Retro-Kiste

Retro-Kiste zu King Kong und die weiße Frau: Ein Schaustück zur Befriedigung ihrer Neugier

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King Kong und die weiße Frau

Alle paar Jahre fährt ein Schiff nach Skull Island. Die Besatzung steigt aus, bewundert die urzeitliche Natur und hat nichts Besseres zu tun, als den einheimischen Riesenaffen nach New York, manchmal auch nach Japan zu verschleppen. Selten setzten sich, wie zuletzt in Kong: Skull Island, die besonnen Kräfte mit dem Hinweis durch, dass ein gigantisches Monster in einer Großstadt vielleicht nicht artgerecht gehalten werden kann. So ist der berühmtesten Filmklassiker King Kong und die weiße Frau auch eine Geschichte über das Verhältnis der Menschen und der Natur – und viel scheint sich da seit 1933 nicht geändert zu haben.

Die Handlung von King Kong und die weiße Frau lässt sich grob in vier Teile gliedern. Zu Beginn werden Kapitän Englehorn, der erste Offizier Jack Driscoll und der Filmemacher Carl Denham eingeführt. Sie planen eine Expedition zu einer unbekannten Insel, auf der Denham seine neueste Dokumentation drehen will. Da seine Produzenten auch in einem Naturfilm auf eine menschliche Hauptfigur bestehen, sucht der Regisseure schließlich selbst in New York nach einer geeigneten Hauptdarstellerin. Er trifft die arbeitslose Schauspielerin Ann Darrow und engagiert sie für sein neues Filmprojekt.

Während der Seereise lernt man die unterschiedlichen Figuren und ihre Beziehungen untereinander besser kennen. Der Fokus liegt hierbei auf der sich entwickelnden Liebesromanze zwischen Jack Driscoll und Ann Darrow. Der längste Abschnitt beginnt mit der Ankunft auf der geheimnisvollen Südseeinsel. Schon während ihres ersten Landgangs entdecken die Amerikaner eine riesige Mauer und kommen in Kontakt mit den Bewohnern der Insel.

Dabei stören sie ein Ritual, mit denen die Ureinwohner den Gott ihrer Insel besänftigen wollen. Nachts überfallen im Gegenzug mehrere einheimische Krieger das Schiff und entführen Ann Darrow. Die blonde Schauspielerin soll dem Inselgott geopfert werden. Die Rettungsmission der Schiffsbesatzung kommt zu spät. Sie können nur noch mit ansehen, wie Darrow von einem riesigen Gorilla in den Urwald geschleppt wird.

Hier hat endlich der Riesenaffe King Kong seinen ersten Auftritt. Bei seiner Verfolgung treffen die Amerikaner auf eine urzeitliche Welt voller Saurier und Gefahren. Nach mehreren Monsterkämpfen gelingt es ihnen, Kong mithilfe von Gasbombe zu besiegen. Kurzerhand beschließt Denham, das betäubte Tier mit nach New York zu nehmen und es dort vor zahlendem Publikum zur Schau zu stellen.

Der Abschluss des Films ist eigentlich recht kurz. Aber er zeigt viele der ikonischen Szenen, welche den meisten Zuschauer lange im Gedächtnis bleiben. Denkt man an King Kong, sieht man den Riesengorilla auf dem Empire State Building. In der einen Hand die bewusstlose Schauspielerin, während er mit der anderen die Kampfflugzeuge abwehrt. Denn Denhams Plan scheitert grandios, schon während der Premiere seiner King-Kong-Show flieht das Monster und verwüstet Manhattan. Letztlich stürzt Kong verwundet vom Hochhaus und Driscoll kann seine Verlobte retten.

"Gibt es in New York nicht schon genug Affen?"

Zeitgleich mit King Kong und die weiße Frau wurde der Horrorfilm Graf Zaroff – Genie des Bösen gedreht. In den Film verschleppt der titelgebende Graf Menschen auf eine Insel, um sie dort zu jagen. Graf Zaroff – Genie des Bösen teilte sich mit King Kong nicht nur den Drehort. Die Regisseure Ernest B. Schoedsack und Merian C. Cooper engagierten auch einige der Hauptdarsteller für beide Produktionen.

Einer von ihnen war Robert Armstrong, der in King Kong die Rolle des Filmemachers Carl Denham übernahm. Der Schauspieler war in zahlreichen Western zu sehen. Bekam es aber in den Film King Kongs Sohn und Panik um King Kong erneut mit einem Riesenaffen zu tun. Er schafft es, seine Figur durchgängig sympathisch rüber zu bringen, auch wenn sie eigentlich nur seine eigenen Geschäftsinteressen verfolgt und sich wenig um seine Mitmenschen und die Natur zu interessieren scheint.

Die Schauspielerin Fay Wray dürfte heute noch die bekannteste Darstellerin des Monsterfilms sein, obwohl ihr im Anschluss keine große Filmkarriere beschieden war und sie ab Mitte der 50er nicht mehr im Kino zu sehen war. Vor King Kong spielte sie in den Horrorfilmen Der geheimnisvolle Dr. X, Das Geheimnis des Wachsfigurenkabinetts und wie Armstrong in Graf Zaroff – Genie des Bösen mit. Ihre Darstellung der Ann Darrow erinnert häufig an das übertriebene Schauspiel einer Stummfilmdarstellerin – dabei war sie doch eine der frühen Vorläuferin der späteren Scream Queens. Dieser Widerspruch lässt sich mit der Tatsache erklären, dass die meisten ihrer vielen Filmschreie später im Studio separat aufgenommen wurden.

Bruce Cabot darf den Allerweltshelden Jack Driscoll verkörpern. Auch er war in viele Western mit dabei, trat an der Seite von John Wayne in Hatari auf und hatte 1971 eine Rolle in James Bond 007 – Diamantenfieber. Der deutschstämmige Schauspieler Frank Reicher ist in King Kong und die weiße Frau und auch die der Fortsetzung King Kongs Sohn als Kapitän Englehorn mit dabei. Später war er noch in verschiedenen Horror- (Frankensteins Haus) und Science-Fiction-Filmen (Dr. Zyklop) zu sehen.

"Wenn der Kapitän nicht einmal weiß, wohin es geht."

Auch Regisseur Ernest B. Schoedsack blieb dem Thema treu und drehte bereits 1933 noch die Fortsetzung King Kongs Sohn hinterher. Bei seinem größten Erfolg King Kong und die weiße Frau stand ihm Merian C. Cooper als Coregisseur zur Seite. Gemeinsam hatten sie schon Graf Zaroff – Genie des Bösen gearbeitet und setzten diese Zusammenarbeit 1949 mit Panik um King Kong fort. Dazwischen trat Cooper vor allen als Produzent (She – Herrscherin einer versunkenen Welt) auf, während Schoedsack unter anderen den Science-Fiction-Film Dr. Zyklop drehte.

King Kong und die Weiße Frau war auch der erste große Erfolg des Produzenten David O. Selznick. Er stieg danach zu einem der erfolgreichsten und einflussreichsten Produzenten Hollywoods der 1930er- und 1940er-Jahre auf. Sein Name steht unter anderen hinter Filmklassikern wie Vom Winde verweht oder Der dritte Mann.

Wer die Idee hatte, einen Riesengorilla auf das Kinopublikum loszulassen, ist nicht ganz einfach zu beantworten. Feststeht, dass Kong eines der ersten Filmmonster ist, welches nicht aus einer literarischen Vorlage entstammt. Die Grundidee hatte wohl Merian C. Cooper, welchen irgendwann die Vorstellung von einem gigantischen Affen auf einem Hochhaus nicht mehr losließ. Von dieser Vision aus entwickelte er sozusagen rückwärts die Handlung zu King Kong und die weiße Frau. Das Drehbuch schrieben letztlich James Ashmore Creelman (Graf Zaroff – Genie des Bösen) und Ruth Rose (King Kongs Sohn, She – Herrscherin einer versunkenen Welt).

Im Vorspann taucht auch der Name Edgar Wallace (Der Hexer, Der Frosch mit der Maske) auf, der einer urbanen Legende zufolge als Erfinder von King Kong gilt – was aber nicht den Tatsachen entspricht. Laut einigen Quellen wurde er von den Regisseuren mit der Arbeit an dem Drehbuch beauftragt, verstarb aber 1932, kurz bevor er seinen Entwurf beenden konnte. Andere behaupten, Cooper sei mit Wallaces Ideen nicht zufrieden gewesen und hätte deswegen Creelman und Rose mit einem weiteren Drehbuch beauftragt. Egal welcher Version man nun glauben darf, Edgar Wallace wird im Vorspann als weiterer Autor des Films genannt.

"Solange die Affen noch so klein sind, geht es ja."

Eine Inspirationsquelle Coopers für King Kong waren auch die frühen Arbeiten des Trickspezialisten Willis O'Brien, wie Die verlorene Welt aus dem Jahr 1925. Ohne O'Brien und seine Arbeit wäre der Film sicher kein so großer Erfolg geworden und heute vermutlich in Vergessenheit geraten.

Um den Riesengorilla und die Dinosaurier auf Skull Island zum Leben zu erwecken, verwendete O'Brien das Stop-Motion-Verfahren. Bei dieser Tricktechnik werden einzelne Bilder von unbewegten Modellen aufgenommen, welche anschließend im Film in schneller Folge abgespielt werden, womit die Illusion einer Bewegung entsteht.

Von King Kong fertigte er eine 56 Zentimeter große Figur an, die in den Szenen zum Einsatz kam, die den Riesengorilla in vollem Ausmaß zeigen. Schwieriger wurde es, wenn Kong die Schauspielerin Fay Wray in seiner Hand hält. Dafür wurde ein extragroßes Modell gebaut, welches mithilfe eines Krans mehrere Meter emporgehoben wurde. Wray erzählte nachher, dass sie ihre Panik nicht spielen musste. Wenn die Finger der Hand zu locker wurden, drohte die Darstellerin heraus zufallen und sie musste Merian C. Cooper signalisieren, die Dreharbeiten einzustellen.

Der Riesengorilla wirkt in der Totale wesentlich realistischer, als wenn sein Gesicht in Nahaufnahme gezeigt wird. Auch der Trickspezialist mochte die riesige Kopfbüste von Kong nicht, da sie nur begrenztes dramatisches Potenzial besaß. Dennoch beeinflusste O'Brien mit seiner Arbeit eine ganze Generation von Spezialaffektkünstlern. Unter anderen auch Ray Harryhausen, der später mit ihm an den Trickszenen in Panik um King Kong arbeitete.

Während man für die Darstellung von King Kong völlig neue Wege beschritt, waren die Regisseure bei den Kulissen sparsamer. Sie stammten alle aus älteren Historienfilmen des Filmstudios RKO, welches King Kong und weiße die Frau produzierte. Die Palisade und das große Tor, welches die Inselbewohner vor Kong und den Sauriern auf der anderen Seite schützt, wurde während der Dreharbeiten zu Vom Winde verweht wiederverwendet und dort letztlich verbrannt.

Ein paar Jahre nach der Veröffentlichung 1933 fielen einige Aufnahmen der Zensur zum Opfer und wurden aus dem Film herausgeschnitten. Dies betraf vor allen Szenen, in denen King Kong oder die Dinosaurier Menschen töten, aber auch die, in denen der Riesenaffe Ann Darrow ihr Kleid auszieht. Erst 1971 wurde der Film völlig restauriert und in voller Länge wieder vorgeführt.

"Wenn es im Guten nicht geht, nehmen wir eben die Gasbomben"

Der Film ist insgesamt stark vom Kolonialismus seiner Entstehungszeit geprägt. Die Darstellung der Bewohner von Skull Island ist der Fantasie der Drehbuchautoren entsprungen und voller zeitgenössischer Klischees und rassistischer Vorurteile. King Kong ist da ganz eindeutig ein Spiegel der 30er-Jahre. Diese Vorurteile und Klischees sind auch in den meisten der späteren Verfilmungen noch zu finden.

Die Schiffsbesatzung landet in einer ihr fremden Welt voller faszinierender Urzeittiere und hat nichts Besseres zu tun, als wild um sich zu schießen. Zu ihrer Verteidigung muss man natürlich erwähnen, dass die meisten Saurier auch nicht lange warten, bis sie auf die Menschen losgehen. Dennoch scheint sich niemand groß um das ökologische Gleichgewicht der Insel zu scheren – besonders Denham nicht. Der Filmemacher sieht sogleich die Gewinnmöglichkeiten, welches die gigantische Tierwelt ihm bietet.

Als Kong am Ende in Ketten auf der Bühne steht, ist es eine interessante Umkehrung der Szene mit Ann Darrow in Fesseln bei ihrer Opferung auf Insel. Im Original empfindet sie nicht so viel Mitleid mit den Affen, sondern denkt eher mit Angst an die Begegnung mit ihm auf der Insel zurück. Erst die späteren Neuverfilmungen verschieben diese Perspektive.

"Ich glaube, dass die Legende auf Wahrheit beruht."

Da King Kong ein großer Erfolg für das zuvor verschuldete Filmstudio RKO war, beauftragte man Ernest B. Schoedsack gleich mit einer Fortsetzung. Dieser dreht im selben Jahr noch den Film King Kongs Sohn, in dem Robert Armstrong und Frank Reicher ihren Rollen als Carl Denham und Captain Englehorn wieder aufnahmen.

Dann wurde es ein paar Jahre still um den Riesenaffen, bis Schoedsack 1949 Mighty Joe Young drehte. Der Film erhielt in Deutschland den irreführenden Titel Panik um King Kong, inhaltlich gibt es aber keine Verbindung. Aber Willis O'Brien war wieder mit an Bord und erhielt 1950 einen Oscar für die besten Spezialeffekte, eine Kategorie, welche es 1933 noch nicht gegeben hatte. Ihm zur Seite stand Ray Harryhausen der erstmals an der Tricktechnik eines großen Kinofilms mitwirkte. 1998 drehte Ron Underwood (Tremors) mit Mein großer Freund Joe ein Remake des Films.

Ebenfalls nur wegen eines merkwürdigen deutschen Filmtitels zu erwähnen ist Konga – Erbe von King Kong. In diesen englischen Horrorfilm aus dem Jahr 1961 geht es neben bizarren fleischfressenden Monsterpflanzen um einen Affen, bei dem ein Serum Riesenwachstum auslöst. Ähnlichkeiten zu King Kong gibt es eigentlich nur, wenn Konga später eine Schneise der Zerstörung durch London zieht.

Das erste offizielle US-Remake wurde 1976 von John Guillermin (Flammendes Inferno) gedreht. Sein King Kong ist heute weitestgehend in Vergessenheit geraten. Dabei spielte der Film mit Jeff Bridges und Jessica Lange in den Hauptrollen genug ein, dass Filmproduzent Dino de Laurentis (Conan der Barbar) den Regisseur 1986 mit der Fortsetzung King Kong lebt beauftragte.

Wesentlich bekannter dürfte die Version von Peter Jackson (Der Herr der Ringe) sein. Der Regisseur drehte 2005 seine King-Kong-Version mit Naomi Watts als Ann Darrow, Jack Black als Carl Denham, Adrien Brody als Jack Driscoll und Thomas Kretschmann als Captain Englehorn. All die Stars stehen aber im Schatten der CGI-Effekte. Gerade die Szenen auf der Insel weisen wesentlich mehr Szenen mit Kong und unzähligen Dinosauriern auf, als in dem Original zu sehen waren.

Jackson siedelt seinen King Kong in der Entstehungszeit des Originalfilms an. Es gelingen ihm auch immer wieder schöne kleine Anspielungen auf das Original. Deutlich wird das, als Kyle Chandler als mitreisender Schauspieler Bruce Baxter Probeaufnahmen auf dem Schiff macht. Er soll einen Seefahrer verkörpern, aber im Gegensatz zu den anderen Matrosen an Bord ist sein Hemd dabei streng bis oben hin zugeknöpft – genau wie das Hemd von Bruce Cabot als Seemann Jack Driscoll in dem Film 1933.

"Was ist das für ein Tier?" "Scheint irgendein Saurier zu sein."

Jeder weitere King-Kong-Film konnte mit Tricktechnik auf dem aktuellen Stand der Zeit glänzen, (Konga – Erbe von King Kong als nicht echter King-Kong-Film einmal außen vor gelassen) etwas wirklich Neues haben sie dem Thema aber nicht hinzugefügt. Dabei hatte schon Willis O'Brien eine Idee zu einer weiteren King-Kong-Fortsetzung. Der Trickspezialist hatte nämlich begriffen, was dem Giganten wirklich fehlte: ein Gegner auf Augenhöhe.

So stellte er seinen Entwurf mit dem Arbeitstitel King Kong vs Frankenstein bei mehreren US-Filmstudios vor, die seine Idee aber alle ablehnten. Rechteinhaber RKO war zu der Zeit nicht mehr im Filmgeschäft tätig und verwies O'Brien mit seinem Plan an den Produzenten John Beck. Dieser verkaufte die Idee und die Rechte für zwei King-Kong-Filme schließlich an die japanischen Toho Studios. Das Unternehmen ersetzten allerdings O'Briens Idee eines aus mehreren verschiedenen Monsterteilen zusammengenähtes Frankensteingeschöpf durch ihren Godzilla.

Godzilla: Die Rückkehr des King Kong wurde von Ishirō Honda inszeniert, der schon für Godzilla (1954) und Godzilla kehrt zurück (1955) verantwortlich war. Der 1962 gedrehte dritte Godzilla-Film ist der erste Auftritt beider Filmmonster in Farbe. Kong wurde für seinen Zweikampf gegen Godzilla vergrößert und bekam die Fähigkeit, sich in Gewittern oder an Stromleitungen elektrisch aufzuladen und der Riesenechse so Stromstöße zu verpassen. Für die Schnittfassung der US-Version war John Beck verantwortlich.

King Kong – Frankensteins Sohn, der zweite King-Kong-Film von Toho aus dem Jahr 1967, verzichtete auf Godzilla und ließ den Riesenaffen unter anderen gegen einen Kong-Roboter antreten. Die beiden Godzilla-Filme King Kong – Dämonen aus dem Weltall (1973) und King Kong gegen Godzilla (1974) beinhalten keine weiteren Auftritte des berühmten Riesengorillas. Die Nennung im Titel ist nur der deutschen Vermarktungsstrategie geschuldet. Im Film tritt Godzilla jeweils gegen einen außerirdischen Riesenroboter an.

