Kritik

Far From Home - Kritik zu Star Trek: Discovery 3.02

SPOILER

Wie erhofft steht in Episode 3.02 von Star Trek: Discovery die Crew im Fokus der Aufmerksamkeit. “Fern der Heimat” (OT: Far From Home) spiegelt die Auftaktfolge und entstand ebenfalls unter der kreativen Leitung der Drehbuchautoren Michelle Paradise, Jenny Lumet und Alex Kurtzman sowie Regisseur Olatunde Osunsanmi.

Von 0 auf 100

Raumschiffe wie Enterprise, Discovery und Co. gehören einfach nicht auf eine Planetenoberfläche. Das sieht optisch zwar eindrucksvoll aus, aber eben auch falsch - wie so ein gestrandeter Wal. Zum Glück wird in einem Nebensatz erwähnt, dass derlei Schiffe eigentlich nicht dafür gebaut sind, von einer Planetenoberfläche aus zu starten - aber wat mutt, mutt.

Die Reise durch Raum und Zeit hat der Discovery nebst Crew mehr zu schaffen gemacht als Burnham in ihrem Anzug. Zum Glück wachen Saru und Mannschaft gerade noch rechtzeitig auf, damit Detmer ihre unglaublichen Flugfähigkeiten unter Beweis stellen kann. Der schnelle Wechsel zwischen den einzelnen Verantwortlichen der Brückencrew beim Erarbeiten einer Problemlösung, lässt die (halbwegs bekannten) Charaktere nebst Zuschauer gemeinsam direkt in voller Action starten und hält die Szene zusammen. Das Schiff auf den Rücken zu drehen, um Schilde besser als Puffer nutzen zu können sowie kurz vor Bodenkontakt noch die Oberfläche durch Beschuss aufzulockern, ist schon clever. Warum zur Hölle es auf Raumschiffen keinerlei Sicherheitsgurte oder ähnliches gibt, wird sich wohl nie so ganz erschließen (jaja, ich weiß, Nemesis). Es kann doch nicht nur sein, weil alle Serienmacher das "Ionensturm-Gestolpere" so toll finden.

Alle feiern erleichtert Detmer für die Aktion, sie selbst kann sich aber nicht recht freuen und steht neben sich. Laut Medizincheck sei bei ihr alles in Ordnung, ist es aber ganz klar nicht. Möge Detmer bitte zu denen gehören, die frühzeitig klar ihre Bedenken und Symptome äußern. Klingt komisch, aber ich hoffe sehr, dass es posttraumatische Belastungsstörung oder ähnliches ist (was eine spannende Nebenhandlung mit diversen Darstellungsmöglichkeiten bietet) und NICHT auf Control in Detmers cybertechnischen Erweiterung hindeuten soll (was vermutlich eher verschwurbelt und augenrollend gelöst würde).

Der Crash lässt sich übrigens gleich nochmal mehr als optisches Spektakel bewundern, wenn man bedenkt, dass die komplette Postproduktion im Home-Office erledigt wurde.

We will not abandon what we believe

Ich habe an einer Ode für Saru gefeilt, aber es wollte mir (noch) nicht so recht gelingen - also erstmal plump: Ich liebe Saru ohnehin schon, und ihn im vollen Captain-Modus die Ideale der Sternenflotte verkörpern zu sehen, lässt mein Herz vor Freude beinahe überquellen.

Wie er direkt nach Erwachen aus der Bewusstlosigkeit die Situation erfasst und mit klaren Anweisungen an jeden Einzelnen das Ruder übernimmt, ist dabei erst der Anfang. Mehr als einmal macht Saru seine Position in dieser Episode freundlich, aber bestimmt deutlich ("I am not asking, I am telling you").

Ein führungsstarker, empathischer Sternenflotten-Captain ist genau das, was die Discovery schon lange braucht ("I’m talking because I’m scared" - "I know. Keep talking, Ensign"). Und dann gibt er auch noch durchaus sinnvolle Anweisungen - wie etwa, dass bis auf Weiteres immer mindestens zu zweit gearbeitet werden muss und man keinesfalls das Schiff verlassen soll, auch wenn draußen alles spannend ist.

You are dismissed.

Howdy, Fremder - Part II

Wie gut, dass diese Ansage nicht für den Captain und auserwählte Begleitung selbst gilt. Tilly hat per … irgendwie funktionierenden Scannern allerlei über den Planeten herausgefunden - welche Mode gerade so angesagt ist, dass Leben in künstlich geschaffenen, unterirdischen Lufteinschlüssen existiert und es auch genau den Rohstoff gibt, den es zur Reparatur der Discovery braucht.

Also geht es im Zweier-Team auf Außenmission aka kleiner Island-Spaziergang. Ob Tilly sehr enttäuscht ist, dass “No one has ever been here before" nicht stimmt, weil Burnham schon letzte Woche über scheinbar denselben Vulkangesteinabschnitt gestiefelt ist und man im Hintergrund touristische Wanderer des 21. Jahrhundert sieht? Nach dem Ego-Boost von Saru ("We are introducing us to the future. You, Ensign Tilly, are a wonderful first impression."), wird sie hoffentlich nicht zu geknickt sein.

Gelandet sind sie auf einem namenlosen Planeten, auf dem kräftig Tagebau betrieben wurde, was deutliche Spuren hinterlassen hat. Die Bewohner sind im Star-Trek-Universum keine Unbekannten, es handelt sich um Coridaniten, die fern der Heimat auf dem Kolonie-Planeten ausharren. Coridan selbst hatte einst reichlich Dilithium-Vorkommen, und es ist anzunehmen, dass zumindest vor "The Burn" auch auf der Kolonie danach geschürft wurde.

Wir bekommen jedoch nur die Überreste im "Westworld meets Westeros"-Stil zu sehen. Wieso zur Hölle sind im 32. Jahrhundert nach wie vor abgewetzte Ledermäntel die Standarduniform für Outlaw-Möchtegern-Bösewichte?

It’s part of what they are

"Starfleet Regulation 256.15 'Officers shall display behavior befitting an officer at all times' which is why we're not freaking out right now by being held at phaser-point by a bunch of strangers. It's actually really scary so could you please lower your weapons or, I don't know, tell us your names so one of those things isn't true?"

Tilly geht hier aufs Ganze und setzt darauf, dass der Großteil aller Wesen nicht vorrangig aggressiv und bösartig ist. Sie ist zwar immer noch ein Azubi, aber eben absolut Sternenflottenmaterial, und die Regularien helfen hier in Unsicherheiten - zum Glück mit Erfolg. Kal weiß prinzipiell von der Föderation und ist ihr positiv gegenüber eingestellt. Wer sich als Sternenflottenmitglied zu erkennen gibt, hat sein Vertrauen.

Nun wissen wir, dass ganz bestimmt nicht jedes Sternenflotten- und Föderationsmitglied stets Gutes im Sinn hat. Zwar ist die Föderation in Kals Welt nicht komplett verschwunden, und es gibt vereinzelt Sternenflottenschiffe, aber noch ist uns nicht bekannt, in welcher Form diese weiterhin besteht und betrieben wird - auf jeden Fall ziemlich zusammengeschrumpft und für die meisten nicht präsent, schon beinahe eine Legendenerzählung vergangener Zeiten. Wie es mit fernen Konzepten oft ist, werden sie auch gerne mal überhöht und sich an die Idee einer derartigen Institution geklammert. Umso trauriger, dass wir Kal nicht irgendwann am Ende der Staffel als Ensign der Sternenflotte in der neuen Föderation sehen werden.

Ausgerechnet der schnöde Möchtegern-Bösewicht Zareh hingegen könnte noch einmal auftauchen, so fern er denn das parasitäre Eis überlebt. Sollte Sarus "es liegt nicht in unserer Hand über ihn zu entscheiden, wir bringen ihn nicht um" irgendwie nobel oder so wirken, nachdem sie die namenlosen Handlanger kurz davor im Kampf getötet haben (ein paar vielleicht nur kräftig betäubt, aber ein Genickbruch war mindestens dabei)?

Zwar werde ich bei kämpfender Georgiou immer ein wenig die Augen drehen ebenso wie bei Deus-Ex-Georgiou als Retterin in letzter Minute, aber immerhin nehme ich der Kombi Georgiou und Saru mit seinen Post-Vahar’ai-Superkräften eher ab, in absoluter Unterzahl und ohne fancy moderner Waffen die Gegner zu erledigen. Mehr als Burnham und Booker bei ihrem Kampf-Workout auf dem Kurier-Markt nebst Tour durch Island.

Auch wenn sich Georgiou Captain Saru erst einmal unterordnet, ist nicht recht klar, warum man sie überhaupt frei rumlaufen lässt. Ab in die Brick, vielleicht sogar mit intensiver Betäubung außer Gefecht gesetzt - sie ist doch ein viel zu großes Risiko für alle. Und genau wie jeder andere auf dem Schiff hat sie alles verloren und keinerlei Autorität mehr, egal wie oft sie von Sektion 31 redet. Sie mag ab und an im richtigen Moment auftauchen und helfen, aber sie ist zu unberechenbar, macht vor allem Ärger und würde Saru am liebsten essen.

Helpless is a shitty feeling

An Bord der Discovery wird fleißig daran gearbeitet, das Schiff wieder startklar zu machen. Wie erhofft bekommen wir etwas mehr von der Crew zu sehen. Brücken-Nebencharaktere wie Bryce und Owosekun tauchen zwar nur kurz auf, aber immerhin mit Namen und auch Linus darf was sagen und Georgiou als Fernrohr dienen.

Wen ich ehrlich gesagt verdrängt und beinahe komplett vergessen hatte, ist Nhan. Rachael Ancheril ist für Staffel 3 zum Hauptcast gestoßen. In diesem Fall begrüße ich die kurze Wiederholung: Sie ist von der Enterprise zur Discovery gewechselt und hat sich für die Reise in die Zukunft entschieden, um Airiam (die sie aus der Luftschleuse geschmissen hat), zu ehren. Hier dient sie nun als neue Sicherheitsoffizierin (nehme ich an), die noch lernen muss, insbesondere Georgiou nicht alles zu glauben.

Mehr Screentime erhält die Beziehung Stamets-Culber. Als Fan von Krankenhausserien war die herzliche Triage “Oi, wach aus dem Koma auf, wir brauchen das Bett!" ebenso ein gern gehörtes Gimmick wie die liebevollen Neckereien. Culber ist nach seiner Rückkehr von den Totgeglaubten und totaler sozialer Isolation in der Sporen-Zwischenwelt erstaunlich schnell zurück mit alter Stärke auf der Krankenstation. Da kann er natürlich nicht erwarten, dass Stamets auf seine Anordnung hört und das Bett hütet, bis er wieder komplexe Sätze buchstabieren kann. Wir haben genug Star Trek gesehen, um zu wissen, dass man Sternenflottenoffiziere dafür schon betäuben oder festketten müsste.

