Hörspiel

Gruselkabinett 175: Kritik zum Hörspiel Der Student von Prag

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Der Student von Prag kam 1913 in die Kinos und konnte mit für seine Zeit beachtlicher Tricktechnik das Publikum beeindrucken. Heute ist der Film in Vergleich zu anderen frühen fantastischen Filmen – wie Nosferatu, Dr. Mabuse, der Spieler oder Das Cabinet des Dr. Caligari – weitestgehend in Vergessenheit geraten. Marc Gruppe hat dies nun geändert und die alte Geschichte des Stummfilms für die Reihe Gruselkabinett als Hörspiel zu neuem Leben erweckt.

Die Geschichte spielt in Prag des frühen 19. Jahrhunderts. Der arme Student Balduin sehnt sich nach gesellschaftlichen Aufstieg in die obere Schicht des Landes. Der junge Mann ist zwar ein begnadeter Fechter, aber es fehlen ihm zur Verwirklichung seines Traums sowohl die adelige Herkunft als auch das nötige Vermögen. Da tritt der geheimnisvolle Scapinelli an Balduin heran. Er macht den Studenten auf Margit, die Tochter des Grafen Schwarzenberg, aufmerksam. Ausweglos verliebt wird sein Unglück von nun an nur noch größer.

Dies nutzt Scapinelli skrupellos aus und verspricht dem Studenten unermesslichen Reichtum, wenn dieser ihm etwas aus seinem Studentenzimmer überlässt. Balduin macht sich keine großen Gedanken, als der unheimliche Mann sein Spiegelbild auswählt und dieses mit Scapinelli aus dem Zimmer verschwindet. Er ist nun reich, und seine Liebesträume von Margit können nun endlich wahr werden – wäre da nicht ihr Verlobter Baron Waldis. Es folgen verbotenen Liebschaften, dämonische Orgien und tödliche Duelle. Zu spät erkennt Balduin die teuflischen Konsequenzen des Vertrags mit Scapinelli – und im Schatten lauert immer noch sein Spiegelbild auf die Gelegenheit, Balduins Leben zu übernehmen.

"Einen schönen großen Spiegel habt Ihr hier."

"Der Student von Prag" bewegt sich irgendwo zwischen Märchen und Gruselgeschichte. Auch wenn die Handlung vage an Klassiker der Romantik wie E. T. A. Hoffmanns Die Elixiere des Teufels und Die Abenteuer der Sylvesternacht oder Adelbert von Chamissos Peter Schlemihls wundersame Geschichte erinnert, ist die Vorlage jüngeren Datums. Das Hörspiel basiert auf dem gleichnamigen Stummfilm aus dem Jahre 1913.

Zum Regisseur des Films gibt es widersprüchliche Angaben. Einige Quellen behaupten, der Däne Stellan Rye hätte zusammen mit dem Hauptdarsteller Paul Wegener (Der Golem) den Stummfilm inszeniert. Andere bezeichnen den Schriftsteller Hanns Heinz Ewers als Regisseur und Rye lediglich als seinen Assistenten. Als sicher gilt, dass das Drehbuch aus der Feder von Ewers stammt, der sich wohl stark von den oben genannten Werken der Romantik inspirieren ließ.

"Ich gehorche dir Meister."

Ewers Werke wurden in der Reihe Gruselkabinett ("Die Spinne", "Alraune", "Die Topharbraut" und "Der letzte Wille des Stanislaw d'Asp") schon mehrfach vertont. Dabei ist der Autor aufgrund seiner Nähe zum Nationalsozialismus nicht unumstritten. In jungen Jahren setzte er sich für die Gleichberechtigung seiner jüdischen Mitbürger ein, was ihn später nicht daran hinderte, in die NSDAP einzutreten. Ewers arbeitete für das NS-Propagandaministerium und schrieb einen Roman über den SA-Mann Horst Wessel.

Die Anbiederung an das NS-Regime nutzte dem Autoren nicht viel. 1934 wurde ein Publikationsverbot gegen ihn verhängt und seine früheren Bücher von den Nationalsozialisten verboten, weil sie den neuen Machthabern zu freizügig und erotisch waren – was sich insbesondere auf Ewers berühmtestes Werk Alraune. Die Geschichte eines lebenden Wesens bezog.

