Star Trek: Discovery

Die Serie spielt im Star-Trek-Prime-Universum, zehn Jahre vor der Classic-Serie und der Fünf-Jahres-Mission von Captain Kirk.

TrekCheck - Der Podcast zu Star Trek: Discovery 3.13

PODCAST

Mit der Hoffnung ist es ja immer so eine Sache. In der finalen Folge der 3. Staffel zu Star Trek: Discovery kommt nun also zusammen, was zusammengehört. Naja, so einigermaßen zumindest. Mit "Ein Zeichen der Hoffnung, Teil 2" wird jedenfalls die Staffel abgeschlossen und eingerahmt. Einmal mehr wird das Leben und Kämpfen der Michael Burnham in den Mittelpunkt gestellt. Nele, Anne und Johannes finden das eher so... mittelgut. Aber nun sei es eben so. Das Podcastteam empfindet die Konzentration auf die neue Frau Captain im Rahmen der Staffel zwar als einigermaßen nachvollziehbar, hätte sich aber im Laufe der Staffel insgesamt mehr Stringenz bei der allgemeinen Figurenentwicklung gewünscht.

Diese wäre vor allem bei diversen Nebenfiguren, bei den Belangen der Brückencrew, gerne auch in Hinblick auf eine glaubwürdige Gegnerin (sei es nun Osyraa oder Georgiou) angebracht gewesen. Das Team betrauert ein wenig den zumindest temporären und sehr plötzlich eingeleiteten Fortgang von Saru, freut sich über mehr Familiendetails von Admiral Vance (yay!) und wundert sich einmal mehr über die nicht sehr konsequente Erzählweise, die diese Staffel doch recht extrem auseinandergepflückt hat. Der zum Schluss hineingestrickte Monolog über die Zukunft der Föderation tut dann leider auch nicht mehr so ganz, was er soll. Was es sonst noch gibt: Die Familienzusammenführung inklusive Grey funktioniert einigermaßen gut, auch wenn die Problematik mit dem Hologramm schon fast mit dem Holzhammer aufgetischt wird. Aber das dürfte in der kommenden Staffel auch irgendwie aufgelöst werden.

Erwartbarerweise warten im Finale allerdings auch jede Menge Deus Ex Machina - wortwörtlich sogar. Wir bekommen ein wenig Taucher-Apnoe-Wissen und stehen die unvermeidlichen Kampfeinlagen durch, die aber immerhin recht unterhaltsam anzusehen sind, wie zumindest Nele findet. Die Sache mit den magisch vergrößerten Turboliften, die schon wieder an Stirb langsam erinnern, müssten wir allerdings nochmal nachschlagen. Das Podcasttrio ist mit dem Abschluss der Staffel einigermaßen zufrieden - aber wahrscheinlich haben wir auch nur unsere Ansprüche entsprechend heruntergeschraubt.

Eine Abschlussfolge, die auch die künftigen Trek-Franchises abdeckt, ist außerdem für die kommenden Wochen geplant, mehr Details dazu gibt es am Ende der Folge.

Danke fürs Zuhören und Kommentieren! Live long and prosper!

That Hope Is You, Part 2 - Kritik zu Star Trek: Discovery 3.13

SPOILER

Die beiden Folgen “Ein Zeichen der Hoffnung, Teil 1+2” rahmen zu Beginn und Ende die dritte Staffel von Star Trek: Discovery. Wie schon beim Auftakt hat auch bei dieser actionreichen finalen Episode Olatunde Osunsanmi nach einem Drehbuch von Michelle Paradise Regie geführt.

Action in der Föderation

Nach den erfolglosen Friedensverhandlungen will Osyraa inklusive der Discovery türmen. Den Sporenantrieb der Smaragdkette zu übergeben, kann Admiral Vance natürlich nicht einfach so geschehen lassen. Also schießt die Voyager nebst weiteren Föderations-Schiffen mit zunehmender Feuerkraft auf die Discovery - bis Burnham einschreitet und Vance darum bittet, ihr und der Crew zu vertrauen und sie ziehen zu lassen. Weil das in der Vergangenheit ja immer so gut geklappt hat.

Allerdings scheint Vance von Burnhams Aktion, Stamets per Rettungskapsel vom Schiff zu befördern, beeindruckt zu sein. Da kann Stamets noch so sehr protestieren, für ihn geht es zum Schutze aller ab in ein anderes Shuttle und nochmal möglichst weit weg von der Discovery. Es stellt sich wieder einmal die Frage, woher Osyraa überhaupt über alles so gut informiert ist - das wird leider nicht aufgelöst. Dafür, dass für sie vorher anscheinend sogar der Standort des Föderations-Hauptquartiers unbekannt war, weiß sie jetzt als eine der wenigen direkt auch über den verdeckten zweiten Schutzschild Bescheid.

Wie erwartet hat Michaels Nachricht an ihre Mutter etwas gebracht, und die romulanisch-vulkanische Kavallerie von Ni’var reitet ein, allerdings nicht zum großen Finale und Rettung in letzter Minute, sondern rein für wenige Sekunden Optik, eine Rolle spielen sie nicht weiter. War da mal mehr geplant und wieder rausgeschnitten oder wollte man einfach noch ein paar mehr Raumschiffe entwerfen?

Das bisschen Raumschlacht war hübsch anzusehen, nicht zu lang, und die Admiral-Vance-Liebe durfte noch einmal weiter wachsen. Pluspunkt dafür, dass er nicht zum Badmiral wurde.

Action auf der Discovery

Die Discovery ist eine Tardis - innen größer als außen. Schwanke noch, ob ich darum bitte, dass mir einer das Turbolift-System erklärt, oder ob ich gar nicht wissen will, ob das Gezeigte funktionieren kann. Sicher ist, dass das Schiff sehr viel größer sein müsste, um ein derartiges Netzwerk zu beherbergen. Aber eine optisch ansprechende Umgebung für weitere Zweikämpfe (Burnham versus Regulator, Booker versus Zareh) nebst extremes Parkour-Training ist es allemal.

Osyraa und Zareh wollen Booker gewaltsam die Informationen zum Dilithium-Planeten entlocken. Aurellio ist ob der Erkenntnis, dass Osyraa vielleicht gar nicht so nett ist wie sie ihm immer schien, nach wie vor entgeistert. Zögern erlaubt sie aber nicht, das macht Osyraa ihm gegenüber sehr deutlich. Burnham gelingt durch die schnelle Aktivierung eines medizinischen Notfallkraftfeldes die Befreiung von Booker und die Flucht mit ihm. Von da an geht es fröhlich quer durch die Discovery, immer mal wieder durch Kampfeinlagen unterbrochen. Der Spaß endet letztlich in einem sehr weißen Raum mit blau leuchtenden Datenspeichern, in dem mal Osyraa, mal Burnham stylisch durch die Gegend fliegen und zeigen können, was sie in den Stunt-Trainingsstunden so gelernt haben. Dürfen die das überhaupt ohne Michelle Yeoh (Georgiou), was sehen da die Verträge vor? Letztlich wird Osyraa von Burnham recht unspektakulär (wenn man die Burnham fressende Daten-Nano-Bot-Dinger-Wand ignoriert) erschossen, gerade wo sie anfing, sowas ähnliches wie ein Profil zu bekommen. Schade eigentlich.