Dies wird zum Glück gleich selbst thematisiert, mit der Hilfe von Tig Natoros Alter Ego Jett Reno. Die Chefingenieurin macht sich einen Spaß daraus, den schmerzleugnenden Stamets zu quälen, während sie selbst von chronischen Schmerz geplagt ist und unter starken Medikamenteneinfluss steht. Ein wenig kommt Pille/Spock-Nostalgie hoch beim Schlagabtausch, als Stamets durch die Jeffries-Röhre kriecht.

Die einen klammern sich an ihre Arbeit und Sternenflottenideale, andere an Liebe oder eben liebgewonnene fiese Neckereien. Whatever floats your boat and keeps you sane, mate. Und das eine ganze Folge lang, ohne Burnham. Also fast. Am Ende taucht sie doch noch als Retterin in der Not auf und befreit den gestrandeten Wal Discovery aus den Fängen des White-Walker-Eises. Lediglich ein Jahr Zeitunterschied bei einem derartigen Sprung ist ja wirklich harmlos - gibt uns aber die Möglichkeit eines Schnelleinstiegs in die neuen Gegebenheiten, ohne Burnham über mehrere Folgen bei der Suche nach der Discovery zugucken zu müssen.

Fazit

Die ersten beiden Episoden spiegeln sich und bieten zusammen einen vielversprechenden Start in die Staffel und vielleicht gar die Zukunft von Star Trek: Discovery. Ich begrüße die Entscheidung, die Ankunft in der neuen Welt aufzuteilen und so der Geschichte und den Charakteren jeweils genug Zeit und Raum gegeben zu haben. Die Crew ohne Burnham agieren zu sehen ist eine Freude, das Schiff hat endlich einen würdigen Captain (Pike war ja mehr Gastspieler), die Folge ist in sich stimmig erzählt und mit ganz viel positivem Star-Trek-Gefühl versehen.

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Kritik zu The Mortuary Collection - Jeder Tod hat eine Geschichte: Bitte noch eine Geschichte!

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Wer in Raven’s End stirbt, landet auf dem Tisch von Leichenbestatter Montgomery Dark (Clancy Brown). Niemand kennt die Toten und ihre Geheimnisse besser als er. Von der Grabrede über die letzte Salbung bis hin zur Verbrennung im hauseigenen Krematorium: Die Verstorbenen sind bei ihm in besten Händen. Als sich die furchtlose Sam (Caitlin Fisher) bei ihm um eine Stelle bewirbt, ist er beeindruckt von ihrer Faszination für das Morbide. Doch je tiefer er die junge Frau in die dunklen Katakomben seines Anwesens führt, desto klarer wird ihr, dass man die Toten besser ruhen lässt.

Rechtzeitig zu Halloween startet The Mortuary - Jeder Tod hat eine Geschichte in den Kinos. Gut, wird man sich denken, Halloween und Grusel - da ist immer mit einer Gruselfilmschwemme zu rechnen, die mal mehr, mal weniger gelungen ist. Das Spielfilmdebüt von Ryan Spindell (The Babysitter Murders) nach seinem eigenen Drehbuch hat jedoch einen genaueren Blick verdient, denn der Regisseur und Autor zeigt, dass ein gelungener Horrorfilm vor allem eins benötigt: eine intelligent erzählte Geschichte.

Für sein Debüt hat Spindell einen Episodenfilm gewählt. In der Rahmenhandlung führt Montgomery Dark Sam durch das Bestattungsinstitut. Bereits zu Beginn bemerkt Sam die imposante Bibliothek in dem verwinkelten, viktorianischen Haus. Jedoch befinden sich darin keine simplen Bücher. Denn die Bücher im Besitz von Montgomery Dark erzählen nicht nur, wie ein Mensch gestorben ist, sondern auch warum. Und dann beginnt der Bestatter, Sam von einigen der Todesfälle, die er erlebt hat, zu erzählen …

The Mortuary - Jeder Tod hat eine Geschichte taucht in den insgesamt vier Episoden in jeweils eine andere Dekade ein. So erzählt das erste Segment die Geschichte vom unrühmlichen Ende einer Taschendiebin in den 50ern, während das Segment der 60er sich die Zeit der freien Liebe und Emanzipation zu eigen macht. Die Geschichte der 70er-Jahre ändert erstmals spürbar den Rahmen, als Montgomery Sam von dem Ehepaar Owens erzählt. Als Sam sich dann jedoch beschwert, dass seine Berichte zu vorhersehbar wären und einem bestimmten Schema folgen, ist es an ihr, ihre eigene Geschichte zu erzählen.

In jeder Geschichte darf es gern etwas mehr sein

Spindell ist es gelungen, mit jedem Segment immer das berühmte Schippen draufzulegen. Während die Episode um die Taschendiebin ein kurzer, aber unterhaltsamer Auftakt ist, offenbart der Film bereits in der folgenden Episode, dass Spindell nicht vor auf den ersten Blick absurden Idee zurückschreckt. So gleitet die Erzählung um den College-Studenten Jake nicht ins Lächerliche ab, sondern bewegt sich auf einem amüsanten Level. Zugeben, in dieser Episode kommt es eher auf die Moral der Geschichte an, denn auf den Gruselfaktor, dennoch macht bereits mit diesem Segment deutlich, welch Ideenreichtum in dem Film steckt.

Den Gruselfaktor schraubt Spindell dann erstmals mit der Geschichte um die Owens spürbar hoch. Es wird sichtlich blutig, jedoch driftet The Mortuary - Jeder Tod hat eine Geschichte nie ins Splatter-Genre ab. Stattdessen überrascht das Drehbuch mit einem überraschenden Comedy-Timing und zaubert Absurditäten aus dem Hut, mit denen das Publikum nicht wirklich rechnen konnte. Zudem schafft der Film es besonders in diesem Segment, den Zuschauer dazu zu bringen, die eigene Moral zu überdenken. Wie weit würde man selbst gehen, wenn es scheinbar keinen anderen Ausweg gibt? Wozu ist man selbst fähig, wenn es um den Menschen geht, den man liebt? Und wie bindend ist eigentlich so ein Eheversprechen? Es sind in der Tat nicht die blutigen Momente, die einem hier die Gänsehaut verursachen, sondern das Bewusstsein darüber, dass man sich unwillkürlich mit Wendell Owens, dem Ehemann, identifiziert.

Babysitter trifft auf Psycho-Killer? Gern!

In der finalen Geschichte fährt Spindell dann alles auf, was das Publikum von einem guten Horrorfilm erwartet. Hierfür hat er die klassische Babysitter-Geschichte gewählt, in der ein Babysitter alles macht, um das Kind vor einem Psychopathen zu schützen. Und ab da liefert der Film alles, was das Horrorherz begehrt. Entschlossene Babysitter, Verfolgungsjagden durch ein Haus, Gegner, die sich bis auf das Blut bekämpfen und alles als Waffe hernehmen, das Aufbäumen einen vermeintlichen Toten … und einen Überraschungsmoment, der so nicht zu erahnen war und hervorragend funktioniert.

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Spindell ist es zudem gelungen, jede Rolle treffend zu besetzen. Clancy Brown überzeugt als mysteriöser Leichenbestatter Montgomery Dark, der ein unidentifizierbares Alter hat und durch das verwinkelte Haus schlurft. Zudem beweist Brown, warum er sich in der Videospielbranche (Crash Bandicoot, Detroit: Become Human) einen Namen gemacht hat. Seine tiefe Stimme trägt gemeinsam mit seiner Körpergröße dazu bei, dass allein der Anblick von Dark reicht, um ein wohliges Gruseln zu erzeugen.

Caitlin Custer gibt hier als Caitlin Fisher ihr Spielfilmdebüt. Glücklicherweise ist ihre Rolle nicht das typische weibliche Klischee (schreien, hilf- und vor allem kopflos wegrennen), vielmehr ist Sam eine intelligente und vor allem furchtlose Frau, die Custer gelungen darstellt.

In den Nebenrollen der einzelnen Segmente überzeugen vor allem Christine Kilmer (Hollywood) als Taschendiebin Emma, Jacob Elordi (Euphoria) als Collegestudent Jake, Ema Horvath (The Lord of the Rings (Serie)) als Jakes Love Interest Sandra sowie Barak Hardley (What lives inside) als Wendell Owens.

Augen- und Ohrenschmaus

Ebenfalls gelungen ist die Optik des Films. Jedes Segment hat seine eigene Farbgebung und sorgt damit für die jeweilige Grundstimmung. So tragen die Beige- und Brauntöne in der Geschichte um die Eheleute Owens maßgeblich zur bedrückenden Atmosphäre bei. Beachtlich ist auch die Entscheidung, die Kameralinsen zu wechseln, um den Zuschauer vor allem in der Babysitter-Geschichte vollends in den Bann zu ziehen. Sobald bei einer Figur das Adrenalin hochfährt, kommt eine Fish-Eye-Linse zum Einsatz und visualisiert den Tunnelblick, den viele Menschen unter hohem Stress entwickeln. Passend dazu ist auch der Ton gedämpft, mitunter verzerrt.

Abschließend ist auch die gelungene Schnitttechnik erwähnenswert. Manch schneller Schnitt sorgt dafür, dass Gore und Splatter keine Chance haben. Zwar bekommt das Publikum Dinge zu sehen - bevor es jedoch zu viel gesehen hat, erfolgt ein schneller Schnitt auf eine andere Kameraperspektive. Und es ist zudem erfrischend, dass ein erbitterter Kampf in der Babysitter-Geschichte nicht ins kleinste Detail ausgeleuchtet und dargestellt wird, sondern mit schnellen Schnitten in Mischung mit Slow-Motion-Sequenzen überzeugt.

Fazit

Mit The Mortuary Collection - Jeder Tod hat eine Geschichte feiert Ryan Spindell ein gelungenes Spielfilmdebüt. Die Geschichte ist intelligent erzählt, wartet mit Überraschungsmomenten auf und ist zudem optisch brillant inszeniert. Definitiv der richtige Film, um die Halloween-Saison vollends einzuläuten.

