The Expanse

Stämme – Kritik zu The Expanse 5.06

SPOILER

Es geschieht selten, dass das Expanse-Publikum Chrisjen Avasarala (Shohreh Aghdashloo) absolut niedergeschlagen, fassungslos, ängstlich und ohne jede Kontrolle über die aktuelle Situation oder ihre eigene Emotionen erlebt. Aghdashloo spielt diese Szene fabelhaft und auch äußerlich überzeugend mit einem vergrämten eingefallenen Gesicht sowie zitternden Händen. Sie schafft es gerade noch so, sich zusammenzureißen, während sie den Minister für Transportwesen und jetzt neuen UN-Generalsekretär David Paster (Sugith Varughese) in ihrem Mond-Büro empfängt.

Es handelt sich nicht unbedingt um eine dramatische, aber dennoch um eine wichtige Konversation: Der neue Generalsekretär erkennt sofort, dass er für seine neue Aufgabe nicht das notwendige Rüstzeug mitbringt und holt die wesentlich erfahrene Chrisjen für eine Kabinetts-Position an Bord. Die Szene sagt generell mehr über ihren Geisteszustand aus, als den Plot voranzutreiben. Nebenbei und ohne eigenes Zutun schafft sie es dennoch, sich wieder eine Machtposition anzueignen, auch wenn der Preis dafür sehr hoch war.

Der Winter ist da

Der Winter ist mittlerweile auf der Erde angebrochen. Clarissa (Nadine Nicole) und Amos (Wes Catham) haben inzwischen eine Dynamik entwickelt, die von einer Mischung aus unterhaltsamer Schlagfertigkeit und ehrlicher Konversationen über die jeweilige eigene Vergangenheit und über den aktuellen emotionalen Zustand geprägt ist. Hier werden noch einmal der ungleiche Lebensverlauf und die vollkommen unterschiedlichen Hintergründe und Herkunft der beiden ungleichen Freunde deutlich: Während Clarissa eine behütete Kindheit genießen konnte, bei der sie auf Klassenfahrt Bäume pflanzte, musste Amos in seiner Jugend schon ums Überleben kämpfen.

Das zeigt sich auch in ihrem Verhalten, wenn sie Menschen in dieser neuen apokalyptischen Welt begegnen: Clarissa steht dem reisenden Fremden (Tony Munch), der sich an seinem Feuer wärmt, äußerst vertrauensvoll gegenüber. In Amos wächst bereits das Misstrauen, als dieser Fremde Clarissas Jacke bewundert. Als dieser ihnen noch einen Drink anbietet, hat Amos genug. Schauspieler Tony Munch leistet in dieser kleinen Rolle gut Arbeit. Weder durch seine Darstellung noch durch die Inszenierung wird deutlich, welche Intention dieser Fremde hat, falls überhaupt eine Intention vorhanden ist. Diese Ambiguität wird bis zum Ende nicht aufgelöst, zumindest nicht in dieser Episode.

Ganz anders läuft die Konfrontation mit einem Herren ab, der Haus und Hof mit einem futuristischen Gewehr und einer menschlichen Attrappe verteidigt, die er für seinen Sohn ausgibt. Prepper gibt es anscheinend auch in der Zukunft, was wenig verwunderlich ist. Der Versuch, rational mit diesem Menschen zu verhandeln beziehungsweise eine Angriffsmöglichkeit zu finden, wirkt verzweifelt und unüberlegt. Und das wird Amos schnell selbst klar.

Eine interessante Entscheidung von Autorin Hallie Lambert und Regisseur Jeff Woolnough, die Episode mit dieser Feststellung enden zu lassen. Amos ist sich selbst bewusst, dass sein moralischer Kompass nicht funktioniert, beziehungsweise, dass seine Crew/seine Freunde/seine Familie diese Funktion erfüllten. Das führt einerseits dazu, dass er das kleine bisschen Menschlichkeit verliert, das er sich in den letzten vier Staffeln erkämpft hat, und dass er unvernünftige Risiken eingeht. Zwar kann Clarissa als sowas wie sein Gewissen in dieser Episode fungieren, ihre Verzweiflung treibt sie selbst zu moralisch fragwürdigen Taten, auch wenn sie hinterher Zweifel und Gewissensbisse plagen.

Raumschiff-Reboot und Weltraum-Manöver

In den anderen Gefilden der Galaxis passiert im Grunde nicht viel: Holden (Steven Strait) versucht, die Rocinante neu zu starten, und Reporterin Monica Stuart (Anna Hopkins) möchte es sich nicht nehmen lassen, an der nächsten Mission teilzunehmen. Auf Holden wartet eine Nachricht von Naomi (Dominique Tipper), die sie wahrscheinlich schon vor ihrer Abreise vorbereitet hat, falls sie aus irgendeinem Grund nicht zurückkehrt. Offensichtlich ist er noch nicht bereit, sich diese Mitteilung anzusehen, weil es auch zum Teil bedeuten würde, dass er sie schon aufgegeben hat. Ein knuffiges und im Grunde auch sinnvolles Detail ist, dass Holden für Monica eine Art Gast-Account einrichtet, mit dem sie einen eingeschränkten Zugang zu den Raumschiff-Funktionen erhält.

Kreative Weltraum-Kampfmanöver konnte The Expanse stets spannend und clever inszenieren. Bobbie (Frankie Adams) darf in dieser Episode wieder zeigen, was in ihrem Space-Suit steckt. Action, Explosionen, Bomben und ausfahrbare Space-Korridore – die Szene hat alles, was ein solcher Kampf benötigt, um ein wenig Abwechslung in die ruhige und dialoglastige Episode zu bringen. Es zeigt sich aber auch, dass durch die Fragmentierung der einzelnen Parteien manche Figuren auf etwas unbefriedigende Weise nur wenig Zeit pro Episode erhalten.

Zweifelhafte Heilsversprechen

Die Episode fokussiert sich neben Amos und Clarissa deutlich auf Marco (Keon Alexander) und seine Free Navy. Dieser verliert langsam die Geduld mit seiner Crew, mit Naomi und seinem Sohn Filip (Jasai Chase Owens). Die Tatsache, dass die Rocinante dank Naomis Einschreiten offensichtlich nicht explodiert ist und die Verfolgung aufgenommen hat, trägt offensichtlich zu seinem Wutausbruch bei. Gleichzeitig zeigt er langsam sein wahres Gesicht, falls er es in den Episoden zuvor noch nicht deutlich genug getan hat: Als großer Redenschwinger, der die Drecksarbeit – in diesem Fall Naomi aus der Luftschleuse werfen – lieber jemand anderem überlassen möchte.

Naomi stellt für Filip wahrscheinlich noch so etwas wie ein letztes Bisschen Menschlichkeit dar, die er sich bewahren möchte, nachdem er zumindest mitverantwortlich für den Tod mehrerer Millionen Menschen ist. Vielleicht erkennt er in seiner Mutter auch einfach etwas, was er in seinem eigenen Vater nicht sehen kann: Eine Person, die bereit ist, sich für die Menschen aufzuopfern, die sie liebt. Schauspieler Brent Saxton leistet als Cyn wieder gute Arbeit, während er Marco zur Sau macht und sich zwischen ihm und Naomi und Filip stellt.

Die Piratenbande um Drummer herum muss sich schnell eingestehen, dass sie der Feuerkraft von Marcos Free Navy haushoch unterlegen sind. Der Freund-oder-Feind-Einstellung, mit der Marco seine eigene und andere Gürtler-Fraktionen gefügig macht, haben sie ebenfalls nicht viel entgegenzusetzen. Gleichzeitig ist Marco in seiner pompösen Vision für die Zukunft seines Volkes äußerst verführerisch. Das praktische an diesen Big-Picture-Visionären ist, dass sie sich nicht um die Alltagsprobleme ihrer Untergebenen kümmern müssen, solange sie in der Lage sind, große Reden zu schwingen.

Als ein Mitglied von Drummers Besatzung akuter Nahrungsknappheit erzählt, schwärmt er von einem Nahrungsüberfluss in ferner Zukunft. Das löst zwar nicht die Probleme im Hier und Jetzt, kann aber anscheinend viele Gürtler-Fraktionen überzeugen, sich ihm anzuschließen. Drummer selbst befindet sich in einer unmöglichen Position: Sie möchte keinen offenen Krieg, allerdings wäre sie wahrscheinlich vogelfrei vollkommen allein im Universum unterwegs, wenn sie sich Marco und der Free Navy verweigern würde.

Fazit

Der Plot schreitet an dieser Stelle nur langsam voran. Vielmehr geht es immer noch darum, über die Ereignisse der letzten paar Episoden hinwegzukommen, und im Zuge dessen, die eigene Menschlichkeit nicht zu verlieren, sofern sie überhaupt vorhanden war. Im Moment spielt sich weiterhin noch vieles auf Charakter-Ebene ab und es macht sich weiterhin bezahlt, dass die Serie diese immer gut managen konnte, und die Darsteller aus verhältnismäßig wenig Spielraum viel herausholen können.

Es ist aber erfreulich, dass einzelne Handlungsstränge langsam zusammengeführt werden, denn viel Zeit bleibt nicht pro Episode, um alles und jeden wirklich befriedigend abzudecken. Insbesondere Alex (Cas Anvar) und Bobbie sowie Holden und seine behelfsmäßige Besatzung haben darunter zu leiden.

Aus dem Loch – Kritik zu Expanse 5.05

SPOILER

Wie reagiert eine Bevölkerung, wenn eine Gruppierung aus der eigenen Mitte eine unvorstellbaren Terrorakt begeht, der circa zwei Millionen Todesopfer fordert, und dessen ökonomischen und ökologischen Folgen noch mehr Leidtragende nach sich ziehen wird?

Drummer (Cara Gee) und ihre Piratentruppe stellen sich in ihrer Schockstarre zahlreiche Fragen diesbezüglich: Wie sollen wir weiter vorgehen? Werden wir zukünftig zusammen mit den Terroristen in einen Topf geworfen? Müssen wir mit strengeren Restriktionen und weniger Bewegungsfreiheit im Weltall rechnen? Und haben die Erdbewohner beziehungsweise Inneren, welche die Gürtler jahrelang unterdrückt haben, es vielleicht gar nicht anders verdient? Vor unbequemen Diskussionen, die sogar unter vermeintlich positiven und heldenhaften Gruppen entstehen, scheut die Serie nicht zurück.