Seinen letzten Kinoauftritt hatte King Kong 2017 in Kong: Skull Island. Der Film von Regisseur Jordan Vogt-Roberts ist Teil des MonsterVerse, welches 2014 mit Godzilla von Gareth Edwards begann. Nachdem sich die Monsterechse in Godzilla: King of Monsters mit diversen anderen Gegnern herum prügelte, trifft sie 2021 in Godzilla vs. Kong erstmals nach 1962 wieder auf King Kong.

Kong: Skull Island war die Wiederbelebung des King-Kong-Mythos für das entstehende MonsterVerse. Vogt-Roberts drehte dabei anders als zuletzt Peter Jackson kein bloßes Remake des Films von 1933. In seiner Version zeigen sich die überlebenden Besucher der Insel einsichtiger und niemand kommt auf die fatale Idee Kong den Herrscher dieser Monsterwelt nach New York zu verschleppen – auf diesen Einfall scheinen erst die Figuren in der Fortsetzung Godzilla vs. Kong zu verfallen.

Trotz aller Unterschiede zum Original scheint sich Vogt-Roberts gut in der King-Kong-Welt auszukennen. In King Kong und die weiße Frau taucht bei der Verfolgung Kongs ein Wesen auf, welches entfernt an eine kleinere Version der Schädelkriecher erinnert, die in Kong: Skull Island die Hauptgegner des Riesenaffen darstellen. Außerdem kämpft Kong wie in dem Toho-Klassiker Godzilla: Die Rückkehr des King Kong gegen einen Riesenkraken.

"So ein Tier will ich lebend mit nach Hause bringen."

Nicht nur auf der Kinoleinwand ist King Kong zu bestaunen. Bereits 1932 erschien in den USA ein Roman von Delos W. Lovelace, der sich an dem Drehbuch von Ruth Rose und James Ashmore Creelman orientierte. Zuletzt hat der Franzose Eric Herenguel einen Comic gezeichnet, in dem King Kong den Endkampf in New York überlebt hat. In Die Kong Crew hat die Natur sich Manhattan zurückerobert. In diesen Dschungel haust nicht nur der Riesengorilla Kong, sondern auch diverse Saurier, mit denen sich die Fliegerstaffel der titelgebenden Kong Crew herumschlagen muss.

Nicht von der Hand zu weisen sind auch die Ähnlichkeiten zwischen King Kong und Donkey Kong aus den bekannten Nintendo-Spielen. Das japanische Unternehmen war in 80er-Jahren deswegen in einen Rechtsstreit mit Universal Pictures verwickelt. Das Filmstudio sah seine Rechte verletzt, weil Donkey Kong zu sehr ihren berühmten Filmaffen ähnelte. Die Verhandlung zeigte aber, dass nicht eindeutig klar ist, wem die Rechte gehören? Universal? Den RKO-Nachfolgeunternehmen? Den Erben von Merian C. Cooper? Oder war der populäre Affe mittlerweile gemeinfrei, solange man nicht die Handlung des Filmklassikers aus dem Jahr 1933 wiedererzählt?

Die Rechtsverhältnisse um King Kong gleichen immer noch dem Dschungel auf Skull Island. Legendary Pictures ist er gelungen, diesen soweit zu entwirren, dass sie mit Godzilla vs Kong ihrem mittlerweile zweiten Film mit King Kong drehen dürfen. Es lohnt sich zur Einstimmung auf den bevorstehenden Monsterkampf King Kong und die weiße Frau anzuschauen. Ernest B. Schoedsack und Merian C. Cooper haben 1933 einen klassischen Abenteuerfilm gedreht, dessen Handlung den Zuschauer auch heute noch mitreißt. Und trotz all der durchaus beeindruckenden CGI-Affen der letzten Jahre kann Willis O'Briens King Kong noch jeden von ihnen das Wasser reichen.

zusätzlicher Bildnachweis: 
© Courtesy of Warner Bros. Pictures

Retro-Kiste zu Planet der Affen Teil 2: Der Affe soll den Affen nicht töten

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Planet der Affen 1968

Nachdem wir im Artikel der vergangenen Woche den ersten Planet-der-Affen-Film von 1968 unter die Lupe genommen haben, widmen wir uns heute den weiteren Filmen und Ablegern des Franchises.

Mit der Fortsetzung des ersten Films gab es auf dem Regiestuhl einen Wechsel. Ted Post (Dirty Harry II) inszenierte den zweiten Teil. Rückkehr zum Planet der Affen (1970) hat eine ähnliche Ausgangslage. Wieder landet ein Astronaut in der Zukunft. In der deutschen Synchronisation hört man eine falsche Zeitangabe – der Film spielt aber nur wenige Jahre nach Planet der Affen und nicht über 1000 Jahre später. Die größte Änderung sind die intelligenten Mutantenmenschen, die versteckt in der verbotenen Zone leben und eine Atombombe anbeten. Obwohl die pazifistischen Schimpansen dagegen sind, startet der Gorilla-General Ursus einen Feldzug gegen die Mutanten, der mit der vollständigen Vernichtung der Erde endet.

Eigentlich hätte Jacobs gerne wieder Heston in der Hauptrolle gesehen. Dieser ließ sich nur zu einem kurzen Auftritt zu Beginn und am Ende des Films überreden. In der engeren Auswahl für den neuen Hauptdarsteller in Rückkehr zum Planet der Affen war Burt Reynolds (Beim Sterben ist jeder der Erste). Man entschied sich dann aber für den unbekannteren James Franciscus (Verschollen im Weltraum), weil dieser Heston recht ähnlich sah.

Um die Kosten der Fortsetzung so gering wie möglich zu halten, wurde vor allem beim aufwendige Affen-Makeup gespart. Viele Statisten im Hintergrund tragen nur günstige Gummimasken, was beim zweiten Blick auch deutlich auffällt. Der Film ist der einzige der fünfteiligen Original-Reihe, in dem Roddy McDowall nicht zu sehen ist, weil er bereits einen Drehtermin in England hatte.

In Flucht vom Planet der Affen (1971) war McDowall wieder in seiner Rolle als Schimpanse Cornelius mit dabei. Dr. Zira (Kim Hunter) und Cornelius gelingt mit dem Raumschiff aus dem ersten Teil die Flucht in die Vergangenheit, bevor die Atombombe die Erde zerstört. Sie landen in Kalifornien im Jahr 1973. Dort werden die intelligenten Affen aus der Zukunft zunächst freundlich aufgenommen. Doch der US-Sicherheitsapparat will die beiden vernichten, nachdem sie erfahren, wie die Affen in der Zukunft die Herrschaft über den Planeten erlangen.

"Diese geheiligte Wahrheit braucht man nicht zu beweisen."

Die Geschichte über den Aufstieg der Affen, welche Cornelius berichtet, besitzt widersprüchliche Zeitangaben zum vierten Teil. In seiner Darstellung zieht sich der Prozess über mehrere Jahrhunderte hin. Die Revolution der Affen findet in Eroberung vom Planet der Affen aber nur zwanzig Jahre nach der Landung von Cornelius und Zira statt. Anführer der Aufständischen ist deren Sohn Caesar, welchen McDowall ebenfalls spielt.

Eroberung vom Planet der Affen (1972) wurde größtenteils in einen damals neuen Wohnkomplex mit vielen Geschäftspassagen gedreht, welches eine glaubwürdige Kulisse für eine Zukunftsvision der 70er-Jahre bietet. Insgesamt fällt der Film inhaltlich und optisch hinter die anderen Teile zurück – bietet in seiner Entstehungszeit betrachtet aber gute Unterhaltung.

Der Tiefpunkt ist mit Schlacht um den Planet der Affen (1973) erreicht. Hier sieht man sehr deutlich, dass für den Film nicht mehr viel Geld zur Verfügung stand. Der Film und somit die ganze Planet-der-Affen-Reihe enden mit einem versöhnlichen Schluss, in dem Menschen und Affen Frieden geschlossen haben – ganz im Gegensatz zu seinen vier Vorgängern. Da der Erfolg an den Kinokassen ausblieb und Arthur P. Jacobs im Juni 1973 starb, gab es lange Zeit keine Bestrebungen, weitere Filme ins Kino zu bringen.

Neben dem geringeren Budget hatten alle vier Fortsetzungen mit dem gleichen Problem zu kämpfen: Planet der Affen bot dem Publikum 1968 eine originelle Geschichte mit einer überraschenden Wendung. Zudem setzte die guten Masken der Affen die Zuschauer in Erstaunen. Der Film besitzt viele ikonische Bilder, wie die halb im Sand versunkene Freiheitsstatue, die reitenden Gorillas, die Menschen in Käfigen und die Vogelscheuchen am Rande der verbotenen Zone.

Die Affenzivilisation im Film ist eine seltsame Mischung aus Mittelalter und Neuzeit. Es gibt Gewehre, Fotoapparate und Gehirnoperationen, aber keine sichtbaren Maschinen oder modernen Fahrzeuge. In der Romanvorlage und der ersten Drehbuchfassung war die Zivilisation der Affen auf einen deutlich höheren technischen Niveau angesiedelt und entsprach in etwa dem Entwicklungsstand der 60er-Jahre. Um die Ausgaben für den Film zu senken, verzichtet man auf moderne Häuser, Autos und Fluggeräte.

"Sorge dafür, dass der Mensch sich nicht zu sehr vermehrt, sonst macht er aus seiner und deiner Heimat eine Wüste."

Die archaische Stadt passt gut zum Affenstaat, der von religiösen Dogmen geprägt ist – und dies aus gutem Grund, wie das Ende des ersten und vor allen das Ende des zweiten Teils zeign. Die einzelnen Affengattungen besetzen jede eine bestimmte Nische in der Gesellschaft: Die Orang-Utans stellen die Politiker und Priester. So ist Professor Zaius gleichzeitig der Minister für Wissenschaft und der oberste religiöse Führer der Affenstadt.

Die Schimpansen engagieren sich in Wissenschaft und Forschung, während die Gorillas für die Menschenjagd und einfache Arbeiten zuständig sind. Im zweiten Teil kommt mit General Aldo und seiner Gorilla-Armee noch das Militär hinzu. Während der Drehpausen, so berichtete später Charlton Heston, hätten sich die Darsteller der Affen ebenfalls innerhalb ihrer Gattungen separiert. So saßen die Schimpansen beim Essen an einen anderen Tisch als die Orang-Utans oder Gorillas.

Die Darstellung der Affengesellschaft beinhaltet viele Anspielungen auf aktuelle Probleme der menschlichen Zivilisation wie Rassismus und Ausgrenzung Andersdenkender. So erinnert die Gerichtsszene mit Taylor vor dem Tribunal der Orang-Utans an die Kommunistenhatz in Hollywood der 50er-Jahre. In den Dialogen gibt es Anspielungen an George Orwells Farm der Tiere und den Rassismus in den USA, welche in der deutschen Synchronfassung durch eine freie Übersetzung fehlen.

Die Affen sind dabei keine besseren Menschen. Selbst die als pazifistisch und intellektuell überlegen dargestellten Schimpansen hegen eindeutig Vorurteile gegen andere Vertreter ihrer Gattung. Besonders deutlich wird dies, wenn Zira in Flucht vom Planet der Affen auf einen primitiven Gorilla trifft.

"Damals hat Professor Zaius meine Thesen auch noch nicht für Ketzerei erklärt."

Dass Aussage und Realität weit auseinander liegen können, zeigt die Besetzung des Films. Der einzige afroamerikanische Darsteller hat nur einen kurzen Auftritt im Planet der Affen. Erst der vierte und fünfte Teil besitzen mit Hari Rhodes (Coma) beziehungsweise Austin Stoker (Assault – Anschlag bei Nacht) zwei schwarze Hauptdarsteller. Ähnlich wie die Darstellung der Afroamerikaner sieht es mit dem Frauenbild des Films aus. Neben der Schimpansin Dr. Zira, welche immerhin eine selbstbewusste Wissenschaftlerin ist, tritt nur noch die primitive, stumme und stets leicht bekleidete Nova als größere Frauenfigur im Film auf.

Dabei gab es unter den vier auf dem Planeten der Affen gestrandeten Astronauten auch eine Frau. Nur ist Leutnant Stewart bereits im Tiefschlaf vor dem Absturz gestorben. Taylor fasst die angedachte Aufgabe seiner Kollegin auf der Mission später knapp zusammen. Sie war demnach an Bord, um mit den drei männlichen Kollegen für Nachwuchs zu sorgen und so auf einen fernen Planeten eine neue menschliche Gesellschaft zu gründen.

Taylor besitzt nicht nur ein beschränktes Frauenbild, sondern kann andere Menschen gleich welchen Geschlechts generell nicht ausstehen. Der Misanthrop Taylor verabscheut die Menschheit wegen ihrer kriegerischen Art – und das Ende des Films gibt seiner pessimistischen Weltsicht zumindest in diesem Fall recht.

Auch von der neu entdeckten Affengesellschaft ist der Astronaut schnell enttäuscht, muss er doch am eigenen Leibe erfahren, wie sie die Menschen für wissenschaftliche Experimente missbrauchen. Da die stummen Menschen als niedere Kreaturen ohne eigene Rechte gelten, hegt man keine Skrupel, an ihnen Gehirnoperationen zu testen. Im dritten Teil gibt es eine interessante Umkehrung, als die in der Zeit zurück gereisten intelligenten Affen sich über Tierversuche empören, Zira aber einsieht, dass sie als Veterinärin nicht anders gehandelt hat.

Ein etwas anderes Verhältnis zwischen Affen und Menschen vermittelt die erste TV-Serie. Nachdem die erste drei Filme eine gute Zuschauerquote im Fernsehen erzielten, produzierte der Sender CBS eine Planet-der-Affen-Serie, welche 1974 auf Sendung ging. Wieder landen zwei Astronauten in einer Zukunft, in welcher die Erde von intelligenten Affen besiedelt ist. Die beiden müssen in jeder Folge zusammen mit dem Schimpansen Galen (Roddy McDowall) vor dem Gorilla-General Urko fliehen.

Größter Unterschied zu den Filmen: Die Menschen in dieser Zukunft können sprechen und sind nur auf ein mittelalterliches Niveau herabgesunken. Die Serie wurde nach 14 Episoden eingestellt. 1975 folgte in den USA bereits die Zeichentrickserie Return to the Planet of the Apes. Die Trickserie zeigte eine technisch wesentlich höher entwickelte Affenzivilisation und kam auch nur auf 13 Episoden.

"Nimmt dieser Irrsinn denn kein Ende?"

Aber dies war nicht das Ende des Affen-Franchises. Ab 1973 veröffentlichte Marvel eine Comicreihe mit neuen Abenteuern auf dem Planet der Affen. Allerdings dauerte es bis 2001, bis die intelligenten Schimpansen, Gorillas und Orang-Utans wieder die Kinoleinwand eroberten. Das Remake von Tim Burton folgte einem eigenen komplizierten Zeitreiseansatz, der zwar zu einem gelungenen Ende führte, aber dazwischen keine interessante Geschichte erzählte.

Charlton Heston hatte einen Cameo-Auftritt als Affe, und Linda Harrison ist in einer Szene kurz wieder als primitive Menschenfrau zusehen. Tim Roth (Reservoir Dogs) darf einen fiesen Schimpansen-General spielen, womit Burton zumindest der Natur der vegetarischen Gorillas und ihrer wesentlich aggressiven Verwandten gerecht wird. Das alles kann den Film aber nicht retten – und somit blieb es vorerst bei einem gescheiterten Versuch, die Reihe neu zu beleben.

2011 drehte Matt Reeves Planet der Affen: Prevolution, welcher quasi die Geschichte von Eroberung vom Planet der Affen neu erzählt. Bei der Darstellung der Affen kam das Motion-Capture-Verfahren zum Einsatz, welches die Darstellung wesentlich naturalistischer Affen ermöglicht. Aber es liegt nicht nur an der Tricktechnik, dass der Film und die Fortsetzungen Planet der Affen: Revolution (2014) und Planet der Affen: Survival (2017) wesentlich besser abschneiden als Burtons Versuch zehn Jahre zuvor. Es gelingt Reeves zwar keine so ikonischen Bilder wie im Original zu erschaffen, er setzt aber durchaus eigene Akzente. Mit seiner dynamischen Inszenierung und einer actionreichen Geschichte belebt er die Planet-der-Affen-Reihe für eine neue Generation.

Auch wenn Reeves Motion- Capture-Affen Planet der Affen im direkten Vergleich ein wenig alt aussehen lassen, lohnt es sich immer noch, das Original von 1968 anzuschauen. Reeves Neuauflage ist bei allen all seinen Qualitäten ein glattes Hollywood-Spektakel ohne Ecken und Kanten. Regisseur Franklin J. Schaffner und Produzent Arthur P. Jacobs schufen mit ihrem Film ein sperriges Werk mit gewöhnungsbedürftiger Musik und langen Kameraeinstellungen, welches aber durch die damaligen neuen Affenmasken und die klug durchdachte Geschichte auch heute noch zu überzeugen weiß.

Rückkehr zum Planet der Affen

Escape from the Planet of the Apes (1971 Trailer)

Conquest of the Planet of the Apes (1972) Official Trailer # 1 - Roddy McDowall

Battle for the Planet of the Apes (1973 Trailer)

"Planet of the Apes" TV Intro, Closing

Retro-Kiste zu Planet der Affen Teil 1: Ich glaube nicht, dass ihr Affen so klug seid

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Planet der Affen 1968

Der berühmteste Affe der Filmgeschichte ist sicher King Kong. Aber der riesige Gorilla herrschte zu seinen besten Zeiten nur über eine kleine Insel. Das Schimpansenpaar Cornelius und Zira lebt hingegen auf einem Planeten, der komplett von Affen beherrscht wird. Die beiden, ihr Sohn Caesar und ihre Artgenossen haben deutliche Spuren in der Filmgeschichte hinterlassen. Mittlerweile schildern neun Hollywood-Filme, zwei TV-Serien und mehrere Comicreihen ihre Abenteuer auf dem Planeten der Affen.