THE MORTUARY – JEDER TOD HAT EINE GESCHICHTE Trailer (Deutsch)

The Mortuary Collection - Official Trailer [HD] | A Shudder Original

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That Hope is You, Part I - Kritik zu Star Trek: Discovery 3.01

SPOILER

Nach gut anderthalb Jahren fliegt die Discovery wieder auf in neue Abenteuer. Wie schon beim Finale der zweiten Staffel führte Olatunde Osunsanmi für Star Trek: Discovery 3.01 Regie. Mit “That Hope is You, Part I” (Ein Zeichen der Hoffnung, Teil I) gelingt ein durchaus vielversprechender Staffelauftakt, der ein wenig wie ein Neuanfang wirkt.

Autsch, das tat weh

Bislang wurde ja gerne der unsympathische Charakter von Michael Burnham, ihr ständiges Geflenne und das facettenarme Schauspiel von Sonequa Martin-Green kritisiert - auch wenn es dazu geteilte Meinungen gibt. Umso erfreulicher, dass beiden in dieser Episode nicht einfach nur viel Handlung und Screen-Time, sondern eben auch Raum zum Atmen und Entfalten zuteil wurde. Martin-Green kann, wenn man sie lässt.

Zwar sieht man Burnham auch diesmal nach wenigen Minuten wieder weinen - das aber aus sehr verständlichen Gründen und mit ergreifend dargestellter tiefer Vielschichtigkeit. Nicht jeden Tag fällt man weit weg von Zuhause auf sich alleine gestellt mit einem Zeitsprung von 930 Jahren aus einem Wurmloch auf einen fremden Planeten und nimmt auf dem Weg einen Raumschiff-Unfall mit - ohne jetzt auch noch alle Erlebnisse der letzten zwei Staffeln aufzuführen. Zwar ist es nicht wie gehofft und angepeilt Terralysium, sondern der Planet Hima geworden - aber sie hat überlebt und die Scanner melden vielfältige Lebensformen. Neben Weinen aus Schmerz, Erschöpfung und Alleinsein also auch aus Erleichterung, weil der Hauptkern der Mission - Control besiegen und von der Auslöschung allen Lebens abhalten - geglückt scheint. Und da wusste sie noch nicht mal, dass sie später am Tage noch von einem Trance-Wurm verschluckt und wieder ausgespuckt wird ...

An dieser Stelle möchte ich gar nicht mehr viele Worte über den Roten-Engel-Anzug verlieren. Möge er noch die nötigen Daten an die Discovery senden und sich dann wie angewiesen selbst zerstören. Bye, Felicia. Meinethalben kann er ja in ein paar Jahrzehnten in irgendeiner neuen Trek-Serie als Relikt aus dem Kanon wieder auftauchen.

Zwar kommt mir Burnham nach dem Himmelssturz etwas zu unbeschadet daher, allerdings ist der Wechsel hin zum Sternenflottenoffiziersmodus, den sie zu nutzen weiß, um sich überhaupt zum Aufstehen und Weitermachen zu motivieren, sehr gelungen und ja, auch emotional berührend. Ein kurzes Sammeln nach dem Crash und dann die antrainierte Routine: Schlüssel, Handy, Portemonnaie beziehungsweise Abzeichen, Phaser, Tricorder, Notnahrung - auf ins Unbekannte.

Howdy, Fremder!

Burnham hat aber auch echt immer Glück. Bei allen möglichen Zufällen kracht sie ausgerechnet in das Raumschiff eines Typen, der ihr noch voll nützlich wird, dabei wahnsinnig gut aussieht und sich nach ein wenig hübschem Kampfgeschehen auch noch sehr leicht davon überzeugen lässt, sich ihrer (missmutig) anzunehmen.

Cleveland “Lando” “Book” Booker-Solo ist der ausgewählte Erklärbär und Reiseführer in diese für uns alle neuen Welt. Sein eigentlicher Job ist Kurier beziehungsweise Artenschützer, wie wir später erfahren. Dafür stiehlt er gerne mal wertvolle Frachten und ist entsprechend gefühlt permanent auf der Flucht vor den von ihm Gehörnten. Cosmo, der Space-Ork/Betelgeusian, spielte übrigens Doug Jones’ Kollege David Benjamin Tomlinson, der in Discovery unter anderen schon als Linus zu sehen war.

Hoffentlich bleiben uns Books Schiff “Nautilus” (eine eigenartige Mischung aus Apple-Store und Luxusautohaus nebst Zigarrenbar) sowie Grudge, die Maine-Coone-Katze mit Schilddrüsenunterfunktion und Königinnen-Status (Gestaltwandler? Alien? Da kommt doch noch was!), erhalten. Book jedenfalls dürfte ein neuer Hauptcharakter/Ersatz für Tyler/Voq sein und Burnham von nun an ein wenig begleiten.

Vielleicht finden wir auf diesem Weg auch noch mehr darüber heraus, was er ist und wieso er so toll leuchten und Wasser sowie Pflanzen bändigen kann. Für den Anfang gebe ich mich mit “ist eine genetische Mutation, und weil ich anders bin, hat mich meine Familie verstoßen” und Future-for-Future-Aktivist zufrieden.

Schönes Island

Wow, Reykjavík hat sich prächtig entwickelt. Wobei man den Look einer generischen Sci-Fi-Großstadt à la Blade Runner und Fünften Element halt schon mögen muss. Auf der Suche nach Ersatzteilen für den defekten Antrieb macht sich Book mit Burnham auf zu einem der Kurier-Umschlagplätze, der zumindest in diesem Fall von Orionern und Andorianern gemeinschaftlich betrieben wird.

Auch wenn sich alles einen Hauch mehr nach Star Wars anfühlt, so ist das rege Treiben bekannter Aliens aus dem Trek-Universum - etwa Tellariten und Lurianer als Handlanger - in einem sehr kapitalistisch geprägten (Schwarz-)Marktumfeld ein spannender Handlungsort. Gerade weil man hier nicht mit hochrangigen Offizieren und Diplomaten zu tun hat. Schon die wenigen winzigen Einblicke in den Alltag der Arbeiter (“Das dauert wieder so lange”, “Sollen wir erstmal ein Sandwich essen gehen?”) sind ein gern gesehenes Schmankerl.

Burnham als (etwas spleenigen) Fan von quasi “Living History” und Händlerin antiker Gegenstände zu verkaufen, ist ein durchaus amüsanter Schachzug, um gar nicht viel Zeit auf die Erklärung zu verschwenden, wieso sie zur Zeit unpassend und aus der Welt gefallen zu sein scheint. So lässt sich das einfach und fix in die laufende Geschichte mit einbinden.

Auch wenn es Drogen dazu braucht, aber Burnham im Redeschwall, lachend ob ihrer angestauten Verwirrtheit zu sehen, ist nicht nur eine nette Abwechslung, sondern zudem sehr schön in Szene gesetzt und gespielt. Trotz Warnung würde ich nun aber doch auch gerne Tilly unter Einfluss des Sprays erleben.

Von spannenden Handlungs- zu schicken Drehorten: Nicht nur Burnham, auch die Produktion hat es in neue Welten geführt. Gruppenausflug mit Außenmission in Island war angesagt. Und man weiß die Insel zu nutzen. Hinter einem Wasserfall in uriger Landschaft kommt so ein Sci-Fi-Kampf (inklusive Mega-Man-Kanonen-Arme) nochmal besonders gut, und natürlich tauchen Burnham und Book in eine der blauen Lagunen und warmen Quellen ein, nachdem sie schon durch die Weite des schwarzen Vulkangesteins gelaufen sind.

Hoffnung ist eine mächtige Kraft

Springen wir am Ende noch einmal an den Anfang - die Episode startet mit einer Einstiegsszene, die erst einmal im Raum stehen gelassen wird und ein wenig nach Black Mirror anmutet. Es stellt sich heraus: Es handelt sich um Aditya Sahil (Adil Hussain), der seit vier Jahrzehnten die Tradition seiner Familie fortführt und als einer der letzten verbliebenen Föderations-Anhänger auf einer mehr oder minder verlassenen Station die Stellung hält.

Im Verlauf der Folge erfahren wir, dass es vor etwa 100-200 Jahren zum großen Knall “The Burn” kam: Nahezu alles Dilithium ist spontan und zeitgleich explodiert. Da Dilithium in jedem Warp-Kern enthalten ist, sind entsprechend quasi alle Föderations-Schiffe komplett zerstört und viele Tote zu beklagen. Das hat weitreichende Folgen: Reisen über weite Entfernungen ist nur noch schwer, sehr langsam oder auch einfach gar nicht möglich. Selbst Langstreckensensoren sind nicht mehr existent oder zumindest selten. Die Föderation hat sich noch bemüht, bestehen zu bleiben. Aber im allgemeinen Chaos und weil zwischen den meisten Sektoren keinerlei Kontakt mehr besteht, ging sie unter - nur vereinzelte “wahre Gläubige” halten an der Föderations-Idee fest.

Nun könnte man vermutlich die Idealisierung einer militärischen Hierarchie unter Aufgabe des eigenen Selbst nebst Glorifizierung von Fahnen sowie die ordentliche Portion Pathetik kritisieren. Ändert allerdings nichts daran, dass Sahil und auch Burnhams Ausführungen darüber, dass die Föderation mehr ist als nur Schiffe, für mich komplett funktionieren - dann lasse ich mich auch gerne mit derlei Schmalz verführen und rühren.

Fazit

Es war eine gute Entscheidung, sich erst einmal auf wenige Figuren und einen Handlungsstrang zu konzentrieren, um in der neuen Staffel/Welt anzukommen. Es hilft ungemein, dass Martin-Green und Ajala alias Burnham und Booker sowohl im Schauspiel als auch als Charaktere sofort überzeugen und harmonieren.

Mit sichtbar hohem Produktionsaufwand und in sich stimmiger Erzählung gelingt ein vielversprechender Staffelauftakt. Es braucht Hoffnung. Nicht nur darauf, dass die Serienmacher mit dem Zeitsprung die Kurve tatsächlich bekommen und Discovery neu durchstartet.

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Kritik zu Star Wars: Squadrons - Und ich flieg' wie ein X-Flügler

Zu einer Zeit, als Star-Wars-Videospiele noch nicht ausschließlich seltene Veröffentlichungen des Publishers Electronic Arts (EA) waren, gehörten die Flugsimulationen in den Raumschiffen mal zu den ganz großen Titeln am Spielehimmel. Die nach den jeweiligen Modellen benannten Spiele X-Wing und TIE Fighter sind 1993 und 1994 erschienen, doch für den Glanz der vergangenen Tage sprechen digitale Versionen und die wiederkehrende Benennung in Bestenlisten von Star-Wars-Videospielen und sogar Flugsimulatoren im Weltraum. Doch modernere Titel mit diesem Fokus existieren quasi nicht, der Markt ist aber definitiv vorhanden, wie die finanziellen Erfolge der Genre-Riesen Elite Dangerous und Star Citizen beweisen können. Trotzdem hat es viele überrascht, dass EA mit der Ankündigung von Star Wars: Squadrons den Weg eines etwas günstigeren Spin-Offs der Battlefront-Reihe gegangen ist. In den Titeln war der Kampf im Cockpit stark vereinfacht - kann Squadrons auch das Herz von Simulationsfans zurückerobern?

