DC Comics

DC-Comic-Kritik zu Hellblazer 2 - 4

Wer die DC-Comic-Kritik zu Hellblazer 1: Die giftige Wahrheit  nachholen will, wird hier fündig. Selbstredend muss in diesem Beitrag auf das bisherige Geschehen eingegangen werden, über Gebühr gespoilert wird jedoch - wie gewohnt - nicht.

Stadt der Irrlichter

Es bleibt dabei: John Constantine ist wohl einer der sympathischsten Unsympathen der Comic-Geschichte. Und weil er das ist, eilt ihm sein Ruf auch voraus - sogar bis nach Frankreich. Dorthin verschlägt es den berüchtigten Trickbetrüger nämlich. Genauer gesagt durchstreift er mit dem Medium Mercury Paris - in der Hoffnung, all das über die Djnn herauszufinden, was er wissen muss, um sie und vor allem den mächtigen Marid endgültig zu besiegen. Eine bedeutende Rolle nimmt dabei ein ganz spezielles Tagebuch ein …

Die in diesem Band erzählte Geschichte ist nicht ganz so düster wie Die giftige Wahrheit, was aber auch einfach daran liegt, dass diese schon überdurchschnittlich düster war. Doch hier gilt ebenfalls: Wo der nicht ganz so nette Okkultist aus der (nicht ganz wörtlich zu nehmenden) Nachbarschaft auftaucht, pflastern Leichen seinen Weg. Das war für das ehemalige DC-Imprint Vertigo kein Problem - schließlich wurde es gegründet, um sehr erwachsene Comics realisieren zu können. Doch der Kettenraucher-Magier wurde im Rahmen der Wiedergeburt des neuen DC-Universums wieder Teil des wichtigsten Unternehmenszweigs - und dessen Zielgruppe besteht eben in erster Linie aus jüngeren Lesern. Daher sollte niemand Panels erwarten, die nach einer FSK-18-Freigabe schreien. Wer allerdings parallel noch weitere Titel von Marvels großem Konkurrenten liest, spürt deutlich die andere Ansprache.

Und das ist durchaus erfrischend. Der notorische Lügner nimmt nicht nur kein Blatt vor dem Mund, seine Abenteuer kennen ebenfalls keine Filter-Funktion. Der Falschspieler wird schlicht permanent mit einer unerbitterlichen, schonungslosen Realität konfrontiert. Die Frage, inwiefern sich der Zauberer sein eigenes Grab schaufelt, darf in diesem Zusammenhang natürlich nicht unter den Tisch fallen. Das macht den Charakter immerhin seit jeher aus - befindet er sich in einer misslichen Lage, hat er in der Regel auch zu deren Zustandekommen beigetragen. Nicht immer bekommt man davon jedoch etwas mit. Vielmehr erfährt der Leser meist entweder von dem berühmten Trenchcoatträger oder einer der unzähligen Personen, mit denen er in der Vergangenheit nicht unbedingt im Guten auseinandergegangen ist, weshalb man es diesmal auf ihn abgesehen hat.

Hier ist es nicht viel anders und dennoch wird man das Gefühl nicht los, dass erzählerisch mehr möglich gewesen wäre. Und das liegt nicht daran, dass es trotz der weiter oben bereits angeführten Gründe zwar im Verhältnis zu anderen Reihen, die unter dem Rebirth-Banner laufen, derber zugeht, die Handbremse aber eindeutig angezogen bleibt. Simon Oliver bedient sich einfach zu wenig in der riesigen Trickkiste, die dank der reichhaltigen Hellblazer-Historie bis zum Anschlag gefüllt ist, und für jeden Autoren, der sich John Constantine annimmt, eigentlich ein wahrer Segen sein müsste. Dies überrascht insbesondere deshalb, da der Mann, der im Vereinigten Königreich geboren wurde, allerdings ebenfalls die US-amerikanische Staatsbürgerschaft besitzt, auch für die im ersten Paperback gesammelten Einzelheftausgaben verantwortlich zeichnet. Und diese sprühen förmlich vor dunkler Kreativität und makaberem Einfallsreichtum. Dagegen ist das im zweiten Paperback Präsentierte eher etwas zäh und langatmig, obwohl es zweifellos seine Momente hat, die gar in einem Finale münden, das Lust auf mehr macht - dummerweise jedoch im dritten Trade schlicht ignoriert wird.

Erschwerend hinzu kommt, dass sich ein vermeintlich normaler und oft praktizierter Vorgang innerhalb der Branche in diesem Fall ausnahmsweise negativ auf das Leseerlebnis auswirkt: ein Zeichnerwechsel. Philip Tan durfte nämlich noch die ersten beiden in diesem Sammelband enthaltenen Ausgaben ungemein atmosphärisch bebildern - sein Stil hat etwas von Bleistiftzeichnungen und ist geprägt von sehr weichen Übergängen. All das passt wunderbar zu den von Magie erfüllten Schauplätzen, an denen sich das Geschehen ereignet. Doch dann übernahm sein Kollege Davide Fabbri, was einen regelrechten Bruch zur Folge hatte. Dessen Stil erinnert eher an Cartoons, die Konturen der Figuren und Hintergründe sind wesentlich klarer. All das nimmt den Panels das Mystische. Außerdem kümmert sich ab diesem Moment auch nicht mehr Elmer Santos, sondern Carrie Strachan um die Farben …

The Hellblazer Contantine

Der Tod und der Trinker

…und das sollte sich ebenfalls bis zum Ende dieser Serie nicht mehr ändern. Gegen Kontinuität ist im Falle einer ebensolchen prinzipiell nie etwas einzuwenden, vorausgesetzt, es geht um nichts, was der geplanten Wirkung entgegenläuft. Denn diese Helligkeit verhindert erst recht, dass der Leser - unabhängig vom Inhalt - allein schon durch das Betrachten einzelner Seiten in die Handlung hineingezogen wird. Und gerade die oftmals mysteriösen Abenteuer des Okkultisten, die im Idealfall auch ein (leichtes) Unbehagen bei den Heftkäufern hervorrufen und für etwas Gruselstimmung sorgen, leben eigentlich von der visuellen Sogwirkung.

Dass die erste von zwei Geschichten, die der zweite Band beinhaltet, von Jesus Merino zu Papier gebracht worden ist, lässt zwar kurz die Hoffnung aufkommen, dass es in Sachen Bildsprache von nun an wieder in eine andere Richtung geht, doch die wird mit der zweiten Episode aus Constantines Leben direkt im Keim erstickt. Für die zeichnet nämlich wieder Fabbri verantwortlich, dessen von ihm mit Leben gefüllte Panels oftmals eher (unfreiwillig) komisch denn bedrohlich wirken.

Interessant ist zudem, dass es die Fans diesmal nicht nur mit dem Werk eines, sondern mit dem zweier Autoren zu tun bekommen: Den Auftakt macht Tim Seeley, der einmal mehr beweist, dass er ein Meister des “Wellental-Erzählens“ ist. Sein Nightwing-Run hat beispielsweise enorm stark angefangen, dann folgten aber starke qualitative Schwankungen. Deswegen ist der Umstand, dass er den Faden, den ihm Simon Oliver hinterlassen hat, nicht aufnimmt, im Grunde doppelt bedauerlich. Aus den von seinem Kollegen bewusst offengelassenen Fragen am Ende von Stadt der Irrlichter respektive deren Beantwortung hätte man schließlich zweifelsohne eine Story mit Klassiker-Potenzial entwickeln können.

Einerseits entgeht den Fans darum mutmaßlich extrem düsterer Lesestoff und andererseits macht es sich Seeley auf diese Weise unnötig schwer. Denn selbstredend steigt die Erwartungshaltung an seine Ideen für den Fortgang der Reihe in einem solchen Falle direkt immens. Nun ist es nicht so, dass der US-Amerikaner nicht geliefert hätte, im Gegenteil: Alles beginnt damit, dass die Polizei John Constantine unmittelbar nach einer Filmriss-Nacht in London damit konfrontiert, dass der Mann, der ihn noch kurz vor dem Betreten seines Zimmers mit Nachdruck zu verstehen gegeben hat, wie wenig er von ihm hält, mittlerweile das Zeitliche gesegnet hat. Und dieser Einstieg wäre für sich genommen schon als gelungen durchgegangen. Insbesondere in der Retrospektive wird allerdings deutlich, dass die im Zuge der Ermittlungen eingeführte, bis dato nicht-kanonischen Figur Margaret Ames der eigentliche Glücksgriff Seeleys war. Sie ist nicht nur Detective Chief Inspector, sondern ebenfalls eine der zahlreichen Verflossenen des Magiers, die darüber hinaus zu einem späteren Zeitpunkt noch eine wichtige Rolle spielt.

Zuerst wird sie jedoch noch das Opfer einer Entführung der übernatürlichen Art und ihr Ex-Freund setzt alles in Bewegung, um sie zu retten - aus einer Leiche. Das Skurrilitäts-Level ist hier definitiv so hoch, wie es sein sollte, optisch weiß das Dargebotene dank Jesus Merino - wie gesagt - ebenfalls zu überzeugen, aber Abzüge in der B-Note gibt es trotzdem: Der Leser wird einfach nicht lange genug im Dunkeln gelassen, die mit dem Fall in Verbindung stehenden Rätsel zu schnell gelöst, weswegen die Spannung viel zu früh nachlässt. Und so bleibt abschließend nur festzuhalten: Gut, allerdings wäre wesentlich mehr möglich gewesen. Und das Thema Spannung beziehungsweise Spannungsbogen bleibt auch das bestimmende, wenn man sich den Sprechblasen zuwendet, die der Feder von Richard Kadrey entstammen.

Sprung nach San Francisco: Dort lässt der 62-Jährige, der auch in besagter Stadt lebt, den Magier mit höchst zweifelhaftem Ruf auf neue Menschen, die bald ihren letzten Atemzug getan haben werden, treffen, gleichzeitig jedoch auch auf alte Bekannte, denen es ähnlich ergehen wird respektive erfährt er von welchen, denen es ähnlich ergangen ist. Statt dieses Szenario so weiterzuentwickeln, dass eine echte emotionale Fallhöhe entsteht, wählt der Autor einen Weg, der bedauerlicherweise nahezu komplett auf Highlights verzichtet. Kadrey hat es nicht geschafft, die als äußerst mächtige, mit dem Jenseits in Verbindung stehende Bedrohung so zu gestalten, dass man sie auch als eine solche wahrnimmt. Mehr und mehr Menschen mit übernatürlichen Fähigkeiten werden ermordet, und man nimmt es schlicht zur Kenntnis, da es sich weder um populäre Charaktere noch um welche, zu denen die Fans eine Verbindung hätten aufbauen können, handelt. Und daher fehlt dem Showdown auch der Reiz, weil man - logischerweise - nicht mitfiebert. Das größte Problem aber besteht darin, dass …

The Hellblazer Contantine

Die gute alte Zeit

… Richard Kadrey offensichtlich keine Notwendigkeit dafür gesehen hat, dem, was war, oder dem, was kommt, die Bedeutung beizumessen, die er ihnen eigentlich im Sinne der Comic-Liebhaber hätte beimessen müssen. Der finale vierte Band enthält nämlich nur noch eine Geschichte - und diese ist wieder von Tim Seeley ersonnen worden. Zeichner ist - wie weiter oben bereits erwähnt - Davide Fabbri geblieben und Carrie Strachan die zuständige Koloristin. Positiv hervorzuheben ist in diesem Zusammenhang dann auch, dass Seeley - es wurde schon angedeutet - zumindest auf seinen Beitrag zum zweiten Paperback Bezug nimmt und Margaret Ames auf durchaus originelle Weise zum Mittelpunkt des Geschehens macht: Sie wird zum sogenannten "Daemonium Ostium", einer Art Dimensionstor, das unsere Welt mit der feurigen Unterwelt verbindet, also Toten eine Rückkehr ins Leben ermöglichen kann.

Die bemitleidenswerte Polizistin wird zuvor erneut entführt und dient alsbald einem vor Ewigkeiten verstorbenen Verbrecher als Gefäß. Initiiert hat das Ganze ein Geistlicher, der vor vielen Jahren nicht den Pfad eingeschlagen hat, den seine beiden Brüder gewählt hatten. Den ersten hatte er auf eben erläutere Weise wiederauferstehen lassen, sodass dieser ihm daraufhin dabei helfen konnte, seinen Plan, der letztlich zum „Wiedersehen“ des Geschwistertrios führen sollte, zu realisieren - auf Kosten von Margaret und zahlreichen Unschuldigen.

In der Zwischenzeit ist DCs Super-Trenchcoatträger allerdings ebenfalls nicht untätig gewesen: Gemeinsam mit Huntress hat er die Verfolgung der Geschwister aufgenommen. Helena Bertinelli, so der Name der Frau, die sich hinter der berühmt-berüchtigten Maske verbirgt, wurde in Rom - von wem wohl? - damit beauftragt, diesem dämonischen Treiben ein Ende zu setzen, was heißt, dass Constantine und sie - wenigstens indirekt - dasselbe Ziel verfolgen. Der König der Trickser geht jedoch auf Nummer sicher und nimmt Kontakt zu einer weiteren Verflossenen auf, der vielleicht gefährlichsten: Blythe. Und die Dämonin lässt sich tatsächlich auf einen Deal mit ihrem ehemaligen Liebhaber ein, dessen Folgen verheerend sein könnten.

Doch auch diese sind nicht von Belang, da am Ende nicht mehr wirklich viel Zeit bleibt, um darauf einzugehen. Es muss schließlich zunächst herauskommen, dass Nergal, einstiger babylonischer Gott und Dämon in Personalunion sowie Erzfeind des Okkultisten, seine eigenen Ziele verfolgt, was letzten Endes dazu führt, dass John Constantine irgendwann einer Gruppe aus langjährigen Widersachern gegenübersteht. Und einmal mehr gilt: Würde man diese Einfälle als Kurzkonzept pitchen, wäre es sehr wahrscheinlich, dass man dafür ungeteiltes Lob und Vorfreudebekundungen ernten würde. In der Realität hetzt Seeley unverständlicherweise durch das von ihm verfasste Abenteuer und baut nichts richtig auf. Es fehlen einfach Tiefe und ein Stück weit auch echte Wow-Momente. Man könnte auch von einem tollen Rezept, einer überhasteten Zubereitung und einem aus diesem Grund "unperfekten“ Dinner sprechen.