Drummer selbst plagen unterdessen nun noch mehr Gewissensbisse, weil sie sich mittlerweile nicht mehr nur für den Tod Klaes Ashford (David Strathairn) verantwortlich fühlt, sondern auch für den Terrorakt. Schließlich war es ihre entscheidende Stimme, die Marco Inaros (Keon Alexander) in der letzten Staffel vor der Exekution bewahrt hat. Anstatt sich jedoch erneut von ihrer Geliebten Oskana (Sandrine Holt) trösten zu lassen und vermeintliche Schwäche zu zeigen, nimmt sie wieder eine kühle, militärische Pose ein und beschließt, die Konfrontation zu suchen – in welcher Form ist noch nicht klar.

Schön subtil verdeutlicht sich diese noch einmal in kleinen Verhaltensweisen: Oksana legt ihre Hand auf Drummers Hand. Letztere zieht ihre Hand allerdings sofort wieder weg, als wolle sie sich keine Schwäche oder Emotionen mehr erlauben. Es ist immer wieder auffällig, wie viel in der Serie im Nichtgesagten steckt und wie viel durch Gesten ausgedrückt wird.

Katastrophenfilm-Szenario im Zukunfts-Gefängnis

Wenn die Welt um uns zusammenbricht, versuchen wir trotzdem, krampfhaft an alten Strukturen festzuhalten. Gefängniswärterin Rona (Natalie Brown) fällt jedenfalls nichts Besseres ein, als weiterhin gewohnte Pflichten zu erfüllen, bis sich jemand von “oben“ meldet. Noch kann sie nicht wissen, dass „oben“ nicht mehr existiert. Als jemand, der an missliche Lagen gewöhnt ist, hat Amos (Wes Catham) eine etwas andere Herangehensweise, nämlich die Flucht nach vorn.

Wieder ergibt sich hier eine Situation, in der engste Räume und klaustrophobische Settings für Spannung sorgen. Im Grunde handelt es sich hierbei um ein klassisches Katastrophenfilm-Szenario, in dem vollkommen unterschiedliche Personen zusammengewürfelt werden und ein gemeinsames Überlebensziel verfolgen. Konflikte, Spitzfindigkeiten oder der eine oder andere Gefängniswärter beziehungsweise Gefangene, der einen Fahrstuhlschacht hinunter fällt, bleiben dabei nicht aus.

Dass Muskelmann Konecheck (Boomer Philips) noch einmal eine entscheidende Rolle spielen wird, war schon in der letzten Episode abzusehen. Dass der kanadische Schauspieler Boomer Philips sich offensichtlich mit viel Spaß und Humor in die psychopathische Rolle stürzt, kommt jedoch als unterhaltsame Überraschung daher. Da stört es wenig, dass der Moment, in dem er sich gegen die restliche Gruppe Überlebender wendet, wiederum relativ vorhersehbar war – Amos‘ Hang zur Spitznamengebung war dabei wahrscheinlich nicht unbedingt hilfreich.

Das Setdesign der zerstörten Erde wirkt etwas arg studiohaft. Letztendlich bleibt aber die Frage, wie viel Budget der Serie zur Verfügung steht. Schließlich muss The Expanse wahrscheinlich immer noch mit weniger Mitteln auskommen als manch andere Science-Fiction-Serie. Dafür hat Regisseur Jeff Woolnough den vorangegangenen Aufstieg umso unterhaltsamer und spannender gestaltet.

Zum Nichtstun verdammt

Auf der Tychon-Station wirkt Holden (Steven Strait) noch isolierter und verlorener als zuvor. Mit Fred Johnson (Chad Coleman) hat er einen wichtigen Verbündeten verloren, auch wenn sie sicherlich nicht immer einer Meinung waren. Von seinen restlichen Freunden hört er nichts, und seine Nachricht an Naomi (Dominique Tipper) wirkt mehr wie ein verzweifelter Hilferuf.

Free-Navy-Terroristin Sakai (Bahia Watson) lässt weder Informationen aus sich herausprügeln noch lässt sie sich durch die klassische Good-Cop-Masche überreden, irgendetwas Essentielles preiszugeben. Matthew Rasmussen, Autor dieser Episode, tut aber sein Möglichstes, um dieser terroristischen Gürtler-Fraktion ein menschliches Gesicht und nachvollziehbare Motivation zu verleihen, ohne gleich für Terrorismus als notwendiges Mittel gegen Unterdrückung zu plädieren. Holden glaubt zwar, dass Saki ein gutes Leben auf der Tycho-Station geführt hat, allerdings muss er sich mit einer anderen Perspektive auseinandersetzen. Nämlich, dass diese „gute“ Leben bestenfalls vom Wohlwollen einer mächtigeren Klasse abhängt und schnell wieder rückgängig gemacht werden kann. Freiheit, so könnte man meinen, sieht anders aus.

Dass ihm Sakais letzte Abschiedsworte nicht ominös und verdächtig vorkommen und dass er nicht darauf kommt, dass die Terroristin, die in den letzten Tagen und Wochen an der Rocinante gearbeitet hat, eben dieses Raumschiff sabotiert hat, ist vielleicht ein bisschen ärgerlich. Eventuell ist Holden einfach ohne seine restliche Crew dermaßen aufgeschmissen und orientierungslos, dass er den Wald vor lauter Bäumen nicht sehen kann. Immer gibt es Naomi die Chance, aus ihrer Passivität der letzten Episoden auszubrechen und den Tag zu retten.

Während Holden also zum Nichtstun verdammt ist, arbeitet Naomi fieberhaft daran, sich aus ihrer aktuellen Situation zu befreien. Sie hat es Marcos Arroganz zu verdanken, dass sie sich frei auf dem Mars-Schiff bewegen kann. Oder vielleicht glaubt er wirklich daran, dass Naomi, er und sein Sohn wirklich wieder als Familie zusammenfinden können. Auch Filips Motivation, seine Mutter nach dem missglückten und wenig durchdachten Mordversuch ans Messer zu liefern, ist noch unklar, macht die gesamte Figuren-Dynamik auf diesem Schiff aber etwas interessanter.

Das gilt auch für die Vater-Sohn-Beziehung und das physische Gebaren zwischen Marco und Filip. Marco bringt seine Enttäuschung über das Verhalten seines Sohnes nicht unbedingt auf eine Weise zum Ausdruck, die man erwarten sollte. Anstatt Wut folgen eine spielerische Kabbelei und eine gewisse Form von Verständnis für dessen innere Zerrissenheit. Aber selbst das wirkt eher wie ein Mittel zum Zweck, um Filip gefügig zu machen – trotzdem toll dargestellt von Schauspieler Keon Alexander.

Mit Cyn (Brent Saxton) erhält die Free-Navy-Gruppe ein weiteres und wesentliches sympathischeres menschliches Antlitz. Während Marco als manipulativer Blender deutlich erkennbar ist und Filip weiterhin von seinem eigenen Hass und Zweifel gefangen gehalten wird, macht es die Serie seinen Zuschauern trotzdem nicht allzu einfach, diese Menschen als stereotype Terroristen abzustempeln und zu verteufeln. Cyn verkörpert hier überzeugender als seine Mitstreiter die gesamte Problematik, Tragik und Ausweglosigkeit des Gürtler-Volkes, was selbstverständlich auch dem überzeugenden Darsteller Brent Saxton zu verdanken ist.

Fazit

Es war vorauszusehen, dass die aktuelle Episode nach den Ereignissen der letzten Woche einen Gang zurückschaltet und sich mit den Konsequenzen beschäftigt. Das nimmt unterschiedliche und interessante Formen an: Während die einen sich aus potenziell tödlichen Situationen befreien müssen, sammeln andere emotionale Scherben auf. Dabei ist es durchaus verständlich, dass nicht allzu viel auf der reinen Handlungsebene passiert.

Vieles findet auf einer persönlichen Figurenebene statt, und einiges wird sogar durch kleine Gesten vermittelt. Diese Episode handelt unter anderem von Hilflosigkeit im Angesicht des Unvorstellbaren, auch wenn sich verschieden Figuren wie Holden noch sehr dagegen sträuben. Ferner versucht die Episode, effektiv ein nuancierteres Bild der terroristischen Seite zu zeigen und ist vor allem dank Bahia Watson und Brent Saxton damit erfolgreich.

Gaugamela – Kritik zu The Expanse 5.04

SPOILER

Das Gute an den Veränderungen bei Buchadaptionen: Sie können sogar Buchleser noch überraschen und bestenfalls Spannung genug aufbauen, dass sich jeder Zuschauer die Fingernägel abkaut.

Während der dramatische Einschlag des Asteroiden-Angriffs durch die vorangegangenen ausführlichen Ermittlungen sicherlich etwas geschmälert wurde – und ja, diese Ermittlungen waren notwendig, damit die vielen Figuren in den ersten paar Episoden der 5. Staffel etwas zu tun haben – überschlagen sich die Ereignisse in der 4. Episode. Action, Dramatik, Schock und Verlust bestimmen "Gaugamela". Und zwar nicht zu knapp. Allerdings ließ sich schon in der letzten Episode absehen, dass der Container-Plan nur schief gehen konnte.

Herzzerreißende Ratten-Geschichten

Aber eins nach dem anderen. Aufgrund ihres gemeinsamen Hintergrundes im Mars-Militär verbindet Bobbie (Frankie Adams) und Alex (Cas Anvar) eine tiefgehende Freundschaft. Im Gegensatz zu Bobbie hält Alex allerdings noch am naiven Glauben fest, dass nicht alle unter Verdacht stehenden Marsianer an den illegalen Waffengeschäften beteiligt sind. Während Alex weiterhin nicht an eine Mars-Verschwörung glauben möchte, hat Bobbie längst alle Illusionen bezüglich ihres Heimatplaneten in den Wind geschossen. Letztendlich handelt es sich um eine Wiederholung derselben Dynamik, welche die beiden schon in den letzten Episoden durchgespielt haben. Das, was vorher implizit war, macht Dan Nowak, Autor der Episode, nur noch einmal explizit.