Im Gegensatz zum Erfolgsrezept Lichtschwert gibt es keine Action, bei der sich die Gegenspieler näher als 50 Meter kommen. Doch das Spiel nimmt sich einen Aspekt, den auch viele andere aktuelle Medien in einer weit, weit entfernten Galaxie seit einigen Jahren auffällig häufig beachten und ignoriert die Prequel-Trilogie. Damit geht es vor allem mit TIE-Fightern und X-Wings in die luftleeren Höhen - ganz klassisch Imperium gegen Rebellen-Allianz. Spieler können gegeneinander antreten oder auf beiden Seiten in der Kampagne eine - nicht großartig überraschende, aber dennoch zufriedenstellende - Geschichte erleben. Doch was das Spiel in allen Spielmodi schnell hervorragend inszeniert, ist das Gefühl, Star Wars zu erleben. Am besten lässt es sich mit der Sekunde beschreiben, in der ein Fan im Kino sitzt und eigentlich nicht von den Trailern überzeugt war, aber mit dem Beginn des Opening-Crawls und den ersten Noten der Musik wieder voll dabei ist.

Im Schatten eines Photonentorpedos

Doch bevor der Spieler Platz im Cockpit eines Raumjägers nehmen darf und mit enormer Geschwindigkeit in die unendlichen Weiten abhebt, geht es an einen Charakter-Editor. Weil die Kampagne Lust auf Imperium und Rebellen-Allianz machen soll, kann für jede Seite jeweils eine Figur aus einer kleinen Auswahl an Gesichtern, Körperformen und Stimmen erstellt werden. Das ist verwirrend, weil es mehr zu einem Rollenspiel passt und hat danach auch keine großen Auswirkungen - so wird der eigene Charakter ausschließlich mit seinem Rufzeichen angesprochen. Der Rest der Besetzung sind etwas ausgereifter und füllen den Rest der etwa zehnstündigen Handlung mit genug Emotionen, um den Spieler bei Laune zu halten. Sehr holprig wird allerdings der Einstieg. Hier greifen die Autoren in die abgenutzte EA-Trickkiste der Star-Wars-Handlungen und lassen einen imperialen Piloten zur Realisierung kommen, dass seine Fraktion womöglich eine sehr dunkle Seite hat.

SW Squadrons Dogfight

Nach dem Start erklärt ein gewisser dunkler Sith-Lord in Atemnot mit obligatorisch dilettantischer Propaganda, wie Alderaan von einer gewissen Raumstation zerlegt wurde und Flüchtlinge aufgespürt und eliminiert werden sollen. Diese verstecken sich an einem Schmugglerhafen, den das Imperium aus unbekannten Gründen relativ frei operieren lässt. Der vorgesetzte Squad-Leader wandelt damit plötzlich seine Meinung und verrät den Spieler während der Mission. All die Jahre als Veteran des Imperiums hat er von den Schandtaten des Imperiums wohl nichts mitgekriegt, anders ist der plötzliche Sinneswandel kaum zu begründen. Die Rebellen fliehen, und eine wütende Kollegin ist nicht erfreut darüber, dass ihr ehemaliger Befehlshaber unschuldige Flüchtlinge vor Folter und Tod gerettet hat.

Lord Vader, are we the baddies?

Auch Jahre später nach dem Fall des Imperators ist die imperiale Pilotin, inzwischen ein hohes Tier in den Überbleibseln der imperialen Rangordnung, immer noch wütend. Ihr abtrünniger Kollege unterstützt inzwischen die Neue Republik. Auf der Spur eines geheimen Projektes, was die Balance der Nachkriegszeit entscheidend verändern könnte, geraten die beiden ehemaligen Kollegen erneut aneinander. Der Aufhänger ist nicht sonderlich kreativ und gibt sich auch keine Mühe, besonders sein zu wollen. Das vorletzte Star-Wars-Videospiel, Battlefront 2, drehte sich ebenfalls um eine übergelaufene imperiale Agentin, in der Vergangenheit sind viele Autoren im erweiterten Universum einen ähnlichen Weg gegangen. Squadrons wird dann interessant, wenn eine Seite die Auswirkungen der zuletzt gespielten Mission einer anderen Seite zu spüren bekommt, doch das Imperium als faschistisches Regime zu durchleuchten, schafft das Spiel nicht wirklich.

Aber all diese Aspekte können eigentlich nebensächlich sein, wenn die Missionen doch ein Vehikel sein können, um den Spieler wild herumfliegen zu lassen. Und je nach Plattform klappt das hervorragend - genauer gesagt je nach Eingabegerät. Die Steuerung auf Controllern ist intuitiv und vereinfacht, lässt sich aber auf allen Plattformen in den Einstellungen je nach Geschmack umstellen. Wer sich nur auf der Couch ausbreiten und ein paar dreckige Rebellen in die Luft jagen möchte, muss nicht lange nachdenken und kann mit allerhand Schiffsmodellen loslegen. Doch auch Spieler, die mit voller Immersion am liebsten direkt im Cockpit sitzen wollen, können das Optionsmenü voll auskosten. Am besten spielt sich Squadrons nach einigen Tests mit den sogenannten Flight Sticks, die durch die Veröffentlichung des Spiels weltweit im Preis gestiegen sind.

SW Squadrons Empire

Schlecht schneidet dagegen die Maus als Joystick-Ersatz ab. In einer noch schnelleren und sensiblen Variante der Helikopterkontrollen aus GTA V ist Fingerspitzengefühl angesagt, auch wenn der Erfahrung nach die Controller einen präziseren Flug ermöglichen. Doch gut absolvierte Manöver sind in Squadrons nur die halbe Miete. Die Energie des Schiffes muss mit Ressourcen genau im Auge behalten werden, genau wie die Beschleunigung des eigenen Schiffes. Mit schnellem Knopfdruck können Ziele gewechselt und den Kameraden Befehle erteilt werden. Ein Verfolger wird so nicht nur ausmanövriert, sondern auch unerwartet in die Zange genommen, wenn der Spieler denn so entscheidet. Auch hier helfen die erweiterten Einstellungen eine passende Spielweise zu finden - damit Simulations-Veteranen und auch Neulinge passende Herausforderungen erleben können.

Fazit

Star Wars: Squadrons bringt ein Genre unerwartet in den Vordergrund, ganz ohne Schnickschnack und mit einem vergleichsweise günstigen Preis. Die Balance für Simulationsfans und neuen Spielern zu finden war sicher nicht einfach, doch welcher Angestellte bei EA den Pitch vorgetragen hat, beide Seiten mit optionalen Einstellungen bei Laune halten zu wollen, dem gehört von einer galaktischen Prinzessin eine Medaille verliehen. Die simple Idee funktioniert, Potential verschenkt hingegen die oberflächliche Kampagne. Doch eigentlich ist es auch sehr oberflächlich, in einem digitalen X-Wing-Cockpit zu sitzen und sich diebisch darüber zu freuen. Aber vielleicht hat der fiktionale Angestellte bei EA auch genau darauf gesetzt.

Star Wars: Squadrons ist für PlayStation 4, Xbox One und PC erhältlich.

zusätzlicher Bildnachweis: 
© EA

Star Wars: Squadrons – Official Reveal Trailer

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Es hätte schlimmer kommen können - Kritik zu Hubie Halloween

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Hubie Dubois (Adam Sandler) sorgt in seinem Heimatort Salem jedes Jahr dafür, dass die Bewohner der Stadt Halloween sicher feiern und sich an die Regeln halten - wofür ihm niemand dankt. Dann jedoch sorgen ein entflohener Krimineller und ein geheimnisvoller Nachbar für erhöhte Alarmbereitschaft bei Hubie. Als dann noch Menschen verschwinden, liegt es an Hubie, die Polizei (Kevin James, Kenen Thompson) davon zu überzeugen, dass Monster wirklich existieren und nur er sie stoppen kann.

Eigentlich hatte Hauptdarsteller Adam Sandler versprochen, “absichtlich den schlechtesten Film aller Zeiten” zu drehen - hierzu hatte er Hubie Halloween auserkoren. Und bereits in der ersten Viertelstunde scheint es, als würde Sandler, der auch für das Drehbuch verantwortlich zeichnet, alles an Pipi-Kacka-Kotz-Penis-Humor auffahren, was nicht bei Drei auf den Bäumen ist. Schon in Minute zwei wird das erste Mal gekotzt, knappe fünf Minuten später wird das erste Mal gefurzt, nur eine Minuter später wird über einen Penis-Witz ein Running Gag für den Film gestartet und danach heißt es nur noch schlappe drei Minuten auf den ersten Pinkel-Witz warten.

Somit wäre es den wenigsten zu verübeln, die entnervt an dieser Stelle Hubie Halloween abbrechen, da diese Art von Humor schon sehr speziell und in der Regel auch mehr als flach ist. Wer jedoch durchhält, dürfte von der Geschichte rund um Hubie überrascht sein.

Kotz-Furz-Penis-Humor? Und das alles in der ersten Viertelstunde? Läuft!

Denn Hubie ist vom Prinzip her ein dummer Naivling, dem seine Heimatstadt Salem am Herzen liegt - und natürlich sieht Hubie sich bereits seiner Kindheit täglich üblen Mobbingattacken ausgesetzt. Wo manch andere Figuren vermutlich Rachepläne geschmiedet hätten, radelt Hubie gut behütet durch seinen Fahrradhelm mit Mini-Rückspiegel fast fröhlich durch Salem, weicht den buchstäblichen Attacken routiniert aus und sorgt sich weiterhin um das Wohlergehen der Bürger seiner Stadt.

Zugegeben, darstellerisch ist die Rolle für Sandler damit keine große Herausforderungen. Typen wie Hubie hat er mehr als einmal gespielt, sodass er darin leidlich Routine haben sollte. In diesem Falle ist es für den Film jedoch eine glückliche Fügung, da damit die Hauptfigur nicht auf den Nervfaktor reduziert wird, sondern mit ihrer liebenswerten Tollpatsch-Art überzeugen kann. Es funktioniert sogar so gut, dass noch nicht einmal Hubies treuer Begleiter - seine Thermoskanne - grundsätzlich stört, sondern man eher darauf gespannt ist, was er noch alles mit dieser ungewöhnlichen Kanne anstellen kann.