Auf dem Cover des Hörspiels wird als Verfasser zusätzlich noch der Autor Leonard Langheinrich-Anthos genannt, der 1913 einen Roman zum Film nach Ewers Drehbuch verfasste. Die Geschichte wurde von vielen Autoren aufbereitet, bevor Marc Gruppe sie über hundert Jahre später für die Hörspielreihe Gruselkabinett umarbeitete. Der Hörspielregisseur hat die Erzählung behutsam modernisiert und den Sprechern viele alte Begriffe und Redewendungen in den Mund gelegt, welche nicht aus dem Stummfilm, sondern höchsten der Romanadaption entstammen können.

"Zeig, was du kannst, Alterchen!"

Titania Medien wirbt immer damit, dass innerhalb der Reihe Gruselkabinett bekannte deutsche Synchronstimmen berühmter Hollywood-Stars zu hören sind. Das ist bei "Der Student von Prag" anders. Die meisten Sprecher und Sprecherinnen sind zwar keinesfalls Amateure, synchronisieren aber eher unbekannte Schauspieler, übernehmen Rollen in Anime und sind immer wieder in verschiedenen Hörspielreihen zu hören.

Die Stimme des Balduins dürften viele Netflix-Zuschauer bekannt sein. Tim Schwarzmaier ist die Synchronstimme Lee Jung-jae, welcher in dem koreanischen Serienhit Squid Game Seong Gi-hun alias Nummer 456 spielt. Außerdem lieh Schwarzmaier Daniel Radcliffe in den ersten beiden Harry-Potter-Filmen seine Stimme. Schwarzmaier spielt den verzweifelten und später dekadenten Balduin sehr gekonnt. Nur wenn er sein Spiegelbild spricht klingt, er ein wenig gewollt düster.

Ähnliches lässt sich über Willi Röbke sagen, der den finsteren Scapinelli spricht. Wenn er als teuflischer Bösewicht zu Hochform aufläuft, klingt er völlig überdreht. Dies passt aber zu Vorlage. In Stummfilmen agierten die Schauspieler in Mimik und Gestik immer überdeutlich, um den fehlenden Ton zu kompensieren. Die etwas ungewohnte Darbietung mancher Sprecher klingt zunächst etwas ungewohnt. Allerdings schaffen die Macher so bewusst oder unbewusst einen Stummfilm für die Ohren, in dem die Sprecher etwas überagieren, um die fehlenden Bilder im Kopf zu erschaffen – das funktioniert im Rahmen der Geschichte sehr gut.

"Ich empfehle Euer Gnaden diesen kostbaren Schlafrock hier."

Auch Horst Naumann als Graf Schwarzenberg, Sigrid Burkholder als Komtesse Margit und Nicolas König Baron Waldis Schwarzenberg spielen ihre jeweiligen Rollen mit viel Pathos und Gefühl, was sich aber sehr gut in den Gesamtkontext einfügt. In einer sehr kleinen Nebenrolle ist dann doch noch ein bekannterer Synchronsprecher zu hören. Allerdings fällt Patrick Bachs (Synchronstimme von Sean Astin) Auftritt so klein aus, dass man schon genau hinhören muss, um ihn zu erkennen.

Das Hörspiel besitzt mit Peter Weis einen Erzähler, der ruhig in mal kurzen, mal längeren Passagen durch das gesamte Hörspiel führt. Die beiden Regisseure Stephan Bosenius und Marc Gruppe nutzen dieses Element auch geschickt aus. Peter Weis fungiert als Erzähler selten nur als Stichwortgeber für seine Kollegen, sondern erweckt mit seinen Texten und seiner Stimme das Prag des frühen 19. Jahrhunderts zum Leben. Unterstützt wird diese Atmosphäre durch die Musik. Zu Beginn und zwischendurch sind Auszüge aus Die Moldau von Bedřich Smetana zu hören.

"Bei mir ist nichts mehr zu holen."

"Der Student von Prag" erfindet das Motiv des Doppelgängers nicht neu. Wer Erzählungen oder Märchen über einen teuflischen Pakt kennt, weiß, worauf das Hörspiel am Ende hinausläuft. Aber Hörer, die neue und unerwartete Geschichten entdecken wollen, sind bei der Reihe Gruselkabinett sowieso nicht richtig. Hier werden berühmte und weniger bekannte Klassiker der Schauerliteratur adaptiert.

Moderne Innovationen fehlen hierbei von der Covergestaltung bis zur Musik. Wer Neuinterpretationen sucht, dem sei Oliver Dörings phantastische Geschichten empfohlen. Die Reihe Gruselkabinett setzt hingegen auf Nostalgie und wohligen Grusel – und das bekommen die Hörer auch bei "Der Student von Prag" geboten.