Nowak schenkt allerdings Frankie Adams einen netten Monolog und eine kleine herzzerreißende Geschichte aus ihrer Kindheit, die von einer Ratte handelt, die sie einst als Haustier hielt. Es geschieht nicht oft, dass sich Bobbie in dieser Form öffnen darf. Umso mehr lassen sich solche recht emotionalen Geständnisse wertschätzen. Sie erzählt von ihrem höchstpersönlichen Trauerprozess, der sie zu einer recht unsentimentalen Kämpferin hat werden lassen. Frankie Adams erzählt diese Geschichte überzeugend und ist stets glaubhaft in Szenen dieser Art.

Ungewöhnliche Freundschaften im Untergrund-Gefängnis

Nach dem ersten Asteroiden-Einschlag kehren wir zu Amos (Wes Catham) zurück, der offensichtlich so etwas wie Zuneigung gegenüber Clarissa Mao (Nadine Nicole) entwickelt. Hierbei handelt es sich nicht um romantische Gefühle, falls Amos überhaupt dazu in der Lage ist, was diese Beziehung jedoch umso interessanter macht.

Zunächst einmal erfolgt aber die notwendige Exposition, schließlich muss nicht nur Amos, sondern auch das Publikum aufgeklärt werden, wo sie sich eigentlich befinden und was es mit dem Untergrund-Gefängnis auf sich hat. Mühseliges Erklären von Hintergrundinformationen wirkt aber immer dynamischer während sogenannter Walk-and-Talks, wie es hier geschieht. Schließlich kann das Publikum nebenbei noch das schicke, sterile Gefängnis-Produktionsdesign bewundern. Außerdem scheint es klar, dass der gelangweilte Gefängniswärter (Stephen Chambers), der monoton seinen Monolog herunter spult, die Wärterin (Natalie Brown), die Amos herumführt, und der muskulöse Insasse Konecheck (Boomer Phillips) in den späteren Episoden noch eine wichtige Rolle spielen werden.

Nadine Nicole als Clarissa Mao und Wes Chatham transportieren in diesem kleinen Austausch viele Emotionen. Die Beziehung der beiden wirkt vertraut, auch wenn sie nicht allzu viel Zeit miteinander verbracht haben. Amos erkennt offensichtlich viel von sich selbst in Clarissa wieder, obwohl sie beide aus vollkommen unterschiedlichen Verhältnissen stammen. Darstellerin Nicole hat hier eine deutlich schwierige Aufgabe: Schließlich muss sie überzeugend eine Person verkörpern, die unter Drogen steht und gleichzeitig über ihr verkorkstes Leben kontemplieren. Beide wirken dabei nicht überdramatisch, sondern eher zurückhaltend, sogar als eine einsame Träne an der Wange der Darstellerin herunter kullert.

Verspätete Warnung

Wie Chrisjen (Shohreh Aghdashloo) verschiedene Leute zusammenfaltet, ist immer äußerst amüsant. Während die Welt und das Universum noch versuchen, herauszufinden, ob es sich bei dem Asteroiden-Einschlag um einen Unfall handelt, ist sie schon längst ein paar Schritte weiter. Leider hört ihr weiterhin niemand zu. Der Versuch, zur Generalsekretärin durchzukommen, verleiht der Szene die notwendig Dynamik und gibt Darstellerin Aghdashloo die Chance, mit Kraftausdrücken um sich zu werfen, bis sich die Balken biegen. Allerdings reicht auch das nicht, um die politische Führung und die Erde vor dem nächsten Angriff zu bewahren.

Wie zu erwarten, soll ihre Familie, die sich auf der Erde befindet, für zusätzliche Dramatik sorgen, was bestenfalls nur bedingt funktioniert. Weiterhin fällt es schwer, sich um Menschen zu sorgen, die wir als Publikum nie wirklich kennengelernt haben. Viel emotionaler gestaltet sich dagegen der Moment zwischen ihr und UN-Admiral Delgado (Michael Irby), der sich Mitschuld an den Ereignissen auf der Erde gibt. Chrisjen beherrscht die Kunst, ihn nicht aus der Verantwortung zu nehmen, aber ihm trotzdem tröstende Worte zuzusprechen.

Die Spannungs- und Actionkurve steigt auf der Tycho-Station

Den Mittelpunkt dieser Episode bilden jedoch die Ereignisse auf der Tycho-Station. Und wie schon gesagt war der Container-Plan von Anfang an zum Scheitern verurteilt. Wie kolossal dieser Fehlschlag ausfallen sollte, ist jedoch überraschend. Während Fred Johnson (Chad L. Coleman) in den Büchern einem Schlaganfall erliegt, ist sein Tod in der Serie wesentlich dramatischer und - in Ermangelung eines besseren Wortes - cineastischer (auch wenn es sich um eine Fernsehserie handelt). Überraschend, dass Ingenieurin Sakai (Bahia Watson) diejenige ist, die den Abzug gleich mehrere Male betätigt.

Die mechanische Präzision der spinnenartigen Roboter-Rakete, die rigoros und mitleidlos ihr Ziel verfolgt, nämlich das Protomolekül aufzuspüren, ist hier noch einmal besonders furchteinflößend. Nichts kann ihn aufhalten, und keine lästige menschliche Programmierung lässt ihn seine eigene Existenz hinterfragen. The Expanse tut gut daran, sich humanoiden Androiden oder ähnlichen künstlichen Intelligenzen zu verweigern, schließlich versucht sich fast jede andere Science-Fiction-Serie daran.

Darüber hinaus gönnt die Serie Monica Stuart (Anna Hopkins), die bisher meist aus egoistischen Motiven handelte, eine nette kleine Heldentat, als sie Holden (Steven Strait) vor der Kälte des Weltraums und damit vor dem sicheren Tod bewahrt. Bahia Watson hat als Sakai ebenfalls einen interessanten schauspielerischen, fast psychopathischen Moment, als sie lachend und den Tränen nahe trotzig und wahrscheinlich verfrüht den Sieg ihrer Gürtler-Fraktion verkündet.

Charismatische Anführer und widerspenstige Muttersöhnchen

Während sich die Menschen auf dem Mond darüber freuen, dass der letzte Asteroid von den Erd-Verteidigungsmechanismen zerstört wurde, jubeln die Angreifer darüber, dass es insgesamt drei Asteroiden überhaupt soweit gebracht haben. Jedenfalls kann Marco Inaros (Keon Alexander) dies als Erfolg verbuchen und es effektiv als solchen verkaufen.

Jasai Chase Owens hat hier die etwas undankbare Rolle des arroganten, siegessicheren und entsprechend unsympathischen Filip, der seinem charismatischen Vater hinterher dackelt und seine Mutter Naomi (Dominique Tipper) bockig seinen Hass entgegenschleudert. Es fällt zu diesem Zeitpunkt schwer, dieser Figur, die unter widrigsten Umständen aufgewachsen ist, Empathie entgegen zu bringen. Die Serie wird hoffentlich in den nächsten Episoden noch mehr tun, um Filip mehr Nuancen und Dreidimensionalität zu verleihen.

Keon Alexander als Marco Inaros ist durchaus charismatisch als arrogante und manipulative Führerfigur, dessen Bullshit allerdings auch leicht durchschaubar erscheint. Auch die zweifelhafte Dynamik zu seinem Sohn wird in dieser Szene noch einmal verdeutlicht. Filip demütigt er vor versammelter Mannschaft, weil dieser scheinbar nicht ohne seine Mutter auskommt. Letztendlich fällt es schwer, zu sagen, ob Marco wirklich an seine eigenen Worte glaubt und seinen „Sieg“ als „Familie“ feiern möchte. Aber er kann immerhin überzeugend große Reden schwingen.

Es bleibt nicht mehr viel über diese action-lastigere Episode zu sagen. Regisseur Nick Gomez inszeniert sie mit einem offensichtlich sicheren und soliden Händchen. Das ist nicht unbedingt verwunderlich, handelt es sich um einen erfahrenen Film- und TV-Veteranen im Regie-Stuhl, der einst sogar als nächster Scorsese gehandelt wurde.

Aber erstens kommen die Dinge anders und zweitens, als man denkt. Dafür inszenierte Gomez zahlreiche TV-Episoden für Prestige- und Genre-Serien von Homocide über Die Sopranos, The Shield: Gesetz der Gewalt, Burn Notice bis hin zu Marvel’s Daredevil und vieles mehr. Und jetzt kann er sich noch eine spannende Episode von The Expanse in den Lebenslauf schreiben. Manchmal ist es interessant, sich die Karriere der Leute hinter den Kulissen anzusehen.

Fazit:

Die Episode "Gaugamela" kann die Balance zwischen spannender Action und reizvollen Charakter-Momenten halten. Auch wenn vieles, was schon vorher implizit angedeutet wurde, noch einmal explizit wiedergegeben wird, geschieht das auf eine interessante Weise, die mehr Hintergrundinformationen über Figuren wie zum Beispiel Bobbie Draper eröffnen. Zudem ist die Episode sehr spannend und solide inszeniert.

Mutter – Kritik zu The Expanse 5.03

Es ist nicht unbedingt verwunderlich, dass der große Knall am Ende der ersten drei auf einmal veröffentlichten Episoden kommt und mit einem Cliffhanger Spannung für die nächste Episode eine Woche später erzeugen soll. In der Buchvorlage kam der Angriff auf die Erde jedoch wesentlich überraschender. Die Serie bereitet dieses Ereignis schon seit der 4. Staffel mal mehr oder weniger explizit vor. Insbesondere in den ersten drei Episoden der 5. Staffel ist deutlich geworden, worauf der gesamte Asteroiden-Subplot hinausläuft.

Die entsprechenden Ermittlungen geben Drummer (Cara Gee), Kaes Ashford (David Strathairn) und gewissermaßen auch Bobbie Draper (Frankie Adams) sowie Chrisjen Avasarala (Shohreh Aghdashloo) einiges zu tun. Und die Serie versucht, jeder dieser Figuren gerecht zu werden. Gleichzeitig verspielt sie etwas einen starken und dramatischen Schockmoment. Interessant wäre es zu erfahren, ob Zuschauer, die mit den Büchern nicht vertraut sind, diese Entwicklung vorausgesehen haben.

