Retro-Kiste

Retro-Kiste zu Terminator: Ich komme wieder!

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Schwarzenegger Terminator

Arnold Schwarzenegger hat im Laufe seiner Schauspielkarriere in vielen bekannten Blockbustern (Predator, Total Recall, Last Action Hero oder True Lies – Wahre Lügen) mitgespielt. Aber keine seiner Rollen ist mit Ausnahme von Conan mit ihm so verbunden wie seine Auftritte als Killermaschine in den Terminator-Filmen. Mit knapp siebzig Worten wurde Schwarzenegger 1984 zum Weltstar.

Ähnliches gilt für den Regisseur James Cameron. Heute kennt jeder Titanic und Avatar, die beide zu den erfolgreichsten Filmen der Kinogeschichte gehören. Vor Terminator hatte er 1981 nur Piranha 2 – Fliegende Killer gedreht, der wahrlich kein Meisterwerk ist – auch wenn Cameron selbst ihn scherzhaft als den besten Horrorfilm über fliegende Killerfische aller Zeiten bezeichnete.

Seine erste Regiearbeit - ursprünglich sollte Cameron nur die Spezialeffekte des Horrorfilms übernehmen - drehte er in Italien für den Produzenten Ovidio G. Assonitis. Zwischen den beiden kam es zu Unstimmigkeiten, und so war Cameron am Ende nicht mehr für den Schnitt der fertigen Kinofassung verantwortlich.

Zurück in den USA schrieb Cameron das Drehbuch für den Film Terminator, welches angeblich von einem Albtraum des Regisseurs inspiriert wurde. Cameron hatte aus seinen Erfahrungen mit Assonitis gelernt und verkaufte seine Filmidee an die Produzentin Gale Anne Hurd für nur einen Dollar. Dafür bekam er die Zusage, dass er auch die Regie bei seinem Terminator-Film übernehmen durfte.

"Und dieser Computer denkt, er könne gewinnen, indem er die Mutter seines Feindes tötet."

Die Geschichte des Films ist schnell zusammengefasst: Im Jahr 2029 haben die Maschinen mithilfe einer künstlichen Intelligenz und menschenähnlicher Cyborgs die Menschheit fast ausgerottet. Doch John Connor, dem Anführer des Widerstands, gelingt es, die Überlebenden zu einen und zum vernichtenden Schlag gegen die Maschinen auszuholen.

Doch die KI sendet kurz zuvor einen Terminator zurück in die Vergangenheit. Im Jahr 1984 soll dieser Killerroboter die Mutter von John Connor auslöschen, bevor ihr Sohn geboren werden kann. Systematisch sucht der Terminator nun alle Sarah Connors aus dem Telefonbuch heraus und tötet sie.

Doch auch die menschlichen Rebellen haben mit Kyle Reese einen Kämpfer in die Vergangenheit geschickt. Nach seiner Landung in Los Angeles bekommt es der Zeitreisende erst mal mit der Polizei zu tun. Es gelingt ihm dennoch, die wahre Sarah Connor rechtzeitig vor dem ersten Angriff des Terminators zu retten. Die beiden verlieben sich ineinander, und so kommt es zu einem interessanten Zeitparadox. Reese lässt im Kampf mit der Maschine sein Leben, und im Finale muss Sarah in einer Fabrik alleine gegen den Roboter aus der Zukunft kämpfen.

Lässt man die Science-Fiction-Elemente (Zeitreise und Killerroboter) einmal bei Seite, ähnelt der Film im Grunde einem typischen Slasher-Film. Ein geheimnisvoller Killer metzelt sich durch den Film und wird am Ende von Sarah Connor als Final Girl besiegt. Somit könnte man sagen, dass Linda Hamilton als Sarah Connor in die Fußstapfen von Jamie Lee Curtis tritt.

Natürlich unterscheidet sich Terminator in vielen Aspekten von Slashern wie Halloween – Die Nacht des Grauens (1978). Es gibt bereits im ersten Terminator-Film wesentlich mehr bombastische Actionszenen, und anstelle der idyllischen Vorstadt wählte Cameron die düstere Großstadt als Handlungsort.

Der größte Unterschied ist aber der Gegenspieler an sich. Im Gegensatz zu den gesichtslosen Killern wie Michael Myers und Co. ist der Terminator ganz klar der Star des Films. So wird im Vorspann auch Arnold Schwarzeneggers Name als erster noch vor Michael Biehn und Linda Hamilton genannt – was schon alleine deswegen ungewöhnlich ist, da Schwarzenegger nicht den Helden des Films spielt.

"Kommen Sie mit mir, wenn Sie leben wollen."

Arnold Schwarzenegger hatte 1984 noch nicht den Höhepunkt seiner Schauspielkarriere erreicht. Seine erste Hauptrolle hatte er 1969 in dem Film Hercules in New York. Es folgten Nebenrollen in Der Tod kennt keine Wiederkehr (1973), und schließlich verkörperte er 1982 die Titelfigur in Conan, der Barbar. Diese Rolle steigerte seinen Bekanntheitsgrad in Hollywood enorm.

Mike Medavoy, der Chef von Orion Pictures, wollte gerne, dass Schwarzenegger die Rolle des Helden übernahm. Aber Cameron bestand darauf, dass der ehemalige Bodybuilder als Kyle Reese nicht geeignet wäre. Auf Drängen von Medavoys traf sich Cameron dennoch mit Schwarzenegger, und die beiden hatten entgegen seinen Erwartungen ein sehr konstruktives Gespräch. Schwarzenegger war vom Drehbuch begeistert und gab dem Regisseur Tipps, wie sich dieser Bösewicht verhalten sollte. Da bot Cameron ihn spontan die Titelrolle an. Schwarzenegger nahm an, obwohl ihm seine Agenten abriet, den Antagonisten zu spielen.

Schwarzenegger hat im Lauf seiner Filmkarriere bewiesen, dass er mehr kann als nur fies gucken. So drehte er zusammen mit Danny DeVito zum Beispiel die Komödie Twins – Zwillinge. Seine frühen Erfolge basieren aber vor allen auf seiner physischen Präsenz. Trotzdem verlangte auch die Rolle des Terminators einiges schauspielerische Können. So trainierte Schwarzenegger mehrere Monate auf dem Schießstand mit verschiedenen Waffen, damit er später im Film völlig starr und ohne zu blinzeln mit ihnen umgehen konnte, um so die perfekte emotionslose Maschine darstellen zu können.

Viel zu sagen hatte Schwarzenegger in dem Film nicht – der Terminator spricht dennoch mehr als die berühmten siebzig Worte, da er in zwei Szenen jeweils die Stimme eines toten Polizisten und von Sarahs Mutter verwendet, um so seine Gesprächspartner am Telefon zu täuschen.

Die Heldin des Films ist die von Linda Hamilton gespielte Sarah Connor. Noch mehr als der Vergleich zu der oben erwähnten Laurie Strode aus Halloween drängt sich Ähnlichkeit zur Actionheldin Ellen Ripley (Sigourney Weaver) in den Alien-Filmen auf. Hamilton ist am Anfang des Filmes noch nicht als toughe Heldin erkennbar. Erst im Finale und besonders dann in der Fortsetzung Terminator 2 – Tag der Abrechnung tritt sie als knallharte Actionheldin hervor. 2019 durfte sie die ikonische Rolle der Sarah Connor in Terminator: Dark Fate wieder aufnehmen.

Vor 1984 hatte Hamilton nur in der Stephen-King-Verfilmung Kinder des Zorns mitgewirkt. Danach war sie in vereinzelten Kinofilmen wie Dante's Peak oder TV-Serien wie Die Schöne und das Biest oder zuletzt Chuck zu sehen. Die ganz große Filmkarriere gelang ihr im Gegensatz zu Arnold Schwarzenegger nicht.

Auch Michael Biehn, dem Darsteller der anderen Heldenfigur aus Terminator, gelang im Anschluss nicht der Sprung in die Erste Liga der Hollywoodstars. Cameron dreht mit ihm noch eine Szene für die Terminator-Fortsetzung. Aber in der Kinoversion wurde diese Traumsequenz wieder heraus geschnitten. Erst im Director's Cut von Terminator 2 – Tag der Abrechnung ist Biehn kurz noch einmal als Kyle Reese zu sehen. Zusammen mit Biehn drehte Cameron noch Aliens – Die Rückkehr und Abyss – Abgrund des Todes. 2007 war Biehn als Sheriff Hague in dem Kinofilm Planet Terror von Robert Rodriguez zu sehen.

Auch Lance Henriksen, welcher den Polizisten Vukovich spielte, gehörte 1986 in Aliens – Die Rückkehr wieder mit zur Besetzung. Danach war er in Alien 3 und Alien vs. Predator zusehen und übernahm in der Fernsehserie Millennium die Hauptrolle. Sein Vorgesetzter wird von Paul Winfield (Star Trek II: Der Zorn des Khan) dargestellt, der 1984 bereits auf eine längere Filmkarriere zurückblicken konnte. Earl Boen war in unterschiedlichen Nebenrollen in den Serien Alf, Buck Rogers, oder Star Trek: The Next Generation zu sehen. Bekannt machte ihn aber seine Rolle des Psychiaters Dr. Silberman, welche er auch im zweiten und dritten Teil der Reihe verkörperte.

In kleineren Nebenrollen kann man Dick Miller (Gremlins – Kleine Monster, Meine teuflischen Nachbarn) als Waffenverkäufer und Bill Paxton (Aliens – Die Rückkehr) als einen der Punks, denen der Terminator zu Beginn ihre Kleidung klaut, sehen.

"Legen Sie bitte nicht auf – auch Maschinen brauchen Liebe."

Der Beginn der Produktion von Terminator verschob sich 1984 ein wenig, da Arnold Schwarzenegger noch Conan der Zerstörer drehte. Die Wartezeit nutzte Cameron und arbeitete an den Drehbüchern zu Rambo II - Der Auftrag (1985) und Aliens - Die Rückkehr (1986). Nebenbei verbesserte er auch noch das Terminator-Skript.

Später gab es Zweifel, ob die Idee wirklich aus einem von Camerons Albträume entstammte oder von einer Folge Outer Limits inspiriert wurde. Der Science-Fiction-Autor Harlan Ellison (A Boy and his Dog) schrieb 1963 das Drehbuch für die Episode "Soldier". Terminator wies sehr große Ähnlichkeit zu dieser Folge auf, sodass Harlan dem Regisseur wegen Plagiat verklagte. Es kam zu einer außergerichtlichen Einigung, und seitdem gibt es einen Hinweis auf Ellisons in dem Terminator-Vorspann. Der Film hatte dem Science-Fiction-Autor trotz aller Plagiatsvorwürfe sehr gefallen.

Ursprüngliche hatte Camerons die Idee, dass Skynet zwei Cyborgs in die Vergangenheit schickte. Bei dem Ersten hätte es sich um den heute bekannten von Schwarzenegger dargestellten Terminator gehandelt. Dieser wäre von Reese vernichtet worden, und die zukünftige KI hätte einen weiteren Terminator aus flüssigem Metall hinterhergeschickt. Doch die Idee des Formwandlers stellte sich als zu kompliziert für damalige Tricktechniken heraus, sodass Cameron seine Idee wieder verwarf. Erst als er 1989 in Abyss – Abgrund des Todes mit dem am Computer generierten Spezialeffekt zufrieden war, griff er die Idee drei Jahre später in Terminator 2 wieder auf.

Der Film spielt immer wieder mit seinem Grundthema – dem Kampf zwischen Mensch und Maschine. Als der T-800 im Los Angeles des Jahres 1984 landet, sieht man zunächst nur viele Maschinen auf einer Baustelle im Einsatz. Der mit künstlicher Haut überzogene nackte Cyborg stellt für den Zuschauer scheinbar das einzige menschliche Element in der Szene da. Es gibt im Verlauf des Films immer wieder kleine Anspielungen.

So plädiert Sarah Connors auf der Ansage ihres Anrufbeantworters dafür, dass auch Maschinen Liebe brauchen. Zu Beginn des Films überfährt der Terminator einem Spielzeugtruck – das gleiche Modell, welches ihm gegen Ende als realer Lastwagen selbst überfährt. Während ihres Endkampfes haben sowohl Sarah Connor sowie der sie verfolgende Cyborg kaputte Beine.

Am deutlichsten wird der Gegensatz Mensch - Maschine, wenn der Terminator sich nach einem Kampf selbst sein Auge repariert. Dafür fertigten Stan Winston und sein Spezialeffekteteam in sechsmonatiger Arbeit eine lebensgroße Nachbildung von Arnold Schwarzeneggers Gesicht an.

Winston ist für seine Spezialeffekte in den Kinofilmen Das Ding aus einer anderen Welt oder Predator bekannt. Auch bei Terminator 2 – Tag der Abrechnung war er wieder mit an Bord. Heute wirken einige Effekte wie das laufende Metallskelett des T-800 oder der Rückblick in die Zukunft des Jahres 2029 ein wenig antiquiert und überholt. Im Kontext des Films funktionieren sie aber immer noch recht gut. Die Tricktechnik in der direkten Fortsetzung ist aber wesentlich besser gealtert.

"Hasta la vista, Baby!"

Die Fortsetzung aus dem Jahr 1991 überzeugt besonders durch ihre Actionszenen, aber auch die Science-Fiction-Handlung des ersten Teils wird auf interessante Weise weiterentwickelt. Wichtigste Änderung zum ersten Teil ist die Wandlung des wieder von Arnold Schwarzeneggers gespielten T-800. Diesmal wurde er zum Schutz des jungen John Connors vor dem neuartigen T-1000 in die Vergangenheit geschickt. Es war der letzte Terminator-Film, bei den Cameron die Regie übernahm.

Konnte Terminator 2 – Tag der Abrechnung die meisten Fans und Kritiker noch voll und ganz überzeugen, sah dass bei dem 2003 erschienenen dritten Teil des Franchise anders aus. In Terminator 3 – Rebellion der Maschinen ist der Tag der Abrechnung verstrichen, ohne dass die Maschinen die Macht übernommen haben. Dennoch bekommt es der mittlerweile erwachsene John Connor mit einem weiblichen Cyborg aus der Zukunft zu tun, der ihn eliminieren soll. Ihn zur Seite steht wieder Arnold Schwarzenegger als guter Terminator. Es gibt in dem Film viele Zitate und Anspielungen auf die beiden Vorgänger – und trotz des negativen Endes ist es der Film in der Reihe mit dem meisten Raum für Humor und Selbstironie.

Im selben Jahr, in dem Terminator 3 in die Kinos kam, wurde Arnold Schwarzenegger zum Gouverneur von Kalifornien gewählt. So musste Terminator: Die Erlösung ohne den Hollywood-Star auskommen. Dafür kämpft Christian Bale (Batman Begins) als John Connor diesmal in der Zukunft gegen die herrschenden Maschinen. 2015 in Terminator: Genisys und 2019 in Terminator: Dark Fate übernahm Arnold Schwarzenegger wieder die Rolle des guten Terminators. Beide Filme waren jeweils als Auftakt einer neuen Trilogie geplant und stellten den Versuch dar, das Franchise neu zu beleben. Der Erfolg an den Kinokassen blieb allerdings aus. Bisher sind keine neuen Terminator-Filme mit oder ohne Arnold Schwarzenegger geplant.

2008 startet die Fernsehserie Terminator: The Sarah Connor Chronicles mit Lena Headey (Game of Thrones) als Sarah Connor, Thomas Dekker (A Nightmare on Elm Street 2010) als John Connor und Summer Glau (Firefly) als Terminatrix. Die Serie lief mit mäßigen Erfolg und kam insgesamt auf zwei Staffeln.

"Das ist kein Mann, das ist eine Maschine."

Die Actionfilme der 80er-Jahre waren oft recht reaktionär und diente dem Eskapismus des Zuschauers. Allzu schwere Themen wurden gerne ausgespart. Auch Terminator ist in erster Linie ein gelungener Actionfilm ohne allzu viel Tiefgang. Allerdings thematisiert er auch die Bedrohung der Menschen durch einen Atombombenkrieg. Der Film endet auch nicht mit einem klaren Happy End, sondern lässt Sarah Connor in eine ungewisse Zukunft fahren.