Währenddessen kämpft die Brückencrew auf den untersten Ebenen mit Luftnot. Osyraa spart Munition und hat einfach die Lebenserhaltungssysteme abgeschaltet. Damit nicht alles umsonst war, begeben sich Tilly und Konsorten mit letzter Kraft auf ein Himmelfahrtskommando. Eine der Warpgondeln soll abgesprengt werden, dadurch die Discovery verlangsamen und die Unterstützung aufholen lassen können. Was für ein Glück, dass Owosekun als erfahrene Freitaucherin ziemlich lange die Luft anhalten kann. Als alle anderen durch Sauerstoffmangel in die Bewusstlosigkeit kippen, macht sich Owo nach kurzem, emotionalen Abschied alleine weiter auf zur Missionserfüllung. Hier kommt dann auch der einzige Grund für die Sphärendaten-Droiden ins Spiel: Bislang wurden die ach so wertvollen Dots als Kanonenfutter hergenommen, aber einer darf Owo mit letzter Kraft aus aussichtsloser Lage retten - und dank Burnhams Kampffähigkeiten gibt es jetzt auch wieder Sauerstoff. Was geht da eigentlich zwischen Owosekun und Detmer? Also ich bin ja auch ganz für enge Freundschaften zu haben, aber wie sagt man so schön? “I ship it!”.

Irgendwann dazwischen hat Osyraas gigantisch große Viridian mal eben die Discovery geschluckt. Um da wieder rauszukommen, wird gleich das ganz große Geschütz ausgepackt: Burnham lässt den Warpkern abspalten und vertraut sehr darauf, dass Booker im Eilverfahren das mit dem Sporennetzwerk-Pilotendasein hinbekommt. Üblicher Versuch des Spannungsaufbaus durch künstlichen Zeitmangel. Wie irgendwann Anfang der Staffel bereits vermutet, braucht es Stamets nicht mehr, denn Booker kann durch sein Empathendasein ohne Tardigrade-DNA mit den Sporen kommunizieren. Wie praktisch. Das heißt, dass so einige von Kweijan jetzt ganz neue Fachkraft-Job-Perspektiven haben.

Gibt das Ganze inhaltlich viel her? Weniger, aber es ist in sich stimmig und unterhaltsam, wenn man auf Nahkampfgeschehen vor diversen Hintergründen in einem Raumschiff steht. Zwar hätte ich mir doch mehr Fokus auf die Crew gewünscht, aber das ist ja ohnehin so ein Dauerthema.

Also, Discovery wieder zurückgewonnen. Tilly überlässt erleichtert Burnham das Kommando. Auf zum Nebel und Gucken, ob man noch irgendjemanden retten kann.

Action in der Holo-Welt

Da liegt das Kelpien-Schiff seit rund 125 Jahren auf dem (oder gar im) Dilithium-Planeten, und ausgerechnet jetzt in den fünf Minuten mit dem Disco-Außenteam an Bord fällt es komplett auseinander. Vielleicht ist ja das zusätzliche Gewicht der berühmte letzte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt.

Für die Spannung in der Geschichte ist es auf jeden Fall ähnlich praktisch wie die zufällige Kenntnis von Adira darüber, dass Ausrüstung verschwindet und dey daher das Medikament gegen Radioaktivitätsschäden im Mund transportiert. Noch praktischer: Gray ist tatsächlich mehr als nur eine Einbildung, wird von der Holo-Welt erkannt wird und nun für alle sichtbar, aber nicht von der Radioaktivität belastet ist. Vulkanier/Romulaner steht ihm übrigens. Adira hingegen sieht eher so aus, als hätte dey sich beim Kinderschminken Xahean gewünscht, aber nungut. Culber darf noch ein paar Abreißkalender-Motivations-Zitate loswerden, ansonsten sind alle drei für den weiteren Verlauf der Handlung ziemlich überflüssig.

Saru hingegen findet nach und nach einen Zugang zu Su’kal und schafft es schließlich, ihn davon zu überzeugen, sich dem Monster zu stellen und die Holo-Welt auszuschalten. Wie erwartet finden sich im restlichen Schiff die (erstaunlich gut erhaltenen) Leichen seiner Mutter nebst Crew, und eine holographische Aufzeichnung zeigt die Entstehung des Burns: der kleine Su’kal sieht den Tod seiner Mutter.

Egal wie oft Culber seine Theorie über eine Beeinflussung und Verbindung des Dilithiums mit Su’kal im Uterus mit pseudowissenschaftlichen Gebabbel erklärt, es bleibt ein großes Ärgernis. Und warum endet die Gefahr durch bloße Entfernung vom Planeten, wo es doch die Verbindung via Subraum gibt und auch Teile des Dilithiums in der Galaxie verteilt werden? Wie soll das funktionieren, jenseits irgendeiner übernatürlichen Herleitung? Dabei gab es durch die Einführung von Ni’vars SB-19-Versuchen ja sogar eine Brücke hin zu einer zumindest irgendwie wissenschaftlicheren Erklärung.

Epilog

Es haben alle überlebt. Also abgesehen von Osyraa, Zareh, namenlose Regulatoren und der Hoffnung auf einen ernstzunehmenden, vielschichtigen Gegenspieler. Alle sind zur richtigen Zeit mit den richtigen Fähigkeiten am richtigen Ort. Booker beherrscht sofort die Verbindung mit dem Sporennetzwerk just in dem Moment, in dem der Warpkern explodiert. Owosekun kann ewig ohne Sauerstoff auskommen und dabei noch ihre Lebensgeschichte erzählen. Die Droiden können zwar spontan deutlich weniger als erwartet, aber um Owo in letzter Sekunde aus der Gefahrenzone zu schleifen, reicht es noch. Burnham kann ihre Kampfeinlagen so gut timen, dass ihre Crew gerade so nicht erstickt. Gray ist da und doch nicht von Umwelteinflüssen eingeschränkt. Osyraa weiß einfach Dinge, und Su’kal ist magisch. Alles sehr praktisch für die Autoren.

Leider fehlt komplett zumindest eine kurze Szene zwischen Saru, Tilly und Burnham, in der das Geschehene und weiteres Vorgehen in irgendeiner Art besprochen wird. Gerade Tilly und Saru hätten sich das verdient, und mir als Zuschauerin fehlt eine Erklärung zum plötzlichen Sinneswandel. Dass Saru Erziehungsurlaub in der Heimat macht, sei ihm gegönnt. Aber warum zur Hölle hält er Burnham auf einmal für einen fähigen Captain? Welche Rolle nimmt Tilly jetzt ein, wurde sie wenigstens zum Lieutenant befördert? Warum ist Adira nun Teil der Sternenflotte, Booker aber nicht (darf aber weiter auf der Brücke abhängen)?

Die Hauptfrage ist: Sind nun langsam endlich alle Figuren da, wo sie hingehören und hat man sich ausreichend von dem Durcheinander der ersten beiden Staffeln gelöst? Kann es nun endlich befreit so richtig mit Star Trek: Discovery losgehen - und das bevorzugt mit weniger als 20+ beteiligten Produzenten?

Fazit

“Ein Zeichen der Hoffnung, Teil 2” ist in sich stimmig mit sowohl unterhaltsamer Action als auch Charaktermomenten, wenn man gezielt nach diesen sucht. Insgesamt spannt die Episode mit dem Staffelauftakt einen Rahmen um eine überwiegend solide Staffel und liefert das bisher beste Staffelfinale von Star Trek: Discovery. Ich habe die Folge mit überraschend viel Spaß und Emotionen gesehen, das möchte ich durchaus positiv erwähnen.

Das Problem ist aber eben, dass man dafür schon bewusst den Discovery-Filter anschalten und über ziemlich viele Ungereimtheiten im Aufbau der Staffel hinwegsehen beziehungsweise die Erwartungen entsprechend anpassen muss.

