Wonder Woman

DC-Comic-Kritik zu Wonder Woman 3 - 5

Nachdem im Rahmen dieser Reihe zunächst die ersten und später die zweiten Bände (diese sogar im Doppelpack) ausgewählter Reihen aus dem DC-Rebirth-Kosmos im Fokus gestanden haben, folgen nun Dreierpacks, bestehend aus den Nummern 3, 4 und 5 der einzelnen Serien. Spätestens nach der Lektüre dieser Beiträge sollte man dann eigentlich einschätzen können, welche Helden man auch weiterhin lesend begleiten möchte, und welche eher nicht.

Die Wahrheit

Es war einer dieser besonderen Momente auf der WonderCon 2016 in Los Angeles: Geoff Johns stellte nach und nach sämtliche Rebirth-Titel mitsamt der dazugehörigen Autoren vor. Der von deutlich hörbarem, starkem Applaus begleitete Auftritt von Greg Rucka sollte eine Art Vorbote des fantastischen Fan- und Kritikerechos sein, das der Run des Autors bei seiner Leserschaft hervorrufen würde. Seine Begründung für seine zweite große Reise an der Seite der Amazonenprinzessin war einfach (und sympathisch zugleich): “How do you say no to Diana?“

Mit diesen Worten war im Prinzip alles gesagt, denn zwischen den Zeilen schwangen gleichermaßen Achtung und Wertschätzung mit, die das Comic-Mastermind für das Mitglied der Justice League seit jeher empfindet. So fühlte er sich schon 2003 einst sehr geehrt, als er zum ersten Mal (bis 2006) für die Geschichten rund um die Halbgöttin verantwortlich zeichnete. Es kommt nicht von ungefähr, dass Lazarus, der wohl beliebteste Comic Ruckas, der nicht bei einem der großen Zwei erschienen ist, vor allem deshalb so beliebt ist, weil er nicht nur mit einer vielschichtigen Handlung oder einem tollen Look, sondern vor allem auch mit einer faszinierenden Protagonistin punkten kann.

Und ganz ähnlich fällt das Feedback zu seinem Beitrag zur Wiedergeburt des DC-Universums aus: Wenn am Ende gefühlt alles eine spezielle Bedeutung hat und alle Puzzleteile tatsächlich ein farbenfrohes Bild ergeben, spricht das für gutes Storytelling. Wenn nahezu alle Haupt- und Nebencharaktere in irgendeiner Form den Leser interessieren und es zu durchaus überraschenden Entwicklungen kommt, ebenso.

Die Wahrheit führt nun alle Handlungsstränge stimmig zusammen, wodurch die eigentliche Leistung Ruckas erst erkennbar wird: Der US-Amerikaner hatte nicht nur von Anfang an den enorm ambitionierten Plan, Wonder Woman endgültig weltweit die Anerkennung zuteilwerden zu lassen, die diese Figur schon lange verdient hat. Nein, er wollte zugleich ihre gesamte Historie ehren und diese durch einige Ergänzungen seinerseits so gestalten, dass sein Betrag ohne Probleme das erste von vielen weiteren Kapiteln eines echten Mammutwerks rund um das prominenteste weibliche Justice-League-Mitglied werden könnte. Dass der im Sommer 2017 angelaufene Film mit Gal Gadot als Diana global derart erfolgreich war, tat sein Übriges dazu, dass die mächtige Kriegerin mit dem guten Herzen endgültig in der allgemeinen Wahrnehmung zu ihren Trinity-Kollegen Batman und Superman aufschließen konnte.

Deshalb sieht man den Entschluss des Ausnahmeautors, den Titel mit dem Ende dieses Runs zu verlassen, mit einem weinenden und einem lachenden Auge. Denn dass man bekanntlich gehen soll, wenn es am schönsten ist, weiß jedes Kind, und trotzdem ist ein solcher Schritt für die treue Leserschaft natürlich hart, da diese sich problemlos selbst einreden kann, dass das Schönste/Beste erst noch kommt. Greg Rucka selbst begründete seine Entscheidung mit dem Zwei-Hefte-pro-Monat-Veröffentlichungsrhythmus, der es ihm erschwere, auch seinen anderen Projekten die entsprechende Aufmerksamkeit zu schenken, die sie verdient hätten. Liam Sharp, der mit seinen Zeichnungen fast schon neue Maßstäbe gesetzt hat, tat es seinem Partner gleich und ist mittlerweile für die neue Green-Lantern-Serie von Grant Morrison künstlerisch im All unterwegs.

Doch zuvor kam es noch zum großen Showdown mit Dr. Veronica Cale, der überraschenden Rückkehr eines alten Bekannten und einer Superheldin, die erst mit sich selbst wieder ins Reine kommen und für sich erkennen musste, was der Wahrheit entspricht und wobei es sich um Lügen handelt. So gesehen ging es von Anfang an darum, dass sich die Tochter von Zeus und der Amazonenkönigin Hippolyta im wahrsten Sinne des Wortes wieder selbst findet. Und das gelang ihr schließlich – nach der Absolvierung eines ungemein lesenswerten, weil sehr durchdachten, steinigen Weges.

Wonder Woman

Das Herz der Amazone

Zugegeben: Es ist einfach enorm undankbar, nach einer solch denkwürdigen Saga auf einen derart gefeierten Kollegen wie Rucka zu folgen. Dass Shea Fontana dennoch so mutig war, spricht zweifellos für sie. Einen Namen im Popkultur-Kosmos hatte sich die junge, im Verhältnis noch eher unerfahrene Autorin vor allem mit der Zeichentrickserie DC Superhero Girls (dem Urformat vor dem Reboot durch Lauren Faust) und deren Comic-Umsetzungen, die sich an ein eher junges Publikum richten, gemacht.