Fazit

Marc Gruppe und Stephan Bosenius ist es gelungen, den alten Stummfilm perfekt als Hörspiel zu adaptieren. Die Geschichte rund um den Studenten Balduin, der sein Spiegelbild verliert, ist zwar nicht neu. "Der Student von Prag" kann aber mit einer Reihe sehr guter Sprecher aufwarten, die alle in ihren Rollen überzeugen können. Wer klassische Gruselgeschichten mit nostalgischen Flair mag, sollte auf jeden Fall reinhören.

zusätzlicher Bildnachweis: 
© Titania Medien

Brave Neue Welt: Hörspiel über einen Reporter aus der Zukunft

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In dem Hörspiel Brave Neue Welt wird der Reporter Primo Lyon in die Vergangenheit geschickt, getarnt als Tourist über das Berlin vergangener Zeiten zu berichten. Die vertraute Gegenwart konfrontiert den Besucher aus der Zukunft mit vielen unbekannten Schrecken: angefangen beim Straßenverkehr bis hin zu Menschen, die ihren Nachwuchs noch selbst austragen und dies nicht von Maschinen erledigen lassen.

Dem Reporter Primo Lyon leiht Christian Ulmen (Jerks, Herr Lehmann) seine Stimme. In weiteren Rollen sind unter anderen Jörg Diernberger, Sabine Vitua, Anna Bötcher, Kenan Gün, Luise H. Hoffmann, Vincenzo Rosso, Silvia Ließmann und Johann Boss zu hören. Die Regie bei dem Hörspiel aus dem Jahr 2013 führte Jörg Diernberger, der mit Ulmen schon bei der MTV-Serie Unter Ulmen zusammen arbeitete.

WDR 3 sendet die Hörspielreportage am Sonntag, den 28. November von 19.04 bis 20 Uhr. Einen Tag später wird Brave Neue Welt auf 1Live wiederholt. Anschließend steht das Hörspiel befristet bis in der ARD-Audiothek zum Download zur Verfügung.

Ebenfalls am 28. November sendet Deutschlandfunk Kultur um 18.30 Uhr Schwarze Spiegel contd. Das Hörspiel basiert auf einer Geschichte von Arno Schmidt (Die Gelehrtenrepublik), in dem die Menschheit bis auf einem Mann (Tilo Werner) ausgestorben ist. Der Protagonist ist mit seiner Situation eigentlich recht zufrieden, bis er in den Ruinen der Zivilisation auf eine weitere Überlebende (Sascha Icks) trifft.

1984: Neues Hörspiel des dystopischen Science-Fiction-Klassikers

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Schon in seiner Fabel Die Farm der Tiere hatte George Orwell seine pessimistische Sicht auf die Gesellschaft nieder geschrieben. 1948, nur drei Jahre später, hatte sich sein Weltbild noch weiter verdüstert und der Autor veröffentlichte seine Dystopie 1984. Zwar leben wir heute, 37 Jahre nach 1984, in einer Welt, die auf den ersten Blick nichts mit Orwells pessimistischer Zukunftsvision zu tun hat. Es gab und gibt auf der Welt aber leider immer wieder Staaten, die seinen dystopischen Science-Fiction-Roman sehr nahe kommen.

Held der Geschichte ist Winston Smith, der im totalitären Überwachungsstaat Ozeanien lebt. Dort arbeitet er für das "Ministerium für Wahrheit". Als seine Zweifel am System zunehmen, wächst auch der Druck der herrschenden Partei auf Winston. Der Sender Bayern 2 hat die bekannte und noch immer aktuelle Geschichte nun neu vertont.

Die Regie führte Klaus Buhlert, der sich schon an die Hörspieladaption von Klassikern wie Moby Dick, Der Mann ohne Eigenschaften oder Ulysses wagte. In 1984 sind unter anderen Elisa Plüss, Franz Pätzold, Felix Goeser, Jens Harzer, Wolfram Koch, Jenny König, Dimitrij Schaad und Bibiana Beglau zu hören.

Bayerns 2 sendet das Hörspiel in vier Folgen. Los geht es am Freitag, den 29. Oktober von 21.05 bis 22.30 Uhr. Die nächsten Teile folgen zur selben Sendezeit am 5. November, 12. November und 19. November. Danach steht 1984 im Hörspiel Pool des Senders zum Nachhören bereit.

Test: Hörspiel nach einer Geschichte von Stanislaw Lem

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Am 12. September vor hundert Jahren wurde der polnische Science-Fiction-Autors Stanisław Lem geboren. Seine bekanntesten Romane dürfte Solaris aus dem Jahr 1961 und Der futurologische Kongress von 1974 sein. Der Autor schrieb allerdings viele weitere Science-Fiction-Geschichten, in deren Mittelpunkt immer der Umgang des Menschen mit dem technischen Fortschritt sowie der Wahrnehmung der Realität standen.

