Hörspiel

Carmilla: Hörspiel nach dem gleichnamigen Roman von Sheridan Le Fanu

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Denkt man an klassische Vampirbücher, kommt einen sofort Dracula (1897) in den Sinn. Dabei war Bram Stokers Roman gar nicht das erste Werk über die unheimlichen Blutsauger. John Polidori (Der Vampyr 1816) und Joseph Sheridan Le Fanu (Carmilla 1872) veröffentlichten bereits Jahre vor Stoker ihre Vampirgeschichten. Auch wenn Dracula das Bild der Blutsauger nachhaltig prägte, lohnt es sich auch die anderen Klassiker zu kennen.

Beginnen kann man mit Carmilla, welches der WDR 1984 als Hörspiel adaptierte. Le Fanus Geschichte, wie auch das gleichnamige Hörspiel, spielen in der Steiermark. Dort auf einen Schloss lebt Laura mit ihren Eltern. Als eines Abends eine Kutsche in der Nähe verunglückt, leistet die Familie den Passagieren Hilfe. Am meisten scheint sich die junge Carmilla verletzt zu haben, die bei dem Unfall ihr Bewusstsein verloren hat.

Laura und ihre Eltern beschließen, das kranke Mädchen auf zu nehmen und gesund zu pflegen. Die einsame Laura freundet sich schnell mit Carmilla an. Doch seit das fremde Mädchen auf dem Schloss lebt, sterben in der Umgebung überraschend viele Frauen. Auch Lauras körperlicher Zustand verschlechtert sich. Erst als sie während eines Ausflugs mit ihrem Vater ins nahe gelegene Dorf Karnstein auf General Spielsdorf trifft, kommen sie hinter Carmillas dunkles Geheimnis.

In dem Hörspiel sind unter anderen Nina Danzeisen, Sona McDonald, Luitgard Im, Hans Caninenberg, Bernd Birkhahn und Jörg Kaehler zu hören. Die Hörspieladaption wurde von Heinz Wilhelm Schwarz inszeniert.

WDR 3 sendet das Hörspiel am 14. Mai von 19.04 bis 20 Uhr. Bereits jetzt steht Carmilla befristet im WDR-Hörspielspeicher zum Download zur Verfügung.

Delay: Hörspiel über ein spurlos verschwundenes Flugzeug

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Der Flug IWA 303 nach Stockholm verschwindet spurlos vom Radar. Die Behörden gehen schnell von einer Entführung durch Terroristen oder ein Absturz auf dem offenen Meer als einzige mögliche Erklärungen aus. Doch das Mädchen Lena kommt durch ihre übersinnlichen Kräfte dem Rätsel auf die Spur.

Im heimatlichen Stockholm nimmt Lena telepathischen Kontakt zu ihrer Zwillingsschwester in der verschwundenen Passagiermaschine auf. Diese ist nämlich weder entführt noch abgestürzt, sonder kämpft sich durch einen schweren Sturm – obwohl alle Wetterdaten kein Unwetter anzeigen. Der Wissenschaftler Richard Mathiesen vermutet, dass das Flugzeug in eine andere Dimension katapultiert worden ist.

Tatsächlich überfliegen Flugkapitän Paul Andersson und seine Passagiere eine albtraumhafte Landschaft voller Vulkane und Lavameere. Nun heißt es, wieder einen Weg nach Hause zu finden, bevor dem Flugzeug der Sprit ausgeht.

Delay stammt aus der Feder von Bodo Traber, der auch die Hörspiele Paradise Revisited, Der Flüsterer, Die blauen Schafe, Kurz vor Sonnenaufgang, Mühlheimers Experiment und Nachtexpress verfasste. Außerdem schrieb er für die Hörspielreihe Geister-Schocker die Folge "Hostile Area". Die Regie führte Petra Feldhoff (Das Ding im Nebel, Puppenstadt).

In dem Hörspiel sind Cathlen Gawlich (Synchronstimme von Elizabeth Banks und Lily Rabe), Arnd Klawitter (Sløborn), Oliver Stritzel (Synchronstimme von Josh Brolin), Britta Hammelstein (Der Baader Meinhof Komplex) sowie Paul Herwig, Michael Schenk, Barnaby Metschurat, Glenn Goltz und Matthias Ponnier zu hören.

1Live sendet das Hörspiel am 7. April von 23 bis 0 Uhr. Nach der Ausstrahlung steht Delay befristet im WDR-Hörspielspeicher zum Download zur Verfügung.