Ihr nun daraus einen Strick zu drehen, wäre gemein und viel zu einfach – zumal man nicht unterschätzen sollte, wie anspruchsvoll es ist, Kinder gut und originell zu unterhalten. Aber Das Herz der Amazone wirkt leider wirklich wie ein kleiner Pausenfüller, der die Wartezeit von einem bedeutsamen zum anderen bedeutsamen Run verkürzen soll, und das ist schlicht schade.

Der qualitative Unterschied zwischen Fontanas Geschichte und denen ihres Vorgängers und denen ihres Nachfolgers ist zu offenkundig, als dass man ihn unerwähnt lassen könnte. Die ihr zugrunde liegende Prämisse ist nicht das Problem: Kann Wonder Womans Blut vermeintlich unheilbare Krankheiten heilen, und sind ihre Kräfte eventuell sogar auf Menschen übertragbar? Es ist jetzt nicht so, als hätten langjährige Panel-Freunde noch nie Hefte mit einem ähnlichen Inhalt in ihren Händen gehalten, entscheidend ist jedoch immer, was man letztlich aus dieser Ausgangsidee macht.

Im Falle der sich auf den vierten Sammelband der Reihe beschränkenden Handlung kann man festhalten: Erwartbares. Keine Entwicklung überrascht so recht, und es will auch nie so wirklich Spannung aufkommen, weil alles dauerhaft vor sich hin plätschert. Man wartet von der ersten bis zur letzten Seite vergeblich auf einen echten Wow-Moment. Und spätestens da rächt sich dann für Fontana, dass sie nicht an die Vorlage Ruckas anknüpfen durfte oder wollte. Seine Art zu erzählen, seine Raffinesse, sein Einfallsreichtum und seine Detailverliebtheit haben dafür gesorgt, dass Fans gesehen haben, was möglich ist, wodurch sich ganz automatisch eine gewisse Erwartungshaltung entwickelt. Und dieser wird die Autorin einfach nicht gerecht. Unter anderem auch deshalb, weil sie es nicht schafft, dass man zumindest mit den Figuren mitfiebert. Es fehlt an Tiefgang, und das Dargebotene erscheint zu austauschbar, schablonenhaft und belanglos, weil es auch überhaupt keine Auswirkungen auf das große Ganze hat.

Hinzu kommt, dass die Zeichnungen von Mirko Andolfo, David Messina und Inaki Miranda für sich genommen absolut nicht beanstandenswert sind, die Stile der Künstler sich allerdings ziemlich unterscheiden. Dadurch kommt es auch visuell zu Brüchen, die endgültig zu einem unrunden Gesamtergebnis führen. Aber bekanntlich ist noch kein Meister vom Himmel gefallen. Und daher wäre es Shea Fontana zu wünschen, weiterhin Erfahrungen sammeln und sich ausprobieren zu dürfen, da man schließlich nur auf diese Weise besser werden kann – an einem weniger prominenten Heft zu arbeiten, wäre dabei sicher hilfreich.

Wonder Woman

Kinder der Götter

Jemand, der bereits viel Erfahrung sammeln konnte, ist James Robinson. Seine Interpretation von Starman brachte ihm viel Lob von Kritikern wie Fans ein, und die von ihm erdachten Abenteuer der JSA (Justice Society of America) ebenso. Und was soll man sagen? Schon nach den ersten Panels ist man mitten im Geschehen und blättert immer schneller um, weil das Präsentierte so packend ist.

Vor allem kommt es sehr erfrischend daher, was wiederum damit zusammenhängt, dass Robinson stringenter erzählt als Greg Rucka, der mit diversen Schauplätzen und unterschiedlichen Zeitebenen jongliert hat – ihr Verständnis für die Motivation von Figuren ist aber zweifellos ähnlich stark ausgeprägt. Gleichzeitig ist der "Neue" sehr darauf bedacht, in seinem Run diverse Geschichten aus der jüngeren und älteren DC-Vergangenheit fortzuschreiben und ähnlich wie sein Vorvorgänger Leerstellen zu füllen.

Das Resultat: Diana erfährt, dass sie einen Zwillingsbruder namens Jason hat und dass sie beide sowie alle anderen Halbgötter, die auf der Erde leben, in Gefahr sind, da Darkseid es auf sie abgesehen hat. Gemeinsam mit seiner Tochter Grail macht der wiedergeborene Herrscher von Apokolips Jagd auf die Halbgeschwister der Amazonenprinzessin und wird dabei stärker und stärker. Alle Details seines Masterplans werden allerdings noch nicht enthüllt. Man kann jedoch getrost davon ausgehen, dass er nicht weniger teuflisch ist als diejenigen, die er in der Vergangenheit ausgeheckt hat und die unter anderem das The-New-52-Justice-League-Finale Der Darkseid-Krieg zur Folge hatten.

Den Zeichnern Sergio Davila, Stephen Segovia und vor allem Carlo Pagulayan ist es zudem zu verdanken, dass Robinsons Visionen äußerst akkurat umgesetzt wurden. Look wie Inhalt machen also definitiv Lust auf mehr.

Fazit

Verbucht man Band 4 unter "Ausnahme, die die Regel bestätigt"kann man vor den restlichen vier Paperbacks nur seinen Hut ziehen. Es mag einige sehr gelungene Rebirth-Titel wie Green Lanterns, Aquaman oder Batman geben, aber Wonder Woman ist die Benchmark, an der es sich zu orientieren gilt.

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zusätzlicher Bildnachweis: 
© DC Comics

Patty Jenkins entwickelt mehrere Formate für Netflix

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Netflix-Logo

Netflix hat sich mit einem 10-Millionen-Dollar-Vertrag das Talent der Regisseurin Patty Jenkins (Wonder Woman) für mehrere Jahre gesichert. Sie soll diverse Serien exklusiv für den Streamingdienst entwickeln.