Der zweite Teil hebt das offene Ende des Films wieder auf und endet (außer für den nun guten Terminator) mit einen deutlichen positiven Ausgang – bis in Terminator 3 im dystopischen Finale die Atomraketen doch noch über der Welt nieder gehen.

Schon der erste Teil macht sich nicht zu viele Hoffnung über eine positive Entwicklung der Menschheit. Cameron scheint dies mit der Auswahl der Handlungsorte noch zu unterstützen und hat sich dafür entschieden, möglichst oft die dreckigen und heruntergekommen Seiten von Los Angeles zu zeigen. Obwohl er in der Gegenwart spielt, entwickelt die Stadt in Terminator einen ähnlichen Charme wie in John Carpenter Die Klapperschlange – nur mit ein wenig mehr Neonlicht.

"Eine schöne Legende – Sie müssen ziemlich enttäuscht von mir sein."

Die Geschichte hätte sicher auch mit einem anderen Hauptdarsteller funktioniert. So war unter anderen auch Sylvester Stallone (Rambo, Rocky) für die Rolle des Terminators in Betracht gezogen worden. In der Actionkomödie Last Action Hero (1993) ist Stallone als Werbeaufsteller in einer Videothek als Terminator zu sehen.

In einem Interview 1984 während der Produktion von Conan der Zerstörer wurde Arnold Schwarzenegger über seine bevorstehenden Projekte befragt. In dem Gespräch bezeichnet er Terminator als einem unbedeutenden Trash-Film, den er in ein paar Wochen abdrehen würde. Nach dem Erfolg des Films hat der Schauspieler diese Aussage bereut und erklärte, es wäre falsch gewesen, Terminator zu beurteilen, bevor er überhaupt voll involviert war. Der Film gehöre zu dem besten Arbeiten seiner Karriere – dem kann man sich nur anschließen.

The Terminator (1984) Official Trailer - Arnold Schwarzenegge Movie

Retrokiste zu Contact: Alles wissen, nichts sagen

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Contact

Anfang Juli 1997, vor ziemlich genau 23 Jahren, kam mit Contact ein Film in die Kinos, der optisch und vor allem inhaltlich neue Maßstäbe setzen sollte. Neben seinem massiven Staraufgebot (Jodie Foster, John Hurt, James Woods und Matthew McConaughey) ist der Film als Leinwandadaption von Sagans gleichnamigem Roman aus dem Jahr 1985 in einer mehr als zehnjährigen Zusammenarbeit zwischen dem Regisseur Robert Zemeckis und dem Astronomen Carl Sagan entstanden. Zemeckis zeigt eindrucksvoll: Die Frage nach Leben im All kann man auch erzählen, ohne dass die Menschheit direkt in Verteidigungsstellung gehen muss.

An awful waste of space

Ellie Arroway (Jodie Foster) hat ihr Leben der Wissenschaft verschrieben. Angestachelt von ihrem früh verstorbenen Vater (David Morse) sucht sie bereits als Kind mittels einer Funkanlage nach fremden Signalen aus dem All. Als Erwachsene arbeitet Arroway in einem Observatorium am SETI-Projekt mit, bis ihr jedoch wegen ausbleibender Ergebnisse die Mittel gestrichen werden sollen. Arroway treibt vor allem der unbedingte Glaube an die Wissenschaft ans Teleskop. Sie will damit auch das Gefühl des Alleinseins überwinden, das sie schon seit Kindertagen mit sich schleppt: “Wenn wir die Einzigen im Universum wären, wäre das eine unverschämte Platzverschwendung”, lautet ihre Überzeugung.

Ähnlich sieht das auch der mysteriöse Großindustrielle S.R. Hadden (John Hurt), der ihrem Team eine kräftige Finanzspritze ermöglicht, um ihre Forschung voranzutreiben. Nun kann Arroway in New Mexico mit riesigen Radioteleskopen, den sogenannten Very Large Arrays, weiterarbeiten. Neu mit an Bord: Der Ex-Priester und Schriftsteller Palmer Joss (Matthew McConaughey), der sich von der Religion abgewandt hat und bald nicht nur beruflich für die Forscherin interessiert. Und dann geht alles ganz schnell: Das Team empfängt ein Signal, mit dem die Menschheit offenbar Baupläne zugesandt bekommt, um in Kontakt mit Außerirdischen zu treten. Arroway darf schließlich als Botschafterin für die Erde fungieren und wandelt bald nicht nur zwischen Raum und Zeit, sondern auch zwischen Wissenschaft und Glauben ...

Unwissenheit ist der einzige Feind

Die ewig währende Debatte zwischen Religion und Wissenschaft heizte Contact erneut an. Denn während die Sehgewohnheiten der meisten Kinozuschauer auf die Bekämpfung durchweg bösartiger Aliens getrimmt waren, wie es beispielsweise in der Alien-Reihe oder auch noch in Independence Day (1996) der Fall war, stellte Robert Zemeckis in Contact vor allem die Auswirkungen einer solchen Nachricht auf die Menschheit in Presse und Politik in den Vordergrund. Damit reiht sich der Regisseur eher in die Tradition von Steven Spielbergs Close Encounters - Unheimliche Begegnung der dritten Art aus dem Jahr 1977 ein.

Arroway selbst darf als willensstarke und - zumindest für die damalige Zeit - relativ klischeebefreite Frauenfigur ihrer (natürlich ausschließlich männlichen) Chefetage Widerworte geben. Auch wenn sie sich leider direkt dafür entschuldigt - und sich ohne impliziertes Interesse an einer Beziehung den schnieken Schriftsteller ins Bett holt. Zudem gibt es kein klassisches romantisches Happy End für die beiden, denn Ellies Arbeit ist wichtiger.
Ihre Figurenentwicklung ist zudem interessant, weil sie so sehr der Wissenschaft vertraut, dass sie im Zweifel bereit ist, ihre Wahrnehmung zugunsten der Wahrscheinlichkeit von Ereignissen zu überprüfen - wo sonst findet man schon mal die Benennung von Ockhams Rasiermesser in einem Blockbuster-Scifi-Film?

Wahrnehmung vs. Wissenschaft = ?

In Contact werden zudem gesellschaftliche Knackpunkte behandelt, über die man noch heute wunderbar streiten kann. Zum Beispiel: Welchen Stellenwert hat die Wissenschaft wirklich in der Gesellschaft? Solange sie eindeutige, logische Erklärungen und schnelle Ergebnisse liefert, scheint alles in Ordnung. Stößt sie jedoch an ihre Grenzen, werden Menschen schnell ungeduldig und unwillig, Mittel werden gekürzt, Theorien kritisiert und durch Verschwörungstheorien ersetzt.

Auch Ellie muss dies erleben, als sie ohne Beweise, aber im Brustton der Überzeugung von ihren Erlebnissen in einem Wurmloch berichtet - so ihr denn nicht die Worte ausgehen. (“They should have sent a poet.”) Oder war alles nur eine Täuschung? Hier gibt es für Buch-Kenner jedoch einen Wermutstropfen: Sagan hat seiner Botschaft noch einen Weiterdreh spendiert, der fast bis zum Gottesbeweis führt - im Film aber ärgerlicherweise ausgelassen wurde. Vielleicht war dies darin begründet, nicht noch einen dramaturgischen Bogen mehr schlagen zu müssen, vielleicht war es aber auch der Laufzeit des Films geschuldet. Schade ist es dennoch, dass Sagans Botschaft hier nur sehr rudimentär transportiert ist.

Zwischendurch gibt es immer wieder kurze, aber eindringliche Einsprengsel, die zeigen, wie die Menschheit mit der neugewonnenen Erkenntnis, dass dort draußen eben doch noch mehr Leben zu sein scheint, umgeht: Einige gründen eine Suizidsekte, andere küren die neue Miss Universum (deren Konkurrenz nun ungleich größer sein dürfte), und sogar eine handvoll Neonazis sind zu sehen. Einer der Momente dem düstersten Humor dürfte die Szene sein, die die Übertragung der Sportpalastrede Hitlers zeigt. Wenn dies tatsächlich das erste ist, was außerirdische Lebewesen von der Menschheit mitbekommen, kann man ihnen tatsächlich nicht verdenken, dass sie sich noch tunlichst von uns fernhalten.

Auch die Darstellung der Berichterstattung in den Medien selbst ist einen zweiten Blick wert: So sind zahlreiche Journalisten und Fernsehpersönlichkeiten zu sehen (unter ihnen Jay Leno und Larry King). Das Magazin Gizmodo hat die Rolle der Medien im Film besonders eindrucksvoll herausgearbeitet. Denn die Aliens selbst geraten in der Mitte des Films fast ins Hintertreffen, viel wichtiger ist Zemeckis hier eine gepfefferte Kritik an der Omnipräsenz von Kameras und Monitoren, und der damit verbundenen Bildersucht.

Außerdem wurden Reden vom damaligen Präsident Bill Clinton so zurechtgeschnitten, dass sie inhaltlich exakt zum Drehbuch passten. Nach der Veröffentlichung des Films gab es Beschwerden aus dem Weißen Haus, dass man die Zusammenstellungen der Clinton’schen Auftritte als inhaltlich verfälschend und “unangebracht” kritisierte. Das Drehbuch war jedoch vorher bereits von derselben Stelle abgesegnet worden, und Reden des Präsidentena sind ohnehin schon immer gemeinfrei. Man stelle sich vor, eine solche Diskussion mit dem aktuellen Präsidenten führen zu müssen.

Süßliche Sinnsuche mit Vorbildcharakter

Man kann Contact seine bisweilen leicht verkitschte Version von Akte-X- Mulders “Die Antwort ist irgendwo da draußen” durchaus als Plattitüde vorwerfen. Dass die bessere Antwort auf den Umgang mit neuen Bekanntschaften nicht Krieg, sondern Liebe sein sollte, ist auch beileibe keine neue Erkenntnis. Leider bleiben auch einige Figuren weitestgehend flach, allen voran ein massiv unterforderter John Hurt, und auch Matthew McConaugheys Figur des Priesters hätte deutlich mehr Tiefe vertragen können. Zwar werden seine Forschung und sein Kampf mit dem eigenen Glauben grob angerissen, bekommen aber nicht genug Platz eingeräumt, um tatsächlich wirken zu können.

Die bildgewaltige Darstellung und der wissenschaftliche Unterbau hingegen, den Contact fast mühelos liefert, kann sich auch heute noch sehen lassen. Und für die Darstellung des Wurmlochs musste nicht mal jemand ein Stück Papier mit einem Stift zerstechen. Nicht umsonst hat sich Christopher Nolan für sein Epos Interstellar (2014) massiv an der Optik und der verhandelten Themen der anderen Dimensionen bedient. Auch Denis Villeneuve hat sich einige Scheiben von Contact für seinen thematisch ähnlich angesiedelten Film Arrival (2016) abgeschnitten und entwickelt das Thema der Kontaktaufnahme durch andere Spezies in Richtung Linguistik weiter.

Fazit: Unterschätzter Wegbereiter

Contact dürfte also, noch lange vor Interstellar und Arrival, ein Wegbereiter für eine neue Art Science-Fiction gewesen sein: Eine, in der die Menschheit offensichtlich zwar technisch in der Lage ist, Reisen in andere Welten zu unternehmen, sich aber vor allem intellektuell noch nicht weit genug entwickelt hat, um tatsächlich in Austausch zu treten. Dies wird jedoch immer verknüpft mit der Hoffnung, dass die Menschen es in absehbarer Zeit sein werden.

Retro-Kiste zu Tremors – Im Land der Raketenwürmer

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Tremors - Im Land der Raketenwürmer Poster

Ein Autor sitzt während einer Drehpause mitten in der Wüste auf einem Felsen. Plötzlich kommt ihm der Gedanke, was wäre, wenn dort unten im Sand etwas auf ihn lauern würde und er den Stein nicht mehr verlassen könnte. Das hätte die Geburtsstunde eines billigen C-Movies wie Sand Sharks, welchen das berüchtigte Filmstudio The Asylum 2011 wirklich drehte, sein können. Der Mann auf dem Felsen hatte ein wenig mehr Talent. Aus seinem simplen Gedankenspiel entstand einer der unterhaltsamsten Monsterfilme: Tremors – im Land der Raketenwürmer.

S. S. Wilson (Nummer 5 lebt!), der in der Wüste an einen Lehrfilm für das US-Militär mitwirkte, arbeitete seine Idee später zusammen mit dem Autor Brent Maddock (Wild Wild West) zu einem fertigen Drehbuch aus. Sie holten den Regisseur Ron Underwood an Bord und waren selbst überrascht, als Universal Pictures ihrem Projekt nach mehreren Ablehnungen grünes Licht gab.

Im Tal der Raketenwürmer

Die beiden Gelegenheitsarbeiter Val McKee und Earl Bassett wollten das kleine Wüstendorf Perfection eigentlich gerade für immer verlassen. Doch am Ausgang des Tals entdecken sie einen Toten auf einem Strommast. So kehren die beiden mit dem Leichnam wieder nach Perfection zurück. Doch dort kann man die Polizei nicht verständigen, weil die Telefonleitungen kaputt sind.

Val und Earl müssen zudem feststellen, dass die einzige Straße aus dem Tal verschüttet ist. Nachdem sie weitere Tote entdecken, glauben die beiden zunächst, ein irrer Serienkiller triebe in der Wüste sein Unwesen – bis ein merkwürdiger Tentakel aus den Boden kommt und versucht, ihren Wagen festzuhalten.

Schließlich sitzen die beiden zusammen mit der angehenden Seismologin Rhonda auf einem Felsen in der Wüste fest, belauert von riesigen Würmern, die nur darauf warten, dass sie den Boden betreten. Niemand weiß, woher die Ungeheuer aus dem Untergrund stammen, aber die später Graboiden getauften Biester beginnen, die Bevölkerung des Tals zu dezimieren. Selbst Burt Gummer, der zusammen mit seiner Frau Heather sein Haus für den Dritten Weltkrieg ausgerüstet hat, kann sein Heim trotz aller Waffen auf Dauer nicht gegen die Würmer verteidigen.

"Für die ist das Tal ein langes Frühstücksbuffet."

Es gibt Horrorfilme, bei denen es dem Zuschauer egal ist, wen der Saurier, die Riesenspinne oder der Killerhai gerade frisst. Die Schauspieler sind in einigen Monsterstreifen nur Nebensachen – man wartet nur auf den nächsten Auftritt des Ungeheuers. Anders ist das, wenn es sich um ein unterirdisch lebendes Wurmmonster handelt. Der Darsteller auf der Leinwand muss dennoch glaubhaft rüberbringen, dass Bodenkontakt für ihn tödlich enden kann.

Ron Underwood hat das Glück, talentierte Hauptdarsteller für Tremors vor die Kamera zu bekommen. Allen voran Kevin Bacon in der Rolle des Val McKee. Seinen ersten großen Erfolg hatte Bacon 1984 mit dem Tanzfilm Footloose. Aber erst 1990 gelang ihm der Sprung in die erste Liga der Hollywood-Stars – was nicht an Tremors lag, sondern an dem im selben Jahr erschienen Thriller Flatliners.

Nachdem die Raketenwürmer im Kino für Schrecken sorgten, befürchtete Bacon zunächst seine Karriere sei aufgrund seiner Mitwirkung in dem Monsterfilm am Ende. Die Sorgen waren unnötig: In den nächsten Jahren spielte er unter anderen in den Blockbustern Apollo 13, Mystic River und X-Men: Erste Entscheidung mit. Später bezeichnete Bacon die Dreharbeiten zu Tremors als die lustigste Zeit seiner Filmkarriere.

Bacon kann in seiner Rolle nur so brillieren, weil das Zusammenspiel mit Fred Ward als Earl Bassett perfekt funktioniert. Ward war zuvor in einer Nebenrolle in Flucht von Alcatraz zu sehen und übernahm seine erste Hauptrolle in Timerider – Das Abenteuer des Lyle Swann. Nach Tremors spielte er wieder überwiegenden Nebenrollen zum Beispiel in Short Cuts.

Eine Ausnahme bildet Tremors 2 – Die Rückkehr der Raketenwürmer, in dem er seine Rolle als Earl Bassett wieder aufnimmt. Diesmal allerdings ohne Kevin Bacon an seiner Seite. Ward ist in der Fortsetzung nicht schlecht, aber mit seinem neuen Schauspielpartner kann er nie so richtig aufspielen, wie zusammen mit Bacon – bis Michael Gross seinen Auftritt in Tremors 2 hat.