Dreamland Grusel 51: Kritik zum Hörspiel Die Caves und der Klang des Todes

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Die namenlose Kleinstadt könnte Hawkins oder Castle Rock heißen – auf jeden Fall ist sie einer jener Orte irgendwo in den USA, in der eine Gruppe jugendlicher Helden gegen ein übernatürliches Grauen kämpfen muss. Die Inspirationsquellen für das neue Dreamland-Grusel-Hörspiel "Die Caves und der Klang des Todes" sind unschwer zu erkennen. Da reicht eigentlich schon ein Blick auf die Namen der Hauptfiguren und eine kurze Zusammenfassung des Inhalts.

Am Beginn des Sommers 1987 scheint die Welt der vier Außenseiter Will Bowers, Nancy Donner, Denis Willburn und Dave Law noch in Ordnung zu sein – sieht man von gelegentlichen Auseinandersetzungen mit den Schulschlägern ihrer Highschool ab. Doch von einem Moment auf den anderen verwandelt sich ihr heiles Kleinstadtleben in eine grauenvolle Hölle.

Zu Hause beim Fernsehgucken, in der Schule beim Nachsitzen oder beim Besuch der örtlichen Videothek verwandeln sich Erwachsene in hirnlose Monster, die brutal aufeinander losgehen. Auslöser der Verwandlung scheint ein geheimnisvolles Störgeräusch aus Radio- und Fernsehgeräten zu sein.

Kinder und Jugendliche scheinen gegen diese akustische Attacke immun zu sein, obwohl auch sie die Töne hören können. Dave, Will, Denis und Nancy können sich nach Angriffe ihrer Eltern, Lehrer und ältere Geschwister in eine Höhle in der Nähe der örtlichen Mall retten. Dort scheinen sie vorerst sicher zu sein vor dem geheimnisvollen Geräusch und den Angriffen der erwachsenen Bewohner ihrer Heimatstadt.

"Das kannst du deiner Oma erzählen, Bowers!"

Die Grundkonstellation der Geschichte ist nicht wirklich neu. Schon Stephen King schrieb in den 80er-Jahren verschiedene Geschichten, die Teenager in einer Kleinstadt mit übernatürlichen Grauen konfrontiert – und dann wäre da noch diese erfolgreiche Netflix-Serie, die sich genau dieser Mixtur aus Horror, 80er, Kleinstadt und Teenager bedient. Thomas Birker, der Produzent von Dreamland Grusel, bat den Autoren Thomas Plum auch exakt um eine Geschichte, die den Geist von Stand by me, Es und Stranger Things transportiert. Das neue Hörspiel ist trotz dieser bekannten Muster durchaus eine Bereicherung für die Reihe.

Die erste Folge Dreamland Grusel kam 2005 auf dem Markt. Die Serie verstand sich als Hommage und indirekte Fortsetzung der 80er-Jahre-Gruselserie von H.G. Francis aus dem Hause Europa. So gibt es immer wieder direkte Fortsetzungen ("Wolfsnächte", "Draculas Todesinsel" und zuletzt "Die Weltraummonster") der alten Francis-Hörspiele. Mittlerweile hat man sich von dem Vorbild gelöst, und die Spannbreite des Horrors reicht nun von Vampiren und Werwölfen über Killerhaie und Aliens bis zu unheimlichen Dämonen im Altenheim.

"Wer bist du eigentlich?"

Die vier Hauptrollen sind mit Sprechern besetzt, welche Ende der 80er-Jahre geboren wurden oder wie Vincent Borko erst 1998 auf die Welt kamen. Auch wenn ihre Teenager-Zeit nun schon länger zurückliegt, gelingt es allen, die jugendlichen Helden glaubhaft rüber zu bringen. Luisa Wietzorek als Nancy Donner ist darin besonders gut. Sie synchronisiert unter anderen Taissa Farmiga (American Horror Story).

Auch Vincent Borkos Stimme dürfte dem ein oder anderen Serienfan bekannt vorkommen. Er leiht Aidan Gallagher als Nummer Fünf in The Umbrella Academy seine Stimme. Im Hörspiel spielt er Denis Willburn. Felix Strüven als Will Bowers und Benjamin Stolz als Dave Law synchronisierten bisher kleinere Rollen in unterschiedlichen Serien und Animes. Außerdem waren sie bereits in anderen Dreamland-Grusel-Folgen zu hören. Die Stimmen der drei männlichen Sprecher lassen sich zum Anfang etwas schwer auseinanderhalten, insgesamt kann man aber über ihrer Leistung nicht meckern.

