkeit vorgeworfen, zudem gehen sie nur gegen Bezahlung auf Monsterjagd. Während sich Geralt mit verschiedenen Missionen seinen Lebensunterhalt verdient, ahnt er nicht, dass er schon bald zwei schicksalshafte Begegnungen haben wird. Die junge Prinzessin Ciri und die Zauberin Yennefer von Vengerberg werden sein Leben für immer verändern.

Die neue Fantasy-Hit?

Nach dem Ende von Game of Thrones sind die TV-Sender und Streaming-Dienste auf der Suche nach dem nächsten großen Fantasy-Hit. Während HBO vor allem auf Spin-offs aus der Welt von Westeros baut und Amazon mit Der Herr der Ringe punkten will, wirft Netflix seinen Hut mit einer Adaption der Hexer-Saga von Autor Andrzej Sapkowski in den Ring.

Die neue Netflix-Serie stand zunächst aber einmal vor einer ungewöhnlichen Herausforderung. Normalerweise müssen sich Buchadaptionen primär mit den Vorstellungen der Fans der Vorlage messen. Im Falle von The Witcher ist es allerdings so, dass mit der Computerspielereihe, und dabei vor allem The Witcher 3, bereits eine Art Adaption existiert, die darüber hinaus auch noch deutlich populärer als die Reihe von Sapkowski selbst ist. Die Serienmacher rund um Showrunner Lauren Schmidt Hissrich fokussieren sich bei ihrer Umsetzung allerdings nur auf das Ausgangsmaterial. Die Spiele werden komplett ignoriert, was zumindest inhaltlich kein Problem ist, da sie ohnehin erst nach den Büchern spielen. Zudem ist auch ohne Spiele genug Stoff für mehrere Staffeln vorhanden.

The Witcher

Monster der Woche

Die Hexer-Saga von Andrzej Sapkowski umfasst insgesamt zwei Kurzgeschichtenbände sowie eine fünfteilige Hauptgeschichte. Die ersten fünf Episoden der 1. Staffel, die Netflix im Vorfeld Pressevertretern zur Verfügung stellt, basieren auf dem chronologisch ersten Kurzgeschichtenband Der letzte Wunsch. Die Tatsache, dass zu Beginn fünf der Kurzgeschichten aus dem Buch umgesetzt wurden, bringt aber ein paar erzählerische Einschränkungen mit sich. So muss sich Geralt praktisch in jeder Folge mit dem Fall beziehungsweise das Monster der Woche auseinandersetzen. Eine große übergreifende Handlung gibt es für den Hexer zunächst nicht.

Trotzdem sind gerade die Abenteuer von Geralt ein klarer Pluspunkt von The Witcher. Auch wenn die Qualität in den jeweiligen Geschichten etwas schwankt, ist es doch unterhaltsam, den Hexer bei seiner Arbeit zuzusehen. Zudem sorgt er auch immer wieder für die actionreichen Momente in der Serie, die ebenfalls eine Stärke sind. Egal, ob sich Geralt gegen Menschen oder Monster zu Wehr setzen muss, die Action in The Witcher kann sich in jedem Falle sehen lassen.

Der ständige Wechsel des Settings inklusive neuer Figuren, Reiche und Wesen sorgt allerdings auch dafür, dass auf Zuschauer, die noch nie mit The Witcher in Berührung gekommen sind, eine Menge losgelassen wird. Dazu kommt ein erzählerischer Kniff, der an dieser Stelle aus Spoiler-Gründen nicht verraten werden soll, welcher die Sache aber nicht unbedingt einfacher macht. Alle, die mit der Materie vertraut sind, dürfte damit kein Problem haben, Neulinge werden aber vermutlich etwas brauchen, um reinzukommen und dürften bei den ganzen Namen, Orten und Nationen das eine oder andere Fragezeichen haben.

The Witcher

Ciri und Yennefer

Wer die Welt von The Witcher kennt, unabhängig davon ob es sich um die Bücher oder die Spiele handelt, der weiß, dass die Prinzessin Ciri und die Zauberin Yennefer von Vengerberg wichtige Rollen im Leben von Geralt spielen. Vor dem Hintergrund haben die Macher der Serie allerdings die weniger gute Entscheidung getroffen, ihnen noch mehr Bedeutung zukommen zu lassen. Da Ciri und Yennefer in Der letzte Wunsch nicht beziehungsweise kaum vorkommen, wurden für beiden Figuren kurzerhand neue Geschichte geschaffen.