Im Gesamtkontext der Staffel bleibt das Ärgernis, dass viel zu viel Zeit mit sinnloser Action, zunehmend unwichtigeren Charakteren und dem Schaffen und dann nicht Weiterverfolgen von guten Grundideen (Sphären-Daten, Ni’var, Osyraa/Smaragdkette, Föderationsstatuten im Wandel) verschleudert wurde. Georgiou hätte gleich bei Ash Tyler bleiben und die Smaragdkette von Anfang an als ernstzunehmenden, vielschichtigen Gegenspieler aufgebaut werden können, der im Kontrast immer wieder den Kodex der Föderation hinterfragen lässt. Dafür braucht es nicht mehrere Einzelepisoden mit immer wieder neuen versklavten Völkern auf stets ähnlich aussehenden Planeten, bei denen es auch völlig egal ist, dass die aktuelle Staffel im 32. Jahrhundert spielt.

Die zu Beginn angedeutete PTSD-Problematik ist spontan bei allen geheilt. Die am Ende viel gepriesene “Verbindung” findet in der Darstellung im Lauf der Staffel viel zu wenig Beachtung, und immer wenn man sich gerade über mehr Screentime mit der Crew freut, wird diese schon wieder zu gerade mal besseren Statisten degradiert.

Das ärgert besonders, weil man prinzipiell durchaus immer wieder merkt, dass im Hintergrund fähige Leute am Werk sind - aber eben zu viele auf einmal und so keine Idee mal so richtig konsequent durchgezogen wird.

Ich gehöre zu denen, die - trotz allem - Star Trek: Discovery nach wie vor wegen ausreichend positiven Momenten freiwillig, gerne und voller Hoffnung gucken. Allerdings liegt die Messlatte mittlerweile deutlich tiefer als zu Beginn, und das ist doch einfach Mist. Da geht so viel mehr, man erkennt die Ansätze. Die Bitte für die vierte Staffel zusammengefasst ist also: Lasst uns (endlich) fliegen!

TrekCheck - Der Podcast zu Star Trek: Discovery 3.12

PODCAST

Liebe Freunde der Föderation, Genoss:innen - "Es gibt Gezeiten...", da muss sich unser Podcast-Trio einfach wegen Kapitalismusfrust etwas Luft machen. Und über Schweine im Weltall nachdenken. Star Trek: Discovery 3.12 hat dafür eine gute Gelegenheit geboten. Überhaupt steckte kurz vor dem Staffelfinale doch auf einmal unerwartet viel in dieser einzelnen Episode, entsprechend ist auch der TrekCheck dazu etwas länger geworden.

Wir haben reichlich Nachfragen und kritische Anmerkungen, aber für sich betrachtet hat uns die Folge an sich durchaus gut gefallen. Der Anteil von Action und spannenden Gesprächen ist ausgeglichen, die Handlung in sich soweit schlüssig, es wird sich auf wenige Handlungsorte konzentriert und die Crew darf auch mal wieder ein, zwei Sätze sagen - wir fühlten uns jedenfalls gut unterhalten. Problematischer wird es dann schon, wenn man die Folge mit Blick auf die gesamte Staffel betrachtet, da stoßen die vielen vertanen Chancen und Zeitverschwendungen auf. Aber warten wir erstmal das Finale am Freitag ab.

There Is a Tide... - Kritik zu Star Trek: Discovery 3.12

SPOILER

Star Trek: Discovery 3.12 ist die dritte Folge der Staffel, bei der Jonathan Frakes Regie geführt hat, abermals nach einem Drehbuch von Kenneth Lin. Zwar knüpft “Es gibt Gezeiten ...” wieder mehr oder minder nahtlos an die vorherige Episode an, konzentriert sich in der Handlung jedoch gänzlich auf die Geschehnisse um und auf der Discovery - Su’kal und seine Holo-Welt bekommen wir wohl also erst im Finale wieder zu sehen

....sich durch Not und Klippen winden

Der Titel “Es gibt Gezeiten...” (OT: “There Is a Tide...”) stammt aus Shakespeares Julius Caesar (Akt IV, Szene III). Brutus spricht zu Cassius:

“Es gibt Gezeiten auch für unser Tun.
Nimmt man die Flut wahr, führet sie zum Glück,
versäumt man sie, so muß die ganze Reisedes Lebens
sich durch Not und Klippen winden.”

Quasi ein etwas extremerer Aufruf dazu, die Gunst der Stunde zu erkennen und zu nutzen, sonst wird es unschön. Aber was hat das jetzt mit Discovery zu tun? Das mag jeder für sich selbst interpretieren -  aber wenn ich Shakespeare zitieren kann, dann zitiere ich Shakespeare, so will es das Gesetz.

Um Not und Klippen winden sich erstmal Booker und Burnham in einem wilden Ritt der Discovery hinterher durch den Trans-Warp-Tunnel, den die Kuriere aus nun ersichtlichen Gründen nur noch ungern nutzen, den ollen Schrottplatz. Wieso werden die Trümmer nicht wieder in den Normalraum gespuckt? Kann man da nicht mit einer Art großem Fischernetz zum Aufräumen durch? Naja, egal, sie schaffen es ja unbeschadet - inklusive Grudge - ans Ziel.

Ich begrüße, dass immerhin direkt in der Episode selbst nachgehakt wird, warum es überhaupt möglich ist, dass Books Schiff einfach so ohne aufgehalten zu werden in die Disco-Landebucht krachen kann. Nicht genug, dass der kleinste kurze Ausfall von Schilden gleich alles und jeden Einmarschieren lässt, was bitte ist das für eine pseudofuturistische Technologie, deren Scanner sich durch ein bisschen Feuer und Qualm gleich von der Arbeit abhalten lässt? Aber ich stelle zu viele Fragen: Die Aktion sah gut aus, war spaßig und braucht es, um die Handlung der Folge voranzubringen. Passt.

Friedensangebot

Leider durften wir Osyraa bislang kaum und nur sehr einseitig kennenlernen, ihre grundlegende Motivation blieb und bleibt verborgen. War das den größeren Überraschungseffekt jetzt wert, dafür die ganze Staffel bislang einen eher flachen und dadurch öden Gegenspieler zu haben?

Es führt auf jeden Fall zu großartigen Szenen: Admiral Vance und Osyraa im Zwiegespräch bei Friedensverhandlungen. Ich war ja schon froh, dass der Admiral das Manöver mit dem gespielten Angriff und auch die Übernahme der Discovery durch Osyra recht zügig erkannt und gleich entsprechende Schutzmaßnahmen eingeleitet hat. Dass er dann auch noch die Ideale der Föderation hoch hält - große Liebe.

Überhaupt: Wie schon bei Georgiou und Kovich in ähnlichen Setting schätze ich die ruhigen, politischen Gespräche sehr, die für mich so viel spannender als jede Action-Szene sind. Einmal sind es die vielen netten Kleinigkeiten wie etwa der Austausch ob des Aussehens und der Funktion von Eli, dem Lügendetektor oder darüber, dass alles Essen (und überhaupt beinahe alles) aus Scheiße und Müll gemacht ist. Osyraa scheint darüber überrascht, aber die Funktionsweise von Replikatoren dürfen eigentlich nicht so unbekannt sein, oder?

Zum anderen geht es aber natürlich um wirklich große Dinge. Dafür möchte Osyraa mit dem Präsidenten der Föderation sprechen, was Admiral Vance umschifft bekommt. Gibt es überhaupt einen amtierenden Präsidenten, und falls ja, hat Vance Kontakt? Ich nehme an: Nein, aber Osyraa hakt auch nicht weiter nach. Wir erfahren dabei auch gleich, dass Osyraa nicht die Anführerin schlechthin, sondern eine Ministerin in einem bereits bestehenden größeren Verbund der Smaragdkette ist.

Osyraa ist bewusst, dass der Smaragdkette Ressourcen ausgehen und sie so nicht ewig an der Macht bleiben kann. Zudem hat sie einen eher schlechten Ruf - im Gegensatz zur Föderation, die trotz allem noch als Zeichen der Hoffnung gilt. Es soll eine Waffenruhe geben, und im Prinzip sollen sich Smaragdkette und Föderation zusammenschließen.