Die meisten Nebenrollen sind mit erfahrenen Sprechern besetzt. Zu hören sind unter anderen Peter Lontzek (Synchronstimme von Tom Hiddleston), Santiago Ziesmer (Synchronstimme von Steve Buscemi) und Bernd Egger (neue Synchronstimme von Arnold Schwarzenegger) – und man muss schon genau hinhören, um Lutz Mackensy (Erzähler der Hörspielserie Fünf Freunde), Dietmar Wunder (Synchronstimme von Daniel Craig) oder Eckart Dux (Synchronstimme von Ian McKellen in der Hobbit-Trilogie) in ihren sehr kurzen Auftritten nicht zu verpassen.

Bei so viel qualitativ hochwertigen Sprechern fallen einige mittelmäßigen Auftritte umso mehr auf – aber nicht großartig ins Gewicht. Die Hörspielmacher haben sich in der Folge selbst verwirklicht und legen bei ihren Einsätzen viel Enthusiasmus an den Tag, kommen aber nicht an die Qualität der professionellen Sprecherriege heran, die sie für "Die Caves und der Klang des Todes" um sich versammelt haben.

"Jetzt lernst du fliegen, mein Junge!"

Es ist nicht weiter schlimm, dass sich die Geschichte typischer Klischees wie Nerds und Schulschläger bedient. Ein 80er-Teenage-Horror-Szenario würde ohne diese Stereotypen etwas fehlen. Außerdem ist das Thema im Hörspielbereich gar nicht so abgenutzt, da dort die Geisterjäger erwachsen sind und die Kinderbanden immer nur Jagd auf menschliche Verbrecher machen.

Auch ist die Idee sehr gelungen, dass die Erwachsenen sich durch ein Geräusch in brutale Monster verwandeln. Dies gab es zwar schon: Man vergleiche Stephen Kings Roman Puls und auch in dem Film Pontypool verwandeln sich die Menschen durch ein Radiosignal in eine Art Zombies. Bei einer Audioproduktion bietet ein akustischer Auslöser für das Grauen doch ein ganz neues Hörerlebnis.

Es bleibt interessant, was hinter dem unheimlichen Störgeräusch steckt und wie die vier Helden es schaffen, die unbekannte Macht dahinter zu stoppen, denn das Hörspiel endet nach 50 Minuten ohne Auflösung. Bei der 51. Dreamland-Grusel-Folge handelt es sich um einen Zweiteiler. Die Fortsetzung folgt im Mai in "Die Caves und ein tödlicher Feind".

Problematisch am ersten Teil ist nicht der Inhalt, sondern wie dieser erzählt wird. Wer keine Rückblenden mag, wird nach kurzer Zeit feststellen, dass hier genau mit dieser Erzähltechnik gearbeitet wird. Das wäre nicht das Schlimmste, wenn man wenigstens einen Erzähler eingebaut hätte, statt die vier Jugendlichen ihre Rückblenden selbst einzuleiten. Hier wird die Möglichkeit verschenkt, etwas mehr 80er-Jahre-Atmosphäre und Gruselstimmung aufzubauen.

Außerdem gibt es immer wieder unnötige Nebenhandlungen, die von der eigentlichen Story ablenken. Bisher ist nicht klar, welche Rolle zum Beispiel die Erzählung rund um die Trennung von Wills Eltern spielt – was vielleicht noch in zweiten Teil zum Tragen kommt oder lediglich ein misslungener Versuch darstellen mag, der Figur mehr Tiefe zu verleihen. Gerade zu Beginn wirkt das Hörspiel durch die Rückblenden und Nebenhandlungen etwas wirr.

"Du kannst froh sein, dass du hier nicht auf eine Leiche oder einen gruseligen Clown gestoßen bist."

Im Klappentext der CD-Hülle steht, dass "Die Caves und der Klang des Todes" im Jahr 1987 spielt. Im Hörspiel selbst wird dazu keine Angabe gemacht. Es gibt aber eine Anspielung auf Stephen Kings Roman Es, welcher erst 1986 erschien. Die vielen Anspielungen auf Rambo, Shining und andere Filme der 80er-Jahre sollen dem Hörer verdeutlichen, in welchem Jahrzehnt das Hörspiel spielt.

Serien wie Stranger Things haben es da wesentlich leichter, das Retro-Feeling zu transportieren. Mit der richtigen Mode, alten Automodellen und passenden Kulissen kann man die 80er-Jahre schnell wieder zum Leben erwecken. Im Hörspiel geht das alles nicht. Aber statt ständiger Filmtitel und -zitate hätten die Protagonisten auch mal über den neuen Stephen-King-Roman reden können, jemand hätte auf den Commodore Maniac Mansion zocken können oder eine Nachrichtensendung im Hintergrund hätte einfach den US-Präsidenten Ronald Reagan erwähnt.