Im Falle von Ciri bedeutet dies, dass man ihren Abenteuern folgt, bevor sie auf Geralt trifft, während bei Yennefer ihr Werdegang von einem buckligen Mädchen zur mächtigen Zauberin beschrieben wird. Beides mag nicht so richtig fesseln und sorgt eher dafür, dass das Erzähltempo verschleppt wird. Zudem lässt sich argumentieren, dass es der Figur von Yennefer sogar eher schadet, wenn ihre Herkunftsgeschichte so konkret beleuchtet wird. So nehmen ihr die Autoren einiges von ihrem Reiz und der Mystik, welche sie umgibt.

Auch stellt sich die Frage, ob man unbedingt noch Dinge erfinden muss, wenn insgesamt sieben Bücher darauf warten, adaptiert zu werden. Gerade Netflix hat sich in den vergangenen Jahren ja als sehr absetzungsfreudig erwiesen. Glaubt man Showrunner Lauren Schmidt Hissrich, dann gibt es einen Plan, der insgesamt sieben Staffeln umfasst. Auf diese Staffelzahl kamen bei Netflix bisher nur Orange Is the New Black sowie Grace and Frankie, die aber beide deutlich günstiger aussehen. Auch Game of Thrones kommt einem in den Sinn, wo zum Schluss alles unbedingt und schnell zu einem Ende gebracht werden musste. Man kann nur hoffen, dass die Autoren von The Witcher es nicht irgendwann bereuen, die Zeit in den frühen Folgen nicht besser genutzt zu haben.

The Witcher

Die Castingfrage

Dass The Witcher Millionen von Computerspielfans auf der ganzen Welt hat, wurde für die Macher der Serie erstmals bei der Ankündigung des Casts zu einem Problem, denn die Darsteller stießen nicht alle auf Gegenliebe. Sehr positiv wurde allerdings Henry Cavill aufgenommen, der auch einen wirklichen guten Job als Geralt von Riva macht. Zugegeben, die Rolle eines etwas grantigen und einsilbrigen Kämpfers mag nicht die schwierigste sein, Cavill überzeugt aber trotzdem von der ersten Sekunde an.

Gleiches lässt sich auch über Freya Allan in ihrer Rolle als Ciri sagen. Hier gab es im Vorfeld einige kritische Stimmen aber im fertigen Endprodukt macht Allan einen wirklich guten Job, auch wenn ihr Handlungsstrang selbst zu den schwächeren der ersten Folgen gehört. Nicht ganz so gut gelungen ist dagegen das Casting von Anya Chalotra als Yennefer. Die Darstellerin wirkt einfach zu jung, vor allem auch im Vergleich zu Cavill, der im realen Leben 13 Jahre älter ist. Am ehesten überzeugt Chalotra noch als junge Yennefer, für die mächtige Zauberin fehlt dann aber irgendwie das gewisse Etwas.

Neben den drei Hauptfiguren können sich die Fans zudem auf wiederkehrende Auftritte von Rittersporn (Dandelion) freuen, der von Joey Batey gespielt wird und sich auch in der Serie vermutlich schnell zu einem Publikumsliebling aufschwingen dürfte. Weitere wichtige Rollen übernehmen Jodhi May, Björn Hlynur Haraldsson und MyAnna Buring, die alle ihre Aufgabe sehr gut erledigen.

Fazit

The Witcher gelingt ein solider, wenn auch kein herausragender Serienstart. Den überwiegend sehr guten Darstellern und der optisch tollen Ausstattung fehlt bisher allerdings noch die Geschichte, die den Zuschauer so richtig mitreißt. Dazu ist die Vorlage einfach zu zerstückelt, während die neu geschaffenen Handlungsstränge ebenfalls nicht ganz überzeugen können. Als Start beziehungsweise Grundstein für mehr funktionieren die ersten fünf Episoden aber durchaus.

zusätzlicher Bildnachweis: 
© Netflix

Kritik zu Star Wars: Der Aufstieg Skywalkers – Das Finale der Skywalker-Saga

Ohne zu viel zu spoilern, hier kurz die Ausgangslage des Films. Wie die Trailer schon verraten haben: Imperator Palpatine ist zurück. So mächtig wie nie zuvor, erweist er sich erneut als Bedrohung für die gesamte Galaxie. Rey, Finn, Poe Dameron, Chewbacca, C-3PO und BB-8 geben jedoch nicht auf und begeben sich auf eine letzte Mission, die das Ruder noch einmal herumreißen könnte. Dabei ist ihnen jedoch Kylo Ren auf den Fersen, der noch eine Rechnung mit Rey offen hat.