Fazit

Die neue Serie rund um John Constantine hatte mit Die giftige Wahrheit viele Hoffnungen geschürt, die Stadt der Irrlichter, Der Tod und der Trinker sowie Die gute alte Zeit nur bedingt erfüllen konnten. Höhepunkte existieren - in Summe aber zu wenige. Dies hängt sicherlich auch mit der fehlenden Kontinuität hinsichtlich der Autoren zusammen.

Dass mehrere innerhalb einer Reihe zum Zuge kommen, ist nichts Ungewöhnliches, nur werden ihnen dann zumeist mehr Ausgaben zugestanden, um ihre Visionen zu verwirklichen. Ein gutes Beispiel für einen in sich stimmigen Run wäre etwa Deathstroke von Christopher Priest. Doch selbst schwächere Hellblazer-Ausgaben verdienen es allein schon deshalb gelesen zu werden, weil Abstecher in die von Zauberei und Mystik erfüllten Ecken des DC-Universums immerhin stets eine Abwechslung vom Justice-League-Mitglieder-Alltag darstellen.

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DC-Comic-Kritik zu All-Star Batman 2 & 3

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All-Star Batman

Selbst wenn man die Titel ausklammert, in denen sich alles um Mitglieder der Bat-Familie wie Nightwing oder Batgirl dreht, nimmt der Dunkle Ritter auch im Rebirth-Kosmos eine Sonderstellung ein. Denn kein anderer Held steht im Zentrum so vieler Heftreihen: namentlich Batman, Detective Comics und All-Star Batman. Letztere unterscheidet sich allerdings deutlich von den anderen. Mit dem dritten Paperback endet die Serie, sodass in dieser Kritik auch ein abschließendes Fazit gezogen werden kann.

Die Enden der Welt

Einer Sache kann man sich sicher sein, wenn man einen Comic liest, für den Scott Snyder verantwortlich zeichnet: Überraschungen und originelle Einfälle sind garantiert. Sein Batman-Run, der mehrere wirklich beachtliche Geschichten enthielt und mit Death of the Family sogar einen potenziellen modernen Klassiker, wurde von Fans wie Kritikern gleichermaßen gefeiert. Eine große Stärke von ihm scheint jedoch zu sein, stets zu erkennen, wann für ihn die Zeit gekommen ist, sich wieder neuen Projekten zu widmen. So war es bei seinem letzten Abstecher nach Gotham und so war es auch hier.

Wer nun die berechtigte Frage stellt, warum der Autor einen Fledermaus-Zyklus abschließt, um anschließend einen neuen zu beginnen, dem sei gesagt, dass All-Star Batman für sich stehen darf und quasi losgelöst von der Haupt-DC-Timeline existiert - ohne direkt Teil eines Paralleluniversums zu sein, das in einer weiteren Crisis zum Thema werden könnte. Man könnte auch sagen: Hier werden einfach Batman-Geschichten erzählt, gute Batman-Geschichten.

Während in Mein schlimmster Feind Harvey Dent respektive Two-Face im Mittelpunkt des Geschehens stand, sind es diesmal andere Schurken. Das Interessante: Snyder entscheidet sich bewusst gegen die großen Kämpfe. Die Begegnungen zwischen dem Justice-League-Mitglied und den Superschurken sind zumeist sehr dialoglastig. Das klingt im ersten Moment wahrscheinlich nicht sonderlich spannend, ist es aber.

Schon die ersten Seiten geben einen Vorgeschmack auf den diesen Band im Speziellen so sehr dominierenden Einfallsreichtum: Er beginnt nämlich mit einem Gedicht. Eines, das die meisten wohl direkt mit dem jungen Bruce in Verbindung bringen werden. Doch tatsächlich spielt es in der Kindheit von Victor Fries eine wichtige Rolle. Dem Victor Fries, den viele nur als Mr. Freeze kennen, und der auch nach all den Jahren noch davon träumt, seine schwerkranke Frau Nora eines Tages heilen zu können. Bis zu diesem Tag allerdings verbleibt Nora in ihrer Kryokammer.

Der wohl unterkühlteste Verbrecher überhaupt ist seit jeher der Gegenspieler des Meisterdetektivs mit Cape, der in den Augen der meisten Leser am ungefährlichsten ist. Das Bild des überaus klugen Wissenschaftlers und liebenden Ehemanns, den ein schwerer Schicksalsschlag komplett aus der Bahn geworfen hat, ist bei ihnen einfach zu fest im Hinterkopf verankert. Doch Unrecht ist Unrecht und weil Freeze offenbar nicht will, dass man das vergisst, friert er regelmäßig Menschen im wahrsten Sinne des Wortes “eiskalt” ein.

Snyder weiß um die Ambivalenz der Figur, weshalb es auch nicht verwundert, dass die Gespräche zwischen Protagonist und eisigem Genie sind von einer gewissen Schwere geprägt sind. Zudem wird spätestens jetzt offenkundig, dass diese 1:1-Situationen in All-Star Batman ein wenig vergleichbar sind mit denen von Ebenezer Scrooge und den Geistern der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft in Eine Weihnachtsgeschichte von Charles Dickens. Letztendlich steckt in jedem seiner bedeutenden Gegenspieler auch etwas von ihm, und ebendieser Aspekt wurde selten so gut herausgearbeitet wie in dieser Reihe. Nach seiner Begegnung mit Mr. Freeze trifft er noch auf Dr. Pamela Isley aka Poison Ivy, auf Jervis Tetch alias Mad Hatter und schließlich auf den Drahtzieher eines Verbrechens von gigantischem Ausmaß, das sich wie eine Art roter Faden durch diesen besonderen Mehrteiler zieht.

Nach dem finalen Showdown kommt es zum Schauplatzwechsel. Auf den verbleibenden Seiten geht es in erster Linie um Duke Thomas, den jüngsten Neuzugang in der Bat-Familie, der auf Scott Snyder und seinen kongenialen Partner Greg Capulo zurückgeht. Abermals tritt die Action ein wenig in den Hintergrund und überlässt dem Innenleben des jungen Nachwuchshelden das Feld. Dieser zweifelt nämlich nach wie vor an seiner Super-Assistenten-Eignung. Und zu allem Überfluss holt Edward Nygma, besser bekannt als Riddler, zum ganz großen Rätsel-Schlag aus. Dieses Abenteuer wird zu einem absoluten Schlüsselerlebnis für Duke und verrät dabei einiges über Bruce Wayne als Vater.

All-Star Batman

Der Verbündete

Alfred Pennyworth ist derzeit aufgrund seiner ersten Solo-Realserie in aller Munde, in der ebenfalls seine Vergangenheit beleuchtet wird. Man kann nicht behaupten, dass sie bis dato wirklich häufig thematisiert wurde, und gleichzeitig kann man auch fragen, ob das überhaupt nötig ist. Die Antwort: Wenn man es so macht wie Snyder, dann definitiv!

Da Thomas und Martha Wayne bekanntlich schon lange tot sind, gibt es nur einen Menschen, durch den Fans etwas darüber erfahren können, wie es ist, der “Vater“ von Batman zu sein. Dieses Abenteuer aus Alfreds Perspektive zu erzählen, bietet sich daher nicht nur an, sondern sorgt bei den Treuesten der Treuen für viele wirklich neue Erkenntnisse: Es war zwar Kennern des Bat-Kosmos bekannt, dass schon der Vater von Alfred in Wayne Manor über viele Jahre seinen Dienst verrichtete, über das Verhältnis zu seinem Sohn war jedoch bis dato nahezu nichts.

Und so geht es in Der Verbündete auf mehreren Ebenen darum, was es bedeutet, Vater zu sein, darum, Kinder ihren eigenen Weg gehen lassen zu müssen und vor allem darum, dass dieses Bedürfnis, sich um sie zu kümmern, dennoch nie enden wird - egal wie alt sie sind. Gleichzeitig sieht der Leser mutmaßlich zum ersten Mal im erwachsenen Bruce Wayne und dessen Alter Ego einen geliebten Sohn. Dies verleiht dem Dargebotenen eine unglaubliche Emotionalität, ohne auch nur im Ansatz kitschig zu werden.

In einer weiteren Geschichte verschlägt es den Caped Crusader bis nach Russland, wo ihm einmal mehr vor Augen geführt wird, wie sehr es seine Missionen vermeintlich erschwert, dass er niemanden tötet. Seine gnadenlosen Widersacher verlangen der Fledermaus in jedem Fall eine Menge ab und haben zudem Heimvorteil. Die Vorzeichen stehen folglich nicht unbedingt auf Sieg …

Rafael Albuquerque inszenierte diesen “Auslandseinsatz“ des Milliardärs mit den besonderen Hobbys, und zwar als Autor (unterstützt von Rafael Scavone und dem Künstler Sebastian Fiumara). Dies ist ein wichtiges Detail, weil der Brasilianer die von Scott Snyder erdachte Alfred-Episode noch gezeichnet hat. Das Duo hat im Übrigen den vielbeachteten Comic American Vampire kreiert und versteht sich laut eigener Aussage bestens. Die Bildsprache Albuquerques eignet sich auch wahnsinnig gut, um Snyders oft sehr düstere Gedanken lebendig werden zu lassen. Die Panels von Die Enden der Welt stammen dagegen von diversen Kreativen (etwa Jock, der auch die Welt von Wytches entworfen hat, oder Giuseppe Camuncoli), deren Stile sich zum Teil deutlich unterscheiden, was gut zu der Kapitelstruktur passt, die sich durch die einzelnen Held-Bösewicht-Aufeinandertreffen ergibt.

Fazit

Bekanntlich soll man aufhören, wenn es am schönsten ist. Scott Snyder hat bei All-Star Batman einmal mehr bewiesen, dass er bewusst oder unbewusst nach diesem Prinzip arbeitet. Selbst alteingesessene Fans des Dunklen Ritters kommen hier voll auf ihre Kosten und Neueinsteiger werden behutsam an den Bat-Mythos herangeführt. Comic-Herz, was willst du mehr?

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DC-Comic-Kritik zu Superman 1, Suicide Squad 1 & Red Hood und die Outlaws 1

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Superman Comic

Der Tod von Superman war sicherlich eine der Comic-Geschichten, die das größte Medienecho weltweit, aber vor allem in den USA hervorgerufen hat. Der Held aller Helden gestorben? Getötet von einem riesigen, scheinbar unbesiegbaren Monster? Ja, das waren die Fragen, die Anfang der 90er-Jahre nicht nur langjährige Fans umtrieben. Der Mann, der den berühmten Kryptonier einst sterben ließ, war Dan Jurgens. Es versteht sich fast von selbst, dass sein Name spätestens ab diesem Tag so ziemlich jedem Popkulturbegeisterten dieses Jahrzehnts ein Begriff war.

Dass Geoff Johns 2016 ebendiesen Autor abermals mit einem der wichtigsten DC-Titel überhaupt betraute, war zwar längst nicht so spektakulär wie besagtes Event der Extraklasse, allerdings dennoch eine Entscheidung, die die Augen vieler Clark-Kent-Freunde leuchten ließ. Wissen muss man in diesem Kontext jedoch, dass die hierzulande unter Superman laufende Serie in Nordamerika unter Action Comics firmiert. Die US-Superman-Reihe, für die das Duo Peter J. Tomasi und Patrick Gleason verantwortlich zeichnete, wird in Deutschland in Form der sogenannten Superman Sonderbände herausgegeben.

Jurgens neuester Run startet vermeintlich mit viel Bekanntem, und im Vergleich zu den ersten Seiten der übrigen Titel mit einer neuen Nummer 1 (wie etwa Deathstroke, Green Lanterns oder Flash) wurde hier sehr viel Wert auf einen stimmigen und direkt ersichtlichen Übergang von der The-New-52- hin zur Rebirth-Ära (der auch schon einmal gesondert besprochen wurde) gelegt: Denn spätestens seit Die letzten Tage von Superman wissen Panel-Liebhaber, dass es den “alten“ Mann aus Stahl noch gibt, den der nicht mit Wonder Woman, sondern mit Lois Lane liiert ist und sogar einen Sohn mit ihr hat.

Dass abermals der Tod eines Superman im Fokus steht, dass Doomsday wieder eine Rolle spielt und dass sogar mehr als ein Mann mit einem “S“ auf der Brust benötigt wird, um die Welt vor ihrem sicheren Untergang zu bewahren, war alles schon einmal da. Trotzdem unterscheidet sich die Handlung dieses Paperbacks deutlich von den Ereignissen von vor über zwanzig Jahren. Dieser Umstand alleine würde diesen Band schon lesenswert machen, die Tatsache, dass er am Ende so viele Antworten schuldig bleibt, sogar noch mehr. Es liegt nicht auf der Hand, wie es weitergeht, und das ist schlicht erfrischend - und hat vor allem mit Lex Luthor zu tun.

Suicide Squad

Die stählerne Gruft

Das erste Suicide-Squad-Paperpack lässt sich in erster Linie als überaus bildgewaltig beschreiben. Kein Wunder, denn schließlich war es Altmeister Jim Lee, der den Inhalt der meisten Panels beisteuerte. Der Mann, der mittlerweile ein wichtiger Entscheidungsträger bei DC Comics ist, dürfte eine ganze Generation an Zeichnern nachhaltig inspiriert und womöglich sogar (indirekt) dazu animiert zu haben, zu versuchen, in diesem Beruf Fuß zu fassen. Daher ist es auch kaum überraschend, dass Lee sich einer solch anspruchsvollen Aufgabe wie der Neuinterpretation des beliebtesten Selbstmordkommandos überhaupt angenommen hat.

Dieses besteht nämlich nicht nur aus vielen, sondern auch aus Figuren, die jeden Künstler in besonderem Maße fordern, weil es bei ihnen auf viele Details zu achten gilt. Allerdings wird man eben nur zu einer lebenden Legende, wenn man jederzeit dazu in der Lage ist, insbesondere solche Herausforderungen (spielend) zu meistern. Ob Killer Crock/Waylon Jones, Deadshot/Floyd Lawton, Captain Boomerang/George “Digger“ Harkness, Echantress/June Moone oder Harley Quinn/Dr. Harleen Quinzel, sie alle haben von wenigen Ausnahmen abgesehen selten so gut ausgesehen.