Lieder von Billy Idol, U2, Bon Jovi oder den Pet Shop Boys im Hörspiel einzuspielen hätte auch der zeitlichen Einordnung dienen können, wäre für ein so kleines Label sicher zu teuer gewesen. Da hat man sich aber sehr gut mit einem eigenen Retro-Soundtrack geholfen. Die Musik von Komponist Tom Steinbrecher, der als Autor auch die Dreamland-Grusel-Folgen "Im Bann der Teufelskrähe" und "Galgendorf" mit verfasste, vermittelt ein passendes Retro-Gefühl und sorgt an den richtigen Stellen für schaurige Gruselstimmung.

Vergleicht man die neue Folge mit vorherigen Hörspielen der Dreamland-Grusel-Reihe, dann fällt die unterschiedliche Art des Horrors auf. "Die Caves und der Klang des Todes" bietet einen härteren Grad an Gewalt, welcher so bisher nur in Zombiegeschichten zu hören war. Eltern, die in Gegenwart ihrer Kinder brutal übereinander herfallen, rechtfertigen eine Altersempfehlung ab 16 Jahren durchaus.

Fazit

"Die Caves und der Klang des Todes" ist eine spannende Geschichte für Fans von 80er-Teenage-Horror. Es hätte der Geschichte gut getan, wenn sie stringenter erzählt würde und sich der Regisseur um ein weniger mehr 80er-Jahre-Atmosphäre und Gruselstimmung bemüht hätte. Die zum Großteil sehr professionellen Sprecher können diese leichten Schwächen auffangen. Zusammen mit dem sehr guten Soundtrack von Tom Steinbrecher ist das Hörspiel ein gelungener Nostalgietrip in die 80er. Man kann gespannt sein, welches Grauen hinter den akustischen Attacken steckt und welches Schicksal die vier jungen Helden in der Fortsetzung im Mai ereilt.

Der Wachmann: Hörspiel über eine geheimnisvolle Katastrophe

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Wie lange ist man angesichts einer Katastrophe verpflichtet, weiter seinen Dienst zu tun? Das Hörspiel Der Wachmann liefert eine ganz eigene Antwort auf diese Frage. Die beiden Wachleute Michel und Harry haben eigentlich einen sehr einfachen Job. Von ihrem Wachraum in einer Tiefgarage kontrollieren die beiden den Zugang zu mehreren Luxusapartments in dem darüber liegenden Hochhauskomplex. Nur durch das sich ab und an öffnende Garagentor können sie kurz einen Blick auf die Außenwelt werfen.

Als die tägliche Routine sich verändert, Lieferungen ausbleiben und keine Ablösung erscheint, befürchten die beiden, dass auf der Welt etwas Schlimmes passiert sein muss. Ist es vielleicht zu einer nukleare Katastrophe gekommen oder hat ein Krieg die Zivilisation zerstört?

Die Bewohner der Luxuswohnungen verlassen nach und nach das Gebäude, sodass Michel und Harry zuletzt nur noch einen Bewohner bewachen, der eisern in dem Hochhaus ausharrt. Dann taucht plötzlich ein dritter Wachmann auf und die Situation in der Tiefgarage eskaliert.

Der Wachmann aus dem Jahr 2020 basiert auf dem gleichnamigen Roman des niederländischen Autors Peter Terrin. In dem Hörspiel sind Matthias Bundschuh, Martin Reik, Lennart Hillmann, Michael Klammer und Gerd Wameling zu hören. Die Regie führte Steffen Moratz (Fleischfabrik).

SWR2 sendet das Hörspiel Der Wachmann am Samstag, den 22. Januar, um 19.05 Uhr.

Hörspieltipps: Weihnachten mit Werwölfen und Dorian Gray

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Was wäre Weihnachten ohne die Hörspieladaption eines Klassikers der Weltliteratur? Dieses mal gibt es auf WDR 3 Das Bildnis des Dorian Gray zu hören. Verfasst hat die Gruselgeschichte Oscar Wilde im Jahr 1890. Die Hörspielfassung von Klaus-Dieter Pittrich stammt aus dem Jahr 2000.

In Das Bildnis des Dorian Gray spielen unter anderen Bastian Trost (Saphirblau), Peter Groeger (Synchronstimme von Armin Shimerman in Deep Space Nine) und Karlheinz Tafel (Erzähler der ersten Geister-Schocker-Folgen) mit. Als Erzähler der Geschichte ist Axel Milberg zu hören, der diese Aufgabe seit 2017 auch bei der Hörspielserie Die drei ??? übernimmt.