Sobald sich der Film von dem platten Humor etwas löst, funktionierend die Gags sogar erstaunlich gut. Die Dichte an Harley-Quinn-Kostümen ist amüsant hoch und zieht sich durch die Altersgruppen; und nach einigen Szenen freut man sich fast darauf, welches T-Shirts Hubies Mutter, dargestellt von June Squibb, nun präsentiert.

Jigsaw trifft bei Nebel auf Ghostface in der Elm Street

Der beste Kniff für Hubie Halloween war jedoch, zig liebevolle Anspielungen auf Klassiker des Genres einzubauen. So verstecken sich Scream, Saw, Halloween, A Nightmare on Elm Street, The Fog und mit gutem Willen vielleicht auch ein Schuss Psycho in dem Film.

Das Ensemble trägt letztendlich den größten Anteil daran, dass der Film nicht in einigen Albernheiten versinkt. Kevin James ist Officer Steve Downing mit einem formschönen VoKuHiLa und der unvermeidlichen Piloten-Sonnenbrille ausgestattet und spielt das Klischee eines ehemaligen High-School-Football-Stars in allen Facetten aus. Julie Bowen ist Hubies heimliche große Liebe Violet Valentine. Zwar hat ihre Rolle einige Fremdschäm-Momente, aber Bowen schafft es, dass ihre Figur nicht komplett ins Lächerliche abdriftet. Am meisten hervor sticht jedoch Steve Buscemi, der anscheinend alles überzeugend darstellt, was man ihm vor die Nase setzt.

Am Ende wartet Hubie Halloween sogar noch mit einem gelungenen Plottwist auf. Jedoch büßt dieser Moment dann mit der unvermeidlichen und vorhersehbaren Botschaft ein bisschen was ein. Etwas weniger hätte dem Film in der finalen Phase gut getan.

Fazit

Das Ziel, den schlechtesten Film aller Zeiten zu drehen, hat Sandler nicht erreicht - wobei die Messlatte dank The Room auch ziemlich hoch liegt. Zwar hat Hubie Halloween durch zahlreiche Pinkel-Furz-Witze den zu erwartenden und nervenden Blödelhumor das Potential dazu, jedoch überzeugen einige Twists und Gags dann genug, dass der Film kein Totalausfall ist und sich eher im Mittelfeld bewegt. Wer nicht in der ersten Viertelstunde aufgrund der Gags, die unter die Gürtellinie geht, abschaltet, weiß: Es hätte schlimmer kommen können.

Hubie Halloween | Official Trailer | Netflix

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Kritik zu Peninsula – Zombies ohne Abstand und Anstand

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Die Zombies reagieren auf das ferngesteuerte blinkende Spielzeugauto

Vier Jahre sind seit den Geschehnissen vergangen von Train to Busan. Die südkoreanische Halbinsel ist weitgehend verlassen, viele Bewohner suchen nun Zuflucht in anderen Ländern. Darunter auch der ehemalige Soldat Jung-seok (Gang Dong-won), der Teile seiner Familie bei der Evakuierung verloren hat. Von Hong Kong aus soll er mit seinem Schwager Chul-Min (Kim Do-yun) und zwei weiteren Begleitern einen Lastwagen aus der südkoreanischen Hafenstadt Incheon bergen. Natürlich geht dieser Auftrag schief - Zombies überfallen die Gruppe. Aber Jung-seok entdeckt auf seiner Flucht: Die Halbinsel ist nicht so verlassen wie vermutet.

Zombiefilme während einer Pandemie haben ein eigenes Flair. Die Untoten kommen schließlich meist als weltweite Plage her, die kaum zu stoppen ist, sind hoch ansteckend und halten sich zu allem Überfluss auch an keine Abstandsregeln (vom Masken tragen ganz zu schweigen). Natürlich kann man Peninsula sein Timing schlecht vorwerfen: Gedreht wurde er von Juni bis Oktober 2019, lange vor dem Ausbruch von Covid-19.

Realität ist dann doch manchmal besser

Trotzdem erhält der Film eine etwas seltsame Bedeutungsebene, wenn er knapp ein Jahr später erscheint. Schließlich ist der bereits in Train to Busan angedeutete Zombieausbruch wenig mehr als eine Seuche, auch wenn diese Pandemie sich anscheinend weitgehend auf Südkorea beschränkt hat und keine weltweite Verbreitung fand. Im Gegensatz zur realen Welt, in welcher Südkorea die Covid-19-Pandemie weitgehend erfolgreich durchsteht, sind Staat und Gesellschaft im Film zusammengebrochen.

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06_Die Stadt im desolaten Zustand

Interessant ist dabei: Während der Vorgänger noch eine Geschichte erzählte, die weitgehend auf ein südkoreanisches Publikum zugeschnitten war und somit Themen angesprochen hat, die sich hauptsächlich auf die dortige Gesellschaft bezogen, ist der Nachfolger wesentlich internationaler. Schon im Prolog wird Englisch gesprochen, die Anfangsexposition findet im Rahmen einer wenig stilsicher inszenierten amerikanischen Late-Night-Show statt, und die Handlung um Jung-seok setzt in Hong Kong ein, wohin es viele Exil-Koreaner verschlagen hat.

Peninsula scheint sich seiner globalen Aufmerksamkeit also bewusst zu sein, ist im Herzen aber immer noch ein Produkt der südkoreanischen Filmwirtschaft - was vor allem am Ende deutlich wird, aber dazu später mehr. Allerdings hätte es dem Film wahrscheinlich besser getan, sein Netz etwas weniger breit auszuwerfen: Der Vorgänger profitierte vom begrenzten Handlungsort eines Hochgeschwindigkeitszuges, während Peninsula eine an sich konventionelle Zombiegeschichte erzählt. Das Publikum kann also die gängigen Zombieklischees erwarten: heruntergekommene Städte, verwüstete Straßen, Zombiehorden, verwahrloste Überlebende, Hoffnung in der Endzeit und so weiter. Für Zombiefans mag das Genre-Standard sein und auf gewisse Art auch erfreulich, wer aber ein wenig Anspruch an seine Untotengeschichten hat, der ist vielleicht vom wenig innovativen Handlungsrahmen enttäuscht.

Bunte Lichter, die blinken

Auch die Charaktere und ihre Geschichten bieten wenig Neues: Der Ex-Soldat Jung-seok leidet an seinem von der Flucht ausgelösten Trauma und einem Schuldkomplex, die Mutter Min-jung (Lee Jung-hyun) kämpft mit ihren beiden Töchtern und ihrem Vater ums Überleben und sucht mit Jung-seoks Hilfe einen Ausweg. Die verwahrlosten Ex-Militärs in Zombieland haben ihre Menschlichkeit verloren und versuchen ebenfalls, die Halbinsel zu verlassen. Einziger Lichtblick in den erwartbaren Charakterzeichnungen sind die beiden Kinder Jooni (Lee Re) und Yu-jin (Lee Ye-won). Während Yu-jin mit lärmenden, fernsteuerbaren Spielzeugautos die Zombies ablenkt, überzeugt ihre Schwester mit atemberaubenden Drift-Manövern, die alle Gymkhana-Fans begeistern können.

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Jooni (Lee Re) ist skeptisch

Zumindest könnten sie begeistern. Denn auch wenn diese Action-Szenen wunderbar fesselnd inszeniert sind, hinterlassen sie aufgrund des deutlichen Einsatzes von Computergrafik einen etwas faden Nachgeschmack. Überhaupt ist der Einsatz von Bluescreens und CG-Elementen sehr auffallend und trübt den Eindruck der ansonsten soliden Arbeit von Kamera, Schauspiel und Schnitt. Hier bemerkt man das im Vergleich zu Hollywoods Blockbustern doch recht kleine Budget des Films.

Trotzdem können vor allem die Action-Elemente überzeugen, und in der abschließenden Verfolgungsjagd kommen beinahe Erinnerungen an Mad Max Fury Road hoch. Aber nur fast, denn auch hier stolpert man über den Einsatz von Computergrafik, der den Eindruck der Action etwas schmälert.

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Jung-seok (Gang Dong-won) versucht zu überleben

Leider zieht sich das Ende des Films etwas und erinnert in seiner Tränen hervorprügelnden, Geigen geschwängerten Dramatik beinahe an südkoreanische Fernsehdramen. Den knapp zwei Stunden Laufzeit hätte es gut getan, hier etwas zu kürzen. Immerhin schafft es der Film zu einem runden Ende für seine Hauptcharaktere.

Fazit:

Peninsula bietet solide Zombieunterhaltung mit pandemiebedingtem, seltsamen Beigeschmack. Weder Handlung noch Charaktere sind sonderlich innovativ, können aber auf gutem Niveau unterhalten. Wer unbedingt Zombies braucht, der freut sich über die Untoten, wer sich frischen Wind fürs Genre erhofft wird leider enttäuscht.

Peninsula - Trailer Deutsch HD - Ab 08.10.20 im Kino!

TRAIN TO BUSAN PRESENTS: PENINSULA (2020) Official Trailer | Zombie Action Movie

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Kritik zu Dragon's Dogma: Von Anime-Optik und alter Spielegrafik

Es ist eine Diskussion, die sich viele Netflix-Animeserien gefallen lassen müssen: Können computergenerierte Modelle handgezeichnete Welten ergänzen - oder sogar ersetzen? Am Ende läuft das alles auf eine schwierige Geschmacksfrage hinaus, doch im Falle der siebenteiligen Serie Dragon’s Dogma liegt der Vergleich zum namensgebenden Videospiel von 2012 auf der Hand. Der Titel - ein japanisches Fantasy-Rollenspiel im Stil des europäischen Mittelalters - hat über die vergangenen acht Jahre eine kleine Fangemeinde in der Spielerschaft aufgebaut, aber trotz allerhand Gerüchten und Andeutungen ehemaliger Mitarbeiter noch kein Sequel bekommt. Die Ankündigung der Serie hat somit einige hungrige Münder zum aufhorchen gebracht, aber viele Fans haben nie damit gerechnet, enttäuscht werden zu können. Müssen sie jetzt diese Erfahrung machen?

Dazu muss auch die grundsätzliche Frage gestellt werden, ob eine animierte Serie überhaupt zu einem Videospiel passt - oder ob diese Umsetzung weg von der Interaktivität überhaupt nötig war. Denn Dragon’s Dogma bietet keine epische Fantasy-Geschichte, die sich einfach nacherzählen lässt. Die Erzählung war immer eher eine Nebensache, Standardkost mit einer bekömmlichen Wendung - sollte der Spieler das Ende sehen. Davor rückt aber klar das Gameplay in den Vordergrund, bekannt auch dafür, dass Spieler größere Monster wie Greifen, Zyklopen oder eben Drachen während des Kampfs zu beklettern können, um an Schwachpunkte zu kommen. Die Schöpfer der nur dünnen Umsetzung mit sieben Folgen versuchen das auch aufzugreifen, jedoch mit einer fragwürdigen Vorgehensweise.