Gross spielt in ersten Tremors-Film den Waffennarren und überzeugten Weltuntergangsfanatiker Burt Gummer. Er gehört im ersten Teil noch nicht zu den großen Stars des Films – aber die folgende Tremors-Reihe wäre ohne ihn nicht denkbar. Als einziger Darsteller der Originalbesetzung spielt er in allen bisherigen sechs Teilen mit.

Dabei war er zunächst für die Rolle gar nicht vorgesehen. Dem Drehbuchautor Brent Maddock zufolge, hätte er beim Schreiben von Burt Gummer immer Chuck Norris vor Augen gehabt. Auch Underwood hielt Michael Gross zunächst für eine Fehlbesetzung, weil sein Image aus der Sitcom Familienbande nicht zu den angelegten Waffennarren passen wollte. Der Regisseur lud ihn dennoch zum Vorsprechen ein und war anschließend aufgrund seiner Darbietung restlos von Gross überzeugt.

Die Studentin Rhonda wird von Finn Carter gespielt, für die der Monsterfilm den Höhepunkt ihrer Schauspielkarriere darstellt. Wie zuvor war sie auch danach nur in TV-Filmen und Serien zu sehen. Einige der anderen Schauspieler nahmen ihre Rollen in Tremors 3 – Die neue Brut, welcher wieder in Perfection spielt, erneut auf.

"Sehe ich vielleicht wie ein Wurmexperte aus?"

Für Ron Underwood war Tremors die erste Regiearbeit fürs Kino. Sein Durchbruch gelang ihm ein Jahr später mit der Komödie City Slickers – Die Großstadt-Helden. Mit Mein großer Freund Joe, einem Remake von Panik um King Kong (1949), drehte er noch einen weiteren Monsterfilm. Obwohl seine Kinokarriere vielversprechend begonnen hatte, endete sie 2002 mit seinem Film Pluto Nash – Im Kampf gegen die Mondmafia.

Der Science-Fiction-Film mit Eddie Murphy bekam weltweit miese Kritiken und brachte Underwood eine Nominierung als schlechtester Regisseur für eine Goldene Himbeere ein. Pluto Nash gilt als einer der größten Flops der Filmgeschichte und sorgte dafür, dass Underwood seitdem nur noch fürs Fernsehen arbeitet. So inszenierte er unter anderen mehrere Episoden der Serie Once Upon a Time. Sein Drehbuchautor S. S. Wilson blieb den Raketenwürmern hingegen treu und übernahm bei den ersten drei Fortsetzungen die Regie.

Auf dem Spielplatz der Raketenwürmer

Auch bei Tremors – Im Land der Raketenwürmer blieb der Erfolg an den Kinokassen zunächst aus. Doch in den Videotheken und auf dem VHS-Markt war der Horrorstreifen danach sehr erfolgreich. Für einen B-Monster-Movie besitzt der Film einen ziemlichen großen Bekanntheitsgrad. Die Raketenwürmer sind vielleicht nicht so berühmt wie King Kong oder Godzilla, aber Tremors ist nicht nur eingefleischten Genrefans ein Begriff. Dafür dürften auch die vielen Wiederholungen im deutschen Fernsehen gesorgt haben.

Der Film hatte während der Produktion unterschiedliche Arbeitstitel wie Beneath Perfection, Dead Silence oder Land Sharks. Schließlich entschied man sich für Tremors, was auf deutsch Beben oder Erschütterung bedeutet. Der deutsche Verleih brauchte offenbar etwas Griffigeres und brachte den Film unter dem Titel Im Land der Raketenwürmer hierzulande ins Kino.

Raketenwürmer? Über deutsche Übersetzungen englischer Filmtitel sollte man zu nicht lange nachdenken. Allzu viele Gedanken über die Herkunft dieser Raketenwürmer haben sich allerdings auch die Autoren nicht gemacht. Im Making of zu Tremors erklären sie, dass es in Hollywood-Filmen immer nur eine beschränkte Anzahl von Möglichkeit für den Ursprung solcher Ungeheuern gäbe: verstrahlte Mutationen, entflohenen Kreationen geheimer Militärexperimente, überlebende prähistorische Urzeitmonster oder außerirdische Wesen.

Statt eine dieser Möglichkeiten im Film ausführlich zu erklären, nutzt man die Zeit lieber sinnvoll für spannende Handlung. Kurz spielen Val, Earl und Rhonda die verschiedenen Optionen auf ihrem Felsenexil einmal durch – mehr Aufklärung zur Herkunft der Würmer bietet der Film nicht. Dennoch oder gerade deswegen funktioniert das Konzept mit der unterirdischen Bedrohung so gut.

Dies wird besonders deutlich, als Rhonda, Val, Earl und die restlichen Bewohner von Perfection auf den Dächern festsitzen und dringend einen Weg suchen, den riesigen Würmern im Boden zu entkommen. Das Szenario gleicht ein wenig dem Kinderspiel, wenn man früher auf dem Spielplatz nicht den Boden berühren durfte und trotzdem irgendwie von den Schaukeln zur Rutsche gelangen musste. Der Zuschauer fiebert mit und kann gleichzeitig überlegen, was er in dieser Situation machen würde.

Die Gebäude des Städtchens wurden extra für Tremors errichtet und so präpariert, dass die Dächer mehrfach in sich zusammen fallen konnten. In dem gesamten Film gibt es nur Innenaufnahmen von Walter Changs Laden sowie Burts und Heathers Waffenkeller zu sehen. Alle anderen Szenen wurden außen aufgenommen. Es wurde zudem überwiegend am Tag gedreht, was für ein Horrorfilm recht ungewöhnlich ist. Allerdings brauchen die Graboiden keine schützen Dunkelheit, um sich anzuschleichen, da sie unter der Erde sowie so nicht zu sehen sind.

Underwood wollte die Effekte so simpel wie möglich halten. Wie in jedem guten Horrorfilm treten die Monster gerade zu Beginn kaum direkt in Erscheinung. Der Zuschauer kann ihre Anwesenheit lediglich durch Staubfahnen oder wackelnde Zaunpfähle erahnen. Dann bekommt man die Würmer Stück für Stück zu sehen, erst ihre Tentakeln, ihre Mäuler und schließlich auch ein Tier in voller Länge.

Die Computertechnik war 1990 noch nicht soweit, und Underwood besaß nicht das Budget von Steven Spielberg, der drei Jahre später die Welt mit seinen CGI-Dinos begeisterte. Die Monster in Tremors sind zum Teil lebensgroße Attrappen. In einigen Szenen kommen auch Handpuppen zum Einsatz, die in Miniaturkulissen gefilmt wurden. Trotz der eingeschränkten technischen Mittel wirken die Effekte in Tremors stets überzeugend und handwerklich gut gemacht.

"Pech, wenn man sich ausgerechnet unseren Sportplatz zum Spielen aussucht!"

Wenn man in Tremors lachen muss, dann nie weil die Umsetzung der Kreaturen lächerlich wirkt. Da die Graboiden sich unterirdisch fortbewegen, geht die Spannung von den Figuren und ihren Ideen aus, wie sie sich gegen die Würmer zur Wehr setzen. Den Drehbuchautoren gelingt der Spagat zwischen Spannung und Humor recht gut. Im Unterschied zu anderen Monsterfilmen nehmen sie ihre Filmhandlung nicht zu ernst, lassen sie aber nie in reinen Klamauk abrutschen.

In den klassische Monsterfilmen der 50er-Jahre wurde durch eine äußere Bedrohung das US-Kleinstadtleben gestört, die Ordnung am Ende aber durch den Helden wieder hergestellt. In Perfection kann man nicht viel in Unordnung bringen. Das Städtchen hat selbst vor den Angriff der Raketenwürmer nur 14 Einwohner. Burt und Heather haben sich den Ort gerade wegen seiner Abgeschiedenheit als sicheres Domizil ausgesucht. Das Dorf scheint zwar irgendwie ganz liebenswert, er ist aber sehr weit vom Klischee des amerikanischen Traums entfernt.

Viel Futter bietet Perfection den Monsterwürmern nicht und so gibt es auch nicht allzu viele Tote zu sehen. Die gezeigte Gewalt im Film hält sich in Grenzen, auch wenn viel herum geballert wird und am Ende mehrere selbstgebaute Bomben zum Einsatz kommen. Dass der Film in den USA dennoch eine Rated-R-Freigabe bekam, liegt vorrangig an den ausgiebigen Flüchen, die vor allen Fred Wards Figur ständig von sich lässt. Tremors – im Land der Raketenwürmer ist aber kein Kinderfilm und die deutsche FSK16-Freigabe ist durchaus angemessen.

Ursprünglich unterschied sich das Ende leicht von der bekannten Abschlussszene. Wie Underwood im Making of berichtet, war das Testpublikum nicht zufrieden und verlangte im Kinosaal lautstark nach einer Änderung. Es ging nicht um gravierende Eingriffe in die Handlung. Am eigentlichen Schluss fährt Val zusammen mit Earl davon, ohne Rhonda seine Liebe gestanden zu haben. In der neuen Version bekommt das Testpublikum zu sehen, wonach es verlangt hat – einen Kuss zwischen Val und Rhonda.

"Ja, Burt wenn du dich aufregst, bekommst du einen Herzinfarkt, bevor du die Gelegenheit hattest, den Dritten Weltkrieg zu überleben."

Während die von Kevin Bacon und Finn Carter gespielten Figuren ihr verdientes Happy End genießen durften, war Michael Gross als Burt Gummer noch lange nicht mit den Raketenwürmern fertig. Zunächst trifft allerdings Earl wieder auf eine neue Graboiden-Brut in Mexiko. Fred Ward war 1996 der Star in Tremors 2 – Die Rückkehr der Raketenwürmer. Doch in der zweiten Hälfte des Films erhält er Unterstützung von seinem alten Kampfgefährten Burt Gummer.

Mit seinen wenigen Szenen im ersten Tremors-Film konnte Michael Gross die Fans überzeugen. Er war seitdem nicht mehr aus der Reihe wegzudenken und hatte sich ab dem dritten Teil als eigentliche Hauptfigur etabliert. Nicht nur bei den menschlichen Darstellern gab es Veränderungen, auch die Raketenwürmer entwickelten sich weiter. In Tremors 2 schlüpfen aus den Würmern zweibeinige Wesen, die ihre Opfer durch Infrarotsensoren ausmachen.

Der zweite Teil versucht noch, die Waage zwischen Spannung und Humor zu halten. Tremors 3 – Die neue Brut aus dem Jahr 2001 nimmt sich selbst nicht mehr wirklich ernst, und die fliegende Inkarnation der Würmer mit ihren Feuerfürzen kann man entweder super lustig oder total idiotisch finden. Drei Jahre später ist den Autoren noch einmal ein neuer Dreh eingefallen. Tremors 4 – Wie alles begann, spielt im Jahr 1889 und erzählt die Geschichte von Burts Vorfahren Hiram Gummer, der zunächst mit Feuerwaffen nichts anfangen kann, bis er auf die Raketenwürmer trifft.

Die weiteren Fortsetzungen verlegen die Handlung wieder in die Gegenwart, wechseln aber von dem Wüstenkaff Perfection nach Afrika (Tremors 5 – Blutlinien 2015) beziehungsweise in die Arktis (Tremors 6 – Ein kalter Tag in der Hölle 2018). Alle fünf bisherigen Fortsetzungen wurden direkt für den Videomarkt produziert. Michael Gross erklärte zuletzt in einem Interview, dass er durchaus für einen siebten Teil zur Verfügung stünde.

Eigentlich sollte nicht Gross als nächster gegen die Raketenwürmer antreten, sondern Kevin Bacon. Der Sender Syfy plante eine Tremors-Serie, die inhaltlich nur die Ereignisse aus dem ersten Film berücksichtigt hätte. Bacon sollte nach 27 Jahren wieder die Rolle des Val McKees schlüpfen und in Perfection erneut gegen die unterirdischen Monster antreten.

Aber der Sender setzte die Serie bereits vor der Ausstrahlung des bisher nicht veröffentlichten Pilotfilms wieder ab. Bereits 2003 produzierte der Sci-Fi-Channel eine Tremors-TV-Serie, welche wegen schlechter Einschaltquoten immerhin erst nach der ausgestrahlten ersten Staffel abgesetzt wurde. Im deutschen Fernsehen war diese Serie bislang nicht zu sehen.

Nicht alle Tremors-Filme kann man als rundum gelungen bezeichnen. Aber im ersten Teil passt alles zusammen. Die Hauptdarsteller können in ihren Rollen überzeugen und die Effekte sind einfach, aber selbst heute noch sehr gut anzuschauen. Vor allen durch die spannende und zugleich lustige Handlung setzt sich Tremors von vielen anderen Monsterstreifen ab. Es ist schon interessant, was für ein guter Film aus einer eigentlich recht absurden Grundidee entstanden ist – man muss den Drehbuchautoren nur lange genug in der Wüste auf einem Felsen warten lassen.

zusätzlicher Bildnachweis: 
© Universal Pictures/No Frills Film Production/Wilson-Maddock Production

Tremors - Im Land der Raketen-Würmer ≣ 1990 ≣ Trailer

Tremors: A Cold Day In Hell | Recap of Tremors 1-5 | Own it on 5/1 on Blu-ray, DVD & Digital

Retro-Kiste zu Prinz Eisenherz: Ein Wikinger zu sein bedeutet hier gar nichts

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Robert Wagner Sterling Hayden Brian Aherne Prinz Eisenherz

In der Netflix-Serie Briefe an den König muss ein junger Knappe am Abend seiner Ritterprüfung ins große Abenteuer aufbrechen. Im Trailer zu The Green Knight macht sich Sir Gawain von der legendären Tafelrunde auf die Suche nach einem mysteriösen Gegner. Beiden Produktionen greifen typische Themen des klassischen Ritterfilms auf.

Ein Genre, welches wie der Antikfilm seine Hochphase in den 50er Jahren hatte. Ähnlich dem Western hat sich der Ritterfilm in den kommenden Jahren stark gewandelt. Auch wenn sich nie ein eigenes Subgenre wie der Italowestern herausgebildet hat, sind die Protagonisten in den aktuellen Mittelalter- und Fantasy-Streifen oftmals weit von den strahlenden Helden der 50er Jahre entfernt – und nie waren die Ritter heroischer, edler und farbenfroher als in Henry Hathaways Prinz Eisenherz.

"Ich will dir sagen, was dieser Wikinger ist ... er ist ein Wikinger!"

Die bunte Welt, die der Regisseur auf die Leinwand zauberte, hat ihren Ursprung in der Comicvorlage des Autors und Zeichners Hal Foster. Der Kanadier begann seine Zeichenkarriere 1929 mit einer Comicadaption von Edgar Rice Burroughs Tarzan-Romanen. 1937 folgte dann die von Foster sowohl gezeichnet als auch geschriebene Serie Prince Valiant. Die Serie über den jungen Wikingerprinzen wurde ein großer Erfolg und erschien auch in Deutschland – zunächst unter dem Titel Prinz Waldemar und nach dem Zweiten Weltkrieg als Prinz Eisenherz.

Der Regisseur Henry Hathaway drehte im Laufe seiner Karriere viele Western (Der Marshal) sowie einigen Gangsterfilmen (Der Todeskuss), die man dem Film Noir zuordnen kann und die das komplette Gegenbild seines Ritterfilmes sind. Bei Prinz Eisenherz orientierte er sich optisch stark an der Vorlage – wenn es auch inhaltlich einige Abweichungen zu Fosters Comics gab.

Als 20th Century Fox sich 1953 die Rechte an den Prinz-Eisenherz-Comics sicherte, hatte Foster schon über 800 Sonntagsseiten mit dem Abenteuer seines Helden gefüllt. Genügend Material für einen abendfüllenden Spielfilm war also auf jeden Fall vorhanden. Aus den vorliegenden Comics suchte der Drehbuchautor Dudley Nichols (Menschenjagd) passende Szenen aus, die er zu einer verkürzten Geschichte rund um den jungen Prinzen verdichtete.