Anlässlich des runden Geburtstags sendet der Hessische Rundfunk das Hörspiel Test. Held der Erzählung ist der Raumkadett Pirx, welcher in verschiedenen Geschichten Lems sowie in dem Roman Fiasko auftaucht. Pirx befindet sich in der Ausbildung zum Raumpiloten und wird für einen Testflug ausgewählt. Alles verläuft zunächst nach Plan, bis eine Fliege, welches sich in das Schiff geschmuggelt hat, alles durcheinander bringt.

In dem Hörspiel sind unter anderen Florian Lukas, Stjepan Markovic, Herbert Schäfer und Norbert Schwientek zu hören. Die Regie übernahm Johannes Mayr. HR 2 sendet Test am Sonntag, den 12. September um 16 Uhr. Danach steht das Hörspiel befristet bis zum 11. Oktober in der ARD-Audiothek zum Download zur Verfügung.

Dein haploides Herz: Hörspiel nach einer Geschichte von James Tiptree Jr.

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Der Name Alice B. Sheldon sagt vermutlich nur wenigen Menschen etwas. Leser klassischer Science-Fiction-Romane dürften hingegen den Namen James Tiptree Jr. kennen. Sheldon schrieb zwei Romane und mehrere Kurzgeschichten zu Zeiten, als das Genre und der Markt noch männlich geprägt war. Deswegen verwendete die Autorin für ihre Veröffentlichungen das Pseudonym James Tiptree Jr..

Der WDR hat nun ihre Geschichte Dein haploides Herz aus dem Jahr 1969 als Hörspiel adaptiert. Im Mittelpunkt der Handlung stehen zwei Forscher, die im Auftrag der Föderation auf den Planten Auriga Epsilon landen. Dort sollen die beiden die heimischen Alienspezies untersuchen. Der Grad Menschlichkeit der Esthaaniern entscheidet über den Umgang mit der außerirdischen Zivilisation innerhalb der Föderation.

Je länger sich die beiden Wissenschaftler auf dieser fremdartigen Welt aufhalten auf desto mehr Geheimnisse stoßen sie. Wer sind die geheimnisvollen Flenn, die abgeschirmt in eigenen Siedlungen leben? Woher rührt die genetische Einzigartigkeit der Fauna auf des Planten? Und was geschah mit der letzten Expedition, von der niemand lebend zurückkam?

Die Regie führte Martin Heindel, der fürs Radio schon die Hörspiele Die Fabrik, Eifelgeist, NeuNuernberg, Tag X oder Cassandra Rising inszenierte. In Dein haploides Herz sind unter anderen Hanns Jörg Krumpholz, André Kaczmarczyk Janina Sachau, Thomas Balou Martin, Martin Bross, Ernst-August Schepmann, Sandrine Zenner und Carlos Lobo zu hören.

WDR 3 sendet das Hörspiel am 30. August von 19.04 bis 19.35 Uhr. Dein haploides Herz steht danach in der ARD-Audiothek und im WDR-Hörspielspeicher befristetet zum kostenlosen Download zur Verfügung.

Bereits in der ARD-Audiothek findet sich Terra Incognita von Philip Levene. Im dem Science-Fiction-Hörspiel aus dem Jahr 1962 ermittelt die von Horst Tappert (Derrick, Die Gentlemen bitten zur Kasse) gesprochene Hauptfigur in dem rätselhaften Entführungsfälle verschiedener Wissenschaftler.

Antikammer: Hörspiel über ein merkwürdiges Zeitphänomen

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Eine Konstante im Universum ist die Zeit, die immer vorwärts läuft. Das Hörspiel Antikammer beschäftigt sich mit den Auswirkungen auf unser Leben, wenn der Mensch nicht mehr der vorgegebenen Chronologie unterworfen wäre und plötzlich unvorhergesehen durch die Zeit springen kann. Während die Wissenschaft nach Erklärungen für das rätselhafte Phänomen sucht und die Wirtschaft neuen Profit wittert, sehen andere das Ende der Welt gekommen.