Die Föderation muss akzeptieren, dass es Kapitalismus gibt und die Smaragdkette nunmal ihren Handel betreibt und das auch offiziell von der Föderation legitimiert wird (wo bleiben die Ferengi?). Dafür will sich die Smaragdkette an die oberen Prinzipien der Föderation halten, Sklaverei verbieten, sich binnen der nächsten 15 Jahre von allen unterjochten Planeten zurückziehen und vor allem ihre hochkarätigen wissenschaftlichen Ressourcen einbringen, um den Sporenantrieb für alle zugänglich zu machen.

Das klingt schon fast zu gut, selbst Admiral Vance hat auch nach gründlichen Studium eigentlich nichts am Vertrag auszusetzen. Eigentlich. Wäre da nicht das Problem, dass sich Osyraa und auch ihre Handlanger sich nicht als Gesicht der Kampagne eignen. Vance kann und will die Ideale der Sternenflotte nicht so weit verbiegen - alles könne nur gelingen, wenn Osyraa für ihre Straftaten der Prozess gemacht wird. So sehr will Osyraa den Frieden und die bessere Zukunft für alle Bewohner des dortigen Galaxie-Abschnittes dann doch nicht.

Die Szenen zwischen Admiral Vance und Osyraa sind sowohl inhaltlich als auch durch Oded Fehrs und Janet Kidders überaus überzeugendes Zusammenspiel ein absolutes Highlight der Folge. Ich wünsche mir sehr, dass in der Sache noch nicht das letzte Wort gesprochen ist und die Zukunft der Föderation sowie neue Bündnisse der Fokus der vierten Staffel werden dürfen.

Yippie-ya-yay, Schweinebacke!

An Bord der Discovery haben Osyraas Schergen derweil andorianisches iOS auf dem Bordcomputer installiert, während die Crew an die Feiertage gedacht hat und ihre eigene Version der traditionellen Weihnachtsgeschichte Stirb langsam inszeniert. Michael robbt sich barfuß auf Rettungsmission durch die Jeffries-Röhren und plauscht dabei mit Möchtegern-Hans-Gruber Zareh (den hat auch niemand vermisst, oder?), die Crew hält zusammen, und Ryn darf kurz vor seinem Ableben noch die jährliche Ansprache über die Macht der Liebe halten.

Ich kann mir zwar vorstellen, dass die Discovery nicht genug Plätze in der Brig für die gesamte Mannschaft bereit hält, aber die Brücken-Crew zusammen in einem Raum mit nicht einmal einer handvoll Wachen festzusetzen ist auch nur so semi-clever, oder? Aber egal, sie unterstützen weiterhin Captain Tilly und hören auf ihr Kommando. Das allgemein junge Durchschnittsalter zeigt Vorteile - das auf der Sternenflottenakademie Erlernte ist noch einigermaßen frisch in Erinnerung und so die stille Kommunikation via Fingermorsecode einfach möglich.

Die Brücke würden sie alle gemeinsam also wahrscheinlich auch ohne die Hilfe der Sphären-Daten-Persönlichkeit wieder einnehmen können, aber dann müsste das Franchise auf seine eigenen niedlichen Droiden verzichten. Dieser Mix aus BB-8 und EVE ist im Trek-Universum - trotz vorherigem Erscheinen - ungewohnt und vermutlich in der Form unnötig, aber halt doch auch entzückend.

Yeah, Wissenschaft!

Auch wenn vorher nie die Rede davon war, so scheint die Smaragdkette tatsächlich sehr viel Wert auf Wissenschaft zu legen und unterhält hervorragende Forschungseinrichtungen mit brillanten Köpfen. Mit ihrem Chef-Wissenschaftler Aurelio pflegt Osyraa einen überraschend vertrauten, freundlichen Umgang. Der kennt aber auch nur ihre wohltätige Seite. Aurelio muss in einem ziemlichen Elfenbeinturm hausen, wenn er von Osyraas Machenschaften in all den Jahren echt so gar nichts mitbekommen haben will. Den Worten seines neuen besten Kumpels Stamets glaubt er nicht direkt, aber im Lauf der Episode wird er höchst selbst noch Zeuge davon, wie Osyraa ihr Tagesgeschäft erledigt, damit sie voran kommt. Ich rieche eine Ein-Personen-Revolte.

Zwar wäre naheliegend, dass Stamets und Aurelio über ihre Wissenschafts-Leidenschaft einen Draht zueinander haben, doch Stamets geht eher den Weg, über persönliche Gemeinsamkeiten ans Gewissen seines Geiselnehmers zu appellieren. Andorianische Oper und Liebe zum Ehepartner schön und gut, aber Adira im Brustton der Überzeugung als sein Kind zu nennen, kommt in der Form doch überraschend, zumal es eben nicht einfach nur ein Mittel zum Zweck zu sein scheint.

Der ganze Austausch zwischen Stamets und Aurelio unterhält nicht nur gut, sondern gibt auch zusätzliche weitere Informationen über die Zeit, in der die Discovery gelandet ist. So ist Aurelio von der Großartigkeit des Sporenantriebs absolut begeistert und hält dies nur für möglich, weil die Welt der Wissenschaft in der Vergangenheit eine bessere gewesen sei. Dazu führt er auch an, dass es ihm persönlich da wohl auch besser gegangen wäre, als Technologie noch frei verfügbar und das Reisen einfach gewesen sei. In seiner jetzigen Welt verdanke er mit den Problemen seines Gendefektes der Großzügigkeit von Osyraa sein Leben. Allerdings ist man jetzt ja dennoch in der Zukunft und hat grundsätzlich technisch ganz andere Möglichkeiten, also könne er auch die Tardigrade-DNA reproduzieren und den Sporenantrieb vervielfältigen. Ganz einfach.

Interessant sollte die Konsequenz aus Burnhams Entscheidung hinsichtlich Stamets werden. Sollte - ob es die Serienmacher ebenso als schwerwiegenden Konflikt sehen und es entsprechend umsetzen, bleibt noch offen. Zum einen handelt Burnham hier eigenmächtig mit minimalem Wissen über die Gesamtsituation und ohne irgendeine Rücksprache mit irgendwem. Ok, es ist auch eine Extremsituation, in der schnell gehandelt werden muss - aber Stamets ist nicht irgendein Gegenstand, und zudem unterwandert Burnham damit auch etwaige Pläne, bei denen der Sporenantrieb entscheidend wäre. Eben noch wurde Stamets von Osyraa zum Technik-Zombie, nun wird er von Burnham per Vulkannarkosegriff ausgeschaltet und gegen seinen Willen in gefährlicher Aktion vom Schiff geworfen. Natürlich kann man Michael nicht ewig und in jeder Situation vorwerfen, dass man ihretwegen alles zurückgelassen hat - aber ihre Aktionen jetzt sind für sich fragwürdig genug. Das kann eigentlich auch mit nichts in kurzer Zeit wieder vergessen gemacht werden und sollte zu einem Riss im Verhältnis zwischen Teilen der Crew, Sternenflotte und Burnham führen. Als ob ich noch mehr Gründe bräuchte, um absolut gegen Burnham in irgendeiner Führungsposition zu sein.

Fazit

Auch wenn es reichlich kritische Anmerkungen und Fragen gibt, so ist die Folge an sich sehr stimmig zusammengesetzt, weiß zu unterhalten, ist spannend und liefert einiges an lange erhofften Informationen zur Smaragdkette und der Föderation. Vieles hängt nun abermals davon ab, in welche Richtung sich die nächste, finale Episode bewegt.