Da man nicht über die Planet-der-Affen-Filmreihe schreiben kann, ohne auf das Ende des ersten Teils einzugehen und die ikonische Schlussszene mit Charlton Heston nach fünf Jahrzehnten zum Teil der Popkultur geworden ist, nimmt dieser Artikel auf eventuelle Spoiler keine Rücksicht. Wer Planet der Affen aus dem Jahr 1968 noch nicht kennt und ihn völlig unvoreingenommen sehen will, sollte den Artikel nach dem Film weiter lesen.

Die Filmreihe beginnt nicht mit den titelgebenden Affen, sondern legt den Fokus am Anfang auf die menschlichen Besucher. Eine Gruppe Astronauten befindet sich im Tiefschlaf auf dem Rückflug zur Erde. Dort sind sie 1972 gestartet. Für die Besatzung sind während ihrer Reise mit Lichtgeschwindigkeit nur wenige Jahre, in ihrer Heimat jedoch mehr als siebenhundert Jahre vergangen. Nach einer Bruchlandung befinden die drei Astronauten auf einen scheinbaren fremden Planeten.

Nachdem sie mehrere Tage durch eine verlassene Wüste gewandert sind, treffen sie in einem grünen Tal zu ihrer Überraschung auf Menschen. Diese befinden sich allerdings auf einem primitiven Niveau und besitzen nicht die Fähigkeit zu sprechen. Doch ehe die Drei nach einer sinnvollen Erklärung für andere Menschen auf einen fernen Planeten suchen können, werden sie von berittenen Gorillas angegriffen. Der Astronaut Taylor wird am Kehlkopf verletzt und von den Affen in eine Stadt verschleppt, in der Schimpansen, Gorillas und Orang-Utans nach ihren eigenen Gesetzen und religiösen Geboten leben.

Taylor kommt in die Obhut der Schimpansen-Veterinärin Dr. Zira, welche seine ausgeprägte Intelligenz entdeckt. Als der Mensch seine Fähigkeit zu sprechen zurückerlangt, stellen die Affen ihn vor ein Tribunal. Der oberste Wissenschaftler und gleichzeitige Religionsführer Dr. Zaius will beweisen, dass Taylors Geschichte über eine intelligente Menschenzivilisation unmöglich ist.

Bevor die Affen Taylor einer Lobotomie unterziehen können, gelingt ihm mithilfe von Dr. Zira und des Schimpansen-Archäologen Dr. Cornelius die Flucht in die verbotene Zone. In einer Höhle finden sie eine alte sprechende Menschenpuppe, welche den Beweis für eine einstige hochentwickelte menschliche Zivilisation auf dem Planeten der Affen liefert.

Taylor flieht zusammen mit der primitiven Menschenfrau Nova tiefer in die verbotene Zone. Die bittere Wahrheit, welche Dr. Zaius vor ihm verbergen wollte, erkennt Taylor, als er am Strand auf die Überreste der Freiheitsstatue stößt. Die Menschen haben den Planeten durch einen Atomkrieg fast unbewohnbar gemacht. Die Überlebenden sind auf eine frühere evolutionäre Stufe herabgesunken, und intelligente Affen sind nun die Krone der Schöpfung.

"Könnt ihr nicht eure dreckigen Pfoten von meinem Körper nehmen, ihr blöden Affen."

Der Star des Films ist ganz eindeutig Charlton Heston (Im Zeichen des Bösen, Ben Hur, Erdbeben) als Astronaut Taylor. Ähnliche Rollen als letzter aufrechter Held in einer zerstörten Welt übernahm er später auch in Der Omega Mann (1971) und Soylent Green – Jahr 2022 ... die überleben wollen (1973). Seine beiden Astronauten Kollegen wurden von Robert Gunner (Bruce Lee – Das Geheimnis der grünen Hornisse) und Jeff Burton (Coffy – Die Raubkatze) gespielt, die keine große Filmkarriere vorweisen können. Ähnlich sieht es mit Linda Harrison (Cocoon), der Darstellerin der Nova, aus.

Aber unter den Affenmasken verstecken sich bekanntere Schauspieler. Kim Hunter (Endstation Sehnsucht, Mitternacht im Garten von Gut und Böse) verkörpert die Schimpansin Dr. Zira, und unter der Maske des Orang Utans Dr. Zaius steckt Maurice Evans (Rosemaries Baby). Dr. Cornelius wird von Roddy McDowall gespielt, der in dem Historienfilm Die größte Geschichte aller Zeiten, der Disney-Komödie Die tollkühne Hexe in ihrem fliegenden Bett und den Actionstreifen Die Klasse von 1984 zu sehen war. Außerdem spielte er in drei der vier Planet-der-Affen-Fortsetzungen.

"Sie sehen zwar wie Menschen aus, aber sie scheinen stumm zu sein."

Die Regie übernahm Franklin J. Schaffner, welcher zusammen mit Heston 1965 Die Normannen kommen drehte und später das Gefängnisdrama Papillon inszenierte. Prägender für das gesamte Planet-der-Affen-Franchise der späten 60er und frühen 70er-Jahre dürfte der Produzent Arthur P. Jacobs sein. Er kaufte 1963 die Filmrechte an Pierre Boulles Roman Der Planet der Affen, der lange als unverfilmbar galt.

Das erste Drehbuch schrieb Rod Serling (Twilight Zone). Er verfasste mehr als 30 verschiedene Entwürfe, um Boulles Geschichte für die große Leinwand zu adaptieren. Die endgültig Fassung schrieb schließlich Michael Wilson (Lawrence von Arabien), von ihm stammt auch das neue Ende, welches sich von der Romanfassung unterscheidet. War das Drehbuch zum Film schon eine schwere Geburt, so stellte die Darstellung der Affen im Film das Produktionsteam vor eine noch größere Herausforderung.

Bis dahin wurden Affen in Filmen, wenn dressierte Tiere nicht eingesetzt werden konnten, von Menschen in Kostümen dargestellt. Allerdings hatten diese meist eine unfreiwillig komische Wirkung auf das Publikum. Arthur P. Jacobs schwebte für seine Verfilmung aber eine düstere Stimmung vor. Die intelligenten Affen sollten die Zuschauer beeindrucken und in Furcht versetzen – auf keinen Fall durften sie lächerlich wirken. Deswegen experimentierte man bereits vor den eigentlichen Dreharbeiten mit einer neuen Make-Up-Technik.

"Schöne Vogelscheuchen sind das."

Im März 1966 fanden erste Testaufnahmen mit Heston und einigen als Affen geschminkten Schauspielern – darunter Edward G. Robinson (Soylent Green), der später aus dem Film wieder ausstieg – statt. Das Affen-Make-Up war noch nicht perfekt, wie man im Making of zum Film selbst feststellen kann. Fox gab dennoch grünes Licht.

Nun holte Jacobs den Maskenbildner John Chambers an Bord. Chambers hatte sich zunächst als Spezialist für medizinische Prothesen für Verwundete des Zweiten Weltkriegs einen Namen gemacht, bevor er ins Filmgeschäft wechselte. Von ihm stammen unter anderen die Ohren von Mr. Spock in der klassischen Star-Trek-Serie. Dennoch hatten die Maskenbildner ihre Probleme beim Entwerfen des Designs für die Affen. Um sie zu unterstützen, holte der Produzent sogar einen echten Schimpansen ins Studio.

Letztlich kosteten allein das Make-up, die Masken und die Kostüme 1 Million US-Dollar. Das Ergebnis kann auch heute im Zeitalter der digitalen Tricktechnik noch überzeugen. Laut der Schauspielerin Kim Hunter dauerte das Anlegen ihrer kompletten Schimpansenmaske zu Beginn fast fünf Stunden. Später wurden die Maskenbildner routinierter und schneller.

Wie furchterregend die Affen im fertigen Film wirken, macht schon ihr erster Auftritt deutlich. Als Taylor und seine Kollegen mit den primitiven Menschen durch ein Maisfeld wandern, greifen plötzlich berittene Gorillas die Gruppe an. Die Menschenjagd gehört zu den besten Szenen des an ikonischen Aufnahmen nicht armen Films. Allerdings wäre ihre Wirkung ohne die Musik von Jerry Goldsmith nicht halb so beeindruckend.

Die eingängigen Melodien des Komponisten dürften viele Zuschauer aus Filmen und TV-Serien der 80er und 90er-Jahre wie Gremlins, Total Recall, Star Trek: Raumschiff Voyager oder Der 13te Krieger kennen. Nicht so bekannt ist Goldsmiths Filmmusik zu Planet der Affen, da sie nicht so zugänglich ist. Aber gerade diese disharmonischen atonalen Melodien verhelfen dem Science-Fiction-Film zu seiner durchgängig fremdartigen und bedrohlichen Atmosphäre. Der Soundtrack in der direkten Fortsetzung klingt zwar ähnlich, stammt aber nicht mehr von Goldsmith. Seine Musik ist erst wieder in Flucht vom Planet der Affen zu hören.

In der nächste Woche geht es mit Teil 2 weiter, der sich mit den nachfolgenden Werken rund um den Planet der Affen beschäftigt.

Planet der Affen (1968) - Original Trailer Deutsch HD

Retro-Kiste zu Terminator: Ich komme wieder!

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Schwarzenegger Terminator

Arnold Schwarzenegger hat im Laufe seiner Schauspielkarriere in vielen bekannten Blockbustern (Predator, Total Recall, Last Action Hero oder True Lies – Wahre Lügen) mitgespielt. Aber keine seiner Rollen ist mit Ausnahme von Conan mit ihm so verbunden wie seine Auftritte als Killermaschine in den Terminator-Filmen. Mit knapp siebzig Worten wurde Schwarzenegger 1984 zum Weltstar.

Ähnliches gilt für den Regisseur James Cameron. Heute kennt jeder Titanic und Avatar, die beide zu den erfolgreichsten Filmen der Kinogeschichte gehören. Vor Terminator hatte er 1981 nur Piranha 2 – Fliegende Killer gedreht, der wahrlich kein Meisterwerk ist – auch wenn Cameron selbst ihn scherzhaft als den besten Horrorfilm über fliegende Killerfische aller Zeiten bezeichnete.

Seine erste Regiearbeit - ursprünglich sollte Cameron nur die Spezialeffekte des Horrorfilms übernehmen - drehte er in Italien für den Produzenten Ovidio G. Assonitis. Zwischen den beiden kam es zu Unstimmigkeiten, und so war Cameron am Ende nicht mehr für den Schnitt der fertigen Kinofassung verantwortlich.

Zurück in den USA schrieb Cameron das Drehbuch für den Film Terminator, welches angeblich von einem Albtraum des Regisseurs inspiriert wurde. Cameron hatte aus seinen Erfahrungen mit Assonitis gelernt und verkaufte seine Filmidee an die Produzentin Gale Anne Hurd für nur einen Dollar. Dafür bekam er die Zusage, dass er auch die Regie bei seinem Terminator-Film übernehmen durfte.

"Und dieser Computer denkt, er könne gewinnen, indem er die Mutter seines Feindes tötet."

Die Geschichte des Films ist schnell zusammengefasst: Im Jahr 2029 haben die Maschinen mithilfe einer künstlichen Intelligenz und menschenähnlicher Cyborgs die Menschheit fast ausgerottet. Doch John Connor, dem Anführer des Widerstands, gelingt es, die Überlebenden zu einen und zum vernichtenden Schlag gegen die Maschinen auszuholen.

Doch die KI sendet kurz zuvor einen Terminator zurück in die Vergangenheit. Im Jahr 1984 soll dieser Killerroboter die Mutter von John Connor auslöschen, bevor ihr Sohn geboren werden kann. Systematisch sucht der Terminator nun alle Sarah Connors aus dem Telefonbuch heraus und tötet sie.

Doch auch die menschlichen Rebellen haben mit Kyle Reese einen Kämpfer in die Vergangenheit geschickt. Nach seiner Landung in Los Angeles bekommt es der Zeitreisende erst mal mit der Polizei zu tun. Es gelingt ihm dennoch, die wahre Sarah Connor rechtzeitig vor dem ersten Angriff des Terminators zu retten. Die beiden verlieben sich ineinander, und so kommt es zu einem interessanten Zeitparadox. Reese lässt im Kampf mit der Maschine sein Leben, und im Finale muss Sarah in einer Fabrik alleine gegen den Roboter aus der Zukunft kämpfen.

Lässt man die Science-Fiction-Elemente (Zeitreise und Killerroboter) einmal bei Seite, ähnelt der Film im Grunde einem typischen Slasher-Film. Ein geheimnisvoller Killer metzelt sich durch den Film und wird am Ende von Sarah Connor als Final Girl besiegt. Somit könnte man sagen, dass Linda Hamilton als Sarah Connor in die Fußstapfen von Jamie Lee Curtis tritt.

Natürlich unterscheidet sich Terminator in vielen Aspekten von Slashern wie Halloween – Die Nacht des Grauens (1978). Es gibt bereits im ersten Terminator-Film wesentlich mehr bombastische Actionszenen, und anstelle der idyllischen Vorstadt wählte Cameron die düstere Großstadt als Handlungsort.

Der größte Unterschied ist aber der Gegenspieler an sich. Im Gegensatz zu den gesichtslosen Killern wie Michael Myers und Co. ist der Terminator ganz klar der Star des Films. So wird im Vorspann auch Arnold Schwarzeneggers Name als erster noch vor Michael Biehn und Linda Hamilton genannt – was schon alleine deswegen ungewöhnlich ist, da Schwarzenegger nicht den Helden des Films spielt.

"Kommen Sie mit mir, wenn Sie leben wollen."

Arnold Schwarzenegger hatte 1984 noch nicht den Höhepunkt seiner Schauspielkarriere erreicht. Seine erste Hauptrolle hatte er 1969 in dem Film Hercules in New York. Es folgten Nebenrollen in Der Tod kennt keine Wiederkehr (1973), und schließlich verkörperte er 1982 die Titelfigur in Conan, der Barbar. Diese Rolle steigerte seinen Bekanntheitsgrad in Hollywood enorm.

Mike Medavoy, der Chef von Orion Pictures, wollte gerne, dass Schwarzenegger die Rolle des Helden übernahm. Aber Cameron bestand darauf, dass der ehemalige Bodybuilder als Kyle Reese nicht geeignet wäre. Auf Drängen von Medavoys traf sich Cameron dennoch mit Schwarzenegger, und die beiden hatten entgegen seinen Erwartungen ein sehr konstruktives Gespräch. Schwarzenegger war vom Drehbuch begeistert und gab dem Regisseur Tipps, wie sich dieser Bösewicht verhalten sollte. Da bot Cameron ihn spontan die Titelrolle an. Schwarzenegger nahm an, obwohl ihm seine Agenten abriet, den Antagonisten zu spielen.

Schwarzenegger hat im Lauf seiner Filmkarriere bewiesen, dass er mehr kann als nur fies gucken. So drehte er zusammen mit Danny DeVito zum Beispiel die Komödie Twins – Zwillinge. Seine frühen Erfolge basieren aber vor allen auf seiner physischen Präsenz. Trotzdem verlangte auch die Rolle des Terminators einiges schauspielerische Können. So trainierte Schwarzenegger mehrere Monate auf dem Schießstand mit verschiedenen Waffen, damit er später im Film völlig starr und ohne zu blinzeln mit ihnen umgehen konnte, um so die perfekte emotionslose Maschine darstellen zu können.

Viel zu sagen hatte Schwarzenegger in dem Film nicht – der Terminator spricht dennoch mehr als die berühmten siebzig Worte, da er in zwei Szenen jeweils die Stimme eines toten Polizisten und von Sarahs Mutter verwendet, um so seine Gesprächspartner am Telefon zu täuschen.

Die Heldin des Films ist die von Linda Hamilton gespielte Sarah Connor. Noch mehr als der Vergleich zu der oben erwähnten Laurie Strode aus Halloween drängt sich Ähnlichkeit zur Actionheldin Ellen Ripley (Sigourney Weaver) in den Alien-Filmen auf. Hamilton ist am Anfang des Filmes noch nicht als toughe Heldin erkennbar. Erst im Finale und besonders dann in der Fortsetzung Terminator 2 – Tag der Abrechnung tritt sie als knallharte Actionheldin hervor. 2019 durfte sie die ikonische Rolle der Sarah Connor in Terminator: Dark Fate wieder aufnehmen.

Vor 1984 hatte Hamilton nur in der Stephen-King-Verfilmung Kinder des Zorns mitgewirkt. Danach war sie in vereinzelten Kinofilmen wie Dante's Peak oder TV-Serien wie Die Schöne und das Biest oder zuletzt Chuck zu sehen. Die ganz große Filmkarriere gelang ihr im Gegensatz zu Arnold Schwarzenegger nicht.

Auch Michael Biehn, dem Darsteller der anderen Heldenfigur aus Terminator, gelang im Anschluss nicht der Sprung in die Erste Liga der Hollywoodstars. Cameron dreht mit ihm noch eine Szene für die Terminator-Fortsetzung. Aber in der Kinoversion wurde diese Traumsequenz wieder heraus geschnitten. Erst im Director's Cut von Terminator 2 – Tag der Abrechnung ist Biehn kurz noch einmal als Kyle Reese zu sehen. Zusammen mit Biehn drehte Cameron noch Aliens – Die Rückkehr und Abyss – Abgrund des Todes. 2007 war Biehn als Sheriff Hague in dem Kinofilm Planet Terror von Robert Rodriguez zu sehen.

Auch Lance Henriksen, welcher den Polizisten Vukovich spielte, gehörte 1986 in Aliens – Die Rückkehr wieder mit zur Besetzung. Danach war er in Alien 3 und Alien vs. Predator zusehen und übernahm in der Fernsehserie Millennium die Hauptrolle. Sein Vorgesetzter wird von Paul Winfield (Star Trek II: Der Zorn des Khan) dargestellt, der 1984 bereits auf eine längere Filmkarriere zurückblicken konnte. Earl Boen war in unterschiedlichen Nebenrollen in den Serien Alf, Buck Rogers, oder Star Trek: The Next Generation zu sehen. Bekannt machte ihn aber seine Rolle des Psychiaters Dr. Silberman, welche er auch im zweiten und dritten Teil der Reihe verkörperte.