Bekannt wurde Jenkins direkt mit ihrem Regiedebüt Monster, der Charlize Theron für ihre Darstellung der Serienmörderin Aileen Wuornos sowohl einen Oscar als auch Golden Globe einbrachte. Auch bei zahlreichen TV-Produktionen wie etwa Arrested Development, Entourage, I Am the Night und The Killing übernahm Jenkins die Regie.

Ein großer Erfolg gelang ihr im Jahr 2017 mit Wonder Woman, der nicht nur Kritiker, sondern auch das Publikum und damit an den Kinokassen überzeugen konnte. Weltweit spielte der Film rund 800 Millionen Dollar ein.

Welche Formate Netflix bei der Zusammenarbeit mit Jenkins vorschweben ist noch nicht bekannt. Vorerst kann man sich aber ohnehin auf Juni 2020 freuen - dann startet Wonder Woman 1984 in den Kinos, natürlich wieder mit Gal Gadot in der Hauptrolle unter der Regie von Patty Jenkins.

Star Wars & Die Schöne und das Biest: Die profitabelsten Filme des Jahres 2017

Wie viel Geld ein Film einspielt und wie viel davon am Ende tatsächlich als Gewinn verbleibt, sind faszinierende Themen, die viele Filmfans beschäftigen. Anhand der Einspielergebnisse lässt sich allerdings oft schwer abschätzen, wie profitabel ein Film am Ende tatsächlich war. Beteiligungen von Darstellern, Anteile der Kinos oder Marketingkosten sorgen dafür, dass echte Gewinnprognosen schwierig sind.

Die Seite Deadline macht aus diesem Grund jedes Jahr eine genaue Analyse, um herauszufinden, welcher Film tatsächlich am meisten Gewinn erwirtschaften konnte. Für das Jahr 2017 hat man sowohl eine Top 10 zusammengestellt als auch die größten Flops ermittelt, wobei es nur um die Kinoergebnisse der Filme geht.

Platz 1 sicherte sich wenig überraschend Star Wars: Die letzten Jedi. Mit 417 Millionen Dollar Gewinn, war man allerdings nur knapp besser als Die Schöne und das Biest, der auf 414 Millionen Dollar kam. Komplettiert werden die Top 3 durch Ich – Einfach Unverbesserlich 3, der mit 366 Millionen Dollar auch gleichzeitig der einzige Animationsfilm in der Liste ist.

Die beste Comicverfilmung ist Wonder Woman mit 252 Millionen Dollar auf Platz 6. Davor konnte sich der Überraschungshit Es mit 292 Millionen Dollar platzieren. Das Marvel Cinematic Universe ist mit Spider-Man: Homecoming von Sony (200 Millionen Dollar), Thor: Tag der Entscheidung (174 Millionen Dollar) und Guardians of the Galaxy Vol.2 (154 Millionen Dollar) ebenfalls vertreten.

Auf der Flopseite gab es 2017 kein größeres Debakel als Guy Ritchies King Arthur: Legend of the Sword, der für Warner Brothers einen Verlust von 153 Millionen Dollar einfuhr. Auch Monster Trucks (123 Millionen Dollar Verlust), The Great Wall (74 Millionen Dollar Verlust) und Geostorm (71 Millionen Dollar Verlust) dürften bei den jeweiligen Studios für schlechte Laune gesorgt haben.

Hier die Top 10 in der Übersicht. Wie genau die Zahlen ermittelt wurden, lässt sich anhand einer Grafik bei Deadline nachverfolgen.

  1. Star Wars: The Last Jedi (Disney/Lucasfilm) – 417.5 Millionen Dollar
  2. Die Schöne und das Biest (Disney) – 414.7 Millionen Dollar
  3. Ich - Einfach unverbesserlich 3 (Illumination/Universal) – 366.2 Millionen Dollar
  4. Jumanji: Welcome to the Jungle (Sony) – 305.7 Millionen Dollar
  5. Es (New Line/Warner Brothers) – 293.7 Millionen Dollar
  6. Wonder Woman (Warner Brothers/DC) – 252.9 Millionen Dollar
  7. Spider-Man: Homecoming (Sony/Marvel) – 200.1 Millionen Dollar
  8. Thor: Ragnarok (Disney/Marvel) – 174.2 Millionen Dollar
  9. Guardians of the Galaxy Vol. 2 (Disney/Marvel) – 154.7 Millionen Dollar
  10. Get Out (Universal/Blumhouse) – 124.3 Millionen Dollar

Erwähnenswert:
Annabelle 2 (New Line/Warner Brothers) – 108.7 Millionen Dollar
Split (Universal/Blumhouse) – 68.2 Millionen Dollar
Baby Driver (Sony/MRC/Working Title) – 51.5 Millionen Dollar

DC-Comic-Kritik: Wonder Woman 2: Zwischen Lüge und Wahrheit/Nightwing 2: Blüdhaven (Rebirth)

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Wonder Woman Comic Cover

Wer die DC-Comic-Kritiken zu Wonder Woman 1: Die Lügen respektive Nightwing 1: Besser als Batman nachholen will, wird hier beziehungsweise hier fündig. Selbstredend muss in diesem Beitrag auf das bisherige Geschehen eingegangen werden, über Gebühr gespoilert wird jedoch - wie gewohnt - nicht.

Wonder Woman 2: Zwischen Lüge und Wahrheit

Inhalt

Diana steht neben sich, aber selbst Steve Trevor kann sich nicht so recht erklären, weshalb. Der Zeitpunkt ist allerdings mehr als ungünstig, denn Colonel Maru und ihr Team Poison sind den beiden längst auf den Fersen.

Nach diesem Blick in die Gegenwart, folgen mehrere in die Vergangenheit: Nacheinander stehen Dianas Ankunft in unserer Welt, ihr erstes Aufeinandertreffen mit Batman und Superman sowie einige wichtige Ereignisse aus dem Leben der Dr. Veronica Cale, denen eindeutig am meisten Aufmerksamkeit geschenkt wird, im Mittelpunkt der Handlung.