Als kleines Vorabfazit zur Staffel sticht es aber eben schon, warum in den bisherigen Folgen so viel Zeit für unnütze Action und Randgeschichten verschwendet wurde, statt Osyra und die Smaragdkette frühzeitig vielschichtiger aufzubauen und auch die Diskrepanz mit der Föderation tiefgehender zu zeigen.

TrekCheck - Der Podcast zu Star Trek: Discovery 3.11

PODCAST

Vielleicht liegt nach der vorherigen Doppelfolge die Anspruchslatte einfach etwas tiefer, aber vielleicht hat Star Trek: Discovery 3.11 dem TrekCheck-Team auch so tatsächlich eigentlich ganz gut gefallen. Zwei Hauptgründe sind: Doug Jones mal nicht hinter mehreren Schichten Latex brilliant schauspielern zu sehen und sich bei der gezeigten Fantasy-Welt gleich an mehrere Rollen- und Computerspiel-Abenteuer erinnert zu fühlen, inklusive Jump-and-Run-Level.

"Su'kal" lässt uns mit einem Cliffhanger und vielen Fragen zurück und ist in dieser Staffel vermutlich der deutlich bessere Zwei--/Dreiteiler. Aber nagut, für derlei Aussagen sollte man vielleicht nochmal abwarten. Die alternative Umgebung in der Hologramm-Welt funkioniert auf jeden Fall für uns und das dadurch bedingte andere Spiel der Figuren  ist eine erfrischende Abwechslung. Vielleicht endet Staffel 3 ja doch noch halbwegs versöhnlich.

Su’kal - Kritik zu Star Trek: Discovery 3.11

SPOILER

In Star Trek: Discovery 3.11 geht es für die Serie langsam in die Zielgerade, für die Crew näher an die Lösung des nebligen Rätsels rund um den Burn und für Saru auf eine emotionale Außenmission. Norma Bailey führte die Regie nach einem Drehbuch von Anne Cofell Saunders.

Nebulös

Auch Sa’kul schließt nahtlos an die vorherige Episode an. Wir dürfen uns also noch ein paar Lobgesänge auf Georgiou anhören (genau das, was wir alle wollten und brauchten), ehe es mit der Handlung losgehen darf. Mitten in der Partystimmung erhält Stamets die überraschende Nachricht: Auf dem Kelpien-Schiff, das vor 125 Jahren mitten im Nebel gestrandet ist, gibt es noch ein Lebenszeichen. Wir werden schnell aufgeklärt: Die Wunden auf Dr. Issas (Hologramm-Kelpien) Stirn sind kein Zeichen für Schädigung durch radioaktive Strahlung, sondern ein Merkmal für eine Schwangerschaft. Es ist also anzunehmen, dass ein circa 125 Jahre alter, sehr einsamer Kelpianer überlebt hat. Zweite Überraschung im Nebel: Der Planet im Zentrum besteht fast ausschließlich aus Dilithium. Hoch wertvoll und könnte so einige Probleme lösen - aber halt auch mit sich bringen.

Da gibt es für Captain Saru kein Halten mehr - mit Sack und Pack ab in den radioaktiven Nebel. Bis ins 32. Jahrhundert hinein scheint man es immer noch nicht geschafft zu haben, dass bei ein wenig unruhiger Fahrt nicht gleich überall Nebel und Funken aus den Konsolen der Brücke sprühen.

Eine Extrarunde in der Handlung gibt es, weil noch eine actionreiche Szene mit Book und emotionaler Auflösung mit Burnham sowie Screentime für die Katze vorgesehen war. Anders kann ich mir nicht erklären, dass es in dieser Folge gleich zwei Sondereinsätze von Books praktischen wendigen Schiff braucht.

Die Zusammensetzung des Außenteams ist zu diesem kritischen Zeitpunkt an dieser hochgefährlichen Stelle ein wenig fragwürdig: Zwar sind die Verbindung und die Motivation von Saru als Kelpianer klar, jedoch sollte er als Captain jetzt wirklich nicht das Schiff verlassen und dies gleich Tillys erster Einsatz als Acting Captain sein. Burnham war gerade erst spazieren und hat einen Verlust erlitten, bleib einfach mal zwei Stunden in deiner Kabine. Außerdem: wenn Saru schon unbedingt weg will, dann lass doch zumindest Michael als Freundin und erfahrene Offizierin an Tillys Seite. Nagut, Culber als Doctor und Counselor in Crash-Kurs-Selbstlern-Ausbildung geht schon klar. Auch wenn Stamets das verständlicherweise weniger gut findet, aber es fragt ja eh keiner, ehe irgendeine hochgefährliche Mission oder Selbstversuche mit außerirdischen Pilzsporen angegangen werden, also - wer soll da schon den ersten Stein werfen?

Würfel auf Ausdauer, um 5 erschwert

Das Außenteam beamt sich hinab auf das gestrandete Schiff, mitten hinein in ein äußerst ausgeklügeltes Holo-Deck. Dr. Issa wusste, dass sie alle sterben müssen und das Kind, genannt Sa’kul, vermutlich überlebt und Fürsorge braucht. Bis zur Rettung sollte also der Computer die Bildung, emotionale Unterstützung und auch Unterhaltung bieten. Offen bleibt, ob Dr. Issa die Welt absichtlich wie ein Computerspiel im Mix Dragon Age trifft Mass Effect mit generischen Jump-and-Run-Aufgaben gestaltet hat, oder ob sich das im Lauf der Zeit automatisch dem Geschmack vom einstigen Kind angepasst hat. Optisch auf jeden Fall sehr beeindruckend und eine willkommene Abwechslung, gerade wenn man bedenkt, dass ein Teil der Nachproduktion aus dem Home-Office heraus entstanden ist.

Besuche aus der Außenwelt wurden direkt im Design des Programms eingeplant - sei es als Rettungsmission oder feindlich Gesinnte. Optisch werden alle “Eindringlinge” erst einmal der Hologram-Welt angepasst. So wird aus Burnham mal eben ein Rotkäppchen-Trill, aus Culber ein Bajoraner mit Ohrschmuck (der die ganze Folge über auch immer mal wieder schön weihnachtlich klimpert), und Saru tritt als Mensch in Erscheinung. Die Rollenspielgruppe ist komplett. Warum die anderen beiden nicht auch einfach Menschen bleiben konnten, wird nicht erklärt, aber ich möchte das auch nicht hinterfragen, immerhin bekommen wir so seltene Momente, in denen Doug Jones’ Gesicht selbst zu sehen ist.

Zwar schafft es Jones, auch hinter viel Latex allen seinen Figuren stets individuelle Züge zu geben und Wärme auszustrahlen, doch gerade hier in dieser Episode, in der es mit einer kleinen Reise durch die kelpische Geschichte und Kultur für Saru sehr persönlich und emotional wird, bekommen die Szenen durch den ungewöhnlichen direkten Blick auf Jones’ Mimik zusätzlich etwas Besonderes. Schon ohne das kelpische Wiegenlied. Beruhigender Singsang in Angst-Situationen bekommt mich auch irgendwie immer, insbesondere wenn es wegen eines so genialen Monsters wie dem hier geschaffenen kelpischen Sagenwesen benötigt wird.

Noch erfahren wir nicht, was sich wirklich hinter allem verbirgt. Vor was jenseits der Tür fürchtet sich Sa’kul so sehr? Tatsächlich einfach der Gedanke an ein Leben außerhalb des Programms selbst oder gibt es da nicht doch mehr? Und kann es wirklich sein, dass Sa’kuls Gefühlslage Auslöser des Burns war? Spielt da noch mehr mit? Was ist mit der ganzen SB-19-Geschichte - diente das nicht zumindest als verstärkende Kraft? Und hat irgendwer verstanden, was mit Sa’kul im Uterus in Verbindung mit dem Planeten, Dilithium und der Radioaktivität passiert ist? Klang irgendwie sehr an den Haaren herbei gezogen.