Zu behaupten, dass das von Rob Williams erdachte Auftaktabenteuer qualitativ nicht mit der Bebilderung Lees mithalten könne, wäre jedoch definitiv verfrüht, denn keine Rebirth-Serie gönnt sich eine derart ausufernde Origin-Story-Phase, in der die Task-Force-X-Mitglieder nacheinander vorgestellt werden. Ebenfalls erfährt man viel über die Leiterin des Geheimprogramms Amanda Waller, die Katana/Tatsu Yamashiro und Rick Flag ausgewählt hat, diese Spezialeinheit der etwas anderen Art zu führen.

Im Prinzip erinnert Die dunkle Gruft in Bezug auf den Aufbau ziemlich an den sehr kontrovers diskutierten Film aus dem Jahre 2016, und die Zusammenstellung des Teams entspricht sogar beinahe exakt der des Leinwandablegers. Dieser Logik folgend müsste in absehbarer Zeit eine weitere Umbesetzung stattfinden, da James Gunns The Suicide Squad angeblich einige neue Charaktere mit der berüchtigten Bombe im Kopf, die im Fall der Fälle aktiviert werden kann, setzen wird.

Ob die oben aufgezählten Antihelden wirklich brillieren können, hängt primär von ihren ersten echten Abenteuern ab, von dem sich dann endgültig herauskristallisierenden Ton der Reihe sowie - natürlich - von der Chemie der (Ex-)Schurken untereinander. Es gibt Anzeichen, die hoffnungsfroh stimmen, bei Team-Serien besteht aber auch gleichzeitig immer die Gefahr, bestimmte Protagonisten zu vernachlässigen und andere zu dominant zu platzieren. Daher: Abwarten!

Red Hood und die Outlaws

Dunkles Bündnis

Es gibt wohl kaum ein Kostüm, das im DC-Kosmos so häufig seinen Besitzer gewechselt hat wie das von Robin - würde man auch noch Geschichten berücksichtigen, die nicht oder nur ansatzweise Teil des Kanons sind, wären es sogar noch mehr. Damian Wayne trägt es aktuell im wiedergeborenen DC-Universum, und vor dem leiblichen Sohn des Dunklen Ritters kämpften Tim Drake, Stephanie Brown, Dick Grayson und Jason Todd an dessen Seite.

Letzterer ist mittlerweile als Red Hood nachts in den Straßen von Gotham unterwegs, und trägt den Helm, den, wenn man etwa die Handlung von The Killing Joke zugrunde legt, einst der Joker getragen hat. Und der Clown Prince of Crime wiederum war es auch, der den zweiten Ziehsohn von Bruce Wayne in Ein Todesfall in der Familie getötet hat. In den USA konnten die Fans seinerzeit im Übrigen darüber abstimmen, ob Jason sterben oder leben sollte. Eine knappe Mehrheit sprach sich für Variante eins aus, und machten die Geschichte dadurch vermutlich erst zu einem modernen Klassiker.

Aber da man in der Welt der Sprechblasen selten so ganz stirbt, war auch dieser Tod nicht von Dauer - der Lazarusgrube sei Dank. Wer nun allerdings glaubt, dass man ein solches Erlebnis einfach abschütteln kann, der irrt. Dass Autor Scott Lobdell diese tragische Episode aus dem Leben des Protagonisten mehrfach und auf höchst unterschiedliche Weise thematisiert, ermöglicht es Neueinsteigern, den (Anti-)Helden schneller kennenlernen zu können. Und für die Treuesten der Treuen ist es interessant, zu sehen, wie der einstige Junge von der Straße noch immer mit seinen inneren Dämonen zu kämpfen hat. Erfahrungen machen uns schließlich zu dem, der wir sind. Und diese erklärt, warum er nicht den Optimismus in sich trägt, der so typisch für seinen Boy-Wonder-Vorgänger und heutigen Nightwing Dick Grayson ist.

Die größte Stärke der Serie ist deswegen auch zweifelsohne ihre Hauptfigur. Es ist regelrecht erfrischend, ihn in Aktion zu sehen, und wieder und wieder daran erinnert zu werden, dass Jason Todd nach wie vor unsicher und mit sich noch nicht gänzlich im Reinen ist. Während er innerlich alles unternimmt, um dies zu ändern, wird er jedoch auch im “echten Leben“ enorm gefordert. Er versucht zum Beispiel, Black Masks Imperium von innen zu zerstören.

Dabei trifft er auf die Amazone Artemis, die ihm, obwohl es zu Beginn so gar nicht danach aussieht, eine wirklich gute Partnerin werden sollte. Und damit nicht genug: Bizarro, der bekannteste aller Superman-Klone, stößt ebenfalls zu dem Duo, das ab diesem Moment ein Trio war, die “Dark Trinitiy“ - in Anlehnung an die echte Trinity, bestehend aus Superman, Batman und Wonder Woman.

Gemeinsam bilden sie wohl eines der unkonventionellsten, aber gleichzeitig auch schlagkräftigsten Teams, das sich in der Folge sogar mehrfach aus scheinbar aussichtslosen Situationen befreit. Unter anderem dadurch wachsen die drei mit jeder der 280 Seiten etwas mehr zusammen. Dies als Leser mitzuerleben, sorgt natürlich erstens dafür, dass man zügig inmitten des Geschehens ist und außerdem leicht mit den "Outlaws“ sympathisieren kann. Und obwohl die präsentierten Abenteuer nicht übermäßig komplex sind, lassen sie sich sehr gut lesen, und die primär auf Dexter Soy zurückgehenden Zeichnungen bestechen durch ihren Detailreichtum und die Sogwirkung, die sie entfalten. Man will nicht nur wissen, wie es weitergeht, man will es ebenfalls sehen, und das ist wohl eines der größten Komplimente, das man einem Künstler machen kann.

Fazit

Superman 1, Suicide Squade 1 und Red Hood und die Outlaws 1 sind gute Beispiele für die Vielfalt an Titeln, die DC herausbringt. Denn die Autoren aller drei verfolgen einen völlig eigenen Ansatz, wie sie mit dem Thema “Comic-Universums-Wiedergeburt“ umgehen und inwiefern sie es in ihre Geschichten einfließen lassen wollen.

Dennoch erscheint auf den ersten Blick Der Pfad zur Verdammnis der vielversprechendste Neustart zu sein, da sich hier nicht nur am deutlichsten eine Handlung regelrecht entfaltet, sondern ebenso aufgrund der am interessantesten angelegten Charaktere.

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DC-Comic-Kritik zu Wonder Woman 3 - 5

Nachdem im Rahmen dieser Reihe zunächst die ersten und später die zweiten Bände (diese sogar im Doppelpack) ausgewählter Reihen aus dem DC-Rebirth-Kosmos im Fokus gestanden haben, folgen nun Dreierpacks, bestehend aus den Nummern 3, 4 und 5 der einzelnen Serien. Spätestens nach der Lektüre dieser Beiträge sollte man dann eigentlich einschätzen können, welche Helden man auch weiterhin lesend begleiten möchte, und welche eher nicht.

Die Wahrheit

Es war einer dieser besonderen Momente auf der WonderCon 2016 in Los Angeles: Geoff Johns stellte nach und nach sämtliche Rebirth-Titel mitsamt der dazugehörigen Autoren vor. Der von deutlich hörbarem, starkem Applaus begleitete Auftritt von Greg Rucka sollte eine Art Vorbote des fantastischen Fan- und Kritikerechos sein, das der Run des Autors bei seiner Leserschaft hervorrufen würde. Seine Begründung für seine zweite große Reise an der Seite der Amazonenprinzessin war einfach (und sympathisch zugleich): “How do you say no to Diana?“

Mit diesen Worten war im Prinzip alles gesagt, denn zwischen den Zeilen schwangen gleichermaßen Achtung und Wertschätzung mit, die das Comic-Mastermind für das Mitglied der Justice League seit jeher empfindet. So fühlte er sich schon 2003 einst sehr geehrt, als er zum ersten Mal (bis 2006) für die Geschichten rund um die Halbgöttin verantwortlich zeichnete. Es kommt nicht von ungefähr, dass Lazarus, der wohl beliebteste Comic Ruckas, der nicht bei einem der großen Zwei erschienen ist, vor allem deshalb so beliebt ist, weil er nicht nur mit einer vielschichtigen Handlung oder einem tollen Look, sondern vor allem auch mit einer faszinierenden Protagonistin punkten kann.

Und ganz ähnlich fällt das Feedback zu seinem Beitrag zur Wiedergeburt des DC-Universums aus: Wenn am Ende gefühlt alles eine spezielle Bedeutung hat und alle Puzzleteile tatsächlich ein farbenfrohes Bild ergeben, spricht das für gutes Storytelling. Wenn nahezu alle Haupt- und Nebencharaktere in irgendeiner Form den Leser interessieren und es zu durchaus überraschenden Entwicklungen kommt, ebenso.

Die Wahrheit führt nun alle Handlungsstränge stimmig zusammen, wodurch die eigentliche Leistung Ruckas erst erkennbar wird: Der US-Amerikaner hatte nicht nur von Anfang an den enorm ambitionierten Plan, Wonder Woman endgültig weltweit die Anerkennung zuteilwerden zu lassen, die diese Figur schon lange verdient hat. Nein, er wollte zugleich ihre gesamte Historie ehren und diese durch einige Ergänzungen seinerseits so gestalten, dass sein Betrag ohne Probleme das erste von vielen weiteren Kapiteln eines echten Mammutwerks rund um das prominenteste weibliche Justice-League-Mitglied werden könnte. Dass der im Sommer 2017 angelaufene Film mit Gal Gadot als Diana global derart erfolgreich war, tat sein Übriges dazu, dass die mächtige Kriegerin mit dem guten Herzen endgültig in der allgemeinen Wahrnehmung zu ihren Trinity-Kollegen Batman und Superman aufschließen konnte.

Deshalb sieht man den Entschluss des Ausnahmeautors, den Titel mit dem Ende dieses Runs zu verlassen, mit einem weinenden und einem lachenden Auge. Denn dass man bekanntlich gehen soll, wenn es am schönsten ist, weiß jedes Kind, und trotzdem ist ein solcher Schritt für die treue Leserschaft natürlich hart, da diese sich problemlos selbst einreden kann, dass das Schönste/Beste erst noch kommt. Greg Rucka selbst begründete seine Entscheidung mit dem Zwei-Hefte-pro-Monat-Veröffentlichungsrhythmus, der es ihm erschwere, auch seinen anderen Projekten die entsprechende Aufmerksamkeit zu schenken, die sie verdient hätten. Liam Sharp, der mit seinen Zeichnungen fast schon neue Maßstäbe gesetzt hat, tat es seinem Partner gleich und ist mittlerweile für die neue Green-Lantern-Serie von Grant Morrison künstlerisch im All unterwegs.

Doch zuvor kam es noch zum großen Showdown mit Dr. Veronica Cale, der überraschenden Rückkehr eines alten Bekannten und einer Superheldin, die erst mit sich selbst wieder ins Reine kommen und für sich erkennen musste, was der Wahrheit entspricht und wobei es sich um Lügen handelt. So gesehen ging es von Anfang an darum, dass sich die Tochter von Zeus und der Amazonenkönigin Hippolyta im wahrsten Sinne des Wortes wieder selbst findet. Und das gelang ihr schließlich – nach der Absolvierung eines ungemein lesenswerten, weil sehr durchdachten, steinigen Weges.

Wonder Woman

Das Herz der Amazone

Zugegeben: Es ist einfach enorm undankbar, nach einer solch denkwürdigen Saga auf einen derart gefeierten Kollegen wie Rucka zu folgen. Dass Shea Fontana dennoch so mutig war, spricht zweifellos für sie. Einen Namen im Popkultur-Kosmos hatte sich die junge, im Verhältnis noch eher unerfahrene Autorin vor allem mit der Zeichentrickserie DC Superhero Girls (dem Urformat vor dem Reboot durch Lauren Faust) und deren Comic-Umsetzungen, die sich an ein eher junges Publikum richten, gemacht.

Ihr nun daraus einen Strick zu drehen, wäre gemein und viel zu einfach – zumal man nicht unterschätzen sollte, wie anspruchsvoll es ist, Kinder gut und originell zu unterhalten. Aber Das Herz der Amazone wirkt leider wirklich wie ein kleiner Pausenfüller, der die Wartezeit von einem bedeutsamen zum anderen bedeutsamen Run verkürzen soll, und das ist schlicht schade.

Der qualitative Unterschied zwischen Fontanas Geschichte und denen ihres Vorgängers und denen ihres Nachfolgers ist zu offenkundig, als dass man ihn unerwähnt lassen könnte. Die ihr zugrunde liegende Prämisse ist nicht das Problem: Kann Wonder Womans Blut vermeintlich unheilbare Krankheiten heilen, und sind ihre Kräfte eventuell sogar auf Menschen übertragbar? Es ist jetzt nicht so, als hätten langjährige Panel-Freunde noch nie Hefte mit einem ähnlichen Inhalt in ihren Händen gehalten, entscheidend ist jedoch immer, was man letztlich aus dieser Ausgangsidee macht.

Im Falle der sich auf den vierten Sammelband der Reihe beschränkenden Handlung kann man festhalten: Erwartbares. Keine Entwicklung überrascht so recht, und es will auch nie so wirklich Spannung aufkommen, weil alles dauerhaft vor sich hin plätschert. Man wartet von der ersten bis zur letzten Seite vergeblich auf einen echten Wow-Moment. Und spätestens da rächt sich dann für Fontana, dass sie nicht an die Vorlage Ruckas anknüpfen durfte oder wollte. Seine Art zu erzählen, seine Raffinesse, sein Einfallsreichtum und seine Detailverliebtheit haben dafür gesorgt, dass Fans gesehen haben, was möglich ist, wodurch sich ganz automatisch eine gewisse Erwartungshaltung entwickelt. Und dieser wird die Autorin einfach nicht gerecht. Unter anderem auch deshalb, weil sie es nicht schafft, dass man zumindest mit den Figuren mitfiebert. Es fehlt an Tiefgang, und das Dargebotene erscheint zu austauschbar, schablonenhaft und belanglos, weil es auch überhaupt keine Auswirkungen auf das große Ganze hat.