In kleineren Nebenrollen kann man Dick Miller (Gremlins – Kleine Monster, Meine teuflischen Nachbarn) als Waffenverkäufer und Bill Paxton (Aliens – Die Rückkehr) als einen der Punks, denen der Terminator zu Beginn ihre Kleidung klaut, sehen.

"Legen Sie bitte nicht auf – auch Maschinen brauchen Liebe."

Der Beginn der Produktion von Terminator verschob sich 1984 ein wenig, da Arnold Schwarzenegger noch Conan der Zerstörer drehte. Die Wartezeit nutzte Cameron und arbeitete an den Drehbüchern zu Rambo II - Der Auftrag (1985) und Aliens - Die Rückkehr (1986). Nebenbei verbesserte er auch noch das Terminator-Skript.

Später gab es Zweifel, ob die Idee wirklich aus einem von Camerons Albträume entstammte oder von einer Folge Outer Limits inspiriert wurde. Der Science-Fiction-Autor Harlan Ellison (A Boy and his Dog) schrieb 1963 das Drehbuch für die Episode "Soldier". Terminator wies sehr große Ähnlichkeit zu dieser Folge auf, sodass Harlan dem Regisseur wegen Plagiat verklagte. Es kam zu einer außergerichtlichen Einigung, und seitdem gibt es einen Hinweis auf Ellisons in dem Terminator-Vorspann. Der Film hatte dem Science-Fiction-Autor trotz aller Plagiatsvorwürfe sehr gefallen.

Ursprüngliche hatte Camerons die Idee, dass Skynet zwei Cyborgs in die Vergangenheit schickte. Bei dem Ersten hätte es sich um den heute bekannten von Schwarzenegger dargestellten Terminator gehandelt. Dieser wäre von Reese vernichtet worden, und die zukünftige KI hätte einen weiteren Terminator aus flüssigem Metall hinterhergeschickt. Doch die Idee des Formwandlers stellte sich als zu kompliziert für damalige Tricktechniken heraus, sodass Cameron seine Idee wieder verwarf. Erst als er 1989 in Abyss – Abgrund des Todes mit dem am Computer generierten Spezialeffekt zufrieden war, griff er die Idee drei Jahre später in Terminator 2 wieder auf.

Der Film spielt immer wieder mit seinem Grundthema – dem Kampf zwischen Mensch und Maschine. Als der T-800 im Los Angeles des Jahres 1984 landet, sieht man zunächst nur viele Maschinen auf einer Baustelle im Einsatz. Der mit künstlicher Haut überzogene nackte Cyborg stellt für den Zuschauer scheinbar das einzige menschliche Element in der Szene da. Es gibt im Verlauf des Films immer wieder kleine Anspielungen.

So plädiert Sarah Connors auf der Ansage ihres Anrufbeantworters dafür, dass auch Maschinen Liebe brauchen. Zu Beginn des Films überfährt der Terminator einem Spielzeugtruck – das gleiche Modell, welches ihm gegen Ende als realer Lastwagen selbst überfährt. Während ihres Endkampfes haben sowohl Sarah Connor sowie der sie verfolgende Cyborg kaputte Beine.

Am deutlichsten wird der Gegensatz Mensch - Maschine, wenn der Terminator sich nach einem Kampf selbst sein Auge repariert. Dafür fertigten Stan Winston und sein Spezialeffekteteam in sechsmonatiger Arbeit eine lebensgroße Nachbildung von Arnold Schwarzeneggers Gesicht an.

Winston ist für seine Spezialeffekte in den Kinofilmen Das Ding aus einer anderen Welt oder Predator bekannt. Auch bei Terminator 2 – Tag der Abrechnung war er wieder mit an Bord. Heute wirken einige Effekte wie das laufende Metallskelett des T-800 oder der Rückblick in die Zukunft des Jahres 2029 ein wenig antiquiert und überholt. Im Kontext des Films funktionieren sie aber immer noch recht gut. Die Tricktechnik in der direkten Fortsetzung ist aber wesentlich besser gealtert.

"Hasta la vista, Baby!"

Die Fortsetzung aus dem Jahr 1991 überzeugt besonders durch ihre Actionszenen, aber auch die Science-Fiction-Handlung des ersten Teils wird auf interessante Weise weiterentwickelt. Wichtigste Änderung zum ersten Teil ist die Wandlung des wieder von Arnold Schwarzeneggers gespielten T-800. Diesmal wurde er zum Schutz des jungen John Connors vor dem neuartigen T-1000 in die Vergangenheit geschickt. Es war der letzte Terminator-Film, bei den Cameron die Regie übernahm.

Konnte Terminator 2 – Tag der Abrechnung die meisten Fans und Kritiker noch voll und ganz überzeugen, sah dass bei dem 2003 erschienenen dritten Teil des Franchise anders aus. In Terminator 3 – Rebellion der Maschinen ist der Tag der Abrechnung verstrichen, ohne dass die Maschinen die Macht übernommen haben. Dennoch bekommt es der mittlerweile erwachsene John Connor mit einem weiblichen Cyborg aus der Zukunft zu tun, der ihn eliminieren soll. Ihn zur Seite steht wieder Arnold Schwarzenegger als guter Terminator. Es gibt in dem Film viele Zitate und Anspielungen auf die beiden Vorgänger – und trotz des negativen Endes ist es der Film in der Reihe mit dem meisten Raum für Humor und Selbstironie.

Im selben Jahr, in dem Terminator 3 in die Kinos kam, wurde Arnold Schwarzenegger zum Gouverneur von Kalifornien gewählt. So musste Terminator: Die Erlösung ohne den Hollywood-Star auskommen. Dafür kämpft Christian Bale (Batman Begins) als John Connor diesmal in der Zukunft gegen die herrschenden Maschinen. 2015 in Terminator: Genisys und 2019 in Terminator: Dark Fate übernahm Arnold Schwarzenegger wieder die Rolle des guten Terminators. Beide Filme waren jeweils als Auftakt einer neuen Trilogie geplant und stellten den Versuch dar, das Franchise neu zu beleben. Der Erfolg an den Kinokassen blieb allerdings aus. Bisher sind keine neuen Terminator-Filme mit oder ohne Arnold Schwarzenegger geplant.

2008 startet die Fernsehserie Terminator: The Sarah Connor Chronicles mit Lena Headey (Game of Thrones) als Sarah Connor, Thomas Dekker (A Nightmare on Elm Street 2010) als John Connor und Summer Glau (Firefly) als Terminatrix. Die Serie lief mit mäßigen Erfolg und kam insgesamt auf zwei Staffeln.

"Das ist kein Mann, das ist eine Maschine."

Die Actionfilme der 80er-Jahre waren oft recht reaktionär und diente dem Eskapismus des Zuschauers. Allzu schwere Themen wurden gerne ausgespart. Auch Terminator ist in erster Linie ein gelungener Actionfilm ohne allzu viel Tiefgang. Allerdings thematisiert er auch die Bedrohung der Menschen durch einen Atombombenkrieg. Der Film endet auch nicht mit einem klaren Happy End, sondern lässt Sarah Connor in eine ungewisse Zukunft fahren.

Der zweite Teil hebt das offene Ende des Films wieder auf und endet (außer für den nun guten Terminator) mit einen deutlichen positiven Ausgang – bis in Terminator 3 im dystopischen Finale die Atomraketen doch noch über der Welt nieder gehen.

Schon der erste Teil macht sich nicht zu viele Hoffnung über eine positive Entwicklung der Menschheit. Cameron scheint dies mit der Auswahl der Handlungsorte noch zu unterstützen und hat sich dafür entschieden, möglichst oft die dreckigen und heruntergekommen Seiten von Los Angeles zu zeigen. Obwohl er in der Gegenwart spielt, entwickelt die Stadt in Terminator einen ähnlichen Charme wie in John Carpenter Die Klapperschlange – nur mit ein wenig mehr Neonlicht.

"Eine schöne Legende – Sie müssen ziemlich enttäuscht von mir sein."

Die Geschichte hätte sicher auch mit einem anderen Hauptdarsteller funktioniert. So war unter anderen auch Sylvester Stallone (Rambo, Rocky) für die Rolle des Terminators in Betracht gezogen worden. In der Actionkomödie Last Action Hero (1993) ist Stallone als Werbeaufsteller in einer Videothek als Terminator zu sehen.

In einem Interview 1984 während der Produktion von Conan der Zerstörer wurde Arnold Schwarzenegger über seine bevorstehenden Projekte befragt. In dem Gespräch bezeichnet er Terminator als einem unbedeutenden Trash-Film, den er in ein paar Wochen abdrehen würde. Nach dem Erfolg des Films hat der Schauspieler diese Aussage bereut und erklärte, es wäre falsch gewesen, Terminator zu beurteilen, bevor er überhaupt voll involviert war. Der Film gehöre zu dem besten Arbeiten seiner Karriere – dem kann man sich nur anschließen.

The Terminator (1984) Official Trailer - Arnold Schwarzenegge Movie

Retrokiste zu Contact: Alles wissen, nichts sagen

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Contact

Anfang Juli 1997, vor ziemlich genau 23 Jahren, kam mit Contact ein Film in die Kinos, der optisch und vor allem inhaltlich neue Maßstäbe setzen sollte. Neben seinem massiven Staraufgebot (Jodie Foster, John Hurt, James Woods und Matthew McConaughey) ist der Film als Leinwandadaption von Sagans gleichnamigem Roman aus dem Jahr 1985 in einer mehr als zehnjährigen Zusammenarbeit zwischen dem Regisseur Robert Zemeckis und dem Astronomen Carl Sagan entstanden. Zemeckis zeigt eindrucksvoll: Die Frage nach Leben im All kann man auch erzählen, ohne dass die Menschheit direkt in Verteidigungsstellung gehen muss.

An awful waste of space

Ellie Arroway (Jodie Foster) hat ihr Leben der Wissenschaft verschrieben. Angestachelt von ihrem früh verstorbenen Vater (David Morse) sucht sie bereits als Kind mittels einer Funkanlage nach fremden Signalen aus dem All. Als Erwachsene arbeitet Arroway in einem Observatorium am SETI-Projekt mit, bis ihr jedoch wegen ausbleibender Ergebnisse die Mittel gestrichen werden sollen. Arroway treibt vor allem der unbedingte Glaube an die Wissenschaft ans Teleskop. Sie will damit auch das Gefühl des Alleinseins überwinden, das sie schon seit Kindertagen mit sich schleppt: “Wenn wir die Einzigen im Universum wären, wäre das eine unverschämte Platzverschwendung”, lautet ihre Überzeugung.

Ähnlich sieht das auch der mysteriöse Großindustrielle S.R. Hadden (John Hurt), der ihrem Team eine kräftige Finanzspritze ermöglicht, um ihre Forschung voranzutreiben. Nun kann Arroway in New Mexico mit riesigen Radioteleskopen, den sogenannten Very Large Arrays, weiterarbeiten. Neu mit an Bord: Der Ex-Priester und Schriftsteller Palmer Joss (Matthew McConaughey), der sich von der Religion abgewandt hat und bald nicht nur beruflich für die Forscherin interessiert. Und dann geht alles ganz schnell: Das Team empfängt ein Signal, mit dem die Menschheit offenbar Baupläne zugesandt bekommt, um in Kontakt mit Außerirdischen zu treten. Arroway darf schließlich als Botschafterin für die Erde fungieren und wandelt bald nicht nur zwischen Raum und Zeit, sondern auch zwischen Wissenschaft und Glauben ...

Unwissenheit ist der einzige Feind

Die ewig währende Debatte zwischen Religion und Wissenschaft heizte Contact erneut an. Denn während die Sehgewohnheiten der meisten Kinozuschauer auf die Bekämpfung durchweg bösartiger Aliens getrimmt waren, wie es beispielsweise in der Alien-Reihe oder auch noch in Independence Day (1996) der Fall war, stellte Robert Zemeckis in Contact vor allem die Auswirkungen einer solchen Nachricht auf die Menschheit in Presse und Politik in den Vordergrund. Damit reiht sich der Regisseur eher in die Tradition von Steven Spielbergs Close Encounters - Unheimliche Begegnung der dritten Art aus dem Jahr 1977 ein.

Arroway selbst darf als willensstarke und - zumindest für die damalige Zeit - relativ klischeebefreite Frauenfigur ihrer (natürlich ausschließlich männlichen) Chefetage Widerworte geben. Auch wenn sie sich leider direkt dafür entschuldigt - und sich ohne impliziertes Interesse an einer Beziehung den schnieken Schriftsteller ins Bett holt. Zudem gibt es kein klassisches romantisches Happy End für die beiden, denn Ellies Arbeit ist wichtiger.
Ihre Figurenentwicklung ist zudem interessant, weil sie so sehr der Wissenschaft vertraut, dass sie im Zweifel bereit ist, ihre Wahrnehmung zugunsten der Wahrscheinlichkeit von Ereignissen zu überprüfen - wo sonst findet man schon mal die Benennung von Ockhams Rasiermesser in einem Blockbuster-Scifi-Film?

Wahrnehmung vs. Wissenschaft = ?

In Contact werden zudem gesellschaftliche Knackpunkte behandelt, über die man noch heute wunderbar streiten kann. Zum Beispiel: Welchen Stellenwert hat die Wissenschaft wirklich in der Gesellschaft? Solange sie eindeutige, logische Erklärungen und schnelle Ergebnisse liefert, scheint alles in Ordnung. Stößt sie jedoch an ihre Grenzen, werden Menschen schnell ungeduldig und unwillig, Mittel werden gekürzt, Theorien kritisiert und durch Verschwörungstheorien ersetzt.

Auch Ellie muss dies erleben, als sie ohne Beweise, aber im Brustton der Überzeugung von ihren Erlebnissen in einem Wurmloch berichtet - so ihr denn nicht die Worte ausgehen. (“They should have sent a poet.”) Oder war alles nur eine Täuschung? Hier gibt es für Buch-Kenner jedoch einen Wermutstropfen: Sagan hat seiner Botschaft noch einen Weiterdreh spendiert, der fast bis zum Gottesbeweis führt - im Film aber ärgerlicherweise ausgelassen wurde. Vielleicht war dies darin begründet, nicht noch einen dramaturgischen Bogen mehr schlagen zu müssen, vielleicht war es aber auch der Laufzeit des Films geschuldet. Schade ist es dennoch, dass Sagans Botschaft hier nur sehr rudimentär transportiert ist.

Zwischendurch gibt es immer wieder kurze, aber eindringliche Einsprengsel, die zeigen, wie die Menschheit mit der neugewonnenen Erkenntnis, dass dort draußen eben doch noch mehr Leben zu sein scheint, umgeht: Einige gründen eine Suizidsekte, andere küren die neue Miss Universum (deren Konkurrenz nun ungleich größer sein dürfte), und sogar eine handvoll Neonazis sind zu sehen. Einer der Momente dem düstersten Humor dürfte die Szene sein, die die Übertragung der Sportpalastrede Hitlers zeigt. Wenn dies tatsächlich das erste ist, was außerirdische Lebewesen von der Menschheit mitbekommen, kann man ihnen tatsächlich nicht verdenken, dass sie sich noch tunlichst von uns fernhalten.

Auch die Darstellung der Berichterstattung in den Medien selbst ist einen zweiten Blick wert: So sind zahlreiche Journalisten und Fernsehpersönlichkeiten zu sehen (unter ihnen Jay Leno und Larry King). Das Magazin Gizmodo hat die Rolle der Medien im Film besonders eindrucksvoll herausgearbeitet. Denn die Aliens selbst geraten in der Mitte des Films fast ins Hintertreffen, viel wichtiger ist Zemeckis hier eine gepfefferte Kritik an der Omnipräsenz von Kameras und Monitoren, und der damit verbundenen Bildersucht.

Außerdem wurden Reden vom damaligen Präsident Bill Clinton so zurechtgeschnitten, dass sie inhaltlich exakt zum Drehbuch passten. Nach der Veröffentlichung des Films gab es Beschwerden aus dem Weißen Haus, dass man die Zusammenstellungen der Clinton’schen Auftritte als inhaltlich verfälschend und “unangebracht” kritisierte. Das Drehbuch war jedoch vorher bereits von derselben Stelle abgesegnet worden, und Reden des Präsidentena sind ohnehin schon immer gemeinfrei. Man stelle sich vor, eine solche Diskussion mit dem aktuellen Präsidenten führen zu müssen.

Süßliche Sinnsuche mit Vorbildcharakter

Man kann Contact seine bisweilen leicht verkitschte Version von Akte-X- Mulders “Die Antwort ist irgendwo da draußen” durchaus als Plattitüde vorwerfen. Dass die bessere Antwort auf den Umgang mit neuen Bekanntschaften nicht Krieg, sondern Liebe sein sollte, ist auch beileibe keine neue Erkenntnis. Leider bleiben auch einige Figuren weitestgehend flach, allen voran ein massiv unterforderter John Hurt, und auch Matthew McConaugheys Figur des Priesters hätte deutlich mehr Tiefe vertragen können. Zwar werden seine Forschung und sein Kampf mit dem eigenen Glauben grob angerissen, bekommen aber nicht genug Platz eingeräumt, um tatsächlich wirken zu können.

Die bildgewaltige Darstellung und der wissenschaftliche Unterbau hingegen, den Contact fast mühelos liefert, kann sich auch heute noch sehen lassen. Und für die Darstellung des Wurmlochs musste nicht mal jemand ein Stück Papier mit einem Stift zerstechen. Nicht umsonst hat sich Christopher Nolan für sein Epos Interstellar (2014) massiv an der Optik und der verhandelten Themen der anderen Dimensionen bedient. Auch Denis Villeneuve hat sich einige Scheiben von Contact für seinen thematisch ähnlich angesiedelten Film Arrival (2016) abgeschnitten und entwickelt das Thema der Kontaktaufnahme durch andere Spezies in Richtung Linguistik weiter.