Schau mich an, ich bin jetzt der Captain

Mit Ernennung von Tilly als Aushilfs-Nummer-Eins war ja schon irgendwie klar, dass es früher oder später sein kann, dass sie auch mal das alleinige Kommando über die Discovery bekommt. Scheinbar gab es bislang keine Möglichkeit, das erst ein paar mal in ruhigeren Gewässern zu üben. Wie schon erwähnt hätte Saru in dieser Situation an der Stelle nicht Teil der Außenmission sein dürfen oder aber zumindest Burnham als Unterstützung an Bord bleiben müssen. Immerhin darf Michael Tilly in einer wirklich netten Szene ein paar hilfreiche Worte mit auf den Weg geben.

Wobei ich nach etwas Nachdenken sagen muss, dass Tilly an sich gar keinen schlechten Job macht. So viel bekommen wir ja gar nicht zu sehen. Zumal noch offen ist, ob nicht doch irgendeine ausgeklügelte Schutzmaßnahme in letzter Minute ausgeklügelt wurde. Der Auftrag war, erstmal im Umfeld des Nebels zu bleiben. Schon das ist fragwürdig, wenn man doch mit dem Sporenantrieb in St†ekundenschnelle überall präzise hinspringen kann.

Allerdings war durch Admirals Vances Ankündigung, dass die Smaragdkette mit “militärischen Übungen” rund um Kaminar zugange ist, nicht unbedingt mit dem Auftauchen von Ossyra zu rechnen. Also nicht mehr als ohnehin immer, zudem äußert keines der erfahreneren Crew-Mitgliedern Bedenken. Der Tarnmodus scheint allen noch neu zu sein, wobei jedem klar sein dürfte, dass man vielleicht vorher und zwischendrin ab und an mal den Standort wechseln sollte. Aber dass mal eben problemlos die Discovery gekapert werden kann, ist weniger Tillys fünf minütigen Captain-Daseins ankreiden. Das Schiff hat doch sogar ein Update erhalten - bei allem außer der Sicherheit? Und trotz des beschützenden Sphären-Bewußtseins? Leute können sich wirklich immer noch einfach so überall von außen hinbeamen?

Nun ist Stamets ein Sporen-Piloten-Zombie, Ossyra hat das Kommando über die Discovery und ist auf dem Weg gen geheimer Föderations-Zentrale. Fröhliche Weihnachten! Es bleibt das Gefühl - und sei es die Hoffnung - dass die Crew noch ein Ass im Ärmel hat.

Woher weiß Ossyra eigentlich von dem Sporenantrieb, Stamets Rolle und wo genau sie die Discovery finden kann? Ist Bookers eingebaute Smaragdketten-Technik doch wie so eine Alexa, die alles an Amazon/Ossyra weitertratscht - und ist das ein Versehen oder Booker wissentlich ein Maulwurf? War es die Katze? Ist Admiral Vance etwa doch ein Badmiral (ich hoffe nicht)? Und warum ist ausgerechnet jetzt Gray wieder aufgetaucht? Übernimmt der vielleicht heimlich Adiras Körper, um zu sabotieren? Und wieso bekommen wir quasi nie einen wirklichen Maschinenraum zu sehen, wo vielleicht auch Reno häufiger zu finden sein dürfte, dafür muss immer Stamets Labor herhalten.

In welches Wesen verwandelt sich Adira im Holo-Programm? Wird sie Culber und Saru mit den Medikamenten rechtzeitig erreichen? Werden sie alle überleben? Mit Blick auf die Abschiedsszene zwischen Culber und Stamets aber auch dem Gerede von Burnhams Captain-Material ist mir ein wenig bange. Klar, ich bin auch enttäuscht davon, wie Saru auf einmal als nicht ganz so fähiger Captain geschrieben wird, aber deswegen muss man ihn ja nicht gleich sterben lassen. Und bei Culber wäre es das wievielte Mal?

Fazit

“Sa’kul” hinterlässt uns nach einem Cliffhanger mit vielen offenen Fragen, aber eben auch dem Wunsch nach mehr, was an sich ein gutes Zeichen ist. Die alternative Umgebung in der Hologramm-Welt und das dadurch bedingte andere Spiel der Figuren funktioniert und ist eine erfrischende Abwechslung, wenn auch etwas düster geraten. Unterm Strich bin ich aber wieder etwas hoffnungsvoller, dass man Richtung Ende der dritten Staffel noch einmal die Kurve hin zu einer Zielgeraden gefunden haben könnte.

TrekCheck - Der Podcast zu Star Trek: Discovery 3.10

SPOILER

Wie das TrekCheck-Team bereits nach dem ersten Teil der "Terra Firma"-Doppelfolge befürchtet hat, ging es bei Star Trek: Discovery diese Woche nicht wirklich voran. Außer vielleicht für die Bestatter im Spiegeluniversum. Da wird intrigiert, gefoltert und gemordet, was das Zeug hält. Hätten wir alles nicht gebraucht und bekommt auch viel zu viel Screentime.

Imperatrix Georgiou kann einen weiteren Schritt in ihrer persönlichen Diktatorentherapie vorangehen. Nun. Das ist sehr schön für sie, wir verabschieden Madame Diktator mit Freuden in ihre eigene Serie, nachdem sie vom Wächter der Ewigkeit einem Test unterzogen wurde, den sie anscheinend mit Bravour bestanden hat. Dass dafür die Haupthandlung erneut praktisch nicht vorankommt ist allerdings ärgerlich.

Aber man soll ja nicht immer nur meckern. Deshalb hier ein paar Lichtblicke aus dieser doch recht übersichtlichen Folge: Anne mochte die Optik des Spiegel-Intros, Johannes freut sich über einen Extremkurzauftritt von Tig Notaro und Hannes mochte das zeitgleich ausgestrahlte Finale von The Mandalorian, das ja auch im Weltraum spielt. Das zählt, oder?

Terra Firma, Teil II - Kritik zu Star Trek: Discovery 3.10

SPOILER

Star Trek: Discovery 3.10 setzt nahtlos an den ersten Teil der Doppelfolge an. Warum es für diese Handlung gleich zwei Episoden braucht, bleibt jedoch auch am Ende von “Terra Firma, Teil II” unklar.

Warum sollte mich das kümmern?

Das Spiegeluniversum und seine Bewohner sind böse-böse. Vom Grunde auf und mit Spaß daran. Wir haben es begriffen. Es ist langweilig. Mir stellt sich eher die Frage, wie irgendjemand bis ins Erwachsenenalter hinein überlebt und warum man das dort überhaupt wollen würde. Was treibt die Leute an?

Wieso muss ich auch diese Woche rund 40 Minuten Charakteren, die mir völlig egal sind, dabei zusehen, wie sie sich gegenseitig foltern und umbringen? Und dann wird noch nicht einmal spannend gefoltert. Ein Knöpfchen drücken und die Folterkammer erledigt es von alleine - das ist doch öde für … fast alle Beteiligten. Und ja, darüber habe ich mir Gedanken gemacht, weil alles andere so furchtbar egal ist. Wir kennen und mögen keinen der Spiegel-Charaktere, warum erhalten sie also so viel Screentime? Gefühlt teilweise mehr als ihre Prime-Gegenparts in der ganzen bisherigen Staffel.

Statt Lorca selbst (Prime oder Spiegel) bekommen wir irgendeinen bisher fremden Charakter (Erster Offizier Duggard) präsentiert, der drei Worte sagen darf, ehe auch er getötet wird. Weil das im Spiegeluniversum nunmal so läuft. Ist quasi eine alternative Form der Begrüßung. Ich wiederhole: Wieso existiert da überhaupt noch irgendwer?