Machtlose Power-Brokerin

In dieser Episode dreht sich selbstverständlich nicht alles nur um diesen einen großen Moment am Ende, der das Universum erschüttert. Vielmehr beschäftigt sich „Mutter“ mit Helden, die an die Grenzen ihrer Fähigkeiten und ihrer Macht stoßen oder sich bewusst vom Kampf abwenden. Es ist mittlerweile ziemlich deutlich, dass Avasarala ihr gesamtes politisches Kapital verspielt hat. Zwar kann sie die verschiedenen Puzzleteile dank eines Retro-Uhren-verliebten Dr. Alaoui (Danny Waugh) und der Hilfe des UN-Admirals Felix Delgado (Michael Irby) zusammensetzen, allerdings fehlt ihr der Einfluss, um irgendetwas mit diesen Informationen anstellen zu können und das Schlimmste zu verhindern.

Dieser Abstieg Richtung Macht- und Hilflosigkeit ist ein interessanter Schritt für eine Figur, die bisher immer alle Fäden in der Hand gehalten hat, allen anderen stets zwei bis drei Schachzüge voraus war und viele Feinde ausmanövrieren konnte. Ihre letzter Trost scheint ihre Familie zu sein, die sie bisher vernachlässigt hat. Auch die Serie hat ihrem Mann, ihrer Tochter und ihren Enkelkindern bisher wenig Beachtung geschenkt, sodass diese nicht unbedingt dreidimensional rüberkommen. An dieser Stelle wirken sie eher wie Statisten, die den dramatischen Einsatz für Avasarala erhöhen sollen.

Familie, statt Rache

Drummer (Cara Gee) entscheidet sich sogar sehr bewusst dagegen, in den Kampf zu ziehen und sich an Marco Inaros (Keon Alexander) für die Exekution an Commander Klaes Ashford (David Strathairn) rächen. Trotz einer generell gespannten Beziehung zwischen ihr und Ashford hat er eine der wenigen Vertrauenspersonen und Verbündeten dargestellt, der ihr noch geblieben ist. Zur Erinnerung: Ashford war einst selbst ein Gürtler-Pirat, der später unter Drummer als 2. Offizier auf der Behemoth diente. Er verfolgte den Gürtler-Terroristen Marco Inaros und wurde zur Belohnung aus einer Luftschleuse geworfen.

Drummer plagen offensichtlich Gewissensbisse, einerseits weil sie einen gefangen gesetzten Marco Inaros freigelassen hat, andererseits, weil sie sich Ashford bei seiner Verfolgung nicht angeschlossen hat.

Mittlerweile hat sie nun allerdings eine Art Familie aufgebaut, der gegenüber sie sich emotional verletzlich zeigen kann und die ihr Trost spendet. Im Grunde handelt es sich hierbei um eines der zentralen und vielleicht sogar etwas sentimentalen Themen der Serie und auch der Bücher: Freundschaft und selbstgewählte Familien bestehend aus zusammengewürfelten Menschen, die zusammenarbeiten, und nicht machtgierige korrupte Politiker, die Militär-Maschinerie oder profitgierige Konzerne triumphieren letztendlich in der Kälte des Weltraums. Das ist eventuell nicht unbedingt originell und romantisch-naiv, wirkt bei The Expanse nie so aggressiv ausgesetzt wie zum Beispiel in einem Fast-and-Furious-Film. Als emotionale Stütze der Serie ist es hier und an vielen anderen Stellen stets effektiv und verleiht der Serie Menschlichkeit, die hin und wieder in der Science-Fiction fehlen kann.

Planlos auf Pallas

Naomi (Dominique Tipper) wirkt auf der Pallas Station nahezu überfordert. Zunächst betreibender  Autor der Episode Dan Nowak und Regisseur sowie ehemaliger Expanse-Darsteller Thomas Jane ansprechendes Worldbuilding: Die erbärmlichen Zustände der Gürtler werden hier noch einmal deutlich gemacht. Alles ist dreckig, schmutzig und rau. Tagelöhner nehmen Naomi direkt bei ihrer Ankunft in Empfang, halten ihr ihre digitalen Lebensläufe unter die Nase und betteln um Arbeit.

Die Welt und das Leben sind weitaus ungemütlicher als auf Tycho Station oder der Rocinante. Einen Bar-Besucher, der sie anrempelt, sieht sie fast entsetzt an, als müsse dieser sich entschuldigen. Zwei anderen aggressiven Gürtlern überweist sie fast eine große Menge Geld, um einen Streit aus dem Weg zu gehen, bevor ihr alter Freund Cyn (Brent Saxton) beherzt eingreifen kann.

Die folgenden Ereignisse zeigen, dass Naomi ihre Chancen, irgendetwas zu bewirken, gnadenlos überschätzt hat. Ihr Plan, ihren Sohn Filip (Jasai Chase Owens) von der Boshaftigkeit seines Vaters und ihrer Liebe zu ihm zu überzeugen, wirkt wenig ausgereift. Hierbei handelt es sich mehr um eine Verzweiflungstat. Es ist ein bisschen schade, dass sowohl Bücher als auch Adaption ihr an dieser Stelle etwas zu wenig Kompetenz zugestehen und etwas zu viel Naivität andichten. Da es um die Rettung ihres eigenen Sohnes geht, lässt sich auf der anderen Seite verstehen, warum sie seit Beginn dieser Staffel hauptsächlich emotional und nicht unbedingt rational agiert.

Auch wenn er keine positive Rolle in dem Geschehen einnimmt, sollte Brent Saxton als Cyn nicht unerwähnt bleiben. Wie Frankie Faison, der in der letzten Episode Charles spielte, handelt es sich um einen dieser Schauspieler, den man aus unzähligen Rollen kennt. The Expanse war immer sehr gut darin, diese mehr als kompetenten Charakterdarsteller zu besetzen, die mit ihren Nebenrollen dem Geschehen noch mehr Bodenhaftung verleihen.

Gescheiterte Undercover-Arbeit

Naomi ist jedoch nicht die einzige, die im Dunkeln tappt: Während Holdens (Steven Strait) Nachforschungen in eine Sackgasse bzw. zu zwei Leichen führen, wirkt Alex bei seinen Ermittlungsversuchen äußerst unbeholfen. Zunächst möchte er einfach nicht glauben, dass etwas faul ist im Staate Mars oder dass Admiral Sauveterre (Tim Dekay) irgendetwas Böses im Schilde führt. Bobbie hat im Gegensatz dazu mittlerweile jeglichen Idealismus bezüglich Mars-Regierung und -Militär abgelegt.

Hinzu kommt, dass Lt. Babbage (Lara Jean Chorostecki) anscheinend wesentlich talentierter ist, Informationen aus Alex herauszubekommen als umgekehrt. Dieser ist wiederum nur zu bereit, wichtige und geheime Fakten über das Protomolekül und die Ereignisse auf New Terra heraus zu plaudern. Als nicht gerade talentierter Undercover-Spion weiß er nicht einmal, in welchem Spiel er sich gerade befindet. Denn das Mars-Militär ist ihm nicht nur einen, sondern mindestens zehn Schritt voraus. Immerhin darf sich Bobbie kurz back-in-action zeigen, was immer Spaß macht, und sich schnell zweier mörderischer Mars-Agenten entledigen.

Fazit:

Helden, denen auf Anhieb alles spielend einfach gelingt, möchte wahrscheinlich niemand so wirklich sehen. Stattdessen müssen sie scheitern können, in Situationen geraten, in denen sie überfordert sind und in denen emotionales Handeln, logische Planung und Verhaltensweisen aussticht, wie es zum Beispiel bei Naomi der Fall ist. Bis auf Amos, der in dieser Episode nicht vorkommt, sich aber wahrscheinlich Off-Screen weiterhin locker-flockig durch das Erden-Baltimore prügelt, kommen in dieser Episode fast alle unsere Helden ins Straucheln. Nicht nur das. Jegliches Handeln scheint zu spät zu erfolgen.

Als zentrales Thema einer Episode kann das vielleicht etwas frustrierend sein, zeigt aber unterstützt umso mehr eine der zentralen Thesen (wenn man dies als solche bezeichnen kann) der Serie: nämlich, dass das Team beziehungsweise die selbstgeschaffene Familie effektiver funktioniert als der Einzelne auf sich allein gestellt. Das mag sich als Analyse etwas kitschig lesen, die Serie kommt aber nie in Versuchung, diese Art von Sentimentalitäten plump zu deklarieren, sondern verpackt das alles organisch, ansprechend und emotional mitreißend in seinen Einzelgeschichten.

Im Strudel – Kritik zu The Expanse 5.02

SPOILER

Camina Drummer (Cara Gee) ist möglicherweise insgeheim eine der faszinierendsten und interessantesten Figuren des Expanse-Universums. Während sie in der Romanreihe erst im fünften Buch ihren ersten Auftritt hat, darf sie in der Serie schon ab der zweiten Episode der 2. Staffel mitspielen. Es handelt sich um eine der besseren Adaptions-Entscheidungen. Drummer wurde nämlich Zeit und Raum gegeben, sich von einer Person, die weitestgehend im Hintergrund agierte, zu einer dreidimensionalen Protagonistin zu entwickeln.

Cara Gee spielt sie von der ersten Minute an mit einer äußerst strengen und verbissenen no-bullshit-Attitüde. Sie schießt ohne mit der Wimper zu zucken gefangen gesetzten Gürtler-Terroristen in den Kopf und vollführt wenig später mit einer eigenen frisch genähten Bauch-Schusswunde ihr Kopfüber-Bauchmuskel-Training.

Gleichzeitig mangelt es ihr nicht an Emotionalität und innerer Zerrissenheit, ohne sofort ins “harte-Schale-weicher-Kern“-Klischee zu verfallen. Fred Johnson (Chad L. Coleman) zog sie einst anscheinend eigenhändig aus der Versenkung, anschließend sagte sich von ihrem einstigen Mentor Anderson Dawes (Jared Harris), um mit Johnson die Tycho-Station aufzubauen, weil sie sich davon eine neue Gürtler-Zukunft erhoffte. Allerdings erkennt sie auch in Johnson dasselbe Machtstreben und den Größenwahn, den sie schon in ihrem alten Mentor Anderson Dawes (Jared Harris) und in der Mars- und Erden-Gesellschaft immer wieder beobachtete.