Greg Rucka, ein Meister des Verwebens

Origin-Storys haben unter Freunden der Popkultur mittlerweile fast schon einen schlechten Ruf. Nach all den Neuinterpretationen bekannter Stoffe, die in den letzten Jahren sehr häufig die Kinospielpläne bestimmten, kann man das auch durchaus nachvollziehen.

Und gerade weil dem so ist, muss man eigentlich noch mehr den Hut vor Greg Rucka ziehen. Von allen Rebirth-Titeln kommt sein Wonder-Woman-Run vermeintlich einem klassischen Reboot am nächsten. Dennoch ist er bei genauerer Betrachtung so viel mehr.

Bereits im ersten Sammelband Die Lügen stellte der Autor eindrucksvoll unter Beweis, dass er sich auch bei diesem Projekt nicht auf den Lorbeeren der Vergangenheit ausruhen würde. Während der Amerikaner zu Beginn jedoch seine Figuren überwiegend im Hier und Jetzt agieren ließ, ohne dabei alle sich ergebenden Fragezeichen der Leser zu beseitigen, gibt er nun in Zwischen Lüge und Wahrheit erstmals Antwort auf sehr viele Fragen - auch auf solche, die bislang noch gar nicht gestellt worden sind.

Wonder Woman Lügen & Wahrheit Rebirth

Mit jeder Seite wird offensichtlicher, dass Rucka nichts dem Zufall überlassen hat, jedem Detail Bedeutung beimisst und es überdies versteht, ein komplexes Erzählgeflecht so zu entwirren, dass man ihm gut folgen kann. Der letztgenannte Punkt wiederum ist vor allem im Umgang-mit-Origin-Storys-vor-dem-man-den-Hut-ziehen-muss-Kontext von Bedeutung.

Der mehrfache Eisner-Award-Gewinner hat seine Rückschauen nämlich so gestaltet, dass sie als eigenständige Geschichten funktionieren, gleichzeitig allerdings das große Ganze spürbar vorantreiben. Man versteht, warum welche Episode aus Dianas oder dem Leben eines anderen Charakters gezeigt wird, hat aber nie das Gefühl, man wüsste automatisch, was als Nächstes passiert. Man bekommt folglich Schlüssiges, jedoch nie Offensichtliches geboten; ein äußerst anspruchsvoller Drahtseilakt, den man in dieser Form erst einmal meistern muss.

Dieser Band stellt eine Art Brücke zwischen dem vorherigen und dem abgeschlossenen Trade Wonder Woman - Das erste Jahr dar, der Greg Ruckas eigene Version von Dianas Vorgeschichte beinhaltet, was stark dafür spricht, dass er sich offenbar sehr bewusst dazu entschieden hat, in seinen Rückblicken die Amazonenprinzessin zwar als eine Art verbindendes Element beizubehalten, sich gleichzeitig allerdings primär um andere zentrale Akteure zu kümmern - in erster Line um Dr. Veronica Cale…

Wenn der Anta- zum Protagonisten wird

Wer erklären will, warum ein Superhelden-Abenteuer nicht zu 100% begeistern konnte, brauchte zuletzt oft nicht lange, um einen mutmaßlichen Grund zu nennen: Der Antagonist wusste nicht zu überzeugen.

Solche Aussagen waren im Zusammenhang mit Film-, jedoch ebenfalls mit Comic-Besprechungen immer wieder zu hören und unterstreichen, wie wichtig die Gegenspieler des Helden für einen Großteil der Fans sind.

Wenn man sich - diesen Fakt im Hinterkopf habend  - noch einmal all das vor Augen führt, was Rucka in seiner - man möchte fast sagen - Diana-Saga macht, erscheint einem sein Vorgehen nur noch bemerkenswerter. Dass ein Autor einen derart ikonischen Charakter wie die Amazonenprinzessin zugunsten seiner Feinde immer wieder bewusst aus dem Spiel nimmt oder zumindest lediglich situativ zweckgebunden einsetzt, ist sehr selten, weshalb es umso positiver auffällt.

Im Grunde werden alle zentralen Momente aus dem Leben der Dr. Veronica Cale nicht einfach bloß nacheinander abgehakt, sondern in Beziehung zueinander gesetzt. Wonder Woman selbst war schon vor ihrem großen Kinodurchbruch den meisten Menschen in den USA ein Begriff, ihre Gegner aber vornehmlich nur den treuen Anhängern. Und die Chefin von Empire Industries käme auch bei besagten weit hinter Hades, Cheetah oder Kirke.

Wonder Woman Lügen & Wahrheit Rebirth

Der Mann, der ebenfalls für (Noch-)Geheimtipps wie Lazarus, Black Magick oder The Old Guard verantwortlich zeichnet, erkannte allerdings das in der Milliardärin, die ungefähr in einer Liga mit Lex Luthor und Bruce Wayne spielt, schlummernde Potenzial. Er erkannte, dass sie alles mitbringt, um Schlüsselfigur seines Runs zu werden. Und man muss rückblickend sagen, dass das nicht nur eine gute, sondern eine hervorragende Idee von ihm war.

Indem Rucka dem Leser Cales Motivation für ihr Handeln schildert, macht er sie diesem Schritt für Schritt sympathischer. Die vermeintlich eiskalte Geschäftsfrau wirkt ab einem Punkt X eher wie eine bemitleidenswerte Person, der übel vom Schicksal mitgespielt wurde. Eine, die sich jedoch als Reaktion darauf nicht verkriecht. Nein, eine, die sich mit allen Mitteln wehrt, was dazu führt, dass mehr und mehr Gegner Wonder Womans erwähnt werden oder sich die Ehre geben. Auf diese Weise gewinnt Frau Dr. in einer ungeheuren Geschwindigkeit an Profil und erreicht damit mehr als manche intergalaktische Bedrohung, mit der es sonst die gesamte Justice League aufnehmen muss.