König Aguar von Thule (Donald Crisp) lebt, seitdem der Usurpator Sligon (Primo Carnera) ihm dem Thron raubte, im Exil in Britannien. Sein genauer Aufenthaltsort ist nur wenigen getreuen christlichen Wikinger bekannt, denn die heidnischen Schergen Sligons suchen Englands Küste nach der königlichen Familie ab.

Der Wikingerkönig schickt seinen Sohn, den jungen Prinz Eisenherz, nach Camelot. Dort am Hof von König Artus (Brian Aherne) und seinen Rittern der Tafelrunde soll Eisenherz zum Ritter ausgebildet werden. Doch auf der Reise beobachtet Eisenherz einen ganz in schwarz gerüsteten Krieger, der sich am Strand mit einer Gruppe feindlicher Wikinger trifft. Der junge Prinz wird entdeckt, kann den Häscher aber entkommen und trifft im Wald auf Sir Gawain, der ihn mit nach Camelot nimmt.

Dort berichtet Eisenherz König Artus von dem Schwarzen Ritter, der sich mit dem Wikinger gegen Camelot verbündet hat. Nicht alle Ritter schenken seinen Bericht glauben. Immerhin wird er von Sir Gawain als Knappe angenommen. Aber Eisenherz ist ungeduldig und folgt Sir Brack, als dieser sich im Auftrag der Tafelrunde auf die Suche nach dem geheimnisvollen Feind macht. Bei ihrem Erkundungsritt werden sie getrennt und Eisenherz gerät in einen Hinterhalt.

Schwer verwundet schafft er es in die Burg des Königs von Ord (Barry Jones). Dessen Tochter Aleta pflegt ihn gesund und die beiden verlieben sich ineinander. Gemeinsam mit König Ord und seinen beiden Töchtern reist Eisenherz zurück nach Camelot. Dort entstehen während eines Turniers Liebeswirren und Missverständnis zwischen Sir Gawain, Prinzessin Aleta, ihrer Schwester Ilene (Debra Paget) und Prinz Eisenherz.

Am Ende muss der junge Prinz sein Ehrenwort gegenüber König Artus brechen, um seinen Eltern zu helfen. Diese sind Sligon in die Hände gefallen und nach Thule verschleppt wurden. Auf der heimatlichen Burg kommt es zum Entscheidungskampf um den Thron. Siegreich kehrt Eisenherz nach Camelot zurück, um Artus und die anderen Ritter über die Identität des Verräters innerhalb der Tafelrunde aufzuklären und den Schurken zu stellen.

"Worte retten unseren König nicht!"

Für den damals noch unbekannten Robert Wagner war Prinz Eisenherz die erste Hauptrolle. Im Laufe seiner Karriere spielte er in vielen großen Filmproduktionen wie Der längste Tag oder Flammendes Inferno mit. Viele dürften den Schauspieler auch aus der TV-Serie Hart aber herzlich (1979–1984) kennen. Zuletzt war er 2017 in dem Science-Fiction-Filme What Happened to Monday? zu sehen. Um sich optisch der Comicvorlage anzunähern, trug Wagner während der Dreharbeiten eine Perücke in Form der typischen Prinz-Eisenherz-Frisur.

Sterling Hayden, der Sir Gawain spielt, ist eher für seine Auftritte in unterschiedlichen Gangsterthriller als für Abenteuerfilme bekannt. So war er in Asphalt-Dschungel von John Huston, Die Rechnung ging nicht auf von Stanley Kubrick, Der Pate von Francis Ford Coppola und Der Tod kennt keine Wiederkehr von Robert Altman zu sehen.

Neben Gawain kommt Ritter Brack eine tragende Rolle in Prinz Eisenherz zu. Dieser wird von James Mason verkörpert, der im Laufe seiner Karriere in Der Untergang des Römischen Reiches, Die Reise zum Mittelpunkt der Erde, 20.000 Meilen unter dem Meer, Der unsichtbare Dritte oder Brennen muss Salem sowohl Helden als auch Schurken darstellte.

In der weiblichen Hauptrolle ist Janet Leigh zu sehen. In Vergleich zu modernen Frauenfiguren ist sie als Prinzessin Aleta darauf beschränkt den männlichen Helden gesund zu pflegen, ihn anzuhimmeln und sich am Ende von ihm retten zu lassen. Ähnliche Rolle übernahm sie in Der eiserne Ritter von Falworth und Die Wikinger. Weltweit bekannt wurde Leigh aber wenige Jahre später durch die berühmte Duschszene in Alfred Hitchcocks Thriller Psycho.

"Woraus braut ihr das Zeug zusammen, aus frischen Kröten?"

Am Anfang der Blütezeit des Hollywood-Ritterfilms stand Ivanhoe, der schwarze Ritter, welchen Richard Thorpe 1952 für das Filmstudio Metro-Goldwyn-Mayer inszenierte. Ein Jahr später drehte er wieder für Metro-Goldwyn-Mayer Die Ritter der Tafelrunde. Zusammen mit Prinz Eisenherz gehören die beiden Produktionen zu den erfolgreichsten und stilbildenden Ritterfilmen der 50er Jahre. Es folgte eine Welle von weiteren Mittelalterstreifen, zu denen auch Hammer Films eine Reihe günstig produzierter Robin-Hood-Filme beisteuerte.

Prinz Eisenherz war nicht der erste Film, in denen Artus und seine Ritter der Tafelrunde ihren Auftritt hatten. Die ersten Adaptionen der klassischen Sage gab es schon zur Ära des Stummfilms und auch in den 50er Jahren war das Interesse an den mythischen Helden nicht abgeklungen, wie der 1953 erschienen Film Die Ritter der Tafelrunde zeigt.

In Prinz Eisenherz haben neben Sir Gawain und König Artus auch Königin Guinevere, Sir Lancelot sowie Sir Galahad sehr kurze Auftritte. Andere Figuren wie Merlin, der in Fosters Comics durchaus eine Rolle spielt, fehlen komplett. Die Artus-Saga bildet in den Film nur eine Staffage – immerhin durfte der Schauspieler Brian Aherne 1963 für den Film Lancelot, der verwegene Ritter noch mal in die Rolle des Königs Artus schlüpfen.

Für die dramatischen Ereignisse rund um Lancelot, Guinevere und Artus hätte Prinz Eisenherz auch die falsche Tonlage. Selbst die Comicvorlage wurde von Hathaway und seinem Drehbuchautoren Dudley Nichols abgemildert. So wartet am Ende des Films auf Prinzessin Ilene nicht der Tod, sondern ihr Liebesglück.

Schon die Filmmusik von Prinz Eisenherz ist stets heiter und selbst in spannenden Szenen immer abenteuerlich beschwingt. Man bekommt viele grüne Wiesen, lichte Wälder sowie schöne schottische, englische und walisische Burgen zu sehen – nur die Festung in Thule wirkt im Vergleich etwas düsterer. Ansonsten sind die Menschen in farbige Gewänder gekleidet und besonders die Turnierszene besticht durch ein Farbenmeer aus bunten Fahnen und Zelten.

Die farbenfrohen Kulissen und schönen Landschaftsaufnahmen waren ideal für die damals neue CinemaScope-Breitwandtechnik. So konnte sich Prinz Eisenherz von der Konkurrenz des aufkommenden Fernsehens absetzen. Der Film wurde ein großer Erfolg, zu dem die Popularität der Comicvorlage sicher beigetragen hat. Nach der Verfilmung stieg aber auch der Absatz der Zeitungen mit Fosters Rittergeschichten weiter an.

Foster arbeitete noch bis 1971 an der Comicreihe, danach übergab er seine Serie an andere Autoren und Zeichner, welche die Geschichten rund um Prinz Eisenherz bis heute fortsetzen. Kinder der 90er Jahre kennen sicher die Trickfilmserie Die Legende von Prinz Eisenherz, welche ebenfalls auf den Comics basiert. 1997 gab es eine weitere Realverfilmung von Anthony Hickox, die aber den Charme der Comics und der Adaption aus dem Jahr 1954 nicht erreicht.

"Sei immer stolz, dass du ein Wikinger bist, aber verschweige es bist du Camelot erreicht hast."

Wer auf der Suche nach abenteuerlicher Ablenkung ist, liegt mit Prinz Eisenherz genau richtig. Der Zuschauer kann sich zurücklehnen und in eine farbenfrohe optimistische Welt eintauchen. Der Film hat nichts mit der Realität und dem vergangenen oft schmutzigen und düsteren Mittelalter zu tun – auch die Pest wird mit keinem Wort erwähnt.

Nimmt man das Frauenbild einmal aus, ist der Film auf eine angenehme Art altmodisch. Auf übertriebene Gewaltdarstellung wird komplett verzichtet. Prinz Eisenherz nimmt das Publikum mit in eine Zeit – die es so nie gab – in der Ritter noch unerschrocken, heldenhaft und edel und Schurken intrigant, fies aber noch nicht völlig verdorben waren.

zusätzlicher Bildnachweis: 
© 20th Century Fox

Prince Valiant - Official DVD Trailer

Retro-Kiste: Herrschaft des Verbrechens – Das Testament des Dr. Mabuse

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Oscar Beregi Sr. Rudolf Klein-Rogge Das Testament des Dr. Mabuse

Helden brauchen Gegenspieler: Was wäre Sherlock Holmes ohne Professor Moriaty, Superman ohne Lex Luthor oder Harry Potter ohne Voldemort? Manchmal tritt der Schurke auch aus den Schatten des Helden hinaus – wie 2019 der Joker, dessen Solofilm fast ohne Batman beziehungsweise Bruce Wayne auskam. Und dann gibt es in der Popkultur auch Bösewichte, die größer sind als ihre direkten Gegenspieler auf der Seite des Guten. Staatsanwalt von Wenk oder Inspektor Lohmann werden den wenigsten etwas sagen – aber die meisten haben zumindest den Namen Mabuse schon einmal gehört.

Dr. Mabuse ist die Titelfigur mehrerer Romane und Filme. 1921 wurde der Roman Dr. Mabuse, der Spieler von Norbert Jacques als Fortsetzung in der Berliner Illustrierten Zeitung abgedruckt. Bereits ein Jahr später, nur wenige Monate nachdem der letzte Teil der Geschichte in der Zeitschrift veröffentlicht worden war, kam die zweiteilige Verfilmung von Fritz Lang in die Kinos. Die beiden Stummfilme waren für den Regisseur ein großer Erfolg. Aber erst elf Jahre später griff Lang das Thema wieder auf und drehte mit dem Tonfilm Das Testament des Dr. Mabuse eine direkte Fortsetzung seines Stummfilmklassikers.

Das Testament des Dr. Mabuse ist ein Thriller, der auch heute noch sehr interessant ist. Zum einem als Spiegel seiner Entstehungszeit im Jahr 1933. Aber auch als ein früher Vertreter des Thrillergenres, welcher viele Standards einführte, vor übersinnlichen Elementen nicht zurück schreckte und den Mythos Mabuse in die Ära des Tonfilms rettete.

Wahnsinn und Wirtschaftskrise

Man kann sich Das Testament des Dr. Mabuse ansehen, ohne die beiden vorangegangenen Stummfilme zu kennen. Die Vorgeschichte wird in der Fortsetzung geschickt zusammengefasst. Der Psychiater Professor Baum (Oscar Beregi Sr.) referiert gleich zu Beginn vor Studenten über den Fall Mabuse. Der einstige Superverbrecher sitzt mittlerweile in einer geschlossenen Abteilung einer Psychiatrie.

Während der Inflation in den frühen 20er-Jahren verübte Mabuse mit seiner Bande mehrere Raubüberfälle, Morde und Entführungen. In unterschiedlichen Verkleidungen machte sich der Doktor mit seinen übernatürlichen Hypnosekräften mehrere Menschen gefügig, die er zur Durchführung seiner verbrecherischen Pläne brauchte. Es gelingt dem Staatsanwalt von Wenk schließlich, Mabuse zu fassen, als dieser in seiner eigenen Falschgelddruckerei dem Wahnsinn verfällt.

Das Testament des Dr. Mabuse beginnt wieder in einer Falschgelddruckerei. Der aus dem Dienst entlassenen Polizist Hofmeister (Karl Meixner) will sich reinwaschen und die wahren Täter der Verbrechen finden, deren er fälschlicherweise beschuldigt wird. Dabei kommt er einer großen Verschwörung auf die Spur. Aber bevor er seinem ehemaligen Vorgesetzten Inspektor Lohmann (Otto Wernicke) davon berichten kann, wird auch er wahnsinnig.

Lohmann nimmt die Ermittlungen auf. Sein einziger Hinweis ist ein Name, den Hofmeister in die Scheibe ritzte: Mabuse. Aber der sitzt seit mehreren Jahren in der psychiatrischen Anstalt von Dr. Baum, spricht kein einziges Wort und kritzelt unentwegt Blätter mit scheinbar wirren Schriften voll. Die Polizei ist ratlos. Wer ist der Anführer der Verbrecherbande, der Hofmeister auf der Spur war? Derweilen häufen sich mysteriöse Einbrüche, Erpressungen und Attentate.

Aber auch die Mitglieder der Verbrecherbande wissen nicht, wer der Kopf hinter all den Aktionen ist, und fragen sich selbst, welchen Sinn dessen Pläne haben. Erst der ehemaligen Häftling Thomas Kent (Gustav Diessl), der wegen seiner Geliebten Lilli (Wera Liessem) aus der Gangsterbande aussteigen will, gibt Inspektor Lohmann den entscheidenden Hinweis. Alle Spuren führen zu Klinik von Professor Baum, in welcher der wahnsinnige Dr. Mabuse gerade in seiner Zelle verstorben ist.

"Ich denke, Sie stellen zu viele Fragen. Dem Chef gefällt das nicht."

Hinter dem Erfolg der Mabuse-Filme stehen drei Namen: Der Schriftsteller Norbert Jacques, der Regisseur Fritz Lang und die Drehbuchautorin Thea von Harbou. Am bekanntesten dürfte heute noch Fritz Lang durch den Science-Fiction-Klassiker Metropolis (1927) und seinem ersten Tonfilm M – eine Stadt sucht einen Mörder (1931) sein.

Seine Regiekarriere begann der Österreicher 1919 mit dem heute verschollenen Stummfilmdrama Halbblut. Zu seinen weiteren früheren Werken zählt die zweiteilige Verfilmung der Nibelungensage (1924) sowie Die Frau im Mond (1929). Noch 1933 verließ Lang Deutschland und drehte später in den USA mehrere Krimis, die man dem Film noir zuordnen kann, sowie die Anti-Nazi-Filme Menschenjagd (1942) und Auch Henker sterben (1943).

Im Gegensatz zu Lang dürfte der luxemburgische Autor Norbert Jacques und eigentliche Schöpfer des Dr. Mabuses heute weitestgehend vergessen sein. Jacques arbeitete zunächst als Journalist und veröffentlichte im Laufe seines Lebens viele Romane, von denen heute nur noch Dr. Mabuse, der Spieler und die Romanvorlage für den zweiten Film Dr. Mabuses letztes Spiel (1932) bekannt sein dürften. Auch die drei zum Teil nur in Fragmenten gebliebene Erzählungen Ingenieur Mars, Mabuses Kolonie und Chemiker Null beinhalten Auftritte oder Erwähnungen Mabuses.

Die Autorin Thea von Harbou schrieb Romane (Das indische Grabmal), viele Drehbücher und inszenierte 1934 auch zwei Filme selbst. Ihre Vorlagen wurden unter anderen von dem Regisseur Friedrich Wilhelm Murnau verfilmt – zu ihren großen Erfolgen zählen vor allem die von Lang inszenierten Filme Der müde Tod, Die Nibelungen, Metropolis, Die Frau im Mond und die Mabuse-Filme. Im Gegensatz zu ihren zeitweiligen Lebensgefährten Fritz Lang blieb Harbou nach 1933 in Deutschland und verfasste bis zum Kriegsende noch viele weitere Filmstoffe.

Die Titelrolle in Das Testament des Dr. Mabuse wurde wie schon wie in Dr. Mabuse, der Spieler von Rudolf Klein-Rogge übernommen. Der Schauspieler war unter anderen in den Stummfilmklassiker Das Cabinet des Dr. Caligari, Metropolis und Die Nibelungen zu sehen. Im Gegensatz zu den ersten Mabuse-Film ist Klein-Rogge schauspielerisches Talent nur bedingt gefragt. Obwohl Das Testament des Dr. Mabuse ein Tonfilm ist, hört man Klein-Rogge als Mabuse nur kurz in der zweiten Filmhälfte. Allerdings schafft er es, lediglich mit seinen irren Blicken eine schaurige Stimmung zu erzeugen.