Fazit: Unterschätzter Wegbereiter

Contact dürfte also, noch lange vor Interstellar und Arrival, ein Wegbereiter für eine neue Art Science-Fiction gewesen sein: Eine, in der die Menschheit offensichtlich zwar technisch in der Lage ist, Reisen in andere Welten zu unternehmen, sich aber vor allem intellektuell noch nicht weit genug entwickelt hat, um tatsächlich in Austausch zu treten. Dies wird jedoch immer verknüpft mit der Hoffnung, dass die Menschen es in absehbarer Zeit sein werden.

Retro-Kiste zu Tremors – Im Land der Raketenwürmer

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Tremors - Im Land der Raketenwürmer Poster

Ein Autor sitzt während einer Drehpause mitten in der Wüste auf einem Felsen. Plötzlich kommt ihm der Gedanke, was wäre, wenn dort unten im Sand etwas auf ihn lauern würde und er den Stein nicht mehr verlassen könnte. Das hätte die Geburtsstunde eines billigen C-Movies wie Sand Sharks, welchen das berüchtigte Filmstudio The Asylum 2011 wirklich drehte, sein können. Der Mann auf dem Felsen hatte ein wenig mehr Talent. Aus seinem simplen Gedankenspiel entstand einer der unterhaltsamsten Monsterfilme: Tremors – im Land der Raketenwürmer.

S. S. Wilson (Nummer 5 lebt!), der in der Wüste an einen Lehrfilm für das US-Militär mitwirkte, arbeitete seine Idee später zusammen mit dem Autor Brent Maddock (Wild Wild West) zu einem fertigen Drehbuch aus. Sie holten den Regisseur Ron Underwood an Bord und waren selbst überrascht, als Universal Pictures ihrem Projekt nach mehreren Ablehnungen grünes Licht gab.

Im Tal der Raketenwürmer

Die beiden Gelegenheitsarbeiter Val McKee und Earl Bassett wollten das kleine Wüstendorf Perfection eigentlich gerade für immer verlassen. Doch am Ausgang des Tals entdecken sie einen Toten auf einem Strommast. So kehren die beiden mit dem Leichnam wieder nach Perfection zurück. Doch dort kann man die Polizei nicht verständigen, weil die Telefonleitungen kaputt sind.

Val und Earl müssen zudem feststellen, dass die einzige Straße aus dem Tal verschüttet ist. Nachdem sie weitere Tote entdecken, glauben die beiden zunächst, ein irrer Serienkiller triebe in der Wüste sein Unwesen – bis ein merkwürdiger Tentakel aus den Boden kommt und versucht, ihren Wagen festzuhalten.

Schließlich sitzen die beiden zusammen mit der angehenden Seismologin Rhonda auf einem Felsen in der Wüste fest, belauert von riesigen Würmern, die nur darauf warten, dass sie den Boden betreten. Niemand weiß, woher die Ungeheuer aus dem Untergrund stammen, aber die später Graboiden getauften Biester beginnen, die Bevölkerung des Tals zu dezimieren. Selbst Burt Gummer, der zusammen mit seiner Frau Heather sein Haus für den Dritten Weltkrieg ausgerüstet hat, kann sein Heim trotz aller Waffen auf Dauer nicht gegen die Würmer verteidigen.

"Für die ist das Tal ein langes Frühstücksbuffet."

Es gibt Horrorfilme, bei denen es dem Zuschauer egal ist, wen der Saurier, die Riesenspinne oder der Killerhai gerade frisst. Die Schauspieler sind in einigen Monsterstreifen nur Nebensachen – man wartet nur auf den nächsten Auftritt des Ungeheuers. Anders ist das, wenn es sich um ein unterirdisch lebendes Wurmmonster handelt. Der Darsteller auf der Leinwand muss dennoch glaubhaft rüberbringen, dass Bodenkontakt für ihn tödlich enden kann.

Ron Underwood hat das Glück, talentierte Hauptdarsteller für Tremors vor die Kamera zu bekommen. Allen voran Kevin Bacon in der Rolle des Val McKee. Seinen ersten großen Erfolg hatte Bacon 1984 mit dem Tanzfilm Footloose. Aber erst 1990 gelang ihm der Sprung in die erste Liga der Hollywood-Stars – was nicht an Tremors lag, sondern an dem im selben Jahr erschienen Thriller Flatliners.

Nachdem die Raketenwürmer im Kino für Schrecken sorgten, befürchtete Bacon zunächst seine Karriere sei aufgrund seiner Mitwirkung in dem Monsterfilm am Ende. Die Sorgen waren unnötig: In den nächsten Jahren spielte er unter anderen in den Blockbustern Apollo 13, Mystic River und X-Men: Erste Entscheidung mit. Später bezeichnete Bacon die Dreharbeiten zu Tremors als die lustigste Zeit seiner Filmkarriere.

Bacon kann in seiner Rolle nur so brillieren, weil das Zusammenspiel mit Fred Ward als Earl Bassett perfekt funktioniert. Ward war zuvor in einer Nebenrolle in Flucht von Alcatraz zu sehen und übernahm seine erste Hauptrolle in Timerider – Das Abenteuer des Lyle Swann. Nach Tremors spielte er wieder überwiegenden Nebenrollen zum Beispiel in Short Cuts.

Eine Ausnahme bildet Tremors 2 – Die Rückkehr der Raketenwürmer, in dem er seine Rolle als Earl Bassett wieder aufnimmt. Diesmal allerdings ohne Kevin Bacon an seiner Seite. Ward ist in der Fortsetzung nicht schlecht, aber mit seinem neuen Schauspielpartner kann er nie so richtig aufspielen, wie zusammen mit Bacon – bis Michael Gross seinen Auftritt in Tremors 2 hat.

Gross spielt in ersten Tremors-Film den Waffennarren und überzeugten Weltuntergangsfanatiker Burt Gummer. Er gehört im ersten Teil noch nicht zu den großen Stars des Films – aber die folgende Tremors-Reihe wäre ohne ihn nicht denkbar. Als einziger Darsteller der Originalbesetzung spielt er in allen bisherigen sechs Teilen mit.

Dabei war er zunächst für die Rolle gar nicht vorgesehen. Dem Drehbuchautor Brent Maddock zufolge, hätte er beim Schreiben von Burt Gummer immer Chuck Norris vor Augen gehabt. Auch Underwood hielt Michael Gross zunächst für eine Fehlbesetzung, weil sein Image aus der Sitcom Familienbande nicht zu den angelegten Waffennarren passen wollte. Der Regisseur lud ihn dennoch zum Vorsprechen ein und war anschließend aufgrund seiner Darbietung restlos von Gross überzeugt.

Die Studentin Rhonda wird von Finn Carter gespielt, für die der Monsterfilm den Höhepunkt ihrer Schauspielkarriere darstellt. Wie zuvor war sie auch danach nur in TV-Filmen und Serien zu sehen. Einige der anderen Schauspieler nahmen ihre Rollen in Tremors 3 – Die neue Brut, welcher wieder in Perfection spielt, erneut auf.

"Sehe ich vielleicht wie ein Wurmexperte aus?"

Für Ron Underwood war Tremors die erste Regiearbeit fürs Kino. Sein Durchbruch gelang ihm ein Jahr später mit der Komödie City Slickers – Die Großstadt-Helden. Mit Mein großer Freund Joe, einem Remake von Panik um King Kong (1949), drehte er noch einen weiteren Monsterfilm. Obwohl seine Kinokarriere vielversprechend begonnen hatte, endete sie 2002 mit seinem Film Pluto Nash – Im Kampf gegen die Mondmafia.

Der Science-Fiction-Film mit Eddie Murphy bekam weltweit miese Kritiken und brachte Underwood eine Nominierung als schlechtester Regisseur für eine Goldene Himbeere ein. Pluto Nash gilt als einer der größten Flops der Filmgeschichte und sorgte dafür, dass Underwood seitdem nur noch fürs Fernsehen arbeitet. So inszenierte er unter anderen mehrere Episoden der Serie Once Upon a Time. Sein Drehbuchautor S. S. Wilson blieb den Raketenwürmern hingegen treu und übernahm bei den ersten drei Fortsetzungen die Regie.

Auf dem Spielplatz der Raketenwürmer

Auch bei Tremors – Im Land der Raketenwürmer blieb der Erfolg an den Kinokassen zunächst aus. Doch in den Videotheken und auf dem VHS-Markt war der Horrorstreifen danach sehr erfolgreich. Für einen B-Monster-Movie besitzt der Film einen ziemlichen großen Bekanntheitsgrad. Die Raketenwürmer sind vielleicht nicht so berühmt wie King Kong oder Godzilla, aber Tremors ist nicht nur eingefleischten Genrefans ein Begriff. Dafür dürften auch die vielen Wiederholungen im deutschen Fernsehen gesorgt haben.

Der Film hatte während der Produktion unterschiedliche Arbeitstitel wie Beneath Perfection, Dead Silence oder Land Sharks. Schließlich entschied man sich für Tremors, was auf deutsch Beben oder Erschütterung bedeutet. Der deutsche Verleih brauchte offenbar etwas Griffigeres und brachte den Film unter dem Titel Im Land der Raketenwürmer hierzulande ins Kino.

Raketenwürmer? Über deutsche Übersetzungen englischer Filmtitel sollte man zu nicht lange nachdenken. Allzu viele Gedanken über die Herkunft dieser Raketenwürmer haben sich allerdings auch die Autoren nicht gemacht. Im Making of zu Tremors erklären sie, dass es in Hollywood-Filmen immer nur eine beschränkte Anzahl von Möglichkeit für den Ursprung solcher Ungeheuern gäbe: verstrahlte Mutationen, entflohenen Kreationen geheimer Militärexperimente, überlebende prähistorische Urzeitmonster oder außerirdische Wesen.

Statt eine dieser Möglichkeiten im Film ausführlich zu erklären, nutzt man die Zeit lieber sinnvoll für spannende Handlung. Kurz spielen Val, Earl und Rhonda die verschiedenen Optionen auf ihrem Felsenexil einmal durch – mehr Aufklärung zur Herkunft der Würmer bietet der Film nicht. Dennoch oder gerade deswegen funktioniert das Konzept mit der unterirdischen Bedrohung so gut.

Dies wird besonders deutlich, als Rhonda, Val, Earl und die restlichen Bewohner von Perfection auf den Dächern festsitzen und dringend einen Weg suchen, den riesigen Würmern im Boden zu entkommen. Das Szenario gleicht ein wenig dem Kinderspiel, wenn man früher auf dem Spielplatz nicht den Boden berühren durfte und trotzdem irgendwie von den Schaukeln zur Rutsche gelangen musste. Der Zuschauer fiebert mit und kann gleichzeitig überlegen, was er in dieser Situation machen würde.

Die Gebäude des Städtchens wurden extra für Tremors errichtet und so präpariert, dass die Dächer mehrfach in sich zusammen fallen konnten. In dem gesamten Film gibt es nur Innenaufnahmen von Walter Changs Laden sowie Burts und Heathers Waffenkeller zu sehen. Alle anderen Szenen wurden außen aufgenommen. Es wurde zudem überwiegend am Tag gedreht, was für ein Horrorfilm recht ungewöhnlich ist. Allerdings brauchen die Graboiden keine schützen Dunkelheit, um sich anzuschleichen, da sie unter der Erde sowie so nicht zu sehen sind.

Underwood wollte die Effekte so simpel wie möglich halten. Wie in jedem guten Horrorfilm treten die Monster gerade zu Beginn kaum direkt in Erscheinung. Der Zuschauer kann ihre Anwesenheit lediglich durch Staubfahnen oder wackelnde Zaunpfähle erahnen. Dann bekommt man die Würmer Stück für Stück zu sehen, erst ihre Tentakeln, ihre Mäuler und schließlich auch ein Tier in voller Länge.

Die Computertechnik war 1990 noch nicht soweit, und Underwood besaß nicht das Budget von Steven Spielberg, der drei Jahre später die Welt mit seinen CGI-Dinos begeisterte. Die Monster in Tremors sind zum Teil lebensgroße Attrappen. In einigen Szenen kommen auch Handpuppen zum Einsatz, die in Miniaturkulissen gefilmt wurden. Trotz der eingeschränkten technischen Mittel wirken die Effekte in Tremors stets überzeugend und handwerklich gut gemacht.

"Pech, wenn man sich ausgerechnet unseren Sportplatz zum Spielen aussucht!"

Wenn man in Tremors lachen muss, dann nie weil die Umsetzung der Kreaturen lächerlich wirkt. Da die Graboiden sich unterirdisch fortbewegen, geht die Spannung von den Figuren und ihren Ideen aus, wie sie sich gegen die Würmer zur Wehr setzen. Den Drehbuchautoren gelingt der Spagat zwischen Spannung und Humor recht gut. Im Unterschied zu anderen Monsterfilmen nehmen sie ihre Filmhandlung nicht zu ernst, lassen sie aber nie in reinen Klamauk abrutschen.

In den klassische Monsterfilmen der 50er-Jahre wurde durch eine äußere Bedrohung das US-Kleinstadtleben gestört, die Ordnung am Ende aber durch den Helden wieder hergestellt. In Perfection kann man nicht viel in Unordnung bringen. Das Städtchen hat selbst vor den Angriff der Raketenwürmer nur 14 Einwohner. Burt und Heather haben sich den Ort gerade wegen seiner Abgeschiedenheit als sicheres Domizil ausgesucht. Das Dorf scheint zwar irgendwie ganz liebenswert, er ist aber sehr weit vom Klischee des amerikanischen Traums entfernt.

Viel Futter bietet Perfection den Monsterwürmern nicht und so gibt es auch nicht allzu viele Tote zu sehen. Die gezeigte Gewalt im Film hält sich in Grenzen, auch wenn viel herum geballert wird und am Ende mehrere selbstgebaute Bomben zum Einsatz kommen. Dass der Film in den USA dennoch eine Rated-R-Freigabe bekam, liegt vorrangig an den ausgiebigen Flüchen, die vor allen Fred Wards Figur ständig von sich lässt. Tremors – im Land der Raketenwürmer ist aber kein Kinderfilm und die deutsche FSK16-Freigabe ist durchaus angemessen.

Ursprünglich unterschied sich das Ende leicht von der bekannten Abschlussszene. Wie Underwood im Making of berichtet, war das Testpublikum nicht zufrieden und verlangte im Kinosaal lautstark nach einer Änderung. Es ging nicht um gravierende Eingriffe in die Handlung. Am eigentlichen Schluss fährt Val zusammen mit Earl davon, ohne Rhonda seine Liebe gestanden zu haben. In der neuen Version bekommt das Testpublikum zu sehen, wonach es verlangt hat – einen Kuss zwischen Val und Rhonda.

"Ja, Burt wenn du dich aufregst, bekommst du einen Herzinfarkt, bevor du die Gelegenheit hattest, den Dritten Weltkrieg zu überleben."

Während die von Kevin Bacon und Finn Carter gespielten Figuren ihr verdientes Happy End genießen durften, war Michael Gross als Burt Gummer noch lange nicht mit den Raketenwürmern fertig. Zunächst trifft allerdings Earl wieder auf eine neue Graboiden-Brut in Mexiko. Fred Ward war 1996 der Star in Tremors 2 – Die Rückkehr der Raketenwürmer. Doch in der zweiten Hälfte des Films erhält er Unterstützung von seinem alten Kampfgefährten Burt Gummer.

Mit seinen wenigen Szenen im ersten Tremors-Film konnte Michael Gross die Fans überzeugen. Er war seitdem nicht mehr aus der Reihe wegzudenken und hatte sich ab dem dritten Teil als eigentliche Hauptfigur etabliert. Nicht nur bei den menschlichen Darstellern gab es Veränderungen, auch die Raketenwürmer entwickelten sich weiter. In Tremors 2 schlüpfen aus den Würmern zweibeinige Wesen, die ihre Opfer durch Infrarotsensoren ausmachen.

Der zweite Teil versucht noch, die Waage zwischen Spannung und Humor zu halten. Tremors 3 – Die neue Brut aus dem Jahr 2001 nimmt sich selbst nicht mehr wirklich ernst, und die fliegende Inkarnation der Würmer mit ihren Feuerfürzen kann man entweder super lustig oder total idiotisch finden. Drei Jahre später ist den Autoren noch einmal ein neuer Dreh eingefallen. Tremors 4 – Wie alles begann, spielt im Jahr 1889 und erzählt die Geschichte von Burts Vorfahren Hiram Gummer, der zunächst mit Feuerwaffen nichts anfangen kann, bis er auf die Raketenwürmer trifft.

Die weiteren Fortsetzungen verlegen die Handlung wieder in die Gegenwart, wechseln aber von dem Wüstenkaff Perfection nach Afrika (Tremors 5 – Blutlinien 2015) beziehungsweise in die Arktis (Tremors 6 – Ein kalter Tag in der Hölle 2018). Alle fünf bisherigen Fortsetzungen wurden direkt für den Videomarkt produziert. Michael Gross erklärte zuletzt in einem Interview, dass er durchaus für einen siebten Teil zur Verfügung stünde.

Eigentlich sollte nicht Gross als nächster gegen die Raketenwürmer antreten, sondern Kevin Bacon. Der Sender Syfy plante eine Tremors-Serie, die inhaltlich nur die Ereignisse aus dem ersten Film berücksichtigt hätte. Bacon sollte nach 27 Jahren wieder die Rolle des Val McKees schlüpfen und in Perfection erneut gegen die unterirdischen Monster antreten.

Aber der Sender setzte die Serie bereits vor der Ausstrahlung des bisher nicht veröffentlichten Pilotfilms wieder ab. Bereits 2003 produzierte der Sci-Fi-Channel eine Tremors-TV-Serie, welche wegen schlechter Einschaltquoten immerhin erst nach der ausgestrahlten ersten Staffel abgesetzt wurde. Im deutschen Fernsehen war diese Serie bislang nicht zu sehen.