Nightwing 2: Blüdhaven

Inhalt

Das Geheimnis um Raptor wird endlich gelüftet. Nightwing und sein neuer Mentor, der Bruce Wayne entführt hat, treffen noch ein letztes Mal aufeinander.

Zudem zieht es Dick Grayson nach Blüdhaven. Er hofft, dort nach den aufwühlenden Vorkommnissen der letzten Zeit wieder etwas mehr zu sich zu finden, und zwar ohne Maske. Allerdings muss er sehr schnell feststellen, dass er in seiner neuen Heimat wohl doch nicht allzu schnell auf sein schwarz-blaues Outfit wird verzichten können.

Nightwing, oh Nightwing!

Man muss überhaupt keine Quervergleiche zu den Abenteuern anderer Helden anstellen, aber wenn man Band 1 mit Besser als Batman untertitelt (im Original: Better than Batman), dann darf man als Rezipient auch eine gewisse Erwartungshaltung an den Folgeband haben. Wird man dieser dann jedoch in mehrerlei Hinsicht nicht gerecht, sorgt das fast zwangsläufig bei vielen dafür, dass sie eine an sich recht gefällige Story als Enttäuschung empfinden. Einzig die Bilder, die erneut unter anderem auf Javier "Javi" Fernandez zurückgehen, bilden da eine Ausnahme.

Dass es etwas unglücklich wirkt, dass Nightwing 2: Blüdhaven zunächst den Arc rund um Raptor zu Ende bringen muss, kann man an dieser Stelle erwähnen, ist allerdings zu vernachlässigen, da wir es bei Sammelbänden schließlich immer mit zusammengefassten Einzelfheftausgaben zu tun haben. Auf diese Weise fällt der inhaltliche Kontrast zur nachfolgenden Geschichte jedoch zweifelsfrei noch mehr ins Gewicht.

Nightwing Rebirth 2

Diese setzt nämlich an einem Punkt ein, wo sehr viel ungewiss und in der Schwebe ist. Außerdem hat man erfahren, dass neben dem Rat der Eulen noch eine weitere Geheimorganisation bei Nightwings letzter Mission im großen Stile mitgemischt hat. Diese offenen Fragen hätte man noch nicht direkt beantworten, es hätte dafür aber wenigstens etwas kommen müssen, dass die aufgebaute Spannung zumindest hält - immer mit der Prämisse im Hinterkopf, dass der Plan war, besser als Batman sein zu wollen. Denn selbst ein kurzer Blick auf Tom Kings aktuelle oder Scott Snyders vergangene Batman-Serie genügt, um zu realisieren, dass beide die Grundspannung eigentlich nie haben abflachen lassen.

Blüdhaven macht genau das allerdings beinahe mustergültig. Dick Grayson, der zwar viel außerhalb Gothams im Einsatz war, jedoch stets dorthin zurückgekehrt ist, zieht es nun in eine nur unweit entfernte Stadt, um wieder zu sich selbst zu finden, und das am besten ohne nächtliche Einsätze. Dass das nicht so wirklich funktioniert, liegt auf der Hand. Das Warum beziehungsweise das Wie sind aber wenig überzeugend geraten.

Innerhalb kürzester Zeit setzt sich der ehemalige Robin an die Spitze einer Gruppe ehemaliger Superschurken in Ausbildung, um deren Unschuld zu beweisen. Diese werden nämlich fälschlicherweise beschuldigt, Verbrechen begangen zu haben und rückfällig geworden zu sein, obwohl sie mit ihrer Vergangenheit eigentlich längst endgültig abgeschlossen hatten.

Besagter Fall, der darüber hinaus etwas halbherzig um eine Romanze angereichert wird, ist schlicht viel zu unspektakulär. Man lässt sich viel zu wenig Zeit, um die neuen - zum Teil durchaus sympathischen - Charaktere zu etablieren, lässt Dick viel zu schnell zum “Posterhero von Blüdhaven“ werden und beendet die Angelegenheit zudem derart abrupt, dass es fast an eine Filler-Folge erinnert. Die angesprochenen Anknüpfungspunkte existieren allerdings immer noch. Und zudem waren davor umgesetzte Ideen so gut, dass man ihm ohne Weiteres zutrauen sollte, mit Nightwing 3 vielleicht nicht unbedingt etwas abzuliefern, dass das Prädikat Besser als Batman verdient, jedoch etwas, das wesentlich runder als dieses Trade daherkommt.

Nightwing Rebirth 2

Fazit

Wonder Woman 2: Zwischen Lüge und Wahrheit macht beinahe alles anders als Die Lügen, aber trotzdem im Grunde genommen alles richtig. Greg Ruckas Rebirth-Erzählungen gehören nicht nur zum Besten, was die Wiedergeburt des neuen DC-Universums hervorgebracht hat, sondern müssen auch den Vergleich mit dem, was Verlags- und Genre-übergreifend an Qualitätstiteln aktuell publiziert wird, nicht scheuen.

Das Fehlen von Liam Sharps fantastischen Zeichnungen merkt man aber zugegebenermaßen schon, obwohl sich sogar mehrere seiner Kollegen (unter anderem die junge Bliquis Evely) kreativ austoben durften.