Sein Gegenspieler Inspektor Lohmann spielt Otto Wernicke, welcher in derselben Rolle bereits in Langs Kriminalfilm M - Eine Stadt sucht einen Mörder zu sehen war. Wernicke verkörpert den Inspektor polternd und rau, aber im Grunde als gutmütigen Polizisten.

Eine weitere Hauptrolle übernimmt Gustav Diessl (Die weiße Hölle vom Piz Palü) als geläuterte Ganove Thomas Kent. Anfangs ist seine Figur noch von echter Verzweiflung über die Ungerechtigkeiten des Wirtschaftssystems gezeichnet. Später erstrahlt Diessel dann als Allerwelts- Held, der als Identifikationsfigur für das Publikum dient.

Theo Lingen spielt den Kleinganoven Karetzky. Diese Rolle verkörperte auch er schon in M – Eine Stadt sucht einen Mörder. Heute kennt man Lingen eher aus Komödien wie Die Lümmel von der ersten Bank (1968). Auch in Das Testament des Dr. Mabuse tritt seine Figur in den eher komischen Szenen auf.

Fritz Lang sprach fließend Französisch und so drehte er gleichzeitig eine französischsprachige Version seiner Mabuse-Fortsetzung. Die deutschen Schauspieler, welche des Französischen nicht mächtig waren, wurden bis auf Rudolf Klein-Rogge durch Franzosen ersetzt. Die wenigen Mabuse-Dialoge wurden synchronisiert.

Fantômas, Caligari und Mabuse

Norbert Jacques hat mit Dr. Mabuse einen modernen Prototypen des Superschurken geschaffen. Er war zu seiner Zeit aber nicht der Erste. Bereits 1911 erschien in französischen Zeitungen die ersten Geschichten über den genialen Verbrecher Fantômas von Pierre Souvestre und Marcel Allain. Auch Sax Rohmer steuerte ab 1913 mit Dr. Fu Manchu mehrere Romane zum Thema bei.

1920 sorgte bereits ein anderer Doktor mit hypnotischen Kräften im Kino für grauenvolle Spannung. Robert Wienes expressionistischer Film Das Cabinet des Dr. Caligari dürfte sicher großen Einfluss auf Langs Film gehabt haben. Allerdings verzichtete Lang bei seinen Mabuse-Filmen weitestgehend auf künstlerisch verfremdete Kulissen. In Das Testament des Dr. Mabuse sind sie nur noch in den Wahnvorstellungen Hofmeister zu finden.

Anfang der 30er Jahre kamen auch die beiden Edgar-Wallace-Verfilmungen Der Zinker und Der Hexer von Carl Lamac in die Kinos. Sie weisen ebenfalls thematische Überschneidungen zu Langs Gangsterfilm auf. Sein Film unterscheidet sich in der Herangehensweise von anderen Kriminalfilmen des Jahrzehnts. Schon mit Metropolis hatte er bewiesen, dass er nicht vor aufwendigen Produktionen zurückschreckt – und auch ein großes Filmstudio wie die Ufa in erhebliche finanzielle Schwierigkeiten bringen konnte.

In seinen Thrillern gab es schon zu Stummfilmzeiten aufwendige Autoverfolgungsjagden, Schießereien und Explosionen. Diese finden sich auch in Das Testament des Dr. Mabuse wieder. Vieles, was uns heute abgegriffen vorkommt, war damals für das Publikum neu. Zum Beispiel die Szene, in der Kent und seine Freundin Lilli in einem Zimmer gefangen sind, welches langsam mit Wasser vollzulaufen droht.

Lang spielt immer wieder mit den neuen Möglichkeiten des Tonfilms. Zu Beginn des Films sind die Maschinen in der Gelddruckerei so laut, dass man die Gespräche der dort tätigen Verbrecher nicht verstehen kann. Dem Zuschauer geht es so wie dem versteckten Hofmeister, der versucht die Ganoven zu belauschen. Auch bei den Übergängen zwischen den einzelnen Szenen spielt der Regisseur mit dem Ton. So verwandelt sich das Ticken einer Bombe nach der Überblende in das Schlagen eines Löffels auf ein Frühstücksei.

Das Testament des Dr. Mabuse ist zwischen Krimi und Horrorfilm angesiedelt. Eine zentrale Rolle spielt immer noch die Hypnose, welche keine Heilung bringt, sondern krankhaften Wahn auslöst. Daneben gibt es noch ein scheinbar fantastisches Element. Bei der gezeigten Geistererscheinung wird nicht klar, ob es sich um eine Wahnvorstellung oder den wahren Geist Mabuses handelt. Klar in der Realität verankert ist aber die Grundlage der Geschichte. Norbert Jacques sammelte für seine Romane Zeitungsartikeln, die er dann zu modernen Märchen um einen genialen Superschurken verdichtet. Auch Lang griff in sein Film die politische Situation in Deutschland auf.

In Dr. Mabuse, der Spieler waren es die Wirren der Inflationszeit der 20er-Jahre, in Das Testament des Dr. Mabuse die Folgen der Wirtschaftskrise von 1929. Es ist die anhaltende Arbeitslosigkeit, welche den Helden Kent ins Verbrechen führt. Geändert hat sich die Motivation Mabuses für seine Verbrechen. 1922 wollte er mit seinen Überfällen und Mordanschlägen Reichtum und Macht erlangen. 1933 genügt dem wahnsinnigen Verbrecher der Terror als Selbstzweck, wenn so der Staat ins Chaos versinkt.

Herrschaft des Verbrechens

Das Interessante an Fritz Langs zweiten Mabuse-Film ist das Veröffentlichungsjahr. Der Film wurde kurz vor der Machtübernahme der Nazis fertig. So finden sich in Das Testament des Dr. Mabuse inhaltliche Bezüge zur Weltwirtschaftskrise von 1929 genauso wie zum aufkommender Nationalsozialismus. Auch wenn man heute diese indirekten Verweise leicht übersieht, nahmen die neuen Machthaber in Deutschland die Parallelen zwischen den Terrorplänen Mabuses und ihren eigenen Weg an die Macht durchaus war.

Die gezeigte Herrschaft des Verbrechens war Joseph Goebbels, der viele vorherige Filme Langs schätzte, zu viel. Der Reichspropagandaminister ließ den Film am 29. März 1933 verbieten. So hatte der Thriller knapp einem Monat später seine Uraufführung in Budapest. Im selben Jahr war er in den österreichischen Kinos und 1934 in den USA zu sehen. In Deutschland hingegen kam der Film erst sechs Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs erstmals in den Kinos.

Ob Fritz Lang die Bezüge zum Nationalsozialismus bewusst eingebaut hat, wie er es später immer behauptete, oder dies der Tatsache geschuldet ist, dass sowohl Lang als auch Jacques sich von der aktuellen politischen Nachrichtenlage der 30er- Jahre inspirieren ließen, ist heute nicht mehr genau nachzuweisen. Für den Regisseur blieb Das Testament des Dr. Mabuse sein vorerst letzter Film in Deutschland. Kurz nach dem Verbot reiste er zunächst nach Frankreich und dann weiter in die USA.

Für seine Lebensgefährtin Thea von Harbou und die meisten Schauspieler bedeutet die Mitwirkung in dem nun verbotenen Kinofilm jedoch keinen Einschnitt in ihren Karrieren. Die meisten spielten in den kommenden beiden Jahrzehnten noch in vielen deutschen Produktionen mit – einige waren sogar in den Propagandastreifen Hitlerjunge Quex (1933), S.A. Mann Brand (1936) und Kolberg (1945) zu sehen.

Dr. Mabuse und die Folgen

In den 50er-Jahren kehrte Fritz Lang nach Deutschland zurück und inszenierte für den Produzenten Artur Brauner ein Remake der beiden Abenteuerfilme Das Indische Grabmal und Der Tiger von Eschnapur. Brauners Firma Berliner CCC hatte sich 1953 von Norbert Jacques die Rechte an der Figur Dr. Mabuse gesichert. Obwohl es zwischen dem Produzenten und dem Regisseur zu Streit gekommen war, bat Brauner Lang, einen weiteren Mabuse-Film für ihn zu drehen.

Dieser sagte zu und inszenierte 1960 Die 1000 Augen des Dr. Mabuse. Die Handlung basiert lose auf den Roman Mr. Tott kauf 1000 Augen des polnischen Autors Jean Forge. Der Film setzt die Handlung des Vorgängers von 1933 nicht fort. Hier hat sich Mabuse in einem Hotel eingerichtet und manipuliert wie gewohnt die Menschen mit seinen hypnotischen Kräften. Allerdings bedient er sich auch neuester Technik und hat das gesamte Gebäude mit Überwachungskameras ausgestattet.

Für Lang war es seine letzte große Regiearbeit, obwohl Die 1000 Augen des Dr. Mabuse der Startschuss für die Mabuse-Reihe der 60er-Jahre war. Zwischen 1961 bis 1964 folgten fünf weitere Mabuse-Filme. Die Reihe verdankte ihren Erfolg den zeitgleich entstandenen Edgar-Wallace-Filmen. Bei Im Stahlnetz des Dr. Mabuse (1961) und Die unsichtbaren Krallen des Dr. Mabuse (1962) führte dann auch der Wallace-erprobte Harald Reinl (Der Frosch mit der Maske) die Regie.

Dann folgte ein Remake von Das Testament des Dr. Mabuse (1962), in dem Gert Fröbe (James Bond: Goldfinger) die Rolle des Inspektor Lohmanns übernahm. Fröbe war bereits als ermittelnder Polizist mit anderen Figurennamen in die Die 1000 Augen des Dr. Mabuse zu sehen. Die Neuverfilmung ist im direkten Vergleich zum Original wenig originell und bietet keine neuen modernen Ansätze. Es folgten noch die routiniert herunter gedrehten Fortsetzungen Scotland Yard jagt Dr. Mabuse (1963) und Die Todesstrahlen des Dr. Mabuse (1964), die billigen James-Bond-Kopien ähneln und mit den ursprünglichen Mabuse-Filmen wenig zu tun haben.

Obwohl es 1971 (Dr. M schlägt zu) und 1989 (Dr. M) zwei weitere filmische Variationen des Mabuse-Themas gab, geriet Dr. Mabuse in Vergessenheit. Auch wenn heute nur wenige Menschen die Filme kennen, geistert der Name Mabuse immer noch durch die Popkultur.

Band 55 (Hörspielfolge 74) der Serie TKKG enthält im Titel eine Anspielung auf den vergessenen Superverbrecher. "Im Schattenreich des Dr. Mubase" handelt von um Doping- und Drogenmissbrauch in der Privatklinik eines geheimnisvollen Arztes. Außerdem erschien zwischen 2000 und 2001 die sechsteilige Comic-Reihe Mabuse von Isabel Kreitz, Eckart Breitschuh und Stefan Dinter, welche die Handlung frei nach Norbert Jacques ins Jahr 1998 verlegte.

"Hier hat ein kleiner Kriminalkommissar nichts mehr zu suchen."

Wenn man sich Das Testament des Dr. Mabuse heute anschaut, sollte man nicht erwarten, dass der Film dem gewohnten Bild der heutigen Actionthriller entspricht. Trotzdem ist Langs Werk kein verstaubter Klassiker, der nur noch aufgrund seines Entstehungsjahres für Historiker interessant ist. Losgelöst von dem durchaus wissenswerten geschichtlichen Hintergrund kann der Film auch heute noch sein Publikum mit einer spannenden Krimihandlung fesseln. Die schwarzweiß Bilder entfalten oft eine unheimliche Wirkung, die man bei manchen modernen Thrillern vergeblich sucht.

zusätzlicher Bildnachweis: 
© Nero-Film AG/Universum Film/Atlas Film

Mabuse trailer

Retro-Kiste: Der schwarze Incal – Die Comicserie John Difool

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John Difool Der schwarze Incal

Wenn man an frankobelgische Comics denkt, kommen vielen sicher zuerst Asterix, Tim und Struppi, Die Schlümpfe, Lucky Luke oder Spirou und Fantasio in den Kopf. Aber auch jenseits der bekannten Funny-Klassiker gibt es viele französische und belgische Alben mit ernsteren, düsteren und fantastischen Ansätzen, welche sich an ein erwachsenes Publikum richten.

Zu nennen wären hier zum Beispiel Thorgal von Jean van Hamme und Grzegorz Rosiński, Jeremiah von Hermann oder Auf der Suche nach dem Vogel der Zeit von Serge Le Tendre und Régis Loisel – und natürlich die beeindruckende Space Opera von Alejandro Jodorowsky und Moebius rund um den Detektiv John Difool und dem magischen Incal.

Der erste Band der Incal-Serie beginnt mit einem Sturz. John Difool fällt mehrere Etagen einer unterirdisch angelegten Metropole hinab. Sein Fall wird nicht mit dem Aufprall auf den Boden enden, denn die Zukunftsstadt wurde direkt über einem Säuresee errichtet. Natürlich wird John Difool in letzter Sekunde gerettet. Auf dem Revier erklärt der Privatdetektiv der Klasse R anschließend den Roboterpolizisten, dass er keine Ahnung habe, warum ihn die grün maskierten Gestalten in den Abgrund geworfen haben.

Der Leser erfährt allerdings kurz darauf, dass es um das Erinnerungsvermögen Difools besser gestellt ist, als gedacht, und er sich bei seiner Aussage nicht an die Wahrheit gehalten hat. In einem Rückblick sieht man, wie der Privatdetektiv den Auftrag einer reichen Klientin übernimmt, diesen aber anschließend gründlich vermasselt. Auf der Flucht vor einem Humanoiden mit Hundekopf trifft er auf einen roten Mutanten, der im Sterben liegt. Dieser vertraut Difool den geheimnisvollen Incal an.

"Ich bin Privatdetektiv der Klasse R und Gerechtigkeit ist nicht mein Problem."

Ab diesem Zeitpunkt machen mehrere Gruppen Jagd auf den Privatdetektiven und seine treue Betonmöve Dipo, die wegen dem Incal plötzlich munter vor sich hinplappert. Die Terroristen von Amok, die Wachen des Präsidenten, die roten Müllmutanten, die außerirdischen Berks und der berühmt berüchtigte Metabaron wollen ihm dem Incal abnehmen.

Wider allen Erwartungen können Difool und Dipo all ihren Verfolgern entkommen, nur um in Technotown in die Fänge des düsteren Technopapstes zu geraten. Dieser will mit Hilfe des Incals die Finsternis über das gesamte Universum heraufbeschwören. In der unterirdischen Stadt kommt es zum Aufstand und schließlich muss John Difool mit ehemaligen Feinden und neuen Verbündeten ins Erdinnere fliehen, wo sich die Macht des Incals erst richtig entfaltet.

Die ersten zwei Bände "Der schwarze Incal" und "Der Incal des Lichts" spielen auf dem Planeten Terra 21. Erst im dritten Band "In tiefsten Tiefen" entfaltet die Serie ihre wahre kosmische Größe. In der sechsteiligen Comicserie von Autor Alejandro Jodorowsky und Zeichner Moebius geht es nicht nur um einen Aufstand gegen einen tyrannischen Präsidenten in einer futuristischen Untergrundstadt, sondern um den kosmischen Kampf des Lichts gegen die ewige Finsternis.

Jodorowsky tischt dabei viele fantastische Ideen auf, welche sein Zeichner Moebius gekonnt in Szene setzt. Neben den erwähnten Roboterpolizisten, Hundemenschen, Müllmutanten und Aliens trifft man auf Psycho-Ratten, insektoide Techno-Monster, mutierte Weltraummedusen und die weise zweigeschlechtliche Imperiatricia, welche das menschlich besiedelte Universums beherrscht. Der Leser reist dabei von unterirdischen Kristallwäldern, zu Wasserplaneten, monströsen Kampfstationen und der fremdartigen Heimatwelt der Berks.

Der chilenischer Autor und Regisseur Alejandro Jodorowsky wurde neben seiner Arbeit an der Comicserie John Difool durch seinen Versuch, den Roman Der Wüstenplanet von Frank Herbert zu verfilmen, bekannt. Bei diesem Projekt lernte er auch den Comiczeichner Moebius kennen.