WDR 3 sendet das Hörspiel in sechs Folgen. Los geht es am Mittwoch, den 22. Dezember von 19.04 bis 19.35 Uhr. Die nächsten Teile folgen zur selben Sendezeit am 23. Dezember, 27. Dezember, 28. Dezember, 29. Dezember und 30. Dezember. Danach steht Das Bildnis des Dorian Gray in der ARD-Audiothek und im WDR-Hörspiel-Speicher befristet zum Download zur Verfügung.

Unbekannter als Wildes berühmter Roman ist die Erzählung Das Geheimnis des Werwolfs von H. C. Artmann. Petra Feldhoff hat den Stoff des österreichischen Schriftstellers 2005 vertont. In der Geschichte geht es um eine Reisegruppe, die in einer abgelegenen Berglandschaft mit einem Werwolf konfrontiert wird. In dem Hörspiel sind unter anderen Anna Thalbach (Krabat), Wilfried Hochholdinger (Inglourious Basterds), Burghart Klaußner (Der Vorleser), Alexander Khuon (You are Wanted) und erneut Peter Groeger zu hören.

WDR 3 sendet Das Geheimnis des Werwolfs am Freitag, den 24. Dezember von 19.04 bis 20 Uhr. WDR 5 wiederholt das Hörspiel am Samstag 25. Dezember um 17.04 Uhr. Danach steht es ebenfalls in der ARD-Audiothek und im WDR-Hörspiel-Speicher befristet zum Download zur Verfügung.

Gruselkabinett 175: Kritik zum Hörspiel Der Student von Prag

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Der Student von Prag kam 1913 in die Kinos und konnte mit für seine Zeit beachtlicher Tricktechnik das Publikum beeindrucken. Heute ist der Film in Vergleich zu anderen frühen fantastischen Filmen – wie Nosferatu, Dr. Mabuse, der Spieler oder Das Cabinet des Dr. Caligari – weitestgehend in Vergessenheit geraten. Marc Gruppe hat dies nun geändert und die alte Geschichte des Stummfilms für die Reihe Gruselkabinett als Hörspiel zu neuem Leben erweckt.

Die Geschichte spielt in Prag des frühen 19. Jahrhunderts. Der arme Student Balduin sehnt sich nach gesellschaftlichen Aufstieg in die obere Schicht des Landes. Der junge Mann ist zwar ein begnadeter Fechter, aber es fehlen ihm zur Verwirklichung seines Traums sowohl die adelige Herkunft als auch das nötige Vermögen. Da tritt der geheimnisvolle Scapinelli an Balduin heran. Er macht den Studenten auf Margit, die Tochter des Grafen Schwarzenberg, aufmerksam. Ausweglos verliebt wird sein Unglück von nun an nur noch größer.

Dies nutzt Scapinelli skrupellos aus und verspricht dem Studenten unermesslichen Reichtum, wenn dieser ihm etwas aus seinem Studentenzimmer überlässt. Balduin macht sich keine großen Gedanken, als der unheimliche Mann sein Spiegelbild auswählt und dieses mit Scapinelli aus dem Zimmer verschwindet. Er ist nun reich, und seine Liebesträume von Margit können nun endlich wahr werden – wäre da nicht ihr Verlobter Baron Waldis. Es folgen verbotenen Liebschaften, dämonische Orgien und tödliche Duelle. Zu spät erkennt Balduin die teuflischen Konsequenzen des Vertrags mit Scapinelli – und im Schatten lauert immer noch sein Spiegelbild auf die Gelegenheit, Balduins Leben zu übernehmen.

"Einen schönen großen Spiegel habt Ihr hier."

"Der Student von Prag" bewegt sich irgendwo zwischen Märchen und Gruselgeschichte. Auch wenn die Handlung vage an Klassiker der Romantik wie E. T. A. Hoffmanns Die Elixiere des Teufels und Die Abenteuer der Sylvesternacht oder Adelbert von Chamissos Peter Schlemihls wundersame Geschichte erinnert, ist die Vorlage jüngeren Datums. Das Hörspiel basiert auf dem gleichnamigen Stummfilm aus dem Jahre 1913.

Zum Regisseur des Films gibt es widersprüchliche Angaben. Einige Quellen behaupten, der Däne Stellan Rye hätte zusammen mit dem Hauptdarsteller Paul Wegener (Der Golem) den Stummfilm inszeniert. Andere bezeichnen den Schriftsteller Hanns Heinz Ewers als Regisseur und Rye lediglich als seinen Assistenten. Als sicher gilt, dass das Drehbuch aus der Feder von Ewers stammt, der sich wohl stark von den oben genannten Werken der Romantik inspirieren ließ.

"Ich gehorche dir Meister."