Das Monster der Woche. Heute: Der Mensch

Wie im Spiel wird Protagonist Ethan harmonisch vorgestellt. Er lebt mit seiner Frau Olivia in einem wenig bemerkenswerten Dorf, was nach grotesken Visionen von einem riesigen Drachen heimgesucht wird. Damit ist die Rolle von Olivia auch beendet, die vor Ethans Augen verbrannt wird. Mit der neu eingeführten Figur wollen die Serienschöpfer wohl die Motivation des Protagonisten intensivieren, was jedoch eigentlich nicht nötig ist. Denn wie im Spiel reißt das Ungeheuer auch sein Herz aus der Brust, verspeist es und lässt ihn mit einem rachsüchtigen Ziel wiederauferstehen. An seiner Seite steht die kühle Hannah, die ihn nur als “Erweckten” bezeichnet. Die Ritterin selbst gehöre aber zu einer Gruppe namens “Vasallen”, die ihm bedingungslos dienen. Und genau an dieser Stelle weicht die Serie vom Videospiel ab - die Integration der eher als Spielmechanik taugenden, austauschbaren Vasallen bleibt weitgehend ohne Kontext. Vermutlich musste einfach eine weitere Frau her, nachdem Olivia für ihren Mann geopfert wurde.

Dragon's Dogma Pawn

Anschließend bleibt die Handlung um den Drachen quasi bis zur finalen Folge aus, stattdessen wird das bekannte “Monster der Woche”-Format adaptiert. Auch trägt jede Folge den Namen einer Todsünde, was zum Inhalt kaum und zur Vorlage so gar nicht passt. Ein übergreifendes Thema ist Menschlichkeit, denn das echte Monster hat am Ende dann doch keine Klauen und Flügel sondern zehn Finger und sanfte Haut. Auch dieses Prinzip wurde eher mäßig umgesetzt, so ist zwischen Kampfsequenzen und unumgänglichen Toden von Nebencharakteren kaum Platz für ein übergeordnetes Motiv. Dafür gibt es neben der Folge “Lust” mit obligatorischem Sukkubus viel nackte Haut, Vergewaltigungen und brutales Blutvergießen. Mit diesen Neueinführungen gegenüber des Spiels versuchen die Drehbücher wohl finsterer und erwachsener zu werden, wirkt an vielen Stellen aber eher plump, abstoßend und sogar albern.

Ist das eine Hauttextur oder kann das weg?

Statt dreidimensionale Oberweiten zu animieren und für viele weibliche Charaktere zweite, nackte Modelle zu texturieren, hätten viele Beteiligten vielleicht ihre Werke von einer gesunden Entfernung betrachten sollen. Im besten Fall einem Schritt acht Jahre zurück zur veralteten Grafik des Videospiels. Diese sieht nämlich im direkten Vergleich meistens besser aus. Oft ist das so wesentlich, dass beispielsweise gerade der so wichtige Drache fast wie eine Parodie seiner selbst wirkt. Manche Texturen wirken “matschig”, passen also kaum zu anderen Objekten, mit denen sie sich gerade in einer Szene befinden, andere Hintergründe passen aber adäquat ins Bild. Offensichtlich kommen die Inhalte nicht aus einem Guss, was nicht immens stört, aber für visuelle Verwirrung sorgen kann, wenn der Betrachter - etwa in einem Kampf -  versucht, den Überblick zu behalten.

Bekömmlicher ist hingegen die Regie, auch Kamerafahrten machen oftmals das Beste aus den vorhandenen Mitteln. Wenn Ethen gegen Zyklop, Hydra oder Greif antritt, glänzt die Serie mit Abstand am meisten. Wie auf der Playstation klettert der muskulöse Held an Beinen, Schuppen und Gefieder entlang, um den Bestien aus dem Nahkampf tödliche Schläge zukommen zu lassen. Die Animationen sind stimmig und wirken organischer als in anderen CGI-Serien. Im negativen Sinne erinnern die Bewegungen aber an Videospiele, wenn es um die Interaktion, oder mehr Kollision zwischen zwei Charakteren oder Objekten geht. Wenn Finger ein Schwert nicht umgreifen, sondern auch ein wenig in den Griff sinken oder lange Haare teilweise in der Kleidung verschwinden, nennt man “Clipping”. Das passiert in der Serie vor allem bei Berührungen zwischen Charakteren oder Monstern, was zwar nicht erheblich stört, aber das Gesamtbild auch nicht verbessert.

Dragon's Dogma Cyclops

Fazit

Es sind nur sieben 25-minütige Folgen, doch zwischen erschreckend brutalen Szenen, Nacktheit und gewöhnungsbedürftiger Optik stellt man sich als Zuschauer von Dragon’s Dogma eine Frage: Für wen genau ist dieser Anime eigentlich? Fans werden daran keinen Spaß haben, Neueinsteiger fragen sich, was genau diese obskure Adaption bedeuten soll und auch die Schöpfer scheinen ohne eine wirkliche Vision volle Fahrt ins Lizenz-Chaos gesteuert zu sein. Dass Umsetzungen ohne großartig komplexe Grundlagen alle Seiten glücklich machen, können zeigt Castlevania eindrucksvoll mit inzwischen drei Staffeln, doch Dragon’s Dogma dürfte Netflix’ Euphorie etwas dämpfen und die Verantwortlichen zukünftig hoffentlich vorsichtiger lizenzieren lassen.

zusätzlicher Bildnachweis: 
© Netflix

Dragon's Dogma | Official Trailer | Netflix

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Kritik zu Mulan: Kung-Fu-Kaiser und Konsorten

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Mulan Movie Still

Im irgendwie mittelalterlichen China lebt Mulan (Liu Yifei) mit ihrem Vater, ihrer Mutter und ihrer jüngeren Schwester. Als der chinesische Kaiser (Jet Li) Rekruten für einen Feldzug gegen plündernde Reiternomaden einzieht, soll auch Mulans Vater in die Armee. Für ihn würde dies jedoch den sicheren Tod bedeuten, schließlich ist er zum Gehen auf einen Stock und eine Manschette angewiesen. So fasst die junge Frau Mulan den Entschluss, sich als Mann namens Jun zu verkleiden und in den Krieg zu ziehen. Im Armeelager wird es zunehmend schwer, die Geheimidentität aufrechtzuerhalten, und Mulan muss sich entscheiden, ob ihre persönliche Ehre wichtiger ist als die Ehre der Familie.

Animationsfilme zu produzieren, ist extrem aufwändig: Ein regelrechtes Heer an Zeichnerinnen und Zeichnern muss die Bewegungen der Charaktere aufs Papier bringen, die Zeichnungen müssen koloriert und abfotografiert werden, und es darf kaum überflüssige Szenen geben – zu teuer wäre es, die Arbeit nicht zu nutzen. Vielleicht ist es heute viel einfacher (und günstiger), Dinge am Computer zu animieren, anstatt viele umfangreiche Kulissen zu bauen. Vielleicht traut sich Disney momentan auch weniger, neues Material zu entwickeln und setzt lieber auf eine sichere Nostalgie-Nummer, um Geld zu machen.

Woran es auch liegen mag: Der riesige Medienkonzern bringt regelmäßig Neuauflagen seiner Zeichentrickfilme heraus, angefangen mit einer Realverfilmung von Das Dschungelbuch aus dem Jahr 1994, richtig an Fahrt hat dieser Prozess aber wohl erst mit der Dschungelbuch-Version von 2016 gewonnen. Nun, knapp 22 Jahre nach dem Zeichentrick-Original und mit einiger Verspätung durch die Covid-19-Pandemie, erscheint Mulan im eigenen Streaming-Portal Disney+ des Medienriesens.

Ohne Otto, aber mit Vogel

Im Wesentlichen wird die Geschichte des Originals erzählt, allerdings fehlt der kleine, in der deutschen Synchron-Fassung von Otto Waalkes gesprochene Drache Mushu, und Mulan verliebt sich auch nicht in ihren Hauptmann Shang, sondern in ihren Armee-Kameraden Chen (Yoson An). Zudem fehlen die Gesangseinlagen, und eine neue Figur namens Xian Lang (Gong Li) tritt auf. Diese ist eine gestaltwandelnde Hexe, die scheinbar dem Reiternomanden-Bösewicht Bori Khan (Jason Scott Lee) dient, aber eigene Pläne verfolgt. Mushu wird übrigens mehr oder weniger ersetzt durch eine Erzählerstimme sowie einen immer wieder auftauchenden Phönix, welcher der Protagonistin den Weg weist.

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Mulan Movie Still

Insgesamt hat Disney die Handlung etwas gestrafft und modernisiert sowie action-reicher gestaltet: Mulan kann ihre Martial-Arts-Künste mehrmals unter Beweis stellen, und es kommt zu einer Schlacht zwischen den kaiserlichen Soldaten sowie den Truppen Bori Khans. Die neuen Charaktere erweitern die Handlung um Mulan etwas, allerdings bleiben die Figuren allesamt etwas flach, Mulan ausgenommen. Xian Lang soll durch ihren inneren Konflikt eine Prise mehr weibliche Perspektive und Emanzipation in die Geschichte einbringen, allerdings wird diese Botschaft, sowohl in ihren Gesprächen mit Mulan als auch in den Szenen mit Bori Khan eher mit dem Holzhammer näher gebracht.

Natürlich hat sich der Film auch sehr vom chinesischen Martial-Arts-Kino beeinflussen lassen: Das merkt man an vielen Einstellungen, den Kulissen und den weiten Kamerafahrten über die mitunter fantastisch wirkende Landschaft Chinas. Allerdings wird deutlich, dass Mulan einen Kompromiss zwischen Sehgewohnheiten aus Asien und Amerika schließen soll, und so wirken die genannten Elemente immer etwas gewollt. Sie sind da, weil sie eben da sein müssen.

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Mulan movie Still

Zudem hätten etwas mehr übernatürliche Elemente dem Film vielleicht gut getan. Wie sonst lässt sich erklären, dass Mulan Reiterkunststücke vollbringen kann, ihre Kameraden am Ende alle (bildlich gesprochen) zu Superhelden mutieren und der Kaiser – natürlich – ein Kung-Fu-Großmeister ist? Das wirkt schlussendlich alles ein bisschen albern.