Moebius ist das Pseudonym des französischen Künstlers Jean Giraud, der unter seinem richtigen Namen unter anderen die Westernreihe Leutnant Blueberry zeichnete. Sein Pseudonym verwendete er bei all seinen Science-Fiction-Projekten. So erschienen unter dem Namen Moebius die Comics Arzach, Die hermetische Garage, Der Mann von der Ciguri, die Sternenwanderer-Reihe sowie die sechsbändige Saga um den Privatdetektiv John Difool. 1988 veröffentlichte der US-Verlag Marvel zudem ein von Moebius gezeichnetes Abenteuer des Silver Surfers.

Moebius beziehungsweise Jean Giraud arbeitete auch öfters an Filmprojekte wie Alien, Tron, Masters of the Universe, Willow oder Das fünfte Element mit. Seine erste Arbeit für die Filmindustrie war aber der nie verwirklichte Dune-Film von Jodorowsky.

Einige ihrer Ideen des gescheiterten Filmprojektes ließen sie in ihre gemeinsame Comicserie John Difool einfließen, welche zwischen 1981 und 1988 in Frankreich erschien. Dies merkt man den Comics auch an. Bei John Difool handelt sich nicht um Hard-Science-Fiction, sondern um eine barocke Space Opera mit esoterischen Fantasyelementen. Im Mittelpunkt steht der Kampf Gut gegen Böse – was nicht heißt, dass es in der Geschichte immer ernst zugehen muss. Man schaue sich nur John Difools Rückkehr zum Planeten der Berk im sechsten Band an.

"Und benehmt euch endlich wie echte Berk-Helden!"

Jodorowsky hat eine Vielzahl an lebendigen Figuren geschaffen. Neben den Titelhelden sticht hier vor allen der Metabaron heraus. Der einsame Krieger mit dem strengen Ehrenkodex erinnert stark an die Figur Duncan Idaho aus Herberts Roman Der Wüstenplanet. Aber auch kleinere Nebenrollen erhalten in den Comics ihren großen Auftritt. Während im fünften Band im Hintergrund der Kampf der Helden um die Kampfstation des Technopapstes tobt, spielt sich im Vordergrund die dramatische Rache des Kanzlers Graufeld am neuen Ratsführer Horlog ab.

Dies alles wird von Moebius gekonnt in Szene gesetzt. Er schafft es, fremdartige Unterwasserwelten genauso glaubhaft aufs Papier zu bringen wie futuristische Weltraumstationen. Der zeichnerische Höhepunkt der Comicserie befindet sich aber gleich zu Beginn: John Difools Sturz in die Selbstmord Allee der unterirdischen Stadt hinab. Auf einem ganzseitigen Bild sieht man die unterirdischen Häuserschluchten in ihrer opulenten Vielfalt.

Die Architektur stellt eine bunte Mischung aus antiken, barocken und modernen Elementen dar. Die Stadt wirkt, als hätte man das alte Forum Romanum, die Dresdner Altstadt und die Betonhochhäuser der Pariser Banlieues in einem Mixer geworfen und das Ergebnis dann unter der Erde verbuddelt.

Der gelungenen zeichnerisch Beginn der Serie, bedeutet aber nicht, dass die weiteren Bände sich nicht sehen lassen könnten. Moebius hat mit der John-Difool-Reihe Maßstäbe in der frankobelgischen Comicwelt gesetzt und seine Arbeit an Marvels Silver Surfer zeigt, dass sein Schaffen auch in den USA wahrgenommen wurde. Auch heute dient das Werk des 2012 verstorbenen Künstlers als Inspirationsquelle für eine neue Generation französischer Zeichner – man werfe zum Beispiel einem Blick in das Album Negalyod von Vincent Perriot.

"John Difool! Du musst den Incal fragen, wie es weiter gehen soll!"

Jodorowsky schrieb noch eine sechsbändige Vorgeschichte zum ursprünglichen Incal-Zyklus mit dem Titel Vor dem Incal, die aber nicht mehr von Moebius gezeichnet wurde, sondern von Zoran Janjetov. Auch die Comics Die Meta-Barone spielen im Incal-Universum. Erzählt werden diesmal die verschiedenen Leben der Vorfahren des namenlosen Meta-Barons. Auch hierbei arbeitete der chilenische Autor mit einem anderen Zeichner, in diesem Falle Juan Giménez, zusammen.

Erst knapp zwanzig Jahre nach dem Erscheinen der ursprüngliche John-Difool-Serie kam es zu einer erneuten Zusammenarbeit von Jodorowsky und Moebius. Die Geschichte in Nach dem Incal ist wieder in der unterirdischen Stadt auf Terra 21 angesiedelt. Die Reihe kam aber über einen ersten Band nicht heraus. Dennoch unternahm der Autor alleine weitere Versuche, die Abenteuer aus dem Incal-Universum fortzuführen.

Die folgenden John-Difool-Projekte von Jodorowsky hatten es schwer inhaltlich und zeichnerisch an die Originalserie aus den 80er-Jahren heranzukommen. Es braucht eigentlich auch keine Vorgeschichten, Fortsetzungen oder andere Erzählungen aus dem Incal-Universum. Die ersten sechs Bände "Der schwarze Incal", "Der Incal des Lichts", "In tiefsten Tiefen", "In höchsten Höhen", "In weiter Ferne" und "In nächster Nähe" bilden eine dynamische Einheit, welche Jodorowsky und Moebius mit einem gelungenen und runden Ende versehen haben.

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© Splitter Verlag/Les Humanoïdes Associés/Moebius/Alejandro Jodorowsky

Retro-Kiste: Nennen Sie mich Snake – Die Klapperschlange

Dirty Harry (1971), Ein Mann sieht rot (1974) und seine Fortsetzungen sowie John Carpenters Assault – Anschlag bei Nacht (1976) waren die Auseinandersetzung Hollywoods mit der Angst der US-Bürger vor der wachsenden Kriminalität in den amerikanischen Großstädten. Diese Ängste waren nicht gänzlich unbegründet.

Seit den 50er Jahren begann die US-Mittelschicht in die Vorstädte abzuwandern. Die großen Metropolen hatten immer weniger Steuermittel zur Verfügung, um die städtische Infrastruktur zu erhalten. In der Folge verfielen in den 70er und 80er Jahren die U-Bahnen, Polizisten wurden entlassen, der Drogenhandel nahm stark zu und als dessen Folge stieg auch die Mordrate. Dies führte wiederum dazu, dass immer mehr wohlhabende Bürger vor der zunehmenden Kriminalität und Gewalt aus Städten wie New York in die grünen Vororte flohen.

John Carpenter griff diese Entwicklung 1981 erneut auf, verlegt aber das Problem in eine Zukunft, in welcher die Verbrechensrate immer weiter angestiegen ist. In Die Klapperschlange, im Original Escape from New York, hat man deswegen gleich ganz Manhattan in ein Hochsicherheitsgefängnis verwandelt. Dort sind die Insassen sich selbst überlassen.

Die Handlung des Films ist aus Sicht des Jahres 1981 sechzehn Jahre in die Zukunft verlagert. 1997 entführen linke Terroristen die Air Force One. Bevor die Entführer das Flugzeug über Manhattan abstürzen lassen, gelingt es dem US-Präsidenten, mit einer Rettungskapsel unverletzt auf der Gefängnisinsel zu landen. Als die Polizeikräfte mit Hubschraubern in Manhattan landen, finden sie nur noch die leere Rettungskapsel vor. Von dem Staatsoberhaupt und wichtigem Geheimmaterial, welches er bei sich führte, fehlt jede Spur.

"Holen Sie sich einen neuen Präsidenten."

Nun könnte der Sicherheitsapparat der USA dem Rat von Snake Plissken folgen, den Präsidenten abschreiben und Neuwahlen ausrufen. Aber so einfach lässt sich die Sache nicht lösen: Denn der Präsident war auf dem Weg zu Friedensverhandlungen mit China und der Sowjetunion, mit denen sich die USA in dieser fiktiven Realität im Dritten Weltkrieg befinden. Bei sich trug der Präsident eine wichtige Kassette, welche die Welt vor ihrer nuklearen Vernichtung bewahren kann.

Da die Polizei von einem Abgesandten des Duke of New York, dem Herrscher des Gefängnisses, gewarnt wurde, dass jeder Polizeieinsatz in Manhattan zur sofortigen Exekution des Präsidenten führen würde, bleibt dem verzweifelten Gefängnisdirektor Hauk nur ein Weg.

Es trifft sich gut, dass gerade der ehemalige Elitesoldat Snake Plissken nach Manhattan eingeliefert werden soll. Hauk verspricht Plissken nun die Freiheit, wenn dieser nach Manhattan fliegt, den Präsidenten findet und ihn mit samt der wichtigen Audiokassette herausholt. Plissken bleiben für die Mission dafür nur 22 Stunden.

Als zusätzliche Motivation hat Hauk ihn zwei explosive Minibomben in den Hals indiziert, die nach Ablauf der Frist detonieren. Mit einem Segelflugzeug landet Plissken unbemerkt auf dem Dach des World Trade Centers und macht sich auf die Suche. Mithilfe des Taxifahrers Cabbie und Brain, einem ehemaligen Komplizen von Plissken, gelingt es ihm schließlich, den Präsidenten aus den Händen des Dukes zu befreien.

John Carpenter gehört zu den Filmemachern, die bei ihren Projekten nicht nur die Regie übernehmen. Bei Die Klapperschlange schrieb er am Drehbuch mit und komponierte zusammen mit Allan Howarth den Soundtrack. Seine Karriere begann Carpenter 1974 mit dem satirischen Science-Fiction-Film Dark Star. Neben Die Klapperschlange machte er sich vor allen mit Halloween – Nächte des Grauens (1978) und Das Ding aus einer anderen Welt (1982) einen Namen als Science-Fiction- und Horrorregisseur.

In den 80ern folgten dann Big Trouble in Little China, Fürst der Finsternis und Sie leben!. In den 90er Jahren nahm sein Erfolg ein wenig ab, obwohl Carpenter gelungene Filme wie Mächte des Wahnsinns (1994) drehte. Zuletzt inszenierte er den Horrorfilm The Ward (2010). Immer wieder arbeitet Carpenter mit der Produzentin Debra Hill (Halloween, The Fog – Nebel des Grauens, Flucht aus L.A.) zusammen.

Das Actionkino der 80er-Jahre war geprägt von muskulösen Helden wie Arnold Schwarzenegger (Predator), Sylvester Stallone (Rambo), Dolph Lundgren (Masters of the Universe) oder Jean-Claude Van Damme (Bloodsport). Kurt Russel fällt da ein wenig aus der Reihe. Im direkten Vergleich zu den aufgepumpten Actionhelden wirkt der durchaus muskulösen Schauspieler rauer, undurchsichtiger und zwielichtiger. Er wäre eher zwischen Mel Gibson (Mad Max) und Bruce Willis (Stirb langsam) anzusiedeln, mit dem er sich auch den Synchronsprecher Manfred Lehmann teilt.

"Ich dachte du wärst tot."

Für Russel war Die Klapperschlange sein endgültiger Durchbruch als Schauspieler. Er drehte mit Carpenter noch Das Ding aus einer anderen Welt, Big Trouble in Little China und Flucht aus LA. Den Helden verkörperte Russel (Tango und Cash, Stargate) erfolgreich auch unter der Leitung anderer Regisseure. Zuletzt übernahm er sogar mal die Rolle des Schurkens (Death Proof – Todsicher, Guardians of the Galaxy Vol. 2).

John Carpenter greift gerne auf Schauspieler zurück, mit denen er bereits zusammengearbeitet hat. In Die Klapperschlange sind Adrienne Barbeau (The Fog), Donald Pleasence (Halloween, Fürst der Finsternis), Harry Dean Stanton (Christine) und Tom Atkins (The Fog) wieder mit von der Partie.

Außerdem treten Ernest Borgnine (Das dreckige Dutzend, Der Flug des Phoenix, Airwolf) als Taxifahrer Cabbie, Lee Van Cleef (Für ein paar Dollar mehr, Zwei glorreiche Halunken) als Gefängnisdirektor Hauk und Isaac Hayes (Titelsong zu Shaft, Stimme von Chefkochs in South Park) als der Duke in dem Film auf.

Die Science-Fiction-Filme der 80er Jahre haben alles zu bieten: unterhaltsame Space Operas wie Star Wars, kindgerechten Aliens in Steven Spielbergs ET, actionreiche Kämpfe gegen Weltraummonster in Aliens oder düstere Endzeitszenarien in Mad Max. Somit ist Die Klapperschlange weder ein ungewöhnlicher noch ein typischer Genre-Vertreter des Jahrzehnts.

John Carpenter wollte zwei verschiedene Weltentwürfe für seinen Film erzeugen. Einmal die glatte, helle und hoch technisierte Welt der Polizeistation. Dem entgegensetzt steht das Bild des heruntergekommenen, finsteren und halb verfallenen Stadtzentrums. Obwohl der Film in New York spielt, wurden nur die Eröffnungsszene und die Einstellungen mit der Freiheitsstatue im Hintergrund vor Ort gedreht. Alle anderen Szenen drehte man in anderen Städten oder, wie Snakes Flug mit dem Segelflugzeug, mit hilfe eines Modells.

Dieses Model wurde 1982 übermalt und kam bei den Dreharbeiten zu Blade Runner erneut zum Einsatz. John Carpenter hat mit Die Klapperschlange eine Art Anti-Blade-Runner geschaffen. Bei ihm ist alles dreckig, dunkel und kaputt. Es gibt keine Neonlichreklamen und keine fliegenden Autos, sondern nur Graffiti und brennende Autowracks. Die Gefangenen in Manhattan sehen aus, wie ein wilder Mix aus Rockerbande, zerlumpten Piraten und New-Wave-Punks.

"Sie haben jedoch die Wahl sich töten und einäschern zu lassen."

Eine Inspiration für Carpenter war Ein Mann sieht rot (Death Wish) von Michael Winner. Auch wenn er der Aussage und der zugrunde liegende Philosophie des Films nicht zustimmte, mochte er die Darstellung der Großstadt als Dschungel voller Gefahren. Winners Death-Wish-Reihe hat einen konservativen bis reaktionären Grundton, der dazu dient, Selbstjustiz zu rechtfertigen. Carpenters Werk ist da schwerer einzuordnen.

Die linken Terroristen, die zu Beginn die Präsidentenmaschine entführen, kämpfen zwar für eine bessere Welt, handelt aber selbst nicht nach ihren Idealen. Von der Welt außerhalb Manhattans bekommt der Zuschauer nur die Polizeiwachen rund um die Halbinsel zu sehen. Sie stehen eigentlich für Recht und Ordnung – aber ihre Rechtsauffassung scheint nur noch wenig mit einem demokratischen Staatswesen gemeinsam zu haben.

Die Gefängnisinsassen hingegen leben in einer archaischen Welt ohne modernen Komfort und kämpfen um die wenigen Ressourcen innerhalb der Mauern. Die Szenerie gleicht den Mad-Max-Filmen ohne Sand und Sonnenschein. Der Held selbst fühlt sich gar keiner Seite zugehörig. Snake ist alles egal – die trostlose Welt um ihn herum ertränkt er in Zynismus.

Ursprünglich gab es eine Eröffnungsszene, welche den Bankraub, die anschließende Flucht mit der U-Bahn und Snake Festnahme zeigt. Die Polizei kann ihn nur stellen, weil Snake seinem angeschossen Komplizen zur Hilfe kommt. Die Szene wurde von Carpenter aus dem Film herausgeschnitten, da sie laut dem Regisseur die Figur zu sehr vermenschlichte.

Im direkten Vergleich zu Carpenters Assault – Anschlag bei Nacht gibt es auch keine Helden, die in der Not ihre Feindseligkeiten begraben und gegen eine äußere Bedrohung zusammenarbeiten. In Die Klapperschlange ist sich jeder zunächst selbst der Nächste. Trotz der sehr ambivalenten Helden hat der Film eine eindeutige Botschaft: Nicht nur die Verbrecher in Manhattan verrohen, sondern auch der Rechtsstaat, der sich mit unmenschlichen Maßnahmen vor ihnen schützen will.