Hinzu kommt, dass die Zeichnungen von Mirko Andolfo, David Messina und Inaki Miranda für sich genommen absolut nicht beanstandenswert sind, die Stile der Künstler sich allerdings ziemlich unterscheiden. Dadurch kommt es auch visuell zu Brüchen, die endgültig zu einem unrunden Gesamtergebnis führen. Aber bekanntlich ist noch kein Meister vom Himmel gefallen. Und daher wäre es Shea Fontana zu wünschen, weiterhin Erfahrungen sammeln und sich ausprobieren zu dürfen, da man schließlich nur auf diese Weise besser werden kann – an einem weniger prominenten Heft zu arbeiten, wäre dabei sicher hilfreich.

Wonder Woman

Kinder der Götter

Jemand, der bereits viel Erfahrung sammeln konnte, ist James Robinson. Seine Interpretation von Starman brachte ihm viel Lob von Kritikern wie Fans ein, und die von ihm erdachten Abenteuer der JSA (Justice Society of America) ebenso. Und was soll man sagen? Schon nach den ersten Panels ist man mitten im Geschehen und blättert immer schneller um, weil das Präsentierte so packend ist.

Vor allem kommt es sehr erfrischend daher, was wiederum damit zusammenhängt, dass Robinson stringenter erzählt als Greg Rucka, der mit diversen Schauplätzen und unterschiedlichen Zeitebenen jongliert hat – ihr Verständnis für die Motivation von Figuren ist aber zweifellos ähnlich stark ausgeprägt. Gleichzeitig ist der "Neue" sehr darauf bedacht, in seinem Run diverse Geschichten aus der jüngeren und älteren DC-Vergangenheit fortzuschreiben und ähnlich wie sein Vorvorgänger Leerstellen zu füllen.

Das Resultat: Diana erfährt, dass sie einen Zwillingsbruder namens Jason hat und dass sie beide sowie alle anderen Halbgötter, die auf der Erde leben, in Gefahr sind, da Darkseid es auf sie abgesehen hat. Gemeinsam mit seiner Tochter Grail macht der wiedergeborene Herrscher von Apokolips Jagd auf die Halbgeschwister der Amazonenprinzessin und wird dabei stärker und stärker. Alle Details seines Masterplans werden allerdings noch nicht enthüllt. Man kann jedoch getrost davon ausgehen, dass er nicht weniger teuflisch ist als diejenigen, die er in der Vergangenheit ausgeheckt hat und die unter anderem das The-New-52-Justice-League-Finale Der Darkseid-Krieg zur Folge hatten.

Den Zeichnern Sergio Davila, Stephen Segovia und vor allem Carlo Pagulayan ist es zudem zu verdanken, dass Robinsons Visionen äußerst akkurat umgesetzt wurden. Look wie Inhalt machen also definitiv Lust auf mehr.

Fazit

Verbucht man Band 4 unter "Ausnahme, die die Regel bestätigt"kann man vor den restlichen vier Paperbacks nur seinen Hut ziehen. Es mag einige sehr gelungene Rebirth-Titel wie Green Lanterns, Aquaman oder Batman geben, aber Wonder Woman ist die Benchmark, an der es sich zu orientieren gilt.

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DC-Comic-Kritik zu Nightwing 3 - 5

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Nightwing

Nachdem im Rahmen dieser Reihe zunächst die ersten und später die zweiten Bände (diese sogar im Doppelpack) ausgewählter Reihen aus dem DC-Rebirth-Kosmos im Fokus gestanden haben, folgen nun Dreierpacks, bestehend aus den Nummern 3, 4 und 5 der einzelnen Serien. Spätestens nach der Lektüre dieser Beiträge sollte man dann eigentlich einschätzen können, welche Helden man auch weiterhin lesend begleiten möchte, und welche eher nicht.

Nightwing muss sterben

Mit dem fünften Paperback, der ebenfalls in diesem Artikel besprochen wird, endet Tim Seeleys Nightwing-Run, das wahre Finale wird aber in Nightwing muss sterben erzählt. Der die Einzelheftausgaben 15 bis 20 beinhaltende Band profitiert nicht nur von starken Zutaten, sondern auch von einem tollen Rezept. Und da der Autor eben auch eine Menge von seinem Handwerk versteht, sollte es niemanden überraschen, dass das von ihm zubereitete Gericht auch hervorragend mundet.

Was man mit jeder Seite ein Stück mehr merkt, ist, dass Seeley seinen Protagonisten mittlerweile sehr gut kennt, was nicht verwunderlich ist. Schließlich beschäftigt sich der US-Amerikaner schon lange mit dem einstigen Zirkusartisten. Gemeinsam mit dem aktuellen Batman-Autor Tom King, dessen Reihe ähnlich viel positive Resonanz erfahren hat wie etwa die von Scott Snyder, arbeitete er an der Solo-Serie Grayson. Diese stellt – wie der Titel schon vermuten lässt – Richard “Dick“ Grayson in den Mittelpunkt des Geschehens, der damals als Agent 37 für die Geimorganisation Spyral als Spion arbeitete.  

Obwohl sich all das eigentlich in der The-New-52-Ära abspielte, werden trotzdem gekonnt Versatzstücke aus dieser Zeit in die Handlung integriert, sodass es so wirkt, als wäre von langer Hand geplant gewesen, Nightwings neue Abenteuer unmittelbar mit seiner Undercover-Phase zu verbinden. Dass es zudem sogar zu einem Comeback des dynamischen Duos 2.0 kommt, dürfte besonders langjährige Fans freuen: Als Bruce Wayne einst temporär "verhindert" war, wurde Dick der Dunkle Ritter in Vertretung und sein kleiner, nicht gerade unkomplizierter Quasi-Bruder Damian unterstützte ihn als Robin.

Die Chemie zwischen den beiden Wunderknaben wird wunderbar von Tim Seeley eingefangen. Hervorhebenswert sind vor allem die Momente, in denen sich der leibliche Sohn des Caped Crusaders eingesteht, dass die ganze Protzerei, seine Sprüche und das ständige Sticheln eigentlich nur dazu dienen, um davon abzulenken, wie wichtig ihm der Mensch hinter der blauen Maske eigentlich ist. Zwischen diesen Augenblicken geht es allerdings darum, Dicks neue Freundin Shawn, die ehemalige Schurkin Defacer, zu retten. So actionreich diese Geschichte auch ist, so rasant und packend, am meisten punktet sie mit den Darstellungen der Beziehungen von Dick zu zwei seiner wichtigsten Bezugspersonen.

Vor allem weil sie bestens zu der Ausgangsidee passen, auf der Seeleys restliche Einfälle ganz offensichtlich aufbauen: Besser als Batman! In gewisser Hinsicht trifft diese Aussage auch tatsächlich so zu, denn Dick Grayson will ein Held der Hoffnung sein. Er hat ebenfalls mit ansehen müssen, wie seine Eltern ermordet wurden, und ist damit doch völlig anders umgegangen als Bruce – unter anderem sicher, weil er im Vergleich zu dem Multimillionär jemanden hatte, der dasselbe durchgemacht hat wie er. Spätestens seit der ehemalige “Flying Grayson“ endgültig auf eigenen Beinen steht und als Nightwing nicht nur Kopf der Titans ist, sondern auch unabhängig von Batman das Verbrechen bekämpft, zeigt sich immer mehr, was die beiden unterscheidet. Ihn mit Beginn dieses Runs umziehen und Blüdhaven so zu seiner Stadt, quasi seinem Revier, werden zu lassen, passt da perfekt ins Bild. Das in die Tat umgesetzte Gedankenexperiment lautet also: Wie wäre es, wenn Batman zwar existieren, aber anders agieren würde?

Dick Grayson ist gewillt, das Gute in Menschen zu sehen und im Gegensatz zu Bruce Wayne viel eher bereit dazu, jemandem zu vertrauen oder echte Nähe zuzulassen. Dies ist sicherlich eine Qualität, die ihm auf den ersten Blick in Ansätzen das Leben erleichtert, es ihm auf den zweiten allerdings auch erschwert. Denn gerade weil er so ist, kann er viel leichter Personen, die ihm nahestehen, verletzen oder von ihnen verletzt werden. Sicher, auch der Dunkle Ritter hat seine Prinzipien, der moralische Kompass seines früheren Sidekicks ist jedoch wesentlich ausgeprägter. Dies macht ihn vielleicht zu einem besseren Menschen, zu einem glücklicheren aber nicht – und zu einem besseren Helden ebenfalls nicht.

Nightwing

Blockbuster

Und ebendiese These soll nun gefühlt von Panel zu Panel etwas mehr mit Argumenten unterfüttert werden. Während in Nightwing muss sterben zumindest im Privaten eine Menge so zu laufen schien, wie es sich Dick schon lange erträumt hatte, wird er in Blockbuster direkt wieder auf den harten Boden der Tatsachen zurückgeholt.

Seine Freundin Shawn blickt auf viele Dinge zurück, die sie bereut und will sich daher ernsthaft ändern. Sie gehört zu den Run-Offs, einer Gruppe von Ex-Gesetzesbrechern – einige mit besonderen Fähigkeiten –, die dem Verbrechen abgeschworen hat. Die Geläuterten treffen sich regelmäßig in an Treffen der Anonymen Alkoholiker erinnernde Sitzungen. Und die einstige Defacer ist sogar noch einen Schritt weitergegangen: Sie arbeitet im Gemeindezentrum und will alles dafür tun, um so vielen Jugendlichen wie möglich Alternativen zu dem Weg aufzuzeigen, den sie und ihre Freunde damals eingeschlagen haben.

Deshalb ist es auch vollkommen nachvollziehbar, dass ihr Freund endlich in dieser, in der “echten“ Welt ankommen soll. Er mag noch genug Geld aus seiner Spyral-Zeit haben, um das Geld geht es Shan Tsang allerdings gar nicht. Diese Beziehung soll ebenfalls etwas Echtes sein, nicht nur ein gelebter Traum ohne Verankerung in der Realität, und das bedeutet eben auch, dass eine Perspektive jenseits der nächsten nächtlichen Operation erkennbar sein muss. Es ist zweifellos nicht so, dass ein Teil von Bruce Waynes Ziehsohn nicht ebenfalls den Wunsch hegen würde, irgendwann irgendwo richtig anzukommen. Tatsächlich tut er sich jedoch schwer damit, den Beginn dieser lebensverändernden Phase zu terminieren und rechtfertigt seine Unfähigkeit, sich diesbezüglich festzulegen, vor sich und seiner Partnerin stets mit dem nächsten Fall, der vollen Einsatz erfordert.

Mark Desmond war der erste Blockbuster, eine Art Mischung aus Bane und Hulk, eine Kreatur, die nach Einnahme eines Serums plötzlich enorm an Muskel- und Körpermasse zulegt – auf Kosten des eigenen Intellekts. Später betrat dessen Bruder die Bühne und wurde zum zweiten Blockbuster, einem der Erzfeinde von Nightwing schlechthin. Roland Desmond war aber um ein Vielfaches gefährlicher, weil er eine Möglichkeit gefunden hatte, wie er trotz Transformation bei klarem Verstand bleiben konnte. Dieser Bösewicht taucht nun erstmals im Rebirth-Kosmos auf, und zwar als interessanterweise durchaus ambivalente Figur, die offenkundig ihre eigenen Zwecke verfolgt, allerdings auch Grenzen kennt und den neuen Beschützer von Blüdhaven zeitweise sogar (etwa im Kampf gegen Tiger Shark) unterstützt.

All das genügt eigentlich schon, damit Dick sich weiter einreden kann, es könne und müsse irgendwie so weitergehen, doch das geht eben nicht. Spätestens nachdem auch noch seine frühere Flamme Helena Bertinelli alias Huntress auftaucht und Shawn in alte Gewohnheiten verfällt, wird sein Leben bedeutend komplizierter.

Nightwing

Raptors Rache

Man könnte meinen, alles sei angerichtet für ein fantastisches Finale, einen echten Showdown. Nightwings ehemaliger Mentor, den er schon aus Kindheitstagen kennt und der in dessen Mutter Mary verliebt war, ist nämlich wieder auf freiem Fuß und sinnt auf Rache. Nur: Es fehlt die Fallhöhe, es fehlt an einer “Alles oder nichts“-Atmosphäre.

Als Raptor im ersten Trade eingeführt wurde, spielte ihr Schöpfer Tim Seeley noch auf sehr gelungene Weise mit dem fehlenden Hintergrundwissen des Lesers. Schließlich blickt ein neugeschaffener Charakter logischerweise auf keine jahrzehntelange in Comics dokumentierte Vergangenheit zurück. Dies macht ihn spannend und mysteriös. Jetzt hingegen liegen die Karten einfach zu deutlich auf dem Tisch: Dass jemand, der es sich eigentlich auf die Fahnen geschrieben hatte, für den kleinen Mann einstehen und gegen die Oberschicht vorgehen zu wollen, so leicht all seine Ideale über Bord wirft, nur um sich zu rächen, überzeugt einfach nicht. 

Lustigerweise wird exakt dieser Punkt in einer Sprechblase von dem Mann in Blau und Schwarz ausformuliert, doch eine adäquate Antwort seitens Raptor bleibt aus. Deswegen gerät das letzte Gefecht zwischen den beiden Kontrahenten auch weit weniger spektakulär, als es zweifelsohne möglich gewesen wäre. Da jedoch immerhin Dick Graysons innerer Zerrissenheit weiterhin viel Aufmerksamkeit geschenkt wird, leidet die Qualität der Geschichte insgesamt nicht zu extrem.

Was außerdem einmal mehr positiv ins Gewicht fällt, ist der Look. Wenn sich wie im Falle dieser Serie bis dato durchgängig dieselben Zeichner abwechseln sowie gelegentlich sogar zusammenarbeiten, stellt sich irgendwann eine Art Vertrautheit beim Leser ein, die dazu führt, dass er noch tiefer in das Erzählte eintauchen kann. Die Stile von Javier Fernández, Minkyu Jung und Miguel Mendonça, die fast alle Kapitel von Seeleys Saga bebildert haben, ergänzen sich zudem schlicht sehr gut, weil sie allesamt sehr filigran sind, wodurch wunderbar unterschiedliche Gesichtsausdrücke eingefangen und Gemütsverfassungen zum Ausdruck gebracht werden können.