Nightwing 2: Blüdhaven löst nicht das Versprechen ein, das der Vorgängerband zumindest in den Raum gestellt hat und liefert primär lediglich nette Unterhaltung für zwischendurch.  Dies ändert aber nichts an der Tatsache, dass Autor Tim Seeley zuzutrauen ist, noch große Nightwing-Geschichten zu erzählen - das letzte Panel unterstützt in jedem Fall diese Annahme.

zusätzlicher Bildnachweis: 
© Panini Comics/ DC Comics

"Selbst wenn es Marvel nicht gäbe, wäre es ein Kampf." - Superman-Darsteller Henry Cavill über das DCEU

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Batman v Superman

Das DC Extended Universe sorgt stetig für Debatten unter den Fans. Länger schien es, als müsste man mit Filmen wie Batman v Superman und Suicide Squad erst noch den richtigen Weg finden, um ein Cinematic Universe zu erschaffen, das mit dem von Marvel vergleichbar ist. Mit Wonder Woman ist man mittlerweile scheinbar auf dem richtigen Weg.

Mit The Rake (via Heroic Hollywood) sprach Superman-Darsteller Henry Cavill nun über die Hürden und auch die Fehler, welche im DCEU gemacht worden sind:

"Selbst wenn es Marvel nicht gäbe, wäre es ein Kampf. Da gabs einen Stil, den sie [DC] haben wollten, einen Versuch, anders zu sein und die Dinge aus einem leicht anderen Blickwinkel zu betrachen. Das hat nicht unbedingt geklappt. Klar, man hat Geld gemacht, aber keinen Erfolg bei den Kritikern erlangt. Nicht alle haben das Gefühl gehabt, das Superhelden den Zuschauern geben sollten.

Meiner Meinung nach ist jetzt eine tolle Zeit für die weibliche Heldin. In der Gesellschaftspolitik ist es nun der richtige Rahmen, den wir brauchen. Wir möchten diese Perspektive. Wonder Woman hat den richtigen Nerv getroffen und phänomenalen Erfolg erlangt. Das ist fantastisch. Jeder Erfolg im Superhelden-Universum, gerade im DC-Universum, ist toll, weil ich weiterhin die Geschichte von Superman erzählen möchte. Egoistischerweise klappt das für mich.

Er scheint, dass man jetzt die richtigen Fehler gemacht hat. Nun können wir damit anfangen, die Geschichten so zu erzählen wie sie erzählt werden müssen. Es ist immer besser, wenn man daher kommt, wo man ein Fehler gemacht hat, weil es dann stärker wirkt. Wonder Woman war der erste Schritt in die richtige Richtung."

Ob auch Justice League in diese Richtung geht, ist ab 16. November in den deutschen Kinos zu sehen.

JUSTICE LEAGUE - Official Heroes Trailer

Wonder Women: Gal Godat über rückwirkende Änderungen zwischen Batman v Superman & Justice League

Vor dem Kinostart von Justice League am 18. November geht Wonder-Woman-Darstellerin Gal Gadot auf die rückwirkenden Änderungen ihrer Figur ein, die vor allem ihren ersten Auftritt in Batman v Superman: Dawn of Justice betreffen. In dem Film mache sie einen zurückgezogenen Eindruck und erklärte, dass sie sich schon vor 100 Jahren von der Menschheit abwandte.

Am Ende von Wonder Woman, der zur Zeit des Ersten Weltkrieges spielt, erklärte Diana jedoch hingebungsvoll genau das Gegenteil: Ihre Mission sei es, für eine bessere Welt weiterzukämpfen.

Die Erklärung dieses Widerspruchs ist in der Entwicklunggeschichte der Filme zu suchen, wie Gadot bei einer chinesischen Pressekonferenz zu Justice League erklärt:

"Es wusste keiner so ganz genau, wie es um die Hintergrundgeschichte von Wonder Woman steht. Erst als sie sich dazu entschieden haben, den Solo-Film zu machen, haben wir uns Gedanken um den Kern der Figur gemacht. Wir haben erkannt, dass Wonder Woman der Menschheit niemals ihren Rücken zukehren würde. Sie hat die Insel verlassen, um das Leben der Menschen besser und sicherer zu machen. Das ist ihre Berufung.

Ich gebe euch daher eine ehrliche Antwort: Manchmal etabliert man während der kreativen Schaffensphase etwas, was sich nicht unbedingt als die beste Entscheidung herausstellt. Aber man hat immer die Möglichkeit, so etwas zu ändern und zu korrigieren. Wonder Woman wird, was sie betrifft, immer für die Menschheit da sein."

Nach Justice League wird Gadot in Wonder Woman 2 (2019), der in den 80er Jahren spielen soll, zu sehen sein. Auch wurde bereits über einen Auftritt im Flash-Solofilm Flashpoint spekuliert.

Wonder Woman 2: Regisseurin Patty Jenkins wieder an Bord - Rekordgage inklusive

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Wonder Woman

Patty Jenkins hat offiziell für die Fortsetzung von Wonder Woman unterschrieben. Wie Variety berichtet, wird die Regisseurin nach dem ersten auch das zweite Soloabenteuer der Comicheldin inszenieren. Dem Bericht zufolge soll Jenkins für die Regie, die Mitarbeit am Drehbuch und ihre Rolle als Produzentin ein Gehalt im Bereich von acht Millionen Dollar erhalten. Dies würde sie zur bestbezahlten Regisseurin aller Zeiten machen. Zudem wird Jenkins wohl auch am Gewinn des Films beteiligt.

Mit Wonder Woman gelang der Regisseurin in diesem Sommer sowohl ein Erfolg bei den Kritikern als auch den Kinokassen. Allein in den USA spielte die Comicverfilmung über 410 Millionen Dollar ein und steht damit hinter Die Schöne und das Biest auf Platz 2 der erfolgreichsten Filme des Jahres. Weltweit kommt Wonder Woman auf 816 Millionen Dollar und ist der bisher siebterfolgreichste Film des Jahres.

Die Fortsetzung zum Kinoerfolg ist offiziell für den 13. Dezember 2019 angekündigt. Neben Regisseurin Patty Jenkins kehrt auch Hauptdarstellerin Gal Gadot zurück. Allerdings müssen sich die Fans von Wonder Woman nicht erst bis 2019 gedulden. Ein Wiedersehen mit der Heldin gibt es schon im Herbst im Zuge von Justice League. Der Film startet am 16. November in den deutschen Kinos.