Ralf, Tara und Alexander bilden eine Fahrgemeinschaft. Eines Tages bleibt ihr Auto auf der Fahrt zur Arbeit einfach liegen und auch alle anderen technischen Geräte versagen ihre Dienste. Nach einer Nacht im Auto haben Pflanzen und Sträucher die Straße überwuchert. Immer wieder entstehen neue Zeitblasen, die einzelne Menschen mal für wenige Minuten und mal für mehrere Jahre nach vorne werfen. Für diese Zeitspringer scheint nur ein Augenblick vergangen zu sein – die Ordnung der Welt hat sich aber radikal verändert. Ralf, Tara und Alexander müssen lernen, in dieser neuen Chronologie zu überleben.

Die Idee zu Antikammer stammt von Alexander von Lukowitz und Benjamin Quabeck, der auch die Regie übernahmen. In dem Hörspiel aus dem Jahr 2021 sind unter anderen Felix Vörtler (Das Wunder von Bern) Isabel Thierauch (Zarah – Wilde Jahre), Elias Reichert (Helene, die wahre Braut), Mersiha Husagic (Dorfpunks) und Edda Fischer (Max Topas – Das Buch der Kristallkinder) zu hören.

WDR 3 sendet das Hörspiel im vier Teilen. Los geht es am 5. Juli von 19.04 bis 19.35 Uhr. Teil 2 bis 4 folgen am 6., 7. und 8. Juli zur selben Sendezeit. Antikammer steht danach in der ARD-Audiothek und im WDR-Hörspielspeicher befristetet zum kostenlosen Download zur Verfügung.

Heut liegt was in der Luft: Hörspielsatire über eine Welt ohne Sauerstoff

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Anfang der 80er-Jahre, zur Hochzeit der ersten großen Debatte über das Waldsterben, arbeitete der Autor Jürgen Runau an einem Hörspiel über eine Welt ohne Sauerstoff produzierende Pflanzen. In Heut liegt was in der Luft hören alle Bäume, Büsche und Blumen plötzlich ohne ersichtlichen Grund auf Sauerstoff zu produzieren. Politik und Industrie versuchen nun möglichst schnell eine Lösung zu finden, um das Überleben der Menschheit auf der Erde zu sichern.

Runau entwarf dieses Szenario nicht, um eine realistische Geschichte über wissenschaftliche Krisenbewältigung zu erzählen. Sein Hörspiel ist eine Satire über den Kapitalismus und die moderne Industriegesellschaft. Umweltprobleme werden hier auch bei Gefahr für das Überleben der Bevölkerung des gesamten Planeten zu aller erst auf dem wirtschaftlichen Blickwinkel auf neue Absatzmärkte, Wachstum und maximaler Gewinnsteigerung in Angriff angegangen.

In Heut liegt was in der Luft sind Jürgen Thormann (Synchronsprecher von Ian McKellen), Horst Bollmann (Bilbo Beutlin im Hörspiel Der kleine Hobbit), Klaus Nägelen (Professor Futura in den Jan-Tenner-Hörspielen), Helmut Wildt (Synchronsprecher von Robert Shaw), Almut Eggert (Synchronsprecherin von Kelly Bishop), Friedrich W. Bauschulte (Professor van Dusen in der Hörspielserie des RIAS), Christian Rode (Synchronsprecher Christopher Lee), und Klaus Miedel (Professor Zweistein in den Jan-Tenner-Hörspielen) zu hören. Die Regie des Hörspiels aus dem Jahr 1982 führte Friedhelm Ortmann.

WDR 3 sendet Heut liegt was in der Luft am Montag, dem 24. Mai von 19.05 bis 19.35 Uhr. Das Hörspiel steht bereits jetzt im WDR-Hörspiel-Speicher zum kostenlosen befristeten Download zur Verfügung.

Vidan: Trailer zur 2. Staffel der Hörspielserie

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Das Hörspiellabel Europa hat einen Trailer zur 2. Staffel seiner Mystery-Serie Vidan veröffentlicht. Die 1. Staffel des Hörspiels erschien Anfang 2020 und drehte sich um die Ermittlungen des Sheriffs Miles Vidan in der fiktiven US-Kleinstadt Blackdal irgendwo in den Rocky Mountains. Die Idee stammt von Raimon Weber (Gabriel Burns, Point Whitmark), der auch bei der Fortsetzung wieder als Regisseur und Autor mit an Bord ist.

In der ersten Staffel wurde der stellvertretende Sheriff Vidan mit vier geheimnisvollen Mordfällen konfrontiert. Alle Opfer starben nahezu zeitgleich unter merkwürdigen Umständen und bei jedem der Tatorte fand Vidan eine unbekannte schwarze Substanz. So geriet der Sheriff in das Zentrum einer weltweiten Verschwörung, die von den eisigen Weiten Grönlands bis in den Dschungel Kambodschas reichte.