Die Rückkehr des Imperators

Nicht nur die neue Trilogie, nein gleich die gesamte Skywalker-Saga soll Star Wars: Der Aufstieg Skywalkers zu einem runden und zufriedenstellenden Abschluss bringen. Dies haben die Macher des Films und Verantwortlichen von Lucasfilm im Vorfeld der Veröffentlichung fast schon gebetsmühlenartig wiederholt. Nicht wenige Fans stellten allerdings die durchaus berechtigte Frage, ob die Trilogie selbst nach den bisherigen Filmen und der Art und Weise, wie diese angegangen wurden, überhaupt noch zu retten sei. Kann ein einziger Film alles Bisherige ungeschehen machen?

Die Antwort darauf ist leider ein klares Nein. Am Ende muss man festhalten, dass das Kind einfach schon in den Brunnen gefallen ist. Ohne eine klare Vision oder einen Plan sprangen die bisherigen Filme hin und her und wirken als Gesamtwerk eher wie ein Flickenteppich, wobei der Anfang von Episode IX dies noch einmal verdeutlicht. Die Rückkehr von Imperator Palpatine wird tatsächlich in fünf Minuten abgehandelt (inklusive Laufschrift) und damit ist auch gleich die neue Bedrohung, von der in keinem der beiden Vorgänger die Rede war, etabliert.

Das alles geht einfach viel zu schnell und wird auch der Figur selbst nicht gerecht. Eigentlich hätte die Handlung der ersten fünf Minuten von Der Aufstieg Skywalkers der Höhepunkt von Die letzten Jedi sein müssen, denen zuvor natürlich ein vernünftiger Aufbau vorausgegangen wäre. Nur wusste noch niemand bei Lucasfilm während der Entstehung von Episode VIII, dass der Imperator noch einmal seine Rückkehr feiern würde. Colin Trevorrow, der ursprünglich für die Regie von Episode IX vorgesehen war, hatte bekanntlich vollkommen andere Pläne. Und somit ist Palpatine das Sinnbild dessen, was der gesamten Trilogie immer wieder ein Bein stellt: Kein ausgereifter Plan und vollkommen unterschiedliche Versionen der Verantwortlichen, die einfach kein rundes Gesamtbild ergeben wollen.

Star Wars: Der Aufstieg Skywalkers

Quer durch die Galaxie

Ist Palpatines Rückkehr erst einmal etabliert, wobei der Zuschauer wieder einmal nicht zu genau über dessen Plan nachdenken sollte, machen sich die Haupthelden daran, ihn mit einer verzweifelten letzten Mission zu stoppen. Ab hier ist der Film in gewisser Weise eine Schnitzeljagd, welche Rey und Co an verschiedene Ecken der Galaxie führt, wobei Kylo Ren nie weit weg ist.

An dieser Stelle sollte einmal betont werden, da in dieser Kritik viele negative Aspekte angesprochen werden: Die Handlung an sich ist trotz ihrer Laufzeit von 142 Minuten durchaus kurzweilig geraten und weiß zu unterhalten. Zudem werden nach und nach wichtige Antworten auf offene Fragen und Geheimnisse gegeben. Allerdings lässt sich auch festhalten, dass hier wenig enthüllt wird, was den Zuschauer wirklich aus den Socken haut. Alle Enthüllungen, Antworten und Überraschungen sorgen eher für Reaktionen wie "Ah ok", "Och nett" oder "Nunja". Der ganze große inhaltliche Kracher fehlt aber irgendwie.

Das soll aber nicht heißen, dass Episode IX nicht ein paar wirklich tolle Szenen und Wow-Momente zu bieten, auf die man aus Spoiler-Gründen aber schwer eingehen kann. Oft, wenn auch nicht ausschließlich, stehen die Momente im Zusammenhang mit den starken Effekten. Bereits der finale Trailer zeigte einige beeindruckende Szenen aus dem fertigen Film, und dieser enttäuscht dann auch nicht. Die Effekte sind wirklich gelungen, und gerade im Vergleich zu den beiden Vorgängerfilmen ist eine deutliche Steigerung bemerkbar. Das Auge bekommt also einiges zu sehen.

Allerdings muss sich der Film leider wieder den Vorwurf gefallen lassen, zu stark in bereits eingetretenen Pfaden zu laufen. Gerade das Finale wirkt vom Grundsetting und Aufbau dann doch wieder sehr vertraut für Star-Wars-Fans, was natürlich auch an der erzwungenen Rückkehr von Palpatine liegt.

Star Wars: Der Aufstieg Skywalkers

Rey und Kylo im Fokus

Rein darstellerisch lässt sich festhalten, dass Adam Driver (Kylo Ren) und Daisy Ridley (Rey) in Der Aufstieg Skywalkers das Meiste zu tun bekommen, und beide erledigen ihre Aufgaben auch sehr sehr gut. Gerade Driver war spätestens mit Episode VIII in seiner Rolle angekommen und macht nun genau da weiter, wo er im Vorgängerfilm aufgehört. Beiden Darstellern kommt dabei zugute, dass ihre Figuren klar im Fokus des Films stehen, worunter Oscar Isaac (Poe Dameron) und John Boyega (Finn) aber etwas zu leiden haben.