Ewers Werke wurden in der Reihe Gruselkabinett ("Die Spinne", "Alraune", "Die Topharbraut" und "Der letzte Wille des Stanislaw d'Asp") schon mehrfach vertont. Dabei ist der Autor aufgrund seiner Nähe zum Nationalsozialismus nicht unumstritten. In jungen Jahren setzte er sich für die Gleichberechtigung seiner jüdischen Mitbürger ein, was ihn später nicht daran hinderte, in die NSDAP einzutreten. Ewers arbeitete für das NS-Propagandaministerium und schrieb einen Roman über den SA-Mann Horst Wessel.

Die Anbiederung an das NS-Regime nutzte dem Autoren nicht viel. 1934 wurde ein Publikationsverbot gegen ihn verhängt und seine früheren Bücher von den Nationalsozialisten verboten, weil sie den neuen Machthabern zu freizügig und erotisch waren – was sich insbesondere auf Ewers berühmtestes Werk Alraune. Die Geschichte eines lebenden Wesens bezog.

Auf dem Cover des Hörspiels wird als Verfasser zusätzlich noch der Autor Leonard Langheinrich-Anthos genannt, der 1913 einen Roman zum Film nach Ewers Drehbuch verfasste. Die Geschichte wurde von vielen Autoren aufbereitet, bevor Marc Gruppe sie über hundert Jahre später für die Hörspielreihe Gruselkabinett umarbeitete. Der Hörspielregisseur hat die Erzählung behutsam modernisiert und den Sprechern viele alte Begriffe und Redewendungen in den Mund gelegt, welche nicht aus dem Stummfilm, sondern höchsten der Romanadaption entstammen können.

"Zeig, was du kannst, Alterchen!"

Titania Medien wirbt immer damit, dass innerhalb der Reihe Gruselkabinett bekannte deutsche Synchronstimmen berühmter Hollywood-Stars zu hören sind. Das ist bei "Der Student von Prag" anders. Die meisten Sprecher und Sprecherinnen sind zwar keinesfalls Amateure, synchronisieren aber eher unbekannte Schauspieler, übernehmen Rollen in Anime und sind immer wieder in verschiedenen Hörspielreihen zu hören.

Die Stimme des Balduins dürften viele Netflix-Zuschauer bekannt sein. Tim Schwarzmaier ist die Synchronstimme Lee Jung-jae, welcher in dem koreanischen Serienhit Squid Game Seong Gi-hun alias Nummer 456 spielt. Außerdem lieh Schwarzmaier Daniel Radcliffe in den ersten beiden Harry-Potter-Filmen seine Stimme. Schwarzmaier spielt den verzweifelten und später dekadenten Balduin sehr gekonnt. Nur wenn er sein Spiegelbild spricht klingt, er ein wenig gewollt düster.

Ähnliches lässt sich über Willi Röbke sagen, der den finsteren Scapinelli spricht. Wenn er als teuflischer Bösewicht zu Hochform aufläuft, klingt er völlig überdreht. Dies passt aber zu Vorlage. In Stummfilmen agierten die Schauspieler in Mimik und Gestik immer überdeutlich, um den fehlenden Ton zu kompensieren. Die etwas ungewohnte Darbietung mancher Sprecher klingt zunächst etwas ungewohnt. Allerdings schaffen die Macher so bewusst oder unbewusst einen Stummfilm für die Ohren, in dem die Sprecher etwas überagieren, um die fehlenden Bilder im Kopf zu erschaffen – das funktioniert im Rahmen der Geschichte sehr gut.

"Ich empfehle Euer Gnaden diesen kostbaren Schlafrock hier."

Auch Horst Naumann als Graf Schwarzenberg, Sigrid Burkholder als Komtesse Margit und Nicolas König Baron Waldis Schwarzenberg spielen ihre jeweiligen Rollen mit viel Pathos und Gefühl, was sich aber sehr gut in den Gesamtkontext einfügt. In einer sehr kleinen Nebenrolle ist dann doch noch ein bekannterer Synchronsprecher zu hören. Allerdings fällt Patrick Bachs (Synchronstimme von Sean Astin) Auftritt so klein aus, dass man schon genau hinhören muss, um ihn zu erkennen.

Das Hörspiel besitzt mit Peter Weis einen Erzähler, der ruhig in mal kurzen, mal längeren Passagen durch das gesamte Hörspiel führt. Die beiden Regisseure Stephan Bosenius und Marc Gruppe nutzen dieses Element auch geschickt aus. Peter Weis fungiert als Erzähler selten nur als Stichwortgeber für seine Kollegen, sondern erweckt mit seinen Texten und seiner Stimme das Prag des frühen 19. Jahrhunderts zum Leben. Unterstützt wird diese Atmosphäre durch die Musik. Zu Beginn und zwischendurch sind Auszüge aus Die Moldau von Bedřich Smetana zu hören.