Es ist mir völlig wumpe, ob Mirror-Burnham ihre Einstellung ändert oder nicht und wer wann wie wen wegen was dort hintergeht. Es wollen sich eh alle ständig töten, dann ist das auch egal. Ja klar, es ist ein Test für Georgiou und soll zeigen, dass sie sich weiterentwickelt hat. Dass ihr das Prime-Universum doch ganz gut gefällt und sie Möglichkeiten sieht, auch ihr Universum mit Lehren aus ihrer Zeit auf der U.S.S. Discovery zu etwas Besserem zu machen. Allerdings sollte Georgiou bewusst sein, dass das Zeigen von Weichheit zu dieser Zeit in dieser Welt sehr, sehr dumm ist und auch herzlich wenig ändern dürfte.

Vor allem aber hätte man in den letzten drei Staffeln zumindest hin und wieder ein klein wenig mehr auf die Veränderungen von Georgiou eingehen müssen. Streicht jeden zweiten Kampf und jeden dritten ihrer sarkastisch-bösen Kommentare und packt stattdessen etwas Charakterentwicklung hinein. Dann hätten die minutenlangen Ansprachen des Bedauerns und mit sentimentaler Musik untermalten pseudo-emotionalen Szenen bei Prime-Michael und auch der gesamten Disco-Crew vielleicht gewirkt. Vielleicht.

War sonst noch was?

Es wurde bestätigt, dass Carl ein/der Hüter der Ewigkeit ist. Um es ganz deutlich zu machen, hat man sogar die Stimme aus der Klassik-Folge “Griff in die Geschichte” (Raumschiff Enterprise 1.28) nochmal herangezogen. Das passt ebenso wie das Retro-Design des Portals jedoch wenig in die Disco-Optik, was durch einen ziemlich unnötigen CGI-Shot der explodierenden Holztür kurz zuvor zusätzlich untermalt wurde.

Auf jeden Fall hat Georgiou den Test bestanden. Sie hat sich geändert und will nicht zurück ins Spiegel-Universum, aber im 32. Jahrhundert kann sie wegen der Raum-Zeit-Erkrankung auch nicht bleiben. Also geht es durchs Hüter-Portal davon zu irgendeinem Zeitpunkt der Prime-Vergangenheit. Willkommen zur Sektion 31. Achso, und der mysteriöse “San”, nach dem sie in ihrem Visionen rief, war ein “Husan”, der für sie irgendwann mal sehr wichtig war. Aber das dürfte auch egal sein.

Darüber hinaus ist es rätselhaft, warum man überhaupt noch Handlung auf der Prime-Discovery mit in die Folge baut. Es kommen Adira, Reno, Stamets und Booker für einen Technobabble-Austausch zusammen, was uns jedoch auch nicht weiter bringt. Booker installiert einen W-Lan-Verstärker der Smaragdkette, damit das schwache Signal des im Nebel verschollenen Kelpianer-Schiffs entschlüsselt werden kann. Das Ergebnis erfahren wir nicht.

Immerhin darf Admiral Vance noch zwei relevante Fragen stellen: Wieso zur Hölle lassen sie ohne einzuschreiten oder mal nachzufragen Booker Technik des Feindes in das wichtigste Schiff der Sternenflotte einbauen? Und hier, Saru, wieso wartest du auf einmal mit der Benachrichtigung der Führungsriege, jetzt wo es um Kelpianer geht?

Fazit

Es ist klar, dass es für die Sektion-31-Serie einen vielschichtigeren Charakter braucht, als es Mirror-Georgiou sein konnte. Warum man für die (wenig überzeugende) Erklärung einer wesensgeänderten Philippa aber gleich eine Doppelfolge kurz vor Ende der dritten Discovery-Staffel opfern muss, ist ein unverständliches Ärgernis.

TrekCheck - Der Podcast zu Star Trek: Discovery 3.09

PODCAST

Lack, Leder und düsteres Gelächter: So langsam geht es für  Star Trek: Discovery in die Schlusskurve. Da ist es nicht unbedingt hilfreich, dass Folge 3.09 “Terra Firma, Teil I” einen Abstecher in Spiegeluniversum-Gefilde macht. Das TrekCheck-Team tut sich diesmal schwer, ein paar gute Haare an der Folge zu lassen. Und das, obwohl Hannes seinen Einsatz für den Podcast so sorgfältig geplant hat, um die in dieser Doppelfolge offenen Handlungsfäden zusammenführen zu können.

Die Macher sahen das allerdings offenbar vollkommen anders, und so zerfällt die Folge vollkommen konzeptlos in einen ausführlichen Backdoor-Piloten für Georgious eigene Serie Sektion 31. Die eigentliche Haupthandlung wird in ein paar pflichtweise eingeworfenen Anmerkungen durch Stamets, Adira und eine kelpianische Videobloggerin abgearbeitet.

Der Hauptteil der Folge zieht sich wie Kaugummi in die Länge. Die nochmal extra düster aufpolierte Darstellung der Ultra-Bösewicht-Versionen der Crew langweilt schnell und die Erzählung dümpelt ziellos vor sich hin. Statt hintergründiger Regimekritik an tatsächlichen faschistischen Staaten gibt es einen Wanderzirkus, einiges an Overacting und einen blutigen Pausenkampf im Schiffsflur. Allein der kleine Rückbezug zur TOS-Folge "Griff in die Geschichte" macht dem Podcast-Team etwas mehr Spaß.

Terra Firma, Teil I - Kritik zu Star Trek: Discovery 3.09

SPOILER

Star Trek: Discovery 3.09 “Terra Firma, Teil I” bringt uns zurück ins Spiegeluniversum. Für Regisseur Omar Madha (The 100, Another Life) ist es die erste Arbeit im Trek-Universum. Das Drehbuch zum Zweiteiler stammt von Alan McElroy, der bereits gewisse Discovery-Erfahrung hat.

Nebulöse Nachricht

Adira hat wegen Schlafmangel den entscheidenden zweiten Teil der gängigen IT-Problem-Lösung “Hast du schon versucht, es aus- und wieder anzustellen?” vergessen. Das wirft die Arbeit an der Decodierung des empfangenen Notrufs aus dem Verubia Nebel um einige Stunden zurück, bringt dafür aber der Neben-Neben-Handlung an Bord der Discovery gute zwei Minuten mehr Laufzeit in dieser Episode.

Ansonsten bleibt die Frage nach dem Ursprung des Burns und die Auswertung der so hart errungenen SB-19-Daten anscheinend arg egal. Immerhin wissen wir nun, dass es sich nicht um ein uns bekanntes Sternenflotten-Schiff handelt, sondern um ein rund hundert Jahre altes Notsignal eines Föderationsschiffes von Kaminar. Was natürlich Saru sichtbar bewegt, immerhin war er zu seiner Zeit der erste und quasi einzige Kelpien, der überhaupt vom Leben jenseits seines Planeten wußte. Und dann sieht diese Dr. Issa der KSF Khi’eth auch noch seiner Schwester Siranna arg ähnlich (unter der Maske steckt bei beiden Hannah Spear).

So gerne Saru sich sonst mit Admiral Vance trifft, um seinen Rat und seinen Zuspruch einzuholen, jetzt mag er dann doch lieber erstmal warten und weiter analysieren, um was es sich handelt - und sich derweil alleine in seinem Quartier die Aufnahme von Dr. Issa in Dauerschleife ansehen.