Fazit

Tim Seeleys Run hat unglaublich stark begonnen, kann dieses Niveau dann aber nicht ganz bis zum Ende halten. Lesenswert sind die von ihm erdachten Geschichten allerdings dennoch ohne jede Frage. Vor allem weil er sich an eine partielle Neuinterpretation eines der beliebtesten Mitglieder der Bat-Familie herantraut und ihn so sehr aus dem Schatten Batmans heraustreten hat lassen wie wenig Autoren vor ihm.

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DC-Comic-Kritik zu Deathstroke 3 - 5

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Deathstroke

Nachdem im Rahmen dieser Reihe zunächst die ersten und später die zweiten Bände (diese sogar im Doppelpack) ausgewählter Reihen aus dem DC-Rebirth-Kosmos im Fokus gestanden haben, folgen nun Dreierpacks, bestehend aus den Nummern 3, 4 und 5 der einzelnen Serien. Spätestens nach der Lektüre dieser Beiträge sollte man dann eigentlich einschätzen können, welche Helden man auch weiterhin lesend begleiten möchte, und welche eher nicht.

Kriegsverbrecher

Christopher Priest macht einfach weiter - ohne Rücksicht auf Verluste. Also, zumindest ohne Rücksicht auf all jene zu nehmen, die das Deathstroke-Universum auch nach der Lektüre der ersten beiden Paperbacks noch nicht so richtig überblicken beziehungsweise sich noch nicht so recht an die vielen inhaltlichen und zeitlichen Sprünge des Autors gewöhnt haben.

Slade Wilson wurde verhaftet, aber dennoch ist in Chicago ein Auftragskiller unterwegs, der seinen Anzug trägt und eine blutige Spur hinterlässt. Man sieht mit einem Male, wie Deathstroke von Red Lion befreit wird, der - wie könnte es auch anders sein - natürlich nicht einfach aus Nächstenliebe handelt, sondern seine ganz eigenen Ziele verfolgt - und zu denen passt eben ein gefährlicher Kopfgeldjäger in Freiheit.

Zu allem Überfluss mischen auch noch der Creeper und der in Tim Seeleys Nigtwing-Run eine wichtige Rolle spielende Raptor mit. Es gäbe also ausreichend Gründe, um ständig vor- oder zurückzublättern respektive die vorherigen Bände noch einmal aus dem Regal zu holen. Tatsächlich ist dieser Trade aber derjenige, der die letzten Fakten liefert, um das große Ganze zumindest einigermaßen überblicken zu können.

Denn spätestens jetzt wird offenkundig, dass der sich meist so kühl und gefühllos gebende Protagonist schlicht nicht dazu in der Lage ist, über das, was ihn bewegt, zu sprechen. Insbesondere den wenigen Menschen, die ihm wirklich wichtig sind, in erster Linie seinen Kindern, zeigt er auf eine für die Allgemeinheit nur schwer nachvollziehbare Weise, wie viel sie ihm bedeuten. Es ist deshalb nur logisch, dass Joseph und Rose nicht einmal im Ansatz erahnen können, wie ihr Vater tatsächlich zu ihnen steht.

Ehrlicherweise beschäftigen die beiden jedoch auch ganz andere Dinge: Slades Sohn steht kurz vor seiner Hochzeit, doch Braut wie Bräutigam in spe sind ganz offensichtlich nicht vollkommen ehrlich miteinander. Und seine Tochter will mehr über ihre Familie mütterlicherseits erfahren, was eine nicht gerade kurze Reise zur Folge hat. Die ehemalige Ravager und Jericho, so die Alias der Antihelden-Sprösslinge, sollten aber schon bald erfahren, was es heißt, von ihrem eigenwilligen Erzeuger geliebt zu werden …

Deathstroke

Dämmerung

Denn in Dämmerung findet Priests Geschichte eigentlich ihren Höhepunkt: Eine “Red Wedding“ im Stile von Game of Thrones wird es zwar nicht, allerdings zweifellos eine Veranstaltung, die keiner der Anwesenden vergessen wird, obwohl sie es sicherlich gerne täten. Doch bereits weit vor dem Gang zum Altar ereignet sich Außergewöhnliches mit weitreichenden Konsequenzen:

Rose und Joe Wilson erfahren nämlich nahezu zeitgleich, wie massiv Slade Einfluss auf ihr Leben genommen hat. Ein Umstand, der die Wut der Geschwister geradezu ins Unermessliche steigert.

Deathstroke selbst ist inzwischen erblindet, jedoch hält ihn selbst das nicht davon ab, sein Ding zu machen. Er wird zeitweise von Tanya Spears, dem neuen Power Girl unterstützt. Sie weiß aber zunächst nicht, mit wem sie es zu tun hat, und als sie es erfährt, ist sie außer sich - nichtsahnend, dass der Mann in Orange und Schwarz schnell Sympathien für sie entwickelt hat. Damit sie das allerdings nicht bemerkt, muss sie ebenfalls die Erfahrung machen, die schon die Kinder des Killers machen mussten: Er lässt keine Nähe zu und will lieber gehasst werden, weil er glaubt, dass das für alle Beteiligten das Beste ist.

Und Christopher Priest wiederum lässt auch den Leser nie zu sehr mit seiner Hauptfigur sympathisieren. Denn für seine Interpretation von Deathstroke ist entscheidend, dass er ein Einzelgängertyp bleibt, dessen Handeln man selbst mit einem Wissensvorsprung gegenüber den anderen Charakteren nur bedingt nachvollziehen kann. So steht der Mann, der irgendwo zwischen Gut und Böse anzusiedeln ist, jedoch auf eine sehr sonderbare Weise durchaus nicht ohne moralischen Kompass da, und spätestens das beweist, dass der Autor die auf Marv Wolfman und George Pérez zurückgehende Figur bestens verstanden hat.

Deathstroke

Die Lazarus-Falle

Streng genommen dürfte auf diesem Cover eigentlich gar nicht "Deathstroke“ stehen oder zumindest nicht nur. Schließlich ist Die Lazarus-Falle eine Geschichte, die gewissermaßen zusammenbringt, was zusammengehört. Denn der Söldner war immerhin ursprünglich primär ein Gegner der Teen Titans, und diesmal begnügt er sich nicht mit dieser Truppe, sondern legt sich außerdem noch mit den Titans an.

Um die erste Junghelden-Gruppierung kümmerte sich zu Beginn der Rebirth-Ära Benjamin Percy und um die zweite (sowie um Aquaman) Dan Abnett. Und beide Autoren zeichnen nun eben gemeinsam mit Christopher Priest für dieses Event verantwortlich, das in den angesprochenen drei Reihen stattfindet. Auf diesen 132 Seiten wird aber sehr schnell sehr deutlich, warum es eben doch Sinn macht, dass hierzulande dieses Crossover als Abschluss der Auftragskiller-Serie veröffentlicht worden ist.

Slade Wilsons Plan verlangt sich und seinen Kontrahenten definitiv alles ab. Dies sollte auch niemanden überraschen, da er dafür bekannt ist, stets mehr als einhundert Prozent zu geben und diese klare Fokussierung auf das eine Ziel oftmals stark an eine Form von Besessenheit erinnert. Darüber hinaus erfährt der Leser im Laufe des Geschehens, dass er diesmal im wahrsten Sinne des Wortes Alles-oder-Nichts spielt.

Denn er offenbart beiden Wallys, dass er im Gegenzug für ihre Hilfe bei seinem Unterfangen seinen “Job“ endgültig an den Nagel hängen werde. Seine Rechnung: ein Leben gegen unzählige. Er will nämlich unbedingt die Vergangenheit ändern und den Tod seines zweiten Sohnes Grant verhindern, an dem er einigen der ehemaligen Assistenten eine Mitschuld gibt. Doch insbesondere Barry Allen, der berühmteste aller Speedster, hat bekanntlich schon eindrucksvoll bewiesen, dass ein solcher Eingriff in das Raum-Zeit-Kontinuum immer mit weitreichenden  Konsequenzen einhergeht und daher in jedem Fall zu vermeiden ist. Doch ein Deathstroke akzeptiert bekanntermaßen kein Nein …

In diesem Crossover gestattet das Auorentrio dem äußerst beliebten Charakter also noch einmal abschließend, als echter Antagonist mit einem nachvollziehbaren Motiv aufzutreten, was viele Fanherzen hat höherschlagen lassen. Immerhin sind es neben den Helden- eben auch seit jeher die Schurkenmomente gewesen, an denen die Anhänger des Waffenliebhabers ihre Freude hatten.

Schön ist im Kontext dieser komplexen Geschichte zudem, dass man nicht nur innerhalb des wiedergeborenen DC-Universums, sondern mit Blick auf die The-New-52-Geschehnisse auch inhaltliche Brücken schlägt. So beweist man allen, die es mit DC halten, dass man es sich selbst bei einem gigantischen Reboot nicht zu leicht macht und alles, was nicht (mehr) gefällt, schlicht für null und nichtig erklärt.

Während in den ersten vier Bänden vornehmlich Joe Bennett für die Realisierung dieser doch sehr rauen, kantigen und zumeist sehr unbarmherzig anmutenden Welt zuständig war, pausiert dieser im fünften Paperback. Dafür sind jedoch mit unter anderem Brett Booth und Carlo Pagulayan zwei Zeichner mit von der Partie, die der Reihe ebenfalls bereits ihren Stempel aufdrücken durften, sodass es stilistisch zu keinen riesigen Brüchen kommt.

Fazit

Christopher Priest hat mit seinem Run definitiv etwas Beeindruckendes geschaffen und eine der beliebtesten DC-Figuren zum Protagonisten einer großen Geschichte gemacht, die Comic-Liebhaber wie Kritiker gleichermaßen überzeugt hat. Sehr komplex, sehr anspruchsvoll, sehr erwachsen und sehr brutal kommt sie daher. Dabei verkommt diese Brutalität aber nicht zum Selbstzweck.

Es ist viel eher so, dass sie in Slade Wilsons Augen das effektivste Mittel zu sein scheint, um zu jedem Distanz zu halten, was für ihn geradezu elementar ist und gleichzeitig seine Unfähigkeit, echte Nähe zuzulassen, unterstreicht. Man könnte sagen: Weniger 0815-Handlung geht kaum.

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DC-Comic-Kritik zu Aquaman 3 - 5

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Aquaman

Nachdem im Rahmen dieser Reihe zunächst die ersten und später die zweiten Bände (diese sogar im Doppelpack) ausgewählter Reihen aus dem DC-Rebirth-Kosmos im Fokus gestanden haben, folgen nun Dreierpacks, bestehend aus den Nummern 3, 4 und 5 der einzelnen Serien. Spätestens nach der Lektüre dieser Beiträge sollte man dann eigentlich einschätzen können, welche Helden man auch weiterhin lesend begleiten möchte, und welche eher nicht.

Die Flut

Die Flut markiert das erste kleine Finale innerhalb von Dan Abnetts Aquaman-Run: Es kommt zu einem politischen Showdown zwischen Atlantis und den USA, und die ominöse dritte Partei, die diesen schon lange existenten Konflikt erst hat eskalieren lassen, tut weiterhin alles dafür, dass es zu einem großen Knall kommt.

Wie treue Fans bereits wissen, war es die Geheimorganisation NEMO (Nautical Enforcement of Macrocosmic Order), die mittlerweile von Black Manta, dem Erzfeind des bekanntesten Dreizackschwingers (neben König Triton vielleicht) geführt wird, die diese militärische Auseinandersetzung zwischen Land- und Meeresbewohnern heraufbeschworen hat. Diejenigen, die an die Existenz einer unbekannten Größe, die aus dem Hintergrund die Fäden zieht, von der der König von Atlantis fest überzeugt ist, glauben, werden mit der Zeit immer weniger, sodass bald nur noch seine engsten Vertrauten und natürlich seine große Liebe Mera bedingungslos hinter ihm stehen.

Das Justice-League-Mitglied muss so gesehen an mehreren Fronten gleichzeitig kämpfen und sich förmlich zerreißen. Er bleibt sich und seinen Prinzipien dabei bis zum Ende treu. Der Preis, den er dafür bezahlt, ist allerdings hoch, wie er noch früh genug erkennen wird. Es kommt zu einer Art Lauf gegen die Zeit, der ganz im Sinne der Leserschaft sein dürfte, weil der Inhalt der Einzelheftausgaben 10 bis 15 wirklich spannend und das Ende nur bedingt vorhersehbar ist - ein echter Politthriller eben (sogar mit “Gastauftritten“ von Barack Obama).

Aquaman

Tethys

Wer nun dachte, nach einem solch kräftezehrenden XXL-Abenteuer würde Abnett seinem Protagonisten eine Verschnaufpause gönnen, der irrt. Wobei: Tethys enthält zwei abgeschlossene Geschichten, und der Beginn der ersten erweckt zunächst zumindest den Anschein, dass es für den berühmtesten Atlanter, den die Welt je gesehen hat, auf absehbare Zeit etwas ruhiger zugehen könnte.

Gemeinsam mit einigen seiner Untertanen hilft er den Einwohnern seiner zweiten Heimat (Amnesty Bay) dabei, ihre Stadt, die bei den militärischen Auseinandersetzungen der jüngeren Vergangenheit schwer zu Schaden gekommen war, wiederaufzubauen. Doch selbstverständlich ist diese Phase in mehrerlei Hinsicht nur die Ruhe vor dem Sturm. Dieser zieht auf, als der gefährliche Warhead die Bühne betritt. Er beherrscht die sogenannte Technokinese (vergleichbar mit Arthurs Aquakinese) und ist dadurch dazu in der Lage, Menschen zu seinen Marionetten zu machen und sie zu kontrollieren. Wie und ob es dem Helden dieses Comics gelingt, die Opfer des “Puppenspielers“ vor ebendiesem zu retten und die von ihm ausgehende Gefahr abzuwenden, ist hier jedoch eigentlich nur von sekundärer Bedeutung. Warum dem so ist, wird erst nach und nach offenkundig - und ganz besonders in der zweiten, für sich stehenden Story.