Nicht alle Tremors-Filme kann man als rundum gelungen bezeichnen. Aber im ersten Teil passt alles zusammen. Die Hauptdarsteller können in ihren Rollen überzeugen und die Effekte sind einfach, aber selbst heute noch sehr gut anzuschauen. Vor allen durch die spannende und zugleich lustige Handlung setzt sich Tremors von vielen anderen Monsterstreifen ab. Es ist schon interessant, was für ein guter Film aus einer eigentlich recht absurden Grundidee entstanden ist – man muss den Drehbuchautoren nur lange genug in der Wüste auf einem Felsen warten lassen.

zusätzlicher Bildnachweis: 
© Universal Pictures/No Frills Film Production/Wilson-Maddock Production

Tremors - Im Land der Raketen-Würmer ≣ 1990 ≣ Trailer

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Retro-Kiste zu Prinz Eisenherz: Ein Wikinger zu sein bedeutet hier gar nichts

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Robert Wagner Sterling Hayden Brian Aherne Prinz Eisenherz

In der Netflix-Serie Briefe an den König muss ein junger Knappe am Abend seiner Ritterprüfung ins große Abenteuer aufbrechen. Im Trailer zu The Green Knight macht sich Sir Gawain von der legendären Tafelrunde auf die Suche nach einem mysteriösen Gegner. Beiden Produktionen greifen typische Themen des klassischen Ritterfilms auf.

Ein Genre, welches wie der Antikfilm seine Hochphase in den 50er Jahren hatte. Ähnlich dem Western hat sich der Ritterfilm in den kommenden Jahren stark gewandelt. Auch wenn sich nie ein eigenes Subgenre wie der Italowestern herausgebildet hat, sind die Protagonisten in den aktuellen Mittelalter- und Fantasy-Streifen oftmals weit von den strahlenden Helden der 50er Jahre entfernt – und nie waren die Ritter heroischer, edler und farbenfroher als in Henry Hathaways Prinz Eisenherz.

"Ich will dir sagen, was dieser Wikinger ist ... er ist ein Wikinger!"

Die bunte Welt, die der Regisseur auf die Leinwand zauberte, hat ihren Ursprung in der Comicvorlage des Autors und Zeichners Hal Foster. Der Kanadier begann seine Zeichenkarriere 1929 mit einer Comicadaption von Edgar Rice Burroughs Tarzan-Romanen. 1937 folgte dann die von Foster sowohl gezeichnet als auch geschriebene Serie Prince Valiant. Die Serie über den jungen Wikingerprinzen wurde ein großer Erfolg und erschien auch in Deutschland – zunächst unter dem Titel Prinz Waldemar und nach dem Zweiten Weltkrieg als Prinz Eisenherz.

Der Regisseur Henry Hathaway drehte im Laufe seiner Karriere viele Western (Der Marshal) sowie einigen Gangsterfilmen (Der Todeskuss), die man dem Film Noir zuordnen kann und die das komplette Gegenbild seines Ritterfilmes sind. Bei Prinz Eisenherz orientierte er sich optisch stark an der Vorlage – wenn es auch inhaltlich einige Abweichungen zu Fosters Comics gab.

Als 20th Century Fox sich 1953 die Rechte an den Prinz-Eisenherz-Comics sicherte, hatte Foster schon über 800 Sonntagsseiten mit dem Abenteuer seines Helden gefüllt. Genügend Material für einen abendfüllenden Spielfilm war also auf jeden Fall vorhanden. Aus den vorliegenden Comics suchte der Drehbuchautor Dudley Nichols (Menschenjagd) passende Szenen aus, die er zu einer verkürzten Geschichte rund um den jungen Prinzen verdichtete.

König Aguar von Thule (Donald Crisp) lebt, seitdem der Usurpator Sligon (Primo Carnera) ihm dem Thron raubte, im Exil in Britannien. Sein genauer Aufenthaltsort ist nur wenigen getreuen christlichen Wikinger bekannt, denn die heidnischen Schergen Sligons suchen Englands Küste nach der königlichen Familie ab.

Der Wikingerkönig schickt seinen Sohn, den jungen Prinz Eisenherz, nach Camelot. Dort am Hof von König Artus (Brian Aherne) und seinen Rittern der Tafelrunde soll Eisenherz zum Ritter ausgebildet werden. Doch auf der Reise beobachtet Eisenherz einen ganz in schwarz gerüsteten Krieger, der sich am Strand mit einer Gruppe feindlicher Wikinger trifft. Der junge Prinz wird entdeckt, kann den Häscher aber entkommen und trifft im Wald auf Sir Gawain, der ihn mit nach Camelot nimmt.

Dort berichtet Eisenherz König Artus von dem Schwarzen Ritter, der sich mit dem Wikinger gegen Camelot verbündet hat. Nicht alle Ritter schenken seinen Bericht glauben. Immerhin wird er von Sir Gawain als Knappe angenommen. Aber Eisenherz ist ungeduldig und folgt Sir Brack, als dieser sich im Auftrag der Tafelrunde auf die Suche nach dem geheimnisvollen Feind macht. Bei ihrem Erkundungsritt werden sie getrennt und Eisenherz gerät in einen Hinterhalt.

Schwer verwundet schafft er es in die Burg des Königs von Ord (Barry Jones). Dessen Tochter Aleta pflegt ihn gesund und die beiden verlieben sich ineinander. Gemeinsam mit König Ord und seinen beiden Töchtern reist Eisenherz zurück nach Camelot. Dort entstehen während eines Turniers Liebeswirren und Missverständnis zwischen Sir Gawain, Prinzessin Aleta, ihrer Schwester Ilene (Debra Paget) und Prinz Eisenherz.

Am Ende muss der junge Prinz sein Ehrenwort gegenüber König Artus brechen, um seinen Eltern zu helfen. Diese sind Sligon in die Hände gefallen und nach Thule verschleppt wurden. Auf der heimatlichen Burg kommt es zum Entscheidungskampf um den Thron. Siegreich kehrt Eisenherz nach Camelot zurück, um Artus und die anderen Ritter über die Identität des Verräters innerhalb der Tafelrunde aufzuklären und den Schurken zu stellen.

"Worte retten unseren König nicht!"

Für den damals noch unbekannten Robert Wagner war Prinz Eisenherz die erste Hauptrolle. Im Laufe seiner Karriere spielte er in vielen großen Filmproduktionen wie Der längste Tag oder Flammendes Inferno mit. Viele dürften den Schauspieler auch aus der TV-Serie Hart aber herzlich (1979–1984) kennen. Zuletzt war er 2017 in dem Science-Fiction-Filme What Happened to Monday? zu sehen. Um sich optisch der Comicvorlage anzunähern, trug Wagner während der Dreharbeiten eine Perücke in Form der typischen Prinz-Eisenherz-Frisur.

Sterling Hayden, der Sir Gawain spielt, ist eher für seine Auftritte in unterschiedlichen Gangsterthriller als für Abenteuerfilme bekannt. So war er in Asphalt-Dschungel von John Huston, Die Rechnung ging nicht auf von Stanley Kubrick, Der Pate von Francis Ford Coppola und Der Tod kennt keine Wiederkehr von Robert Altman zu sehen.

Neben Gawain kommt Ritter Brack eine tragende Rolle in Prinz Eisenherz zu. Dieser wird von James Mason verkörpert, der im Laufe seiner Karriere in Der Untergang des Römischen Reiches, Die Reise zum Mittelpunkt der Erde, 20.000 Meilen unter dem Meer, Der unsichtbare Dritte oder Brennen muss Salem sowohl Helden als auch Schurken darstellte.

In der weiblichen Hauptrolle ist Janet Leigh zu sehen. In Vergleich zu modernen Frauenfiguren ist sie als Prinzessin Aleta darauf beschränkt den männlichen Helden gesund zu pflegen, ihn anzuhimmeln und sich am Ende von ihm retten zu lassen. Ähnliche Rolle übernahm sie in Der eiserne Ritter von Falworth und Die Wikinger. Weltweit bekannt wurde Leigh aber wenige Jahre später durch die berühmte Duschszene in Alfred Hitchcocks Thriller Psycho.

"Woraus braut ihr das Zeug zusammen, aus frischen Kröten?"

Am Anfang der Blütezeit des Hollywood-Ritterfilms stand Ivanhoe, der schwarze Ritter, welchen Richard Thorpe 1952 für das Filmstudio Metro-Goldwyn-Mayer inszenierte. Ein Jahr später drehte er wieder für Metro-Goldwyn-Mayer Die Ritter der Tafelrunde. Zusammen mit Prinz Eisenherz gehören die beiden Produktionen zu den erfolgreichsten und stilbildenden Ritterfilmen der 50er Jahre. Es folgte eine Welle von weiteren Mittelalterstreifen, zu denen auch Hammer Films eine Reihe günstig produzierter Robin-Hood-Filme beisteuerte.

Prinz Eisenherz war nicht der erste Film, in denen Artus und seine Ritter der Tafelrunde ihren Auftritt hatten. Die ersten Adaptionen der klassischen Sage gab es schon zur Ära des Stummfilms und auch in den 50er Jahren war das Interesse an den mythischen Helden nicht abgeklungen, wie der 1953 erschienen Film Die Ritter der Tafelrunde zeigt.

In Prinz Eisenherz haben neben Sir Gawain und König Artus auch Königin Guinevere, Sir Lancelot sowie Sir Galahad sehr kurze Auftritte. Andere Figuren wie Merlin, der in Fosters Comics durchaus eine Rolle spielt, fehlen komplett. Die Artus-Saga bildet in den Film nur eine Staffage – immerhin durfte der Schauspieler Brian Aherne 1963 für den Film Lancelot, der verwegene Ritter noch mal in die Rolle des Königs Artus schlüpfen.

Für die dramatischen Ereignisse rund um Lancelot, Guinevere und Artus hätte Prinz Eisenherz auch die falsche Tonlage. Selbst die Comicvorlage wurde von Hathaway und seinem Drehbuchautoren Dudley Nichols abgemildert. So wartet am Ende des Films auf Prinzessin Ilene nicht der Tod, sondern ihr Liebesglück.

Schon die Filmmusik von Prinz Eisenherz ist stets heiter und selbst in spannenden Szenen immer abenteuerlich beschwingt. Man bekommt viele grüne Wiesen, lichte Wälder sowie schöne schottische, englische und walisische Burgen zu sehen – nur die Festung in Thule wirkt im Vergleich etwas düsterer. Ansonsten sind die Menschen in farbige Gewänder gekleidet und besonders die Turnierszene besticht durch ein Farbenmeer aus bunten Fahnen und Zelten.

Die farbenfrohen Kulissen und schönen Landschaftsaufnahmen waren ideal für die damals neue CinemaScope-Breitwandtechnik. So konnte sich Prinz Eisenherz von der Konkurrenz des aufkommenden Fernsehens absetzen. Der Film wurde ein großer Erfolg, zu dem die Popularität der Comicvorlage sicher beigetragen hat. Nach der Verfilmung stieg aber auch der Absatz der Zeitungen mit Fosters Rittergeschichten weiter an.

Foster arbeitete noch bis 1971 an der Comicreihe, danach übergab er seine Serie an andere Autoren und Zeichner, welche die Geschichten rund um Prinz Eisenherz bis heute fortsetzen. Kinder der 90er Jahre kennen sicher die Trickfilmserie Die Legende von Prinz Eisenherz, welche ebenfalls auf den Comics basiert. 1997 gab es eine weitere Realverfilmung von Anthony Hickox, die aber den Charme der Comics und der Adaption aus dem Jahr 1954 nicht erreicht.

"Sei immer stolz, dass du ein Wikinger bist, aber verschweige es bist du Camelot erreicht hast."

Wer auf der Suche nach abenteuerlicher Ablenkung ist, liegt mit Prinz Eisenherz genau richtig. Der Zuschauer kann sich zurücklehnen und in eine farbenfrohe optimistische Welt eintauchen. Der Film hat nichts mit der Realität und dem vergangenen oft schmutzigen und düsteren Mittelalter zu tun – auch die Pest wird mit keinem Wort erwähnt.

Nimmt man das Frauenbild einmal aus, ist der Film auf eine angenehme Art altmodisch. Auf übertriebene Gewaltdarstellung wird komplett verzichtet. Prinz Eisenherz nimmt das Publikum mit in eine Zeit – die es so nie gab – in der Ritter noch unerschrocken, heldenhaft und edel und Schurken intrigant, fies aber noch nicht völlig verdorben waren.

zusätzlicher Bildnachweis: 
© 20th Century Fox

Prince Valiant - Official DVD Trailer

Retro-Kiste: Herrschaft des Verbrechens – Das Testament des Dr. Mabuse

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Oscar Beregi Sr. Rudolf Klein-Rogge Das Testament des Dr. Mabuse

Helden brauchen Gegenspieler: Was wäre Sherlock Holmes ohne Professor Moriaty, Superman ohne Lex Luthor oder Harry Potter ohne Voldemort? Manchmal tritt der Schurke auch aus den Schatten des Helden hinaus – wie 2019 der Joker, dessen Solofilm fast ohne Batman beziehungsweise Bruce Wayne auskam. Und dann gibt es in der Popkultur auch Bösewichte, die größer sind als ihre direkten Gegenspieler auf der Seite des Guten. Staatsanwalt von Wenk oder Inspektor Lohmann werden den wenigsten etwas sagen – aber die meisten haben zumindest den Namen Mabuse schon einmal gehört.

Dr. Mabuse ist die Titelfigur mehrerer Romane und Filme. 1921 wurde der Roman Dr. Mabuse, der Spieler von Norbert Jacques als Fortsetzung in der Berliner Illustrierten Zeitung abgedruckt. Bereits ein Jahr später, nur wenige Monate nachdem der letzte Teil der Geschichte in der Zeitschrift veröffentlicht worden war, kam die zweiteilige Verfilmung von Fritz Lang in die Kinos. Die beiden Stummfilme waren für den Regisseur ein großer Erfolg. Aber erst elf Jahre später griff Lang das Thema wieder auf und drehte mit dem Tonfilm Das Testament des Dr. Mabuse eine direkte Fortsetzung seines Stummfilmklassikers.

Das Testament des Dr. Mabuse ist ein Thriller, der auch heute noch sehr interessant ist. Zum einem als Spiegel seiner Entstehungszeit im Jahr 1933. Aber auch als ein früher Vertreter des Thrillergenres, welcher viele Standards einführte, vor übersinnlichen Elementen nicht zurück schreckte und den Mythos Mabuse in die Ära des Tonfilms rettete.

Wahnsinn und Wirtschaftskrise

Man kann sich Das Testament des Dr. Mabuse ansehen, ohne die beiden vorangegangenen Stummfilme zu kennen. Die Vorgeschichte wird in der Fortsetzung geschickt zusammengefasst. Der Psychiater Professor Baum (Oscar Beregi Sr.) referiert gleich zu Beginn vor Studenten über den Fall Mabuse. Der einstige Superverbrecher sitzt mittlerweile in einer geschlossenen Abteilung einer Psychiatrie.

Während der Inflation in den frühen 20er-Jahren verübte Mabuse mit seiner Bande mehrere Raubüberfälle, Morde und Entführungen. In unterschiedlichen Verkleidungen machte sich der Doktor mit seinen übernatürlichen Hypnosekräften mehrere Menschen gefügig, die er zur Durchführung seiner verbrecherischen Pläne brauchte. Es gelingt dem Staatsanwalt von Wenk schließlich, Mabuse zu fassen, als dieser in seiner eigenen Falschgelddruckerei dem Wahnsinn verfällt.

Das Testament des Dr. Mabuse beginnt wieder in einer Falschgelddruckerei. Der aus dem Dienst entlassenen Polizist Hofmeister (Karl Meixner) will sich reinwaschen und die wahren Täter der Verbrechen finden, deren er fälschlicherweise beschuldigt wird. Dabei kommt er einer großen Verschwörung auf die Spur. Aber bevor er seinem ehemaligen Vorgesetzten Inspektor Lohmann (Otto Wernicke) davon berichten kann, wird auch er wahnsinnig.

Lohmann nimmt die Ermittlungen auf. Sein einziger Hinweis ist ein Name, den Hofmeister in die Scheibe ritzte: Mabuse. Aber der sitzt seit mehreren Jahren in der psychiatrischen Anstalt von Dr. Baum, spricht kein einziges Wort und kritzelt unentwegt Blätter mit scheinbar wirren Schriften voll. Die Polizei ist ratlos. Wer ist der Anführer der Verbrecherbande, der Hofmeister auf der Spur war? Derweilen häufen sich mysteriöse Einbrüche, Erpressungen und Attentate.

Aber auch die Mitglieder der Verbrecherbande wissen nicht, wer der Kopf hinter all den Aktionen ist, und fragen sich selbst, welchen Sinn dessen Pläne haben. Erst der ehemaligen Häftling Thomas Kent (Gustav Diessl), der wegen seiner Geliebten Lilli (Wera Liessem) aus der Gangsterbande aussteigen will, gibt Inspektor Lohmann den entscheidenden Hinweis. Alle Spuren führen zu Klinik von Professor Baum, in welcher der wahnsinnige Dr. Mabuse gerade in seiner Zelle verstorben ist.

"Ich denke, Sie stellen zu viele Fragen. Dem Chef gefällt das nicht."

Hinter dem Erfolg der Mabuse-Filme stehen drei Namen: Der Schriftsteller Norbert Jacques, der Regisseur Fritz Lang und die Drehbuchautorin Thea von Harbou. Am bekanntesten dürfte heute noch Fritz Lang durch den Science-Fiction-Klassiker Metropolis (1927) und seinem ersten Tonfilm M – eine Stadt sucht einen Mörder (1931) sein.

Seine Regiekarriere begann der Österreicher 1919 mit dem heute verschollenen Stummfilmdrama Halbblut. Zu seinen weiteren früheren Werken zählt die zweiteilige Verfilmung der Nibelungensage (1924) sowie Die Frau im Mond (1929). Noch 1933 verließ Lang Deutschland und drehte später in den USA mehrere Krimis, die man dem Film noir zuordnen kann, sowie die Anti-Nazi-Filme Menschenjagd (1942) und Auch Henker sterben (1943).