Aber der Schrecken ist noch nicht vorbei. Sechzehn Monate später stößt Miles Vidan erneut auf die fremdartigen schwarze Substanz, welche Toten weiter leben lässt und gesunde Menschen in den Wahnsinn treibt. Selbst jene Bewohner der Kleinstadt, welche von den grauenhaften Geschehnissen nur eine vage Ahnung hatten, werden nun von düsteren Träumen heimgesucht. Und aus den Tiefen des Sees kommt etwas Böses an die Oberfläche.

Als Sheriff Vidan ist Lars Schmidtke zu hören. Als Erzähler fungiert Gordon Piedesack (Synchronstimme von Martin Sheen). In der 1. Staffel waren außerdem Luise Helm (Synchronstimme von Scarlett Johansson), Jürgen Kluckert (Synchronstimme von Donald Sutherland), Udo Schenk (Synchronstimme von Gary Oldman), Detlef Bierstedt (Synchronstimme von Jonathan Frakes), Norman Matt (Synchronstimme von Mark Ruffalo), Corinna Dorenkamp (Synchronstimme von Tatiana Maslany), Cornelia Meinhardt (Synchronstimme von Sally Field) und Douglas Welbat (Sprecher des Krümelmonsters in der Sesamstraße) mit dabei.

VIDAN - Staffel 2: Schrei nach Stille | Mystery Thriller Hörspiel

Die Bestie von Fukushima: Hörspiel von Godzilla-Experte Jörg Buttgereit

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Nach den schweren Störfällen im japanischen Kernkraftwerk Fukushima 2011 baute Regisseur Gareth Edwards 2014 in seinen Godzilla-Film am Anfang ein ähnliches Szenarion ein. Die Ursache war bei ihm natürlich ein gigantisches Monster. Schon 1984 in Godzilla – Die Rückkehr des Monsters taucht Godzilla bei einem Atomkraftwerk auf, um sich an dessen Radioaktivität zu stärken.

Viele der Nachrichtenbilder von Fukushima wurden in den Schreckensszenarien der Monsterfilme vorweggenommen oder verarbeitet. Genau wie man im ersten Godzilla-Film von 1954 die Parallelen zum Atombombenabwurf auf Hiroshima und Nagasaki erkennen kann. Die Bestie von Fukushima ist eine Mischung aus Hörspiel und Dokumentationen, welches die Gemeinsamkeiten zwischen realen Katastrophen und fiktiven Monsterhorror der Kaijūs aufzeigt.

Die Regie bei dieser Monster-Hörspiel-Dokumentation aus dem Jahr 2012 führte Jörg Buttgereit. Buttgereit wurde 1987 mit seinen Amateursplatterfilm Nekromantik bekannt. Der Regisseur und Autor ist ein guter Kenner der japanischen Monsterfilme. Dieses Wissen lässt er auch immer wieder in seine Hörspielprojekte wie Fungus – Pilz des Grauens oder Green Frankenstein  einfließen. Seine Leidenschaft für B-Movies jenseits des Mainstreams hört man auch bei Captain Berlin vs. Dracula oder Walk of Fame heraus.

In Die Bestie von Fukushima sind Oliver Stritzel (Synchronstimme von Josh Brolin) Cathlen Gawlich (Synchronstimme von Elizabeth Banks), Wolfgang Condrus (Synchronstimme von Sam Neill), Bernhard Schütz (Barbaren), Leopold Altenburg (Fucking Berlin) und Falk Rockstroh (Ökozid) zu hören.

1 Live sendet das Hörspiel am 11. März von 23 bis 0 Uhr. Die Bestie von Fukushima steht nach der Sendung zum Nachhören in der ARD-Audiothek und im WDR-Hörspiel-Speicher zur Verfügung.

From Beyond: Kritik zu Oliver Dörings Lovecraft-Hörspiel

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Seitdem das Werk des 1937 verstorbenen Autors H. P. Lovecraft vor 13 Jahren gemeinfrei wurde, stieg die Adaption seiner Horrorgeschichten in unterschiedlichen Medien stark an. Es gab mehr oder weniger freie Umsetzung in Comics (Gou Tanabe: Der leuchtende Trapezoeder), Computerspielen (Arkham Horror), Gesellschaftsspielen (Lovecraft Letter, Villen des Wahnsinns) und zuletzt wagte sich Richard Stanley an eine Verfilmung von Die Farben aus dem All mit Nicolas Cage in der Hauptrolle.