Die Klapperschlange ist ein Film mit überwiegenden männlichen Protagonisten. Adrienne Barbeau hat als Maggie meist nicht mehr zu tun, als tief de­koll­etiert durch Bild zu laufen. In der Fortsetzung Flucht aus L.A. stehen zumindest schon einmal mehr Frauen auf der Besetzungsliste.

Die Grundidee des Originals wurde 1996 wieder aufgegriffen. Flucht aus L.A. erzählt im Prinzip die gleiche Geschichte mit größeren Budget noch mal. Snake Plissken wird wieder von Kurt Russel gespielt, der diesmal in die Gefängnisinsel L.A. eindringen muss und auf dieselben Figuren (nur von anderen Darstellern gespielt) trifft wie im Original.

Die Fortsetzung kommt nicht an die Qualität des Vorgängers heran und gleicht streckenweise einer Parodie von Die Klapperschlange. Dennoch gibt es seit mehreren Jahren Pläne für einen dritten Teil. So wollten Regisseur Robert Rodriguez (Sin City) und Drehbuchautor Neil Cross (Luther) 2015 noch eine Art Prequel drehen. Diese Pläne sind jedoch vom Tisch und aktuell arbeitet Autor und Regisseur Leigh Whannell (Der Unsichtbare) an einem Reboot des Films.

Ein möglicher Reboot wird es schwer haben, einen eigenen Schwerpunkt zu setzen. Den schon die Originalstory gibt eigentlich nicht sehr viel her und die Grundidee wurde seit 1981 in Filmen wie Ghettogangz – Die Hölle vor Paris (2004) wieder aufgegriffen. Die Klapperschlange lebt von John Carpenters Art Filme zu drehen, seinem Soundtrack und den sehr guten Hauptdarstellern. Da braucht es eigentlichen keine weiteren Fortsetzungen oder Reboots, da der Film auch heute noch sehr gut funktioniert.

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© Embassy Pictures/International Film Investors/Goldcrest Films International

DIE KLAPPERSCHLANGE (1981) - HD Trailer Deutsch

Zombie-Kiste zu Night of the Living Dead - Als die Untoten schlurfen lernten

Im Jahr 1999 wurde Night of the Living Dead in die National Film Registry der USA eingeführt und damit als ein wichtiges, kulturelles Werk gewürdigt. Dabei entfachte der Film zahlreiche Diskussionen aufgrund seiner Gewaltdarstellung, als er 1968 erstmals im Kino lief und ist, schaut man sich ihn heute mit wachem Auge an, auch kein filmischer oder gar künstlerischer Quantensprung. Trotzdem hat er zahlreiche Generationen an (Horror-)Filmschaffenden geprägt und seine Vision der wandelnden Toten schlurft bis heute durch diverse Medien. Night of the Living Dead konnte sowohl die Vision von Zombies nachhaltig prägen, als auch mehr Geld machen, als jeder andere Independent Film bisher.

Die Anfänge des Films waren dabei bescheiden: George A. Romero und sein Co-Autor John Russo sowie die Produzenten Karl Hardmann und Russel Streiner waren eigentlich Werbefilmer für Pittsburgh und seine ländliche Umgebung. Daneben wollten sie einen ordentlichen Langfilm drehen, doch worüber? Ideen mit Außerirdischen und Spezialeffekten flogen zwischen den Männern hin und her, wurden aber aufgrund des geringen Budgets, das hauptsächlich von privaten Investoren oder bestehenden Kunden der Werbefilmfirma stammte, wieder verworfen. Nur eine Idee verfing: Kannibalismus. Das schien Romero und Co. schockierend genug zu sein, um einen Markt für den Film zu schaffen. Daraus entwickelte sich dann die Handlung um die Untoten.

Die Handlung

Falls jemand Night of the Living Dead noch nicht gesehen hat: Zu Beginn besucht die junge Frau Barbara mit ihrem Bruder Johnny das Grab ihres Vaters. Dort begegnet sie einem seltsam schlurfenden Mann, der sie und Johnny anfällt. Barbara flüchtet ohne Johnny in ein Farmhaus. Dort stößt Ben zu ihr, der anfängt, Türen und Fenster zu verbarrikadieren. Barbara hingegen ist von den Ereignissen geschockt und verhält sich passiv. Zu den beiden stoßen dann Harry Cooper, dessen Frau und ihre gemeinsame Tochter sowie die beiden Jugendlichen Tom Judy, die sich allesamt im Keller des Hauses verschanzt haben. Bei einem Fluchtversuch kommen Tom und Judy ums Leben, was den Konflikt zwischen Ben und Harry anheizt. Als die Untoten versuchen, das Haus zu stürmen, überlebt nur Ben, der sich im Keller verbarrikadiert hat. Bei einer Säuberungsaktion wird Ben für einen Untoten gehalten und erschossen.

Die Dreharbeiten erstreckten sich über mehrere Monate im Jahr 1967, da der Film ja nur ein Nebenprojekt zwischen den Werbeaufträgen war. Als Kulisse diente ein altes Farmhaus, dass das Drehteam erst ordentlich herrichten musste, denn es war zum Abriss bestimmt und leergeräumt. Dafür konnte sich die Crew später dort austoben. Die Schauspieler waren zum Großteil Laien: Nur Duane Jones war ein halbwegs bekannter Theaterschauspieler aus der Gegend, arbeitete aber hauptberuflich an einer Universität. Judith O’Dea hatte nach einem erfolglosen Ausflug nach Hollywood eigentlich ihre Schauspielkarriere an den Nagel gehängt, als sie für den Film vorsprach. Die beiden brachten wenigstens etwas Schauspielerfahrung mit, anders als beispielsweise Russel Streiner (der Produzent) in der Rolle von Barbaras Bruder Johnny oder Karl Hardmann (ebenfalls Produzent), der Harry Cooper verkörperte.

Das knappe Budget von insgesamt 114.000 US-Dollar (heute wären das ungefähr 700.000 US-Dollar) merkt man am ehesten am Medium selbst: Entgegen vieler anderer Kinofilme zu dieser Zeit ist Night of the Living Dead in Schwarz-Weiß gedreht -  das war schlicht günstiger. Die Ausstattung des Hauses wirkt etwas zusammengewürfelt, das Make-Up der Zombies beschränkt sich meist auf blasse Schminke und tiefe Augen und einige Bluteffekte, ist aber kein Vergleich zum Aufwand, der heute betrieben wird. Auch der Soundtrack wurde nicht für den Film selbst geschrieben, sondern bedient sich aus einer Filmmusikbibliothek.

Vom B-Movie zum Kultfilm

Mit seinen manchmal harten Schnitten, sichtbar bemühtem Schauspiel und kaum bearbeiteten Ton vermittelt Night of the Living Dead beim ersten Sehen nicht den Eindruck eines Kultklassikers, sondern eher eines B-Movies von begabten Amateuren - und streng genommen ist er das auch. Aber der Zombiefilm war für seine damaligen Verhältnisse nicht nur sehr blutig, sondern überraschte mit unbekannten Themen und einer Mischung aus verschiedenen Horror-Elementen.

Für viele Zuschauerinnen und Zuschauer war es schon revolutionär, einen farbigen Schauspieler als kompetenten Helden und nicht als witzigen Sidekick auf der Leinwand zu sehen - oder überhaupt! 1967 und 1968 waren die Höhepunkte der Bürgerrechtsbewegung erreicht, im April 1968 wurde Martin Luther King erschossen. Im Süden der USA herrschte Segregation, also die Trennung von Weißen und Farbigen. Laut Romero und seinem Team wurde der Farbige Jones zum Hauptdarsteller, weil er der Beste beim Vorsprechen war, die politischen Hintergründe spielten dabei keine Rolle. Jones hat allerdings seine Figur etwas umgeschrieben, wohl auch, weil er sich seiner Vorbildwirkung auf das Publikum bewusst war. Dass seine Figur Ben am Ende erschossen wird, geschah explizit auf Jones’ Wunsch - für Ben war eigentlich ein optimistischeres Ende geplant. Aber Jones war sich bewusst, dass die mögliche farbige Zuschauer ein Happy End, bei dem Ben von den weißen Polizisten gerettet wird, für dieses Publikum zu unglaubwürdig gewesen wäre.

Hinzu kommt, dass der Film nicht versuchte, die Ästhetik von bekannten Schwarz-Weiß-Horrorfilmen wie den Universal-Pictures-Monsterfilmen Dracula, Die Mumie oder Frankenstein zu kopieren. Stattdessen setzt Night of the Living Dead auf eine eher realistische Optik und einen konkreten Handlungsort: Eben das ländliche Pennsylvania mit bestimmten, realen Ortschaften, die in den Radiodurchsagen und TV-Berichten, die in die Handlung eingestreut sind, auftauchen.

Schließlich konfrontierte Night of the Living Dead sein Publikum mit einem so bisher unbekannten Monster: Zombies. Die werden, auch hier begründete der Film so etwas wie eine unausgesprochene Tradition - selbst gar nicht so genannt, sie heißen hier “Fleischfresser” oder Ghule. Zombies kannte man auch vorher schon: Dann waren es meist mit Hilfe von Voodoo-Magie verzauberte Menschen, die so zu willenlosen Sklaven gemacht wurden. Night of the Living Dead präsentiert aber wandelnde Untote, erstmals mit ihrem heute charakteristischen Schlurfen, Hinken und ihren steifen Bewegungen. Die Zombies tun dabei etwas bisher kaum auf der Leinwand Dargestelltes: Sie sind Kannibalen, fressen Menschen - und das sehr grafisch. Sie einverleiben sich die Überreste von Tom und Judy, zerren dabei die Fleischfetzen von den Leichen und graben ihre Zähne gierig in ihre Mahlzeit.

Zombies werden Gemeingut

Das alles wird in Night of the Living Dead gezeigt: Auch das ein Novum für diese Zeit, in der Horror und Gewalt meist eher angedeutet, als direkt dargestellt wurde. Im Oktober 1968 feierte der Film seine Premiere und wurde in verschiedenen Kinos in den Nachmittagsvorstellungen gezeigt - die damals noch für alle Altersgruppen zugänglich waren. Erst einen Monat später trat das Gesetz über die Altersfreigabe für Filme in Kraft. Night of the Living Dead war mit ein Auslöser dafür, dass sich eine landesweite Diskussion um Gewalt in Kinofilmen entwickelte.

Das hielt den Film in aller Munde, was immerhin etwas Werbung für das Werk brachte. Allerdings hatten Romero und sein Team wenig davon: Der Verleiher ließ aus rechtlichen Bedenken kurzfristig den Titeln ändern - von Night of the Flesh Eaters zu Night of the Living Dead. Dabei vergaß er aber den damals obligatorischen Copyright-Hinweis auf die Titelkarte zu setzen und gab damit den Film als unfreiwillig urheberrechtsfrei heraus. Die Folge: Jeder konnte ohne Geld an den Verleih zu geben den Film kopieren und in seinem Kino zeigen, Night of the Living Dead wurde somit im wahrsten Sinne des Wortes Allgemeingut. Das trug dazu bei, dass er eine unheimlich große Verbreitung erlangte und die Originalversion bis heute frei im Internet heruntergeladen werden kann.

Night of the Living Dead begründete also mehr oder weniger das heute bekannte Zombie-Genre und Romero selbst ist dessen bekanntester Vertreter. Die Untoten haben ihn nicht mehr losgelassen: Er drehte rund zehn Jahre später den ebenfalls zum Kultfilm avancierten Dawn of the Dead (erschienen 1978) und 1985 Day of the Dead, welche lose im selben Universum spielen. 2005, 2007 und 2009 setzte er seine Zombie-Reihe weiter fort. Night of the Living Dead aber erfuhr noch eine Neuauflage im Jahr 1990, diesmal von Romeros gutem Freund Tom Savini inszeniert, die aber weniger bekannt ist als das Original.

Mittlerweile wurde der Film auch restauriert und es gibt ihn mit zusätzlichem Material auf DVD und Blu-Ray. Wer mag, sollte ruhig ein bisschen Geld für Night of the Living Dead ausgeben, die frei verfügbaren Versionen haben meist ein eher mäßiges Bild und einen knarzenden Ton.

Vielleicht ist Night of the Living Dead nicht der beste Zombie-Film, und auch nicht der beste Romero-Zombie-Film, diese Ehre gebührt entweder Dawn of the Dead oder Day of the Dead, je nach Geschmack. Aber weil er viele Traditionen begründet hat, heute dank seiner Spannung und Atmosphäre auch noch gut anzusehen ist und schließlich ziemlich leicht zu bekommen ist, eignet sich gut Night of the Living Dead für einen Einstieg in das Zombie-Genre.

Retro-Kiste zu Brazil: Ich bin ein bisschen pedantisch, was Formulare angeht

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Brazil

Polizisten und Ärzte sind Berufsgruppen, die sehr oft in Filmen auftreten. Taxifahrer stehen immerhin in Das fünfte Element, Fletcher's Visionen und Taxi Driver im Mittelpunkt der Handlung. Und Heizungsinstallateure? Jeder, dessen Heizung einmal mitten im Winter ausgefallen ist, wird dieses Handwerks nicht hoch genug schätzen. Cineastisch wurden die Heizungsingenieure dagegen sträflich vernachlässigt – bis Terry Gilliam in Brazil den coolen und rebellischen Installateur Harry Tuttle auftreten ließ.

Der Film beginnt mit einer Explosion um 8.45 Uhr irgendwo im 20. Jahrhundert. In einer weihnachtlichen geschmückten Geschäftsstraße wird ein Laden für Fernseher zerstört. Das nächste Opfer ist dann eine Fliege, welche ein Beamter des Informationsministeriums tot schlägt. Sie fällt in eine Art retrofuturischtische Schreibmaschine und macht dort aus einen T ein B. Dieser vermeintliche kleine Fehler löst in dem von Terry Gilliam erdachten Verwaltungsstaat eine Kettenreaktion aus.

So wird statt dem illegal operierenden Heizungsingenieur Harry Tuttle der unbescholtene Familienvater Buttle von der Abteilung Information Wiederbeschaffung verhaftet. Natürlich steht der Witwe, des während des Verhörs verstorbenen Mannes, eine Entschädigung zu. Der kleine Beamte Sam Lowry bietet seinen Chef in dieser bürokratischen Notlage seine Hilfe an. Er fährt persönlich zu Mrs. Buttle, um ihr den Scheck überreichen.


Dort trifft der Beamte auf Mrs. Buttles Nachbarin Jill Layton. In ihr meint Lowry, die Frau seiner Tagträume zu erkennen. Um Jill wieder zu sehen, nimmt er die von seiner Mutter arrangierte Beförderung zur Abteilung Information Wiederbeschaffung an und stellt sich letztlich dennoch gegen das herrschende System.

Ein anderer Regisseur hätte aus so einen Stoff einen düsteren Actionfilm gemacht. Terry Gilliam geht die Geschichte hingegen mit Humor und skurrilen Ideen an. Seine Karriere begann er bei der britischen Komikergruppe Monty Python, für die er Die Ritter der Kokosnuss und Das Leben des Brian inszenierte. Später drehte er unter anderen Time Bandits (1981), König der Fischer (1991), 12 Monkeys (1995) oder The Zero Theorem (2013). Viele seiner Komödien besitzen unterhalb der Oberfläche eine ernsthafte Ebene. Dies wird besonders in den 1985 erschienenen Film Brazil deutlich.

Als Sam Lowry ist Jonathan Pryce zu sehen, der zuletzt kleinere Rollen in der Fluch-der-Karibik-Reihe und Game of Thrones übernahm. Seinen Kollegen und Widersacher Jack Lint besetzte Gilliam mit einem Freund aus der Monty-Python-Truppe. Michael Palin (Jabberwocky, Ein Fisch namens Wanda) beweist sehr schön, dass man komisch und fies zur selben Zeit sein kann.

"Ich brauche einen Heizungsingenieur hier!"