Im Gegensatz zu Lang dürfte der luxemburgische Autor Norbert Jacques und eigentliche Schöpfer des Dr. Mabuses heute weitestgehend vergessen sein. Jacques arbeitete zunächst als Journalist und veröffentlichte im Laufe seines Lebens viele Romane, von denen heute nur noch Dr. Mabuse, der Spieler und die Romanvorlage für den zweiten Film Dr. Mabuses letztes Spiel (1932) bekannt sein dürften. Auch die drei zum Teil nur in Fragmenten gebliebene Erzählungen Ingenieur Mars, Mabuses Kolonie und Chemiker Null beinhalten Auftritte oder Erwähnungen Mabuses.

Die Autorin Thea von Harbou schrieb Romane (Das indische Grabmal), viele Drehbücher und inszenierte 1934 auch zwei Filme selbst. Ihre Vorlagen wurden unter anderen von dem Regisseur Friedrich Wilhelm Murnau verfilmt – zu ihren großen Erfolgen zählen vor allem die von Lang inszenierten Filme Der müde Tod, Die Nibelungen, Metropolis, Die Frau im Mond und die Mabuse-Filme. Im Gegensatz zu ihren zeitweiligen Lebensgefährten Fritz Lang blieb Harbou nach 1933 in Deutschland und verfasste bis zum Kriegsende noch viele weitere Filmstoffe.

Die Titelrolle in Das Testament des Dr. Mabuse wurde wie schon wie in Dr. Mabuse, der Spieler von Rudolf Klein-Rogge übernommen. Der Schauspieler war unter anderen in den Stummfilmklassiker Das Cabinet des Dr. Caligari, Metropolis und Die Nibelungen zu sehen. Im Gegensatz zu den ersten Mabuse-Film ist Klein-Rogge schauspielerisches Talent nur bedingt gefragt. Obwohl Das Testament des Dr. Mabuse ein Tonfilm ist, hört man Klein-Rogge als Mabuse nur kurz in der zweiten Filmhälfte. Allerdings schafft er es, lediglich mit seinen irren Blicken eine schaurige Stimmung zu erzeugen.

Sein Gegenspieler Inspektor Lohmann spielt Otto Wernicke, welcher in derselben Rolle bereits in Langs Kriminalfilm M - Eine Stadt sucht einen Mörder zu sehen war. Wernicke verkörpert den Inspektor polternd und rau, aber im Grunde als gutmütigen Polizisten.

Eine weitere Hauptrolle übernimmt Gustav Diessl (Die weiße Hölle vom Piz Palü) als geläuterte Ganove Thomas Kent. Anfangs ist seine Figur noch von echter Verzweiflung über die Ungerechtigkeiten des Wirtschaftssystems gezeichnet. Später erstrahlt Diessel dann als Allerwelts- Held, der als Identifikationsfigur für das Publikum dient.

Theo Lingen spielt den Kleinganoven Karetzky. Diese Rolle verkörperte auch er schon in M – Eine Stadt sucht einen Mörder. Heute kennt man Lingen eher aus Komödien wie Die Lümmel von der ersten Bank (1968). Auch in Das Testament des Dr. Mabuse tritt seine Figur in den eher komischen Szenen auf.

Fritz Lang sprach fließend Französisch und so drehte er gleichzeitig eine französischsprachige Version seiner Mabuse-Fortsetzung. Die deutschen Schauspieler, welche des Französischen nicht mächtig waren, wurden bis auf Rudolf Klein-Rogge durch Franzosen ersetzt. Die wenigen Mabuse-Dialoge wurden synchronisiert.

Fantômas, Caligari und Mabuse

Norbert Jacques hat mit Dr. Mabuse einen modernen Prototypen des Superschurken geschaffen. Er war zu seiner Zeit aber nicht der Erste. Bereits 1911 erschien in französischen Zeitungen die ersten Geschichten über den genialen Verbrecher Fantômas von Pierre Souvestre und Marcel Allain. Auch Sax Rohmer steuerte ab 1913 mit Dr. Fu Manchu mehrere Romane zum Thema bei.

1920 sorgte bereits ein anderer Doktor mit hypnotischen Kräften im Kino für grauenvolle Spannung. Robert Wienes expressionistischer Film Das Cabinet des Dr. Caligari dürfte sicher großen Einfluss auf Langs Film gehabt haben. Allerdings verzichtete Lang bei seinen Mabuse-Filmen weitestgehend auf künstlerisch verfremdete Kulissen. In Das Testament des Dr. Mabuse sind sie nur noch in den Wahnvorstellungen Hofmeister zu finden.

Anfang der 30er Jahre kamen auch die beiden Edgar-Wallace-Verfilmungen Der Zinker und Der Hexer von Carl Lamac in die Kinos. Sie weisen ebenfalls thematische Überschneidungen zu Langs Gangsterfilm auf. Sein Film unterscheidet sich in der Herangehensweise von anderen Kriminalfilmen des Jahrzehnts. Schon mit Metropolis hatte er bewiesen, dass er nicht vor aufwendigen Produktionen zurückschreckt – und auch ein großes Filmstudio wie die Ufa in erhebliche finanzielle Schwierigkeiten bringen konnte.

In seinen Thrillern gab es schon zu Stummfilmzeiten aufwendige Autoverfolgungsjagden, Schießereien und Explosionen. Diese finden sich auch in Das Testament des Dr. Mabuse wieder. Vieles, was uns heute abgegriffen vorkommt, war damals für das Publikum neu. Zum Beispiel die Szene, in der Kent und seine Freundin Lilli in einem Zimmer gefangen sind, welches langsam mit Wasser vollzulaufen droht.

Lang spielt immer wieder mit den neuen Möglichkeiten des Tonfilms. Zu Beginn des Films sind die Maschinen in der Gelddruckerei so laut, dass man die Gespräche der dort tätigen Verbrecher nicht verstehen kann. Dem Zuschauer geht es so wie dem versteckten Hofmeister, der versucht die Ganoven zu belauschen. Auch bei den Übergängen zwischen den einzelnen Szenen spielt der Regisseur mit dem Ton. So verwandelt sich das Ticken einer Bombe nach der Überblende in das Schlagen eines Löffels auf ein Frühstücksei.

Das Testament des Dr. Mabuse ist zwischen Krimi und Horrorfilm angesiedelt. Eine zentrale Rolle spielt immer noch die Hypnose, welche keine Heilung bringt, sondern krankhaften Wahn auslöst. Daneben gibt es noch ein scheinbar fantastisches Element. Bei der gezeigten Geistererscheinung wird nicht klar, ob es sich um eine Wahnvorstellung oder den wahren Geist Mabuses handelt. Klar in der Realität verankert ist aber die Grundlage der Geschichte. Norbert Jacques sammelte für seine Romane Zeitungsartikeln, die er dann zu modernen Märchen um einen genialen Superschurken verdichtet. Auch Lang griff in sein Film die politische Situation in Deutschland auf.

In Dr. Mabuse, der Spieler waren es die Wirren der Inflationszeit der 20er-Jahre, in Das Testament des Dr. Mabuse die Folgen der Wirtschaftskrise von 1929. Es ist die anhaltende Arbeitslosigkeit, welche den Helden Kent ins Verbrechen führt. Geändert hat sich die Motivation Mabuses für seine Verbrechen. 1922 wollte er mit seinen Überfällen und Mordanschlägen Reichtum und Macht erlangen. 1933 genügt dem wahnsinnigen Verbrecher der Terror als Selbstzweck, wenn so der Staat ins Chaos versinkt.

Herrschaft des Verbrechens

Das Interessante an Fritz Langs zweiten Mabuse-Film ist das Veröffentlichungsjahr. Der Film wurde kurz vor der Machtübernahme der Nazis fertig. So finden sich in Das Testament des Dr. Mabuse inhaltliche Bezüge zur Weltwirtschaftskrise von 1929 genauso wie zum aufkommender Nationalsozialismus. Auch wenn man heute diese indirekten Verweise leicht übersieht, nahmen die neuen Machthaber in Deutschland die Parallelen zwischen den Terrorplänen Mabuses und ihren eigenen Weg an die Macht durchaus war.

Die gezeigte Herrschaft des Verbrechens war Joseph Goebbels, der viele vorherige Filme Langs schätzte, zu viel. Der Reichspropagandaminister ließ den Film am 29. März 1933 verbieten. So hatte der Thriller knapp einem Monat später seine Uraufführung in Budapest. Im selben Jahr war er in den österreichischen Kinos und 1934 in den USA zu sehen. In Deutschland hingegen kam der Film erst sechs Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs erstmals in den Kinos.

Ob Fritz Lang die Bezüge zum Nationalsozialismus bewusst eingebaut hat, wie er es später immer behauptete, oder dies der Tatsache geschuldet ist, dass sowohl Lang als auch Jacques sich von der aktuellen politischen Nachrichtenlage der 30er- Jahre inspirieren ließen, ist heute nicht mehr genau nachzuweisen. Für den Regisseur blieb Das Testament des Dr. Mabuse sein vorerst letzter Film in Deutschland. Kurz nach dem Verbot reiste er zunächst nach Frankreich und dann weiter in die USA.

Für seine Lebensgefährtin Thea von Harbou und die meisten Schauspieler bedeutet die Mitwirkung in dem nun verbotenen Kinofilm jedoch keinen Einschnitt in ihren Karrieren. Die meisten spielten in den kommenden beiden Jahrzehnten noch in vielen deutschen Produktionen mit – einige waren sogar in den Propagandastreifen Hitlerjunge Quex (1933), S.A. Mann Brand (1936) und Kolberg (1945) zu sehen.

Dr. Mabuse und die Folgen

In den 50er-Jahren kehrte Fritz Lang nach Deutschland zurück und inszenierte für den Produzenten Artur Brauner ein Remake der beiden Abenteuerfilme Das Indische Grabmal und Der Tiger von Eschnapur. Brauners Firma Berliner CCC hatte sich 1953 von Norbert Jacques die Rechte an der Figur Dr. Mabuse gesichert. Obwohl es zwischen dem Produzenten und dem Regisseur zu Streit gekommen war, bat Brauner Lang, einen weiteren Mabuse-Film für ihn zu drehen.

Dieser sagte zu und inszenierte 1960 Die 1000 Augen des Dr. Mabuse. Die Handlung basiert lose auf den Roman Mr. Tott kauf 1000 Augen des polnischen Autors Jean Forge. Der Film setzt die Handlung des Vorgängers von 1933 nicht fort. Hier hat sich Mabuse in einem Hotel eingerichtet und manipuliert wie gewohnt die Menschen mit seinen hypnotischen Kräften. Allerdings bedient er sich auch neuester Technik und hat das gesamte Gebäude mit Überwachungskameras ausgestattet.

Für Lang war es seine letzte große Regiearbeit, obwohl Die 1000 Augen des Dr. Mabuse der Startschuss für die Mabuse-Reihe der 60er-Jahre war. Zwischen 1961 bis 1964 folgten fünf weitere Mabuse-Filme. Die Reihe verdankte ihren Erfolg den zeitgleich entstandenen Edgar-Wallace-Filmen. Bei Im Stahlnetz des Dr. Mabuse (1961) und Die unsichtbaren Krallen des Dr. Mabuse (1962) führte dann auch der Wallace-erprobte Harald Reinl (Der Frosch mit der Maske) die Regie.

Dann folgte ein Remake von Das Testament des Dr. Mabuse (1962), in dem Gert Fröbe (James Bond: Goldfinger) die Rolle des Inspektor Lohmanns übernahm. Fröbe war bereits als ermittelnder Polizist mit anderen Figurennamen in die Die 1000 Augen des Dr. Mabuse zu sehen. Die Neuverfilmung ist im direkten Vergleich zum Original wenig originell und bietet keine neuen modernen Ansätze. Es folgten noch die routiniert herunter gedrehten Fortsetzungen Scotland Yard jagt Dr. Mabuse (1963) und Die Todesstrahlen des Dr. Mabuse (1964), die billigen James-Bond-Kopien ähneln und mit den ursprünglichen Mabuse-Filmen wenig zu tun haben.

Obwohl es 1971 (Dr. M schlägt zu) und 1989 (Dr. M) zwei weitere filmische Variationen des Mabuse-Themas gab, geriet Dr. Mabuse in Vergessenheit. Auch wenn heute nur wenige Menschen die Filme kennen, geistert der Name Mabuse immer noch durch die Popkultur.

Band 55 (Hörspielfolge 74) der Serie TKKG enthält im Titel eine Anspielung auf den vergessenen Superverbrecher. "Im Schattenreich des Dr. Mubase" handelt von um Doping- und Drogenmissbrauch in der Privatklinik eines geheimnisvollen Arztes. Außerdem erschien zwischen 2000 und 2001 die sechsteilige Comic-Reihe Mabuse von Isabel Kreitz, Eckart Breitschuh und Stefan Dinter, welche die Handlung frei nach Norbert Jacques ins Jahr 1998 verlegte.

"Hier hat ein kleiner Kriminalkommissar nichts mehr zu suchen."

Wenn man sich Das Testament des Dr. Mabuse heute anschaut, sollte man nicht erwarten, dass der Film dem gewohnten Bild der heutigen Actionthriller entspricht. Trotzdem ist Langs Werk kein verstaubter Klassiker, der nur noch aufgrund seines Entstehungsjahres für Historiker interessant ist. Losgelöst von dem durchaus wissenswerten geschichtlichen Hintergrund kann der Film auch heute noch sein Publikum mit einer spannenden Krimihandlung fesseln. Die schwarzweiß Bilder entfalten oft eine unheimliche Wirkung, die man bei manchen modernen Thrillern vergeblich sucht.

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© Nero-Film AG/Universum Film/Atlas Film

Mabuse trailer

Retro-Kiste: Der schwarze Incal – Die Comicserie John Difool

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John Difool Der schwarze Incal

Wenn man an frankobelgische Comics denkt, kommen vielen sicher zuerst Asterix, Tim und Struppi, Die Schlümpfe, Lucky Luke oder Spirou und Fantasio in den Kopf. Aber auch jenseits der bekannten Funny-Klassiker gibt es viele französische und belgische Alben mit ernsteren, düsteren und fantastischen Ansätzen, welche sich an ein erwachsenes Publikum richten.

Zu nennen wären hier zum Beispiel Thorgal von Jean van Hamme und Grzegorz Rosiński, Jeremiah von Hermann oder Auf der Suche nach dem Vogel der Zeit von Serge Le Tendre und Régis Loisel – und natürlich die beeindruckende Space Opera von Alejandro Jodorowsky und Moebius rund um den Detektiv John Difool und dem magischen Incal.

Der erste Band der Incal-Serie beginnt mit einem Sturz. John Difool fällt mehrere Etagen einer unterirdisch angelegten Metropole hinab. Sein Fall wird nicht mit dem Aufprall auf den Boden enden, denn die Zukunftsstadt wurde direkt über einem Säuresee errichtet. Natürlich wird John Difool in letzter Sekunde gerettet. Auf dem Revier erklärt der Privatdetektiv der Klasse R anschließend den Roboterpolizisten, dass er keine Ahnung habe, warum ihn die grün maskierten Gestalten in den Abgrund geworfen haben.

Der Leser erfährt allerdings kurz darauf, dass es um das Erinnerungsvermögen Difools besser gestellt ist, als gedacht, und er sich bei seiner Aussage nicht an die Wahrheit gehalten hat. In einem Rückblick sieht man, wie der Privatdetektiv den Auftrag einer reichen Klientin übernimmt, diesen aber anschließend gründlich vermasselt. Auf der Flucht vor einem Humanoiden mit Hundekopf trifft er auf einen roten Mutanten, der im Sterben liegt. Dieser vertraut Difool den geheimnisvollen Incal an.

"Ich bin Privatdetektiv der Klasse R und Gerechtigkeit ist nicht mein Problem."

Ab diesem Zeitpunkt machen mehrere Gruppen Jagd auf den Privatdetektiven und seine treue Betonmöve Dipo, die wegen dem Incal plötzlich munter vor sich hinplappert. Die Terroristen von Amok, die Wachen des Präsidenten, die roten Müllmutanten, die außerirdischen Berks und der berühmt berüchtigte Metabaron wollen ihm dem Incal abnehmen.

Wider allen Erwartungen können Difool und Dipo all ihren Verfolgern entkommen, nur um in Technotown in die Fänge des düsteren Technopapstes zu geraten. Dieser will mit Hilfe des Incals die Finsternis über das gesamte Universum heraufbeschwören. In der unterirdischen Stadt kommt es zum Aufstand und schließlich muss John Difool mit ehemaligen Feinden und neuen Verbündeten ins Erdinnere fliehen, wo sich die Macht des Incals erst richtig entfaltet.

Die ersten zwei Bände "Der schwarze Incal" und "Der Incal des Lichts" spielen auf dem Planeten Terra 21. Erst im dritten Band "In tiefsten Tiefen" entfaltet die Serie ihre wahre kosmische Größe. In der sechsteiligen Comicserie von Autor Alejandro Jodorowsky und Zeichner Moebius geht es nicht nur um einen Aufstand gegen einen tyrannischen Präsidenten in einer futuristischen Untergrundstadt, sondern um den kosmischen Kampf des Lichts gegen die ewige Finsternis.

Jodorowsky tischt dabei viele fantastische Ideen auf, welche sein Zeichner Moebius gekonnt in Szene setzt. Neben den erwähnten Roboterpolizisten, Hundemenschen, Müllmutanten und Aliens trifft man auf Psycho-Ratten, insektoide Techno-Monster, mutierte Weltraummedusen und die weise zweigeschlechtliche Imperiatricia, welche das menschlich besiedelte Universums beherrscht. Der Leser reist dabei von unterirdischen Kristallwäldern, zu Wasserplaneten, monströsen Kampfstationen und der fremdartigen Heimatwelt der Berks.

Der chilenischer Autor und Regisseur Alejandro Jodorowsky wurde neben seiner Arbeit an der Comicserie John Difool durch seinen Versuch, den Roman Der Wüstenplanet von Frank Herbert zu verfilmen, bekannt. Bei diesem Projekt lernte er auch den Comiczeichner Moebius kennen.