"Bei mir ist nichts mehr zu holen."

"Der Student von Prag" erfindet das Motiv des Doppelgängers nicht neu. Wer Erzählungen oder Märchen über einen teuflischen Pakt kennt, weiß, worauf das Hörspiel am Ende hinausläuft. Aber Hörer, die neue und unerwartete Geschichten entdecken wollen, sind bei der Reihe Gruselkabinett sowieso nicht richtig. Hier werden berühmte und weniger bekannte Klassiker der Schauerliteratur adaptiert.

Moderne Innovationen fehlen hierbei von der Covergestaltung bis zur Musik. Wer Neuinterpretationen sucht, dem sei Oliver Dörings phantastische Geschichten empfohlen. Die Reihe Gruselkabinett setzt hingegen auf Nostalgie und wohligen Grusel – und das bekommen die Hörer auch bei "Der Student von Prag" geboten.

Fazit

Marc Gruppe und Stephan Bosenius ist es gelungen, den alten Stummfilm perfekt als Hörspiel zu adaptieren. Die Geschichte rund um den Studenten Balduin, der sein Spiegelbild verliert, ist zwar nicht neu. "Der Student von Prag" kann aber mit einer Reihe sehr guter Sprecher aufwarten, die alle in ihren Rollen überzeugen können. Wer klassische Gruselgeschichten mit nostalgischen Flair mag, sollte auf jeden Fall reinhören.

zusätzlicher Bildnachweis: 
© Titania Medien

Brave Neue Welt: Hörspiel über einen Reporter aus der Zukunft

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In dem Hörspiel Brave Neue Welt wird der Reporter Primo Lyon in die Vergangenheit geschickt, getarnt als Tourist über das Berlin vergangener Zeiten zu berichten. Die vertraute Gegenwart konfrontiert den Besucher aus der Zukunft mit vielen unbekannten Schrecken: angefangen beim Straßenverkehr bis hin zu Menschen, die ihren Nachwuchs noch selbst austragen und dies nicht von Maschinen erledigen lassen.

Dem Reporter Primo Lyon leiht Christian Ulmen (Jerks, Herr Lehmann) seine Stimme. In weiteren Rollen sind unter anderen Jörg Diernberger, Sabine Vitua, Anna Bötcher, Kenan Gün, Luise H. Hoffmann, Vincenzo Rosso, Silvia Ließmann und Johann Boss zu hören. Die Regie bei dem Hörspiel aus dem Jahr 2013 führte Jörg Diernberger, der mit Ulmen schon bei der MTV-Serie Unter Ulmen zusammen arbeitete.

WDR 3 sendet die Hörspielreportage am Sonntag, den 28. November von 19.04 bis 20 Uhr. Einen Tag später wird Brave Neue Welt auf 1Live wiederholt. Anschließend steht das Hörspiel befristet bis in der ARD-Audiothek zum Download zur Verfügung.

Ebenfalls am 28. November sendet Deutschlandfunk Kultur um 18.30 Uhr Schwarze Spiegel contd. Das Hörspiel basiert auf einer Geschichte von Arno Schmidt (Die Gelehrtenrepublik), in dem die Menschheit bis auf einem Mann (Tilo Werner) ausgestorben ist. Der Protagonist ist mit seiner Situation eigentlich recht zufrieden, bis er in den Ruinen der Zivilisation auf eine weitere Überlebende (Sascha Icks) trifft.

1984: Neues Hörspiel des dystopischen Science-Fiction-Klassikers

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Schon in seiner Fabel Die Farm der Tiere hatte George Orwell seine pessimistische Sicht auf die Gesellschaft nieder geschrieben. 1948, nur drei Jahre später, hatte sich sein Weltbild noch weiter verdüstert und der Autor veröffentlichte seine Dystopie 1984. Zwar leben wir heute, 37 Jahre nach 1984, in einer Welt, die auf den ersten Blick nichts mit Orwells pessimistischer Zukunftsvision zu tun hat. Es gab und gibt auf der Welt aber leider immer wieder Staaten, die seinen dystopischen Science-Fiction-Roman sehr nahe kommen.

Held der Geschichte ist Winston Smith, der im totalitären Überwachungsstaat Ozeanien lebt. Dort arbeitet er für das "Ministerium für Wahrheit". Als seine Zweifel am System zunehmen, wächst auch der Druck der herrschenden Partei auf Winston. Der Sender Bayern 2 hat die bekannte und noch immer aktuelle Geschichte nun neu vertont.