Alles fängt damit an, dass ihn ein Mitglied der Aquamarines, einer Sondereinsatztruppe mit enormen Kräften, die den Herrscher der Meere vor Kurzem noch eliminieren sollte, aufsucht und um Hilfe bittet. Selbstredend sagt er direkt zu und ist sich in diesem Moment der Symbolwirkung dieser Mission gar nicht bewusst. Genau genommen hat er die Oberflächenbevölkerung der atlantischen damit nämlich mindestens zwei Mal vorgezogen, und das ohne echte Rücksprache mit seinen Gefolgsleuten und Beratern. Dies rückt vorerst in den Hintergrund, da besagter Einsatz für den Hochgeschwindigkeitsschwimmer nun Vorrang genießt.

Wie mehr und mehr deutlich wird, erzählt der britische Autor, der ebenfalls für die packende Titans-Reihe unter dem Rebirth-Banner verantwortlich zeichnete, diesmal eine Geschichte, die man wohl am ehesten dem Horrorfach zuordnen würde. Denn Aquaman bekommt es erneut mit Dead Water zu tun, der mutmaßlich schaurigsten Erscheinung aus seiner Rogues‘ Gallery. Eingeführt wurde die Figur noch in den letzten Zügen der The-New-52-Ära, in denen Dan Abnett schon das Zepter übernommen hatte. Wie er dem angsteinflößenden Wesen aber zu einem Comeback verhilft, wie sich das Ganze wunderbar in die bisherige Gesamthandlung einfügt und wie vor allem damit wiederum künftige Ereignisse vorbereitet werden, nötigt einem Außenstehenden zweifellos Respekt ab.

Aquaman

Unterwelt

Im fünften Band stehen die Folgen von Arthur Currys Handlungen im Fokus. Die, die stets zu ihm gestanden haben, sind klar in der Minderheit und seinen Kritikern ist es gelungen, den Großteil seines Königreichs auf ihre Seite zu ziehen. Wenn der Thron von Atlantis so häufig unbesetzt ist und derjenige, für den doch die Atlanter an erster Stelle stehen sollten, so häufig mit den Luftatmern zusammenarbeitet, sorgt das natürlich für Unzufriedenheit. Als sich dann zudem die Meldung - ohne den entsprechenden Kontext - verbreitet, dass der Konflikt mit den USA beigelegt wurde, indem sich ihr Oberhaupt schlicht ergeben hat, ist das für die meisten Unterwasser-Bewohner der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt.

Die logische Konsequenz: Der König wird abgesetzt und - aus seiner Sicht - zu allem Überfluss durch den verurteilten und inhaftierten Terroristen und erklärten Feind der Menschen Corum Rath ersetzt. Dieser ordnet unmittelbar nach seiner Krönung an, das sagenumwobene Inselreich abzuschotten. Dabei greift er auf Magie zurück, die nicht ohne Grund vor Ewigkeiten verboten wurde. Auf diese Weise wird aus dem einst beinahe gewöhnlichen Bösewicht ein echter Superschurke, der sich nicht mehr allzu leicht besiegen lässt.

Seine Allmachtsfantasien werden nach und nach immer schlimmer, bis von einem regelrechten Wahn gesprochen werden kann: “Unreine“ Atlanter lässt er verfolgen, jeden, der mit der Vision seines Vorgängers (einer friedlichen und kollegialen Koexistenz zwischen Land und Meer) sympathisiert ebenso und sein Vorgehen respektive das seiner Untergebenen wird immer brutaler.

Das Symbol der Hoffnung wurde, wie sich bald zeigt, allerdings doch nicht getötet, sodass nicht alles verloren scheint. Der ehemalige Regent, der sich zunächst damit begnügt, in der neunten Ebene, also dort, wo all diejenigen, die in irgendeiner Form “anders“ waren, ohne Furcht leben konnten, einzelne zu retten, ändert schließlich doch seine Meinung, rafft sich auf und will jene, die diese Schreckensherrschaft beenden wollen, anführen – ein Stoff, aus dem waschechte Dramen gestrickt sind.

Inhaltlich wird dem Leser folglich enorm viel geboten, jedoch nicht nur: Auch optisch bestechen diese Paperbacks durch eine außergewöhnliche Qualität: Brad Walker, Philippe Briones und Scot Eaton fangen das Leben in den Tiefen des Ozenas wunderbar ein, lassen es zeitweise prachtvoll, gelegentlich bedrohlich und bei Bedarf auch regelrecht mysteriös und fremd erscheinen. Ihre Stile ergänzen sich gut und sind allesamt geprägt von einer Eleganz und Feinheit. In Unterwelt betritt dann aber Stjepan Šejic die Bühne und toppt das Ganze noch einmal, da seine Zeichnungen noch detailreicher sind und enorm filigran anmuten - was sicherlich auch damit zu tun hat, dass er sich selbst um die Kolorierung kümmert. Er verzichtet nahezu komplett auf kräftige Farben, sodass seine Panels gelegentlich gar an Gemälde erinnern.

Fazit

Wenn nicht bereits die ersten beiden Trades so überzeugend geraten wären, hätte sich spätestens nach diesen dreien unter Superhelden-Fans, allerdings auch ganz allgemein unter Comic-Liebhabern die Meinung durchgesetzt, dass Dan Abnetts Aquaman-Run zu dem Bestem gehört, was die Wiedergeburt des DC-Universums zum Vorschein gebracht hat.

Wer so gekonnt innerhalb einer übergeordneten Handlung zwischen Genres hin und her wechseln kann, ist schlicht ein Meister seines Faches, der Leser dazu bringen kann, vermehrt darauf zu achten, wer den Comic geschrieben hat und weniger darauf, wer die Titelrolle innehat.

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DC-Comic-Kritik zu Flash 3 - 5

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The Flash

Nachdem im Rahmen dieser Reihe zunächst die ersten und später die zweiten Bände (diese sogar im Doppelpack) ausgewählter Reihen aus dem DC-Rebirth-Kosmos im Fokus gestanden haben, folgen nun Dreierpacks, bestehend aus den Nummern 3, 4 und 5 der einzelnen Serien. Spätestens nach der Lektüre dieser Beiträge sollte man dann eigentlich einschätzen können, welche Helden man auch weiterhin lesend begleiten möchte, und welche eher nicht.

Im Bann der Finsternis

Joshua Williamson ist bekanntermaßen ein im Verhältnis noch recht junger Autor (Jahrgang 1981), der aus seiner Liebe zum Roten Blitz nie einen Hehl gemacht hat. Dementsprechend hoch war sicherlich seine Motivation, als er in seinem eigenen Run die Flash-Storys erzählen durfte, die womöglich seit seiner Kindheit in seinem Kopf herumgeisterten. Das Ergebnis: Eine Mischung aus neuen, kreativen Ideen und Nostalgie. Auf dem Papier hat sich das Grundgerüst höchstwahrscheinlich immer gut angehört, in der Realität muss man jedoch konstatieren, dass die Qualität der einzelnen Arcs durchaus gewissen Schwankungen unterworfen war.

Im Bann der Finsternis ist ein weiterer Beleg dafür: Das in diesem Band präsentierte Geschehen würde man auf einer Skala von 1-10 wohl irgendwo in der Mitte bei 5 oder 6 verorten, was mit Blick auf Godspeed einen Rückschritt darstellt. An den Zutaten liegt es abermals nicht: Es kommt zum Aufeinandertreffen der Wallys, mit Shade betritt ein spannender Antiheld die Bühne und insgesamt geht es viel um das Innenleben der Hauptcharaktere. Aus alldem ließe sich zweifellos ein leckeres Gericht zaubern, aber bei der Zubereitung ist dem Koch leider noch nicht alles geglückt.

Einen guten Comic zeichnet eben unter anderem auch ein gelungener Spannungsbogen aus, und da dieses Trade mehrere Einzelheftausgaben enthält, müsste man streng genommen eigentlich sogar mehrere kleinere Höhepunkte erwarten können, die rund um einen oder zwei größere platziert worden sind. Genau das fehlt allerdings: Wenn sich die beiden Junior-Blitze, deren Leben so völlig unterschiedlich und in gewisser Weise auch ähnlich verlaufen sind, begegnen, hätte es einmal mehr die Chance auf wunderbar inszenierte epische Momente gegeben. Diese wird jedoch nicht ergriffen. Williamson beschränkt sich auf ein Kennenlernen, das einem zweifelsohne beide Charaktere noch sympathischer erscheinen lässt als ohnehin schon, und baut auch den einen oder anderen emotionalen Moment ein.

Alles in allem ist das aber etwas zu wenig, etwas zu zaghaft und einfach nicht außergewöhnlich genug. Vor allem wenn man weiß, welch bedeutende Rolle der „alte“ Wally im Kontext der DC-Universums-Wiedergeburt spielt. Es hätte zudem nicht geschadet, sie zu diesem frühen Zeitpunkt gemeinsam auf eine Mission zu schicken, um sich etwas von Barry Flash Allen zu emanzipieren – wie das gelingen kann, hat Dan Abnett nebenbei bemerkt gekonnt in seiner Titans-Serie (Wally 1 inklusive) gezeigt.

Die zweite große Geschichte dieses Paperbacks dreht sich vornehmlich um Richard Swift alias Shade, einen der klassischen Gegner des schnellsten Mannes der Welt, und ist in vielerlei Hinsicht deutlich gelungener als die erste. Einen geläuterten Superbösewicht in den Mittelpunkt der Handlung zu stellen, war primär deshalb eine gute Idee, weil sich gerade der Herr der Schatten sehr gut dazu eignet, um zu veranschaulichen, wie unrealistisch es wäre, zu glauben, ein Charakter, der in der Vergangenheit viel Schlimmes getan hat, könne von jetzt auf gleich einer von den Guten werden.

Das Interessante: Seine Schatten, die ihn überhaupt erst zu einer echten Gefahr für Central City haben werden lassen, entwickeln einen eigenen Willen und lösen sich von ihm. Ursache dafür sind seine wachsenden Zweifel und die Angst, seine Hope, die Frau, die er so sehr liebt, eventuell zu enttäuschen. Er selbst ist nämlich der festen Überzeugung, nicht stark genug zu sein beziehungsweise rückfällig zu werden.

Dieser Ansatz ist sehr spannend und Williamson macht auch bei der Umsetzung dieser Story eine Menge richtig - so passen etwa das Hadern, der innere Zwiespalt und die vielen negativen Gedanken Shades gut zu den Kämpfen, die die Schnellsten der Schnellen gerade mit sich auszutragen haben. Leider wird auch hier viel zu viel deutlich zu schnell abgehandelt, man möchte beinahe sagen abgehakt, sodass das Gezeigte beim Leser nicht ganz die Wirkung entfaltet, die eigentlich möglich gewesen wäre.

The Flash

Rogues Reloaded

Rogues Reloaded hingegen ist wieder (von der ersten bis zur letzten Seite) ein eindeutiger Schritt in die richtige Richtung. Schon mit den ersten Panels ist spürbar, dass sich hier etwas entwickelt, das auch perspektivisch noch relevant werden wird, und insbesondere im Superhelden-Kontext ist ein offensichtlich angestrebtes großes Ganzes eigentlich immer erfolgsversprechender und lesenswerter als Stückwerk.

Auch hier stehen einige der berühmtesten Flash-Gegenspieler, die titelgebenden Rogues, im Mittelpunkt, nur diesmal geht Joshua Williamson anders vor: Er lässt sich nämlich tatsächlich wesentlich mehr Zeit, verrät einiges, allerdings bei Weitem noch nicht alles, was er mit der Schurkentruppe vorhat und gibt stattdessen Hinweise, die zum Spekulieren einladen. Außerdem ist es für Fans in den meisten Fällen erfreulich, wenn Bezug auf vergangene Runs genommen und somit klargestellt wird: „Die Inhalte der Comics, die ihr bereits gelesen habt, hatten Bedeutung und die derer, die ihr aktuell lest, ebenfalls.“ Denn in der New-52-Ära hat die Bösewicht-Gruppierung bekanntlich temporär sogar an der Seite des berühmtesten Sohnes von Central City gekämpft, wodurch die Bewohner mit einem Male zu den Schurken aufschauten, sie respektierten und ihre Vorbehalte ihnen gegenüber mehrheitlich über Bord werfen konnten.

Der Leser wiederum sitzt aufgrund des vermeintlich letzten großen Coups von Captain Cold, Weather Wizard, Heat Wave, Mirror Master und Golden Glider zwischen allen Stühlen, weil er einerseits mit ihnen sympathisiert und ihnen in gewisser Hinsicht den Ruhestand insgeheim gönnt, andererseits aber natürlich weiß, dass sie mehrfach verurteilte Verbrecher sind, die erneut ein Verbrechen begehen, um „in Rente“ gehen zu können. Positiv erwähnen muss man ebenfalls die zahlreichen kleinen Randbemerkungen, die Barry Allens Alter ego zwischendurch fallen lässt - etwa, wenn er anmerkt, dass Leonard Snart alias Captain Cold so viel Gutes bewirken könnte, wenn er seine Intelligenz und seinen Einfallsreichtum konsequent dazu nutzen würde, um an der Seite des prominenten Justice-League-Mitglieds respektive an der des CCPD die Stadt etwas sicherer zu machen.

Das stimmt selbstverständlich und dennoch entscheidet er sich bewusst dagegen, was ihn als Charakter nur noch interessanter macht. Dass die Rogues selbst seit jeher ein Zusammenschluss an Leuten mit einem sehr ausgeprägten Ego waren, ist nichts wirklich Neues, dass Cold jedoch diesen Schwachpunkt ausgemacht und seine Mitstreiter mit Nachdruck darauf eingeschworen hat, dass sie nur dann Erfolg haben werden, wenn sich alle an seinen Plan halten, durchaus.