Moebius ist das Pseudonym des französischen Künstlers Jean Giraud, der unter seinem richtigen Namen unter anderen die Westernreihe Leutnant Blueberry zeichnete. Sein Pseudonym verwendete er bei all seinen Science-Fiction-Projekten. So erschienen unter dem Namen Moebius die Comics Arzach, Die hermetische Garage, Der Mann von der Ciguri, die Sternenwanderer-Reihe sowie die sechsbändige Saga um den Privatdetektiv John Difool. 1988 veröffentlichte der US-Verlag Marvel zudem ein von Moebius gezeichnetes Abenteuer des Silver Surfers.

Moebius beziehungsweise Jean Giraud arbeitete auch öfters an Filmprojekte wie Alien, Tron, Masters of the Universe, Willow oder Das fünfte Element mit. Seine erste Arbeit für die Filmindustrie war aber der nie verwirklichte Dune-Film von Jodorowsky.

Einige ihrer Ideen des gescheiterten Filmprojektes ließen sie in ihre gemeinsame Comicserie John Difool einfließen, welche zwischen 1981 und 1988 in Frankreich erschien. Dies merkt man den Comics auch an. Bei John Difool handelt sich nicht um Hard-Science-Fiction, sondern um eine barocke Space Opera mit esoterischen Fantasyelementen. Im Mittelpunkt steht der Kampf Gut gegen Böse – was nicht heißt, dass es in der Geschichte immer ernst zugehen muss. Man schaue sich nur John Difools Rückkehr zum Planeten der Berk im sechsten Band an.

"Und benehmt euch endlich wie echte Berk-Helden!"

Jodorowsky hat eine Vielzahl an lebendigen Figuren geschaffen. Neben den Titelhelden sticht hier vor allen der Metabaron heraus. Der einsame Krieger mit dem strengen Ehrenkodex erinnert stark an die Figur Duncan Idaho aus Herberts Roman Der Wüstenplanet. Aber auch kleinere Nebenrollen erhalten in den Comics ihren großen Auftritt. Während im fünften Band im Hintergrund der Kampf der Helden um die Kampfstation des Technopapstes tobt, spielt sich im Vordergrund die dramatische Rache des Kanzlers Graufeld am neuen Ratsführer Horlog ab.

Dies alles wird von Moebius gekonnt in Szene gesetzt. Er schafft es, fremdartige Unterwasserwelten genauso glaubhaft aufs Papier zu bringen wie futuristische Weltraumstationen. Der zeichnerische Höhepunkt der Comicserie befindet sich aber gleich zu Beginn: John Difools Sturz in die Selbstmord Allee der unterirdischen Stadt hinab. Auf einem ganzseitigen Bild sieht man die unterirdischen Häuserschluchten in ihrer opulenten Vielfalt.

Die Architektur stellt eine bunte Mischung aus antiken, barocken und modernen Elementen dar. Die Stadt wirkt, als hätte man das alte Forum Romanum, die Dresdner Altstadt und die Betonhochhäuser der Pariser Banlieues in einem Mixer geworfen und das Ergebnis dann unter der Erde verbuddelt.

Der gelungenen zeichnerisch Beginn der Serie, bedeutet aber nicht, dass die weiteren Bände sich nicht sehen lassen könnten. Moebius hat mit der John-Difool-Reihe Maßstäbe in der frankobelgischen Comicwelt gesetzt und seine Arbeit an Marvels Silver Surfer zeigt, dass sein Schaffen auch in den USA wahrgenommen wurde. Auch heute dient das Werk des 2012 verstorbenen Künstlers als Inspirationsquelle für eine neue Generation französischer Zeichner – man werfe zum Beispiel einem Blick in das Album Negalyod von Vincent Perriot.

"John Difool! Du musst den Incal fragen, wie es weiter gehen soll!"

Jodorowsky schrieb noch eine sechsbändige Vorgeschichte zum ursprünglichen Incal-Zyklus mit dem Titel Vor dem Incal, die aber nicht mehr von Moebius gezeichnet wurde, sondern von Zoran Janjetov. Auch die Comics Die Meta-Barone spielen im Incal-Universum. Erzählt werden diesmal die verschiedenen Leben der Vorfahren des namenlosen Meta-Barons. Auch hierbei arbeitete der chilenische Autor mit einem anderen Zeichner, in diesem Falle Juan Giménez, zusammen.

Erst knapp zwanzig Jahre nach dem Erscheinen der ursprüngliche John-Difool-Serie kam es zu einer erneuten Zusammenarbeit von Jodorowsky und Moebius. Die Geschichte in Nach dem Incal ist wieder in der unterirdischen Stadt auf Terra 21 angesiedelt. Die Reihe kam aber über einen ersten Band nicht heraus. Dennoch unternahm der Autor alleine weitere Versuche, die Abenteuer aus dem Incal-Universum fortzuführen.

Die folgenden John-Difool-Projekte von Jodorowsky hatten es schwer inhaltlich und zeichnerisch an die Originalserie aus den 80er-Jahren heranzukommen. Es braucht eigentlich auch keine Vorgeschichten, Fortsetzungen oder andere Erzählungen aus dem Incal-Universum. Die ersten sechs Bände "Der schwarze Incal", "Der Incal des Lichts", "In tiefsten Tiefen", "In höchsten Höhen", "In weiter Ferne" und "In nächster Nähe" bilden eine dynamische Einheit, welche Jodorowsky und Moebius mit einem gelungenen und runden Ende versehen haben.

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© Splitter Verlag/Les Humanoïdes Associés/Moebius/Alejandro Jodorowsky

Retro-Kiste: Nennen Sie mich Snake – Die Klapperschlange

Dirty Harry (1971), Ein Mann sieht rot (1974) und seine Fortsetzungen sowie John Carpenters Assault – Anschlag bei Nacht (1976) waren die Auseinandersetzung Hollywoods mit der Angst der US-Bürger vor der wachsenden Kriminalität in den amerikanischen Großstädten. Diese Ängste waren nicht gänzlich unbegründet.

Seit den 50er Jahren begann die US-Mittelschicht in die Vorstädte abzuwandern. Die großen Metropolen hatten immer weniger Steuermittel zur Verfügung, um die städtische Infrastruktur zu erhalten. In der Folge verfielen in den 70er und 80er Jahren die U-Bahnen, Polizisten wurden entlassen, der Drogenhandel nahm stark zu und als dessen Folge stieg auch die Mordrate. Dies führte wiederum dazu, dass immer mehr wohlhabende Bürger vor der zunehmenden Kriminalität und Gewalt aus Städten wie New York in die grünen Vororte flohen.

John Carpenter griff diese Entwicklung 1981 erneut auf, verlegt aber das Problem in eine Zukunft, in welcher die Verbrechensrate immer weiter angestiegen ist. In Die Klapperschlange, im Original Escape from New York, hat man deswegen gleich ganz Manhattan in ein Hochsicherheitsgefängnis verwandelt. Dort sind die Insassen sich selbst überlassen.

Die Handlung des Films ist aus Sicht des Jahres 1981 sechzehn Jahre in die Zukunft verlagert. 1997 entführen linke Terroristen die Air Force One. Bevor die Entführer das Flugzeug über Manhattan abstürzen lassen, gelingt es dem US-Präsidenten, mit einer Rettungskapsel unverletzt auf der Gefängnisinsel zu landen. Als die Polizeikräfte mit Hubschraubern in Manhattan landen, finden sie nur noch die leere Rettungskapsel vor. Von dem Staatsoberhaupt und wichtigem Geheimmaterial, welches er bei sich führte, fehlt jede Spur.

"Holen Sie sich einen neuen Präsidenten."

Nun könnte der Sicherheitsapparat der USA dem Rat von Snake Plissken folgen, den Präsidenten abschreiben und Neuwahlen ausrufen. Aber so einfach lässt sich die Sache nicht lösen: Denn der Präsident war auf dem Weg zu Friedensverhandlungen mit China und der Sowjetunion, mit denen sich die USA in dieser fiktiven Realität im Dritten Weltkrieg befinden. Bei sich trug der Präsident eine wichtige Kassette, welche die Welt vor ihrer nuklearen Vernichtung bewahren kann.

Da die Polizei von einem Abgesandten des Duke of New York, dem Herrscher des Gefängnisses, gewarnt wurde, dass jeder Polizeieinsatz in Manhattan zur sofortigen Exekution des Präsidenten führen würde, bleibt dem verzweifelten Gefängnisdirektor Hauk nur ein Weg.

Es trifft sich gut, dass gerade der ehemalige Elitesoldat Snake Plissken nach Manhattan eingeliefert werden soll. Hauk verspricht Plissken nun die Freiheit, wenn dieser nach Manhattan fliegt, den Präsidenten findet und ihn mit samt der wichtigen Audiokassette herausholt. Plissken bleiben für die Mission dafür nur 22 Stunden.

Als zusätzliche Motivation hat Hauk ihn zwei explosive Minibomben in den Hals indiziert, die nach Ablauf der Frist detonieren. Mit einem Segelflugzeug landet Plissken unbemerkt auf dem Dach des World Trade Centers und macht sich auf die Suche. Mithilfe des Taxifahrers Cabbie und Brain, einem ehemaligen Komplizen von Plissken, gelingt es ihm schließlich, den Präsidenten aus den Händen des Dukes zu befreien.

John Carpenter gehört zu den Filmemachern, die bei ihren Projekten nicht nur die Regie übernehmen. Bei Die Klapperschlange schrieb er am Drehbuch mit und komponierte zusammen mit Allan Howarth den Soundtrack. Seine Karriere begann Carpenter 1974 mit dem satirischen Science-Fiction-Film Dark Star. Neben Die Klapperschlange machte er sich vor allen mit Halloween – Nächte des Grauens (1978) und Das Ding aus einer anderen Welt (1982) einen Namen als Science-Fiction- und Horrorregisseur.

In den 80ern folgten dann Big Trouble in Little China, Fürst der Finsternis und Sie leben!. In den 90er Jahren nahm sein Erfolg ein wenig ab, obwohl Carpenter gelungene Filme wie Mächte des Wahnsinns (1994) drehte. Zuletzt inszenierte er den Horrorfilm The Ward (2010). Immer wieder arbeitet Carpenter mit der Produzentin Debra Hill (Halloween, The Fog – Nebel des Grauens, Flucht aus L.A.) zusammen.

Das Actionkino der 80er-Jahre war geprägt von muskulösen Helden wie Arnold Schwarzenegger (Predator), Sylvester Stallone (Rambo), Dolph Lundgren (Masters of the Universe) oder Jean-Claude Van Damme (Bloodsport). Kurt Russel fällt da ein wenig aus der Reihe. Im direkten Vergleich zu den aufgepumpten Actionhelden wirkt der durchaus muskulösen Schauspieler rauer, undurchsichtiger und zwielichtiger. Er wäre eher zwischen Mel Gibson (Mad Max) und Bruce Willis (Stirb langsam) anzusiedeln, mit dem er sich auch den Synchronsprecher Manfred Lehmann teilt.

"Ich dachte du wärst tot."

Für Russel war Die Klapperschlange sein endgültiger Durchbruch als Schauspieler. Er drehte mit Carpenter noch Das Ding aus einer anderen Welt, Big Trouble in Little China und Flucht aus LA. Den Helden verkörperte Russel (Tango und Cash, Stargate) erfolgreich auch unter der Leitung anderer Regisseure. Zuletzt übernahm er sogar mal die Rolle des Schurkens (Death Proof – Todsicher, Guardians of the Galaxy Vol. 2).

John Carpenter greift gerne auf Schauspieler zurück, mit denen er bereits zusammengearbeitet hat. In Die Klapperschlange sind Adrienne Barbeau (The Fog), Donald Pleasence (Halloween, Fürst der Finsternis), Harry Dean Stanton (Christine) und Tom Atkins (The Fog) wieder mit von der Partie.

Außerdem treten Ernest Borgnine (Das dreckige Dutzend, Der Flug des Phoenix, Airwolf) als Taxifahrer Cabbie, Lee Van Cleef (Für ein paar Dollar mehr, Zwei glorreiche Halunken) als Gefängnisdirektor Hauk und Isaac Hayes (Titelsong zu Shaft, Stimme von Chefkochs in South Park) als der Duke in dem Film auf.

Die Science-Fiction-Filme der 80er Jahre haben alles zu bieten: unterhaltsame Space Operas wie Star Wars, kindgerechten Aliens in Steven Spielbergs ET, actionreiche Kämpfe gegen Weltraummonster in Aliens oder düstere Endzeitszenarien in Mad Max. Somit ist Die Klapperschlange weder ein ungewöhnlicher noch ein typischer Genre-Vertreter des Jahrzehnts.

John Carpenter wollte zwei verschiedene Weltentwürfe für seinen Film erzeugen. Einmal die glatte, helle und hoch technisierte Welt der Polizeistation. Dem entgegensetzt steht das Bild des heruntergekommenen, finsteren und halb verfallenen Stadtzentrums. Obwohl der Film in New York spielt, wurden nur die Eröffnungsszene und die Einstellungen mit der Freiheitsstatue im Hintergrund vor Ort gedreht. Alle anderen Szenen drehte man in anderen Städten oder, wie Snakes Flug mit dem Segelflugzeug, mit hilfe eines Modells.

Dieses Model wurde 1982 übermalt und kam bei den Dreharbeiten zu Blade Runner erneut zum Einsatz. John Carpenter hat mit Die Klapperschlange eine Art Anti-Blade-Runner geschaffen. Bei ihm ist alles dreckig, dunkel und kaputt. Es gibt keine Neonlichreklamen und keine fliegenden Autos, sondern nur Graffiti und brennende Autowracks. Die Gefangenen in Manhattan sehen aus, wie ein wilder Mix aus Rockerbande, zerlumpten Piraten und New-Wave-Punks.

"Sie haben jedoch die Wahl sich töten und einäschern zu lassen."

Eine Inspiration für Carpenter war Ein Mann sieht rot (Death Wish) von Michael Winner. Auch wenn er der Aussage und der zugrunde liegende Philosophie des Films nicht zustimmte, mochte er die Darstellung der Großstadt als Dschungel voller Gefahren. Winners Death-Wish-Reihe hat einen konservativen bis reaktionären Grundton, der dazu dient, Selbstjustiz zu rechtfertigen. Carpenters Werk ist da schwerer einzuordnen.

Die linken Terroristen, die zu Beginn die Präsidentenmaschine entführen, kämpfen zwar für eine bessere Welt, handelt aber selbst nicht nach ihren Idealen. Von der Welt außerhalb Manhattans bekommt der Zuschauer nur die Polizeiwachen rund um die Halbinsel zu sehen. Sie stehen eigentlich für Recht und Ordnung – aber ihre Rechtsauffassung scheint nur noch wenig mit einem demokratischen Staatswesen gemeinsam zu haben.

Die Gefängnisinsassen hingegen leben in einer archaischen Welt ohne modernen Komfort und kämpfen um die wenigen Ressourcen innerhalb der Mauern. Die Szenerie gleicht den Mad-Max-Filmen ohne Sand und Sonnenschein. Der Held selbst fühlt sich gar keiner Seite zugehörig. Snake ist alles egal – die trostlose Welt um ihn herum ertränkt er in Zynismus.

Ursprünglich gab es eine Eröffnungsszene, welche den Bankraub, die anschließende Flucht mit der U-Bahn und Snake Festnahme zeigt. Die Polizei kann ihn nur stellen, weil Snake seinem angeschossen Komplizen zur Hilfe kommt. Die Szene wurde von Carpenter aus dem Film herausgeschnitten, da sie laut dem Regisseur die Figur zu sehr vermenschlichte.

Im direkten Vergleich zu Carpenters Assault – Anschlag bei Nacht gibt es auch keine Helden, die in der Not ihre Feindseligkeiten begraben und gegen eine äußere Bedrohung zusammenarbeiten. In Die Klapperschlange ist sich jeder zunächst selbst der Nächste. Trotz der sehr ambivalenten Helden hat der Film eine eindeutige Botschaft: Nicht nur die Verbrecher in Manhattan verrohen, sondern auch der Rechtsstaat, der sich mit unmenschlichen Maßnahmen vor ihnen schützen will.

Die Klapperschlange ist ein Film mit überwiegenden männlichen Protagonisten. Adrienne Barbeau hat als Maggie meist nicht mehr zu tun, als tief de­koll­etiert durch Bild zu laufen. In der Fortsetzung Flucht aus L.A. stehen zumindest schon einmal mehr Frauen auf der Besetzungsliste.

Die Grundidee des Originals wurde 1996 wieder aufgegriffen. Flucht aus L.A. erzählt im Prinzip die gleiche Geschichte mit größeren Budget noch mal. Snake Plissken wird wieder von Kurt Russel gespielt, der diesmal in die Gefängnisinsel L.A. eindringen muss und auf dieselben Figuren (nur von anderen Darstellern gespielt) trifft wie im Original.

Die Fortsetzung kommt nicht an die Qualität des Vorgängers heran und gleicht streckenweise einer Parodie von Die Klapperschlange. Dennoch gibt es seit mehreren Jahren Pläne für einen dritten Teil. So wollten Regisseur Robert Rodriguez (Sin City) und Drehbuchautor Neil Cross (Luther) 2015 noch eine Art Prequel drehen. Diese Pläne sind jedoch vom Tisch und aktuell arbeitet Autor und Regisseur Leigh Whannell (Der Unsichtbare) an einem Reboot des Films.

Ein möglicher Reboot wird es schwer haben, einen eigenen Schwerpunkt zu setzen. Den schon die Originalstory gibt eigentlich nicht sehr viel her und die Grundidee wurde seit 1981 in Filmen wie Ghettogangz – Die Hölle vor Paris (2004) wieder aufgegriffen. Die Klapperschlange lebt von John Carpenters Art Filme zu drehen, seinem Soundtrack und den sehr guten Hauptdarstellern. Da braucht es eigentlichen keine weiteren Fortsetzungen oder Reboots, da der Film auch heute noch sehr gut funktioniert.

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© Embassy Pictures/International Film Investors/Goldcrest Films International

DIE KLAPPERSCHLANGE (1981) - HD Trailer Deutsch

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