Für das Gürtler-Volk wünscht sie sich jedoch einen anderen Weg, auch wenn sie nicht genau zu wissen scheint, wie dieser konkret auszusehen hat. Vielleicht schließt sie sich deswegen immer wieder anderen Personen mit großen Ideen an, und vielleicht wird sie deswegen wiederholt enttäuscht. Mit Naomi Nagata verbindet sie eine innige Freundschaft, die aber insbesondere während der gemeinsamen Zeit auf dem Raumschiff Behemoth strapaziert wird.

Ihr Zynismus bezüglich Gürtler scheint sich von Staffel zu Staffel zu vergrößern. Zyniker sind aber häufig nichts anderes als enttäuschte Optimisten und Idealisten, und das trifft auch auf Drummer zu: Sie kämpft weiter und weiter, schwingt auch gerne mal große und patriotische Braveheart-Reden (siehe Episode 3.09). Im Gegensatz zu anderen politischen Figuren und Machthabern wirkt sie dabei jedoch grundehrlich.

Allerdings sieht sie auch die Existenz der Gürtler-Identität durch die Sternentore zu den neuen Welten gefährdet. Sie hat Angst, dass sich immer mehr ihrer Mitstreitern von ihren Wurzeln abwenden, um neue Kolonien aufzubauen. Gleichzeitig erkennt sie, dass Führungspersönlichkeiten der eigenen Gürtler-Fraktion (insbesondere Fred Johnson) die eigenen Leute aus politischen Gründen opfern. In der 8. Episode der 4. Staffel wendet sie sich von den "großen Männern und ihren großen Träumen“, von deren Politik und ihrem Posten auf der Medina-Station ab.

Ihr Weg führte sie nun, zu Beginn der 5. Staffel, zur Weltraum-Piraterie. Und ironischerweise wirkt diese Option fast ehrlicher als die politischen Fallstricke und faulen Taktiken, mit denen sie sich zuvor auseinandersetzen musste. Die Episode selbst widmet Drummer vielleicht gerade einmal zehn Minuten. Trotzdem lohnt es sich, die (psychologische) Reise dieser Nebenfigur, die sich langsam und stetig über vier Staffeln weiter entwickelt hat, noch einmal zurückzuverfolgen.

Triste Zustände auf der Erde

Viel haben wir in den vergangenen Staffeln nicht von der Erde gesehen. Ein UN-Gebäude hier, eine verträumte Farm mitten im Nirgendwo dort. Bobbie Draper konnte in der 2. Staffel einen kurzen Ausflug in unschönere Stadtgegenden machen. Umso interessanter ist es, dank der Reise, auf der sich Amos weiterhin befindet, zu diesem Zeitpunkt einen tieferen Einblick zu erhalten, 

Das Baltimore, das er besucht, erinnert weniger an eine futuristische Mega-City. Vielmehr scheint das abgewrackte London aus Children of Men und die Wohnprojekte aus der Serie The Wire (das ebenfalls in Baltimore spielt) als Vorbild zu dienen. Die Zukunft ist hier nur in geringem Maße wirklich angekommen. Weit weg wirken coole technische Spielereien und vor allem Sternentore zu anderen Sonnensystemen mit ihren frischen, weitestgehend leer stehenden Planeten. Nur ein paar Solarzellen wurden an den Dächern der tristen Erden-Gebäude montiert. Das einzige, was das Leben auf der Erde und das Leben im Weltraum verbindet: Jeder kämpft ums tagtägliche Überleben.

Amos, der eigentlich Timothy heißt, wie sich herausstellt, findet schnell wieder in diese Welt und ihre Dynamik hinein, die er einst unter falschem Namen verlassen hat. Es ist einerseits beunruhigend, andererseits faszinierend, wie gezielt und kontrolliert er Gewalt einsetzt, um seinen alten Freund Erich wiederzufinden: Zwei bis drei gezielte Schläge ins Gesicht eines eingeschüchterten Dealers und kurz danach Verständnis für dessen Situation und Arbeit, was noch nicht einmal geheuchelt wirkt. Im Gegensatz dazu wirkt er geradezu unbeholfen, als er versucht Charles (Frankie Faison), den Witwer seiner verstorbenen Mutterfigur Lydia, zu trösten.

Daniel Abraham und Ty Franck, die beiden Autoren der Buchreihe, die auch als Drehbuchautoren dieser Episode verantwortlich zeichnen, kennen die Figur offensichtlich genau. Diese kleinen Szenen und Charakterisierungen passen organisch ins Geschehen, liefern wichtige Informationen zu Hintergründen und Geschichte dieser Erden-Gesellschaft.

Auch wenn der Plot nicht weit voranschreitet, ist das Erlernen dieser neuen Informationen noch spannend genug und machen neugierig auf mehr. Über die Beziehung zwischen Amos/Timothy und seinem Jugendfreund Erich, seinerseits Anführer eines Syndikats, wird gerade genug preisgegeben, um diese Spannung beizubehalten. Selbiges gilt für Lydia und Amos: Offensichtlich handelte es sich um zwei einsame Menschen, die sich gegenseitig brauchten. Lydia war jemand, die Amos Zurückhaltung beigebracht hat. Kaum auszudenken, zu welcher Art von Gewalttäter sich Timothy entwickelt hätte, wäre dieser Einfluss nicht vorhanden gewesen.

True Detectives in Space

Holden erscheint mittlerweile selbst ein bisschen verloren, wenn er seine gewohnte Crew nicht um sich hat. Nicht einmal auf der Rocinante kann er sich wegen Reparatur- und Update-Arbeiten aufhalten, von seinen Freunden erhält er keine neuen Nachrichten. Nur die neugierige Reporterin Monica Stuart (Anna Hopkins) hält neue Informationen bezüglich des Protomoleküls parat. Nach einem ersten Zögern kann Holden doch nicht widerstehen und beißt an. Auch wenn moralisch überkorrekte Helden-Figuren wie Holden augenscheinlich kaum Ecken und Kanten aufweisen, erscheinen sein Heldentum und sein Bedürfnis, die Probleme des Universums zu lösen, fast zwanghaft. Schließlich ist es einfacher sich in die nächste Ermittlung und Verschwörung zu stürzen, als sich mit der eigenen Einsamkeit auseinanderzusetzen.

So oder so gestaltet sich Monicas Rettung recht aufregend, wenn auch etwas vorhersehbar. Die Serie, seine Autoren und Regisseure (in diesem Fall wieder Breck Eisner) konnten schon immer Spannung in den kleinsten und engsten Räumen erzeugen. Ein klitzekleines Loch in der Außenhülle eines Containers innerhalb einer Raumstation, aus dem Luft entweicht, kann manchmal in dieser Hinsicht effektiver sein als eine oder mehrere große CGI-Explosionen.

Detektivisch geht es auch auf dem Mars weiter. Und es ist schwer zu sagen, ob Bobbie (Franke Adams) Alex (Cas Anvar) einweiht, um einem schwierigeren Gespräch zwischen Freunden aus dem Weg zu gehen, oder weil sie ihn wirklich für nützlich hält.

Die ganze Episode um Admiral Sauviterres Vorlesung, Mars-Verschwörung und Waffenschmuggel deutet jedenfalls auf Ereignisse hin, die über eine 6. Staffel hinausgehen, ohne zu viel zu verraten. Im Zweifelsfall bleiben diese losen Story-Fäden alle in der Luft hängen. Ein anderes Szenario könnte darin bestehen, das Produzenten und Autoren versuchen, hastig alle noch offenen Fragen - Mars-Verschwörung, Gürtler-Terroristen, Protomolekül und die andere, noch unbekannte Bedrohung - innerhalb einer gehetzt wirkenden letzten Staffel zu adressieren und abzuschließen. Es ist schwer zu sagen, was wünschenswerter ist.

Chrisjen kommt auf ihrem verlorenen Mond-Außenposten etwas zu kurz. Das bleibt wahrscheinlich nicht aus, wenn man sich bereits mit vier Storylines innerhalb einer Stunde beschäftigt. Offensichtlich hat sich ihr politischer Einfluss verringert, auch wenn sie fleißig im Hintergrund Fäden zieht und dabei ihre Familie schmerzhaft vernachlässigen muss. 

Fazit:

Nachdem sich die Crew der Rocinante getrennt hat, müssen The Expanse und seine Autoren noch mehr verschiedene Story-Bälle in der Luft halten. Dabei bleibt es nicht aus, dass die eine oder andere Figur vernachlässigt wird. Die Handlung bewegt sich anscheinend nur in Babyschritten vorwärts, trotzdem wirkt das Geschehen selten zäh. The Expanse investierte stets mindestens genau so viel in die verschiedenen Charaktermomente wie in die spektakuläreren Science-Fiction-Elemente. Die Früchte kann man jetzt ernten: Beides ist unterhaltsam und weckt Neugier, sodass Episoden mit augenscheinlichen Leerlaufmomenten nicht weniger interessant sind als die actiongeladenen Weltraumschlachten und Feuergefechte.

Diaspora – Kritik zu The Expanse 5.01

SPOILER

Die Nachricht, dass die Science-Fiction-Serie The Expanse mit der 6. Staffel wohl ihr Ende findet, überraschte wahrscheinlich alle, die daran glaubten, dass die Crew der Rocinante bei Amazon einen sicheren Hafen gefunden hatte, um alle neun Bücher bis zum Ende zu adaptieren. Ein Teil des Autorenduos mit dem Pseudonym James SA Corey namens Ty Franck ließ laut Polygon bereits verlauten, dass er dies mehr für eine Pause halte. Was genau dahinter steckt, sei jetzt erst einmal Spekulationen in diversen Fan-Foren überlassen.