Einspielergebnis: Ich - Einfach unverbesserlich 3 startet gut, Transformers 5 baut ab,

In Deutschland muss sich das Publikum noch bis Donnerstag gedulden, erst dann startet Ich – Einfach unverbesserlich 3 auch hierzulande. In den USA und 46 anderen Ländern lief der Film dagegen schon am vergangenen Wochenende an. In den Vereinigten Staaten spielte die Fortsetzung am Startwochenende rund 75,4 Millionen Dollar ein. Damit liegt man leicht unter dem Ergebnis des Vorgängers, der 2013 auf 83,5 Millionen Dollar kam. Das Publikum außerhalb der USA steuerte zudem 116,9 Millionen Dollar bei, sodass sich ein bisheriges Gesamtergebnis von 192,3 Millionen Dollar ergibt.

Trotz leicht schwächerer Werte im Vergleich zu Teil 2 reichte das Ergebnis von Ich – Einfach unverbesserlich 3 locker aus, um Transformers: The Last Knight vom Thron der amerikanischen Kinocharts zu stoßen. Der fünfte Teil der Reihe spielte in den USA an seinem zweiten Wochenende sogar nur 17 Millionen Dollar ein und landete damit hinter dem Neustart Baby Driver (21 Millionen Dollar) auf Platz 3.

Mit insgesamt 102 Millionen Dollar liegt The Last Knight in den USA aktuell deutlich unter den Werten der bisherigen Transformers-Filme. In den Vereinigten Staaten ist Transformers: Ära des Untergangs mit 245 Millionen Dollar der bisher schwächste Teil der Reihe.

Selbst in China läuft es nicht mehr ganz so gut für das Franchise. Auch wenn man bereits umgerechnet 193,5 Millionen Dollar einspielen konnte, sind die Zahlen im Vergleich zur Vorwoche um 76 Prozent nach unten gegangen. Dass der Film die Werte seines Vorgängers erreicht, der an den chinesischen Kinokassen 2014 umgerechnet 320 Millionen umsetzen konnte, erscheint mittlerweile sehr unwahrscheinlich.

Beim weltweiten Gesamteinspielergebnis ist ebenfalls noch deutlich Luft nach oben. Bisher steht Transformers: The Last Knight bei 429 Millionen Dollar. Der schwächste Film der Reihe ist aktuell Teil 1, der auf 709 Millionen Dollar kam. Um diesen Wert zu erreichen, muss sich der Film noch deutlich steigern. Unter anderem stehen die Kinostarts noch in Japan und Brasilien aus.

Die Marke von 700-Millionen-Dollar überspringen konnte am vergangenen Wochenende dagegen Wonder Woman. In den USA landete man mit 16,1 Millionen Dollar nur knapp hinter Transformers 5 auf Platz 4. Damit steht die Superheldenverfilmung in den Vereinigten Staaten bei 346 Millionen Dollar, was Wonder Woman zur dritterfolgreichsten DC-Comicverfilmung des Landes macht. Nur The Dark Knight und The Dark Knight Rises konnten an den amerikanischen Kinokassen mehr Geld einspielen. Weltweit steht Wonder Woman nun bei 708 Millionen Dollar und pirscht sich damit so langsam an Suicide Squad (745 Millionen Dollar) heran. Für die 873 Millionen Dollar von Batman v Superman: Dawn of Justice dürfte es aber nicht mehr reichen.

Einspielergebnis: Wonder Woman in Deutschland auf Platz 1

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Wonder Woman

Nachdem sich das deutsche Publikum zwei Wochen länger gedulden musste als die amerikanischen Kinozuschauer, ist Wonder Woman in der vergangenen Woche auch hierzulande gestartet. Wie in den USA sicherte sich die Comicverfilmung von DC in Deutschland ebenfalls Platz 1 der Kinocharts. Rund 220.000 Besucher und 2,5 Millionen Euro sind allerdings keine rekordverdächtigen Werte. Sowohl Batman v Superman: Dawn of Justice (555.000 Besucher) als auch Suicide Squad (500.000 Besucher) waren im vergangenen Jahr besser gestartet.

International läuft es aber weiterhin richtig gut für die DC-Comicverfilmung. In den USA landete Wonder Woman am vergangenen Wochenende mit 40,77 Millionen Dollar auf Platz 2 in den Kinocharts. Lediglich die Pixar-Fortsetzung Cars 3 lief mit 53,3 Millionen Dollar besser. Wonder Woman steht in den Staaten jetzt bei 274 Millionen Dollar, das weltweite Einspielergebnis beträgt rund 572 Millionen Dollar.

Für Die Mumie läuft es mit rund 14 Millionen Dollar am zweiten Wochenende in den USA weiterhin eher überschaubar, dafür scheint der Film außerhalb der Vereinigten Staaten einen Nerv zu treffen. Von den insgesamt 295 Millionen Dollar stammen nur 56 Millionen Dollar von den amerikanischen Kinogängern.

Etwas besser, aber vermutlich trotzdem unter den Erwartungen des Studios, schlägt sich Pirates of the Caribbean: Salazars Rache. Der neueste Teil der Piratenreihe konnte in der vergangenen Woche die Marke von 650 Millionen Dollar überspringen. Damit hat man fast das Einspielergebnis des ersten Teils der Reihe (654 Millionen Dollar) erreicht. Mit den anderen drei Filmen, die jeweils mindestens 960 Millionen Dollar einspielen konnte, wird Salazars Rache aber nicht mehr mithalten können.