Weniger politisch, mehr Politik

Und schließlich soll die Botschaft des Films nicht unerwähnt bleiben: Mulan wurde nach seinem Erscheinen für seine emanzipatorischen Grundtenor gefeiert, und Hauptmann Shang mauserte sich zu einer Ikone der LGBTQ+-Gemeinschaft -- sein Interesse an Rekrut Jun alias Mulan wurde als Chiffre für Bisexualität gedeutet. Durch die Aufteilung des Charakters findet man letzteren Aspekt nicht mehr wirklich im Film, und was die feministisch angehauchte Botschaft angeht … Nun ja.

Im Prinzip erzählt Mulan eine emanzipatorische Geschichte über eine Frau, welche mehr leistet und mehr kann als die Männer um sie herum. Am Ende aber erlauben es die Autoren ihrer Protagonistin nicht wirklich, eine Belohnung dafür zu bekommen - sie lassen diesen Handlungspunkt schlicht offen. So bleibt dem Film, der den progressiven Geist atmen soll, den Disney seit einigen Jahren vorgibt zu teilen, letztlich die eigene Botschaft im Halse stecken.

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Mulan Movie Still

Der (wahrscheinliche) Grund: Eine für ein westlich geprägtes Publikum völlig problemlose Auflösung, dass Mulan natürlich mit ihrem Schwarm Chen zusammenkommt und natürlich einen Platz in der kaiserlichen Garde bekommt, entspräche nicht der Erwartung der zunehmend autoritären chinesischen Regierung unter Xi Jinping – denn Frauen sollen auch im modernen China zuerst bitteschön an die Familie denken, bevor sie ihre eigene Karriere angehen. Das Tragische dabei ist, dass eine grundsätzlich positive Botschaft dem Kommerz und einer damit einer autoritären Regierung geopfert wird. Und nirgendwo wird dies deutlicher als bei Mulan.

Freunde der chinesischen Geschichte könnten übrigens etwas enttäuscht werden: Der Film verordnet sich nicht in der langen Geschichte des Reiches und bildet ein Potpourri aus imperialen Elementen der Kulturgeschichte Chinas. Aber immerhin ist das ganz nett anzusehen.

Fazit:

Wer über die politischen Untertöne hinwegsehen kann oder will, der wird feststellen, dass Disney mit Mulan insgesamt solides Filmhandwerk abgeliefert hat, das über seine Laufzeit unterhalten kann. Wer ohne Mushu und Gesangseinlagen nicht leben mag, sollte vielleicht zuhause bleiben kann sich das Geld für die Streaming-Gebühren sparen.

Disney's Mulan | Official Trailer

MULAN // Ab 4. September streamen auf Disney+ | Disney+

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Kritik zu Artemis Fowl: Wie man eine Buchverfilmung gegen die Wand fährt

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Artemis Fowl

Der 12-jährige Artemis Fowl (Ferdia Shaw) ist ein Genie, allerdings hat er auch so seine Probleme mit sozialen Interaktionen. Eines Tages sind jedoch all seine Fähigkeiten gefragt, als sein Vater entführt und gleichzeitig in der Öffentlichkeit als Verbrecher beschuldigt wird. Bei seiner Suche nach einem Weg, seinen Vater zu befreien, stößt Artemis auf ein Elfenvolk, das im Geheimen in einer unterirdischen Stadt lebt. Daraufhin fasst er einen gefährlichen Plan, der ihn auf direkten Konfrontationskurs mit den Elfen und besonders mit der ebenfalls jungen Captain Holly Short (Lara McDonnell) bringt.

Disney macht's wieder

Wer als Buchleser sowohl vertraut mit Percy Jackson als auch mit Artemis Fowl ist, der dürfte beim ersten Trailer zu Disneys Buchverfilmung von Eoin Colfers erfolgreicher Jugendbuchreihe ein Déjà-vu gehabt haben. Die Ausschnitte, die den Zuschauern in der Vorschau präsentiert wurden, hatten so rein gar nichts mit der Handlung der Vorlage oder den vertrauten Buchfiguren gemeinsam. Die Befürchtung vieler Fans, dass Disney erneut die Adaption einer beliebten Buchreihe an die Wand fährt, sollten sich anschließend als berechtigt herausstellen. Was Regisseur Kenneth Branagh in rund 95 Minuten erzählt, mag vieles sein, eine Verfilmung des Buches Artemis Fowl ist es nicht.

Grundsätzlich lässt sich die Frage stellen, warum ausgerechnet Disney sich überhaupt die Rechte an dem Buch sichern musste. Im ersten Band ist Artemis Fowl, also die 12-jährige Hauptfigur, faktisch der Antagonist des Buches und ein tatsächlicher Krimineller, der sich alles andere als edel verhält. Eine Tatsache, die so rein gar nicht zur heilen Familienfilmwelt des Mäusekonzerns passen will. Und natürlich ist davon im fertigen Film kaum noch etwas übrig geblieben. Egal ob Millionen von Fans die Buchvorlage mochten oder nicht, wird ihnen eine Disney-Version von Artemis Fowl präsentiert, in der die Buchfigur zwar gern darüber redet, ein kriminelles Genie zu sein, allerdings streng genommen nie wirklich kriminelle Motive hat - ganz im Gegenteil.

Artemis Fowl Film

Eine Buchverfilmung, die das Buch ignoriert

All die vielen Veränderungen aufzuzählen, welche die Macher gegenüber dem Buch vorgenommen haben, würde hier den Rahmen springen. Grundsätzlich läuft es darauf hinaus, dass die Filmproduzenten die Grundidee des Buches genommen haben, also ein cleverer Junge entführt eine Elfe und legt sich mit einem ganzen magischen Reich an, die Figuren, den Rahmen und die Motivationen aber komplett verändert. Die Fowls sind nun keine Kriminellen mehr, sondern tatsächlich Beschützer der Menschheit; Artemis selbst ist kein schwächlicher Junge, sondern zusätzlich zu seine Dasein als Genie auch ein Kampfexperte, und der Grund für das Kidnapping ist die Tatsache, dass er seinen Vater aus den Krallen der mysteriösen Opal Koboi retten muss.

Mancher Buchleser mag sich an dieser Stelle fragen, was Opal Koboi überhaupt in der Verfilmung des ersten Bandes von Artemis Fowl zu suchen hat. Die Antwort ist einfach: Es wurde schlichtweg ein neuer Antagonist benötigt, da Fowl selbst ja keine Gemeinsamkeiten mehr mit der Romanvorlage hat. Allerdings ist Opal nur als verhüllte Gestalt zu sehen, deren Gesicht nie enthüllt wird. Eine weitere fragwürdige Veränderung, weil sie keinen Sinn zu ergeben scheint. Alle Buchleser wissen ja bereits, wer darunter steckt und für Nicht-Kenner der Vorlage wartet lediglich die potenzielle Enthüllung, dass es eine Figur ist, die sie zuvor nie gesehen haben.

Entscheidungen dieser Art gibt es im Film eine ganze Reihe. Judi Dench spielt beispielsweise eine weibliche Version von Commander Root, und es stellt sich die Frage nach dem Grund. Durch diese Veränderung werden beispielsweise Holly Shorts Hintergrund und Motivation, sich als erste Frau in der Zentralen Untergrund-Polizei zu beweisen, irrelevant. Auch der Auftritt von Juliet Butler fällt in die Kategorie der komischen Anpassungen. In den Büchern spielt sie erst viel später eine Rolle. Jetzt könnte man argumentieren, dass die Macher für mehr Diversität sorgen wollten und daher eine weitere weibliche Figur eingebaut haben. Grundsätzlich in Ordnung, nur hat ihr Dasein auf die Handlung keine Auswirkung. Würde man Juliet aus dem Film herausschneiden, würde es keinen Unterschied machen.

Artemis Fowl Film

Was hat der Film für sich zu bieten?

Die Tatsache, dass Artemis Fowl als Buchverfilmung scheitert, muss nicht notwendigerweise auch bedeutet, dass der Film an sich nicht funktioniert. Trotz der Änderungen hätte ja trotzdem ein guter Film entstehen können. Davon kann aber leider keine Rede sein. Selbst wenn man die Vorlage ausblendet, fällt Artemis Fowl durch. Die erzählte Geschichte wirkt arg konstruiert, kann nicht wirklich überzeugen und hat eine Vielzahl an Logiklöchern beziehungsweise extrem nicht nachvollziehbare Charakterentwicklungen.

Darüber hinaus ist die Exposition extrem auffällig. Die Macher haben sich dafür entschieden, Mulch Diggums als Erzähler fungieren zu lassen, wobei dieser die Geschichte erzählt, während er gerade von britischen Behörden verhört wird. Lässt man einmal die Tatsache außer Acht, dass diese Rahmenhandlung eine ganze Reihe von inhaltlichen Logiklöchern an sich mitbringt, führt sie auch dazu, dass dem Zuschauer wirklich alles vorgekaut, aber nichts gezeigt wird. Ständig erzählt Mulch nur, dass eine Figur eine Eigenschaft hat, der Film zeigt dies aber nicht. Show, don't tell (dt.: "Zeigen, nicht erzählen") ist einer der Basistipps für Filmemacher und Autoren und wird hier praktisch ständig missachtet. Verschlimmert wird die Sache zudem dadurch, dass gern einmal Dinge, welche Mulch dem Zuschauer über die Verhältnisse und Personen erzählen, auch noch mit dem Gezeigten im Widerspruch stehen.

Auch muss man an dieser Stelle auf die schauspielerische Leistung eingehen. Natürlich ist es immer schwierig, junge Darsteller zu kritisieren. Im Falle von Ferdia Shaw muss man aber leider festhalten, dass dieser deutlich überfordert ist mit der Hauptrolle. Grundsätzlich wurden von den Verantwortlichen so einige komische Castingentscheidungen getroffen. Judi Dench haben wir schon erwähnt, aber auch im Falle von Lara McDonnell als Captain Holly Short oder Nonso Anozie als Butler ist das Casting zumindest im diskussionswürdigen Bereich, allein aufgrund der Optik. Holly Short wird in der Buchvorlage beispielsweise als dunkelhäutig beschrieben, während die Darstellerin Lara McDonnell weiß ist. Im Gegenzug hat Butler russisch-japanische Wurzeln, ist im Film jedoch wiederum dunkelhäutig. Hier zeigt sich erneut, wie wenig die Vorlage für die Verfilmung beachtet wurde.