Diejenigen, die sich den Sammelband zugelegt haben, dürfen folglich noch schnell eine Wette mit sich selbst abschließen, ob es diesen Antihelden auf neuerlichen Abwegen (zumindest zeitweise) gelingt, ihrem Erzfeind ein bis zwei Schritte voraus zu sein. Wie zu erwarten, wendet sich das Blatt auf diesen 180 Seiten auch mehrfach, sodass niemand befürchten muss, sich während der Lektüre zu irgendeinem Zeitpunkt zu langweilen. Barry Allens Privatleben ist im Übrigen nicht minder ereignisreich, und eine Frage beschäftigt ihn mehr und mehr: Wie sehr kann, soll und darf sich ein Weltenretter öffnen beziehungsweise wem eigentlich?

The Flash

Im Griff der Furcht

Nach dem Gesetz der Serie müsste dieses Trade nun wieder einen Rückschritt darstellen, erfreulicherweise ist das Gegenteil der Fall: Im Griff der Furcht überzeugt auf ganzer Linie, und abermals ist dafür in erster Linie der Antagonist verantwortlich: Eobard Thawne, der erste und gleichzeitig wohl gefährlichste Reverse-Flash. (Es lohnt übrigens sehr, sich das Batman/Flah-Abenteuer Der Button zu Gemüte zu führen, bevor man sich diesen 124 Seiten widmet, weil der Fiesling in Gelb in dieser Geschichte schon eine beeindruckende Kostprobe seines Könnens gibt und beiden Vertretern der Liga schwer zusetzt, jedoch am Ende dafür einen hohen Preis zahlen muss.)

Thawne war gestorben respektive sprach zunächst alles (in erster Linie sein Leichnam) dafür, dass er das Zeitliche gesegnet hatte. Barry seines Zeichens Forensiker war aber von Beginn an skeptisch und sollte schließlich Recht behalten: Der Hochgeschwindigkeits-Killer kehrte zurück - vielleicht sogar gefährlicher denn je - und hatte nur ein Ziel: Er wollte Flash leiden lassen! Und beließ es auch nicht bei bloßen Ankündigungen, sondern untermauerte mit Taten, wie ernst es ihm damit war.

Dabei spielt physische Gewalt eindeutig eine untergeordnete Rolle, der Kriminelle bevorzugt Psychospielchen und wie der Titel bereits vermuten lässt: Das Spiel mit der Furcht. Vor allem Barry muss darunter leiden, dass seine Nemesis einen seiner schlimmsten Alpträume wahr werden lässt - es versteht sich von selbst, dass Iris und ihr Neffe Wally West, also der „neue“ Kid Flash, ebenfalls zu spüren bekommen, wie grausam dieser Reverse-Flash sein kann.

Wer sich auch nur minimal im Roter-Blitz-Kosmos auskennt, der weiß, dass Zeitreisen immer wieder zum Thema werden - so auch diesmal. Überraschenderweise geht es dann allerdings viel weniger um die beiden Kontrahenten im Kostüm, sondern vielmehr um die Männer hinter den Masken, was das Erzählte zum einen origineller erscheinen lässt und dem Leser zum anderen viel besser ermöglicht, sich in die beiden Hauptfiguren - ja, auch in Thawne - hineinzuversetzen. Dadurch gewinnt das Dargebotene an Relevanz und wird demzufolge eben gerade nicht als austauschbar oder belanglos wahrgenommen.

Was den Look angeht, ist man sich treu geblieben: Flash-typisch ist alles verhältnismäßig hell und es werden viele bunte Farben verwendet und auch die Tatsache, das ein Großteil der Zeichnungen auf Carmine Di Giandomenico zurückgeht, tut dem Werk gut, weil sein tendenziell eher harter, kantiger und skizzenhaft-elegant anmutender Stil sich gut dazu eignet, um Geschwindigkeit zu verbildlichen - logischerweise eine der größten Herausforderungen in einem Flash-Comic.

Fazit

Nach fünf Bänden beziehungsweise insgesamt 27 Einzelheftausgaben ist Joshua Williamson an einem Punkt angekommen, der Lust auf mehr macht. Und selbst wenn er hier und da nicht die beste Geschichte erzählt hat, die denkbar gewesen wäre, so hat er sich doch viel getraut und ausprobiert, ohne dabei den Protagonisten oder dessen Welt untreu zu werden, was für sich genommen schon eine beachtliche Leistung ist.

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DC-Comic-Kritik zu Green Lanterns 3 - 5

Nachdem im Rahmen dieser Reihe zunächst die ersten und später die zweiten Bände (diese sogar im Doppelpack) ausgewählter Reihen aus dem DC-Rebirth-Kosmos im Fokus gestanden haben, folgen nun Dreierpacks, bestehend aus den Nummern 3, 4 und 5 der einzelnen Serien. Spätestens nach der Lektüre dieser Beiträge sollte man dann eigentlich einschätzen können, welche Helden man auch weiterhin lesend begleiten möchte, und welche eher nicht.

Die Phantom-Lantern

Während es in den ersten beiden Green-Lanterns-Paperbacks für Jessica Cruz und Simon Baz jede Menge zu tun gab, sind sie in Die Phantom-Lantern eher Nebenfiguren, und das ist gut so. Das soll selbstredend nicht heißen, dass die “Neuen“ bisher nicht überzeugt hätten, das Gegenteil ist der Fall -, aber Sam Humphries beweist mit dieser inhaltlichen Entscheidung einmal mehr, dass es ihm sehr wichtig ist, originell zu sein und selten das Erwartbare zu tun.

Wie der Titel schon sagt, dreht sich fast alles in diesem die Einzelheftausgaben 9-14 beinhaltenden Trade um den Phantom-Ring respektive denjenigen, der ihn letztlich anlegt. Für Frank Laminski, einen Mann, der im Laufe seines Lebens immer wieder zu hören bekam, nicht gut genug und eine ewige Nummer zwei zu sein, änderte sich von einem auf den anderen Moment alles, als er eines Tages Hal Jordan in Aktion sah. Die berühmteste Grüne Leuchte rettete ihn, den Test-Piloten nicht nur, er tat dies, indem er seinen Ring einsetzte, und Laminski auf diese Weise einen Eindruck davon vermittelte, wie mächtig er tatsächlich war und wie grenzenlos seine Macht zu sein schien.

Autor Humphries nimmt nun den Leser an die Hand und führt ihm mit jeder Seite etwas mehr vor Augen, wie der Protagonist endgültig falsche Prioritäten setzt: Dieser will unbedingt eine Green Lantern werden und begeht damit im Prinzip schon den ersten Fehler. Denn wie könnte er besser beweisen, dass er allein aus Eigennutz handelt. Die Ringe wiederum wählen bekanntlich ihre Träger nach anderen Kriterien aus, und würdig ist nicht, wer egoistische Ziele verfolgt. Besonders interessant wird das Ganze dadurch, dass der Ambitionierte bei diesem Unterfangen durchaus auch Menschen rettet - nur eben aus den falschen Gründen. Folglich führen all seine Bemühungen lediglich dazu, dass sein großes Ziel in immer weitere Ferne rückt. Dass sich schließlich sogar ein Ring fälschlicherweise zu dem Unbelehrbaren verirrt, ist natürlich ein genialer erzählerischer Schachzug, um zu verdeutlichen, dass er kurz davor ist, den Verstand zu verlieren. All seine Bemühungen schienen sich für einen kurzen Moment auszuzahlen, ehe er gewissermaßen live miterleben muss, wie ein anderer erwählt wird.

Für den Leser wird alles, was auf diesen Moment folgt, logischerweise mit einem Schlag doppelt so spannend, weil nun Franks Feindbild feststeht und er fast zeitgleich von einer Möglichkeit erfährt, wie er sich seinen Traum noch erfüllen kann. Doch natürlich hat alles stets seinen Preis, und in diesem Fall muss ihn nicht nur die tragische Figur Laminski zahlen…

Green Lanterns Comic

Polarität

In Polarität finden sich hingegen drei in sich abgeschlossene Einzelgeschichten, die selbstverständlich gleichzeitig etwas zur übergeordneten Haupthandlung beitragen. Dies allein genügt Humphries jedoch nicht, um zu untermauern, wie abwechslungsreich - und dabei dennoch in sich schlüssig - er erzählen kann.

Alles beginnt mit einem gemeinsamen Einsatz von Jessica Cruz und Siman Baz mit den wichtigsten Köpfen der Justice League. Und die beiden schlagen sich so gut an der Seite von Wonder Woman, Batman, Superman & Co., dass sie sogar das eine oder andere Lob erhalten, was den beiden Neulingen selbstredend guttut. Der Übergang zu dem Abenteuer, das sie an der Seite des dunklen Ritters bestreiten, gerät aufgrund der Chronologie der Ereignisse natürlich besonders überzeugend. Denn nun leuchtet jedem selbstverständlich sofort ein, weshalb die menschliche Fledermaus die beiden Lanterns nach Gotham City gerufen hat - sie hat gesehen, zu was die zwei in der Lage sind.

Diesmal hat es das Trio zudem mit einer Bedrohung zu tun, die die Weltenretter dazu zwingt, in mehrerlei Hinsicht über sich hinauszuwachsen. Es geht vor allem um das Innerste der grünen Leuchten, um die Dinge, die sie beschäftigen, quälen, hemmen und davon abhalten, ihr volles Leistungspotenzial abzurufen. Auf diese Weise nimmt man ganz deutlich den roten Faden wieder auf, der sich bereits durch Planet des Zorns und Die rote Flut gezogen hat: Die fehlbaren Menschen sind es nämlich, die wieder und wieder im Fokus stehen, und nicht die strahlenden Heroen. Und so wird einmal mehr unterstrichen, dass diese Reihe zwar wieder und wieder auf sehr unterschiedliche und äußerst gefährliche Gegenspieler setzt, die Guten aber eigentlich primär einen Kampf mit sich selbst führen.

Wie es aussieht, wenn man diesen zum wiederholten Male verliert, erfährt der geneigte DC-Fan in der letzten Geschichte, in der der Titel des Sammelbandes (Polarität) sehr relevant wird. Nach den Red Lanterns betritt nämlich in Doctor Polaris der nächste klassische Green-Lantern-Bösewicht die Bühne. Der Name gibt schon den entscheidenden Hinweis auf dessen innere Zerrissenheit, die den Charakter seit seinem ersten Panel-Auftritt vor mittlerweile fast sechzig Jahren bestimmt. Dr. Neal Emerson, ein Genie, ein Mann, der immer davon träumte, mittels Magnetismus die Welt zu verbessern, allerdings auch ein gefährlicher Superbösewicht mit enormen Kräften. Dass Jessica und Simon zu genau diesem Zeitpunkt ihrer gemeinsamen Reise auf diesen Antagonisten treffen, zeigt deutlich, dass Sam Humphries offenbar selbst kleinere, ein wenig aus der Reihe tanzende Kapitel innerhalb seines Runs als wichtigen Baustein erachtet und entsprechend behandelt. Denn das ungleiche Duo, das sich zunächst so gar nicht verstanden hat, wächst vor den Augen der Leser mehr und mehr zusammen, wodurch diese Zeuge ihrer Entwicklung hin zu vollwertigen Mitgliedern der Liga der Gerechten werden. Noch ist dieser Prozess jedoch nicht abgeschlossen …

Green Lanterns Comic

Die Rückkehr der Ersten Lantern

… - so sehen es zumindest einige wichtige grüne Autoritäten, welche die Grünschnäbel auf Mogo, den lebenden Planeten, der selbst Mitglied des Green Lantern Corps ist, beordern.

Unmittelbar nach ihrer Ankunft bekommen die Neulinge in Guy Gardener und Kyle Rayner zwei alte Ring-Hasen als Ausbilder zugeteilt: Ersterer nimmt sich Jessica Cruz an, Zweiterer Simon Baz. Insbesondere für die junge Frau beginnt mit diesem Moment eine sicherlich nicht gerade einfache Zeit, aber auch Simon wird von seinem Mentor sehr gefordert.

Diesmal steht also vermeintlich eine Art “berufliche“ Weiterentwicklung im Zentrum der Handlung. De facto wählt der Autor eigentlich nur einen anderen Weg, um wieder zu den Menschen, denen von jetzt auf gleich eine große Verantwortung übertragen wurde und die nach wie vor von Ängsten und Selbstzweifeln gequält werden, zu kommen. Abermals macht das sympathische Team sichtlich Fortschritte. Diese sind jedoch auch dringend nötig, da das Böse nicht nur nicht schläft, sondern längst - bislang unbemerkt - in Aktion getreten ist. Spätestens nach der Lektüre dieses Bandes dürfte jedem klar sein, dass ein Showdown epischen Ausmaßes unmittelbar bevorsteht. Der Gegner, der seinen Schlag gegen den Laternen-Nachwuchs von langer Hand geplant hat, enorm einfallsreich, außerordentlich mächtig und daher gleichsam überaus gefährlich ist, wird - so viel ist sicher - Jessica und Simon an ihre Grenzen bringen.

Der Punkt, an dem Die Rückkehr der Ersten Lantern endet, ist einer, der reichlich Raum für Spekulationen lässt und ein weiterer Beleg dafür ist, dass die Green-Lanterns-Comics zu dem Besten gehört, was unter dem Banner DC Rebirth erschienen ist. Die Zeichnungen, die nach wie vor in den allermeisten Fällen von Robson Rocha stammen, stehen der inhaltlichen Qualität der Hefte weiterhin in nichts nach. Die Weiten des Weltraums werden von dem Künstler ebenso gut eingefangen wie die unterschiedlichsten Emotionen in den Gesichtern der Haupt- und Nebenfiguren. Das All wird dadurch zu einem ähnlich konkreten, vor Details nur so strotzenden Schauplatz wie die uns bestens bekannte Erde und die Darstellung der Charaktere macht ebendiese nur noch nahbarer.

Fazit

Man muss Sam Humphries ohne Frage ein Kompliment machen: Seine Ideen sind erfrischend, die Story mit viel Weitsicht konzipiert und das Pacing gelungen. Geoff Johns mag den Grünen Leuchten zu “alt-neuem“ Glanz verholfen haben, der Autor in der Ära des wiedergeborenen DC-Universums sorgte aber Minimum dafür, dass dieser für einen langen Zeitraum nicht Gefahr lief, zu verblassen.