Lovecrafts Romane und Kurzgeschichte dienten natürlich auch als Vorlage für viele Hörspiele der letzten Jahre. So erschienen in der Reihe Gruselkabinett unter anderen "Der Fall des Charles Dexter Ward", "Der Schatten über Innsmouth", "Der Ruf des Cthulhu" oder "Herbert West Wieder-Erwecker". Winterzeit Audio baut hingegen mit der Reihe Howard Phillips Lovecraft – Chroniken des Grauens aus einzelnen Geschichten einen eigenen Hörspielkosmos auf. Zudem vertonte Oliver Döring in seiner Anthologieserie Phantastische Geschichten "Berge des Wahnsinns" und "Die Farben aus dem All". In der gerade gestarteten 2. Staffel der Reihe ist nun das Hörspiel "From Beyond" hinzugekommen.

Die literarische Vorlage von "From Beyond" erschien in Deutschland in verschiedenen Kurzgeschichtensammlungen unter dem Titel Aus dem Jenseits. Lovecrafts Erzählungen drehen sich oft um Menschen, die nach verbotenem Wissen streben und so in Kontakt mit kosmischen Wesen kommen, welchen sie am Ende in den Wahnsinn treiben. Solch ein grauenhaftes Zusammentreffen steht auch im Mittelpunkt von "From Beyond".

"Ich rede von einem Blick in andere Dimensionen, in die Dunkle Materie."

Der Radiologe Professor Crawford Tillinghast hat eine Strahlungsfrequenz entdeckt, die es Menschen ermöglicht, in unbekannte Dimensionen zu reisen. Als er seinem Freund und Kollegen John seine Entdeckung zeigt, ist dieser entsetzt und empört, dass der Professor ihn ungefragt seiner neu entdeckten Strahlungen aussetzt.

Crawford setzt seine Experimente zunächst ohne John fort und schickt stattdessen seine Hausangestellte Alice in eine andere Dimension. Am nächsten Morgen macht sein Diener Donnadieu eine grauenhafte Entdeckung – denn die fremden Welten sind nicht so harmlos wie gedacht. Dort leben fremdartig Wesenheiten, welche der menschliche Verstand nicht begreifen kann.

"Es macht echt Spaß, sich mit dir zu unterhalten, wenn du nur kryptische Halbsätze raus haust."

Die Hauptrolle des Doktor John Disell spricht Frank Schaff, der Paul Bettany, Joseph Fiennes und Ethan Hawke synchronisiert. Wer genau hinhört und als Kind mit Benjamin Blümchen aufgewachsen ist, wird bemerken, dass er dort in den ersten Folgen die Rolle des Jungen Otto übernommen hatte. Schaff gelingt es gut, einen Wissenschaftler zwischen Skepsis, Wahn und Entsetzen zum Leben zu erwecken.

Professor Crawford wird von Klaus-Dieter Klebtsch (Synchronsprecher von Alec Baldwin, Ian McShane und Josh Brolin) gespielt. Man nimmt Klebtsch den bedenkenlos Forscher jederzeit ab. Ihm glaubt der Hörer auch leicht all die pseudowissenschaftlichen Erklärungen über Strahlungsfrequenzen, Dunkle Materie und ferne Dimensionen ohne den Sinn beziehungsweise Unsinn dieser Thesen zu hinterfragen. Nur zum Ende klingt Klebtsch ein wenig zu überdreht.

Marieke Oeffinger (Synchronstimme von Natalie Dormer und Tessa Thompson) spricht Johns Freundin Eve. Sie kommt in dem gesamten Hörspiel nur kurz, dafür in einer der besten Passagen zu Wort. Ihre Rolle als Eve verkörperte sie auch schon in Dörings Adaption "Farben aus dem All". Sie selbst spielt in einem ihrer Dialoge auf ein Staudammprojekt in der Nähe von Arkham an.

Hans Beyer dürfte sich mit unheimlichen Fällen auskennen: In der Serie Akte X synchronisierte er William B. Davies als Raucher. Als Diener Donnadieu spielt er hier allerdings eine ganz andere Persönlichkeit, aus der er deutlich mehr rausholt als das Klischee des treuen Butlers.

In einer kleinen, aber wichtigen Rolle ist Ila Panke als Hausangestellte Alice zu hören. Die Sprecherin gehörte auch schon in Oliver Dörings "Krieg der Welten" und "Der todbringende Stern" mit zur Besetzung und kann auch hier durchaus überzeugen. Panke führte zudem noch die Produktionsleitung des Hörspiels. Am Ende tritt noch Bernd Vollbrecht (Synchronstimme von Antonio Banderas) als hartnäckiger und verbissener Inspektor Mondi auf.