Eine Pause wäre nach der 6. Staffel aus vielen Gründen vielleicht gar nicht so verkehrt – persönliche Anmerkung: Ich habe kürzlich Buch 7 beendet und möchte für die Fans der Serie, welche die Bücher nicht lesen, nichts spoilern; es wäre also sehr rücksichtsvoll in den Kommentaren ebenfalls darauf zu achten. So oder so tun alle Zuschauer gut daran, jeden Moment zu genießen. Schon die erste Episode mit dem Titel "Diaspora" (englischer Titel: "Exodus") bietet einige kleine Leckerbissen, auch wenn Naren Shankan, Showrunner der Serie und Autor dieser Episode, im Grunde lediglich die einzelnen Schachfiguren in Stellung bringt.

Brutaler Einstieg ohne zu viele Worte

The Expanse hat nie mit Brutalität, Tod und Gnadenlosigkeit im kalten und lebensfeindlichen Weltall gespart. Im Gegensatz zu vielen anderen Genre-Serien verkommt diese Gewalt nie zum Selbstzweck. Die Serie stellt glaubhaft Menschen dar, die sich in unmittelbarer Lebensgefahr befinden, fühlt mit ihnen mit und lässt die Zuschauer deren Angst spüren. Diese Art von Empathie und Menschlichkeit zieht sich schon seit der ersten Staffel und der ersten Episode durch die gesamte Serie.

Das wird direkt in den ersten paar Minuten der neuen Staffel bei einem Überfall einer Gürtler-Bande auf ein Forschungsschiff, das Asteroiden-Phänomene in der Nähe des Planet Venus erforscht, noch einmal deutlich. Wir lernen die Besatzung nur kurz kennen und innerhalb weniger Sekunden bricht die Hölle los – Todesangst mischt sich mit verzweifelten und letztendlich erfolglosen Versuchen, um das eigene Leben zu verhandeln. Kleine Rollen, in denen die entsprechenden Darsteller (insbesondere Patrice Goodman als leitende Forscherin) erfolgreich viel Überzeugungsarbeit leisten.

Auch über die Gürtler-Terroristen lernen wir viel, falls die Ereignisse aus der letzten Staffel nicht mehr ganz so frisch in der Erinnerung sind. Die Gang rund um Felip (Jasai Chase Owens) – Naomi Nagatas (Dominique Tipper) verlorener Sohn – verfolgt skrupellos die eigenen Ziele, erschießt Menschen ohne mit der Wimper zu zucken. Außerdem lässt er flehende und ängstliche Mit-Gürtler zurück, die mit dem Fuß unter der Außenhülle des bald in die Luft fliegenden Forschungsraumschiffes stecken bleiben.

Innerhalb dieser wenigen Momente erhält das Publikum bereits tiefe Einblicke in die Psychologie, die Selbstgerechtigkeit und Rechtfertigungs-Strategien dieser Gruppierung, ohne dass dem Zuschauer ausufernde Monologe oder Dialoge um die Ohren gehauen werden: Der Kamerad ist im Dienste eines höheren Ziels gestorben. Wir haben es hier also mit Fanatikern zu tun, die sich wahrscheinlich nur schwerlich eines Besseren belehren lassen. Es ist jedoch immer wieder beeindruckend, wie ökonomisch The Expanse bei dieser Art von Exposition vorgeht und größtenteils zeigt und andeutet, anstatt ausführlich zu erklären.

Zähes Wiedersehen mit alten Freunden

Die Szenen auf der Tycho-Station bieten dagegen einen ruhigen, wenn auch etwas zähen Gegenpol. Für die Serie neue, für den einen oder anderen Zuschauer vielleicht bekannte Gesichter kommen hinzu. Bahaia Watson, die zuletzt unter anderem in ein paar Episoden von Der Report der Magd auftrat, spielt Mechanikerin Sakai, die sich um die Belange der Rocinante kümmert.

Der aus etlichen Film- und Serienrollen bekannte José Zúñiga spielt Bull, einen Mitarbeiter von Fred Johnson (Chad L. Coleman), der offensichtlich gar nicht so glücklich über die Aufmerksamkeit ist, welche die Rocinante zu äußerst günstigen Preisen erfährt. Wie sich diese kleinen Spannungen entwickeln, wenn überhaupt, bleibt abzuwarten. In Moment wirken sie noch relativ belanglos, wenn auch die beiden Neuzugänge wie passende Ergänzungen zur stetig wachsenden Besetzung der Serie erscheinen.

Beeindruckend bleibt, dass The Expanse kleine Details, die in Staffel 1 eingeführt wurden, nicht vergisst: Hier zum Beispiel Holden (Steven Strait), der seine regelmäßige Dosis Medizin in seinen Arm injizieren muss, um nicht an Krebs zu sterben. Die Dynamik zwischen Holden und Naomi ist zwar vertraut, allerdings nicht mehr ganz so frisch. Sicherlich ergibt sich die ein oder andere dramatische Situation, in der Naomi tränenreich erklärt, dass sie sich allein auf die Suche nach ihrem Sohn begeben muss. Alles bleibt versöhnlich, wird schnell verstanden und beschlossen. Die Beziehung hat sich gut eingespielt, was nicht unbedingt unglaubwürdig ist, die Dramatik hält sich allerdings in Grenzen. Es ist gut, dass die Serie die beiden für eine Weile voneinander trennt, damit sie sich mit anderen Figuren auseinandersetzen können.

Relevanter erscheint hier das Gespräch zwischen Holden und Fred Johnson, das sich um das verschwundene Protomolekül und die Benutzung der Sternen-Tore zu den neuen Kolonien dreht. Der offensichtlich wütende Holden hat nämlich kurz zuvor erfahren, dass Johnson und der seit der 2. Staffel verschwundene Anderson Dawes (Jared Harris) vermutlich mit dem äußerst gefährlichen Protomolekül herum experimentieren. Zudem scheinen noch unbekannte Entitäten, die schon zuvor eine Zivilisation ausgelöscht haben, gar nicht glücklich darüber zu sein, dass sich die Menschheit durch die diversen Sternen-Tore bewegt.

Eine unbekannte und unsichtbare Macht, die möglicherweise die Existenz einer zu leichtfertigen und kurzsichtigen Menschheit bedroht und zudem von wichtigen Entscheidungsträgern angezweifelt wird – zeitgemäße Bezüge lassen sich hier sicherlich zu Genüge finden.

Amos allein im Weltraum

Ungleich ansprechender und amüsanter ist dagegen, wie sich Amos allein durch dieses Universum Richtung Erde bewegt. Darsteller Wes Catham muss nicht unbedingt viele Worte verlieren, in seinem relativ stoischem Gesicht und ausdrucksstarken Augen spiegelt sich viel wieder. Mit einer alten schnarchenden Frau scheint er Mitleid zu haben. Dem Pärchen, das beinahe von einigen Raumschiff-Bediensteten abgezockt wird, hilft er nicht unbedingt aus Herzensgüte, sondern weil er Streit zu suchen scheint. Im Grunde könnte aber beides irgendwie zutreffen, spiegelt aber auch die interessante Ambiguität dieses Protagonisten wider.

Auch inszenatorisch kann Regisseur Breck Eisner aus dieser Storyline offensichtlich mehr herausholen: Die Action-Szene zeigt er mit schnell geschnittenen und kurzen Rückblenden. Außerdem investiert er in die spätere Mondlandung-Sequenz relativ viel Zeit. Auch wenn sie nicht unbedingt eine große Bedeutung im Kontext dieser Episode hat, darf man sich die Gestaltung und vielleicht auch das größere Effekt-Budget zusammen mit der schönen musikalischen Untermalung von Komponist Clinton Shorter auf der Zunge zergehen lassen.

Amos und Chrisjen Avasarala (Shohreh Aghdashloo) treffen nicht oft allein aufeinander – das flirtende-amüsierte Spiel zwischen den beiden, während sie versuchen, sich gegenseitig aus der Reserve zu locken, macht allerdings großen Spaß. Amos versprüht trotz oder gerade wegen seiner soziopathischen Veranlagung viel Humor, der auf wunderbare Weise von Chrisjens Neigung zu verbalen Ausfällen ergänzt wird, sodass geradezu die Funken sprühen. Mehr davon, bitte!

Vergessene und frustrierte Marsianer

Mars trägt immer mehr die Anzeichen einer verlassenen Kolonie. Während die Einkaufspassagen des Planeten in der letzten Staffel noch relativ bunt und gefüllt aussahen, wirkt alles karger und verwaister. Das mag auch daran liegen, dass sich Alex (Cas Anvar) in einer relativ düsteren Gegend aufhält, um die Familie zu besuchen, die er einst zurückgelassen hat. Von allen Storylines in dieser Episode erscheint diese am wenigsten reizvoll. Hier existieren vorhersehbare Spannungen zwischen Exfrau und Exmann, der schon vor langer Zeit die Verantwortung für seine Frau und seinen Sohn von sich geschoben hat. Die Verwirrung, die gerechtfertigte Wut – alles ist absehbar, nur nicht unbedingt ansprechend oder aufschlussreich.

Mit viel faszinierenderen Dämonen hat dagegen Bobbie Draper (Frankie Adams) zu kämpfen, die offensichtlich noch ihrer Detektivarbeit nach geht. Marsianer wenden sich offensichtlich vom Marsprojekt ab. Warum auch die Mühen des Terraforming auf sich nehmen, wenn Tausende bewohnbarer Welten um die Ecke warten? Für Bobbie, die diesem Projekt jedoch ihr Leben und ihr Blut gewidmet hat, gestaltet sich der Trennungsprozess von alten Träumen und Zielen verständlicherweise nicht allzu einfach. Die Standpauke, die sie Alex in der knuffig-albernen marsianischen Westernbar hält, scheint sie im selben Maße an sich selbst zu richten.

Einer der interessantesten Aspekte und Fragen dieser Serie ist schließlich, wie eine Menschheit auf politischer aber auch persönlicher Ebene reagiert, wenn plötzlich scheinbar grenzenloser Lebensraum offen steht. Wer profitiert, auf welche Weise? Wer wird zurückgelassen oder hält an alten Träumen fest?