Artemis Fowl Film

Zumindest optisch ganz hübsch

Wenn man Artemis Fowl etwas zugute halten möchte, dann dass zumindest die Optik stimmt. Die Effekte sind tatsächlich sehr gut gelungen und bieten ein paar Schauwerte. Gerade der Zeitstoppeffekt, der im Film eine wichtige Rolle spielt, sieht beeindruckend aus. Allerdings darf der Zuschauer auch hier wieder keine Sekunde nachdenken, weil das Konzept selbst innerhalb der Filmlogik wenig Sinn ergibt. Aufgrund des optischen Spektakels sollten aber zumindest die sehr kleinen Zuschauer ihren Spaß haben. Kinder von 6 bis 8, die mit der Buchvorlage nicht vertraut sind, dürften auf ihre Kosten kommen.

Fazit

Artemis Fowl ist eine Buchverfilmung, bei der die Macher zu keiner Zeit verstanden haben, warum die Vorlage so populär ist. Aber selbst wenn man das Buch außer Acht lässt, bleiben einfach zu viele Schwächen. Am Ende sprechen für den Film eigentlich nur seine Effekte, seine kurze Laufzeit und die Tatsache, dass er für Abonnenten von Disney+ kostenfrei verfügbar ist. Fans der Bücher sollten sich aber selbst davon nicht blenden lassen, auf sie warten 95 Minuten pure Frustration.

zusätzlicher Bildnachweis: 
© Walt Disney Studios
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Anime-Kritik zu Tower of God

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Bereits seit geraumer Zeit werden die Anime-Fans von Jahr zu Jahr immer mehr mit neuen Veröffentlichungen überhäuft, sodass sich jeder schon einmal die Frage stellen musste, mit welchem neuen Titel er überhaupt beginnen soll? Umso wichtiger wird es, dass neue Produktionen immer mehr aus der breiten Masse herausstechen – sei ein nun mit einer einzigartigen Geschichte, einem ebenso ungewöhnlichen Setting oder einem einprägsamen Look. Mit Tower of God ist nun vor kurzem ein Titel erschienen, welcher das Potential hat, der nächste Hit der Anime-Szene zu werden. 

Wonach verlangt es dich? Nach Ruhm und Ehre? Nach Macht und Einfluss? Nach Geld und Wohlstand? Nach Rache? Oder nach etwas, das all das noch übersteigt? Was auch immer du begehren magst, hier kannst du es finden. Willkommen im Turm Gottes!

Erklimme den Turm und alles wird dein Sein. An seiner Spitze ist alles, was du dir nur vorstellen kannst. Und es könnte dir gehören. Du kannst Gott werden. Das ist die Geschichte von Rachel, die den Turm erklomm, um die Sterne zu sehen. Und von Bam, der nichts weiter wollte, als bei ihr zu sein. Die Geschichte von ihrem Ende und ihrem Anfang.

Junge folgt Waifu in den Kaninchenbau

Die Ausgangssituation ist schnell erklärt und so beschließt Rachel eines Tages, den besagten Turm Gottes zu bezwingen, um endlich die Sterne zu sehen. Bam, für den Rachel sein ganzer Kosmos ist, möchte sie allerdings nicht gehen lassen – ohne Erfolg. Vor seinen Augen beginnt Rachel, in einem gleißenden Licht zu erstrahlen, ein gewaltiges Tor öffnet sich unter ihnen und sie ist fort. Kurz darauf ertönt eine Stimme, die Bam verspricht, dass er auf der Spitze des Turmes die Antwort finden wird. Ein weiteres Mal öffnet sich das Tor, und eine gewaltige Hand streckt sich nach ihm aus.

Wieder erwacht findet er sich selbst im dem Turm Gottes wieder und wird von dessen Hüter Headon empfangen. Dieser fragt, ob Bam sich der Prüfung unterzieht, den Turm erklimmen zu dürfen. Noch bevor der Hüter ihm erklärt, dass im Turm unzählige Gefahren lauern, und er noch umkehren kann, stürmt er los, um sich der Prüfung zu stellen. Ein “Wunderbar!” ertönt und dem grotesken Mund des Hüters und das Abenteuer nimmt seinen Lauf.

Tower of God

Dunkel? Hell? Der Kontrast macht's!

Für mich sind bereits die ersten Minuten der Folge ein wahrer Genuss. Dies liegt unter anderem schon an der Vorlage selbst, die aus der Feder des Süd-Koreaners Lee Jong Hui stammt. Deswegen ist Tower of God auch kein Manga, sondern dessen koreanisches Pendant, ein Manhwa. Das soll aber nichts Negatives bedeuten, da Adaptionen solcher Stoffe bereits seit Jahren immer häufiger zu finden sind; auch wenn die klassischen japanischen Animes noch immer die Regel sind. Besser bekannt unter dem Künstlernamen SUI arbeitet der Autor bereits seit fast einem Jahrzehnt an seinem Werk und plant dabei wichtige Ereignisse bereits über Jahre hinweg im Voraus. Er veröffentlicht zudem auf seinem Blog auch immer wieder zusätzliche Information zu seiner Welt.

Die Serien-Adaption des Stoffes stammt von der TMS-Entertainment-Tochter Telecom Animation Film zu deren bekanntesten Werken die seit 2012 erschienenen Titel zu Lupin III (The Woman Called Fujiko Mine, Lupin III: Part IV,  Lupin III: Part V) zählen. Lizensiert wurde Tower of God hingegen als Original von VOD-Anbieter Crunchyroll, welche den Webtoon (das koreanische Gegenstück des Anime) auch hierzulande veröffentlicht.

Die Animationen sind brillant und flüssig, während der Stil selbst vom stereotypischen Anime-Look abweicht, was zuletzt schon Erfolgstitel wie Attack on Titan oder Demon Slayer so außergewöhnlich machte. Auch was die Farbgebung angeht, ist ein Vergleich zu Demon Slayer angebracht, da auch Tower of God in diese Richtung geht. Trotz vieler dunkler Szenen kommen immer wieder satte, kräftige und bunte Farben zum Einsatz, welche den Look mit dicken Outlines und starken Kontrasten auszeichnet.

Ebenfalls erwähnenswert ist Kameraarbeit mit ihren imposanten Einstellungen sowie die grandiose und weitreichende musikalische Untermalung mit orchestralen Gesängen, Synthesizern und tiefen Bässen. Hierfür zeigt sich der australische Komponist Kevin Penkin verantwortlich, der bereits für seine Musik an Made in Abyss mehrfache Auszeichnungen erhielt. Auch das kraftvolle Opening sowie das ruhigere und gefühlvollere Ending können überzeugen, beide steuerte die K-POP-Band Stray Kids bei.

Tower of God

Klassischer Shōnen im neuen Gewand

Inhaltlich wird man direkt ins Geschehen geworfen, sodass viele Fragen offen im Turm stehen bleiben. Dies ist jedoch nicht tragisch, da auch Protagonist Bam selbst von nichts eine Ahnung hat und das Nötigste zumeist in den darauffolgenden Minuten beziehungsweise eine Folge später erzählt wird. Wie man es für den Turm Gottes erwartet, gibt man sich allgemein reichlich mysteriös und geheimnisvoll, sodass man dem nächsten Informationshappen nur umso mehr entgegen fiebert.

Auch reichlich Blut gibt es in der ersten Episode zu sehen, was nicht verwunderlich sein sollte, da es in der Mischung aus Dark-Fantasy, Action und klassischen Shōnen um die Besteigung eines Turmes geht, an dessen Spitze einem sein sehnlichster Wunsch erfüllt wird. Die Prüfungen, die von den Auserwählten und Nicht-Auserwählten irgendwie bewerkstelligt werden müssen, sind allerdings nicht immer nur reine Kämpfe mittels Schwert und Shinsu (das hiesige Äquivalent zu Ki, Shakra oder Reiatsu), sondern erfordern neben etwas Glück auch noch reichlich Grips, was so manchen Charakter zur Verzweiflung bringt.

Die Charaktere haben allesamt ihre eigenen Gründe und Intentionen, den gefährlichen Aufstieg zu wagen, was sie alle interessant wie auch sympathisch wirken lässt. Das Trio bestehend aus dem unwissenden Protagonisten Bam, dem blaublütigen Strategen Khun und dem Reptilien-ähnlichem Jäger Rak ergänzt sich perfekt und wartet mit einer stimmigen wie auch witzigen Chemie auf. Gleiches gilt auch für die Nebencharaktere. Besonders hervorzuheben ist der Turmwächter Headon, dessen Augen und Mund sich denselben Schlitz teilen, und zudem an das weiße Kaninchen aus Alice im Wunderland erinnert.

Ein weiterer Grund ist seine Stimme, die im Original von Hōchū Ōtsuka vertont wird, der unter anderem bereits Narutos Meister Jiraiya Leben einhauchte. Auch die markante Stimme des Rankers Lero-Ro sorgt für Gänsehaut. Diese stammt von Kenjirô Tsuda zu dessem Portfolio beispielsweise die Charaktere Hannes aus Attack on Titan, Hyakunosuke Ogata aus Golden Kamuy sowie der Schurke Overhaul aus My Hero Academia zählen. Auch die restliche Synchronisation ist auf hohem Niveau, und die Stimmen der Synchronsprecher sind passend zu den Charakteren gewählt. 

Erwähnenswert sei noch, dass man sich bei der Synchronisation eine kleine Freiheit beim Namen des Protagonisten genommen hat. So heißt dieser im koreanischen Original Bam und wird auch in den Untertiteln so geschrieben, allerdings wird er in der japanischen Synchronisation Yoru genannt. Beides hat jedoch die selbe Bedeutung, nämlich Nacht beziehungsweise Abend.  

Dreh- und Angelpunkt bleiben die Prüfungen des Turmes sowie die Beweggründe der Charaktere, wodurch man das allerdings das Genre nicht neu erfindet. Es bleibt nun mal ein Shōnen. Es bleibt abzuwarten, wie sich Bam entwickelt, ob es zu einem Wiedersehen mit Rachel kommt und ob dieses auch so ausgehen wird, wie es sich unser Protagonist vorstellt.

Tower of God

Fazit

Tower of God vereint alle Kriterien, die einen Anime-Hit ausmachen: Eine spannende Geschichte mit interessanten Charakteren, die in einem ebenso einzigartigen Setting und Look mit perfekt untermalter Musik Abenteuer erleben. 

Aktuell sind die ersten sechs von insgesamt 13 Episoden (OmU) auf Crunchyroll veröffentlicht. Wie viel dabei von der Vorlage abgedeckt wird, ist dabei noch nicht bekannt. Allerdings werden dies bestimmt nicht die rund 477 Kapitel der Vorlage sein. Diese findet man als Webtoon im wöchentlichen Rhythmus; die englische Version erscheint zumeist einen Tag nach den koreanischen Kapiteln und steht online kostenlos zur Verfügung.  

zusätzlicher Bildnachweis: 
© Crunchyroll / Telecom Animation Film

Tower of God | Crunchyroll Original - Anime Trailer

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