Palin hatte einen berühmten Mitbewerber. Auch Robert De Niro (Taxi Driver, Joker) wollte Jack spielen – Gilliam hatte die Rolle aber schon Palin versprochen. Da De Niro trotzdem unbedingt in Brazil mitwirken wollte, bekam er die Rolle des Heizungsingenieurs Harry Tuttle. Obwohl er nun nur eine Nebenrolle spielte, ging der Filmstar die Arbeit mit großer Liebe zum Detail an und war immer erst nach mehreren Versuchen mit einer Einstellung zufrieden – was dem Regisseur und seiner Mannschaft viel Geduld abverlangte. Später bezeichnete De Niro die Dreharbeiten als eine wundervolle Zeit und erklärte, er würde immer wieder gerne mit Gilliam zusammenarbeiten – wozu es bisher aber nicht kam.

Die relativ unbekannte Schauspielerin Kim Greist setzte sich bei der Rolle der Jill Layton gegen Rosanna Arquette, Ellen Barkin, Jamie Lee Curtis, Rebecca De Mornay und Kathleen Turner durch. Sie bekam den Zuschlag, weil Gilliam bei den Probeaufnahmen ihre noch unverbrauchte Präsenz auf der Leinwand schätzte. Nach Drehende war der Regisseur nicht sehr zufrieden von ihrer Leistung, sodass er ihre Szenen kürzte.

In weiteren Rollen sind Katherine Helmond (Time Bandits), Ian Holm (Das fünfte Element, Der Herr der Ringe), Ian Richardson (Dark City), Peter Vaughan (Das Dorf der Verdammten) und Bob Hoskins (Hook, Super Mario Bros.) zu sehen.


Die erste große Inspirationsquelle, die einen beim Betrachten von Brazil in den Kopf kommt, ist sicher 1984. So war als Titel zuerst auch 1984 ½ vorgesehen. Die Idee scheiterte jedoch am Einspruch der Erben George Orwells. Gilliam benannten seinen Film schließlich nach einem Schlager des spanischen Sängers Xaver Cugat, den er zufällig an der Küste Wales hörte, wie er in dem Making Of zu Brazil berichtet. In einer anderen Version bezieht sich der Titel auf den Samba Aquarela do Brasil von Ary Barroso aus dem Jahr 1939. Das Stück ist im Film in verschiedensten Variationen zu hören, welche dabei oft den gezeigten Schrecken entgegenwirkt.

Die Behördenwillkür und der Verwaltungswahnsinn erinnern noch an eine weitere literarische Vorlage: Der Prozess von Franz Kafka. Auch dort sieht sich der Protagonist mit einer bedrohlichen staatlichen Behörde konfrontiert, deren Forderungen ihm bis zum Ende des Romans rätselhaft bleiben.

Stilistisch besitzt der Film noch einige andere Vorbilder. So erinnern die Kulissen und die realen Drehorte (gefilmte wurde unter anderen in einer alten Getreidemühle, in dem Kühlturm eines stillgelegten Kraftwerks und dem französischen Gebäudekomplex Espaces d'Abraxas) an Fritz Langs Filmklassiker Metropolis (1927). Die deutschen Stummfilme der zwanziger Jahre arbeiteten viel mit Licht und Schatten. Diese Technik verwendet auch Gilliam, wenn sein Held durch die nächtlichen Straßen wandert.


Der Stil des deutschen Expressionismus wurde in den 40er Jahren im Film noir übernommen – und auch dieses Genre zitiert der Regisseur in Brazil. So erinnert Sam Lowrys Kleidung mit grauem Anzug, Mantel und Hut stark an Humphrey Bogarts Outfit als Privatdetektiv in Die Spur des Falken (1941) oder Tote schlafen fest (1946). Verstärkt werden diese Anleihen an den Film noir wiederum in den kunstvoll ausgeleuchteten Szenen und dem Spiel mit dem Schatten.

Gegen Ende zitiert Gilliam eine Szene aus dem russischen Stummfilmklassiker Panzerkreuzer Potemkim (1925) von Sergei Eisenstein. Im Original wird bei der Niederschlagung des Matrosenaufstandes eine Frau auf einer großen Freitreppe erschossen. In einer Großaufnahme sieht man, wie ihr Kinderwagen die Stufen herunter rollt. Nicht so in Brazil: Hier wird bei einer Schießerei im Foyer des Informationsministeriums eine dort tätige Reinigungskraft nieder geschossen. Anders als bei Eisenstein rollt nun aber kein Kinderwagen die Treppe hinab, sondern ein Staubsauger. Unverkennbar bleibt der Film bei allen ernsthaften Themen, das Werk eines Regisseurs, der seine Karriere bei Monty Python begann.

So spart Gilliams in Brazil auch nicht an Humor, Satire und Slapstick. Da kämpft Lowry im Büro mit seinen Zimmernachbarn um den Schreibtisch, eine Sekretärin erfasst während der Folter jeden Schmerzensschrei des Opfers im Protokoll und die Schönheitsoperationen nehmen im Laufe des Film immer skurrilere Formen an.

Der Staat ist in Brazil ein bürokratisches Unrechtssystem, in dem die Unschuldigen die Kosten für ihre Folter selber zahlen müssen. Diese bizarre Atmosphäre aus Schrecken und Spaß wird durch die Kulissen unterstützt. Der altmodische Eindruck der Zimmer und Büros wird von den überall sichtbaren übergroßen Heizungsrohren und den retrofuturistischen Bildschirmen gebrochen.


"Erzählen Sie mir gerade, dass das illegal ist?"


So ist es auch nicht verwunderlich, dass das Filmstudio mit dieser düsteren Mischung aus Humor und Dystopie wenig anfangen konnte. Der damalige Chef der Universal Studios Sid Sheinberg, wollte eine eigene Fassung des Films in die Kinos bringen. Die von Gilliam herausgenommenen Szenen mit Kim Greist fügte Sheinberg für ein Happy End wieder ein.

Die folgenden Streitigkeiten führten dazu, dass Brazil vorerst nicht veröffentlicht wurde. Allerdings hatte der Regisseur schon einige Kopie seiner Version auf Videokassette in Hollywood im Umlauf gebracht. Manche Filmkritiker fragten nun, ob ein fertiggestellter, aber noch nicht veröffentlichter Film, für einen Oscar nominiert werden könnte. Um dieser, für das Studio recht peinlichen, Situation aus dem Weg zu gehen, gab Sheinberg nach und Brazil wurde ohne Happy End veröffentlicht.


Als Resultat der Unstimmigkeiten veröffentlichte Universal aber dennoch zwei unterschiedlichen Schnittfassungen. Die in Europa gezeigte Version ist mit 142 Minuten ein wenig länger als die in den USA gezeigte Fassung. Bei der Oscar-Verleihung 1986 war der Film in den Kategorien bestes Originaldrehbuch und bestes Szenenbild nominiert – ging aber leer aus.


"Sie wissen ja, wir haben Weihnachten und so."


Dank des gelungenen Szenenbildes ist Brazil optisch sehr gut gealtert. Die Mischung verschiedener Kino-Epochen und Genres verleihen dem Film etwas Zeitloses. Auch inhaltlich funktioniert die Geschichte heute genauso gut wie 1985. Trotz all seiner überdrehten Ideen zeigt der Film das Böse sehr realistisch. Die Menschen im Film dienen der Verwaltungsdiktatur nicht um ihre eigene Herrschaft auszubauen oder geniale Weltherrschaftspläne zu verwirklichen. Sie halten sich einfach an die Regeln und Vorschriften.

Manche aus Trägheit, manche dienen dem System, weil ihnen Ordnung wichtig erscheint. Wer sich nicht an die aufgestellten Regeln hält – und mögen sie auch noch so unsinnig sein – wird mit Gefangenschaft, Folter und Tod bestraft. Reale Vorbilder für solche Diktaturen gab es im 20. Jahrhundert viele. Terry Gilliam gelingt es, eine solche Schreckensherrschaft darzustellen und mit seinem ganz eigenen Humor aufzulockern. Und es gibt Hoffnung in Person von Harry Tuttle, dem rebellische Installateur, der auch an Weihnachten gegen das Unrechtssystem und kaputte Heizungen kämpft.

zusätzlicher Bildnachweis: 
© Embassy International Pictures / Universal Pictures

Brazil (1985) Official Trailer - Jonathan Pryce, Terry Gilliam Movie HD

Retrokiste: Charmanter Hightech-Diebstahl mit Sneakers – Die Lautlosen

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Sneakers

Im Jahre 1992 steckte das Internet und der große Techboom, wie wir ihn heute kennen, quasi noch in den Kinderschuhen. Erst langsam hielt der Personal Computer auch in jedem Privathaushalt als Arbeitswerkzeug, aber auch als Spiel- und Spaßutensil seinen Einzug. Ein idealer Zeitpunkt für einen Film wie Sneakers – Die Lautlosen, der in vielerlei Hinsicht damals fast visionär wirkte und gleichzeitig in der Gestalt einer leichtfüßigen Heist-Thrillerkomödie daherkam, die zudem mit einer großen Starbesetzung aufwarten konnte. 

Zu viele Geheimnisse

Martin Bishop (Robert Redford) hat eine interessante Nische für sich geschaffen: Zusammen mit seinem wild zusammengewürfelten, aber äußerst cleveren Team bestehend aus Crease (Sidney Poitier), Whistler (David Strathairn), Mother (Dan Akroyd) und Carl (River Phoenix) testet er verschiedenste Hochsicherheitssysteme, indem er zum Beispiel in Banken einbricht. Was seine Kunden und Partner jedoch nicht wissen, Bishop hat eine dunkle Vergangenheit: Zusammen mit seinem Studienkollegen Cosmo (Ben Kingsley) betätigte sich Martin nämlich zu Studienzeiten als eine Art Cyber-Aktivist/Robin Hood, der das Vermögen der Reichen an die Armen beziehungsweise gemeinnützige Vereine via Computer umverteilte. Das ging zumindest solange gut, bis es nicht mehr gut ging, Cosmo von der Polizei geschnappt wurde und später im Gefängnis starb. Martin konnte gerade noch so davonkommen und musste seine Identität ändern. 

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Die NSA-Agenten, die Martin eines Tages in seinem Büro aufsuchen, scheinen jedoch bestens darüber Bescheid zu wissen. Anstatt ihn jedoch an die zuständigen Behörden zu übergeben, beauftragen sie ihn und seine Mitarbeiter damit, eine mysteriöse Blackbox von einem Mathematiker zu stehlen. Schon bald müssen Bishop, seine Crew und seine Ex-Freundin Liz (Mary McDonnell) jedoch feststellen, dass mehr hinter dem Auftrag steckt und sie es mit einer völlig anderen Art von Gegner zu tun haben, als sie zunächst gedacht haben. 

Die Menschen hinter der Technik

Regisseur und Co-Autor Regisseur Phil Alden Robinson konnte bis dato schon eine illustre kleine Filmkarriere vorweisen und hatte bereits eine Oscar-Nominierung für das Drehbuch für Feld der Träume in der Tasche. Mit Sneakers versammelte er ein sympathisches Team zusammen, das seine Probleme mit Köpfchen und Witz löst, was eine nette Abwechslung zu mittels Crossfit aufgepumpten Actionhelden vieler Populärfilme darstellte, die Ihre Probleme lieber vermöbeln. Dass der Film trotz seiner veralteten Technik auch heute noch gut funktioniert, ist unter anderem der charmanten Figurenzeichnung und der herzlichen Chemie zwischen den verschiedenen gut aufgelegten Darstellern zu verdanken. Diese möchten sich keinesfalls zu ernst nehmen, nur weil sie es mit Regierungsverschwörungen, Kryptologie und anderen Gefahren zu tun haben. 

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Alden Robinson, der zusammen mit Laurence Lasker und Walter F. Parkes auch das Drehbuch schrieb, hat dafür Stars aus den 50ern, 60ern, 70ern, 80ern und 90ern zusammengetrommelt, und weiß sie effektiv einzusetzen: Robert Redford besticht mit seinem typischen Charme und analysiert mit wachem Auge und kommentiert ironisch das Geschehen. Gleichzeitig hat er kein Problem damit, sich buchstäblich auf die Schnauze zu legen; Sidney Poitier als sorgenvoller, aber hochkompetenter ehemaliger CIA-Agent Crease im adretten Anzug wittert an jeder Ecke Gefahr; Dan Akroyd spielt den gemütlichen und technisch begabten Mother, der vor allem Crease mit seinen Verschwörungstheorien auf die Nerven geht; der inzwischen leider verstorbene River Phoenix ist zu diesem Zeitpunkt ein vielversprechendes Jungtalent, der zwar nicht unbedingt viel zu tun oder zu sagen bekommt, aber trotzdem mit jugendlichem Charme bestens in das erwachsene Ensemble passt.    

David Strathairn konnte bis dato bereits eine vielseitige Karriere unter dem Radar der öffentlichen Wahrnehmung aufweisen und kann sich selbst als blinder Hacker Whistler innerhalb einer hochkarätigen Besetzung wie dieser mühelos behaupten; Mary McDonald verdiente sich mit ihrer Hauptrolle in Der mit dem Wolf tanzt zwei Jahre zuvor ihre erste Oscar-Nominierung und stellt einen sowohl interessanten als auch einen angenehm erwachsenen Gegenpol zur überwiegend männlichen Besetzung dar. Dabei schafft sie es problemlos, ein Teil des allgemeinen Spaßes zu sein. 

High-Tech-Probleme verlangen nach Low-Tech-Lösungen (ab hier Spoiler!) 

Was einst High-Tech war, kann in der Gegenwart immer ein wenig albern wirken. Ein weiterer Grund, warum aber Sneakers wunderbar gealtert ist, liegt in den Low-Tech-Lösungen für die High-Tech-Probleme, die das Bishop-Team immer wieder findet: Das beginnt äußerst humorvoll mit Robert Redford, der eine Tür eintritt, die von einem elektronischen Schloss geschützt wird, nachdem er über Funk ausführliche Instruktionen erhalten hat, um eben dieses Schloss zu umgehen; eines der zentralen Geheimnisse wird mithilfe eines Scrabble-Spiels gelöst; Bishop findet das geheime Quartier der Verschwörer nur dank seines guten Gehörs; außerdem trickst er einen modernen Bewegungsmelder aus, indem er den wahrscheinlich langsamsten Einbruch aller Zeiten vollführt. Auch den großen McGuffin, nämlich die ominöse Blackbox, erhalten die Helden letztendlich nur durch eine Art altmodischen Taschenspielertrick. Ein Trick, der – gutes Drehbuchschreiben sei Dank! – auch noch auf den Beginn des Films anspielt.

 

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Technik, insbesondere Computertechnologie ist ein wesentlicher Bestandteil des Films, aber auch eine Quelle großer Zukunftsängste. Sie ist allerdings weder der Anfang noch das Ende aller Weisheiten. Tatsächlich steht das Team und seine Menschen im Vordergrund, die sich letztendlich auf Freundschaft und Loyalität verlassen können, so kitschig das vielleicht auch klingen mag. 

Technologie allein macht nicht glücklich

Hierin liegt auch letztendlich der fundamentale Unterschied zwischen Bishop und Cosmo. Wie sich später im Film nämlich herausstellen soll, ist Bishops alter Freund doch nicht im Gefängnis verstorben und hat sich durch mal mehr und mal weniger fragwürdige Mittel zu einem erfolgreichen Akteur in der Tech-Branche hochgearbeitet. Die Zukunft sieht er geradezu prophetisch nicht im Geld, sondern in Informationen, Daten, Nullen und Einsen. Doch mit allen seinen technischen Spielereien, seinem Erfolg und seinen ambitionierten Plänen wünscht er sich jedoch am Ende vor allem seinen alten Freund zurück, der an seiner Seite stehen soll. 

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Ben Kingsley als älterer Cosmo stellt dieses Bedürfnis insbesondere ihn seiner letzten Szene mit Redford äußerst mitfühlend und empathisch dar. Er ist kein Schnurrbart-zwirbelnder Bösewicht, sondern ein Mensch, der wahrscheinlich einen Großteil seines Lebens einsam verbracht hat und weiß, dass es an der Spitze seines erträumten Datenimperiums noch einsamer sein wird. 

Wie um diesen Punkt zu untermauern, stellt Alden Robinson Cosmos ambitionierten Plänen in einer amüsanten Schlussszene die ”bescheidenen“ Wünsche unserer Helden gegenüber. Denn gelegentlich reichen ein Wohnwagen, eine Europareise mit der Ehefrau, Weltfrieden oder die Telefonnummer einer attraktiven NSA-Agentin mit einer Uzi in der Hand schon aus, um glücklich zu sein.

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