Fazit: 

Die erste Episode einer neuen Staffel mit einem übergeordneten Story-Bogen erscheint von der Konzeption her nie besonders einfach: Sie hat zum einen die Aufgabe, die Zuschauer daran zu erinnern, was in den letzten Episoden oder sogar in den letzten Staffeln los war. Zur selben Zeit muss sie zumindest einen Einblick bieten, was zwischen der letzten und der aktuellen Staffel geschehen ist. Darüber hinaus muss alles in Stellung gebracht werden, um die neue Handlung in Gang zu bringen. Die Episode "Diaspora" meistert diese Gratwanderung weitestgehend erfolgreich.

Zudem zeigt sie eine Menschheit, die unter Kontrollverlust leidet, auch wenn sie noch so sehr versucht, ihre Umstände zu kontrollieren. Fred Johnson und Offscreen-Richard-Dawes versuchen anscheinend weiterhin, das Protomolekül zu beherrschen und beunruhigende Konsequenzen der Sternentor-Reisen von sich zu wegzuschieben. Die Gürtler-Terroristen kämpfen um Relevanz in einem Universum, das sie zurückzulassen droht. Der Mars-Traum hat sich größtenteils ausgeträumt und Bobbie weiß nicht, wohin mit sich selbst. Mit der ersten Episode ist jedenfalls ein spannendes Fundament für die kommende Staffel gelegt.

The Expanse: Shohreh Aghdashloo & Cara Gee im Interview zum Start von Staffel 5

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The Expanse Pilot

Heute startet die lang erwartete Staffel 5 von The Expanse. Zum Auftakt gibt es gleich drei Folgen, bevor die Serie dann für die weiteren Episoden in den wöchentlichen Ausstrahlungsrhythmus wechselt.

Wir hatten im Rahmen der Press Junkets für Staffel 5 gemeinsam mit weiteren Journalisten die Gelegenheit, mit Wes Chatham (Amos Burton), Shohreh Aghdashloo (Chrisjen Avasarala) sowie Cara Gee (Camina Drummer) zu sprechen. Zum Interview mit Wes Chatham geht es hier entlang.

Was ist von Avasarala und Drummer in der neuen Staffel zu erwarten? Cara Gee blickt für ihre Figur Camina Drummer kurz zurück:

“Am Ende von Staffel 4 hat Drummer beschlossen, die OPA zu verlassen, da sie sich nicht mehr mit ihren Werten deckt. Genau genommen hat sie Fred Johnson einen Schlag ins Gesicht verpasst. Zwischen Staffel 4 und 5 hat sie eine neue Crew gefunden. Wir freuen uns schon darauf, dass die Fans die Crew kennenlernen, ich finde, da sind einige großartige Darsteller dabei. Für Drummer ist das Leben außerhalb der OPA aber total unterschiedlich. Ich vermute, in den ersten 30 Sekunden ist sie beinah glücklich. Und dann ändert sich natürlich alles, es wird ihr das Glück genommen (lacht).”

Aghdashloo ergänzt zur ihrer Figur Chrisjen Avasarala:

"In Staffel 5 passiert das, was Chrisjen immer befürchtet hat. Was ich an dieser Serie aber liebe, ist die Tatsache, dass sie sich nicht das erste Mal sorgt. In Staffel 1 sehen wir sie auf dem Dach, wie sie die Sterne betrachtet. Ihr Enkel kommt hinzu und fragt sie, ob sie die Sterne fürchte. Und sie entgegnet, dass sie sich vor den Steinen fürchte, die Leute werfen würden. Sie hat schon bis zum Hals darin gesteckt. In Staffel 4 sehen wir, wie sie sich verzweifelt fragt, was sie tun muss. In Staffel 5 passiert nun das, was sie befürchtet hat."

Sowohl Drummer als auch Avasarala werden sich im Laufe der Staffel verletzlich und auch schwach zeigen, demonstrieren aber weiterhin ihre Stärke. Ein Aspekt, auf den Aghdashloo leidenschaftlich antwortet:

“Stark? Ich finde, jede Frau auf der ganzen Welt fühlt, dass sie stärker sein möchte. Jede Frau muss heute stärker sein. Denn wenn wir Gleichbehandlung fordern, fordern, Seite an Seite mit den Männern zu arbeiten, dann müssen wir wirklich stark sein. Ich meine damit, dass wir unser Bestes tun müssen, damit sie nicht glauben, dass wir naiv handeln oder ihnen das Gefühl geben, dass wir es nicht wert wären. Man muss stärker sein, um seine Träume zu erfüllen, einen besseren Job und die Welt zu einem besseren Ort zu machen. Das hat Chrisjen im Kopf. Sie weiß, dass es keinen anderen Weg gibt, als stark zu sein.”

Aghdashloo erzählt, dass sie zwölf Tage gebraucht hat, um aus Teheran nach London zu fliehen. Ihr Weg führte von Teheran nach Istanbul, dann in das damalige Jugoslawien, danach über Deutschland nach Paris nach Calais und von dort nach London. Sie sagte sich selbst, dass sie niemals aufgeben und sich niemals ergeben würde und machte es zu ihrem Mantra. Stattdessen haben all die Probleme, die ihr auf der Flucht begegneten, sie stärker gemacht. Sie wollte weitermachen - und das Schicksal zum Kampf herausfordern und ihre Zukunft so formen, wie sie es wollte.

“Ich bin dankbar, frei zu sein. Ich bin dankbar dafür, eine Wahl zu haben. Das Problem mit uns Frauen ist, dass wir nichts uns selbst beweisen müssen, es aber der Welt beweisen müssen. Jedem. Unseren Männern, unseren Kindern, der Gesellschaft - dass wir fähig sind, eine Schlüsselposition in der Regierung zu haben, in der NASA … einfach in höheren Positionen. Wir haben die Rechte! Und wir können das machen!”

Gee stimmt ihrer Schauspielkollegin in diesem Aspekt aus vollem Herzen zu und ergänzt:

“Drummer kämpft für etwas, an das sie glaubt. In dieser Staffel sehen wir, was unter ihrer Oberfläche schlummert. Wir lernen mehr über ihr Privatleben als je zuvor. Wir sehen Momente, in denen sie sehr verletzlich ist. Bei Drummers Reise geht es um das Risiko zu lieben und geliebt zu werden. In ihrer Verletzlichkeit steckt aber auch viel Stärke. Das ist etwas, das lange in ihre geschlummert hat. Jetzt in der Lage zu sein, das zu teilen, war keine Herausforderung, sondern eine Erleichterung.”

Zu dem Gürtler-Akzent, den Gee in der Serie spricht, hat die Schauspielerin noch eine eigene Anekdote:

“Ich habe mit dem Akzent vorgesprochen und alle haben gedacht, ich wäre irre! Ich wusste, was ich da machte, ich habe als Vorbereitung immer und immer wieder Jared Harris zugehört. Zusätzlich arbeiten wir mit einem Dialect Coach. Seine Stärke liegt in dem Finden der verschiedenen Laute. Insbesondere in den Pausen zwischen den Staffeln, wenn mehrere Monate vergehen, ist es wichtig, alles nochmals mit seiner Hilfe aufzufrischen. Mein Ehemann ist Niederländer und ich habe den Eindruck, dass ich mir manches von der niederländischen Sprache klaue. Ich weiß zwar nicht, ob die Szene es in Staffel 5 in die Endfassung geschafft hat, aber ich musste leise fluchen und sag: “godverdomme!””.

Abschließend wollte noch wir wissen, was Aghdashloo machen würde, wenn sie im wirklichen Leben den Posten ihrer Serienfigur innehätte.

“Das würde ich so gern machen! Ich habe einen Abschluss in Politikwissenschaft mit Schwerpunkt auf Internationale Beziehung. Ehrlich gesagt würde ich aufhören, die Völker zu trennen. Ich würde die Regierenden bitten, damit aufzuhören, ihr Volk zu trennen. Das ist alte Politik. Alte Tricks. Silberfüchse. Über einhundert Jahre alt. Wir dürfen Völker nicht trennen. Je mehr wir Menschen zu trennen versuchen, desto schlimmer wird es. Denn Social Media bringt uns zusammen. Wir müssen diese soziale, wenn auch virtuelle Nähe respektieren. Obwohl wir physisch voneinander entfernt sind, sind unsere Herzen näher denn je zusammen. Wenn ich Chrisjens Position im wirklichen Leben hätte, würde ich alle Länder darum bitten, ihre Regierenden zu beobachten und sicherzustellen, dass sie … ich möchte das Wort transparent nicht benutzen, da Politik nie transparent ist. Aber bleibt bei eurem Volk. In einer Demokratie wird einer aus dem Volk vom Volk gewählt, um dem Volk zu dienen. Sei diese Person! Lasst uns lieber verhandeln, als uns gegenseitig umzubringen. Vertraut mir, es ist möglich, die Welt zu einem besseren Ort zu machen. Wie Gandhi schon sagte: Die Welt hat genug für jedermanns Bedürfnisse, aber nicht für jedermanns Gier.”

The Expanse: Wes Chatham im Interview zum Start von Staffel 5

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The Expanse

Heute startet die lang erwartete Staffel 5 von The Expanse. Zum Auftakt gibt es gleich drei Folgen, bevor die Serie dann für die weiteren Episoden in den wöchentlichen Ausstrahlungsrhythmus wechselt.

Wir hatten im Rahmen der Press Junkets für Staffel 5 gemeinsam mit weiteren Journalisten die Gelegenheit, mit Wes Chatham (Amos Burton), Shohreh Aghdashloo (Chrisjen Avasarala) sowie Cara Gee (Camina Drummer) zu sprechen. Das Interview mit Aghdashloo und Gee findet ihr in diesem separaten Beitrag.

The Expanse hat im Verlauf der Serie immer wieder Andeutungen über Amos’ Vergangenheit gestreut. In Staffel 5 ist die Figur nur an dem Punkt angekommen, an dem es sich nicht mehr nur um Andeutungen handelt - und gerade darauf freut sich Wes Chatham.

“Noch vor Staffel 1 hatte ich den Vorteil, dass ich “Der Mahlstrom” gelesen hatte, der sich insbesondere um Amos’ Kindheit dreht. Und ich habe mit Ty und Daniel, den Buchautoren gesprochen, die von Beginn an in die Serie eingebunden waren. Wir sind tief in Amos’ Hintergrundgeschichte eingetaucht. An Staffel 5 finde ich besonders befriedigend, dass all die Arbeit und Vorbereitung, die ich in meine Vorstellung über sein Heranwachsen in Baltimore und seine Beziehung zu Erich hatte, nun wahr werden. Wir leben jetzt in seiner Welt. Als Schauspieler ist es befriedigend zu sehen, wie das passiert.”