Spoiler-Kritik zu Wonder Woman: Das DC Extended Universe findet sich

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Wonder Woman

Mit Wonder Woman gelingt Warner Bros. nicht nur erneut ein Erfolg an den Kinokassen, der Film erfreut sich auch großer Beliebtheit bei Kritikern und Publikum. Etwas, was von den bisherigen Filmen des DC Extended Universe nicht in gleichem Maße behaupten kann. Grund genug für uns, einen weiteren Blick auf das erste Solo-Abenteuer der kämpfenden Amazone zu werfen. Allerdings nehmen wir hier keine Rücksicht auf Spoiler. Wer den Film noch nicht gesehen hat, sollte sich lieber an unsere spoilerfreie Kritik halten.
 
Dass das Abenteuer von Wonder Woman so viel Spaß macht, hat der Film vor allem den ersten beiden Dritteln zu verdanken. Hier bietet die Comicverfilmung genau die richtige Mischung aus sympathischen Charakteren, Humor, Herz und guter Action. Die Geschichte macht tatsächlich Spaß, eine Sache, die Warner Bros. gerade bei Batman v Superman: Dawn of Justice irgendwie vergessen hatte. Dabei bleibt man sich allerdings trotzdem treu. Durch die Front-Szenen ist der Film immer noch deutlich ernster und düsterer als die meisten Marvel-Filme. Trotzdem rutscht die ganze Sache nicht in die irgendwie deprimierende Stimmung ab, die in Batman v Superman verbreitet wurde. Man bekommt das Gefühl, dass Warner Bros. sich mit Wonder Woman in gewisser Weise gefunden hat.
 
Allerdings muss man auch festhalten, dass das letzte Drittel etwas abfällt. Das Finale ist nicht unbedingt schlecht, es bietet nur eben die generische Action, die man aus Superheldenfilmen gewohnt ist. Das tatsächliche Actionhighlight findet deutlich früher in der Front-Szenen statt, und irgendwie wünscht man sich, dass der Film mit dieser Szene geendet hätte. Stattdessen gibt es zum Schluss wieder einmal ein CGI-Feuerwerk, das nur dadurch gerettet wird, da man als Zuschauer tatsächlich mit den Figuren mitfiebert. Der Tod von Trevor bringt zudem eine wichtige emotionale Note, die das Ende deutlich aufwertet.

Letztendlich setzt auch Wonder Woman einen Trend fort, der sich mittlerweile in vielen Superheldenfilmen von Marvel, Fox und Warner Bros. beobachten lässt: Ob ein Film tatsächlich gut ist, entscheidet sich meist in der ersten Hälfte. Das Ende besteht praktisch immer aus einem Effektgewitter, das häufig sehr austauschbar wirkt. Gelingt es den Machern, dass man zu diesem Zeitpunkt Interesse an den Charakteren und ihrem Schicksal gewonnen hat, dann ist das Finale meist auch in Ordnung, allerdings auch nicht viel mehr. Ein gutes Beispiel war zuletzt Guardians of the Galaxy Vol. 2, dessen Ende ebenfalls nur aufgrund der Figuren nicht dröge wurde. Als Gegenbeispiel lässt sich Suicide Squad im vergangenen Jahr nennen.
 
Zum schwächeren, wenn auch immer noch unterhaltsamen, letzten Drittel von Wonder Woman trägt auch der Twist bei. Leider konnte man die Wendung, dass Diana in Wirklichkeit die Tochter eines Gottes ist, schon meilenweit erahnen. Gerade zu Beginn wurden alle Charaktere rund um die junge Prinzessin nicht müde zu betonen, dass es ein großes Geheimnis gibt. Das nahm teilweise schon etwas überhand, und man bekam irgendwie das Gefühl, dass auch der dümmste Zuschauer schon auf den Twist vorbereitet werden soll. Auch die Enthüllung, dass Morgan eigentlich Ares ist, dürfte nur wenige überraschen.
 
Generell legt der Film seinen Fokus sehr stark auf die Helden und vernachlässigt seine Schurken. Dadurch, dass Ares nur in den letzten zehn Minuten auftaucht, muss dessen Plan und Motivation in kurzer Zeit runter gebetet werden, schließlich befindet man sich schon im Abschlusskampf. Zuvor muss der Zuschauer Vorliebe mit General Ludendorff und Dr. Poison nehmen. Beide Figuren sind aber nur bedingt spannend.

Ludendorff wirkt vollkommen überzeichnet und sehr klischeebeladen. Besonders die Szenen wie die, in der Ludendorff einfach einen seiner Soldaten über den Haufen schießt, um zu zeigen, wie böse er ist, wirken zu aufgesetzt. Auch Doctor Poison hätte man sich eigentlich sparen können, da die Wissenschaftlerin an sich nur eine motivlose Handlangerin ist.
 
Eigentlich wäre der Film auch problemlos ohne die Szenen der beiden Schurken ausgekommen. Grad durch die Auftritte von Ludendorff selbst, kommt man als Zuschauer zum Schluss, dass dieser mit großer Wahrscheinlichkeit nicht Ares ist. Ohne die Szenen wäre die Gefahr lange Zeit viel nebulöser geblieben und hätte vielleicht auch die finale Enthüllung etwas überraschender gestaltet.
 
Letztendlich kann man durchaus festhalten, dass das Problem der schwachen Endgegner nun nicht mehr allein eine Sache der Marvel-Filme ist. Mit Doomsday, Ares und Enchantress gewinnen auch die Schurken der letzten DC-Filme keine Preise. Es wird in jedem Falle spannend, ob Justice League im Herbst diesen Trend fortsetzt.

Fazit

Wonder Woman ist über weite Strecke eine wirklich unterhaltsame Comicverfilmung. Seine Stärken spielt der Film aber vor allem in den ersten beiden Dritteln aus. Das Ende folgt dann leider doch zu sehr typischen Genrekonventionen. Trotzdem ist Wonder Woman ein großer Schritt in die richtige Richtung und etwas, worauf Warner Bros. aufbauen kann.

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