Wobei Poe zumindest noch einen gewissen Handlungsbogen mit einer Auflösung bekommt. Der gute Finn mutiert dagegen beinah zu einem Sidekick. Sein Charakter entwickelt sich im Film eigentlich kaum weiter, und auch der angerissene Handlungsstrang wird nie zu einem vernünftigen Ende geführt. Zwar kann sich jeder Zuschauer den Ausgang denken, nur fühlt es sich irgendwie unbefriedigend an, wenn etwas immer nur angedeutet wird und am Ende im Sande verläuft.

Noch härter als Finn hat es Rose (gespielt von Kelly Marie Tran) getroffen. Für sie scheint Regisseur J.J. Abrams schlicht keine Ideen gehabt zu haben. Und so darf Rose zwar immer wieder einmal durch das Bild laufen, würde sie komplett fehlen, hätte es vermutlich aber keinen Unterschied gemacht. Auch die angefangene Romanze zwischen ihr und Finn wird, abgesehen von ein paar bedeutungsschwangeren Blicken, nicht fortgeführt.

Aus der alten Riege können sich Fans neben Palpatine, der gewohnt dämonisch von Ian McDiarmid gespielt wird, über den ersten Auftritt von Billy Dee Williams als Lando Calrissian in der neuen Trilogie freuen. Dessen Rolle fällt ebenfalls in die Kategorie "Nett", auch wenn Calrissian nicht so viel zu tun bekommt. Dafür ist der Abschied von Carrie Fishers Prinzessin Leia tatsächlich gut gelungen und wirkt durchaus rund.

Star Wars: Der Aufstieg Skywalkers

Weiteres verschenktes Potenzial

Ein paar neue Figuren hat Der Aufstieg Skywalkers auch zu bieten. Dies beginnt zunächst einmal mit den Knights of Ren. Diese wurden bereits in Episode VII erstmals gezeigt, da Regisseur Rian Johnson in Episode VIII aber keine Verwendung für die hatte, mussten sie bis zum Finale warten, um tatsächlich in Erscheinung zu treten. Leider macht man auch hier wieder sehr wenig aus einem interessanten Konzept. Anstatt der Truppe in irgendeiner Form Profil zu geben, bleiben sie gesichts- und namenlose Handlanger, die aussehen als hätten sie ihre Ausrüstung auf einem Schrottplatz gefunden.

Naomi Ackie als Jannah, Keri Russell als Zorri Bliss und Richard E. Grant als General Pryde sind ebenfalls neu im Ensemble und bekommen auch etwas mehr zu tun. In allen drei Fällen bleibt aber einfach zu wenig Zeit, um die Figuren wirklich kennenzulernen. Dies dürfte aber auch etwas in der Natur der Sache liegen, wenn man als Nebenfigur im Abschluss einer Trilogie erstmals zu sehen ist. Grundsätzlich erledigen alle drei Darsteller ihre Aufgaben aber sehr gut.

Fazit

Am Ende dürfte Star Wars: Der Aufstieg Skywalkers vermutlich vor allem die bisherigen Meinungen der Fans weiter bestätigen. Wer mit Episode VII und VIII seinen Spaß hatte, der wird auch mit Episode IX viel Freude haben und auf seine Kosten kommen. Zwiegespaltene Fans bekommen einen durchaus unterhaltsamen Blockbuster, der aber wie die gesamte Trilogie einfach nicht in der Lage ist, dem Namen Star Wars gerecht zu werden. So bleibt wieder sehr viel verschenktes Potenzial.

Alle, die spätestens nach Episode VIII mit Star Wars abgeschlossen haben, können sich dagegen die Kinokarte eigentlich sparen. Sie dürften in ihrer Abneigung sehr wahrscheinlich weiter bestätigt werden. Das soll und wird natürlich niemanden davon abhalten, sich nicht trotzdem ins Kino zu setzen. Gewarnt seid ihr hiermit trotzdem, nicht das nachher Beschwerden kommen.

Wir möchten an dieser Stelle noch einmal darauf hinweisen, bitte die Spoiler-Funktion in den Kommentaren zu nutzen. Wer mutwillig spoilert, muss damit rechnen, gelöscht zu werden. Wir planen noch eine Spoiler-Kritik für den Sonntag, da müsst ihr euch dann weniger zurückhalten.

zusätzlicher Bildnachweis: 
© Lucasfilm

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