Ein Vorteil für ihn war, dass er vor der Serie bereits von den Bücher gehört hatte.

“Ich wusste von den Büchern, bevor ich von der Serie wusste. Als ich das Drehbuch zur Pilotepisode gelesen hatte und als ich erfuhr, dass man mich für die Rolle des Amos sehen wollte, war ich ziemlich aufgeregt - ich hatte einfach ein besonderes Gefühl. Das war eine magische Erfahrung. Der beste Job, den ich jemals hatte. Ich hatte ein gutes Gefühl dabei, aber keine Vorstellung davon, dass es zu dem werden wollte, was es heute ist. Es macht einfach sehr viel Spaß. Ich bin dankbar, ein Teil davon zu sein.”

Chatham hat im Verlauf der Serie ein immer tiefergehendes Verständnis für seine Rolle bekommen, wie er weiterhin erzählt.

“Ich halte es für eine Superkraft von Amos, dass er Schachzüge im Voraus überdenkt, er denkt wirklich wahnsinnig schnell. Er weiß, was passiert. Später in Staffel 5 gibt es einen Moment, in dem er und eine weitere Figur etwas benötigen - und da ist eine andere Person, die das hat, was sie benötigen. Amos denkt sofort 'Wir brauchen es. Er hat es. Also müssen wir ihn töten!' Und so denkt er irgendwie. Darum benötigt er Personen in seinem Umfeld, die ihm sagen, dass er nicht einfach Leute umbringen kann, um an ihre Sachen zu kommen.'"

Aber auch das Training ist für ihn nicht ganz unwichtig, wenn es darum geht, eine Verbindung zu seiner Rolle aufzubauen.

“Ich habe selbst einen Militär-Hintergrund und das bahnt sich vermutlich seinen Weg an die Oberfläche. Ich war für vier Jahre beim Militär. Und gerade der physische Aspekt im Hinblick auf den Muskelaufbau, sich kräftig zu fühlen, das Training mit Gewichten, Boxen, Jiu-Jitsu bringt meinen Kopf in diesen aggressiven Status, den ich benötige, um Amos zu spielen.”

Amos’ Geschichte führt ihn in den kommenden Folgen weg von seinem mittlerweile gewohnten Umfeld. Eine Situation, die auch für Chatham neu war. Wie war es denn, ohne seine Crew zu spielen?

“Es hat sich angefühlt, als wäre ich in einem anderen Film. Mein erster Drehtag für die Staffel war, als Amos das erste Mal nach Baltimore kommt. Ich hatte meine Rocinante-Crew nicht um mich. Ich war nicht im Studio, sondern mitten in der Stadt. Es war größer als alles, was wir bis dato gedreht hatte. Ich habe mich wirklich gefühlt, als wäre ich in einem anderen Film. Ich habe einen Moment gebraucht, um mich zu erden und mich wieder einzufinden. Es war definitiv merkwürdig, nicht mit den anderen jeden Tag zusammen zu arbeiten.

Zudem dürfen die Fans in den neuen Episoden eine andere Seite von Amos erwarten. Ein Punkt, auf den die Serie laut Chatham kontinuierlich hingearbeitet hat.

“Das kommt mit seinem Handlungsbogen. Das fängt schon in Staffel 1 an, mit seinen Erfahrungen. Er hat gelernt, der Rocinante-Crew zu vertrauen. Er hat gelernt, wie es ist, eine Familie zu haben. Und er versucht auch, anderen zu helfen. Er öffnet sich auf Arten, die wir bislang nicht von ihm kannten. Er ist einfach eine interessante, komplexe Figur. Er ist meisterhaft geschrieben und erschaffen worden. Im weiteren Verlauf steuern wir meiner Meinung nach auf den Höhepunkt seines Bogens zu. In Staffel 5 kommt alles zusammen - seine Hintergrundgeschichte, alles, was wir über ihn gelernt haben. Wir bekommen Einblick in Amos und lernen, woher er kommt und warum er dort ist, wo er gerade ist."

Den wöchentlichen Ausstrahlungsrhythmus empfindet er positiv und meint:

“Es gibt natürlich Pro und Contra, aber letztendlich ist es positiv. The Expanse hat eine Verbindung und Beziehung zu den Fans, anders als alles andere, an dem ich je beteiligt gewesen bin. Das gewährt uns die Zeit, mit den Fans zu interagieren und die Serie gemeinsam mit ihnen zu erleben."

Im vergangenen Monat erfolgte die Meldung, dass Amazon eine letzte Staffel 6 geordert hatte. Chatham legt hier einen besonderen Wert darauf, wie es formuliert wurde.

“Wir haben gehofft und geträumt, dass wir es bis Staffel 6 schaffen. Aufgrund der Loyalität der Fans, die zu uns halten - und es hat ein paar schwierige Jahre mit der Serie gegeben - ist es derzeit ziemlich aufregend für uns. Ich finde, die Fans haben die Serie zum Erfolg geführt, dafür sind wir sehr sehr dankbar. Außerdem hat die Serie in der Vergangenheit einige bemerkenswerte Dinge geschafft. Sie haben jetzt gesagt, dass es “die letzte Staffel” sei, aber sie haben nicht unbedingt gesagt, dass es “das Ende von The Expanse” sei. Wer weiß also, was noch passiert."

Deswegen drückt sich Chatham abschließend auch nebulös als, als die Frage nach seine Reaktion auf "die letzte Staffel" aufkommt.

“Die Serie hatte sozusagen schon mehrere Leben, das ist schon bemerkenswert. Die Fans werden zufrieden sein, wie es endet. Aber wer weiß, was die Zukunft bereithält nach Staffel 6. Die Serie ist gesünder als je zuvor, also finde ich es toll, dass wir eine Staffel 5 und 6 bekommen haben. Wer weiß schon, was die Zukunft bereithält?

The Expanse: Amazon bestellt eine finale Staffel 6

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The Expanse

Noch bevor Staffel 5 von The Expanse bei Amazon gestartet ist, ist Staffel 6 bestellt worden - Amazon kündigte jedoch an, dass dies auch die finale Staffel der Serie sein wird. Damit kommt The Expanse zum zweiten Mal zum Ende.

Die ersten drei Staffel liefen auf Syfy, bevor der Sender im Mai 2018 das Ende der Serie verkündete. Eine von Fans gestartete Rettungskampagne führte mit dazu, dass Amazon sich knapp drei Wochen später dazu entschied, The Expanse nach der Absetzung zu übernehmen.

In einem Statement heißt es:

"Von dem Moment an, als wir uns verpflichtet haben, diese Serie zum Leben zu erwecken, bis zu dieser letzten Staffel, haben wir unermüdlich daran gearbeitet, die Vision der Autoren zu ehren. Wir sind stolz darauf, eine der vielfältigsten Besetzungen im Fernsehen zu haben und Geschichten, die von Bedeutung sind, eine Plattform zu geben. Unser besonderer Dank gilt Daniel Abraham und Ty Franck, den Autoren der Bücher und Serien, sowie Naren Shankar, der Showrunner und ausführende Produzent der Serie. Es ist weiterhin eine Ehre und ein Privileg, mit diesem Team zusammenzuarbeiten. Wir möchten auch Amazon für die anhaltende Unterstützung danken, die uns hilft, diese Geschichte in ihrer ganzen Fülle zu erzählen und The Expanse einem weltweiten Publikum zugänglich zu machen".

Bevor es mit The Expanse nun jedoch final zum Ende geht, starten am 16. Dezember die neuen Folgen der vorletzten Staffel 5. Die Ausstrahlung erfolgt im Wochenrhythmus.

The Expanse: Erster Trailer und Startdatum der 5. Staffel

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The Expanse

Auch Amazon nutzt die virtuelle New York Comic Con für eine sehnlichst erwartete Veröffentlichung: Der erste Trailer zur fünften Staffel von The Expanse. Während des Panels, das von Dominique Tipper (Naomi) selbst moderiert wurde, gab es zudem weitere Infos zum Plot und auch das Startdatum.

Los geht es bereits vor Weihnachten - ab dem 16. Dezember erscheinen im Wochenrhythmus die neuen Folgen. Das Finale ist für den 3. Februar geplant. The Expanse schließt sich hier also dem Trend an, dass auch Streaminganbieter vermehrt weg von der Veröffentlichung kompletter Staffeln an einem Tag tendieren. Dies wird unter anderem auch mit dem verzögerten Nachschub aufgrund ausgefallener Produktionsarbeiten durch Corona erklärt - so lässt sich vorhandenes Material länger strecken und auch die Interaktion/Rezeption in den sozialen Medien ist über längere Zeit intensiver.

In der fünften Staffel machen sich Scharen an Menschen daran, das Sonnensystem zu verlassen auf der Suche nach bewohnbaren neuen Planeten und gewaltigen Reichtüchmern jenseits des Alien-Rings. Besonders für die Belter scheint der Tag der Abrechnung mit der jahrhundertelange Ausbeutung und Unterdrückung durch Erdlinge und Marsianer gekommen.

Wie auch im fünften Roman (Nemesis Games) der Reihe von James S.A. Corey, gehen die Helden in Staffel 5 noch mehr eigenen Abenteuern nach. Amos führt es zurück zu seinen ärmlichen Wurzeln in den Slums von Baltimore, um seiner Vergangenheit, vor der er floh, entgegen zu treten. Naomis Verbindung zu den extremeren Belter-Fraktionen kommt zum Tragen, als sie ihren entfremdeten Sohn vor den toxischen Einflüssen seines Vaters retten will. Drummer hat eine neue Crew und versucht, ein neues Leben zu beginnen. Alex und Bobbie sind auf dem sich rasch destabilisierenden Mars einer kriminellen Geheimorganisation auf der Spur und Avasarala hat mit Terroristen zu kämpfen. Während die meisten Charaktere mit privaten und/oder politischen Belangen beschäftigt sind, hat es Holen weiter mit dem Protomolekül und dem Mysterium der Aliens zu tun.

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