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Kritik zu Young Justice Staffel 1: Auf den Spuren der Justice League

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Young Justice

Im Jahre 2019 sollte es nicht lange dauern, bis man jemanden findet, der die MCU-Avengers-Teammitglieder der ersten Stunde problemlos aufzählen kann. Seit dieser besondere Zusammenschluss von Superhelden dank Stan Lee und Jack Kirby 1963 erstmals in einem Comic auftauchte, waren die Rächer, wie sie hierzulande zunächst genannt wurden, wohl nie so populär wie heute. Allerdings waren sie - obwohl die Filmveröffentlichungspolitik der beiden großen Konkurrenten Marvel und DC respektive Disney und Warner etwas anderes suggerieren - nicht die erste Vereinigung an Kämpfern für das Gute, die in den USA im Laufe der Jahrzehnte immer wieder die Erde zu retten hatte. Denn bereits 1960 hatte die Justice League das Licht der Panel-Welt erblickt. Entscheidender als dieser kleine Vorsprung ist jedoch die Tatsache, dass der Trend, Gruppen von Helden gegen Superschurken antreten zu lassen, schon seit über fünfzig Jahren existiert und bis zum heutigen Tage anhält.

Neben den Aushängeschildern der beiden Wettbewerber gibt es aber noch weitere Teams, die sich der fiktionalen Verbrechensbekämpfung verschrieben haben. Weit weniger bekannt als die berühmte Liga der Gerechten sind die sogenannten Teen Titans von DC. Wie es der Name bereits andeutet, handelt es sich hierbei um die jüngeren Partner der Heroenprominenz (Batman, Aquaman, Flash usw.) wie Robin, Aqualad oder Kid Flash. Dieses Gründungstrio (erstmals 1964 mit einem gemeinsamen Auftritt in einem Heft) blieb nicht lange alleine respektive wurde im Laufe der Zeit die Kernbesetzung immer wieder verändert. Und nicht nur das: Spätestens seit dem Start der neuesten Realserie aus dem Hause DC mit dem Titel Titans ist die Junior-Liga auch immer mehr Nicht-Langzeitfans ein Begriff. Dass im Popkultur-Sektor sehr gern umbenannt wird respektive irgendwann Umbenennungen dann auch - gefühlt noch lieber - wieder rückgängig gemacht werden, ist kein Geheimnis. Dennoch geht es in diesem Fall viel mehr darum, dass man gewissermaßen den Reifeprozess des Urteams zum Ausdruck bringen wollte. Denn aus der ersten Generation der Teen Titans wurden eben im Laufe der Zeit die Titans, wodurch neue Gesichter in das Teen-Team nachrücken konnten. Und daher sollte sich auch niemand darüber wundern, dass in der Comic-Welt die Titanen zeitgleich mit und ohne den Zusatz “Teen“ anzutreffen sind. 

Im Jahre 2010 sollte man seitens DC dann allerdings ganz tief in die Kreativkiste greifen und eine Zeichentrickserie mit dem Namen Young Justice aus dem Hut zaubern. Und obwohl man sich, was die Protagonisten anbelangte, exakt aus dem Pool der traditionellen (Teen-)Titans-Charaktere bedient hatte, merkte man diesem Format dennoch direkt eine Ambitioniertheit an, die man bis dato im Kontext mit dem Nachwuchs der Gerechten so noch  nicht gesehen hatte. Grund genug, sich einmal etwas genauer mit diesem (Noch-)Geheimtipp zu beschäftigen.

Young Justice

Wie man große Fußstapfen füllt (in mehreren Staffeln)

Wer in den Neunzigern Kind war und Cartoons liebte, hatte gute Chancen früher oder später auf die Animated Series von DC zu treffen: Batman - The Animated Series (BTAS) und Superman - The Animated Series (STAS). 1999, 2001 und 2004 folgten schließlich noch Batman Beyond/Batman of the Future, Justice League und Justice League Unlimited. Obwohl auch die Marvel-Kreationen New Spider-Man oder X-Men bis heute unglaublich beliebt sind, hatte DC insgesamt einfach doch in Sachen gezeichnete Serien überzeugender abgeliefert. In dieser glorreichen TV-Ära liegt im Übrigen die bis heute von vielen Popkulturfans gelebte Überzeugung begründet, dass der große Konkurrent des “House of Ideas“ zwar auf der Leinwand auf absehbare Zeit nicht mit dem MCU wird mithalten können, aber auf den kleinen Bildschirmen wohl auf Sicht die Nase vorn haben wird.

Die beiden Namen, die untrennbar mit dieser Erfolgsgeschichte verknüpft sind, lauten bekanntlich Bruce Timm und Paul Dini. Ersterer war maßgeblich für den Look verantwortlich (hat allerdings auch viel Einfluss auf den Verlauf der Handlung genommen) und Zweiterer ausschließlich für die inhaltliche Ausrichtung der Kinderprogrammhits. Die Kreativen waren fest entschlossen, die Grenzen des Erlaubten auszutesten (insbesondere bei BTAS), was sicher auch ein Grund dafür war, weswegen ihre Werke bis heute einen exzellenten Ruf in der Fanszene genießen.

2010 dann die kleine Sensation: Kein Vertreter des dynamischen Duos würde an Young Justice mitwirken. Stattdessen übertrug DC Brandon Vietti, der zuvor beispielsweise schon an The Batman oder Batman: The Brave and the Bold mitgearbeitet hatte, und Greg Weisman die Verantwortung. Letzterer Name dürfte bei Cartoon-Liebhabern spätestens dann Begeisterungsstürme auslösen, wenn man ihnen sagt, was auf dessen Referenzliste zu finden ist. Weisman ist nämlich unter anderem der Kopf hinter der womöglich durchdachtesten und komplexesten Disney-Serie überhaupt - die der Mausohren-Konzern (nebenbei bemerkt) unverständlicherweise geradezu stiefmütterlich behandelt: Gargoyles - Auf den Schwingen der Gerechtigkeit. Außerdem geht The Spectacular Spider-Man ebenso auf Weisman zurück wie die vielgelobten Star-Wars-Comics Kanan - Der letzte Padawan sowie Kanan - Das erste Blut.

Dieser Mann hat also bei beiden US-Entertainment-Giganten seine Spuren hinterlassen und gerade mit den ersten zwei Staffeln seiner jungen Helden unglaublich viel für das Image von klassischen Zeichentrickproduktionen getan - in einer Zeit, in der viel zu oft proklamiert wird, dass Computer-animierte Serien und Filme das Maß aller Dinge seien. Daher kam es umso überraschender, als 2013 verkündet wurde, dass es trotz eines großen Cliffhangers in Episode 46 (vorerst) keine weiteren Folgen geben würde. Hauptsächlich hätte das laut Greg Weisman mit den zu geringen Spielzeugverkäufen zu tun gehabt - ein Faktor, der auch bereits bei der Absetzung von Gargoyles eine Rolle gespielt hatte und dessen Bedeutung für den Fortbestand von Cartoons generell nicht unterschätzt werden darf. Doch was heutzutage noch weniger unterschätzt werden darf, ist die Macht des Internets beziehungsweise der Fans. Denn letztendlich waren sie es, die, nachdem Netflix Anfang 2016 Young Justice in sein Portfolio aufgenommen hatte, durch eine Art “Dauer-Bingen“ bewirkten, dass der Streamingriese eine weitere Staffel in Auftrag gab. In den USA debütierte diese Anfang 2019 auf dem neuen DC-eigenen Streamingservice DC Universe, während sie in der restlichen Welt auf Netflix zu finden sein wird. Bis es so weit ist, lohnt ein Blick auf die Anfänge dieses  Ausnahmetitels, der, wie kürzlich bekanntgegeben wurde, auch eine vierte Staffel erhalten wird.

Young Justice

Inhalt

Aus den Assistentenschuhen waren Robin, Kid Flash und Aqualad zwar mittlerweile herausgewachsen, ihre Mentoren kamen aber nach einem intensiven Austausch zu der Überzeugung, dass sie noch nicht bereit dafür seien, der Justice League beizutreten.

Die Konsequenz: Die nächste Generation erhielt ein eigenes Geheimversteck, den sogenannten Mount Justice, in Red Tornado und Black Canary feste Ausbilder, und immer wieder auch echte Missionen, die anspruchsvoll waren, allerdings eben noch nicht unbedingt das Mitwirken der Liga der Gerechten vorausgesetzt hätte. Indirekt waren deren Mitglieder jedoch schon stets involviert, da sich im Wechsel auch immer wieder einzelne von ihnen den Anwärtern temporär annahmen.

Artemis, Superboy und Miss Martian komplettierten die Truppe, die, wie sich schnell herausstellte, von Anfang an deutlich mehr gefordert war, als man ursprünglich hätte annehmen können.

Justice Junior League? Nein, viel mehr!

Wenn man es richtig angeht, schlägt im Zeichentrickbereich wenig bis nichts eine gut gemachte Superheldenserie. Und richtig angegangen sind es zweifellos Brandon Vietti und Greg Weisman im Falle von Young Justice. Den zwei alten Branchenhasen war ganz offensichtlich vollkommen bewusst, dass es ihnen nur nützen könnte, wenn sie von Anfang an Anhänger von Justice League respektive Justice League Unlimited ebenso ansprechen würden wie Vertreter einer jüngeren Generation, die eventuell bis dato noch nicht einmal einen richtigen Bezug zu den großen Comic-Universen hatten. Dass es den beiden Hauptverantwortlichen damit sehr ernst war, erkennt man schon überaus deutlich in den ersten Episoden - vor allem in der Pilotepisode “Unabhängigkeitstag/Independence Day“.

Der Zuschauer wird mittels der bestens bekannten Granden wie Batman oder Superman abgeholt und zügig mit denen vertraut gemacht, die schon in den Startlöchern stehen, um aufzurücken. Der prominenteste Assistent ist sicherlich Robin, der kongeniale Partner des dunklen Ritters. Ein schönes Detail: Es ist wieder Richard John “Dick“ Grayson, also der erste Robin - Kenner wissen, dass es mittlerweile mehrere Boy Wonders gibt, die es in den Comic-Kanon geschafft haben. Dieser ist wieder deutlich jünger als in The Adventures of Batman & Robin, der zweiten BTAS-Staffel, der man einen eigenen Namen spendierte, und in der der junge Mann mit grüner Hose deutlich mehr in den Fokus rückte.

Außer ihm macht das Publikum noch zeitig Bekanntschaft mit Kid Flash alias Wally West und Aqualad alias Kaldur’ahm. Ihre Alter Egos geben den entscheidenden Hinweis: Sie wurden von dem Blitz (Flash) und dem König der Meere (Aquaman) höchstselbst ausgebildet. Zu den dreien gesellen sich im Laufe der Zeit noch Artemis (Crock), Miss Martian alias M’gann M’orzz und Superboy alias Conner Kent. Letzteren entdeckte das Gründungstrio noch alleine im Rahmen des ersten größeren Abenteuers. Und spätestens mit dem Einführen dieser Figur unterstrichen die Macher sehr deutlich, welche inhaltliche Schwerpunkte das weitere Geschehen bestimmen würden.

Young Justice

Der Offensichtlichste ist natürlich das Aus-dem-Schatten-ihrer-Mentoren-heraustreten-Wollen. Was die einzelnen Folgen aber erst so überdurchschnittlich gut macht, ist, dass der Zuschauer von Beginn an nicht nur mit der Truppe sympathisiert, sondern eine echte Bindung zu mindestens einem der aufstrebenden Helden aufbaut. Und dass dem so ist, hat primär damit zu tun, dass wir den nicht ganz normalen Teenagern dabei zusehen, wie sie an Herausforderungen wachsen und aus Rückschlägen - eventuell auch mit zeitlicher Verzögerung - etwas lernen. Und wenn sogar Liebe eine Rolle spielt, sollte jeder zu dem Schluss kommen, dass die Fans ihre Lieblinge beim Erwachsenwerden begleiten - und das stets parallel zu Weltrettungsmissionen.

Hierin besteht eindeutig das Erfolgsgeheimnis des Formats: Denn dieser Prozess passt einerseits zu ihrem Wunsch, vollwertige Justice-League-Mitglieder werden zu wollen und läuft andererseits bei jedem Jugendlichen doch sehr individuell ab. Exakt das ist auf den Bildschirmen im Zeitraum zwischen dem 4. Juli und Neujahr eines nicht näher bestimmten Jahres zu bewundern: Eine Gruppe unterschiedlichster Persönlichkeiten, von denen jeder trotz seiner außergewöhnlichen Fähigkeiten sein Päckchen zu tragen hat. Alle sechs werden im Laufe der Staffel mehr als einmal mit ihren inneren Dämonen konfrontiert - alleine, in einer Klein- oder in der Großgruppe. Jeder dieser Erzählstränge könnte mit “Identitätssuche“ übertitelt werden. Und ohne dass uns diese Dinge auch nur ansatzweise via Holzhammer vermittelt werden, erkennt man irgendwann, dass diejenigen, die hierbei reüssieren, einen großen Schritt in Richtung Liga-der-Gerechten-Vollmitgliedschaft machen.

Ganz nebenbei sieht man besonders gut an dem Umgang von Vietti und Weisman mit DCs größtem Pfund, ihren Bösewichten, wie sehr die beiden gewillt waren, in Sachen enorm ergiebige Comic-Historie aus dem Vollen zu schöpfen. Dennoch funktionieren die einzelnen Folgen auch ohne, dass man sich die davor oder danach spielenden zu Gemüte geführt hat; sie funktionieren jedoch besser, wenn man es hat, und das auf mehreren Ebenen. Vor allem  aber ist früh spürbar, dass nicht einfach nur ein roter Faden existiert, sondern dass es sich um einen handelt, der in dieser Form nicht oft vorkommt und offenbar schon jede Menge Young-Justice-Zukunft beinhaltet - weit bevor diese überhaupt erstmals spruchreif war.

Fazit

Das Team hinter dem Team muss nicht das uninteressantere sein - dies beweist Young Justice auf eindrucksvolle Weise. Außerdem bietet es jedem, der schon immer einmal in das DC-Universum hineinschnuppern wollte, einen idealen Einstiegspunkt und hält gleichzeitig genug Unerwartetes und Originelles für die Treusten der Treuen bereit. Serienfanherz, was willst du mehr?

zusätzlicher Bildnachweis: 
© Warner Bros. Animation / DC Entertainment

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