Die Bedürfnisse weniger

Der Brillenmann Kovich (David Cronenberg) ist zurück und klärt Doctor Culber über Georgious mysteriöse Krankheit auf. Beobachtet wurde das gleiche Phänomen etwa bei Lt. Yor, einem Sternenflotten-Soldaten aus den Zeitkriegen im 24. Jahrhundert, der zudem aus der Kelvin-Zeitlinie/Alternativuniversum stammt. Das Problem scheint zu sein, dass allerlei Körperbestandteile nicht mit der Kombination aus Zeitreise und Sprung aus einem anderen Universum klar kommen.

Muss eine sehr schmerzvolle Angelegenheit sein, bei der die Sterbehilfe noch das beste ist, was man anbieten kann - glaubt Kovich. Der hat allerdings auch nicht wie Culber das gigantische gesammelte Wissen der Sphärendatenbank nebst der Crew wohlgesonnener KI zur Hand. Demnach gäbe es auf dem Planeten Danus V für Georgiou eine 5-Prozent-Chance eine Heilung zu finden.

Nachdem die Discovery in der vergangen Woche Taxi extra für Book gespielt hat und auf sehr fragwürdige Weise trotz expliziter anderer Befehle eine kämpferischen Auseinandersetzung mit der Smaragdkette einging, entdeckt Saru nun die ein oder andere moralische Grundfeste der Sternenflotte wieder für sich: Die Bedürfnisse vieler sind wichtiger als die Bedürfnisse weniger. Neenee, für jemanden wie Georgiou macht man keine Extratouren. Ich meine, was sie überhaupt noch an Bord macht und warum sie nicht lange irgendwo festgesetzt wurde, frage ich mich ja schon länger, aber nun hat man sie schon so lange mit durch Zeit und Raum genommen, da lässt man sie doch auch nicht mal eben so qualvoll sterben, wenn es eine Resthoffnung auf Heilung gibt.

Das sieht auch Admiral Vance so, der zudem glaube ich gar nicht so abgeneigt ist, die Discovery erstmal nicht mit in den Kampf zu nehmen, sondern lieber fernab bei einem unbewohnten Planeten in Sicherheit zu wissen. Saru gegenüber stellt er es als Lektion in Führungsstärke dar: Wenn man als Captain ein ertrinkendes Crew-Mitglied nicht rettet, verliere man den Respekt der kompletten Mannschaft und vor sich selbst.

Also geht es per Pilzantrieb auf nach Danus V.

Narnia

Ob das wohl der Abschied von Georgiou in Discovery ist? Die Bildsprache deutet so etwas an: Die Wanderung durch die ewigen Schneelandschaft von Danus V gleicht auffallend unserer ersten Begegnung mit Prime-Georgiou und Burnham auf der Außenmission auf einem Wüstenplaneten gleich zu Beginn der Pilotepisode.

Allerdings waren die Gespräche damals interessanter. Georgious anhaltend miesepetriges Rumgiften zur Untermalung ihrer (schrumpfenden) Bösartigkeit ist und bleibt einfach extrem ermüdend. Gerade, weil es ja auch schon an Bord der Discovery anfing mit schnarchigen Möchtegern-Kampf mit Burnham. "Bring mich um, damit ich ehrenvoll sterben kann" - jaja, hier, nimm einen Keks, ist gut jetzt. Bei ihr ist es eine feste Charaktereigenschaft und nicht durch den jetzt bekannten Ausblick auf einen baldigen, schmerzhaften Tod begründet.

Zum Glück treffen sie auf Danus V aka Narnia nicht auf die weiße Hexe, sondern auf eine magische Fee namens Carl. Carl spricht in Rätseln und flachen britischen Wortwitzen, scheint aber freundlich gesinnt. Warum sollte man auch nicht einem knuffigen Hutträger mit Hang zu altmodischer Kleidung mitten im Nirgendwo mit einer frei herumstehenden Tür in eine andere Dimension vertrauen?

Seine Lektüre gibt einen Hinweis darauf, wer oder was Carl sein könnte: "The Star Dispatch" ist zwar eine fiktive Zeitung, die in diversen Filmen und Serien gewählt wird, im Star-Trek-Universum tauchte sie erstmals mit einer Ausgabe der 1930er-Jahre in “Griff in die Geschichte” (Raumschiff Enterprise 1.28) auf. In der Episode trifft die Crew der Enterprise auf die oder den Hüter der Ewigkeit. Durch ein Portal der Hüter kann man sich nicht nur sämtliche Geschehnisse der Vergangenheit und Zukunft, auch alternativer Zeitlinien, anzeigen lassen, sondern sich auch selbst hinein begeben.

Gothic Noir

Georgiou hat nicht viel zu verlieren, also klettert sie durch Carls Kleiderschrank und landet zu ihrer Verwunderung als Imperatorin zurück im Spiegeluniversum, zeitlich kurz vor der Ankunft der Discovery beziehungsweise der Handlung der ersten Staffel.

Hier sind ihr alle vertraut böse-böse Bösewichte. Sehr eindimensional, so richtig spaßig sind nur die Klamotten - also wenn man einen Lack-, Latex- und Leder-Fetisch oder Hang zu körperbetonter schwarzer Kleidung mit güldenen Rüstungselementen hat. Das ist alles sehr wichtig, damit man auf keinen Fall irgendjemand aus dem Spiegeluniversum mit ihren Zwillingen des Prime-Universums verwechselt. Überall laufen sie blutlüsternd auf der Suche nach Schmerz durch die Gänge und pöbeln alles und jeden um sich heran. Das muss doch sehr anstrengend und langweilig sein.

Ja, irgendwie kann das Spiegeluniversum mit Captain Killy, diabolischer Burnham und der Rückkehr von Landry (Rekha Sharma) und Airiam (Hannah Cheesman), den schwarzen Schiffsdroiden, den opulenten Kleidern der Imperatorin und dem theatralischen Mörder-Stamets mit seinem chinesischen Zirkus trotzdem unterhalten, vor allem, weil den Darstellern der Spaß anzusehen ist. Aber fünf Minuten reichen dann auch schon wieder. Braucht es wirklich so viel Aufwand, um zu zeigen, dass die Reise mit der Prime-Discovery auch jemanden wie Georgiou geändert hat?

Andererseits sind es die Nahaufnahmen und Kameraschwenks hin zu düsterer Owosekun wert. Ohne ein Wort in ihrer Rolle zu sprechen, sagt Oyin Oladejo viel. Die führt doch was mit Detmer, Burnham und Killy im Schilde. Werden wir Imperatorin Owosekun zu sehen bekommen? Und wo bleibt Lorca? Georgious zweite Chance für alternative Entscheidungen können ja wohl kaum ohne Konsequenzen bleiben.

Nun stellt sich die Frage: Ist das alles eine Art Simulation? Ein Test, ob es Georgiou wert ist, gerettet zu werden? Wenn es sich wirklich um die Hüter der Ewigkeit handelt, so ist eher anzunehmen, dass Georgiou tatsächlich die Geschehnisse der Vergangenheit ändern kann und eventuell eine weitere alternative Zeitlinie schafft. Bleibt sie im Spiegeluniversum oder landet sie schließlich zur Heilung zwar wieder im 23. Jahrhundert, aber im Prime-Universum, um dort mit ihren eigenen Sektion-31-Abenteuern durchzustarten?

Fazit

Eine Bewertung fällt nach der ersten Hälfte einer Doppelfolge schwer. Wir werden sehen, in welche Richtung es uns nächste Woche treibt. Es zeigt sich jedoch schon jetzt das Problem, dass Georgiou über all die Zeit recht eindimensional und damit nicht sonderlich interessant geschrieben wurde.

Wieso also sollte mich ihr Schicksal nun kümmern - und dann auch gleich noch genug für eine Doppelfolge? Ich lasse mich aber gerne überraschen.

The Guardian of Forever in Star Trek Discovery vs TOS vs TNG

Pages

Subscribe to RSS - Star Trek: Discovery