Die Regie führte Klaus Buhlert, der sich schon an die Hörspieladaption von Klassikern wie Moby Dick, Der Mann ohne Eigenschaften oder Ulysses wagte. In 1984 sind unter anderen Elisa Plüss, Franz Pätzold, Felix Goeser, Jens Harzer, Wolfram Koch, Jenny König, Dimitrij Schaad und Bibiana Beglau zu hören.

Bayerns 2 sendet das Hörspiel in vier Folgen. Los geht es am Freitag, den 29. Oktober von 21.05 bis 22.30 Uhr. Die nächsten Teile folgen zur selben Sendezeit am 5. November, 12. November und 19. November. Danach steht 1984 im Hörspiel Pool des Senders zum Nachhören bereit.

Test: Hörspiel nach einer Geschichte von Stanislaw Lem

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Am 12. September vor hundert Jahren wurde der polnische Science-Fiction-Autors Stanisław Lem geboren. Seine bekanntesten Romane dürfte Solaris aus dem Jahr 1961 und Der futurologische Kongress von 1974 sein. Der Autor schrieb allerdings viele weitere Science-Fiction-Geschichten, in deren Mittelpunkt immer der Umgang des Menschen mit dem technischen Fortschritt sowie der Wahrnehmung der Realität standen.

Anlässlich des runden Geburtstags sendet der Hessische Rundfunk das Hörspiel Test. Held der Erzählung ist der Raumkadett Pirx, welcher in verschiedenen Geschichten Lems sowie in dem Roman Fiasko auftaucht. Pirx befindet sich in der Ausbildung zum Raumpiloten und wird für einen Testflug ausgewählt. Alles verläuft zunächst nach Plan, bis eine Fliege, welches sich in das Schiff geschmuggelt hat, alles durcheinander bringt.

In dem Hörspiel sind unter anderen Florian Lukas, Stjepan Markovic, Herbert Schäfer und Norbert Schwientek zu hören. Die Regie übernahm Johannes Mayr. HR 2 sendet Test am Sonntag, den 12. September um 16 Uhr. Danach steht das Hörspiel befristet bis zum 11. Oktober in der ARD-Audiothek zum Download zur Verfügung.

Dein haploides Herz: Hörspiel nach einer Geschichte von James Tiptree Jr.

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Der Name Alice B. Sheldon sagt vermutlich nur wenigen Menschen etwas. Leser klassischer Science-Fiction-Romane dürften hingegen den Namen James Tiptree Jr. kennen. Sheldon schrieb zwei Romane und mehrere Kurzgeschichten zu Zeiten, als das Genre und der Markt noch männlich geprägt war. Deswegen verwendete die Autorin für ihre Veröffentlichungen das Pseudonym James Tiptree Jr..

Der WDR hat nun ihre Geschichte Dein haploides Herz aus dem Jahr 1969 als Hörspiel adaptiert. Im Mittelpunkt der Handlung stehen zwei Forscher, die im Auftrag der Föderation auf den Planten Auriga Epsilon landen. Dort sollen die beiden die heimischen Alienspezies untersuchen. Der Grad Menschlichkeit der Esthaaniern entscheidet über den Umgang mit der außerirdischen Zivilisation innerhalb der Föderation.

Je länger sich die beiden Wissenschaftler auf dieser fremdartigen Welt aufhalten auf desto mehr Geheimnisse stoßen sie. Wer sind die geheimnisvollen Flenn, die abgeschirmt in eigenen Siedlungen leben? Woher rührt die genetische Einzigartigkeit der Fauna auf des Planten? Und was geschah mit der letzten Expedition, von der niemand lebend zurückkam?

Die Regie führte Martin Heindel, der fürs Radio schon die Hörspiele Die Fabrik, Eifelgeist, NeuNuernberg, Tag X oder Cassandra Rising inszenierte. In Dein haploides Herz sind unter anderen Hanns Jörg Krumpholz, André Kaczmarczyk Janina Sachau, Thomas Balou Martin, Martin Bross, Ernst-August Schepmann, Sandrine Zenner und Carlos Lobo zu hören.

WDR 3 sendet das Hörspiel am 30. August von 19.04 bis 19.35 Uhr. Dein haploides Herz steht danach in der ARD-Audiothek und im WDR-Hörspielspeicher befristetet zum kostenlosen Download zur Verfügung.

Bereits in der ARD-Audiothek findet sich Terra Incognita von Philip Levene. Im dem Science-Fiction-Hörspiel aus dem Jahr 1962 ermittelt die von Horst Tappert (Derrick, Die Gentlemen bitten zur Kasse) gesprochene Hauptfigur in dem rätselhaften Entführungsfälle verschiedener Wissenschaftler.

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