"Bestrahlst du etwa gezielt Gehirne?"

Der Autor und Produzent Oliver Döring wurde in der Hörspielszene bekannt, als er die John-Sinclair-Neuauflage der Edition 2000 herausbrachte. Es folgten die John Sinclair Classics, die Adaptionen verschiedener Star-Wars-Hörspiele sowie diverse eigene Serien wie End of Time und Foster.

Für das Label Folgenreich inszenierte er einige Werke von H. G. Wells (Die Zeitmaschine, Der Krieg der Welten und Das Imperium der Ameisen). Dieses Konzept setzte er nun beim Label Imaga fort. Neben Wells vertonte Döring dort auch Geschichten von H. P. Lovecraft. Seine Hörspielreihe Phantastische Geschichten startete aktuell in eine zweite Staffel. Nach den beiden Wells Hörspielen "Unter dem Messer" und "Der todbringenden Stern" folgte der Horrorklassiker "From Beyond".

"Was ich sah, ist nicht beschreibbar."

Auf der inhaltlichen Ebene wird dem Hörer trotz einiger Änderungen zur literarischen Vorlage und wenigen zusätzlichen Figuren nicht viel Neues geboten. In Konfrontation mit dem kosmischen Grauen ist es für die Helden schwer, mit heiler Haut und klaren Verstand zu entkommen. Contendo Media hat mit ihrer Umsetzung von "Aus dem Jenseits" innerhalb der Reihe The Lovecraft 5 eine ganz eigene Erzählperspektive gewählt. Im direkten Vergleich besitzt Dörings Hörspiel einen konventionellen Ansatz. Dennoch wirkt seine Adaption zu keiner Zeit altmodisch.

Das Döring ein erfahrener und professioneller Hörspielregisseur ist, hört man dem Hörspiel zu jederzeit an. Die Dialoge, die Soundeffekte und die Musik sind perfekt abgemischt und ergeben ein rundes Ganzes. So kann sich der Hörer gemütlich im Sessel zurücklehnen und in die Welt des Grauens eintauchen. Allerdings wäre ein Erzähler an der einen oder anderen Stellen hilfreich gewesen.

Die fernen Dimensionen werden von den Protagonisten nur spärlich geschildert. Außer einem Tentakel hier und einer weiten Ebene dort wird nicht viel beschrieben. Lovecrafts kosmischer Horror funktioniert eigentlich recht gut, wenn man nur wenige Details erklärt bekommt. Aber gerade auf der letzten Reise von Crawford und John wären ein paar mehr Informationen durchaus von Vorteil gewesen.

In der Szene, in welcher Alice versucht Professor Crawford die Farbe Infrarot zu beschreiben, kommt Döring allerdings sehr gut ohne Erzähler aus. Gerade im hilflosen Scheitern dieses Unterfangens wird die Fremdheit deutlich. Dieses Gespräch gehört auch zu den Höhepunkten des Hörspiels. Es ist in einer Parallelmontage gegen eine Unterhaltung zwischen John und seiner Freundin Eve geschnitten. Beide Dialoge fügen sich scheinbar nahtlos zu einem Ganzen zusammen. Durch die rasche Schnittfolge liefert der Regisseur ohne überflüssige Längen alle nötigen Informationen und bringt gleichzeitig die Handlung bei steigender Spannung schnell voran.

"Na dann vielen Dank für was auch immer!"

Seit dem 5. März ist "From Beyond" als CD und als Download exklusiv im Online-Shop des Labels Imaga erhältlich. Wenig später wird man das Hörspiel dann im stationären Handel erwerben können. Wer "From Beyond" über ein Streaming-Dienst anhören will, muss sich noch ein wenig gedulden. Bei Imaga kommt die Streaming-Auswertung ihrer Hörspiele an letzter Stelle. So wird es ungefähr ein halbes Jahr dauern, bis man Oliver Dörings neues Hörspiel dort in der Auswahl findet.

Fazit

Oliver Döring hat mit seiner Adaption die Welt H. P. Lovecrafts nicht neu erfunden, aber um ein gelungenes Hörspiel bereichert. "From Beyond" wurde an den richtigen Stellen modernisiert, perfekt inszeniert und mit sehr guten Sprechern besetzt. Wer auf der Suche nach einer klassischen Horrorgeschichte im modernen Gewand ist, sollte sich das neueste Hörspiel aus der Reihe Oliver Dörings Phantastische Geschichten unbedingt anhören.

zusätzlicher Bildnachweis: 
© Imaga/Lars Vollbrecht/gloryboards.de/Tithi Luadthong

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